Liebe Agnieszka, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich konzentriere mich auf die Recherche und das Schreiben, auf Spaziergänge mit einigen wenigen Freunden und Kollegen, die ein oder andere Online-Veranstaltung. Mittlerweile gibt es aber ja auch wieder mehr Präsenz-Veranstaltungen, die ich dann sehr genieße, und bei denen ich mit manchmal schmerzhafter Deutlichkeit spüre, wie sehr es nicht mehr selbstverständlich ist, sich persönlich zu begegnen.
Agnieszka Lessmann, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Diese Pandemie hat erlebbar gemacht, wie sehr wir alle aufeinander angewiesen sind.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Ich hoffe, der eine oder die andere erkennt in der Auseinandersetzung mit Kunst und Literatur die Chance, stets aufs Neue eine andere Perspektive auf die Welt zu entdecken.
Was liest Du derzeit?
Tsitsi Dangarembga „Aufbrechen“.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Wer mit Pfeilen eine Wolke erlegen will, wird vergeblich seine Pfeile verschießen. Viele Bildhauer sind solch wunderliche Schützen. Einer Wolke muss man auf einer Trommel etwas vorgeigen oder auf einer Geige etwas vortrommeln. Dann wird es nicht lange dauern, bis sich die Wolke niederlässt, sich vor Glück auf dem Boden wälzt und schließlich entgegenkommend versteinert. Der Bildhauer hat so im Handumdrehen die schönste Plastik fertig.“ Hans Arp „Werkstattfabeln“
Vielen Dank für das Interview liebe Agnieszka, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Lieber Johann, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Nicht jeder Tag ist gleich, wenn man in verschiedenen künstlerischen Feldern arbeitet und oft mehrere Projekte gleichzeitig am Laufen hat.
Meist beginnt mein Tag mit Emails und Orga-Kram zum Frühstück, um möglichst bald zum Schreiben und Lesen zu kommen, was ich am liebsten in Bibliotheken mache, in Gesellschaft und Austausch mit Büchern und buchaffinen Menschen. Berlin hat viele tolle Bibliotheken, das empfinde ich als großen Reichtum.
Ich liebe aber auch die Zusammenarbeit mit anderen, so in einem Buchprojekt mit Ursula Seeger oder im Herbst bei einem Performanceprojekt zur Klimaentwicklung. Oder wenn ich Kurse zum kreativen Schreiben und zur Philosophie leite.
Darüber hinaus muss Zeit zum Austausch und zur Inspiration bleiben – direkt mit Menschen oder über Medien, bei Kulturveranstaltungen, einem Café oder einem Bier.
Johann Reißer, Schriftsteller, Theatermacher, Dozent
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Sich nicht verrückt machen lassen und nicht den Kopf in den Sand stecken. Nicht das Verbindende aus den Augen zu verlieren und nicht die vielen Probleme jenseits der eigenen Privatwelt.
Die Pandemie lässt einen leicht in Selbstbetrachtung versinken. Dass da drängende Probleme wie die Klima-Katastrophe, große politische Konflikte und humanitäre Krisen ins Hintertreffen geraten, finde ich empörend. Oder dass viele die Zunahme politischer Radikalisierung in unserer Gesellschaft einfach so hinnehmen. Wenn wir wegschauen, wird uns das bald um die Ohren fliegen. Da gibt es genug Beispiele in der Geschichte.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Literatur und andere Künste können dieser Tage Essentielles leisten: zwischen verschiedenen Menschen und Perspektiven vermitteln, die Freude am Gemeinsamen wiedererwecken, deutlich machen, was man alles tun kann und warum es sich lohnt.
Dabei sollten Künstler*innen nicht nur bequeme, vertraute Wege beschreiten, sondern sich auf Veränderungen einlassen, neue Formate erproben, Neues wagen. Und das umso mehr, als man befürchten muss, dass viele Menschen in den letzten Monaten den Kontakt zur Kultur wie auch zu anderen ein Stück weit verloren haben.
Was liest Du derzeit?
Wie immer: ziemlich viel und ziemlich viel gleichzeitig.
Zu meinem Roman über eine Pulverfabrik und die Entwicklung der Rüstungsindustrie: „Jud Süß“ und „Die Geschwister Oppenheim“ von Lion Feuchtwanger, „Die Unverhofften“ von Christoph Nussbaumeder, „Annette, ein Heldinnenepos“ von Anne Weber, Verschiedenes von Thomas Mann, dann Bücher über Festungsbau und Kolonialismus, Biografien von Erfindern und Wirtschaftsbossen der Gegenwart und der Vergangenheit.
Für das lyrisch-grafische Buchprojekt über menschliche und nichtmenschliche Gehäuse, an dem ich mit Ursula Seeger arbeite: Bücher über verschiedene Aspekte der Architektur, über Stadtmorphologie, Geologie und Tier-Mensch-Beziehungen, Gedichte von Marcel Beyer, Marion Poschmann und anderen Lyriker*innen…
Nebenher noch dieses und jenes. Die Bücherstapel werden nicht kleiner.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
In Baruch de Spinozas „Ethik“ heißt es an einer Stelle: „Und weil uns angenehm ist, was wir uns leicht vorstellen können, ziehen die Menschen die Ordnung der Verwirrung vor, als ob Ordnung auch abgesehen von unserer Vorstellung etwas in der Natur wäre.“
Sich nicht zu schnell auf einfache Erklärungsmuster einzulassen, Sortierungen kritisch betrachten – das ist dieser Tage wirklich wichtig.
