„Die kämpfende und wandelbare „Romy“ ist ein Vorbild“ Mara Christine Koppitsch, Schauspielerin _ 40.Todesjahr Romy Schneider _ Wien 10.7.2022

Mara Christine Koppitsch, Schauspielerin _ Wien
_ reenacting Romy Schneider

Liebe Mara, welche Bezüge, Zugänge gibt es von Dir zu Romy Schneider?

Eine große Gemeinsamkeit von Romy und mir ist wohl die Liebe zu Frankreich und der französischen Sprache. Paris ist, durch meinen längeren Aufenthalt dort, ein wenig Heimat für mich geworden… Zumindest das Gefühl, welches mich durchzieht, wenn ich wieder dort hinkomme ist sehr „heimelig“. Wenn ich nur daran denke, kribbelt es in meinem Bauch. Vielleicht werde ich es noch einmal schaffen länger dort zu leben.

Durch die Sissi-Trilogie bin ich (wie so viele Leute in Österreich) schon im Kindesalter Romy „begegnet“ und sie hatte damals bereits eine Faszination auf mich ausgeübt. Die Lockerheit und Authentizität mit der sie bereits diese Rolle verkörperte ist mitreißend – ihrer Schönheit nichts hinzuzufügen.

Die kämpfende und wandelbare „Romy“ die sich trotz widriger äußerer Umstände und seelischer Tiefen nicht geschlagen gibt, ist ein Vorbild. Es ermutigt mich vor allem im Bereich Schauspiel weiterzukämpfen bzw. auszuharren.

Gibt es einen Film von Romy Schneider, den Du hervorheben möchtest und warum?

Den Film „Christine“, Regie: Pierre Gaspard-Huit, Hauptrollen: Romy Schneider und Alain Delon

Abgesehen davon, dass mein Zweitname auch Christine ist und der Film in Wien spielt, schätze ich die Werke Arthur Schnitzlers sehr. Dieser Film basiert ja auf Schnitzlers Theaterstück „Liebelei“.

Wobei ich ehrlich sagen muss… Künstlerisch finde ich den Film nicht gelungen… Von Schnitzlers Dialogen ist wenig übriggeblieben und die Charaktere der Figuren sind ziemlich hohl. Aber auch (oder gerade) deshalb konnte ich noch besser nachvollziehen warum Romy genug hatte immer das süße Mädel zu spielen. Sie wollte zeigen, dass sie viel mehr kann. Welcher ambitionierte Mensch möchte sich schon auf ein Püppchen reduzieren lassen?

Spannend finde ich, dass dieser Film eine Art Wendepunkt darstellt. Romy lernt Alain Delon durch die Dreharbeiten kennen. Alain war Beispiel für einen ganz anderen Lebensstil – eine Art wild-boy – das hat sie bestimmt fasziniert.

Romy kommt in Kontakt mit der französischen Sprache und vor allem auch mit der französischen Filmwelt. Das Abenteuer Frankreich konnte beginnen.

-Ein Gedicht von Kurt Tucholksy, welches mir gekommen ist. Natürlich hat es einen anderen (geschichtlichen) Hintergrund aber irgendwie passt es für mich zum Thema Romys Geschichte und die Stadt Paris.

Park Monceau

Hier ist es hübsch. Hier kann ich ruhig träumen.
Hier bin ich Mensch– und nicht nur Zivilist.
Hier darf ich links gehn. Unter grünen Bäumen
sagt keine Tafel, was verboten ist.

Ein dicker Kullerball liegt auf dem Rasen.
Ein Vogel zupft an einem hellen Blatt.
Ein kleiner Junge gräbt sich in der Nasen
und freut sich, wenn er was gefunden hat.

Es prüfen vier Amerikanerinnen,
ob Cook auch recht hat und hier Bäume stehn.
Paris von außen und Paris von innen:
sie sehen nichts und müssen alles sehn.

Die Kinder lärmen auf den bunten Steinen.
Die Sonne scheint und glitzert auf ein Haus.
Ich sitze still und lasse mich bescheinen
und ruh von meinem Vaterlande aus.

Gab es Berührungspunkte zu Werk und Leben Romy Schneiders in Deinen bisherigen Schauspielprojekten?

