„Der Intuition vertrauen“ 100.Geburtstag_Jack Kerouac_im Interview_Thomas Antonic, Regisseur_ Point Arena, CA/USA 12.3.2022

Jack Kerouac (*12.3.1922 Lowell, Massachusetts/USA +12.10.1969 Saint Petersburg/Florida/USA) Schriftsteller, wesentlicher Vertreter der „Beat Generation“

Lieber Thomas, Du lebst in den USA. Gab es in Deinen literaturhistorischen wie künstlerischen Projekten bisher Bezüge zu Jack Kerouac?

Ich arbeite seit ungefähr fünf Jahren an einem Forschungsprojekt über die Beat Generation und ihre transnationalen Verbindungen zu Österreich, in dem Kerouac naturgemäß immer wieder eine Rolle spielt, etwa in Form eines bestimmten Kerouac-Romans, in dem sich der Schriftsteller intensiv mit Kafkas Schloss auseinandersetzt, als Freund von ruth weiss in der Biographie, die ich über die österreichisch-amerikanische Beat-Dichterin verfasse, oder auch als jemand, dessen innovativer Stil einige österreichische Autor:innen in ihrem eigenen Schreiben prägte.

One More Step West is the Sea: Ruth Weiss (Thomas Antonic, 2021)

In meinen künstlerischen Projekten spielt Kerouac eigentlich kaum eine Rolle. In etwa zwei Monaten erscheint ein recht umfangreiches literarisches Buch namens United States of Absurdia, in dem Reisen durch die USA eine große Rolle spielen. Aber selbst in dieser Arbeit habe ich mich keinesfalls an Kerouac orientiert. Vielleicht spielt sich das alles auf einer eher unbewussten Ebene ab, da mich Kerouac schon viele Jahre begleitet. Der Sänger meiner ersten Band Heumond aus Mitteleuropa, Martin Urban, schenkte mir zum 17. Geburtstag On the Road, wenige Monate nachdem wir uns kennenlernten. Seither ist dieses Ding irgendwie in meinem Leben. Interessanterweise hat dieser Sänger zwei Jahre davor On the Road von seinem Religionslehrer in der steirischen Provinz geschenkt bekommen. Das passiert wahrscheinlich auch nicht alle Tage.

Thomas Antonic (rechts) mit Michael Fischer 2018 vor dem Beat Museum, San Francisco _
Foto privat.

Wie begegnest Du persönlich seinem umfassenden Werk?

Mit gemischten Gefühlen. Einerseits wirkte sein ungezügelter und enthusiastischer Schreibfluss sehr befreiend, als ich ihn in meinen späten Teenager-Jahren entdeckte, wie auch die Lebensfreude sehr ansteckend war, die in Büchern wie On the Road, The Dharma Bums oder Visions of Cody zu spüren ist. Andererseits ist der fortwährende Sexismus und Rassismus, der sich durchs Werk zieht, nur schwer zu ertragen, selbst wenn man weiß, dass er zur damaligen Zeit alltäglich war und benevolent ist, wie sich am Beispiel der Frauen zeigt, die er liebt, und gegenüber den Jazzmusikern mit dunkler Hautfarbe, die er romantisch verklärt darstellt.

Thomas Antonic mit Hal Davis und ruth weiss 2017 im Beat Museum, San Francisco. Still aus dem Film One More step West Is the Sea: ruth weiss (2021), © Thomas Antonic

Du hast letztes Jahr Deinen großartigen Film über die amerikanische Schriftstellerin ruth weiss – „One More Step West Is the Sea: ruth weiss“ Thomas Antonic, Dokumentarfilm, AT 2021 – präsentiert. Gab es Begegnungen von ruth weiss und Jack Kerouac?

ruth weiss und Kerouac verband eine kurze aber intensive Freundschaft Mitte der 1950er Jahre, als beide im selben Viertel von San Francisco lebten. Sie tranken öfters bis in die frühen Morgenstunden und schrieben einander Haiku-Gedichte, fuhren gemeinsam mit Neal Cassady durch die Straßen der Stadt. Aber als Kerouac Anfang 1956 zurück nach New York ging, brach der Kontakt ab und sie waren sich danach nicht mehr begegnet.