Vielen Dank für das Interview, lieber Johann, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen vielseitigen Literatur-, Theaterprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Johann Reißer, Schriftsteller, Theatermacher, Dozent
Lieber Wolfram, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
.. seit uns das virus aus dem griechischen alphbet heimsucht und auf trab hält, ist die welt noch hysterischer als gewohnt. leben mit hinkebein. jo mei ..
da hilft vielleicht der karl valentin: „ich freu mich, wenn´s regnet, weil, wenn ich mich nicht freu, regnet´s auch“
ich hab glück, ich bin in pension, dreimal geimpft, hab wunderbare menschen um mich herum und kann als freischaffender künstler meinen beruf immer noch – zwar mit einschränkungen und umstellungen – aber doch einigermaßen ausüben. sprachaufnahmen oder hörspiele im radio, textbearbeitungen, singen, hörbücher, ab und zu live auftritte mit musikerfreunden. mit publikum oder im live-stream. „ich lebe und ab und zu krieg ich geld dafür“- meine langjährige devise hilft mir auch jetzt.
Wolfram Berger Schauspieler, Sänger, Kabarettist, Film- und TV-Schauspieler, Regisseur und Produzent
ich bin gern mit meinen liebsten und meinen freunden. aber ich bin auch gern allein, lese die unerschiedlichsten sachen, geh in die natur, schau gern in die luft. denk was nach oder brüte vor mich hin .. blödle mit freunden durch die gegend. und irgendetwas hecken wir immer aus ..
ich höre viel radio .. vor allem Ö1 … querbeet .. ein breites, inspirierendes angebot.dieser sender, einer der besten kultursender, die es gibt, bietet großartige möglichkeiten, sich gerade mit unserer momentanen situation nicht nur schimpfend und klagend, sondern auch konstruktiv auseinanderzusetzen.
wenn ich schon nicht mehr so viel real herumreise, mache ich hörreisen mit ambiente, mit diversen journalen .. mit den spielräumen .. mit der unterschiedlichsten musik …überhaupt .. viel musik hören … ohne musik möchte ich nicht leben.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
respektvoll und mit humor miteinander umgehen.
ödön von horvath sagt: „nichts verleiht einem so sehr das gefühl der unendlichkeit wie die dummheit“
wichtig ist vielleicht, an der dummheit nicht zu verzweifeln. auch nicht an der eigenen.
ich versuche möglichst, nicht den ganzen tag negatives an mich heranzulassen.
ich brauch luft, sonst kann ich nicht anpacken. info-bombardement lähmt mich oft.
unser freund johann nepomuk nestroy sagt:
„Ein königliches Paar sitzt seit Anbeginn auf dem Erdenthron
und regiert den Staatlichen Menschenbund.
Egoismus heißt der Herrscher
Die Herrscherin heißt Eitelkeit
und die nimmersatten Leidenschaften
bilden ihr
unverantwortliches Ministerium
**
Es gibt Menschen, deren Verstand taucht niemals
über das Niveau ihrer immensen Dummheit empor.
**
Die Dummheit ist keine Geistesschwäche..
nein sie ist leider eine furchtbare Stärke,
sie ist ein Fels, der unerschüttert dasteht,
wenn auch ein Meer von Vernunft
ihm seine Wogen an die Stirne schleudert.“
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
welche rolle in der jetzigen situation der kunst zukommt?
„ohne melancholie würden nachtigallen rülpsen“ sagt cioran „ohne kunst würde die menscheit … „
Was liest Du derzeit?
gustave flaubert „memoiren eines irren“ – („ein genie beim training“ schreibt eckhard henscheid)
a.l. kennedy „the little snake“
manchmal zufallsgriffe ins bücherregal ..jetzt z.b. wieder einmal georg kreisler „zufällig in san francisco – unbeabsichtigte gedichte“
.. und immer noch und immer wieder griffbereit als farbige trostpflaster asterix & obelix und hägar der schreckliche .. quasi geistige nahrungsergänzung
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„jedes ding hat drei seiten
eine positive
eine negative
und eine komische“
(karl valentin)
Wolfram Berger Schauspieler, Sänger, Kabarettist, Film- und TV-Schauspieler, Regisseur und Produzent
Vielen Dank für das Interview lieber Wolfram, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspiel-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Wolfram Berger_Schauspieler, Sänger, Kabarettist, Film- und TV-Schauspieler, Regisseur und Produzent
Liebe Judith, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mein Tag beginnt stets mit einer sanft stupsenden Pfote von meinem hungrigen Kater im Gesicht. Dann trinke ich mehrere Tassen Kaffee, lasse dabei den Gedanken freien Lauf und entscheide, worauf ich heute meinen Fokus legen möchte. Meist schreibe ich dazu Tagebuch, um mich von Gedanken zu lösen, die nichts mit meinen anstehenden Vorhaben zu tun haben. Einen festen Rhythmus habe ich nicht, da ich öfters auch bis spät nachts arbeite. So ist jeder Tag neu.
Seit der Pandemie hat sich aber natürlich mein Alltag verändert. Konzerte und Tourneen fielen weg und ich fokussierte mich innerhalb kurzer Zeit auf mehrere CD-Aufnahmen, die eigentlich nicht geplant waren. Dafür konnte ich mir meinen Tagesablauf freier gestalten, da alles ruhiger ablief.