Nein leider keine wirklich erwähnenswerten Punkte. Ich hoffe sehr, dass sich das noch ändern wird. Das einzige vielleicht… Bei einer meiner ersten Lesungen habe ich ein Gedicht von Kaiserin Elisabeth vorgetragen 😉

Wie siehst Du das Spannungsverhältnis von Leben und Schauspielberuf bei Romy Schneider wie an sich?

Ihre anfänglich möglicherweise naive Freude am Schauspielen hatte sich im Laufe der Jahre wohl verändert. Das Schauspielen wurde für Romy Schneider vermutlich zunehmend ein Kanal um ihr Privatleben bewältigen zu können. Sie konnte ihre riesige Bandbreite an Emotionen dort einsetzen, hinauslassen, benützen. Es ist faszinierend, wie sehr Romy sich im Film und somit für ihr Publikum öffnen konnte. Sie hatte sich damit schließlich verletzlich und angreifbar gemacht. Der Mut sich alldem auszusetzen – Respekt.

Ich verstehe absolut, dass sie in Interviews nicht über ihr Privatleben sprechen wollte. Man braucht als Mensch sein „Eigenes“. Warum sollte man sein ganzes Leben mit der Öffentlichkeit teilen?

Ich frage mich, wie es Romy in Zeiten von Social Media ergangen wäre…

Romy Schneider wechselte nach großen Schauspielerfolgen in den 1950er das Filmgenre wie das Land. Wie siehst Du die Möglichkeiten deines persönlichen Entwicklungsweges im Schauspielberuf?

Romy hatte wirklich Mut. Sie ist in ein fremdes Land gegangen um dort neu Fuß zu fassen. Eine innere Dringlichkeit, die durch diverse Umstände ausgelöst wurde (ihre Mutter, Deutsche Filmindustrie, Fans, Alain…), hatte ihr wahrscheinlich noch zusätzlichen Antrieb gegeben.

Dieser innere Motor, die Dringlichkeit, der Kampf mit dem Kopf über Wasser zu bleiben, kann in den besten Fällen Möglichkeiten eröffnen. Jedoch finde ich es auch wichtig zu lernen, sich an dem zu freuen was man schon erreicht hat. Das kann helfen. Habe zumindest die Hoffnung.

Und, ich habe nichts dagegen für meinen Beruf in ein anderes Land zu gehen. Ich will offenbleiben und mich nicht auf Etwas versteifen.

Was kann eine Schauspielerin von Romy Schneiders Werk und Leben mitnehmen?

Viel! Die natürliche, unaufgeregte, verspielte Spielweise. Locker und authentisch – auch in ihren Interviews wirkt sie nicht aufgesetzt. Ich denke, sie hat sich selbst nie zu ernst genommen. Sie war eine Zweiflerin und genau das macht sie in ihren Rollen so spannend. Der Mut zu Neuem, zu Herausforderungen – sie stellte sich ihren Ängsten. Ihre Neugier. Die Freude sich weiterzuentwickeln.

Ihre Art sich nicht ständig selbst inszenieren zu müssen sagt mir sehr zu.

Gibt es etwas typisch Wienerisches bei Romy Schneider?

Spontan fällt mir nichts Prägnantes ein. Ernst Marischka, der österreichische Regisseur war ein Wiener und hatte Romy soweit ich weiß unter seine Fittiche genommen. Die Filme wie Sissi, Christine etc. spielten vor allem in Wien und sie nannte sich angeblich gerne eine „Österreicherin“…

Was bedeutet Dir Wien/Österreich und welche Erfahrungen hast Du hier im Schauspielberuf gemacht?

Dafür, dass ich mir früher nie gedacht hätte so lange in Wien zu bleiben, bin ich schon recht lange hier und fühle mich wohl. Wien hat als Stadt viel zu bieten und ist trotzdem überschaubar, keine Mega-City.

Weitere gute Erfahrungen habe ich in der Steiermark und in Niederösterreich gemacht. Oftmals findet man am Land, in kleineren Städten noch sehr theaterhungrige Leute, scheint mir zumindest so.

Durch die vielen lieben und super KollegInnen die ich während meiner Ausbildung und bis jetzt kennenlernen durfte hatte ich (finalement – trotz Pandemie!) einen schönen und durchaus spaßigen Einstieg in den Schauspielberuf! Ob es immer Wien bzw. Österreich sein wird…? Vermutlich wäre ein Ortswechsel eines Tages spannend!

Wie siehst Du die Möglichkeiten als Schauspielerin in Wien/Österreich?

