Katharina J.Ferner, Poetin und Performerin _Salzburg _ reenacting Marilyn Monroe
Liebe Katharina, welche Bezüge gibt es von Dir zur Schauspielerin und vielseitigen Künstlerin Marilyn Monroe (* 1. Juni 1926 Los Angeles, USA † 4. August 1962 ebenda)? Sie ist eine Künstlerin, die mich in ihrer Vielfalt bereits in jungen Jahren in mehrfacher Hinsicht interessiert hat. Damals waren vorwiegend ihre Fotos ein ständiger Begleiter. Sie war während meiner Schulzeit durchaus eine Art It-Girl, wie man jetzt vielleicht sagen würde. Das Wort Ikone will ich hier nicht verwenden, weil es mir zu abgehoben ist. Der weitere Weg zu ihrer Kunst fand bei mir über die Musik und erst später über die Filme statt.
Gibt es einen Film von Marilyn Monroe den Du hervorheben möchtest und warum? Nicht direkt. Persönlich bin ich Fan von jenen Filmen mit ausgiebigeren Tanz- und Gesangseinlagen und dem gewissen Glam-Faktor.Musikalisch habe ich in letzter Zeit wieder häufig River of No Return im Ohr.
Marilyn Monroe (Norma Jeane Baker; bürgerlicher Name) war eine sehr vielseitige Künstlerin, die in den Bereichen Film, Musik, Fotografie und Kunstproduktion, tätig war. Auch Du bist als Schriftstellerin und Künstlerin sehr vielseitig.
Welche Inspirationen, Herausforderungen und Entwicklungen gibt es für Dich in der Verbindung verschiedener Kunstformen?
Die Verbindung verschiedener Kunstformen erweitert den eigenen Horizont. Das gilt natürlich nicht nur für die Kunst. Aber mir eröffnen Verbindungen diverser Sparten neue Blicke und Möglichkeiten. Ich liebe die Literatur, insbesondere die Poesie und ich habe mich für sie als Hauptform meines Schaffens entschieden, um die ich alles andere herum gruppiere. Aber ich brauche auch starke andere Einflüsse, um die Farben immer wieder neu zu mischen und das Schaffen lebendig zu halten.
Muss Kunst immer universell sein?
Kunst muss nicht. Sie kann.
Die bildende Kunst der Fotografie ist bei Marylin Monroe wie auch bei Dir zentral in vielen Projekten. Welche Bedeutung kommt der Fotografie, dem Bild in Deinen Kunstprojekten bzw. Kunstselbstverständnis zu?
Das unterscheidet sich je nach Projekt. Einerseits sind wir als Künstler:innen der Öffentlichkeit auch in (Presse-)Bildern vermehrt ausgesetzt. Im Idealfall kann man für sich beschließen, einer gewissen Erwartungshaltung zu entsprechen oder eben nicht.
Vielleicht geht man auch weiter und lässt sich auf konkrete Projekte ein. In bringe da zwar auch als Performerin ein, finde aber selbst Fotografien aus anderen Teilbereichen nicht weniger spannend.
Ich mag das Wechselspiel, das bei einer gemeinsamen Arbeit entstehen kann. Wir haben ja beispielsweise auch schon das dritte Treffen innerhalb kurzer Zeit und sowohl die Bilder, die dabei entstehen, als auch die Gespräche zum Projekt regen mich zum Weiterdenken und Schreiben an.
In ihren Fotoprojekten war Marilyn Monroe sehr experimentierfreudig. Ihre Aktfotos sorgten 1949 für einen Skandal. “It’s not true I had nothing on. I had the radio on“, sagte sie später über dieses Fotoprojekt.
Welche Bedeutung kommt für Dich dem Körper in Deinen Projekten wie der zeitgenössischen Literatur an sich zu und wie wichtig ist der Körper als künstlerisches, literarisches Arbeitsfeld?
