1.November 1871. Es ist ein kalter Heiligengedenktag an dem der Sohn des Methodisten Pfarrers Crane in Newark/New Jersey das Licht der Welt erblickt. Glaube und Bildung regieren eine Kindheit und prägen Rituale wie die Sehnsucht nach Freiheit und Weite. Stephan, der jüngste Sohn, blickt zu den älteren Geschwistern und ihren Berufs- und Lebenswegen auf. Es ist der Blick auf den Menschen und dessen individuellen Ort in Lebenskraft, Hoffnung und Tragik, der ihn fasziniert. Das biblische „Adam wo bist Du?“ wird sein Interesse bleiben und führt ihn schließlich vom Studium zum Journalismus in New York. In seinen Reportagen sucht er das Dunkle, Versteckte, Vergessene in den Straßen der Stadt. Das Wort bleibt sein Bick und sein Weg. Die Literatur führt seinen Weg weiter zu Mensch, Welt, Liebe und Sinn. Bis der Tod, unerwartet und plötzlich, aus dem Leben reißt. Eine junge Stimme der Kunst verstummt…doch bleibt nicht vergessen…
Der amerikanische Kultautor Paul Auster greift die Lebens- und Werksgeschichte von Stephan Crane (1871 – 1900), Schriftsteller,auf und legt ein monumentales Werk vor, das in der biographischen, zeithistorischen wie literarischen Dichte einzigartig ist. Auster verbindet eine abenteuerliche wie tiefsinnige Lebensgeschichte mit jener packenden wie hintergründigen Erzählkraft, die sein Werk über Jahrzehnte auszeichnet. So entsteht eine Biographie als literarisches Kunstwerk, das begeistert und mitreißt.
„Ein genialer Kunstgriff des amerikanischen Kultautors in der Verbindung von mitreißender Biographie und einzigartiger Erzählkraft“
Lieber Herr Krenn, wie kam es zu Ihrem Buchprojekt „Romy & Alain“?
Franziska Günther, die frühere Leiterin der Sachbuchabteilung des Aufbau Verlages hat mich auf das Projekt aufmerksam gemacht, für das eigentlich ein anderer Autor vorgesehen war. Ich habe daher zunächst gezögert, mir die Sache in Ruhe überlegt, mich gefragt: Was ist an der Geschichte interessant? Dabei wurde mir bewusst, dass Romy Schneider & Alain Delon für viele zu einem jener „Modellpaare“ wurden, auf die sich unsere Phantasie gerne bezieht. Wieso aber interessieren wir uns überhaupt für solche Liebesgeschichten prominenter Personen? Ist es, weil hier mit anderen handelnden Personen etwas über uns erzählt werden soll? Was interpretiert man in solche Geschichten hinein – und warum? Diese Aspekte haben mich gereizt. Das ursprüngliche Buchkonzept sah nur vor, die gemeinsame Zeit der beiden als Paar zu beschreiben, also von 1958 bis 1963. Da ich aufgrund meines Buches über Romy Schneider mit der Sachlage gut vertraut war, erkannte ich sofort, dass dies nur ein Teil der Geschichte war. Ein paar Jahre nach der Trennung entwickelte sich aus der Liebesgeschichte eine bemerkenswerte Freundschaft, die sogar über Romy Schneiders Tod hinaus ging. So wurde die Geschichte tiefer, komplexer, davon wollte ich erzählen.
Welchen Film beider möchten Sie hervorheben und warum?
Das wäre wohl zwangsläufig „Der Swimmingpool“. Vor allem, weil die meisten Bilder, die wir mit dem Paar Schneider und Delon verbinden, aus diesem Film stammen. Der ist aber Fiktion, unsere Phantasie bezieht sich somit auf eine Wirklichkeit aus zweiter Hand. Zum Zeitpunkt der Dreharbeiten waren die beiden längst kein Paar mehr, die Leidenschaft füreinander nur mehr gespielt. Vielleicht sagt das auch etwas darüber aus, was uns an der Beziehung von Prominenten fasziniert: Es geht oft weniger darum, was wirklich ist, sondern vielmehr, was wir in sie hineininterpretieren können.
Welche Quellen konnten Sie heranziehen und mit welchen Personen konnten Sie zu diesem Thema sprechen?
Ich hatte aufgrund meiner Biographie über Romy Schneider ein paar Jahre zuvor bereits sehr viel Material gesammelt, das ich teilweise nicht verwendet hatte. Im Nachlass von Ernst Marischka gibt es etwa einige Korrespondenzen, die erklären, wie sehr Romy Schneider durch ihre filmische Neuorientierung bei den deutschsprachigen Verleihern Anfang der 1960er Jahre an Attraktivität verlor, so dass man Marischka förmlich bat, sie nicht mehr zu besetzen, was aber ohnehin nicht mehr zur Diskussion stand.
Interessant waren Interviews mit dem kürzlich verstorbenen Fotografen, Schauspieler und Produzenten Roger Fritz, der bei einigen Produktionen Luchino Viscontis Regieassistent war und das Paar aus gemeinsamen Arbeiten kannte, sowie mit der einzigartigen Senta Berger, aus deren Gesprächen man immer klüger hervorgeht als man in sie hineinging.
Romy Schneider und Alain Delon lebten, mussten eine öffentliche Liebe als Filmstars der Zeit leben. Wie war es als Autor möglich sich dieser Liebesgeschichte mit so zahlreichen Meinungen, Berichten und den Widersprüchlichkeiten darin biographisch zu nähern?
Man muss viele Materialien studieren, Bücher, Filme, Interviews… und sich dann einen eigenen Zugang suchen. Die Tatsachen von der Fama trennen, den jeweiligen zeitlichen Hintergrund beachten. Schließlich bleiben zwei junge Menschen übrig, die sich ineinander verlieben, zusammenleben, sich trennen – und zufällig Schauspieler sind. Deren Geschichte erzählt man dann. Wenn man sich dem Phänomen nähert, wird man akzeptieren müssen, dass diese, wie alle Liebesgeschichten, nicht bis ins letzte Detail rekonstruiert werden kann – und muss. Manches wird zu Recht verborgen bleiben, für immer Privatsache zweier Liebender, die sich nach einigen Jahren entliebt und –lobt haben, um später zu einer bemerkenswerten Freundschaft und daher auch einer besonderen Form der Liebe zu finden.
Was machte die Anziehung der Liebenden füreinander aus?
Es war wohl die große Gegensätzlichkeit der beiden Charaktere. Romy Schneider wuchs sehr behütet auf, machte unter Aufsicht ihrer Mutter Karriere, führte ein von anderen Menschen bestimmtes Leben. Delon blickte bereits als junger Mensch auf ein abenteuerliches Leben zurück: Ein Scheidungskind, aufgewachsen bei einer Pflegefamilie, wird er mit 17 Jahren Soldat im Indochinakrieg. Zurück in Frankreich wird er zunächst vor allem seines Aussehens wegen in kleinen Filmrollen eingesetzt. Als Romy Schneider ihn kennenlernt, ist er ein junger Mann, der schnelle Autos fährt, sich lässig kleidet, zu spät ins Studio kommt und die bürgerliche Welt, aus der sie stammt, offen verachtet. Er hat Romy Schneider auch zu Beginn nicht respektiert und als „blonde Gans“ verunglimpft. Ihre Reaktion auf ihn war ähnlich ablehnend. Der Beginn der Zusammenarbeit im Film „Christine“ war somit durchaus nicht harmonisch. Das änderte sich spätestens, als die Dreharbeiten von Paris nach Wien verlagert wurden.