Eine gute Frage… Ich denke es ist wichtig zu wissen, wo man sich als Schauspielerin sieht… Theater, Film, Sprechen, Moderation,… Oder alles. Vielleicht gibt es auch eine Nische bzw. einen Bereich der einem besonders zusagt und wo es Nachfrage gibt. Ich merke, dass z.B. im Bereich Wissensvermittlung (Museen etc.) immer mehr Bedarf besteht – Wissen auf eine anregende, spielerische Art weiterzugeben. Es ist die Frage welchen Fokus man sich setzen möchte. Ich bin oftmals auf der Suche – vielleicht ist das etwas was mich mit Romy verbindet?

Zum Thema „klassisches Schauspiel“ – wenn ich aus einer der berühmten, österreichischen Schauspieldynastien stammen würde, oder gute Verbindungen dorthin hätte, wäre es wohl erheblich einfacher an Schauspieljobs zu gelangen. In unserem „Land der Berge“ ist es außerdem als einfache Österreicherin mit den Jobchancen meist noch mal schwieriger wegen der Aussprache… Manchmal wünsche ich mir, ich hätte bereits als Kind einen richtigen deutsch-deutschen Akzent zu sprechen gelernt (oder auch „Deutschisch“ wie wir es in der Familie nennen). Gerade für die Bühne ist das hierzulande von großem Vorteil. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden… Und: Dafüa konn i holt a no steirisch!

Oui. C’est la vie!

Was wünscht Du Dir für den Schauspielberuf?

Für den Schauspielberuf allgemein?
Dass man auch von außen die Arbeit, die man als Schauspieler hat, anerkennt und den Beruf nicht nur als „Tralala“ ansieht.

Für meinen Beruf persönlich, sozusagen, hätte ich bitte gern ein Stück vom Glück.

Was sind Deine kommenden Projekte?

Nachdem ich im Sommer für ein paar Wochen dem Schauspiel (nach außen hin) den Rücken gekehrt haben werde…

Die Wiederaufnahme „Reigen“ von Arthur Schnitzler mit dem wunderbaren Verein ergoarte unter der wunderbaren Regie von Peter Pausz auf Schloss Artstetten.

Ein eigenes Herzens-Projekt mit zwei Schauspielkolleginnen. „Der Verstorbene“ von René de Obaldia und zwei weitere Einakter, in Wien und der Steiermark.

Was möchtest Du Schauspielstudenten*innen mitgeben?

Ich habe gerade noch ein kurzes Gedicht von Christian Morgenstern gelesen:

„Lass dich nicht nach Menschenweise an den Tanz der Dinge binden.
Sprich: Verwirrt mir nicht die Kreise!
Alles andre wird sich finden.“

Was würdest Du Romy Schneider sagen, fragen wollen?

Was ihre zweite Berufswahl gewesen wäre… Bzw. eine etwas unsinnige Frage (ich nehme an, dass ich Romy mit DU anreden dürfte 😉): Wenn deine Eltern keine Schauspieler gewesen wären, hättest du dich trotzdem so stark für diesen Beruf interessiert?

Wie siehst Du die Umstände des Todes von Romy Schneider?

Da ich nicht „dabei“ war und auch zu Romys Lebzeiten noch nicht auf der Welt, fällt es mir schwer einen Kommentar abzugeben. Aber ich vermute, dass ihr früher Tod bestimmt den „Mythos Romy“ noch verstärkt hat. Wenn man daran denkt, dass Marlene Dietrich sich die letzten Jahre ihres Lebens der Außenwelt komplett entzogen hatte um als DER Star in Erinnerung der Menschen zu bleiben…In dem Punkt hatte Romy ihr wohl etwas „voraus“. Wenn der Ex-Mann Selbstmord begeht und der eigene Sohn vom Gartenzaun aufgespießt wird, sind die Nachwehen bei einem selbst bestimmt unfassbar schmerzvoll. Ob es Suchtmittelabhängigkeiten gab oder nicht etc. ist nicht wichtig.

Darf ich Dich abschließend zu einem Romy Schneider Achrostikon bitten?

R- avis

O- ffenherzig

M-utig

Y- eux brillants

Mara Christine Koppitsch, Schauspielerin _ Wien
_ reenacting Romy Schneider
Fin

Vielen Dank, liebe Mara, viel Freude und Erfolg für alle Projekte!