Ein charmantes Zitat, das der Aufregung hier entgegengesetzt wurde.
Der Beschäftigung mit Körper und seinen Zuständen, Grenzen und Möglichkeiten ist für mich in der literarischen Arbeit zu Yves Noirs Fotografien vermehrt ins Zentrum gerückt. Manches davon ist auch ein Versuch, sich einem gesellschaftlichen Außenbild entgegenzustellen. Über den weiblichen Körper wird oft viel ausverhandelt. Ich habe für mich beschlossen, in diese Verhandlung aktiv einzutreten. Und die zeitweise auch die Abgrenzung zwischen Text und Körper aufzulösen.
In Deinem neuen Gedichtband „Krötentage“ (Katharina J. Ferner, Krötentage, Limbus Lyrik, 3_2022) ist die körperliche Sehnsucht, das sinnliche Erfahren, Erleben in Begegnung und Liebe Mittelpunkt.
Wie gestaltet sich der literarische Arbeits-, Transformationsprozess vom „Haut und Haar“ der Liebe, des Körpers zum Wort?
Wie bei jedem meiner Schreibprozesse: Sammeln, Forschen, Erleben. Und dann intensives Schreiben.
Wie und wann entstehen Deine Liebesgedichte?
Aus vielen Notizen fügen sie sich schrittweise zusammen. Manchmal passiert es auch, dass ich eines direkt niederschreibe, aber dann hat es sicher schon eine Weile im Kopf gearbeitet. Schreiben. Meist, wenn ich unterwegs bin.
Inwieweit greift der Körper, die Liebe, für Dich literarisch über die unmittelbare persönliche Erfahrung hinaus?
Die persönliche Erfahrung kann nur einen Ausgangspunkt anbieten, was weiter daraus entsteht, ist die eigentliche Kunst.
Was macht für Dich die Faszination der Verbindung von Körper und Kunst aus?
Schärfung der Sinne. Ästhetik. Bewusstmachung. Auch wenn ich das Gefühl habe, mich mit Texten umhüllen zu können, ist es dennoch eine Form der Nacktheit. Der Körper hat wieder andere Mittel dafür. Die Verbindung von beidem ist eine Form von Essenz.
Hat der Körper (genug) Raum in der Literatur? Braucht es mehr Sinnlichkeit?
Der Körper hat viel Raum in öffentlichen Diskursen und wenig in der Literatur. Die Sinnlichkeit scheint mir in vielen Kontexten abhandengekommen.
Lesen Sie Gedichte, deren Klang ihre Zunge fordert. Schauen Sie sich Kunstausstellungen an. Kleiden Sie sich in weiche Stoffe. Berühren Sie ein Rosenblatt. Riechen Sie in den Regen hinein.
Sinnlichkeit unterstützt auch die Empathie.
Ist die „Wahrheit der Nacktheit“ der Literatur zumutbar?
Selbstverständlich. Ich würde allerdings umformulieren.
Nacktheit und Literatur ist (wahrer) Wagemut.
Wien ist eine Stadt, die in Geistes- und Kulturgeschichte Liebe, Tod wie Humor verbindet. Wie siehst Du diesen Zusammenhang als Künstlerin?
In letzter Zeit merke ich, dass mich Wien künstlerisch sehr geprägt hat und immer noch prägt. Gerade die angesprochenen Zusammenhänge sind mir lieb geworden und schreiben sich auch im eigenen Erzählen nieder. Wien ist sehr frei und trotzdem unprätentiös. Es bietet niederschwellig sehr viel an, um künstlerisch aktiv zu werden und in Austausch zu treten. Dranbleiben muss man dann natürlich selbst.
Wieviel Liebe, Tod (Vergänglichkeit) und Humor hat der Körper bzw. braucht er in bereichernder Erfahrung und kritischem Spiegelbild der Persönlichkeit?
Er hat alles und braucht es auch. Liebe in Form von Wertschätzung, Vergänglichkeit als ständigen Begleiter, Humor, um mit diversen Unwägbarkeiten umzugehen.
