„Der poetischste Selbstmord der Literaturgeschichte“ Lisa Kröll, Schauspielerin_Romanjubiläum Malina_Wien 16.1.2022

Lisa Kröll, Schauspielerin_Wien

Herzlich Willkommen, liebe Lisa Kröll, Schauspielerin, hier im Café Prückel in Wien! Vielen Dank für das Interesse und die Teilnahme am szenischen Foto/Interviewprojekt zum Romanjubiläum „Malina“, Ingeborg Bachmann!

Welche Bezüge gibt es von Dir zum Roman Malina und Ingeborg Bachmann?

Ein Freund von mir ist ein riesiger Ingeborg-Bachmann-Fan, ich würde sogar sagen ihr größter Fan, und vor Kurzem hat er sich ihr Gesicht auf seine Brust tätowieren lassen. Das hat mich dazu bewegt, mich mit ihren Texten zu beschäftigen.

Den Roman Malina habe ich als Vorbereitung für unser Projekt gelesen, und ich habe mich immer wieder in Bachmanns namenloser Ich-Figur ertappt.

Möchtest Du da bestimmte Aspekte nennen?

In meinen früheren Beziehungen dachte ich immer, ich bin so der Ivan (lacht). In meiner aktuellen Beziehung musste ich feststellen, dass ich einen Ivan kennengelernt habe und für mich dann nur noch die Rolle der Ich-Erzählerin übrig war. Interessant, wie man in verschiedenen Beziehungen ganz unterschiedliche Rollen einnimmt und sich selbst durch sein Verhalten überrascht. Ich habe entdeckt, dass ich ein Ivan, aber auch die Ich-Person im Roman sein kann. Aufregend.

Sind die Protagonisten*innen in ihrer Typologie geschlechterunabhängig?

Meiner Meinung nach ja. Ich glaube, dass die Geschichte in der heutigen Zeit mit umgekehrten Rollenbildern genau so funktionieren würde.

Wie gehst Du jetzt in literarischer Analogie zur Ich-Erzählerin mit den Emotionen um?

In gewissen Situationen möchte auch ich manchmal in einem Riss in der Wand verschwinden (lacht).

Die Ich-Figur ist in ihren Emotionen gefangen. Ich finde es wichtig, immer wieder Abstand von den eigenen Emotionen zu nehmen und zu versuchen, den Sachverhalt aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Je nachdem, welche Menschen einen dabei unterstützen, kann sich das Bild von der wahrgenommenen Situation und einem selbst drehen. So kann man eine komplett andere Sichtweise annehmen und andere Seiten / Rollen an sich entdecken. Es kann spannend sein, ganz Neues an einem zu sehen.

Was ist für Dich das Spannende und auch Dramatische an den Rollenwechseln?

Wir haben meist ein fixes Bild von uns wie wir uns benehmen, und man ist sich dann sicher – so bin ich. Und dann kommt eine Person und wirft es über den Haufen. Und genau das ist das Spannende, Dramatische.

Plötzlich merkt man, ich kann anders sein bzw. anders wahrgenommen werden. Ich kann so oder so sein. Es ist aufregend, wenn die eigene Erwartungshaltung in Frage gestellt wird.

Du hast das letzte Kapitel des Romans gestern Abend gelesen. Was sind jetzt Deine Gedanken unmittelbar danach dazu?

Den Schluss der Geschichte habe ich mir bis gestern Abend aufgespart, um den Nervenkitzel der letzten Seiten voll auszukosten (lacht).

Das dramatische Ende der Ich-Erzählerin hat mich so berührt, dass ich Gänsehaut bekommen habe. Ich fand es wahnsinnig schön und tieftraurig gleichzeitig. Ingeborg Bachmanns Sprache hat mich an dieser Stelle richtig gefangen genommen.

Müsste ich eine Lieblingsstelle des Romans nennen, wäre es eindeutig der Moment, in dem die Ich-Figur in einem Riss in der Wand verschwindet – der poetischste Selbstmord der Literaturgeschichte.

Wo und wie liest Du gerne, auch im Café?

Mich kann man an den unterschiedlichsten Orten lesend antreffen, da es mir große Freude bereitet. Einen Teil von Malina habe ich zum Beispiel im überfüllten und lauten Zug gelesen.

Ich finde es total cool, die Kaffeehauskultur zu zelebrieren und bin eine echte Kaffeehausleserin. Aber auch zuhause, ungeschminkt und in eine Decke eingemummelt, fühle ich mich – stundenlang ungestört lesend – wohl.

Manchmal passiert es, dass ich ein paar Minuten lese, auf die Uhr schaue, und merke, dass drei Stunden vergangen sind.

Wie siehst Du die Kapiteleinteilung des Buches und die inhaltlichen Schwerpunkte darin?

Ich finde es großartig, dass das Buch in drei Kapitel geteilt ist, die sich so stark voneinander unterscheiden – vom Stil, dem Inhalt und den Emotionen her, die die Ich-Figur durchlebt. So war ich immer schon erwartungsvoll, was das nächste Kapitel wohl bringen mag.

Im ersten Kapitel des Romans kommt es zur Begegnung mit Ivan vor dem Blumengeschäft. Gibt es Liebe auf den ersten Blick?

Gibt’s vielleicht, ich kenne sie nicht (lacht). Bei mir ist es eher Liebe auf den zehnten Blick oder so (lacht).

Man kann sich aber gut vorstellen, wie man hier entspannt sitzt und plötzlich eine umwerfende Person das Prückel betritt.

Wie siehst Du diese beginnende und weiterführende Liebesbeziehung zwischen der Ich-Erzählerin und Ivan?

Im Laufe der Geschichte entschwindet Ivans Liebe und das Selbstwertgefühl der Ich-Person prückelt … äh bröckelt (lacht). Mit der Zeit wird ihr die Beziehung zum Verhängnis: Ihre Abhängigkeit von Ivan führt neben dem tiefergehenden Ursprung ihrer Probleme zur Eskalation und zum verstörenden Ausgang.

Einen besonders schönen Moment ihrer Beziehung finde ich die vorhin erwähnte erste Begegnung vor dem Blumengeschäft. Die beiden sehen sich und ihnen wird unmittelbar klar, dass sie schnell miteinander weggehen müssen, um den fragilen Augenblick nicht zu zerstören.

Ist das auch heute möglich?

Wenn beide Malina gelesen haben und a bisserl romantisch sind – vielleicht (lacht).

Wie nimmst Du die Emotionen der Ich-Erzählerin wahr, etwa im wiederkehrenden Prozess des Wartens auf Ivan?

Sie sitzt nur noch untätig herum, vernachlässigt sich selbst und ihre Arbeit und das Warten auf Ivans Anrufe wird zur Hauptbeschäftigung. Sie nimmt eine passive Rolle ein und macht ihr Wohlbefinden von einem Mann abhängig. Das hat mich sehr geärgert!