40.Todesjahr _ Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris) _ im Gespräch und szenischem Fotoporträt:

Mara Christine Koppitsch, Schauspielerin _ Wien

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien_5.2022

https://literaturoutdoors.com

Walter Pobaschnig 6_22

„In dieser unsicheren Zeit sind Kunst und Kultur extrem wichtig für unsere Seele“ Petra Kreuzer, Schauspielerin _ Wien 9.7.2022

Liebe Petra, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf hängt natürlich von verschiedenen Jobs ab!

Um 7h aufstehen, meistens erledige ich Mails und organisatorische Dinge noch im Bett, oder ich schreibe Ideen, Inputs für neue Shows, Choroes oder Comedyeinlagen auf ( auf meinen Handy Notizen)

Dann Proben, nachmittags Unterricht und abends Vorstellung!

Entweder alles auf einmal oder zumindest proben…

Petra Kreuzer, Schauspielerin, Comedienne, Director

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

… wichtig ist es derzeit durchzuhalten, den Mut nicht zu verlieren und kreativ zu bleiben und positiv in die Zukunft blicken.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

In dieser unsicheren Zeit sind Kunst und Kultur extrem wichtig für unsere Seele. Musik und Theater lassen  einem die Realität für einen Moment vergessen und in eine andere Welt entfliehen…die Fantasie wird angeregt und man fühlt sich einfach gut.

Was liest Du derzeit?

Wolf Haas „Müll“

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Seid vernünftig, verlangt das Unmögliche

Vielen Dank für das Interview liebe Petra, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspiel-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Petra Kreuzer, Schauspielerin, Comedienne, Director

https://www.petrakreuzer.com/

Foto_Andrea Peller

26.6.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gib dem Unbekannten eine Chance“ Lea Schlenker, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Bern 9.7.2022

Gib dem Unbekannten eine Chance

Auch wenn es dich sticht und kitzelt

Ich habe die Nachrichten satt

Ich habe die Berichterstattung satt

Ich habe die fremden Tränen in meinen Albträumen satt

Versuche mal das Unbekannte

Auch wenn du nichts darüber weisst

Es ist süß wenn du das erste Mal reinbeißt


Power and the Glory

Es kitzelt mich und das Feuer

Es ist sauer nach all den Jahrhunderten

Kriegsberichterstattung

Alltägliche Abhängigkeit

Fossiler Brennstoffe

CH Neutralität wird verhandelt

Und all die Sachen die dazugehören

Eierlegende Hennen

Werden vor den Augen der gesamten Weltbevölkerung geschlachtet




Angst und Schrecken, fear and loathing




Gib dem Unbekannten eine Chance

Cleverness spielt keine Rolle

Koste es was es wolle

Hunger nach dem Frieden und

Alltägliche Abhängigkeit

Nicht von mir aber von dir, also küss mich bevor wir lernen die Bombe zu lieben

Cleverness spielt keine Rolle

Es beisst mich und das Feuer wütet

(schon wieder)

Lea Schlenker, 19.6.2022

Lea Schlenker, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Lea Schlenker, Schriftstellerin

https://leaschlenker.com/

Foto_Michael Bolzli

Walter Pobaschnig _ 19.6.2022.

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„In Zeiten wie diesen muss Kunst besonders kompromisslos sein“ Josef Wurm, Künstler _ Kornberg bei Regensburg/D 8.7.2022

Lieber Josef, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Jeder Tag ist anders!

Josef Wurm, Künstler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Achtung! Niemand sollte sich anhand dubioser Informationen von
seinen Nächsten trennen, die Gräben dieser Welt sind ohnehin tief
genug.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Am Boden bleiben, und Respekt!
(allerdings: Jene die andere täglich demütigen, haben ein Recht darauf selbst gedemütigt zu werden!)

In Zeiten wie diesen muss Kunst besonders kompromisslos sein, im besten Fall ästhetisch und mit viel Humor. Opportunismus und Kunst geht nicht.

Was liest Du derzeit?

Kurt Vonnegut.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Wir haben das Ticket gekauft, jetzt müssen wir auch die Reise
durchziehen“ frei nach Hunter S. Thompson

Josef Wurm _ O.T. 2022, Mischtechnik/Leinwand, 80x100cm

Vielen Dank für das Interview lieber Josef, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Josef Wurm, Künstler

Foto_1 Portrait _ Jasmin Schuller; 2 Josef Wurm.