War diese Liebesbeziehung und der Weg nach Paris für Romy Schneider auch eine familiäre Befreiung?
Unbedingt, das war sicher einer der wichtigsten Aspekte dabei. Schon einige Zeit davor war Romy Schneider die Bevormundung durch ihre Mutter und ihren Stiefvater zunehmend lästig geworden. Während der Arbeit an dem Film „Monpti“, bei dem sich Romy in ihren Filmpartner Horst Buchholz verliebte, hat ihr Stiefvater gefordert, sie möge sich zwischen Buchholz und ihm, womit er wohl die Familie meinte, entscheiden. Ähnliches hörte Romy auch bei Delon, doch diesmal hatte sie sich weiterentwickelt und entschied sich offen gegen ihre Familie und deren Auflagen. Man hatte vergebens gehofft, dass sich die beiden Liebenden nach dem Ende der Dreharbeiten aus den Augen verlieren würden. Delon flog auch wie geplant nach Frankreich zurück, Romy sollte kurz darauf nach Deutschland heimkehren, bevor der nächste Film begann. Doch sie buchte ihr Ticket kurzerhand um und folgte Alain nach Paris. Frankreich, so stellte Jean-Claude Brialy, der mit beiden befreundet war, hätte Romy Schneider verändert, dort habe sie sich von einem „egoistischen Püppchen“ in eine großzügige und verletzliche Frau verwandelt.
Welche gemeinsamen Pläne hatten die Liebenden?
Es ging wie bei allen Jungverliebten zunächst einmal nur darum, zusammen zu sein, weiter hatte man wohl zu Beginn nicht gedacht. Da Schneider kaum Französisch sprach, Delon kein Deutsch, gab es, abseits der Sprache der Liebe, zu Beginn natürlich auch ein Verständigungsproblem. Beruflich hofften beide auf Veränderungen. Alain Delon war, als die beiden sich kennenlernten, auch in Frankreich noch völlig unbekannt, Romy Schneider dagegen bereits ein Star im deutschsprachigen Raum, hatte noch ein paar laufende Verträge für ein paar Filme, die sie nicht wirklich interessierten, danach hoffte sie auf anspruchsvollere Angebote. Das hat sich zunächst nicht erfüllt, dafür wurde Delon innerhalb weniger Jahre zu einem international gefragten Star.
Gab es konkrete Hochzeitspläne?
Von Seiten Romy Schneiders her bestimmt, bei Delon ist das nicht so sicher. Im März 1959 organisierte Romys Stiefvater daher eine Verlobung zwischen den beiden. Nicht unbedingt, weil er von der Sache überzeugt war, sondern für die Presse und für die Öffentlichkeit. Im Grunde forcierte er sogar eine Legalisierung der Beziehung auf dem Standesamt, insgesamt wohl in der Hoffnung, dass die Ehe bald scheitern würde. Alain Delon bezeichnete Romy Schneider nach ihrem Tod mehrfach als seine „einzig wahre Liebe“, man mag dies wörtlich oder als charmante letzte Verbeugung vor einer Verstorbenen verstehen. Der Gedanke schmerze ihn heute, betont er, dass, um sie glücklich zu machen, es wohl genügt hätte, sie zu heiraten. Ob die Beziehung dadurch länger gehalten hätte, darf man bezweifeln.
Welche Wienbezüge gibt es in dieser Liebesgeschichte?
Der Film „Christine“, bei dessen Dreharbeiten das Paar sich kennenlernte, wurde zunächst in Paris, danach in Wien und Laxenburg gedreht. Das Filmteam logierte im Hotel Sacher und dort entwickelte sich auch die Liebe zwischen Romy und Alain entscheidend weiter. Als Magda Schneider ihre Tochter mit Delon in flagranti im Sacher erwischte, ergaben sich ernsthafte Probleme, die zum Bruch Romy Schneiders mit ihrer Familie führten. So wurde Wien zu dem Ort, an dem die beiden sich füreinander entschieden. Wenn Romy später in Wien drehte, besuchte sie Delon dort, man speiste wieder im vertrauten Hotel Sacher, besuchte Nachtclubs. Einmal, so erinnert sich Romy Schneider, schlug Delon danach um Mitternacht auf dem Platz vor der Albertina Purzelbäume…
Wie stellte sich die Familie beider zu dieser Beziehung?
Delons Familie hatte längst kein Einspruchsrecht mehr, was sein Leben betraf. Romy Schneiders Clan dagegen protestierte entschieden gegen die „Mesalliance“, wie man die Beziehung empfand. Da man räumlich getrennt war, Romy in Paris, ihre Familie in Deutschland, schrieb man sich zahlreiche Briefe und telefonierte, wobei solche Kontaktaufnahmen meist im Streit endeten. Später haben, wie das oft so ist, beide Seiten vieles bereut, das damals gesagt oder geschrieben wurde.
Woran scheiterte diese Beziehung?
Warum die Beziehung nicht hielt, ist schwer zu sagen, es lag sicher auch daran, dass sich ihre beiden Karrieren zu dem Zeitpunkt, als sie ein Paar wurden, sehr unterschiedlich entwickelt haben. Delons Karriere war ab 1958 im Höhenflug, die von Schneider stagnierte. Man war oft getrennt und Delon dürfte kaum ein Abenteuer mit einer anderen Schauspielpartnerin ausgelassen haben. Nach der Trennung von Romy Schneider, erinnert sich Delon, haben beide zunächst geschwiegen und dann, nach einiger Zeit, wieder losen Kontakt gehabt. Die Leidenschaft war vorüber, die dafür gewonnene Freundschaft erwies sich für beide als das stärkere, wichtigere Gefühl.
Hat das Ende der Film Projekte Romy Schneiders in Hollywood auch mit dem Ende der Liebesbeziehung zu Alain Delon zu tun?
Wenn man die Beziehung von Romy und Alain betrachtet, dann muss man sich vor Augen halten, dass sie in „Brutto- und Netto-Zeit“ zerfällt. Sie waren nicht jahrelang ununterbrochen zusammen, sondern oft ohne den anderen bei Dreharbeiten unterwegs. Romy saß anfangs oft allein in Paris, während Delon in Frankreich oder Italien drehte. In Hollywood wurde Romy Schneider wie viele andere europäische Schauspielerinnen nie wirklich glücklich. Sie mochte das amerikanische Studiosystem nicht und bekam in Summe auch nicht die Rollen, die sie sich gewünscht hätte, die ihr künstlerische Weiterentwicklung ermöglicht hätten. Sie hat ihre berufliche Zukunft definitiv in Europa gesehen, mit oder ohne Delon.