Thomas Antonic mit ruth weiss in Mission, San Francisco. Foto: Paul Pechmann.

Hast Du in der Erarbeitung Deines Dokumentarfilms auch Treffpunkte der „Beat-Generation“, Lebensstationen Jack Kerouacs besucht?

Ja, ich habe einige Adressen aufgesucht, wie etwa das Wentley Hotel im Tenderloin-Viertel San Franciscos, wo ruth weiss und Kerouac abhingen, den Jazz Club „The Cellar“ in der Green Street usw. Aber diese Orte gibt es heute schon lange nicht mehr.

Thomas Antonic mit dem Dichter Jack Hirschman (1933–2021) vor dem legendären Beat-Treffpunkt Caffe Trieste in North Beach, 2019. Foto: privat.

Wie gestaltete sich die schriftstellerische Zusammenarbeit zwischen Männern und Frauen in der „Beat Generation“?

Wie gesagt: weiss und Kerouac schrieben etwa gemeinsam Gedichte (die leider verschollen sind), andere Beispiele wären die Zeitschrift Beatitude, die der Beat-Poet Bob Kaufman herausgab und in der ruth weiss und auch einige andere Frauen veröffentlichten, ruth weiss organisierte Lesereihen, bei denen Männer wie Frauen auftraten, später gründeten Anne Waldman und Allen Ginsberg gemeinsam die Jack Kerouac School an der Naropa University in Boulder, Colorado, wo auch viele Frauen unterrichteten. Tendenziell wurden Frauen allerdings immer etwas marginal behandelt von den Männern, die die Beat Generation dominerten. In den ersten Jahren des für seine Beat-Publikationen berühmten Verlag City Lights veröffentlichte Verleger Lawrence Ferlinghetti etwa aus Prinzip keine Literatur von Frauen. Ein sehr seltsames Prinzip. Dass es weit mehr Dichterinnen in der Bewegung gab als lange Zeit angenommen, wurde erst Mitte der 1990er Jahre bekannt, vor allem durch die bahnbrechende Publikation Women of the Beat Generation von Brenda Knight.

Thomas Antonic und Judith Nika Pfeifer mit dem Beat-Poeten Neeli Cherkovski in dessen Haus in San Francisco. Foto: Judith Nika Pfeifer.

Du hast auch ein Buch über den Beat Generation Autor William S.Burroughs „Amongst Nazis / Unter Nazis – William S. Burroughs in Vienna 1936/37“ verfasst, der enger Freund Kerouacs war. War Kerouac wie Burroughs in Wien bzw. Europa?

Kerouac war mehrmals in Paris, spürte dort auch seinen französischen Wurzeln nach, wie von ihm in Satori in Paris geschildert, was ein eher desaströses Unterfangen war. In Wien war er nie.

Thomas Antonic_Hotel König von Ungarn_Wien_ Adresse von William S.Burroughs_Wien 1936_
Foto_Walter Pobaschnig 2021

Gegen Ende seines Lebens zog sich Kerouac privat zurück. Unterschied er sich da von anderen „Beats“?

Die Beat Generation war ein bunter Haufen mit sehr unterschiedlichen Individuen, die zum Teil sehr unterschiedliche Ziele verfolgten. Es gibt keinen eindeutigen Kriterienkatalog und „Beat Generation“ ist ein sehr schwammiger Begriff, wie etwa auch „Postmoderne“. Ich will damit sagen, dass es von Anfang an Unterschiede zwischen den Protagonist:innen gab, was beispielsweise Schreibverfahren oder Habitus betrifft. Kerouac in seinen letzten Lebensjahren unterschied sich jedenfalls auch deutlich vom jungen Kerouac. Er wurde zum Einsiedler, kehrte zum Katholizismus seiner Jugend zurück und endete letztlich als verbitterter Reaktionär, der sich zu Tode soff.

Thomas Antonic mit Judith Nika Pfeifer und Dichter, Herausgeber, Beat-Forscher Tate Swindell in der legendären Bar Vesuvio, North Beach, San Francisco, einem Stammlokal Kerouacs in den 1950er Jahren, Foto: Thomas Antonic

Welche Impulse des Schriftstellers Kerouac siehst Du bis heute als wesentliche Wirkung?