Judith Wegmann, Pianistin
Wenn ich mich nicht zu Hause ans Instrument setze, geh ich in mein Atelier, das ohne Tageslicht, Telefon und Internetverbindung ist. Es ist für mich eine Art «Kokon». Phasenweise arbeite ich an komplexen Kompositionen, oder an eigenen Kreationen, das kann dann auch mal mehr als acht Stunden am Klavier sein. Gerne ziehe ich mich über einen längeren Zeitraum auch zurück und gebe mich vollkommen der Musik und der damit verbundenen Arbeit hin. Tage, ohne mich ans Klavier zu setzen, gibt es kaum. Das Klavier ist meine Stimme, die ich wie das Atmen brauche. Man kann in der Musik immer an etwas feilen und weiterarbeiten. Es ist nie «fertig». Diese fortlaufende Bewegung hilft auch, sich selbst und sein Schaffen ständig neu zu reflektieren und weiterzuentwickeln.
Es ist ein Privileg, quasi sein eigener «Chef» zu sein, dadurch entsteht eine grosse Freiheit. Und sich täglich mit Musik zu beschäftigen, empfinde ich als ein enormes Glück und es half mir gerade in dieser Ausnahmezeit eine Struktur zu behalten. Für die CD-Aufnahmen entstandene Zusammenarbeit mit anderen Musiker:innen, die hier in kleinem Rahmen stets möglich war, konnte ich zusätzlich auch immer wieder neue Impulse und Energien schöpfen.
Die Zeit des «Stillstands» sehe ich für mich als eine wichtige Erfahrung an, sie lehrte mich auf eine neue Weise, gewissermassen «in mir zu ruhen» und geduldiger zu sein.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Nach vorne zu schauen, mit den gegebenen Umständen mitgehen und sich bewusstwerden, dass wir nicht immer alles kontrollieren können.
Ich sehe die Wichtigkeit aber auch darin, immer wieder zu erkennen, dass wir Menschen nur ein Teil eines Ganzen sind, und gewisse Machtansprüche ablegen sollten. Wir leben oft mit dem Glauben, dass wir uns einfach maßlos bedienen können. Ich wünsche mir, dass wir vermehrt zu mehr Achtsamkeit zurückfinden, gerade in der westlichen Welt, wo alles längst im Überfluss vorhanden ist, leben wir oftmals mit wenig Rückbesinnung auf die Konsequenzen, was daran zu Grunde geht. Dass wir eine gewisse Demut bewahren können und mehr dem Rhythmus der Natur folgen. Es ist für uns alle nach wie vor eine herausfordernde Zeit, in der wir nach wie vor mit unerwarteten Ereignissen rechnen und nach neuen Wegen suchen müssen. Ich habe für mich entschieden, meine Energien dort einzusetzen, wo ich konkret etwas unter den gegebenen Umständen machen kann. Das hat sich für mich bewährt: Geduld haben und den Dingen ihren Lauf lassen. Aber ich habe auch vermehrt gelernt, mich von Verschiedenem zurückzuziehen und aus dem, was gerade ist und was man im Moment nicht ändern kann, trotzdem etwas Kreatives entstehen zu lassen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
Wie wichtig Live-Konzerte oder der Besuch in einem Museum, so wie die sozialen Kontakte sind, haben die meisten wahrscheinlich erst so einschneidend in dieser Situation erfahren. Dieser Stillstand traf uns alle mit einer Wucht – unvorbereitet und plötzlich. Von heute auf morgen wurde man praktisch auf sich selbst zurückgeworfen, jeder musste seinen individuellen Umgang damit finden. Die wenigsten haben hier zuvor eine ähnliche Erfahrung gemacht, außer vielleicht jene, die sich – etwa durch eine schwere Krankheit – „aus dem Leben gerissen fühlten“. Ich selbst kenne dieses Gefühl und konnte vielleicht daher ziemlich schnell «switchen», und mich trotz der schwierigen Situation, umgehend auf neue Dinge fokussieren.
Mein Bedürfnis, wieder Konzerte spielen, ins Theater oder Museum gehen, wie auch unbeschränkt Gäste einzuladen, ist enorm groß. Online-Konzerte, virtuelle Rundgänge durch Museen, wie auch die Online geführten Gespräche, ersetzen nie das zwischenmenschliche und reale Erlebnis. Auch wenn wir auf Technik, Internet und Medien angewiesen sind, brauchen wir die gemeinsame Erfahrung vom persönlichen Kontakt, Kunst und Musik im realen Raum zu Erleben, um glücklich zu sein.
Was liest Du derzeit?