Überlegte Romy Schneider Frankreich zu verlassen?
Nach der Trennung von Delon lernte Romy Schneider 1965 in Berlin Harry Meyen kennen, verliebte sich in ihn und wurde seine Frau. Da er als Theaterregisseur seinen Lebensmittelpunkt in Deutschland hatte und hier arbeitete, gab Romy Schneider ihren Pariser Wohnsitz auf und zog zu ihm. Erleichtert wurde das durch den Umstand, dass sich in Frankreich kaum mehr interessante Filmprojekte ergaben, bzw. sie zu diesen ja auch von Deutschland aus anreisen konnte.
Wie kam es zum gemeinsamen Filmprojekt „Swimming Pool“ Ende der 1960er Jahre und wie gestalteten sich die Dreharbeiten und die Filmpromotion danach?
Im Jahr 1968 lebte Romy Schneider in Deutschland, war mit Harry Meyen verheiratet und erhielt kaum mehr interessante Filmangebote. In dieser Zeit kam ein überraschender Anruf aus Paris. Alain Delon bot ihr an, wieder gemeinsam mit ihm in einem Film zu agieren und sie sagte sofort zu. Das erste offizielle Treffen wurde von Kameras dokumentiert, beide waren sichtlich nervös dabei. Delon überspielte die Situation mit ein paar Witzen. Bei den Dreharbeiten warteten viele darauf, ob die frühere Leidenschaft zwischen den beiden wieder aufflammt. Doch das tat sie nicht, sie spielten es aber perfekt für die Kamera. Delon lebte zu jener Zeit in Scheidung von seiner Frau Nathalie und interessierte sich längst für eine andere Frau, die Schauspielerin Mireille Darc, die in der Folge einige Jahre an seiner Seite verbrachte. „Der Swimmingpool“ wurde rasch zum Kultfilm und Romy Schneider wieder zu einer international gefragten Schauspielerin.
Aus Liebe wurde danach Freundschaft. Wie lebten sie diese?
Am Ende ihres Lebens hat Romy Schneider stets betont, Alain Delon wäre der wichtigste Mann in ihrem Leben gewesen. Vor allem während der letzten Jahre, als sie mehrere private Krisen zu bewältigen hatte, stand er ihr immer bei, so gut er konnte. Für den in Liebesdingen eher leichtlebigen Delon ist der Begriff der Freundschaft geradezu heilig. Sie bedeutet ihm mindestens so viel wie Liebe, wahrscheinlich sogar mehr.
Wie sehen Sie die Umstände des Todes Romy Schneiders?
Es waren mehrere Faktoren, die zu einem völligen körperlichen Zusammenbruch geführt haben. Zum einen ist sie in ihrer Arbeit – und sie hat sehr viel gearbeitet – immer wieder an ihre körperlichen Grenzen gegangen. Dazu kam ein hoher Tablettenverbrauch, der sich nicht unbedingt mit dem Konsum von Alkohol vertrug. Was die privaten Krisen angeht, so war es vor allem der schreckliche Tod ihres Sohnes im Sommer 1981, der sie verständlicherweise extrem viel Kraft kostete. Kurz zuvor musste ihr wegen eines Tumors eine Niere entfernt werden. Am 29. Mai 1982 resignierte Romy Schneiders überbelasteter Organismus endgültig. Es hätte auch einige Zeit davor oder danach sein können. Die Zeitungen spekulierten spontan, sie hätte Selbstmord begangen. Es war in der Folge konsequenterweise Alain Delon, der vor die Presse trat und zur offiziellen Todesursache erklärte, Romy Schneider sei an einem gebrochenen Herz gestorben.
Sind Sie selbst Romy Schneider und Alain Delon persönlich begegnet?
Weder noch. Ich habe mehrfach versucht, Delon zu kontaktieren, aber das ist nur sehr schwer möglich. Er hat stets höflich abgelehnt. Lange Zeit schwieg Delon zum Thema Romy Schneider, brach Interviews ab, wenn Journalisten gezielt nach ihr fragten. Heute äußert er sich am liebsten über Romy Schneider, wenn er nicht nach ihr befragt wird. Wolfgang Jacobsen, ein deutscher Kollege von mir, hat erzählt, dass Delon, als die Berlinale ihm 1995 eine Hommage ausrichtete, bei einer Fotoserie aus „Christine“, die dort ausgestellt war, plötzlich sehr persönlich zu plaudern begann. Aber da hatte man natürlich kein Aufnahmegerät dabei…
Romy Schneider et Alain Delon_1958
Darf ich Sie abschließend zu einem Achrostikon bitten?
Romantisch
offenherzig
mutig
ymoR
&
Abenteuerlust
leidenschaft
autos
integrität
napoleon
Gibt es schon weitere Pläne für Buchprojekte?
Ich habe ein paar Ideen, die sich aber erst konkretisieren müssen. Ohne Namen nennen zu wollen: Zum einen würde ich gerne über eine Frau schreiben, die ähnlich wie Romy Schneider früh starb, uns heute nur mehr durch ein paar Filme und sehr viele Fotos vertraut ist, über die wir aber nur mehr sehr wenig Konkretes wissen. Mich reizt es, den verloren gegangenen Menschen hinter zurückbleibenden Oberflächen zu erfassen. Leider reagieren Verlage heute immer vorsichtiger auf solche Bestrebungen, sich mit zumindest teilweise Vergessenen zu befassen. Man fürchtet, dass sich solche Themen zu wenig gut verkaufen lassen. Das brachte mich auf eine andere Idee, nämlich das Phänomen des schnellen Vergessens ehemaliger Stars seitens des Publikums offensiv anzugehen und mich mit solchen Personen zu befassen, ihr Schicksal mit denen zu vergleichen, die erfolgreich blieben.
Vielen Dank für das Interview und viel Freude und Erfolg für alle weiteren Buchprojekte!
Ich danke Ihnen für Ihr Interesse!
Im Gespräch_Autor Günter Krenn
Zur Person: Günter Krenn, geboren 1961, Studium der Philosophie und Theaterwissenschaft an der Universität Wien. Zahlreiche Publikationen zum Film u. a. über Billy Wilder, Louise Brooks und Walter Reisch. Er lebt in Wien und ist dort Mitarbeiter des Österreichischen Filmmuseums. Im Aufbau Verlag ist „Die Welt ist Bühne. Karl-Heinz Böhm. Die Biographie“ lieferbar und im Aufbau Taschenbuch „Romy Schneider. Die Biographie“ sowie „Romy & Alain. Eine Amour fou“.(Text_Aufbau Verlag)
„Romy & Alain. Eine Amour fou“, Günter Krenn(Aufbau Verlag)
Günter Krenn, Autor, Österreichisches Filmmuseum
Portrait_Günter Krenn_privat.