In dem Moment, in dem ein Zeichen von Ivan kommt, explodiert ihr Glück.

Was steckt in der Explosion des Glücks mit Ivan alles drinnen?

Plötzlich hat sie das Gefühl, Bäume ausreißen zu können.

Die nächste Ivan-Dosis ist da, und alles ist wieder gut: Sie ist glücklich, beschwingt, voller Zuversicht und mit einer Energie erfüllt, die ihr alleine schon längst abhanden gekommen ist. Die Ivan-Droge (lacht).

Wie siehst Du die Erzählfigur Malina?

Ich habe lange gerätselt, wer Malina ist. Erst war ich überzeugt, dass er der Mitbewohner der Ich-Figur ist. Im Laufe der Geschichte bekam ich ein immer stärkeres Gefühl, dass die beiden eine Art Ehepaar sein könnten. Und am Ende war ich überzeugt, dass Malina so etwas wie ihr »Alter Ego« ist. Dass die Ich-Erzählerin diese Gespräche nur in Gedanken führt und Malina gar nicht wirklich existiert.

Das, was mich am Anfang genervt hat – nämlich, dass Malina so eine kryptische Figur ist, und ich einfach nicht dahinterkomme, wer er wirklich ist – hat mich im Laufe des Roman immer stärker fasziniert und schlussendlich den großen Reiz der Geschichte für mich ausgemacht.

Braucht es ein »Alter Ego« zur Selbsterkenntnis?

Ich glaube, dass jeder versucht, Probleme aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Wie es aber enden kann, wenn eine Persönlichkeit stark gespalten ist und das Alter Ego zunehmend in Widerspruch zum Ich gerät, haben wir ja im Roman erfahren …

Wie siehst Du das zweite Kapitel »Der dritte Mann«?

Dieses Kapitel offenbart den wahren Ursprung der Probleme der Ich-Figur. Es beinhaltet viele düstere Andeutungen und hat mir ein paar Tränen in die Augen getrieben. Nach dem Kapitel »Glücklich mit Ivan« war ich wirklich überrascht von diesem großen Bruch.

Welche Bedeutung kommt der Vaterfigur in diesem Kapitel zu?

Man wird mit schrecklichen, die Ich-Erzählerin plagenden Traumszenen konfrontiert, in denen die Vaterfigur eine große Rolle einnimmt.

Es entsteht der Eindruck, dass die Ich-Figur alte, ungelöste Probleme mit sich herumträgt und der Vater ihre Persönlichkeit stark geprägt hat. Ihre Vergangenheit scheint maßgeblich für ihre jetzigen Gefühle verantwortlich zu sein – auch für die ungesunde Beziehung mit Ivan.

Wie siehst Du die Kommunikation, das Telefon ist dabei ja zentral, zwischen der Ich-Erzählerin und Ivan?

Die Telefongespräche zwischen den beiden finde ich irrsinnig gut von Bachmann zu Papier gebracht. Sie gehören aus meiner Sicht zu den besten Passagen im Roman. Die Dialoge haben keine richtigen Satzanfänge oder -enden, basieren allzu oft auf Missverständnissen und meistens reden die Ich-Figur und Ivan aneinander vorbei. Die Kommunikation der beiden spiegelt ihre Beziehung wieder.

Telefonierst Du gerne?

Ja, sehr gerne (lacht).

Die Menschen in meinem Umfeld würden sagen, viel und lang (lacht).

Aber so kann ich mit meiner Familie und lieben Menschen in Kontakt bleiben, die ich selten sehen kann, da sie in Tirol leben. Manchmal ergeben sich auch Gespräche wie in Malina, in denen man aneinander vorbeiredet und keine Satzenden findet (seufzt).

Wie siehst Du die Entwicklung der Ich-Erzählerin zum Ende hin im dritten Kapitel des Romans?

Ab einem gewissen Punkt im Roman scheint das Ende der Ich-Person unausweichlich. Trotzdem habe ich während des Lesens so gehofft, dass sie einen Weg hinaus aus ihrer Verzweiflung findet, dass ihr Schicksal doch noch eine wundersame, glückliche Wendung nimmt (zum Beispiel in dem Moment, als sie Ivan das letzte Mal trifft). Aber hätte Ingeborg Bachmann dem Roman ein Happy-End verpasst, würde er mich wohl kaum so nachhaltig aufwühlen und beschäftigen wie jetzt.

Wien ist der zentrale Romanschauplatz. Was bedeutet Dir Wien?

Ich liebe Wien – mit seinem berühmten Grant und Schmäh. Ich fühle mich hier super aufgehoben inmitten von lebensfrohen, kreativen Leuten und imposanten Gebäuden aus der Vergangenheit.

Dass mir Wien einmal so gut gefallen würde, dass ich nicht mehr von hier weg möchte, hätte ich anfangs nicht gedacht. Da war ich der Stadt gegenüber ein bisschen voreingenommen, muss ich zugeben (lacht).

Mir gefällt, dass hier in der Stadt ein gewisser Mut selbstverständlich ist, der am Land manchmal fehlt.

Woran liegt der Mut in der Stadt?

Man bekommt den Mut hier vorgelebt und mit der Zeit wächst man automatisch rein.

In Wien trifft man auf so viele unterschiedliche Menschen, Kulturen und Weltanschauungen und sieht unzählige Möglichkeiten wie man sein oder leben könnte. Da wird man einfach dazu inspiriert, mutig das zu verfolgen, was in einem selbst Leidenschaft entfacht.

Ein Dorf, in dem beinahe jeder jeden kennt, ist vielleicht nicht unbedingt der Ort, an dem man sich neu erfinden kann (lacht).

Wie war Dein Weg zum Schauspiel?

Als Kind dachte ich, dass man irgendwie verrückt sein muss, wenn man Schauspielerin werden will. Aber mit der Zeit hatte ich ein immer stärkeres Gefühl, dass ich verrückt bi… äh, dass ich genau das machen »muss« (lacht). Ich bewarb mich in Tirol an der Schauspielschule, wurde aufgenommen und war schnell total drinnen. Im dritten Semester habe ich nach Wien gewechselt und dort die Ausbildung abgeschlossen.

Mein Interesse fürs Theater an sich begann aber viel früher. Meine Mama ist ebenfalls eine große Theaterliebhaberin und hat mich schon als Kind zu Vorstellungen mitgenommen – so ist die Begeisterung auf mich übergesprudelt. In jungem Alter durfte ich bei Theaterprojekten mitwirken, die sie mit ihren Schülerinnen und Schülern auf die Beinen gestellt hat. Später spielte ich in einer Märchentheatergruppe und anschließend im örtlichen Theaterverein, in dem meine Mama Regie führte.

Ich mache auch weiterhin beruflich Grafik und Illustration, weil es mir ebenfalls Freude bereitet. Und dieses zweite Standbein ermöglicht mir eine gewisse Freiheit, besonders in der Pandemie.