Meistens liegen mehrere Bücher neben meinem Bett, abends nimm ich dann jenes zur Hand, worauf ich gerade Lust habe. Es gibt Bücher, in denen ich jeweils nur eine Seite lese und dann tagelang darüber nachdenke. Im Moment sind das; „Die Ordnung der Zeit“ von Carlo Rovelli, „Reasons and Persons” von Derek Parfit, Einige Ausgaben der NZZ-Geschichte und «Worthülsen luftlettern dreck» von der befreundeten Schriftstellerin Anja Nora Schulthess.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Achtsamkeit bedeutet, auf eine bestimmte Weise aufmerksam zu sein: bewusst im gegenwärtigen Augenblick und ohne zu urteilen. Diese Art der Aufmerksamkeit steigert das Gewahrsein und fördert die Klarheit, sowie die Fähigkeit, die Realität des gegenwärtigen Augenblicks zu akzeptieren. Sie macht uns die Tatsache bewusst, dass unser Leben aus einer Folge von Augenblicken besteht. Wenn wir in vielen dieser Augenblicke nicht völlig gegenwärtig sind, so übersehen wir nicht nur das, was in unserem Leben am wertvollsten ist, sondern wir erkennen auch nicht den Reichtum und die Tiefe unserer Möglichkeiten zu wachsen und uns zu verändern. Achtsamkeit ist eine einfache und zugleich hochwirksame Methode, uns wieder in den Fluss des Lebens zu integrieren, uns wieder mit unserer Weisheit und Vitalität in Berührung zu bringen. – Jon Kabat-Zinn
Judith Wegmann, Pianistin
Vielen Dank für das Interview liebe Judith, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Michaela Khom, Sängerin, Schauspielerin _ Wien _ reenacting Romv Schneider
Liebe Michaela, welche Bezüge, Zugänge gibt es von Dir zu Romy Schneider?
Ich glaube, ich bin durch die Sissi Filme auf sie aufmerksam geworden und ich konnte es nicht fassen, wie man so schön sein kann. Noch weniger verstanden habe ich, dass man so schön und doch so unglücklich sein kann.
Gibt es einen Film von Romy Schneider, den Du hervorheben möchtest und warum?
Natürlich, die Sissi Trilogie ist ein Klassiker, die liebe und schätze ich und habe ich vermutlich schon zehnmal gesehen. Aber auch die anderen (frühen) Filme habe ich sehr gerne geschaut, die späteren Filme weniger, die waren mir zu düster, da ist wohl sehr viel ihrer privaten Geschichte hineingeflossen.
Gab es Berührungspunkte zu Werk und Leben Romy Schneiders in Deinen bisherigen Musik-, Schauspielprojekten?
Bisher bin ich beruflich noch nicht mit ihren Filmen oder ihrer Biografie in Berührung gekommen. Aber eine gewisse Vorbildwirkung ist doch da, ich finde die Art wie sie gespielt hat, sehr schön ehrlich und reduziert.
Ich mag es, wenn SchauspielerInnen einfach sind und nicht darstellen. Auch wenn man eine Rolle spielt und nicht sich selbst, ist das ehrliche im Moment sein, ohne irgendwie wirken zu wollen für mich die höchste Kunst.
Wie siehst Du das Spannungsverhältnis von Öffentlichkeit und Schauspielberuf bei Romy Schneider wie im künstlerischen Beruf an sich?
Der Schauspielberuf und das Leben in der Öffentlichkeit ist ein Spannungsverhältnis an sich. Das war nicht nur für Romy Schneider eine Herausforderung. Die große Spannung besteht darin, bei sich selbst zu sein, man selbst zu sein und gleichzeitig (zu glauben) jemand sein zu müssen, besonders zu sein, sich abheben zu müssen.
Einerseits ist es unglaublich schwierig diese Arbeit zu machen, ohne die öffentliche Anerkennung zu bekommen, die einem das Gefühl gibt, auf dem richtigen Weg zu sein und die sich natürlich auch finanziell widerspiegelt, andererseits ist öffentliche Aufmerksamkeit auch etwas sehr Unangenehmes: Das kindliche Spiel und die Neugier können leicht verloren gehen, weil man glaubt man muss so oder so sein.
Romy Schneider wechselte nach großen Schauspielerfolgen in den 1950er das Filmgenre wie das Land. Wie siehst Du die Möglichkeiten und Risiken persönlichen Entwicklungsweges im Kunstberuf?
Es ist leicht, das zu tun, was immer gut funktioniert hat. Abgetretene Pfade zu verlassen und sich in neuen Facetten zu zeigen und auszuprobieren erfordert Mut, ist aber das Schöne am Künstlerberuf. Letztlich kann niemand anders bestimmen wer man ist. (Oft kann man das nicht mal selbst, denn sobald man sich ein Bild von sich selbst gemacht hat, hat man sich schon wieder weiterentwickelt.)
Wichtig ist es, Ideen und Impulsen zu folgen und sie nicht aufzuschieben.
Mein Leitfaden ist immer die Kreativität – die muss sich nicht zwingend in der Musik oder im Schauspiel zeigen, das beginnt schon damit, wie ich morgens aus dem Bett steige.
Gibt es etwas typisch Wienerisches bei Romy Schneider?
Eigentlich assoziiere ich Romy Schneider gar nicht so sehr mit Wien, aber wenn ich eine Gemeinsamkeit suchen müsste, dann wäre das die Melancholie.
Romy Schneider ist für mich der Innbegriff einer melancholischen Frau und Wien kann einen wohl manchmal auch sehr melancholisch stimmen.
Was bedeutet Dir Wien und welche Erfahrungen hast Du hier im Musik-, Schauspielberuf gemacht?
Wien bedeutet mir sehr, sehr viel. Ich habe hier eine künstlerische Heimat gefunden. Nach mehr als zehn Jahren in Wien fühle ich mich auch schon mehr als Wienerin, als Steirerin.
Wien ist pure Inspiration, ich schreibe ja auch „moderne Wienerlieder“, die sich nicht nur sprachlich, sondern von der Grundstimmung gut ins Wienerische einordnen.
Wie siehst Du die Möglichkeiten als junge Musikerin, Schauspielerin in Wien/Österreich?