Portrait _ Romy Schneider et Alain Delon_ Postkarten_ 1958_Sam Levin
Es sind Lebenswege, die sich treffen, ineinanderfallen voll von Sehnsucht, Liebe und schwerer Vergangenheit…
Die Kindheit, die keine sein konnte. Der Krieg und das Überleben. Das Verlassensein in Wünschen, Hoffnungen und Träumen…
Und dann der Weg zu Ruhm. Rasch und unaufhaltsam. Die Welt, der Himmel öffnet sich…
Arthur Schnitzler, der Wiener Dramatiker menschlicher Abgründe, Täuschungen und Verwandlungen in Liebe und Leben, führt sie in einem Stück, das Ender der 1950er Jahre verfilmt wird, zusammen. Und Schnitzlers Welt der Wandlungen wird die ihre bleiben…bis zum tragischen Ende…
Der Münchner Autor und Publizist Thilo Wydra legt mit „Romy&Alain“ eine wunderbare poetisch-tragische Zeitreise zu einer der schillerndsten wie tragischsten Liebensgeschichten der Filmwelt vor.
In spannender Schilderung und Erzählung öffnet der Autor Lebens, Liebes- und Kunststationen des berühmten Schauspielerpaars und lässt Leserin und Leser gleichsam an einer Reise teilhaben, die alles beinhaltet was Leben und Liebe ausmacht – Begeisterung, Mut und Tragik.
Das Buch beeindruckt im packenden Stil wie in der biographischen und kulturhistorischen Recherche und der vielen Informationen zu Begegnungen, Inspirationen mit Kunstkollegen*innen. Ebenso ist das reiche Bildmaterial sehr sehenswert und begleitet im Lesen wunderbar.
„Die Geschichte eines Liebespaares wie sie mitreißender nicht sein könnte!“
Lieber Alexander, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich bin fast den ganzen Tag im Studio arbeiten. Abends einmal die Woche Fußball mit Freunden. Einmal die Woche Badminton mit einem guten Freund. In ruhigen Momenten schreib ich ein paar Zeilen für das kommende Album.
Alexander Lausch_Tontechniker, Produzent, Musiker, Gitarrist, Sänger
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Für uns alle ist jetzt das besonders wichtig, was auch sonst immer besonders wichtig ist: Gehe mit anderen Menschen so um, wie du möchtest, dass andere Menschen mit dir umgehen!
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
Ich bin, muss ich sagen, viel zu privilegiert, um da jetzt groß zu sagen, was wesentlich für einen gelungenen Neubeginn ist. Ich habe in der Pandemie vorgreifend im Studio investiert, um meine Arbeit stabil auf hohem Niveau machen zu können. Und Aufbruch findet bei mir alle paar Monate statt, weil ich als Selbständiger immer auf Situationen reagieren muss, die meine Existenz langfristig gefährden könnten. Musik und Kunst ist dabei aber sowieso unabhängig von Ausnahmesituationen immer ein ausgesprochen wichtiger Teil meines Lebens.
Was liest Du derzeit?
Dan Ariely – Denken hilft zwar, nützt aber nichts
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Wenn wir Entscheidungen treffen, gehen wir selbstverständlich davon aus, dass wir vernünftig abwägen. Doch weit gefehlt, denn in zahllosen Situationen lassen wir uns von Vorurteilen und eingeführten Weltsichten leiten und handeln dann oft zu unserem Nachteil. Trugschlüsse und irrationale Einschätzungen liegen offenbar in der menschlichen Natur begründet.“
Vielen Dank für das Interview lieber Alexander, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Alexander Lausch_Tontechniker, Produzent, Musiker, Gitarrist, Sänger
Liebe Valentina, welche Bezüge, Zugänge gibt es von Dir zu Romy Schneider?
Romy Schneider ist gewissermaßen mitverantwortlich dafür, dass ich Schauspielerin werden wollte: Als junges Mädchen habe ich die Sissi-Trilogie von Ernst Marischka gesehen und war – wie viele andere – begeistert von diesem Märchen. Aus der Faszination für Kaiserin Elisabeth und die Sissi-Filme ist schrittweise die Bewunderung für Romy Schneider gewachsen. Neben der Sissi-Verfilmung enthielt die DVD, die ich damals geschenkt bekam, auch eine Dokumentation über Romy Schneider – sie hat mich sofort in ihren Bann gezogen und seither nicht mehr losgelassen! Ich wollte alles über sie wissen – habe Alice Schwarzers Biographie über Romy Schneider verschlungen, wobei ich sicherlich als etwa neunjähriges Mädchen nicht alles verstanden habe; aber ich habe genug begriffen, um zu verstehen, dass sie eine sehr besondere Schauspielerin war. Damals kam erstmals der Wunsch in mir auf, Schauspielerin zu werden. Insofern schließt sich mit diesem Interview sehr schön der Kreis zum Beginn meines Berufswunsches.
Wie siehst Du Werk und Leben von Romy Schneider?
Romy Schneiders Leben und auch ihre Karriere wirken von außen betrachtet stark in Abschnitte untergliedert, die eng mit ihren Ortswechseln verbunden sind – vom deutschsprachigen Raum aus nach Frankreich, dann wieder zurück nach Deutschland und schließlich abermals nach Frankreich. Dabei hat sie nicht eine Schauspielkarriere gemacht, sondern gleich mehrere. Ich bewundere ihren Mut zur Veränderung – mit Anfang zwanzig neu anzufangen, noch dazu in einer fremden Sprache!
Gibt es einen Film von Romy Schneider, den Du hervorheben möchtest und warum?
Ein sehr besonderer Film ist für mich „Nachtblende“ von Andrzej Żuławski, in dem Romy Schneider eine erfolglose Schauspielerin verkörpert, die versucht sich mit pornographischen Rollen ihren Lebensunterhalt zu sichern. „Nachtblende“ hat mich insofern tief beeindruckt, als ich als Mädchen Ausschnitte daraus in besagter Dokumentation gesehen habe und überzeugt davon war, dass es sich dabei um keinen Filmausschnitt, sondern um reale Szenen aus Romy Schneiders Leben handelt – so glaubhaft war ihre Darstellung für mich!
Gab es Berührungspunkte zu Werk und Leben Romy Schneiders in Deinen bisherigen Schauspielprojekten?
Bisher gab es in meinen Arbeiten nur indirekte Berührungspunkte zu Romy Schneider: So habe ich versucht mir an ihrer Arbeitsweise, ihrer Schauspielkunst ein Beispiel zu nehmen.
Wie siehst Du das Spannungsverhältnis von Leben und Schauspielberuf bei Romy Schneider wie an sich?
Interessant bei Romy Schneider ist, dass sich ihre Rollen und ihr Leben – zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung – zunehmend überlagerten und die Grenzen fließend wurden. Persönliche Schicksalsschläge vermischten sich gerade in späteren Jahren oft auf grausame Art und Weise mit den Charakteren, die sie spielte – das trug sicherlich nicht zuletzt auch zum Mythos Romy Schneider bei.
Gleichzeitig offenbart diese Vermischung von Fiktion und Realität das große Talent Romy Schneiders, die sich fiktive Charaktere so zu eigen machte, dass eine Abgrenzung zu ihrem realen Leben schwierig wurde.