Die Komödie war in den Filmprojekten Marilyn Monroes zentral. Wie siehst Du ihre Darstellung darin und welche Bedeutung hat Humor in Deinen Projekten?
Ich finde sie einerseits sehr witzig, andererseits verkörpert sie natürlich ein Frauenbild, das in unseren Vorstellungen absolut überholt ist. Dennoch gibt es einen ungebrochenen Trend zur Mode dieser Zeit und eine Art von Verklärung. Humor ist ein dankbarer Weg, auch mal etwas Wegzulachen und sich selbst nicht immer ganz ernst zu nehmen.
Der Humor ist bei mir so eine Liebe auf den zweiten Blick. Ich habe wahnsinnig Spaß daran, in meinen Gedichten kleine Doppeldeutigkeiten oder scherzhafte Momente und Elemente einzubauen, ihre Wirkung entfalten sie aber immer erst später, bei Lesungen beispielsweise.
Marilyn Monroe wurde einmal gefragt, was sie im Bett trägt. Sie antwortete darauf „“I only wear Chanel Nº 5”? Was hättest Du darauf geantwortet?
Das ist die beste Antwort.
Die Fotografie in starkem Ausdruck, Spiegel, des (nackten) Körpers war auch in den letzten Lebensstationen Marilyn Monroes zentral. Welche Gründe, Motive siehst Du dafür?
Ich finde, dass die Beschäftigung mit dem eigenen Körper und der eigenen Nacktheit, sei es in Fotografien, vor dem Spiegel oder einfach in Bett, einem selbst Anstoß gebe kann, ein wenig hinter die eigenen Kulissen zu schauen. Was dann noch Inszenierung ist und was nicht, kann nur jede und jeder für sich selbst beantworten. Ob das für Marilyn so war, wissen wir nicht. Es ist auch nicht wichtig, alles zu wissen und zu (öffentlich) hinterfragen. Wo bleibt da das Geheimnis?
Wie siehst Du die Umstände des Todes von Marilyn Monroe?
Medial problematisch.
Was kannst Du als Schriftstellerin und vielseitige Künstlerin von Leben und Werk Marilyn Monroes mitnehmen?
Vieles. Frauen sollten und können immer voneinander lernen, einander Wegbegleiterinnen und Inspiration sein, unabhängig von Zeit und Generation und Marilyn ist das für mich auf verschiedenen Ebenen, die ja im Interview auch schon angesprochen wurden.
Was würdest Du Marilyn Monroe gerne fragen wollen?
Welches Buch sie beeindruckt hat.
Was sind Deine kommenden Projektpläne?
Zuallererst freue ich mich einmal auf die Lesungen aus meinem Gedichtband. Ansonsten geht es universell weiter, mit Fotos, Texten, Performance. Mehr dazu auf meiner Website: www.kj-ferner.at
Darf ich Dich abschließend zu einem Marylin Monroe Akrostichon bitten?
Magnifiqué die (Un-)
Artigkeit im
Rollenspiel
I wanna be
Loved by
You
Not
Madame wird beinahe
Ohnmächtig
Nächtelang am Tanzparkett
Randale
Oder doch noch
Ein letzter Shot
Katharina J.Ferner, Poetin und Performerin _ Hotel König von Ungarn _Wien
Vielen Dank, liebe Katharina, viel Freude und Erfolg für alle Projekte!
60.Todesjahr Marilyn Monroe (*1.6.1926 Los Angeles/USA +4.8.1962 ebenda) _ Schauspielerin, Filmproduzentin und Fotomodel_
Lieber Rüdiger, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Seit drei Monaten gehe ich in der Früh hinauf auf den Berg, während meiner Proben und Vorstellungen in Kärnten war der Berg gleich hinter dem Haus; hier in Wien geht’s mit dem Rad von der Leopoldstadt zum Kahlenbergerdörfl und dann über den Nasenweg zum Leopolds- und weiter zum Kahlenberg und wieder runter. Danach dann Text wiederlernen für eine WA im Mai und/oder Bühne, Kostüm und Stück denken und besprechen für die darauffolgende Inszenierung im Juni/Juli. Davor, dazwischen und danach Familie und Freunde. Die Abende enden meist lesend nach vorherigem ergiebigem WWWebkonsum.