Für junge KünstlerInnen ist die Zeit, die wir erleben nicht gerade die leichteste. Alles ist noch ungewisser, als es unter normalen Umständen schon wäre, Veranstalter bauen auch mehr auf Altbewährtes („Stars“), um sich irgendwie abzusichern und das Publikum wieder mehr ins Theater, in die Konzertsäle zu locken, keiner möchte ein Risiko eingehen.
Und trotzdem sollte man sich nicht auf diese schwierige Lage ausreden. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten sich künstlerisch zu verwirklichen, Kunst wurde schon unter ganz anderen Umständen geschaffen. Augen offenhalten, weitermachen und sich nicht in das kollektive Selbstmitleid hineinziehen lassen!
Was wünscht Du Dir für den künstlerischen Beruf?
Ich wünsche mir für meinen künstlerischen Beruf eigentlich nur, dass ich immer mehr zu meiner Kunst finde. Ich probiere sehr viel aus und ich glaube irgendwann werde ich genau das machen, was mich ausmacht.
Was sind Deine kommenden Projekte?
Momentan spiele ich wieder an der Theater Arche die Rilke-Collage „Wie ist es möglich da zu sein?“ (Das haben wir im Mai schon gespielt.) Ich fange aber schon langsam an, mich gesanglich auf meine Sommer-Engagements vorzubereiten, die sehr herausfordernd sein werden, aber auf die ich mich unheimlich freue. Mein größtes Projekt ist jedoch das neue Programm für mein Musikkabarett-Duo (Die Duetten). Nachdem wir Ende 2019 unser Debütalbum rausgebracht haben, ist es wieder Zeit für etwas Neues und wir sind da auch sehr fleißig am Arbeiten. Das ist eine Arbeit, die mich sowohl menschlich als auch künstlerisch bereichert und Energie gibt.
Meine freie Zeit widme ich eigentlich auch der Kunst, nämlich jener, an die ich keinerlei professionellen Anspruch stelle: ich habe angefangen Trompete zu spielen und male, manchmal auch gleichzeitig.
Was möchtest Du Musik-, Schauspielstudenten*innen mitgeben?
….einfach machen, schon in der Ausbildung für das eigene Tun Verantwortung übernehmen, sich von niemandem in eine Schublade drängen lassen. Ich habe selbst auch schon einige junge StudentInnen in ihrer Ausbildung begleitet und bin Menschen mit mehr oder weniger Talent begegnet, wenn man das so nennen mag. Manche haben ihr Handwerk besser, andere schlechter beherrscht, aber das alles war für mich immer zweitrangig. Wesentlich ist, ob jemand eine Idee hat, eine Botschaft, irgendeinen Gedanken, den man mit der Welt teilen will.
Es gibt für ALLES ein Publikum, komme ich immer mehr drauf und ich möchte auch in der Kunst gar nicht mehr zwischen gut und schlecht unterscheiden. Wichtig ist, dass man meint was man tut und dazu stehen kann.
Viele wissen nicht wer sie sein wollen, weder im Leben noch auf der Bühne. Wenn man das selbst nicht weiß, wer soll es einem sagen? Romy Schneider hat das ganz gut gemacht, sie hat sich vermutlich anfangs leiten lassen, aber ist dann schnell ihren eigenen Impulsen gefolgt (zumindest beruflich), privat hat sie sich wohl eher in eine gewisse Abhängigkeit begeben.
Was würdest Du Romy Schneider sagen, fragen wollen?
Ich würde ihr sagen, dass sie ein Geschenk ist.
Was kann eine junge Musikerin, Schauspielerin wie Du von Romy Schneiders Werk und Leben mitnehmen?
Künstlerbiografien jeglicher Art sind für junge KünstlerInnen oft eine gute Orientierungshilfe. Herausforderungen und Erfolge bei anderen zu sehen, motiviert und ermutigt einerseits, zeigt andererseits aber auch, dass jeder und jede den eigenen Weg in der eigenen Zeit finden darf. Romy Schneiders Biografie bestätigt auf traurige Weise, dass Schönheit und Erfolg allein nicht glücklich machen können, da gehört so viel mehr dazu. Ich hätte ihr ein genauso erfülltes Privatleben gewünscht und auch, dass ihr diese Schicksalsschläge erspart geblieben wären…
Darf ich Dich abschließend zu einem Romy Schneider Achrostikon bitten?
R-ASTLOS
O-FFENHERZIG
M-ÄDCHENHAFT
ALBACH-RETT-Y
Michaela Khom, Sängerin, Schauspielerin _ Wien _ reenacting Romv Schneider
Herzlichen Dank, liebe Michaela, für Deine Zeit in Wort und szenischer Darstellung! Viel Freude und Erfolg für alle Schauspiel-, Musik- und Kunstprojekte!