Ich glaube aber, dass sich dieses Spannungsverhältnis zwischen Kunst und Realität im Leben aller Schauspieler*innen zeigt – wenn auch vielleicht nicht ganz so drastisch wie bei Romy Schneider. Oft werden etwa Vermutungen angestellt, was die aktuell verkörperte Rolle mit dem Privatleben des Schauspielers bzw. der Schauspielerin zu tun haben könnte. Manche sehen sich aufgrund ihres Berufes gar mit dem Vorwurf konfrontiert, man könne ja gar nicht wissen, wann sie auch in ihrem Privatleben Theater spielen und demnach lügen würden.
Eine andere Spannung ergibt sich auch daraus, dass der Beruf Schauspieler*innen abverlangt sensibel zu sein, damit sie sich eben auch gut in andere Charaktere hineinversetzen können. Diese Sensibilität hat aber auch ihre Kehrseite, da man gerade in diesem Beruf oft kritisiert und nicht gerade mit Samthandschuhen angefasst wird.
Romy Schneider wechselte nach großen Schauspielerfolgen in den 1950er das Filmgenre wie das Land. Wie siehst Du die Möglichkeiten persönlichen Entwicklungsweges im Schauspielberuf?
Gerade im Schauspielberuf sind die persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten nahezu unendlich. Mit jeder neuen Rolle entwickelt man sich weiter und erweitert den eigenen Horizont. Man lernt viel über sich selbst, aber auch über menschliches Verhalten im Allgemeinen. So gesehen hat die Schauspielerei sehr viel mit Psychologie zu tun.
Gibt es etwas typisch Wienerisches bei Romy Schneider?
Sie selbst hat sich ja als sentimentale Wienerin bezeichnet. In ähnlicher Weise verband Luchino Visconti mit Romy Schneider den „Spleen Germanique“ – den „ständigen, totalen Widerspruch“, wie sie selbst in einem Interview mit Alice Schwarzer freimütig bekannte. Glaubt man Wegbegleiter*innen Romy Schneiders, so begriff sie sich zwar durchaus auch als Österreicherin, hatte aber Schwierigkeiten damit als Deutsche bezeichnet zu werden – sie gab sich eben große Mühe als Französin anerkannt zu werden.
Was bedeutet Dir Wien und welche Erfahrungen hast Du hier im Schauspielberuf gemacht?
Wien bedeutet mir sehr viel. Ich habe seit meiner frühen Kindheit ein sehr enges Verhältnis zur Hauptstadt: So bin ich zwar im Südburgenland aufgewachsen, mein Vater ist aber gebürtiger Wiener und so habe ich schon als Kind viel Zeit hier verbracht. Als geschichtlich interessierte Schauspielerin ist es sehr angenehm in Wien zu leben – ich genieße Kunst und Kultur, auch die Architektur:
Wenn ich manchmal in der Innenstadt spazieren gehe, die wunderschönen Altbauten sehe und dann vielleicht auch noch eine Kutsche vorbeifährt, bin ich selig. Demnach bin ich wahrscheinlich auch eine sentimentale Wienerin!
Diese Stadt ist für mich auch insofern besonders, als ich fast all meine schauspielerischen Erfahrungen hier gesammelt habe – Wien und die Schauspielerei sind für mich fast untrennbar miteinander verbunden.
Wie siehst Du die Möglichkeiten als junge Schauspielerin in Wien/Österreich?
Natürlich ist Österreich nicht riesig, aber gerade in Wien gibt es einige Möglichkeiten – nicht zuletzt auch durch die vielen Theater, die die Stadt prägen.
Was wünscht Du Dir für den Schauspielberuf?
Für meine schauspielerische Zukunft wünsche ich mir, dass ich viele, möglichst unterschiedliche Charaktere verkörpern darf und damit Zuschauer*innen im weitesten Sinne bewegen, sie zum Lachen, zum Weinen oder auch einfach zum Nachdenken bringen kann.
Was sind Deine kommenden Projekte?
Am „Theater Delphin“, das mir sehr am Herzen liegt, werde ich im Mai die Linda aus Ferdinand Raimunds „Barometermacher“ spielen.
Weiters stehen zwei spannende Kurzfilm-Drehs an, wobei sich ein Projekt mit psychischer bzw. physischer Gewalt innerhalb einer Paarbeziehung beschäftigt – ein Thema, das derzeit traurige Aktualität besitzt. Ein weiteres Herzensprojekt werde ich mit zwei wunderbaren Kolleginnen und Freundinnen, Myriam Angela und Tess Hermann umsetzen: Der experimentelle Kurzfilm „Die Frage nach dem Fenster“ befasst sich mit Ängsten in Zusammenhang mit Sprache bzw. Identität.
Was möchtest Du Schauspielstudenten*innen mitgeben?
Seid mutig und lasst euch von niemandem einschüchtern! Eine Absage heißt noch nicht, dass ihr nicht talentiert seid! Unsere Branche ist hart und wir sind ständig mit Kritik konfrontiert – da ist es manchmal gar nicht so leicht weiterhin an sich selbst zu glauben. Umgebt euch deshalb mit Kolleg*innen, die euch fordern und fördern; die euch durch konstruktive Kritik weiterbringen, aber vor allem auch bestärken, wenn der Weg gerade wieder einmal steinig ist.
Was würdest Du Romy Schneider sagen, fragen wollen?
Ich würde mich einfach für ihre großartige Kunst bedanken wollen, mit der sie so viele Menschen inspiriert und berührt hat – und dafür, dass sie mich jetzt doch schon eine ganze Weile auf meinem Weg begleitet!
Was kann eine junge Schauspielerin von Romy Schneiders Werk und Leben mitnehmen?
Auf jeden Fall ihre intuitive Spielweise, ihre unverstellte Ehrlichkeit und ihre emotionale Intensität. Romy Schneider spielte aus dem Bauch heraus und war dabei immer großartig.
Gerade zu Beginn der schauspielerischen Laufbahn oder unmittelbar nach Beendigung der Schauspielausbildung neigt man oft dazu die Rollen zu zerdenken und sich zu sehr zu verkopfen.
Im besten Fall nimmt man die Anregungen, die man aus der Ausbildung mitgenommen hat, auf und bewahrt sich dabei die eigene Intuition – denn die ist oft genug genau richtig!
Darf ich Dich abschließend zu einem Romy Schneider Achrostikon bitten?
Radikal
Offenherzig
Melancholisch-mysteriös
Yourself
Herzlichen Dank, liebe Valentina für Deine Zeit in Wort und szenischem Porträt! Viel Freude und Erfolg für alle Theater-, Schauspielprojekte!