Kerouacs Werk besitzt nach wie vor Relevanz für Autor:innen, die nicht darum bemüht sind, gefinkelte Plots zu schmieden, sondern in ihrem Schreiben autobiographisches Material, eigenes Erleben ins Zentrum stellen, unbeschönigt, auch wenn es fiktionalisiert wird. Wobei Kerouac freilich in Bezug auf seine Selbstdarstellung auch nicht immer konsequent darin war. Der Intuition vertrauen. Kerouacs Schreiben lässt sich vielleicht mit einer Jazz-Improvisation vergleichen, während andere wie klassische Musiker:innen vom Blatt spielen, nach einer strengen Methode vorgehen usw. Ein wesentliches Motto Kerouacs lautete first thought = best thought. Nach On the Road schrieb er ein Manuskript von der ersten bis zur letzten Seite nieder und unterzog es keinen Revisionen mehr. Viele Schreibende mögen das strikt ablehnen. Für ein anderes Lager, das aus dieser Tradition kommt, war dieser Leitsatz jedoch revolutionär und besitzt auch heute noch größte Relevanz. Auch wenn ich persönlich die Ansicht vertrete, dass der späte Henry Miller, nicht jener der Skandalbücher wie Tropic of Cancer, sondern der Autobiograf von The Air-Conditioned Nightmare, Big Sur and the Oranges of Hieronymus Bosch, The Colossus of Maroussi usw. – Bücher, in denen Sex nicht einmal vorkommt –, eine solche Herangehensweise mit größerer Virtuosität und bereits ein, zwei Jahrzehnte vor Kerouac beherrscht hat.

Thomas Antonic und Bob Kaufmans Sohn Parker Kaufman in Berkeley. Foto: Tate Swindell.

Was sind Deine kommenden Projekte?

Mein Epos United States of Absurdia oder Die Glorifizierung des Goldenen Westens erscheint im Mai im Ritter Verlag. Momentan arbeite ich an der Fertigstellung meiner Biographie über ruth weiss. In der Beat-Forschung gibt es noch viel zu tun. Kürzere Filmarbeiten und die Wiederaufnahme eines für längere Zeit ad acta gelegten Musikprojekts stehen auch für die nächsten Monate auf meiner Liste.

Thomas Antonic und Fanny Altenburger, Schauspielerin_Hotel König von Ungarn _ Wien _
Foto_Walter Pobaschnig 2021

Herzlichen Dank für Dein Interview, lieber Thomas! Viel Freude und Erfolg weiterhin für alle Film-, Literatur- und Musikprojekte!

100.Geburtstag  _ Jack Kerouac (*12.3.1922 Lowell, Massachusetts/USA +12.10.1969 Saint Petersburg/Florida/USA) Schriftsteller, wesentlicher Vertreter der „Beat Generation.

Im Gespräch_ Thomas Antonic_Regisseur, Literaturwissenschaftler, Schriftsteller, Musiker 

Thomas Antonic_Regisseur, Literaturwissenschaftler, Schriftsteller, Musiker  _
Point Arena, CA/USA _
Foto_im Hotel König von Ungarn_Wien_Walter Pobaschnig 2021

Interview_Walter Pobaschnig _Wien

Foto_Jack Kerouac by photographer Tom Palumbo, um 1956;

Walter Pobaschnig 3_2022

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„Vinnytsa, Poltawa, Charkiw…“ Daniel Klaus, Schriftsteller_Give Peace A Chance_ Berlin 11.3.2022

GIVE PEACE A CHANCE

G ive peace a chance

I nIwano-Frankiwsk (Population: 218.400)

V innytsa (Population: 367.703)

E nerhodar (Population: 53.343)

P oltawa (Population: 292.700)

E sman (Population: 1.390)

A ntrazyt (Population: 53.887)

C harkiw (Population: 1.446.707)

E schar (Population: 5.495)

A ltschewsk (Population: 109.772)

C herson (Population: 280.000)

H orliwka (Population: 257.126)

A luschta (Population: 29.781)

N ikopol (Population: 119.939)

C hmelnyzkj (Population: 267.901)

E VERYWHERE!