20.6.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Es ist zeitlos, was uns als Gesellschaften zusammenhält“ Reinhard Lechner, freischaffender Autor und Übersetzer _Würzburg 7.7.2022

Lieber Reinhard, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich bin momentan sehr mit Schreibarbeit eingedeckt: dem Fertigstellen meiner Promotion, dem Fertigstellen von meinem nächsten Lyrikmanuskript, das in Kürze bei der Wiener Edition Melos erscheint; wenn dann noch Zeit bleibt, arbeite ich an meiner Kurzgeschichtensammlung.

Und, es steht ein Neuanfang mit meiner Partnerin bevor: wir werden von Würzburg nach Wien umziehen.

Reinhard Lechner, freischaffender Autor und Übersetzer

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Es ist schwierig, auf die aktuelle Weltlage und unsere Probleme – Ukraine-Konflikt, Pandemie, Umweltzerstörung – schnelle und richtige Antworten zu finden. Andererseits ist zeitlos, was uns als Gesellschaften zusammenhält: Engagiert sein, die und den Anderen ‚sehen‘, wo man kann die eigene Stimme einsetzen, für Solidarität und für Frieden, der niemals selbstverständlich ist.  

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Auch hier fällt mir vermutlich bloß etwas Altbackenes ein, das dennoch wichtig bleibt: die Kunst als Vermittlerin zwischen uns Individuen, als eine Sprache vorerst ohne Verzweckung, ohne Funktionszusammenhang, die uns dadurch zur humanen, humanistischen Verständigung dienen kann.

Was liest Du derzeit?

Ferdinand von Schirachs Roman „Tabu“, und die aktuellen Short Stories  von T.C. Boyle, „Sind wir nicht Menschen“.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Früher in der Zeit vor der Box, hatten meine Tochter und ich ein Freitagnachmittagsritual: Ich hielt auf dem Heimweg bei dem italienischen Restaurant gleich um die Ecke von unserem Haus, trank etwas, plauderte ein bisschen mit denen, die ich kannte, und rief dann Katie an und lud sie zu unserem Vater-Tochter-Abendessen ein, um ein wenig Zeit nur mit ihr zu verbringen, in ihr zu lesen, an den Gedanken und  Gefühlen einer jungen heranwachsenden Frau teilzuhaben. Aber das taten wir nicht mehr.“

Aus: T.C. Boyle, „Wiedererleben/Sind wir nicht Menschen. Stories“

Vielen Dank für das Interview lieber Reinhard, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Reinhard Lechner, freischaffender Autor und Übersetzer

Foto_Susanne Schäflein

3.6.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„gerade jetzt:“ Mike Markart, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Stainz/Stm. 7.7.2022

GIVE PEACE A CHANCE

gerade jetzt:

ich finde die nacht.

verschwinden ist

einfach.



pace

è

anche un

cielo

effluente




at this very moment:




chronik

hält einträge

aber

noch in kleinen worten,

cape über frage:

erneut

26.6.2022, Mike Markart

Mike Markart, Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Mike Markart, Schriftsteller

Foto_Heide Mlekuz

Walter Pobaschnig _ 26.6.2022.

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„Das Innehalten. Das Wundern. Das Hinsehen, Zuhören, Aussprechen.“ Bettina Strang, Schriftstellerin _ Hamburg 6.7.2022

Liebe Bettina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Wecker klingelt um 07:07 Uhr (ich liebe die Sieben), manchmal bin ich vorher wach. Ich mag es, ein wenig Zeit zu spüren und langsam sein zu dürfen, bevor der Tag seine Imperative rausholt.

Meine Arbeit als Bestatterin kann sehr unterschiedliche Elemente enthalten: Gespräche mit Angehörigen, Totenfürsorge, Trauerfeiern, Verstorbene vom Sterbeort abholen, Schreibtischarbeit und Formalitäten, vorbereiten von Ritualen und Zeremonien.

Da ich, zwar nur noch wenig, auch als freie Texterin arbeite, sitze ich abends manches Mal am Schreibtisch und schreibe noch.

In den freien Momenten schreiben sich meine Gedichte aufs Papier und die Geschichten.