Valentina Himmelbauer_ Schauspielerin_Sängerin
40.Todesjahr _ Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris) _ im Gespräch und szenischem Fotoporträt:
Liebe Rebecca, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich trinke viel Kaffee und denke darüber nach was ich denn alles machen könnte nur um es dann erst wieder nicht zu machen weil ich nicht weiß wo ich beginnen sollte. Ich versuche aber viel an der frischen Luft zu sein und nicht andauernd auf mein Handy zu starren – gerade jetzt während der Pandemie ist es für mich persönlich sehr wichtig mich nicht von den ganzen Zahlen und Schlagzeilen entmutigen zu lassen. Ich versuche das Gute an dieser Situation zu sehen und was ich alles lernen und erfahren durfte was nicht so stattgefunden hätte, hätte Corona unser Leben vor zwei Jahren nicht völlig aus der gewohnten Bahn geworfen.
Rebecca Richter, Schauspielerin
Castings und Bewerbungen sind für mich im Moment sehr nervenaufreibend weil viel online passiert und es mir nach wie vor nicht geheuer ist mich in einem Zoom Call zu präsentieren. Ich muss glaube ich noch den richtigen Weg finden – was am besten für mich ist und wie ich diese Zeit für mich nutzen kann, immerhin verändert sich unser bisheriges Leben und nichts wird mehr genau so sein wie es Pre-Pandemie war. Aber vielleicht ist dieser Umschwung und das Umdenken auch ganz gut so.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich glaube, und das ist für mich natürlich auch schon vor der Pandemie ein Thema gewesen, dass es am wichtigsten ist nicht gegeneinander zu hetzen und vor allem nicht gegeneinander aufhetzen zu LASSEN. Einander zuhören, aufeinander zugehen, sich nicht unterkriegen lassen aber sich auch die Meinungen Anderer anhören. Anstatt mit dem Kopf gegen die Wand zu laufen und sich aufzuregen ist der Versuch ein vernünftiges Gespräch zu suchen meist der am besten bewährteste. Offen sein, zuhören und darüber reden. Nicht immer gleich schimpfen (ja, ich weiß der Wiener raunzt halt gerne – aber bitte trotzdem höflich bleiben und versuchen andere Ansichten zu verstehen).
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dem Theater/Schauspiel, der Musik, der Kunst an sich zu?
Kunst kann vielleicht keinen Knochenbruch heilen, aber dir über die Zeit des Heilens hinweg helfen. Kunst kann dir keinen Genesungsschein in einer Quarantäne ausstellen, aber dir mithilfe von Musik, Büchern, Filmen, und anderen Medien „Türen“ öffnen, Welten zeigen und dir das Gefühl geben nicht alleine zu sein. Kunst macht stark, Kunst erinnert, Kunst verbindet, Kunst lässt uns fühlen. Kunst ist laut Regierung vielleicht nicht „systemrelevant“ aber definitiv lebensrettend. Ich hoffe, dass Kunst und Kultur durch die Pandemie wieder bewusster wahrgenommen und wertgeschätzt wird.
Meine Aufgabe als Schauspielerin liegt nach wie vor darin den Menschen einen Spiegel vorzuhalten, daran zu arbeiten, dass Vergangenes nicht vergessen wird, Geschichte nicht zu einem Mythos. Die Gesellschaft zur kritisieren, die Menschen zum Nachdenken anzuregen und zu zeigen wie wunderbar aber auch furchtbar das Leben sein kann – in allen seinen Farben.
Was liest Du derzeit?
Am liebsten Romane deren Geschichten vorwiegend in anderen Ländern spielen – Frankreich, Italien oder auch der Karibik. Orte die am Meer liegen und mich ein bisschen dem tristen, winterlichen Wien entfliehen lassen. Das Meer war und ist für mich immer ein Rückzugsort um Energie zu tanken und ein Platz an dem ich zur Ruhe kommen kann. Gerade jetzt, wo reisen schwieriger ist, helfe ich mir gerne mit Geschichten die an Küstenorten spielen und welche mich in Gedanken dorthin reisen lassen wo ich die unendliche Weite des Ozeans, den salzigen Geruch des Meeres und das Geräusch der Wellen genießen und in mich aufsaugen kann.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Einen Satz der mir selber immer hilft wenn ich mal wieder an allem zweifle: „Alles hat seinen Grund und auch wenn etwas nicht so läuft wie man es sich vielleicht gewünscht hat, hat das vielleicht einen tieferen Sinn. Wo sich eine Türe schließt, öffnet sich eine andere.“
Rebecca Richter, Schauspielerin
Vielen Dank für das Interview liebe Rebecca, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Liebe Agnieszka, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich konzentriere mich auf die Recherche und das Schreiben, auf Spaziergänge mit einigen wenigen Freunden und Kollegen, die ein oder andere Online-Veranstaltung. Mittlerweile gibt es aber ja auch wieder mehr Präsenz-Veranstaltungen, die ich dann sehr genieße, und bei denen ich mit manchmal schmerzhafter Deutlichkeit spüre, wie sehr es nicht mehr selbstverständlich ist, sich persönlich zu begegnen.
Agnieszka Lessmann, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Diese Pandemie hat erlebbar gemacht, wie sehr wir alle aufeinander angewiesen sind.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Ich hoffe, der eine oder die andere erkennt in der Auseinandersetzung mit Kunst und Literatur die Chance, stets aufs Neue eine andere Perspektive auf die Welt zu entdecken.
Was liest Du derzeit?
Tsitsi Dangarembga „Aufbrechen“.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Wer mit Pfeilen eine Wolke erlegen will, wird vergeblich seine Pfeile verschießen. Viele Bildhauer sind solch wunderliche Schützen. Einer Wolke muss man auf einer Trommel etwas vorgeigen oder auf einer Geige etwas vortrommeln. Dann wird es nicht lange dauern, bis sich die Wolke niederlässt, sich vor Glück auf dem Boden wälzt und schließlich entgegenkommend versteinert. Der Bildhauer hat so im Handumdrehen die schönste Plastik fertig.“ Hans Arp „Werkstattfabeln“
Vielen Dank für das Interview liebe Agnieszka, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Lieber Johann, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Nicht jeder Tag ist gleich, wenn man in verschiedenen künstlerischen Feldern arbeitet und oft mehrere Projekte gleichzeitig am Laufen hat.
Meist beginnt mein Tag mit Emails und Orga-Kram zum Frühstück, um möglichst bald zum Schreiben und Lesen zu kommen, was ich am liebsten in Bibliotheken mache, in Gesellschaft und Austausch mit Büchern und buchaffinen Menschen. Berlin hat viele tolle Bibliotheken, das empfinde ich als großen Reichtum.
Ich liebe aber auch die Zusammenarbeit mit anderen, so in einem Buchprojekt mit Ursula Seeger oder im Herbst bei einem Performanceprojekt zur Klimaentwicklung. Oder wenn ich Kurse zum kreativen Schreiben und zur Philosophie leite.
Darüber hinaus muss Zeit zum Austausch und zur Inspiration bleiben – direkt mit Menschen oder über Medien, bei Kulturveranstaltungen, einem Café oder einem Bier.
Johann Reißer, Schriftsteller, Theatermacher, Dozent
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Sich nicht verrückt machen lassen und nicht den Kopf in den Sand stecken. Nicht das Verbindende aus den Augen zu verlieren und nicht die vielen Probleme jenseits der eigenen Privatwelt.