Ich bin richtig froh, dass ich mich für eine professionelle Schauspielausbildung entschieden habe. Schauspielerin zu sein ist ein wunderschöner Beruf.

Was sind Deine derzeitigen Projekte, Projektausblicke?

Ich habe mehrere laufende Stücke am Pygmalion Theater in Wien, eines davon ist ein Solostück über die RAF-Terroristin Ulrike Meinhof. Ich spiele es seit 2017. Super an der Inszenierung ist, dass ich sehr wenig Requisiten und kein aufwendiges Bühnenbild benötige und das Stück deshalb schnell »zusammenpacken« und an den unterschiedlichsten Orten spielen kann. Deshalb bin auch schon in einer Buchhandlung, einer Galerie und meiner Tiroler Heimat als Ulrike aufgetreten.

Gerne würde ich bald wieder ein Solostück machen, im Kontrast zum Meinhof-Stoff reizt mich etwas Lustiges!

Vor Kurzem »musste« ich mich für ein Casting in eine Schlammlacke werfen – aber daraus ist ein wirklich lustiges Video entstanden (lacht).

Im Roman ist die Ich-Erzählerin Schriftstellerin. Gibt es da auch ein Wiedererkennen im Beruf als Künstlerin?

Die großen Stimmungswechsel, die bei der Ich-Figur auftreten, je nachdem, ob sie die Ivan-Droge bekommen hat oder gerade auf »Entzug« ist, kann man auch im Schauspielberuf erleben. Oft sagt man, dass Schauspieler nur so gut wie ihre letzte Vorstellung sind. War der letzte Auftritt ein Erfolg, wandelt man wie auf Wolken durchs Leben, aber war die letzte Vorstellung schlecht besucht oder hat wenig Rückmeldung bekommen, ist man am Boden zerstört – ähnlich, wie wenn man ohne nächste Ivan-Dosis zurückbleibt (lacht). Dies lässt sich auch auf die Casting-Situation übertragen.

Welche Verbindung gibt es von Dir zum Wiener Café?

Bei meiner Übersiedlung nach Wien kannte ich nur eine einzige Person. Diese Schauspielerin hat mich in ein bekanntes Café geführt und von der Theaterszene und dem Leben in den Bezirken erzählt.

Ich habe sehr viele interessante, offene, aber auch skurrile Menschen in Wiener Cafés kennengelernt und manchmal hat sich auch ein kleines Projekt dadurch ergeben. Man trifft wirklich inspirierende Leute im Kaffeehaus. So wie jetzt (lacht).

Schreibst Du auch?

Schreiben ist eine tolle Tätigkeit. Eine Freundin von mir ist Schriftstellerin und veranstaltet immer wieder anregende Workshops, an denen ich gerne teilnehme. Ihre Übungen vermitteln wirklich Lust aufs Schreiben!

Ein strahlender Dezemberhimmel jetzt über Wien. Gibt es Lieblingsorte in der Stadt?

Ja, die Sonne kommt raus, das ist ein gutes Zeichen (lacht).

Ich habe eine Zeitlang in Döbling gewohnt, da war ich gerne in den schönen Weinbergen spazieren.

Den ersten Bezirk liebe ich besonders heiß. In meiner Anfangszeit in Wien bin ich in der Schauspielschule oft gefragt worden: »Was macht Du nachher, gehst mit auf a Glaserl?« Und meine Antwort war immer: »Gern, aber vorher muss ich noch durch den ›Ersten‹ spazieren, die besondere Atmosphäre aufsaugen« (lacht).

Derzeit wohne ich in der Josefstadt und finde es da total inspirierend.

Darf ich Dich abschließend zu einem Malina Akrostichon bitten?

Manchmal packt einen die

Angst, die

Langeweile oder der

Irrsinn – aber manchmal erlebt man auf dem

Nachhauseweg ein kleines

Abenteuer.

Lisa Kröll, Schauspielerin_Wien

Herzlichen Dank, liebe Lisa, für Deine Zeit in so inspirierendem Interview und wunderbarer szenischer Darstellung! Viel Freude und Erfolg für alle Theater-, Schauspielprojekte!

Vielen Dank für dieses prückelnde … äh prickelnde Projekt.

50 Jahre Malina _ Roman _ Ingeborg Bachmann _ im Gespräch und szenischem Fotoporträt:

Lisa Kröll, Schauspielerin_Wien

https://www.lisakroell.com/

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien

Station bei Ingeborg Bachmann_Malina_Cafe Prückel_Wien.

Walter Pobaschnig  1_22

https://literaturoutdoors.com

„Literatur sollte gesellschaftlich viel zentraler wahrgenommen werden“ Bettina Frfr. von Minnigerode, Schriftstellerin _ Erlangen 16.1.2022

Liebe Bettina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich schreibe ganztags, mit Unterbrechungen. Durch die Corona Pandemie bin ich viel länger und öfter zu Hause als früher, dadurch ist mein Alltag als Autorin also nicht beeinträchtigt. Andererseits ist es ein wesentlicher Mangel, keine Menschen im realen Leben treffen zu können. Und am meisten fehlen mir die kulturellen Veranstaltungen, die in Deutschland zum Teil gar nicht stattfinden konnten oder, wie zur Zeit, nur unter sehr erschwerten Bedingungen. Viele meiner KollegInnen und FreundInnen haben auch materiell sehr unter den eingeschränkten Auftrittsmöglichkeiten gelitten. Ich selbst habe im Jahr 2019 vor der Pandemie zwei Bücher veröffentlicht, einen Lyrikband und eine experimentelle „Erzählung“ aus Lyrik und Prosatexten, die natürlich aufgrund diverser abgesagter Lesungen nicht wirklich ihren Weg in den Markt gefunden haben. Das war sehr traurig. Im Frühjahr 2022 kommt nun ein Roman auf den Markt, er heißt „Kalle oder der Küchengötze“ und erscheint im März im Verlag Kulturmaschinen. Ich hoffe sehr, ihn auf der Leipziger Buchmesse vorstellen zu können. Und vor allem, dass ich da persönlich vor Ort sein kann.

Bettina Frfr. von Minnigerode, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich finde drei Dinge wirklich essentiell wichtig:

zum einen, dass wir alle dazu beitragen, diese elende Pandemie zu beenden. Mit Protesten und Impfgegnerschaft wird das nicht gelingen. Ich plädiere also wirklich an alle bisher Ungeimpften, sich die wissenschaftlichen Daten und Fakten anzusehen und für sich selbst die Risiken abzuwägen, die mit einer Erkrankung auch auf junge und scheinbar gesunde Menschen zukommen können.