Bettina Strang, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich weiß es wirklich nicht. Es gibt manches, was mir zeitlos wichtig erscheint. Das Innehalten zum Beispiel. Das Wundern. Das Hinsehen, Zuhören, Aussprechen. Der Mut. Das Miteinander.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Der Mut wird wesentlich sein. Die Bereitschaft sich selbst und die Welt wirklich anders zu denken und zu leben. Literatur und Kunst empfinde ich als Wegweiser, Heimat von Utopien und atemberaubenden Ausdruck des Menschseins. Sie ist ein Motor, eine Lupe, ein Zufluchtsort, ein Seziermesser, eine Hoffnung, ein Pflaster und eine Wonne.

Was liest Du derzeit?

Don DeLillo – Die Stille

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Es gibt kein Dazwischen“, sagte ich. „Jeder Ort, an dem wir vorbeifahren, ist in diesem Moment hier. Dazwischen ist eine Illusion.“

(Russel Hoban – Turtle Diary)

Vielen Dank für das Interview liebe Bettina, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Bettina Strang, Schriftstellerin

https://bettinastrang.de/

Foto_Clarke Voss

21.6.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Augenblick!“ Straßenfotografie in Wien. Wien Museum. Kehrer Verlag.

„Einen Augenblick bitte!“, so beginnt im Alltag einer hektischen Großstadt oft ein Gespräch im besonderen Moment einer Aufmerksamkeit. Ein Wiedererkennen, Erinnern oder Mitteilen kann der Grund sein. Es ist gleichsam ein Anhalten des rasenden Tempos der Bewegung der Vielen im Vielen. Ein „Augenblick“ nimmt dabei das Tempo heraus und hält fest. Den Blick der Augen im Moment. Den Dialog von Mensch zu Mensch. Von Linse zu Linse.

Fotografie ist eben dieser Dialog von Mensch zu Mensch. Ein Dialog im Bild. Eine Momentaufnahme des flüchtigen Lebens. Ein Festhalten der Zeit. Erinnern und wiederbegegnen.

Die Fotografie des Stadtlebens ist eine besondere Form der Kunst wie des menschlichen Dialoges. Es ist der individuelle Blick auf das Allgemeine, das immer das Besondere ist. Ein einmaliger unwiederholbarer Moment. Mensch. Zeit, Bild.

Die Ausstellung „AUGENBLICK!“ STRASSENFOTOGRAFIE IN WIEN, vom 19. Mai 2022 bis 23. Oktober 2022 im Wien Museum MUSA, 1010 Wien, Felderstraße 6–8, gibt einen beeindruckenden Überblicküber die Straßenfotografie Wiens im Zeitraum von über 150 Jahren, von den 1860er Jahren bis in die Gegenwart.

Plätze, Straßen, Gebäude der Stadt werden dabei in ihrem historischem Prozess ebenso dokumentiert wie der „menschliche Augenblick“ der Bewegung, des Gesprächs oder des Ruhens in der Großstadt im Weg durch die Zeiten.

Der vorliegende Ausstellungsbegleitband dieser beeindruckenden wie einmaligen Fotodokumentation fügt nun zahlreiche Essays von Kulturwissenschafter:innen zu den abgebildeten Fotos der Ausstellung hinzu, die aus verschiedenen Blickwinkel in die fotografischen Blickwinkel blicken und diese wissenschaftlich perspektivisch öffnen.

„Eine ganz bemerkenswerte fotografische wie kulturwissenschaftliche Dokumentation Wiens“

Walter Pobaschnig 6_22

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„Gang bar des Auslotens“ Katharina Kohm, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ München 6.7.2022

GIVE PEACE A CHANCE


        ang bar des Auslotens

I           rreversibler Spuren zum Trotz

V         ergällt, nicht verstanden, gestolperte

E          ngschritte: gedoppelt; ein Schnitt geht mit.



P         einliches Gebahren, verfahrene

E          isern sich haltende Urteile aufheben, Reste;

A         ufgetürmter Backflash, Trümmer des letzten Jahrhunderts

C         erealien, Territorialien, Kolon-nie

E          rstickender Sprachen einrollen, beißende Realien.



A         nders anfangen, dagegen fremdeln: freundeln




C         entri fugale Rotunden an-

H         alten, stehenden Auges

        tmen gegenüber Gesichtern

N         achbarn, die Gebiete abzustecken aufhören

C         entral Babel, hybris: Sprache —

E          igentlich menschlich sprechen sollen, stehen bleiben.

Katharina Kohm, 18.6.2022

Katharina Kohm, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Katharina Kohm, Schriftstellerin

Foto_privat.

Walter Pobaschnig _ 18.6.2022.

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