Rüdiger Hentzschel, Theatermensch
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Zuhören.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Ich denke, dass die Zeit des Umbruchs noch lange nicht vorbei ist. Wenn, ist es also Aufbruch und Neubeginn im Umbruch. Da sind wir in erster Linie als Mitmenschen gefragt und gefordert. Wir müssen uns in einer Ethik der Solidarität und Empathie üben. Auch in unserer Kunst-und Theaterarbeit sollte sich das wiederspiegeln, so vielfältig sie ist.
Was liest Du derzeit?
Zur Zeit Paul Auster: 4321 in kleinen Portionen vor dem zu Bett gehen und immer wieder eine kleine Erzählung von Kurt Kusenberg
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Worüber man nicht reden kann, darüber muss man schweigen.“ Bei unser aller Möglichkeiten via SocialMedia unseren Senf zu wirklich allem zu geben, sollten wir diesen Satz , den letzten aus dem Wittgenstein’schen Tractatus, beherzigen.
Vielen Dank für das Interview lieber Rüdiger, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theaterprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Eine geteilte Stadt. Ein geteiltes Land. Deutschland nach 1945. Ein Neubeginn in allem. Dazwischen Mauern. Schwer und fest. Unüberwindbar. Unüberwinderbar? Wie durch Mauern gehen? Mit Musik!
„I can remember Standing, by the wall And the guns, shot above our heads And we kissed, as though nothing could fall And the shame, was on the other side Oh we can beat them, for ever and ever Then we could be Heroes, just for one day…“ (Heroes, David Bowie)
David Bowie drückt mit „Heroes“ die Geschichte Berlins und Deutschlands in der Nachkriegszeit in allem Schmerz und aller Sehnsucht einmalig aus. Der britische Superstar, der in den 1970er Jahren in Berlin lebt und in den legendären Hansa Studios ebenso legendäre Musik produziert.
Und damit ist David Bowie nicht allein. Diesseits und jenseits der Berliner Mauer wird Musik gemacht und in den Himmel und gegen die Mauer geschmettert. Auch durch diese hindurch, wenn sich Türen, oft nur für einen Moment öffnen. Das Lebensgefühl einer Generation findet in der Musik Ausdruck und wird auch zum Botschafter von Frieden, Zorn und Versöhnung.
Joachim Hentschel gibt in dem vorliegenden kultur- wie politgeschichtlich äußerst bedeutsamen Werk einen einmaligen Überblick über das Musik-, Kulturgeschehen der 1970/80er Jahren im geteilten Deutschland und lässt dabei Bühne-, Band-, und Publikmsgeschehen aufleben. Ein Erlebnis!
Liebe Lilli, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich wechsle meine Routinen wöchentlich, weil ich mich sonst im Alltag gefangen fühle. Diese Woche stehe ich um 8:30 Uhr auf und mache mich mit Kaffee und Brötchen an meine Masterarbeit. Um 12 Uhr setze ich mich ans Klavier. Entweder übe ich etwas das mich gerade fasziniert, lerne neue Songs für Auftritte oder schreibe eigene Lieder. Der Rest des Tages ist immer unterschiedlich, ich habe Proben, treffe Freunde, verweile vor dem Klavier, gehe zu Konzerten, lieg faul auf der Couch oder habe Auftritte als Barpianistin und -sängerin in der Komödie Graz, als Keyboarderin bei Cloudy Sock, als Backgroundsängerin bei Tschebberwooky oder in anderen Formationen. Vorm Schlafen gehen lese und meditiere ich, um wieder zu mir zu kommen und den Tag angenehm zu beenden.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Auf die Mitmenschen und die Umwelt Acht zu geben, sich etwas zu gönnen und sich selbst zu mögen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
Jeder Mensch hat eigene Werte, daher kann ich das nicht verallgemeinern. Für mich sind die Menschen wesentlich, mit denen ich mich umgebe, weil diese meine Aktivitäten, meine Gedanken und daher mein Leben mitgestalten und lenken.