Zum anderen leben wir nach wie vor mit der globalen Klimakrise, auch wenn dieses Thema vor dem Hintergrund der Pandemie in unzulässiger Weise vernachlässigt worden ist, sowohl in der medialen Berichterstattung als auch in der öffentlichen Aufmerksamkeit. Aber mit der globalen Erwärmung und einer verfehlten Politik, die die Klimaziele nicht einhält, wird dieses die gesamte Erde betreffende Problem ja nicht kleiner! Ich finde es unabdingbar, dass wir alle unseren Teil beitragen, vor allem aber, dass wir Parteien wählen, die die Klimaziele wirklich ernst nehmen.

Zum dritten das Dauerthema, das mich nicht erst seit kurzem beschäftigt: die soziale Ungerechtigkeit. Wir haben gerade in der Pandemie erleben müssen, in welchem Umfang die gesamte Bevölkerung auf unsere Infrastruktur, insbesondere auf das Gesundheitswesen, angewiesen sind. Menschen haben den überarbeiteten, unter völlig inakzeptablen Arbeitsbedingungen schuftenden Pflegekräften in unseren Krankenhäusern applaudiert, aber was hat sich zum Besseren an ihren Arbeitsbedingungen verändert? Viel zu wenig. Ja, sie müssen angemessenere Löhne erhalten, aber sie brauchen auch andere Arbeitszeiten, weniger anstrengenden Schichtdienst, mehr Personal, bessere Pausen-, Freizeit- und Urlaubsregelungen. Seit vielen Jahren wissen wir um die inakzeptablen Bedingungen für das Pflegepersonal in Krankenhäusern und Altenheimen, aber der Sparkurs unserer bisherigen und auch der neuen Regierung hat keine echte Abhilfe geschaffen. Und jetzt, in der Pandemie, werden diese Defizite eklatant deutlich. Es gibt aus viel mehr Bereichen des Lebens Beispiele für die soziale Ungerechtigkeit in unseren Ländern, aber ich schreibe hier ja keinen Essay.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Die Rolle der Kunst, und insbesondere der Literatur, die ja ihre Kunst mit Worten erschafft, muss und sollte gesellschaftlich viel zentraler wahrgenommen werden. In Zeiten zunehmender Lesemüdigkeit zugunsten von Medien wie Serien und Filmen wäre es wichtig, im öffentlichen Leben das Lesen von Büchern und die Rolle der Literatur viel stärker in den Fokus zu nehmen. Bücher können und sollten weiterhin den gesellschaftlichen Diskurs mitbestimmen. Wir AutorInnen können mit politischen Themen oder Aspekten von politisch relevanten Themen viel zur Bewusstseinsbildung und Meinungsbildung beitragen. In jeder unserer schriftlichen Äußerungen kann und sollte m.E. das Politische eine Rolle spielen. Vielleicht nicht immer zentral als Thema im Mittelpunkt stehen, das wäre sicher nicht immer möglich, aber wenigstens kann sich die LeserInnenschaft mit den wichtigen politischen Fragen der Zeit auseinandersetzen, auch in Romanen oder Lyrik.

Was liest Du derzeit?

Ich lese so oft und viel, wie ich es zeitlich schaffe. Im Augenblick gerade die Bücher eines Kollegen, mit dem ich durch gegenseitiges Lektorat unserer Bücher eng zusammenarbeite. Immer wieder lese ich Lyrik von befreundeten AutorInnen, aber auch deren Romane und Kurzgeschichten. Oder Essays. Meine Bücherstapel wachsen stetig an, ich komme trotz Viellesens kaum dazu, sie abzutragen.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Was braucht eine Frau, um sich als Schriftstellerin durchzusetzen? Zu Virginia Woolfs Zeiten ebenso wie heute? Ein Zimmer für sich allein und ein eigenes Einkommen! Ersteres habe ich, zu Letzerem könnt Ihr alle beitragen, indem Ihr fleißig meine Bücher lest und kauft!

Vielen Dank für das Interview liebe Bettina, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Bettina Frfr. von Minnigerode, Schriftstellerin

Foto_privat.

10.1.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„In der Kunst geht es um Wagnisse“ Claudia Bosse, Künstlerin _ Wien/Berlin 15.1.2022

Liebe Claudia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich versuche um 8  aufzustehen. Nach 2 oder 3 Café mache ich mein morgendliches Training. Dann sind die Tage unterschiedlich. Aber gerade versuche ich zu schreiben mit noch frischem Kopf. Nach einem völligen Knoten in meinem Hirn vor 10 Tagen versuche ich gerade automatisches Schreiben. Das löst meine Gedanken. Ich kreise gerade um die Commune von Paris von 1871 und die Erweiterung der Kommunardinnen mit Pflanzen und Steinen.

Ich lese gerade zur Erinnerung von Steinen, der Entstehung der Erde und Erdschichten und den verschiedenen Prozessen der Verwesung von Körpern. Dem Selbstauflösen der Zellen wenn Sauerstoff und Nährstoffe ausbleiben. Diese Motive versuche ich im Denken um politische Visionen in das Schreiben einzubeziehen oder im Schreibvorgang zu ‚ verdauen‘. Dann fahre ich meist in unser  Atelier  im 4. Bezirk und versuche Material zu ordnen und die Konzeption  und den Raum für die Performance commune 1_73 in Düsseldorf im Februar zu entwickeln. Bilder anzuordnen, Material Recherchen, Versuche, Texte lesen etc.  Auch andere Planungen, Admin und Besprechungen mit meinem Team. Gerade ist die Zeit der Planung für das kommende Jahr mit theatercombinat. Danach schneide ich im Moment Videos, welche seit Juni und insbesondere im Herbst an verschiedenen Orten und Landschaften entstanden sind, wobei ich zugleich dabei bin das überhaupt zu lernen. Dazu versuche ich andere digitale Tools zu begreifen und zu lernen. Was mir als jemand der in Räumen denkt und arbeitet nicht leicht fällt.  Irgendwie so. Mit vielen Abweichungen wie Tisch Tennis spielen mit Freundinnen, Treffen im Atelier oder die fabulösen Zooms mit Menschen die in anderen Zeitzonen leben oder mit Freundinnen in den Wald gehen.

Claudia Bosse, Künstlerin_
Choreographin, Regisseurin, künstlerische Leiterin theatercombinat

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Pah. Das kann ich nicht für andere sagen. Ich denke für mich ist in dieser Zeit wichtig Konzentration aufzubringen, an Fragestellungen dranzubleiben, eine tägliche Praxis zu haben, die vertieft und Dinge wagen zu denken,  diese weitertreiben und Perspektiven oder besser Visionen zu entwickeln wie man ( gemeinsam) leben und arbeiten will.  Welche Werte und Inhalte will man gegenüber wem wie vertreten. Und in all dem beweglich und neugierig bleiben , flüssig und zudem unnotwendiges sein lassen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich denke die Kunst kann Räume schaffen in denen man ohne Leib und Seele zu gefährden Erfahrung machen kann, die unsere Wirklichkeit auf Spiel setzen.  Ein Trainingsraum um Wirklichkeiten anders  zu ergreifen und zugleich zu verstehen dass man diese Wirklichkeit/en MITschafft, mitbestimmt,  nicht ihr/ ihnen ausgeliefert ist.  In der Kunst kann ich experimentieren mit Zusammenhängen, die man woanders nicht denken kann. In der Kunst kann Zusammenhänge und Material zueinander überprüfen, ich kann zb Zeiten zusammenbringen, die 2000 Jahre oder 35 Millionen Jahre entfernt sind oder Poesie mit Wissenschaft und Mythen.