Daniel Klaus, 11.3.2022

Daniel Klaus _Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Daniel Klaus _Schriftsteller_Berlin

http://www.danielklaus.com

Foto_Lidia Tirri

Walter Pobaschnig _ 11.3.2022.

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„Ich habe die Flüsse gezähmt, doch/Nicht die Menschen“ Sigune Schnabel_Give Peace A Chance_Düsseldorf 11.3.2022

GIVE PEACE A CHANCE_

Glaub mir noch einmal die Worte vom Anfang: Und ich sah, dass es gut war.
Ich habe das Singen verlernt, als der Name eines Landes
Verwehte. Und überall ging der Boden betteln, weil
Er nach Menschen dürstete. Aber nur der Regen

Prasselte in seinen rissigen Schlund.
Es ist ein Frühlingstag, man hört die Ländergrenzen, wie sie
Aneinanderreiben, überall schlagen
Chrysanthemen aus, und
Eine verlassene Frau ruft Worte, lernt die Sprache der Wölfe,

Aber die Tiere kommen nicht zurück.

Chrēg, crijch, ich erzähle die Geschichte einer alten Welt,
Hole mir das Schweigen, denn am Ende geht
Alles verloren. Ich habe die Flüsse gezähmt, doch
Nicht die Menschen.
Chronos wurde in den Fuß getroffen, liegt mit geschlossenen Augen im Feld.
Eines Tages wird der Unhold auffliegen, mit den Kugeln um die Wette.

Sigune Schnabel, 11.3.2022

Sigune Schnabel _Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Sigune Schnabel _Schriftstellerin_Düsseldorf

Autorenseite Sigune Schnabel (sigune-schnabel.de)

Foto_privat.

Walter Pobaschnig _ 11.3.2022.

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„Atomsprengkörper, maskulinum“ Jovana Nastasijevic, Schriftstellerin _Give Peace A Chance _ Novi Sad/Gera 11.3.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Gestern zimmerte ich

In der Abenddämmerung kurz

Vor dem Niewiederschlafengehen

Einen kleinen Sarg. Darein legte ich die weiße

Plüschmaus die mit dir den

Ersten

Atemzug im

Chor uns

Entgegen sang

Atomsprengkörper, maskulinum

Ca. 14.000 davon retten sicherlich die Welt. Strähne

Haar

Armband und Schnuller, mehr blieb mir von dir

Nicht übrig. Aequat omnes

Cinis.

Erde, femininum.

*

Jovana Nastasijević, 9.3.2022

Jovana Nastasijević__Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Jovana Nastasijević__Schriftstellerin _ Novi Sad/Gera

Foto_privat.

Walter Pobaschnig _ 9.3.2022.

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„Marichka, Ivan – wir wissen zu wenig über euch“ Sarah Kuratle, Schriftstellerin _ Dornbirn 11.3.2022

Liebe Sarah, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Jeder meiner Tage ist recht eigen, seit dem 24. Februar sowieso. Da schreibe ich meiner Freundin, Halyna, meinem Freund, Roman. Da höre ich viel Radio, lese Zeitungen und versuche aufzuschreiben, was mir wahr scheint, was ich so besser auszusprechen glaube.

Am 3. März murmle ich morgens auf dem Weg zur Arbeit die Namen Marichka und Ivan, das Wort Holod aus einem Gedicht, das ich zur Zeit der Majdan-Proteste 2013/14 geschriebenen hatte und abends bei einer Solidaritätsinitiative mit 12 anderen Autor:innen lesen würde.

In der Bibliothek, wo ich arbeite, ordne ich Bücher, sortiere Gedanken. Ich suche nach Büchern mit den Schlagwörtern Ukraine und Sowjetunion, nach Bilderbüchern zu Krieg und Flucht. Für den Titel Roter Hunger. Stalins Krieg gegen die Ukraine merke ich mich selbst vor, am 4. März.

Am Ende dieser Tage fühle ich mich müde. Dabei bin ich weit weg von Chrystyna Nazar in Lemberg, der die Woche seit dem 24. Februar so lange vorkam wie die acht Jahre Krieg im Donbas. Weit weg von Katja Petrowskaja, die ihr Kinderzimmer in Kiew, ihre Familie vermisst.