40.Todesjahr _ Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris) _ im Gespräch und szenischem Fotoporträt:
Liebe Daniela, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mein Tagesablauf hat sich – zum Glück – nicht sehr verändert, da meine Chefin und ich abwechselnd im Büro sind und Homeoffice machen und außerdem beide auch selbständig sind und sowieso immer schon auch „Heimbüro“ gemacht haben. 😉 Ich bin sehr froh, dass das Leben für mich und meine Kinder – so die Kinderbetreuung läuft, was derzeit ein etwas unsicherer Faktor ist – recht „normal“ weitergeht … aber ich weiß, dass das bei vielen Menschen nicht der Fall ist und sie an zahlreiche emotionale, finanzielle, berufliche Belastungsgrenzen stoßen, daher bin ich umso dankbarer, wenn sich derzeit nicht zu viel verändert und es auch beruflich so weitergehen kann, bitte, danke! 🙂
Daniela Kocmut, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Wir haben jetzt eine Möglichkeit inne zu halten, eine (durch eine aufgedrückte Stopptaste) gesellschaftliche Pause einzulegen und uns zu überlegen wie wir weiterleben wollen (das schreiben gewiss viele Leute hier ;-). Eine Entschleunigung tut dem rastlosen, optimierungswütigen Menschen gut. Daher greifen wir wieder öfter zum Buch, denn wir haben plötzlich etwas Zeit gewonnen oder manche widmen sich vergessenen Hobbies, kramen alte Schallplatten und Tagebücher hervor oder entdecken sich wieder neu (was auch immer das heißen mag) usw. … Wir müssen neugierig bleiben und etwas lernen wollen … Vor allem aber denke ich, dass es jetzt essentiell ist menschlich und Mensch zu bleiben und dass wir uns weiterhin in Selbstreflexion üben, in Empathie und Toleranz – mir scheint dieses Wort wieder wichtiger denn je – in gegenseitigem Respekt, statt Dinge und Anschauungen – wie es es manchmal unabsichtlich passieren kann – schwarz-weiß zu betrachten, ohne die unzähligen feinen Farbnuancen und Schattierungen zu berücksichtigen. Die Welt ist schließlich zum Glück immer noch bunt und das ist auch gut so. Wir sitzen ALLE in diesem selben Boot, das Erde heißt und sollten uns tagtäglich dessen bewusst sein. Und es ist unerlässlich, dass wir im Dialog bleiben mit unseren Mit-Menschen und unsere Umgebung nicht nur aus unserer privilegierten Bubble betrachten, die gebildet und ziemlich wohlbehütet ist, vor allem in Mitteleuropa. Ich nenne das, was ich ständig höre, Jammern auf hohem Niveau, das bringt uns nicht weiter. Man muss einfach tun, es zumindest probieren und Punkt, was auch immer es sei, es hilft nichts immer irgendjemandem an irgendwas die Schuld zu geben; Verantwortung zu übernehmen, heißt in erster Linie Verantwortung für das eigene Leben und auch für andere zu übernehmen … und wenn man – wie jetzt viele Menschen – zu sehr belastet ist, darf man keine Scheu davor haben sich Hilfe zu holen und zu reden … das hilft in jeder Lebenssituation, erfordert aber auch Mut … bedarf aber auch genug geschulten Personals …
Zusammenfassend würde ich sagen es bedarf einer vorsichtigen Zuversicht … oder um es mit anderen Worten zu sagen: stets pessimistisch-optimistisch bleiben, haha!
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Vor einem Aufbruch kann man immer stehen, nicht nur jetzt, wie schon Heraklit sagte ist die einzige Konstante im Universum die Veränderung, und der Mensch ist lediglich ein anpassungsfähiges Wesen, wir passen uns ständig an, ob wir jedoch etwas daraus lernen, ist eine andere Geschichte bzw. die Geschichte zeigt uns, dass das eher schleppend vorangeht mit dem Lernen, obwohl wir technisch und wissenschaftlich schon so viel erreicht haben, wieso aber immer noch Krieg? Vielleicht hat der Mensch noch ein paar Jahrhunderte die Möglichkeit doch noch etwas zu lernen oder es herauszufinden, wer weiß …
Die Kunst allerdings ist unsere Hoffnung, Motor und Motivation, zwar steht als letztes ganz oben in der Maslowschen Bedürfnispyramide die Selbstverwirklichung, aber für viele von uns ist die Kunst unser eigentliches täglich Brot, das nahrhafter sein kann als tatsächliche Nahrung. Dennoch braucht es schlicht und einfach auch Kohle und die Würdigung künstlerischer Berufe. Ebenso pädagogischer und medizinischer auf allen Ebenen, nicht auf den höheren. Es braucht Würdigung, die sich auch finanziell äußert, Applaus ist zu wenig, davon kann man sich keine Scheibe Brot abschneiden und da wären wir wieder beim Brot …
Kunst in verschiedensten Formen macht das Leben schöner, lebenswerter, aufregender, kritischer, sichtbarer, spürbarer, manchmal auch erst erlebbar usw. usf. und sie ist vor allem eines; für alle da … Kunst muss für alle da sein, wie Marina Abramović so treffend gesagt hat.
Was liest Du derzeit?
Hmm … hunderte begonnene, nicht zu Ende gelesene Bücher, meine regelmäßige Dosis an slowenischer Kinderliteratur beim Vorlesen, ich bemühe mich um ein tägliches Gedicht und ansonsten lese ich immer auch das, was ich übersetze … von Jugendliteratur über Gebrauchstexte für Menschen mit Migrationshintergrund, Text-Einsendungen im Büro … meistens versuche ich aber die Werke von KollegInnen und Freunden zu lesen, da ich durch meine Tätigkeiten das Glück habe viele Autorinnen und Autoren kennenzulernen. Ich nenne hier keine Titel, weil die Liste zu lang wäre und das wäre dann frustrierend, weil ich nur langsam vorankomme, haha! 😉 Niemand sagt einem bevor man Kinder bekommt, dass man dann ein paar Jahre nicht mehr wirklich so zum Lesen kommt wie früher, als man ca. 1 Buch die Woche geschafft hat. Das waren Zeiten, aber die kommen hoffentlich auch wieder! 😉
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Vor meinem Schreibtisch hängen mehrere schöne Zitate darüber was Literatur alles vermag und feine literarische Postkarten, aber eines liegt mir besonders am Herzen: „Ein mögliches Entkommen liegt im Traum und in der Poesie.“ von Philippe Quesne
und dieses scheint auch irgendwie zeitlos und „richtig“:
„I can sum up everything I’ve learned about life. It goes on.”