Außerdem geht es um Allianzen,  Herausforderungen, ästhetische Erfahrungen, Wagnisse, die konkrete Berührung verschiedener Zeiten, und kollektives Spiel in geteilten Räumen. Oder ?

Was liest Du derzeit?

Verschiedenes : von Jean Pierre Vernant  „Tod in den Augen“ , ein Buch über Artemis und Gorgo und vieles mehr. Und Philippe Descola „Die Ökologie der anderen“, Das habe ich erst begonnen. Aristoteles“ Poetik“ habe ich wieder vorgekramt, Ovids „Metamorphosen“

Auguste Blanqui  „Ewigkeit durch die Gestirne“ zum wiederholten Male. Und seine „Anleitungen zum militärischen Kampf“ habe ich erst begonnen. Und fortlaufend Timothy Morton „Ökologie ohne Natur“ das hatte ich zur Hälfte auf Englisch gelesen und jetzt nochmals auf Deutsch und von ihm „Humankind: Solidarity with Non-Human People“.… andere Bücher habe ich angefangen und die wollen zuende gelesen werden, irgendwann. Ich lese oft parallel. Dann werden das gedankliche Landschaften zwischen den Texten. Das mag ich. Ah und vor kurzem beendet habe ich „An das Wilde glauben“ von Nastassja Martin gelesen. Eine schnelle Lektüre. Von einer jungen Anthropologin, die zu der animistischen Gemeinschaft der nomadischen Ewenen forscht, und dann dort in Sibirien einem Bären begegnete, der sie anfiel oder küsste, zumindest hat sie seitdem Schienen in ihrem Kiefer und hat ihr Denken verändert.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

So sitzend zwischen noch nicht und schon nicht mehr

 glaub ich nicht was ich denk.

Das ist von Bertolt Brecht aus dem Fatzer Fragment

Claudia Bosse, Künstlerin_
Choreographin, Regisseurin, künstlerische Leiterin theatercombinat

Vielen Dank für das Interview liebe Claudia, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Claudia Bosse, Künstlerin_Choreographin, Regisseurin, künstlerische Leiterin theatercombinat

http://www.theatercombinat.com/projekte/oraclesacrifice/os1.html

Fotos_Eva Würdinger   

7.12.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„der Kultur einen relevanten Platz in der Gesellschaft verschaffen“ Kathrin Schülein, Theaterleiterin _ Berlin 14.1.2022

Liebe Kathrin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Vorwiegend sitzend und täglich ca. 10-12 Stunden. Die vielen Abrechnungen der pandemiebedingten Förderungen, deren Abgabetermine bedrohlich nahe rücken, müssen abgearbeitet werden. Für eine Leiterin eines privaten Theaters gehören solche Aufgaben leider dazu. Eine unangenehme Folge der so nötigen Bezuschussung der Kultur in der Pandemie. Am 16.01.22 starten wir wieder mit der ersten Veranstaltung in diesem Jahr. Da sehe ich Licht am Ende der Bürowände.

Kathrin Schülein, Theaterleiterin, Choreografin, Regisseurin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wir sollten darauf achten, ALLE Menschen im Blick zu behalten, nicht auszugrenzen, behutsam miteinander umzugehen und nicht klischeehaft zu verurteilen. Zuhören, fragen, reden. Darüber hinaus ergeben sich daraus oft wichtige Impulse für unsere künstlerische Arbeit. In aller erster Linie aber sollten wir mitfühlend sein und den Blick öffnen.

Aber wir müssen auch wach bleiben und auf Missstände hinweisen, den Finger in die Wund legen, damit wir nicht nur gemeinsam eine Pandemie bekämpfen, sondern auch daraus lernen und wichtige Veränderungen herbeiführen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Ich würde mir sogar sehr wünschen, dass es einen Aufbruch gibt. Jedoch kann ich leider den Neuanfang noch nicht erkennen. Die Verrohung und Spaltung der Gesellschaft schreiten voran. Gerade hier haben Kunst und Kultur den wahrscheinlich wichtigsten Part in der Zukunft, denn sie schaffen Räume für gemeinsames empathisches Verhalten. Hier weinen, lachen wir, lassen uns berühren und denken wir gemeinsam. Kunst und Kultur bringt die Menschen wieder zusammen, verbindet sie.

Doch bevor das ausreichend umgesetzt werden kann, müssen wir der Kultur einen relevanten Platz in der Gesellschaft verschaffen und zu mehr Respekt verhelfen. Diesen Kampf kämpfen wir über die Initiative KULTUR INS GRUNDGESETZ seit über einem Jahr und haben auch schon einiges erreicht, wenngleich wir noch einen langen Weg vor uns haben. Eine unserer Forderungen ist, dass alle Menschen, unabhängig von der eigenen wirtschaftlichen Situation, an Kunst und Kultur teilhaben sollen/müssen. Mit Blick auf die erwähnten zukünftigen Aufgaben der Kunst und Kultur wäre dies eine unabdingbare Voraussetzung.

Was liest Du derzeit?

Ich lese gerade zwei Bücher parallel. Beide haben mit einer Produktion, einem Tanzabend, zu tun, den ich gern 2023 auf die Bühne bringen möchte. Das eine ist eine Kurzbiographie von Käthe Kollwitz, nach deren Motiven (vor allem die Zeichnungen) ich arbeiten werde. Inspiriert wurde ich durch die Zeichnung „Nie wieder Krieg!“.

Das andere ist die Autobiographie des Dichters Pablo Neruda. Eine spannende weltumsegelnde Reise. Einer seiner Freunde spielte eine große Rolle in meinem Tänzerleben, der Choreograf Patricio Bunster. Er war Dozent und Choreograf an der Palucca-Schule in Dresden, wo ich studiert habe. Mit ihm durfte ich solistisch arbeiten, durfte durch ihn sein Land kennen- und begreifen lernen. Sein Stil hat meine eigene tänzerische und choreografische Ausrichtung sehr beeinflusst.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Was wir sind, sind wir nicht durch das was wir können, sondern sind es durch unsere Entscheidungen.“ (Leider weiß ich nicht mehr, wer das gesagt hat.)

Mein Motto: Es gibt kein Problem, das nicht lösbar ist. Vieles braucht nur Zeit.

Meine Herangehensweise: Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen.