Halyna bedeutet Frieden – wo bist du heute, Halyna. Holod bedeutet Hunger – Anne Applebaum hat über Holodomor, die von Stalin gezielt herbeigeführte Hungersnot in den 30ern ein Buch verfasst. Marichka, Ivan – wir wissen zu wenig über euch, über die Ukraine.

Sarah Kuratle, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Seit Tagen versuche ich zu beten, geht mein Gebet für die Ukraine so: Dass in allem Grauen die Liebe zu den Liebsten, die Verbundenheit auch mit allen anderen spürbar ist, vielleicht sogar stärker als die Angst. Dass der Krieg nicht alles ist, in keinem Moment, für niemanden.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Lesen und Zuhören sind wertvoll, mit dem Herzen dabei sein, auch bei Erfahrungen, die nicht unsere eigenen sind, es niemals waren. Wir müssen kritisch sein, empfindsam, verständnis- und fantasievoll – die Kunst, auch die Literatur ist dafür eine gute Schule, glaube ich.

Was viele sagen, bestätigte sich bei meiner Suche zwischen Regalen, in Datenbanken: Wir brauchen mehr ukrainische Stimmen. Nämlich: ihre Übersetzungen ins Deutsche. Und zwar deshalb: weil zu wenige Menschen aus dem Ukrainischen ins Deutsche übersetzen können.

Der Krieg gegen Putin ist ein Krieg für Frieden und Freiheit, ist auch ein Wirtschafts- und Finanzkrieg. Bei allen Sanktionen gegen Russland braucht es aber weiterhin den kulturellen Austausch, das Gespräch mit russischen Künstler:innen wie Aleksey Porvin in St. Petersburg.

Was liest Du derzeit?

Für mein zweites Romanprojekt nach Greta und Jannis. Vor acht oder in einhundert Jahren gibt es eigentlich eine sehr lange Leseliste. Trotzdem lese ich jetzt erst einmal Katja Petrowskajas Buch Vielleicht Esther mit einer Großmutter, die im 1941 besetzten Kiew alleine zurückbleibt.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Kann das Gewissen zerfallen in inifinitesimale /
Winzigkeiten, kann sich die Gewaltfreiheit /
wie ein Baum unter die Säge legen? Ja kann sie,
falls klar ist, das wächst auch wieder zusammen.

Aus: Alexej Porvin. Ode an das Sägemehl. Gedicht. Übersetzt von Anja Utler.

Vielen Dank für das Interview liebe Sarah, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Sarah Kuratle, Schriftstellerin

https://www.sarah-kuratle.com/

Foto_privat.

9.3.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Courage, die der Mütter“ Susanne Rasser, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Rauris/AT 11.3.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Geben und Gebet.

Intelligenz, Herz-

Verstand,

Empathie.

Pures, unverfälschtes Anteil-Nehmen,

Eigenständigkeit, Neutralität.

Auch braucht es den Brückenbau und Brückenschlag von

Cherubim,

Einfühlungsvermögen. Für jeden. Und jede.

Aufmerksamkeit, auch im Umgang mit den Fake-News, mit den Lügen auf

Celluloid, unterjubelt, hinter Bildschirmpanzerglas.

Hassauflösung, Wortentschärfung,

Angstbefreiung.

Notaufnahmen!

Courage, die der Mütter.

Eintrachtswille. Hoffnungslicht.

Susanne Rasser, 10.3.2022

Susanne Rasser__Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Susanne Rasser__Schriftstellerin _ Rauris

Biografie

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 11.3.2022.

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„Wie sich Entsetzen und Fassungslosigkeit ausbreiten“ Jens Rosteck, Schriftsteller_Give Peace A Chance_Offenburg/D 10.3.2022

GIVE PEACE A CHANCE

G   estern noch wähnten wir Leichtlebigen und Unbekümmerten, wir Träumer und Hedonisten, arglos und naiv wie wir waren, uns weltweit von einer nahezu unsichtbaren Pandemie umzingelt, die mittlerweile schon zwei Jahre währt, uns gehörig Angst eingejagt hat und uns zeitweise vollständig zu lähmen drohte. Unverschuldet.

