„Kunst macht stark“ Rebecca Richter, Schauspielerin _ Wien 20.2.2022

Liebe Rebecca, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich trinke viel Kaffee und denke darüber nach was ich denn alles machen könnte nur um es dann erst wieder nicht zu machen weil ich nicht weiß wo ich beginnen sollte. Ich versuche aber viel an der frischen Luft zu sein und nicht andauernd auf mein Handy zu starren – gerade jetzt während der Pandemie ist es für mich persönlich sehr wichtig mich nicht von den ganzen Zahlen und Schlagzeilen entmutigen zu lassen. Ich versuche das Gute an dieser Situation zu sehen und was ich alles lernen und erfahren durfte was nicht so stattgefunden hätte, hätte Corona unser Leben vor zwei Jahren nicht völlig aus der gewohnten Bahn geworfen.

Rebecca Richter, Schauspielerin

Castings und Bewerbungen sind für mich im Moment sehr nervenaufreibend weil viel online passiert und es mir nach wie vor nicht geheuer ist mich in einem Zoom Call zu präsentieren. Ich muss glaube ich noch den richtigen Weg finden – was am besten für mich ist und wie ich diese Zeit für mich nutzen kann, immerhin verändert sich unser bisheriges Leben und nichts wird mehr genau so sein wie es Pre-Pandemie war. Aber vielleicht ist dieser Umschwung und das Umdenken auch ganz gut so.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich glaube, und das ist für mich natürlich auch schon vor der Pandemie ein Thema gewesen, dass es am wichtigsten ist nicht gegeneinander zu hetzen und vor allem nicht gegeneinander aufhetzen zu LASSEN. Einander zuhören, aufeinander zugehen, sich nicht unterkriegen lassen aber sich auch die Meinungen Anderer anhören. Anstatt mit dem Kopf gegen die Wand zu laufen und sich aufzuregen ist der Versuch ein vernünftiges Gespräch zu suchen meist der am besten bewährteste. Offen sein, zuhören und darüber reden. Nicht immer gleich schimpfen (ja, ich weiß der Wiener raunzt halt gerne – aber bitte trotzdem höflich bleiben und versuchen andere Ansichten zu verstehen).

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dem Theater/Schauspiel, der Musik, der Kunst an sich zu?

Kunst kann vielleicht keinen Knochenbruch heilen, aber dir über die Zeit des Heilens hinweg helfen. Kunst kann dir keinen Genesungsschein in einer Quarantäne ausstellen, aber dir mithilfe von Musik, Büchern, Filmen, und anderen Medien „Türen“ öffnen, Welten zeigen und dir das Gefühl geben nicht alleine zu sein. Kunst macht stark, Kunst erinnert, Kunst verbindet, Kunst lässt uns fühlen. Kunst ist laut Regierung vielleicht nicht „systemrelevant“ aber definitiv lebensrettend. Ich hoffe, dass Kunst und Kultur durch die Pandemie wieder bewusster wahrgenommen und wertgeschätzt wird.

Meine Aufgabe als Schauspielerin liegt nach wie vor darin den Menschen einen Spiegel vorzuhalten, daran zu arbeiten, dass Vergangenes nicht vergessen wird, Geschichte nicht zu einem Mythos. Die Gesellschaft zur kritisieren, die Menschen zum Nachdenken anzuregen und zu zeigen wie wunderbar aber auch furchtbar das Leben sein kann – in allen seinen Farben.

Was liest Du derzeit?

Am liebsten Romane deren Geschichten vorwiegend in anderen Ländern spielen – Frankreich, Italien oder auch der Karibik. Orte die am Meer liegen und mich ein bisschen dem tristen, winterlichen Wien entfliehen lassen. Das Meer war und ist für mich immer ein Rückzugsort um Energie zu tanken und ein Platz an dem ich zur Ruhe kommen kann. Gerade jetzt, wo reisen schwieriger ist, helfe ich mir gerne mit Geschichten die an Küstenorten spielen und welche mich in Gedanken dorthin reisen lassen wo ich die unendliche Weite des Ozeans, den salzigen Geruch des Meeres und das Geräusch der Wellen genießen und in mich aufsaugen kann.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Einen Satz der mir selber immer hilft wenn ich mal wieder an allem zweifle: „Alles hat seinen Grund und auch wenn etwas nicht so läuft wie man es sich vielleicht gewünscht hat, hat das vielleicht einen tieferen Sinn. Wo sich eine Türe schließt, öffnet sich eine andere.“

Rebecca Richter, Schauspielerin

Vielen Dank für das Interview liebe Rebecca, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Rebecca Richter, Schauspielerin

Alle Fotos_Walter Pobaschnig _ 2_2022

Hotel am Stephansplatz _Wien

Hotel

14.2.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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