Vielen Dank für das Interview liebe Kathrin, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theaterprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Kathrin Schülein, Theaterleiterin, Choreografin, Regisseurin

Aktuelles

Foto_privat.

10.1.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Kunst macht uns lebendig“ Susanne Brandt, Schauspielerin _ Wien 13.1.2022

Liebe Susanne, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Aufstehen Leben Schlafen

Susanne Brandt, Schauspielerin und Dozentin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Zuhören.        

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

„Jeder Mensch ist ein Künstler“ das muss vermittelt werden. Kunst macht uns lebendig.          

Was liest Du derzeit?

Thomas Sautner „die Alteste“        

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Alles was zu Herzen gehen soll muss von Herzen kommen“ Jean Jaques Rousseau  

Vielen Dank für das Interview liebe Susanne, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Susanne Brandt, Schauspielerin und Dozentin

Fotos_Susanna Hufsky

Aktuelles Theaterprojekt „Die große Show“ aktionstheater ensemble

„Ein fulminantes Feuerwerk moderner Theaterkunst“ Umjubelte Uraufführung „Die große Show“ aktionstheater ensemble _ Werk X Wien 11.1.2022

4.1.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

   

„Ein fulminantes Feuerwerk moderner Theaterkunst“ Umjubelte Uraufführung „Die große Show“ aktionstheater ensemble _ Werk X Wien 11.1.2022

„Die große Show“ _  Susanne Brandt, Michaela Bilgeri und Raphael Macho (von links)

Die leere Bühne…

bevor es beginnt, ist es dunkel.

Immer ist es dunkel. Am Anfang und am Ende.

Und zwischendrin?

Da ist es hell, grell, zauberhaft und, und…

Der Sekt am Kopf verschwindet. Da und dort.

Das Geld verbrennt in Zauberhand. Da und dort.

bis das Blut fließt…

Bis die Flasche auf den Kopf knallt. Da und dort.

The show must go on…

Ein Lied. Im Nebel. Viel gibt es nicht zu lachen für die im Dunkel. Da und dort.

Benjamin Vanyek (Mitte)

Aber jetzt die Show. Die grosse Show. Meine Show. Für mich.

Tanze. Bis das Licht ausgeht. Der Zauber zu Ende ist. Die Musik verstummt. Auf meinem Fest….

Bis wir dann die „Patschen beuteln“…zwischendrin…da und dort…

Im Dunkel der grossen Show….

Elias Hirschl

Das Aktionstheater Ensemble setzt mit seiner neuesten Produktion „Die große Show“ ein Feuerwerk an Theaterkunst, das wie eine Geburt der Möglichkeiten von moderner Bühnenperformance in Lebensschrei, Blut und pochendem Herzen ist.

Komödie und Tragödie des modernen Menschen in Schein und Sein in solcher Dynamik und Spannung von Satire und Witz auf die Bühne zu bringen, ist einmalig!

Regie und Inszenierung der großartigen Martin Gruber und Martin Ojster, die sensationell mitreißende Spielkraft, -variation des Ensembles mit Michaela Bilgeri, Susanne Brandt und Raphael Macho sowie Benjamin Vanyek, die wunderbare Emotion und szenische Rhythmik der Musik mit Jean-Philip Viol, Martin Hemmer, Pete Simpson, Kristian Musser und Fridolin sowie Benjamin Vanyek, wie der einmalige Elias Hirschl, der die Faszination moderner Literatur in Sprachexperiment, Reflexion und Wortgewalt atemberaubend fließen lässt, formen einen Theaterabend, welcher vom begeisternden Publikum mit lang anhaltendem Applaus belohnt wird.

Was für eine „Show“, was für ein Theater! Danke!

mde

Walter Pobaschnig 1_22

https://literaturoutdoors.com

Die große Show

Uraufführung von Martin Gruber und aktionstheater ensemble 

Konzept, Inszenierung: Martin Gruber | Text: Martin Gruber und Ensemble | Dramaturgie: Martin Ojster | Musik: Kristian Musser | Regieassistenz: Pia Nives Welser | Video: Resa Lut, Maxans

Mit: Michaela Bilgeri, Susanne Brandt und Raphael Macho sowie Elias Hirschl, Benjamin Vanyek Jean-Philip Viol, Martin Hemmer, Pete Simpson, Kristian Musser und Fridolin

Chason: „Die Chancenlosen“ von Jacque Brel, Übersetzung Werner Schneyder

Eine Produktion des aktionstheater ensemble in Kooperation mit Spielboden Dornbirn und Werk X Wien

Zum Trailer: https://vimeo.com/646086078


Di. 11. Jänner 19:30 Uhr | Uraufführung
Mi. 12., Do. 13., Fr. 14. und Sa. 15. Jänner jeweils 19:30 Uhr

im Werk X, Oswaldgasse 35a, 1120 Wien

Karten (öffentlich): reservierung@werk-x.at, T +43 1 535 32 00-11,

Termine Vorarlberg:

Di. 25. Jänner 20:30 Uhr | Vorarlberg-Premiere

Do. 27., Fr. 28. und Sa. 29. Jänner jeweils 20:30 Uhr


am Spielboden Dornbirn (Färbergasse 15, 6850 Dornbirn)
Karten (öffentlich): +43 (0)5572-21933, spielboden@spielboden.atwww.spielboden.at


www.aktionstheater.at

Alle Fotos _ Walter Pobaschnig

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„Kultur verbindet, vermittelt“ Aseo Friesacher, Musiker _ Rotterdam 12.1.2022

Lieber Aseo, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich bin momentan in meinem letzten Jahr meines Jazz Klavier Masterstudiums im Royal Conservatoire Den Haag. Ich arbeite daher intensiv an meiner Masterarbeit. Außerdem bin ich freischaffender Musiker und in mehreren Musikgruppen involviert. Das bedeutet auch tägliches üben, Konzerte geben und organisieren und Kontakte knüpfen. Und zwischendurch ausschnaufen und meinen Hobbies nachgehen..

Aseo Friesacher, Musiker

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Es ist momentan besonders wichtig alle Stimmen zu hören, Toleranz und Verständnis gegenüber zu zeigen, anstatt Menschen auszugrenzen.

Ich bin natürlich in der Kunst tätig und hier ist es auch wichtig, diese genügend zu fördern. Es war nicht sehr einfach für Künstler in dieser Corona Krise, speziell in den vergangenen zwei Jahren. Und es muss gesagt sein, Kultur verbindet, vermittelt und ist ein wesentlicher Bestandteil der Gesellschaft.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Die Kunstszene blüht wieder auf und Musiker haben auf alle Fälle wieder mehr zu tun. Im diesen Sinne ist hier nicht unbedingt ein Neubeginn. Einige Künstler mögen vielleicht einen anderen Weg einschlagen wegen der harten Konkurrenz und der finanziellen und politischen Unstabilität. Aber ich sehe doch auch Chancen für Musiker, wo möglicherweise die Tendenz in Richtung Online Vermarktung und Veranstaltungen steigen wird.