I   nzwischen müssen wir erneut begreifen, dass es, neben Eingesperrtsein und mangelnder Bewegungsfreiheit, neben Dahinsiechen auf Intensivstationen und dem Verlust vieler Menschenleben aufgrund einer tückischen Seuche, noch viel stärkeren Anlass zur

V   erzweiflung gibt. Verzweiflung, die ohne Not von Machthabern ohne Moral und Empathie ausgelöst wurde, Verzweiflung, die dieselben Verantwortlichen so schuldhaft wie willkürlich über Wehrlose brachten und weiterhin bringen. Uns jedoch nicht im Entferntesten das Recht gibt, vor lauter Hoffnungslosigkeit zu kapitulieren oder gar zu resignieren. Nein, die ziemlich egoistische Furcht vor dem Virus und seinen Folgen wurde vor kurzem in allen freiheitsliebenden Ländern, Herzen und Köpfen vielmehr von Abscheu, Aufbegehren und echter

E   mpörung abgelöst. Angesichts des Unbegreiflichen, was sich zwischen Odessa und Kiew, zwischen Lwiw und Mariupol, zwischen Charkiw und Sewastopol abspielt. Angesichts eines Grauens, das sich kaum in Worte fassen lässt und von dem wir zu Unrecht gehofft hatten, es sei ausgestorben. Und abgelöst auch von internationaler, grenzenloser Solidarität. Denn ein durch nichts zu rechtfertigender, einseitig „erklärter“ Angriffskrieg, mittels erbärmlicher

P   ropaganda als bloßer Konflikt oder vorübergehende Militäraktion beschönigt, hält uns in Atem, lässt uns an den Errungenschaften von Aufklärung und Humanität zweifeln, setzt einem ganzen Volk zu, treibt Flüchtende in eine Hölle der Aussichtslosigkeit, sorgt dafür, dass Tausende von Unschuldigen ohne Unterlass bombardiert und vertrieben werden, einen

E   lenden und sinnlosen Tod sterben, verwundet und verstümmelt werden, ihre Heimat verlieren, mitansehen müssen, wie man ihre Nächsten und ihren Besitz vernichtet. Wie sich Entsetzen und Fassungslosigkeit ausbreiten.

A   ber menschliche Vernunft, Anstand, Mut, Mitleid, unbedingter Friedenswille und Brüderlichkeit sind stärker als der Albtraum des Krieges. Sind mächtiger als ideologische Verblendung, als blanke Gewalt und primitive Verrohung und werden, besser früher als später, den Sieg davontragen. Sind so unendlich viel wertvoller und nachhaltiger als jeglicher militärischer Triumph. Was vermag der Zugewinn an Territorien, der höchstens einen einsamen und isolierten Despoten befriedigen kann, gegen einen vielstimmigen

C   hor der Hilfsbereitschaft und die durch keine Waffe aufzuhaltende Bereitschaft zur Harmonie, zum Schulterschluss und zur Verständigung der Nationen schon auszurichten? Schon nach wenigen Tagen ist deutlich geworden, wie der große

E   ifer, mit dem sich Millionen Menschen all over the world unter die Arme greifen, stützen, zusammenschließen, gegenseitig stärken und sich ihrer Liebe versichern, die

A   ngreifer in die Enge treibt. Ihre vorgeblichen Ziele als niedere Gesinnung entlarvt. Nicht mehr lange, und den Kurzsichtigen, Gewissenlosen und Blutrünstigen wird die Puste ausgehen. Ihre abstoßende Todesgeilheit wird sich verflüchtigen. Und sie werden, vielleicht über Nacht, zur Besinnung kommen und innehalten. Alle Tyrannen dieser Erde wissen nur zu genau: Die Euphorie des Abschlachtens und Auslöschens hält nicht lange vor. Wenn ihre Stunde also geschlagen hat und der Hass sich verflüchtigt hat, wenn sie reumütig, verunsichert und abgekämpft das Feld räumen müssen, wenn die Munition verfeuert ist und die Arsenale leer sind, wenn sich das ganze Ausmaß der Verheerung abzeichnet, wenn im großen Buch der Geschichte abgerechnet wird und die Rollenverteilung unter Liebeswilligen und Hassenden irgendwann wieder stimmt, dürfen die einst Geschundenen und die Opfer, die Helfer und die Retter, die Selbstlosen und die Unterjochten, soeben noch vor den