Musik und Kunst kann und wird weiterhin Menschen in vielen unterschiedlichen Arten zusammenbringen, uns in ebenso vielen unterschiedlichen Arten emotional packen und unsere Sichtweisen verändern.
Was liest Du derzeit?
Klima: Eine neue Perspektive von Charles Eisenstein
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Go with the flow! Für mich bedeutet es das Leben zu spüren und alle Gefühle und Situationen anzunehmen, im Wissen, dass man sich immer in einer Entwicklung befindet.
Lilli Seitinger, Pianistin und Sängerin
Vielen Dank für das Interview liebe Lilli, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Lilli Seitinger, Pianistin und Sängerin
Foto_privat.
26.4.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
1970er Jahre. Eine britische Band zertrümmert gleichsam in ihrer Musik die Mauern von Gesellschaft und Konvention um eine junge Generation, die starr und schwer auf ihr lasten. Jetzt gilt es neue Wege zu gehen, selbstbewusst, frei, kreativ…
Die Musik in ihrem Anspruch von Authentizität in Emotion und Reflexion ist dabei ein Ankerplatz für die jungen britischen Musiker, deren Bandname schon den Protest gegen die vielen Tabus einer Zeit ausdrückt. Und dies bestimmt auch das weitere Band-, Bühnenleben, das von musikalischer Genialität, Sensation und Provokation bestimmt ist.
Das so kometenhafte wie nur wenige Jahre andauernde Bandleben in den 1970er Jahren wird zum Mythos umwobenen Musikgeschehen, das so viele weitere Musiker*innen bis heute inspirierte und inspiriert.
In den Berichten über die „Sex Pistols“ gibt es viele storys und Zugänge, die unterschiedlich Einblicke bieten. Die nun vorliegende Autobiographie des Gitarristen der Band, Steve Jones, gibt aus erster Hand unmittelbare Erlebnis- und Erfahrungshorizonte wieder und macht so eine Musikära in allem Licht und Schatten lebendig. Eine Achterbahnfahrt von Musik und Leben, die einzigartig ist.
Lieber Peter, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich habe, so wie auch schon vor der Coronazeit, immer am Abend geschrieben, gelesen und korrigiert. Die Zeit bis dahin war und ist gut aufgeteilt mit Arbeit, Familie und Freizeit. Das wird auch genau so weitergehen.
Peter Karoshi, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich kann mir vorstellen, was jetzt wichtig wäre. Die Frage nach dem, was jetzt wichtig ist, setzt ja fast schon einen Kompromiss voraus: nach dem, wozu die Menschen jetzt in der Lage wären. Das übersieht aber, dass es nicht genügen wird, ein bisschen am Rädchen der fossilen Energie zu drehen, weniger Fleisch zu essen usw. Ich stelle mir also vor, dass sich viel mehr ändern müsste, als hier und da ein bisschen zu verzichten oder umweltfreundlicher zu agieren – aber dazu werden letztlich nicht viele Menschen bereit sein.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Ich glaube nicht, dass es zu einem besonders großartigen Aufbruch kommen wird, weder gesellschaftlich noch persönlich. Ich halte es sogar für viel verständlicher und nachvollziehbarer, dass viele Menschen sich jetzt eine alte Zeit, die ja auch nicht besonders weit zurück liegt – was sind schon zwei Jahre? -, zurückwünschen werden. Sie werden also genauso wie vorher viel einkaufen, reisen, und im weitesten Sinne konsumieren.