Was liest Du derzeit?

Ich habe letztens das Buch Ikigai von Hector Garcia gelesen und empfehle es sehr weiter. Momentan bin ich dabei Sapiens von Yuval Harari zu lesen, da ich viel Positives darüber gehört habe.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Friedrich Nietzsche sollte einmal gesagt haben: „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.“ Und ich bin da wirklich eins mit ihm!

Vielen Dank für das Interview lieber Aseo, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Aseo Friesacher, Musiker

Foto_privat.

14.11.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Dass wir verlernt haben, uns selbst zuzuhören“ Elisabetha Pejcinoska, Schauspielerin und Drehbuchautorin _ Wien 11.1.2022

Liebe Elisabetha, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich beginne meinen Tag immer mit einem Frühstück und meinem Computer, wo ich gut 1-2 Stunden damit verbringe, meine E-Mails zu bearbeiten und Bewerbungen abzuschicken bzw. nach neuen Jobmöglichkeiten, Projekten etc. zu suchen.

Ich habe vor einem Monat meinen „normalen“ Job aufgegeben, um wieder mehr kreativ arbeiten zu können, und nutze jetzt diese Zeit, um mich sowohl mental als auch körperlich in Hochform zu bringen. Das heißt für mich, jeden Tag Sprech- und Schauspieltechnik, jeden Tag Bewegung (Sport oder Spazierengehen) und eine gesunde, ausgewogene Ernährung, die zumindest 1x Tag aus einer selbstgekochten Mahlzeit besteht. Um auch ohne fixe Anstellung Geld zu verdienen, habe ich letztes Jahr mit einer Freundin eine Serie von Luxus Dinner Events entwickelt, die 1x im Monat stattfinden werden. Unser erstes Event ist für Ende Februar angesetzt, und wir sind bereits ausgebucht. Wenn ich nicht am Organisieren oder Arbeiten bin, dann lese ich oder sehe mir Filme oder Serien an. Das Eintauchen in andere Realitäten war schon immer eine Leidenschaft, die sich durch Ausgangsbeschränkungen und Lockdowns noch intensiviert hat.

Elisabetha Pejcinoska, Schauspielerin und Drehbuchautorin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Zuhören. Ich weiß nicht, ob es an der Einsamkeit oder Egozentrik der Menschen liegt, aber man hört einander nicht mehr zu. Es ist, wie wenn die meisten Menschen „aufeinander“ und nicht miteinander reden. Jeder möchte seine Information loswerden, völlig unberührt vom Gegenüber. Mit Covid hat sich diese Entwicklung noch gesteigert, der Ignoranz hat sich ein reaktionäres Verhalten hinzugesellt, das sich hauptsächlich durch Beschimpfungen und Schuldzuweisungen ausdrückt.

Vielleicht liegt das aber auch daran, dass wir verlernt haben, uns selbst zuzuhören. Wir orientieren uns zu sehr an Social Media und den Medien, die uns vorgeben, wie wir aussehen, denken und sein sollen. Wir werden tagtäglich von Bildern und Beispielen umgeben, dass alles für jeden möglich sein kann, wenn man nur fest an sich glaubt. Jeder, wenn er will, kann Ruhm und Reichtum erlangen. Dem ist aber nicht so. Die Realität ist völlig anders, und erzeugt in den Menschen einen unglaublichen Druck und daraus resultierenden Frust, weil man diese Erwartungshaltung, die ja gar nicht aus einem selbst heraus kommt, nicht erfüllen kann. Vielleicht, wenn wir wieder lernen, uns mit unseren menschlichen Schwächen und Grenzen anzunehmen, dann werden wir auch andere Dialoge führen und zuhören können.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich empfinde es nicht als Aufbruch oder Neubeginn, zumindest nicht kollektiv gesehen. Man dachte nach dem ersten Lockdown, die Menschen würden sich besinnen, in sich kehren, auf die wesentlichen Dinge im Leben konzentrieren, und die Welt würde besser werden. Das mag für eine kurzen Augenblick so den Anschein gehabt haben, aber wie man nach wiederholten Lockdowns sieht, ist jetzt eher das Gegenteil der Fall. Von Besinnung und Rückzug ist nichts mehr zu spüren, der Mensch ist ein Gesellschaftstier und sehnt sich nach Brot und Spielen.

Theater und Kunst hatten immer schon die Magie des unmittelbaren Erlebnisses und somit der Auseinandersetzung im Hier und Jetzt.

Was liest Du derzeit?

Ich lese derzeit von Christopher Vogler „The Writer’s Journey“. Es ist so etwas wie eine Bibel für Drehbuchautoren in Hollywood. Und nachdem ich selbst auch Drehbücher entwickle, ist dieses Buch schon lange auf meiner Liste. Christopher Vogler, der als Story Editor für die größten Hollywood Studios gearbeitet und unzählige Drehbücher geprüft hat, ist zu der Kenntnis gekommen, dass alle erfolgreichen Drehbücher eines gemeinsam haben: Ein archetypisches Grundmuster der „Heldenreise“. Dabei bezieht er sich auf die Mythosstudien von Joseph Campbell (The Hero with a Thousand Faces) und C.G. Jungs Tiefenpsychologie über Archetypen. In diesem Werk beschreibt Vogler die verschiedenen Stadien der „Heldenreise“ und erklärt sie anhand von Beispielen in der Filmgeschichte. Obwohl es als Handbuch für Drehbuchautoren und Schriftsteller gedacht ist, ist es für mich nicht nur ein Buch über das Schreiben, sondern ein Buch über das Leben.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Eines meiner Lieblingszitate stammt von Akira Kurasowa: „Künstler sein bedeutet niemals den Blick abzuwenden“.

Elisabetha Pejcinoska, Schauspielerin und Drehbuchautorin

Vielen Dank für das Interview liebe Elisabetha, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen vielseitigen Projekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Elisabetha Pejcinoska, Schauspielerin und Drehbuchautorin

Fotos_Phil Jelenska

6.1.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Mach ich Theater, um dem Publikum etwas mitzugeben?“ Jacob Suske, Musiker/Regisseur _ Antwerpen/B 10.1.2022

Lieber Jacob, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Da ich jetzt wieder viel zu tun habe und meine Arbeit immer auch mit Reisen und Nicht-Zuhause-Sein zu tun hat, gibt es bei mir DEN Tagesablauf nicht. Das einzige was zu jedem Tagesbeginn gleich ist:

Café machen, „Europa heute“ hören, meine latenten Hüftschmerzen mit Dehnübungen im Zaum halten. Dann wird meistens geprobt. Nachts arbeite ich dann oft noch an meinen eigenen Projekten für die ich sonst keine Zeit finde. Allgemein enden die Tage also spät.