C   äsaren der Neuzeit zitternd, und mit ihnen die gesamte Menschheit wieder

H   offnung schöpfen. Sorgen wir – das ist mein größter Wunsch – in Zukunft mit vereinten Kräften noch sehr viel mehr dafür, dass man überall wachsam bleibt und, wo immer es nur geht, den

A   nfängen wehrt. Versprechen wir uns, dass man es erst gar

N   icht so weit kommen lässt und den kriegerischen Bestrebungen Tür und Tor öffnet – wie noch in diesem trügerisch heiteren, in Wahrheit zutiefst beschämenden Frühjahr 2022. Dass Diplomatie und Fingerspitzengefühl, Pazifismus und

C   levere Verhandlungsführung von Anfang an die Oberhand gewinnen und das Hegemonialstreben verblendeter Unterdrücker gleich im Keim ersticken. Setzen wir dem kriegerischen Wahnsinn ein für alle Mal ein

E   nde und etablieren wir dauerhaften Frieden. In unseren Familien und Häusern, Dörfern und Städten, an unseren Küsten und Grenzen, in Wäldern und Ländern, auf Inseln und Feldern, unter unseren Freunden und Kindern – und nicht zuletzt im Kreis unserer Widersacher und unserer verständnislosen Mitmenschen. Give peace a chance: Jetzt und für immer. Now and forever. Maintenant et pour toujours.

Jens Rosteck_10.3.2022

Jens Rosteck
Schriftsteller, Musikwissenschaftler und Pianist

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Jens Rosteck, Schriftsteller, Musikwissenschaftler und Pianist

Foto__Steffen W.Mueller

Walter Pobaschnig _ 10.3.2022.

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„Eine Hand voll weißer Muschelsand am Asowschen Meer“ Verena Dürr, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Wien 10.3.2022

GIVE PEACE A CHANCE

G_esterne Übelkeit

I_ch übergebe mich in die Donau; die Donau fließt in den Krieg

V_ergissmeinnicht blühen; Himmel blau

E_ine Hand voll weißer Muschelsand am Asowschen Meer

P_anoramaherz müde

E_rschöpfungsabstand

A_nfängliche Blitzgefühle wegen Blitzangriffen; Zeit für

C_horisches Atmen gegen kollektive Atemnot

E_rgo, go, go Friedensbewegung! gung, gung,…

A_m Fluss fischen wir einander die Sprachlosigkeit aus dem Gesicht

C_hronisch verdienen einzelne weiter andauernd Milliarden

H_altung haben & handeln sollen; Rheinmetall +++…; tief Ein- &

A_usatembündel; die Wut; dass die Profiteure den Tyrannen solange nach der Pfeife tanzen, bis die Welt aus dem letzten Loch pfeift

N_achts in einer Gegend aufwachen, die nicht bombardiert wird

C_himäre befeuchten die Netzhaut am Morgen

E_ine Utopie im Wasserglas auflösen gegen den Kater Wirklichkeit

Verena Dürr, 10.3.2022

Verena Dürr_Schriftstellerin _ Lesung _ Bachmannpreis 2017

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Verena Dürr_Schriftstellerin, Musikerin _Wien

http://www.venerasinn.com/

Foto_Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig _ 10.3.2022.

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„In Wohnzimmerfluchten/Vor Ohnmacht/Erfrieren“ Franziska Beyer-Lallauret, Schriftstellerin _Give Peace A Chance _ Avrillé bei Angers/F 10.3.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Ganz ruhig unterm Bildschirm

In  Wohnzimmerfluchten

Vor Ohnmacht

Erfrieren

Pflugschare dürfen kein Schwert

Ergeben wir legten den Vers

Ad acta

Chume chum Geselle min

Es könnte grünen

Am Ufer der Frühlingsflüsse

Cafés öffnen für Maskenlose

Heimlich steigen

Aus Wiesen Schachbrettmuster

Nacht wird es wieder wie

Cool war

Europa

Franziska Beyer-Lallauret 10.3.2022

Franziska Beyer-Lallauret, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Franziska Beyer-Lallauret, Schriftstellerin _ Avrillé bei Angers/F

https://www.franziska-beyerlallauret.eu/

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 10.3.2022.

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