Robert Frost
Und ganz wunderbar durch uns wirbelnde Zeiten bringt uns der Herr Wondrak von Janosch – und das durch alle Lebenslagen, das ist meine absolute Leseempfehlung für alle, die gerne schmunzeln und lachen, also für die meisten von unserer Spezies! 🙂
Kurze Zusammenfassung; weitermachen … mit Kunst und Literatur und der Neugierde und Menschsein und so … 😉
Vielen Dank für das Interview, liebe Daniela, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Daniela Kocmut, Schriftstellerin
Foto_Lupi Spuma
Daniela Kocmut _ Kurzvita:
Geboren 1980 in Maribor, wuchs ab 1991 zweisprachig in Kärnten / Koroška auf. Lebt seit 1999 in Graz als literarische Übersetzerin, Dolmetscherin, Sprachtrainerin für Slowenisch, sowie Redakteurin und Mitarbeiterin der Literaturzeitschrift Lichtungen. Studium der Germanistik, Slowenistik und Translationswissenschaft in Graz und Dublin.
Seit 2004 zahlreiche Veröffentlichungen literarischer Übersetzungen aus dem Slowenischen ins Deutsche (u. a. Drago Jančar, Maruša Krese, Katarina Marinčič, Veno Taufer, Zofka Kveder, Miha Mazzini, Stanka Hrastelj, Barbara Simoniti, Tomaž Šalamun, u. a. …). Mehrere Übersetzungsstipendien. Regelmäßige Mitveranstaltung, Moderation und Dolmetschung zweisprachiger Lesungen. Schreibt Lyrik auf Slowenisch und Deutsch.
3.2.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
In der Nacht sind die Bilder da, die vielen, durcheinander. Das lässt nicht gut schlafen.
Dann der Tag. Und da sind die vielen Menschen da. Und laut. Nicht in der Straßenbahn. Im Büro. Coworking. Da tut sich was und jeder sucht nach Erfolg, Anerkennung, mehr…
In der Mitte die Kaffeemaschine. In der Teeküche. Da braucht jeder was. Und bekommt es auch. Am Weg zum ersehnten Erfolg.
So vergeht der Tag. Die Zeit. Der Mensch.
Jeder macht sein Ding. Oder umgekehrt. Das weiß niemand so genau…und dann wieder die Träume…
Und es beginnt von Vorne…Coworking auf allen Ebenen…
Peter Licht, Musiker und Schriftsteller, legt mit dem Roman „Ja okay, aber“ eine literarisch fulminante wie augenzwinkernde Bestandsaufnahme modernen Arbeitslebens und dem Zusammenprall von beruflichen Wünschen, Träumen mit gesellschaftlichen Realitäten vor, die sprachlich beeindruckt wie tiefsinnig zum Weiterdenken einlädt.
Der gefeierte Musiker und Schriftsteller, der immer wieder mit kreativen, unkonventionellen Kunstideen und -projekten begeistert, lädt hier zum Eintauchen in den Mikrokosmos moderner Existenz in außergewöhnlicher Aufmerksamkeit, Witz wie Tragik ein.
„Tage im Büro von Beruf und Leben wie es nur Peter Licht erzählen kann – sensationell!“
Paris. Mai 1982. In der Rue Barbet-de-Jouy drängen sich Fotografen und Schaulustige. Dazwischen ein Kommen und Gehen von Menschen, die Trauer und Entsetzen im Gesicht tragen. Immer wieder betreten Personen einzeln das moderne Appartmenthaus. Als der französische Filmstar Alain Delon kommt, wird es still. Lange bleibt er im Haus. Dann tritt er heraus und beantwortet Fragen der Journalisten. Sein Blick ist gesenkt. Ein Lebensabschnitt und eine Liebe in allen schillernden und dunklen Farben geht endgültig zu Ende.
Romy Schneider, Schauspielerin, ist tot.
Es regnet jetzt. Tränen der sich versammelnden Menschen vermischen sich mit dem warmen Frühlingsregen. Delon schließt die Autotür. Fährt los. Gedanken an den Anfang, das erste Kennenlernen im Kopf….1958. Die Begegnung am Filmset. Eine öffentliche Liebe. Der Weg zweier Menschen in Sehnsucht, Traum, Beruf und Tragik…Romy&Alain. Eine Amour Fou…
Günter Krenn, Wiener Philosoph, Theaterwissenschaftler, Mitarbeiter des Filmarchivs Austria, legt mit „Romy&Alain“ eine einfühlsame wie umfassende Biographie einer facettenreichen Liebesgeschichte vor, die im Erzählstil wie dem beeindruckenden Detail-, und kulturhistorischen Wissen begeistert. Der Autor versteht es meisterhaft sich in Aufmerksamkeit wie Distanz dieser so öffentlichen Liebesgeschichte zu nähern und erreicht gerade dadurch den Kern von Leben und Liebe.