Die Pandemie lässt einen leicht in Selbstbetrachtung versinken. Dass da drängende Probleme wie die Klima-Katastrophe, große politische Konflikte und humanitäre Krisen ins Hintertreffen geraten, finde ich empörend. Oder dass viele die Zunahme politischer Radikalisierung in unserer Gesellschaft einfach so hinnehmen. Wenn wir wegschauen, wird uns das bald um die Ohren fliegen. Da gibt es genug Beispiele in der Geschichte.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Literatur und andere Künste können dieser Tage Essentielles leisten: zwischen verschiedenen Menschen und Perspektiven vermitteln, die Freude am Gemeinsamen wiedererwecken, deutlich machen, was man alles tun kann und warum es sich lohnt.
Dabei sollten Künstler*innen nicht nur bequeme, vertraute Wege beschreiten, sondern sich auf Veränderungen einlassen, neue Formate erproben, Neues wagen. Und das umso mehr, als man befürchten muss, dass viele Menschen in den letzten Monaten den Kontakt zur Kultur wie auch zu anderen ein Stück weit verloren haben.
Was liest Du derzeit?
Wie immer: ziemlich viel und ziemlich viel gleichzeitig.
Zu meinem Roman über eine Pulverfabrik und die Entwicklung der Rüstungsindustrie: „Jud Süß“ und „Die Geschwister Oppenheim“ von Lion Feuchtwanger, „Die Unverhofften“ von Christoph Nussbaumeder, „Annette, ein Heldinnenepos“ von Anne Weber, Verschiedenes von Thomas Mann, dann Bücher über Festungsbau und Kolonialismus, Biografien von Erfindern und Wirtschaftsbossen der Gegenwart und der Vergangenheit.
Für das lyrisch-grafische Buchprojekt über menschliche und nichtmenschliche Gehäuse, an dem ich mit Ursula Seeger arbeite: Bücher über verschiedene Aspekte der Architektur, über Stadtmorphologie, Geologie und Tier-Mensch-Beziehungen, Gedichte von Marcel Beyer, Marion Poschmann und anderen Lyriker*innen…
Nebenher noch dieses und jenes. Die Bücherstapel werden nicht kleiner.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
In Baruch de Spinozas „Ethik“ heißt es an einer Stelle: „Und weil uns angenehm ist, was wir uns leicht vorstellen können, ziehen die Menschen die Ordnung der Verwirrung vor, als ob Ordnung auch abgesehen von unserer Vorstellung etwas in der Natur wäre.“
Sich nicht zu schnell auf einfache Erklärungsmuster einzulassen, Sortierungen kritisch betrachten – das ist dieser Tage wirklich wichtig.
Vielen Dank für das Interview, lieber Johann, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen vielseitigen Literatur-, Theaterprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Johann Reißer, Schriftsteller, Theatermacher, Dozent
Lieber Wolfram, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
.. seit uns das virus aus dem griechischen alphbet heimsucht und auf trab hält, ist die welt noch hysterischer als gewohnt. leben mit hinkebein. jo mei ..
da hilft vielleicht der karl valentin: „ich freu mich, wenn´s regnet, weil, wenn ich mich nicht freu, regnet´s auch“
ich hab glück, ich bin in pension, dreimal geimpft, hab wunderbare menschen um mich herum und kann als freischaffender künstler meinen beruf immer noch – zwar mit einschränkungen und umstellungen – aber doch einigermaßen ausüben. sprachaufnahmen oder hörspiele im radio, textbearbeitungen, singen, hörbücher, ab und zu live auftritte mit musikerfreunden. mit publikum oder im live-stream. „ich lebe und ab und zu krieg ich geld dafür“- meine langjährige devise hilft mir auch jetzt.
Wolfram Berger Schauspieler, Sänger, Kabarettist, Film- und TV-Schauspieler, Regisseur und Produzent
ich bin gern mit meinen liebsten und meinen freunden. aber ich bin auch gern allein, lese die unerschiedlichsten sachen, geh in die natur, schau gern in die luft. denk was nach oder brüte vor mich hin .. blödle mit freunden durch die gegend. und irgendetwas hecken wir immer aus ..
ich höre viel radio .. vor allem Ö1 … querbeet .. ein breites, inspirierendes angebot.dieser sender, einer der besten kultursender, die es gibt, bietet großartige möglichkeiten, sich gerade mit unserer momentanen situation nicht nur schimpfend und klagend, sondern auch konstruktiv auseinanderzusetzen.
wenn ich schon nicht mehr so viel real herumreise, mache ich hörreisen mit ambiente, mit diversen journalen .. mit den spielräumen .. mit der unterschiedlichsten musik …überhaupt .. viel musik hören … ohne musik möchte ich nicht leben.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
respektvoll und mit humor miteinander umgehen.
ödön von horvath sagt: „nichts verleiht einem so sehr das gefühl der unendlichkeit wie die dummheit“
wichtig ist vielleicht, an der dummheit nicht zu verzweifeln. auch nicht an der eigenen.
ich versuche möglichst, nicht den ganzen tag negatives an mich heranzulassen.
ich brauch luft, sonst kann ich nicht anpacken. info-bombardement lähmt mich oft.
unser freund johann nepomuk nestroy sagt:
„Ein königliches Paar sitzt seit Anbeginn auf dem Erdenthron
und regiert den Staatlichen Menschenbund.
Egoismus heißt der Herrscher
Die Herrscherin heißt Eitelkeit
und die nimmersatten Leidenschaften
bilden ihr
unverantwortliches Ministerium
**
Es gibt Menschen, deren Verstand taucht niemals
über das Niveau ihrer immensen Dummheit empor.
**
Die Dummheit ist keine Geistesschwäche..
nein sie ist leider eine furchtbare Stärke,
sie ist ein Fels, der unerschüttert dasteht,
wenn auch ein Meer von Vernunft
ihm seine Wogen an die Stirne schleudert.“
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
welche rolle in der jetzigen situation der kunst zukommt?
„ohne melancholie würden nachtigallen rülpsen“ sagt cioran „ohne kunst würde die menscheit … „
Was liest Du derzeit?
gustave flaubert „memoiren eines irren“ – („ein genie beim training“ schreibt eckhard henscheid)
a.l. kennedy „the little snake“
manchmal zufallsgriffe ins bücherregal ..jetzt z.b. wieder einmal georg kreisler „zufällig in san francisco – unbeabsichtigte gedichte“
.. und immer noch und immer wieder griffbereit als farbige trostpflaster asterix & obelix und hägar der schreckliche .. quasi geistige nahrungsergänzung
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„jedes ding hat drei seiten
eine positive
eine negative
und eine komische“
(karl valentin)
Wolfram Berger Schauspieler, Sänger, Kabarettist, Film- und TV-Schauspieler, Regisseur und Produzent
Vielen Dank für das Interview lieber Wolfram, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspiel-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Wolfram Berger_Schauspieler, Sänger, Kabarettist, Film- und TV-Schauspieler, Regisseur und Produzent
Liebe Judith, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mein Tag beginnt stets mit einer sanft stupsenden Pfote von meinem hungrigen Kater im Gesicht. Dann trinke ich mehrere Tassen Kaffee, lasse dabei den Gedanken freien Lauf und entscheide, worauf ich heute meinen Fokus legen möchte. Meist schreibe ich dazu Tagebuch, um mich von Gedanken zu lösen, die nichts mit meinen anstehenden Vorhaben zu tun haben. Einen festen Rhythmus habe ich nicht, da ich öfters auch bis spät nachts arbeite. So ist jeder Tag neu.