Was Literatur hier zu leisten imstande ist, sich über dieses Gesättigtsein lustig zu machen, oder zumindest die Saturiertheit des modernen westlichen Menschen zu thematisieren. Mich interessiert das zumindest.
Was liest Du derzeit?
Für die Freude lese ich gerade Jan Potocki, Die Handschriften von Saragossa und Markus Werner, Zündels Abgang …
Für die Arbeit lese ich u.a. über die Geologie der Grenzregion zu Italien: Hans Peter Schönlaub u.a., Der wilde Westen der Karnischen Alpen. Und immer wieder Gérard Genette, Die Erzählung …
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Armin Falk, Professor für Volkswirtschaftslehre in Bonn und Direktor des briq-Instituts für Verhalten und Ungleichheit hat letztes Jahr in der Zeit unter dem Titel „Solidarisch aus Eigennutz“ sehr schön über Kooperation geschrieben: „Von Kooperation sprechen Sozialwissenschaftler immer dann, wenn sich neben individuellen Vorteilen einer Handlung auch Vorteile für andere ergeben.“ Es wäre gut, wenn viel mehr Menschen erkennen würden, dass es sich auch für uns selbst auszahlt, wenn wir an andere (mit)denken und dementsprechend handeln.
Vielen Dank für das Interview lieber Peter, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Liebe Karoline, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Nach dem Aufstehen ist erst mal Yoga an der Reihe. Falls ich zu spät dran bin wird im Notfall nur kurz gedehnt. Dann geht’s ab ins Bad und anschließend genieße ich ein richtig tolles Frühstück. Wenn es um´s Frühstücken geht, ist bei mir jeden Tag Sonntag.
Um 09:00 Uhr findet dann schon die erste von zwei Vorstellungen im Theater statt. Momentan bin ich Teil des Kinderstückes beim Theaterfestival Steudltenn. Am Nachmittag habe ich dann Zeit um Emails zu beantworten, zu planen, zu organisieren und das Wichtigste: einen Kaffee zu trinken. Und dann versuche ich, vollgepumpt mit Koffein, noch Text für die nächste Produktion zu lernen, bevor ich langsam auf Feierabendmodus umschalte.
Karoline Troger, Schauspielerin, Sängerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Nicht vergessen zu atmen und das zu machen was uns guttut. Damit meine ich aber nicht unbedingt dem inneren Schweinehund nachzugeben, denn manchmal kann „guttun“ auch bedeuten aus unserer Komfortzone herauszugehen, auf andere Menschen zuzugehen oder etwas Neues auszuprobieren. Der Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Ich habe mal gelesen, dass jeder Mensch, egal in welcher geschichtlichen Epoche, den Eindruck hat in einer Zeit zu leben, die die größte Veränderung für die Menschheit bringt. Wahrscheinlich stimmt das sogar, da sich alles immer im Wandel befindet und nichts stehen bleibt. Jeder Mensch versucht in diesem Strom der Neuerung sein Leben irgendwie zu meistern und dabei entstehen so viele spannende Lebensgeschichten. Meiner Meinung nach geht es im Theater und in der Kunst darum diese Geschichten zu erzählen und damit für einen Moment die Perspektive des Publikums zu wechseln. Eintauchen in eine womöglich völlig neue Sichtweise. Einer Geschichte aufmerksam zuhören, mitfühlen und seine eigene Wahrheit danach überdenken- das sind Schritte, die unsere Gesellschaft sehr weit führen könnten.
Was liest Du derzeit?
Woman code von Alisa Vitti
Darum geht es um den weiblichen Zyklus und die Kraft, die darin steckt. Ich kann dieses Buch jeder Frau empfehlen.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Wohin du auch gehst, geh mit deinem ganzen Herzen. Konfuzius
Vielen Dank für das Interview liebe Karoline, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspiel-, Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!