Jacob Suske, Musiker/Regisseur

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Abgesehen davon, dass die großen Konzerne und die obszön Reichen endlich einmal vernünftig Steuern zahlen müssten und die Weltpolitik das mit dem Klima hätte regeln sollen?

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, dem Theater, der Kunst an sich zu?

Aufbruch ? Ich kann leider keinen Aufbruch sehen. Habe ich etwas verpasst ? Ich empfinde leider eher eine Stagnation… im besten Falle. Nein, eigentlich ist es doch ein Rückschritt. Im Grunde sind ja alle Hoffnungen auf einen Aufbruch, die man sich im Windschatten der drohenden Katastrophe gemacht hatte verflogen. Der Staat wird nicht sozialer, die Reichen zahlen nicht mehr Steuern, die Emissionswerte sind wieder so hoch wie ehedem, wir arbeiten – wenn nicht gerade wieder Lockdown ist- wieder allzu häufig an der Belastungsgrenze, die extreme Rechte findet wieder zu ihren Themen, die Klimakonferenz bringt wieder nur Lippenbekenntnisse. Die Lockdowns kommen und gehen. Die Wissenschaft wird in offen angezweifelt, die Neuverschuldung muss in naher Zukunft wieder abgebaut werden. Nach beinahe 2 Jahren müssen wir immer noch mehr oder weniger zurückgezogen leben,  weil die Zeit nicht genutzt wurde um kreative Lösungen für das Gesundheitssystem zu finden.  Welcher Aufbruch also ?

Was das Theater angeht, bin ich gerade auch wenig optimstisch.

Das Theater ist leider aus gutem Grund sehr mit sich selbst beschäftigt.

Man schraubt also bei laufendem Betrieb am Motor herum,

und das ruckelt dann natürlich.

Wir produzieren- so meine Befürchtung- zu oft am Publikum vorbei in den Feuilleton oder in einen sehr abstrakten Diskurs hinein. Das ist in meinen Augen ein Teil eines systemischen Problems.

Überspitzt gesagt kann man sich entscheiden: mach ich Theater um dem Publikum etwas mitzugeben, oder mach ich Theater um betriebsintern Karriere zu machen. Diejenigen denen beides gelingt sind rar und beneidenswerte Ausnahmen. Im Allgemeinen schaffen wir es einfach zu selten den Kern eines Anliegens freizulegen. Die Anliegen sind ja vorhanden. Die Themen sind da.

Nur gilt es im Theater das Publikum nicht auszuschließen und sich dumm fühlen zu lassen. Das ist mir zu einfach. Natürlich muss man fordern und zuweilen auch überfordern, aber man muss sich klar darüber sein, was verstanden werden soll und wo es ins Assoziative, ins Überbordende oder Atmosphärische gehen kann.

Und ich persönlich wäre sehr dafür Theater dort zu stärken, wo es einmalig und nicht austauschbar ist. In der Nichtreproduzierbarkeit des Moments, in der Zumutung, in der Verneinung von Zuverlässigkeit und Berechenbarkeit und natürlich in seiner Freiheit.

Ich habe allerdings den Verdacht, dass das Publikum nach zwei Jahren Netflix nur noch wenig Nerv für die Anstrengungen und Zumutungen des mir vorschwebenden idealen Theaterabends hat…

keine einfache Gemengenlage mit keinen einfachen Antworten also.

Die Musikbranche hat jetzt natürlich auch einen riesigen Nachholbedarf.

All die verschobenen Veröffentlichungen und Konzerte.

Da ist´s gerade noch schwieriger sich Gehör zu verschaffen als ohnenhin schon.

Doch haben viele MusikerInnen die Zeit des Stillstands genutzt um sich weiterzuentwickeln. Alleine in meinem erweiterten Umfeld ist in den letzten beiden Jahren unglaublich viel Musik auf einem bewundernswerten Niveau entstanden. Auch wenn jetzt vieles ungehört in der Ecke liegen bleibt, bin ich davon überzeugt dass es einen kräftigen Kreativitätsschub in der Musik gibt.

Notgedrungener Maßen beruht vieles davon auf Solokonzepten, aber diese Tendenz weg von der Band oder dem Ensemble, hin zu Soloprojekten können wir ja schon lange beobachten.

Bleibt nur zu hoffen, daß die Stimmen der vielen vielen MusikerInnen auf dieser Welt denen in der Pandemie keinerlei Unterstützung zukam nicht verstummen werden.

Was liest Du derzeit?

Es liegen bei mir immer viel zu viele Bücher offen neben dem Bett.

Heute habe ich  „Nina & Tom“ vom Schweizer Schriftsteller Tom Kummer, von dem ich gerade eine Uraufführung vertont habe („Von schlechten Eltern“ in der Regie von Tilmann Köhler an den Bühnen Bern) gelesen. Er schreibt immer sehr nah und schonungslos an seiner von hohen Amplituden geprägten schillernden Biographie und rührt mich damit ungemein.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ich bekam einmal eine Postkarte die mit den Worten „bleib erschütterbar“ endete. Daran muss ich in letzter Zeit oft denken. Bei der derzeitigen Großwetterlage laufen wir nämlich Gefahr abzustumpfen und die Bedeutung des Wortes Empathie zu verlernen. Das Gegenteil sollte aber der Fall sein. Und nein, ich beziehe mich hier nicht auf Impfverweigerer. Es gibt Menschen die unserer Empathie noch nötiger haben.

Jacob Suske, Musiker/Regisseur

Vielen Dank für das Interview lieber Jacob, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musik-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Jacob Suske, Musiker/Regisseur

Fotos_Amandine Monsterlet

2.12.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Theater ist pure Menschlichkeit!“ Alexander Findewirth _ Schauspieler _ Wien 9.1.2022

Lieber Alexander, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich spiele derzeit im Theater der Jugend das Stück „Anne auf Green Gables“.  Dafür verwende ich gerade die meiste Zeit meines Tages. Wenn ich nicht gerade arbeite, lese ich gerne, mache Yoga oder treffe mich wahnsinnig gerne mit guten Freunden!

Alexander Findewirth _ Schauspieler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Zusammenhalt, Toleranz, und ein friedliches Miteinander ist in diesen Zeiten extrem wichtig! Sich gegenseitig zuhören und eine offene Kommunikation sowie Akzeptanz ist meiner Meinung nach der Schlüssel, zu einem friedlichen Zusammenleben!

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst an sich zu?

Die Besinnung auf sich selbst! Theater hat die Kraft eine breite Masse anzusprechen! Impulse zu geben, alle Menschen zum selbst Denken und Fühlen aufzurufen! Theater ist pure Menschlichkeit in einer Welt voller Computer und Zahlen!

Was liest Du derzeit?

the law of attraction von Esther und Jerry Hicks

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Der Schlüssel ist die Intuition.

Vielen Dank für das Interview lieber Alexander, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Alexander Findewirth _ Schauspieler

Foto_Jan Frankl

29.12.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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