Seit der Pandemie hat sich aber natürlich mein Alltag verändert. Konzerte und Tourneen fielen weg und ich fokussierte mich innerhalb kurzer Zeit auf mehrere CD-Aufnahmen, die eigentlich nicht geplant waren. Dafür konnte ich mir meinen Tagesablauf freier gestalten, da alles ruhiger ablief.
Judith Wegmann, Pianistin
Wenn ich mich nicht zu Hause ans Instrument setze, geh ich in mein Atelier, das ohne Tageslicht, Telefon und Internetverbindung ist. Es ist für mich eine Art «Kokon». Phasenweise arbeite ich an komplexen Kompositionen, oder an eigenen Kreationen, das kann dann auch mal mehr als acht Stunden am Klavier sein. Gerne ziehe ich mich über einen längeren Zeitraum auch zurück und gebe mich vollkommen der Musik und der damit verbundenen Arbeit hin. Tage, ohne mich ans Klavier zu setzen, gibt es kaum. Das Klavier ist meine Stimme, die ich wie das Atmen brauche. Man kann in der Musik immer an etwas feilen und weiterarbeiten. Es ist nie «fertig». Diese fortlaufende Bewegung hilft auch, sich selbst und sein Schaffen ständig neu zu reflektieren und weiterzuentwickeln.
Es ist ein Privileg, quasi sein eigener «Chef» zu sein, dadurch entsteht eine grosse Freiheit. Und sich täglich mit Musik zu beschäftigen, empfinde ich als ein enormes Glück und es half mir gerade in dieser Ausnahmezeit eine Struktur zu behalten. Für die CD-Aufnahmen entstandene Zusammenarbeit mit anderen Musiker:innen, die hier in kleinem Rahmen stets möglich war, konnte ich zusätzlich auch immer wieder neue Impulse und Energien schöpfen.
Die Zeit des «Stillstands» sehe ich für mich als eine wichtige Erfahrung an, sie lehrte mich auf eine neue Weise, gewissermassen «in mir zu ruhen» und geduldiger zu sein.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Nach vorne zu schauen, mit den gegebenen Umständen mitgehen und sich bewusstwerden, dass wir nicht immer alles kontrollieren können.
Ich sehe die Wichtigkeit aber auch darin, immer wieder zu erkennen, dass wir Menschen nur ein Teil eines Ganzen sind, und gewisse Machtansprüche ablegen sollten. Wir leben oft mit dem Glauben, dass wir uns einfach maßlos bedienen können. Ich wünsche mir, dass wir vermehrt zu mehr Achtsamkeit zurückfinden, gerade in der westlichen Welt, wo alles längst im Überfluss vorhanden ist, leben wir oftmals mit wenig Rückbesinnung auf die Konsequenzen, was daran zu Grunde geht. Dass wir eine gewisse Demut bewahren können und mehr dem Rhythmus der Natur folgen. Es ist für uns alle nach wie vor eine herausfordernde Zeit, in der wir nach wie vor mit unerwarteten Ereignissen rechnen und nach neuen Wegen suchen müssen. Ich habe für mich entschieden, meine Energien dort einzusetzen, wo ich konkret etwas unter den gegebenen Umständen machen kann. Das hat sich für mich bewährt: Geduld haben und den Dingen ihren Lauf lassen. Aber ich habe auch vermehrt gelernt, mich von Verschiedenem zurückzuziehen und aus dem, was gerade ist und was man im Moment nicht ändern kann, trotzdem etwas Kreatives entstehen zu lassen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
Wie wichtig Live-Konzerte oder der Besuch in einem Museum, so wie die sozialen Kontakte sind, haben die meisten wahrscheinlich erst so einschneidend in dieser Situation erfahren. Dieser Stillstand traf uns alle mit einer Wucht – unvorbereitet und plötzlich. Von heute auf morgen wurde man praktisch auf sich selbst zurückgeworfen, jeder musste seinen individuellen Umgang damit finden. Die wenigsten haben hier zuvor eine ähnliche Erfahrung gemacht, außer vielleicht jene, die sich – etwa durch eine schwere Krankheit – „aus dem Leben gerissen fühlten“. Ich selbst kenne dieses Gefühl und konnte vielleicht daher ziemlich schnell «switchen», und mich trotz der schwierigen Situation, umgehend auf neue Dinge fokussieren.
Mein Bedürfnis, wieder Konzerte spielen, ins Theater oder Museum gehen, wie auch unbeschränkt Gäste einzuladen, ist enorm groß. Online-Konzerte, virtuelle Rundgänge durch Museen, wie auch die Online geführten Gespräche, ersetzen nie das zwischenmenschliche und reale Erlebnis. Auch wenn wir auf Technik, Internet und Medien angewiesen sind, brauchen wir die gemeinsame Erfahrung vom persönlichen Kontakt, Kunst und Musik im realen Raum zu Erleben, um glücklich zu sein.
Was liest Du derzeit?
Meistens liegen mehrere Bücher neben meinem Bett, abends nimm ich dann jenes zur Hand, worauf ich gerade Lust habe. Es gibt Bücher, in denen ich jeweils nur eine Seite lese und dann tagelang darüber nachdenke. Im Moment sind das; „Die Ordnung der Zeit“ von Carlo Rovelli, „Reasons and Persons” von Derek Parfit, Einige Ausgaben der NZZ-Geschichte und «Worthülsen luftlettern dreck» von der befreundeten Schriftstellerin Anja Nora Schulthess.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Achtsamkeit bedeutet, auf eine bestimmte Weise aufmerksam zu sein: bewusst im gegenwärtigen Augenblick und ohne zu urteilen. Diese Art der Aufmerksamkeit steigert das Gewahrsein und fördert die Klarheit, sowie die Fähigkeit, die Realität des gegenwärtigen Augenblicks zu akzeptieren. Sie macht uns die Tatsache bewusst, dass unser Leben aus einer Folge von Augenblicken besteht. Wenn wir in vielen dieser Augenblicke nicht völlig gegenwärtig sind, so übersehen wir nicht nur das, was in unserem Leben am wertvollsten ist, sondern wir erkennen auch nicht den Reichtum und die Tiefe unserer Möglichkeiten zu wachsen und uns zu verändern. Achtsamkeit ist eine einfache und zugleich hochwirksame Methode, uns wieder in den Fluss des Lebens zu integrieren, uns wieder mit unserer Weisheit und Vitalität in Berührung zu bringen. – Jon Kabat-Zinn
Judith Wegmann, Pianistin
Vielen Dank für das Interview liebe Judith, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!