Beeindruckend ist auch die fesselnde Erzählkraft des Autors, der es einmalig versteht Lebensgeschichte und Wissen spannend zu verdichten. Leserin und Leser sind mittendrin in Glanz und Tragik einer „Amour Fou“ wie dem Filmleben der Zeit.
„Ein Buch, das in biographischer, kulturgeschichtlicher Kompetenz, Erzählkraft wie persönlicher Zurückhaltung beeindruckt“
Liebe Katharina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Schwer zu sagen. Drei Dinge, die ich täglich mache: Aufstehen, Essen, Schreiben. Alles andere hat keinen so routinellen Charakter.
Katharina Köller, Schriftstellerin und Theatermacherin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Die Klimakrise aufhalten. Das Gesundheitssystem verbessern. Die Pflegeberufe aufwerten. Millionäre besteuern. Sich nicht über Impfgegner ärgern. Auf sich selbst und auf andere aufpassen, damit niemand zu viel Angst vor dem Blackout und den Verschwörungstheoretiker*innen bekommt.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Ich habe seit Beginn der Pandemie viel über die Systemrelevanz von Kunst gestritten. Viele gehen davon aus, dass man zuerst wichtigere Grundbedürfnisse decken muss, bevor man sich der Kunst zuwenden kann. Dabei stimmt das nicht. Niemand, kein Mensch kann ohne Geschichten, ohne Bilder oder ohne Musik leben. Und niemand tut es.
Über die sozialen Medien wurde voriges Jahr diskutiert, ob man alle Kunst für einen Tag offline stellen sollte, um den Leuten zu zeigen, wie dringend sie gebraucht wird. Das geht natürlich nicht. Online Content ist ja nur ein winziger Bereich der täglich konsumierten Kunst und man kann ja nicht in Privatwohnungen einbrechen und Galerien und Bibliotheken ausrauben, Festplatten mitnehmen oder Plattenspieler und Soundsysteme konfiszieren. Man kann niemandem seine Kopfhörer wegnehmen. Oder seinen E-Reader, oder Laptop. Nicht mal für einen Tag.
Mir haben diese Überlegungen gezeigt, dass Kunst so tief in jedem einzelnen Leben verwurzelt ist, so tief drinnen in den privatesten Räumen, in den intimsten Momenten, so wesentlich für alle täglichen Wege, so über allem stehend systemrelevant, in Aufbruch und Neubeginn genauso wie im immer gleichen grauen Alltag. Kunst kann Nahrung, Wärme, Sicherheit und Gesellschaft substituieren. Sie ist das aller Wertvollste, das wir haben und zum Glück ist sie auch noch unvernichtbar. Man kann sie nicht abschalten. Nicht mal für einen Tag.
Was liest Du derzeit?
Corona-News, Instagram-Beiträge, Standard, Falter und Facebook-Posts. Außerdem Recherche-Material für meine noch geheimen Texte.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
She told him to Stoppit and he Stoppited.
Katharina Köller, Schriftstellerin und Theatermacherin
Vielen Dank für das Interview liebe Katharina, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literatur-, Schauspielprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Katharina Köller, Schriftstellerin und Theatermacherin
Liebe Anete, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich schlafe bis 8.30, gehe dann mit dem Hund raus, dann frühstücke ich und spiele bisschen Handyspiele. Erst gegen 11h fang ich an zu üben und um 13 wieder, diesmal eine längere Runde, mit dem Hund raus. Am Nachmittag meistens habe ich 2h Arbeit mit meiner Korrepetitorin oder Gesangslehrerin und danach ab nach Hause, ein Paar Folgen von einer beliebigen Serie schauen, eventuell ein Glas Rotwein und ab ins Bett.
Anete Liepina, Sängerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Meiner Meinung nach ist das Wichtigste zu schauen was man als Mensch gerade braucht. Sich selbst nicht vernachlässigen. Wenn man gerade ins Loch fallen will, es wahrnehmen und sich selber einen Zeitraum geben, wo man es auch zulassen kann. Dann aber ein System finden, das einem hilft, den Alltag sinnhaft zu gestalten. Ein Ziel erfinden, wenn es keines gerade gibt.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Ich denke, dass die Kunst allgemein ein Mittel ist, um Menschen seelisch Luft zu geben. Mit dieser Luft meine ich Gefühle, Emotionen. Und nach so langer Zeit, wo wir doch so auf uns selbst gestellt gewesen sind, diese Emotionen in Wechsel zwischen Kunst/Künstler und Zuschauer sind unglaublich wichtig. Wir sind nicht alleine in unserer Gefühlswelt, und das wieder hautnah wahrzunehmen ist unglaublich wichtig.
Was liest Du derzeit?
Ich lese gerade sehr wenig. Hauptsächlich Romane, wo ich in eine andere Welt versetzt bin. Gerade lese die Bücher von Lucinda Riley über 7 Schwestern. Jede Schwester hat eine eigene Geschichte, deshalb auch ein eigenes Buch. Ich mag ihren Schreibstil und wie sie die Geschichte mit Fantasie verknüpft.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Nichts in der Geschichte des Lebens ist beständiger als der Wandel“ Charles Darwin
Auch diese Zeiten werden zu Ende gehen, und wir werden anderen Herausforderungen entgegengestellt, und auch die bewältigen können.
Vielen Dank für das Interview liebe Anete, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!