„Wie sich Entsetzen und Fassungslosigkeit ausbreiten“ Jens Rosteck, Schriftsteller_Give Peace A Chance_Offenburg/D 10.3.2022

GIVE PEACE A CHANCE

G   estern noch wähnten wir Leichtlebigen und Unbekümmerten, wir Träumer und Hedonisten, arglos und naiv wie wir waren, uns weltweit von einer nahezu unsichtbaren Pandemie umzingelt, die mittlerweile schon zwei Jahre währt, uns gehörig Angst eingejagt hat und uns zeitweise vollständig zu lähmen drohte. Unverschuldet.

I   nzwischen müssen wir erneut begreifen, dass es, neben Eingesperrtsein und mangelnder Bewegungsfreiheit, neben Dahinsiechen auf Intensivstationen und dem Verlust vieler Menschenleben aufgrund einer tückischen Seuche, noch viel stärkeren Anlass zur

V   erzweiflung gibt. Verzweiflung, die ohne Not von Machthabern ohne Moral und Empathie ausgelöst wurde, Verzweiflung, die dieselben Verantwortlichen so schuldhaft wie willkürlich über Wehrlose brachten und weiterhin bringen. Uns jedoch nicht im Entferntesten das Recht gibt, vor lauter Hoffnungslosigkeit zu kapitulieren oder gar zu resignieren. Nein, die ziemlich egoistische Furcht vor dem Virus und seinen Folgen wurde vor kurzem in allen freiheitsliebenden Ländern, Herzen und Köpfen vielmehr von Abscheu, Aufbegehren und echter

E   mpörung abgelöst. Angesichts des Unbegreiflichen, was sich zwischen Odessa und Kiew, zwischen Lwiw und Mariupol, zwischen Charkiw und Sewastopol abspielt. Angesichts eines Grauens, das sich kaum in Worte fassen lässt und von dem wir zu Unrecht gehofft hatten, es sei ausgestorben. Und abgelöst auch von internationaler, grenzenloser Solidarität. Denn ein durch nichts zu rechtfertigender, einseitig „erklärter“ Angriffskrieg, mittels erbärmlicher

P   ropaganda als bloßer Konflikt oder vorübergehende Militäraktion beschönigt, hält uns in Atem, lässt uns an den Errungenschaften von Aufklärung und Humanität zweifeln, setzt einem ganzen Volk zu, treibt Flüchtende in eine Hölle der Aussichtslosigkeit, sorgt dafür, dass Tausende von Unschuldigen ohne Unterlass bombardiert und vertrieben werden, einen

E   lenden und sinnlosen Tod sterben, verwundet und verstümmelt werden, ihre Heimat verlieren, mitansehen müssen, wie man ihre Nächsten und ihren Besitz vernichtet. Wie sich Entsetzen und Fassungslosigkeit ausbreiten.

A   ber menschliche Vernunft, Anstand, Mut, Mitleid, unbedingter Friedenswille und Brüderlichkeit sind stärker als der Albtraum des Krieges. Sind mächtiger als ideologische Verblendung, als blanke Gewalt und primitive Verrohung und werden, besser früher als später, den Sieg davontragen. Sind so unendlich viel wertvoller und nachhaltiger als jeglicher militärischer Triumph. Was vermag der Zugewinn an Territorien, der höchstens einen einsamen und isolierten Despoten befriedigen kann, gegen einen vielstimmigen

C   hor der Hilfsbereitschaft und die durch keine Waffe aufzuhaltende Bereitschaft zur Harmonie, zum Schulterschluss und zur Verständigung der Nationen schon auszurichten? Schon nach wenigen Tagen ist deutlich geworden, wie der große

E   ifer, mit dem sich Millionen Menschen all over the world unter die Arme greifen, stützen, zusammenschließen, gegenseitig stärken und sich ihrer Liebe versichern, die

A   ngreifer in die Enge treibt. Ihre vorgeblichen Ziele als niedere Gesinnung entlarvt. Nicht mehr lange, und den Kurzsichtigen, Gewissenlosen und Blutrünstigen wird die Puste ausgehen. Ihre abstoßende Todesgeilheit wird sich verflüchtigen. Und sie werden, vielleicht über Nacht, zur Besinnung kommen und innehalten. Alle Tyrannen dieser Erde wissen nur zu genau: Die Euphorie des Abschlachtens und Auslöschens hält nicht lange vor. Wenn ihre Stunde also geschlagen hat und der Hass sich verflüchtigt hat, wenn sie reumütig, verunsichert und abgekämpft das Feld räumen müssen, wenn die Munition verfeuert ist und die Arsenale leer sind, wenn sich das ganze Ausmaß der Verheerung abzeichnet, wenn im großen Buch der Geschichte abgerechnet wird und die Rollenverteilung unter Liebeswilligen und Hassenden irgendwann wieder stimmt, dürfen die einst Geschundenen und die Opfer, die Helfer und die Retter, die Selbstlosen und die Unterjochten, soeben noch vor den

C   äsaren der Neuzeit zitternd, und mit ihnen die gesamte Menschheit wieder

H   offnung schöpfen. Sorgen wir – das ist mein größter Wunsch – in Zukunft mit vereinten Kräften noch sehr viel mehr dafür, dass man überall wachsam bleibt und, wo immer es nur geht, den

A   nfängen wehrt. Versprechen wir uns, dass man es erst gar

N   icht so weit kommen lässt und den kriegerischen Bestrebungen Tür und Tor öffnet – wie noch in diesem trügerisch heiteren, in Wahrheit zutiefst beschämenden Frühjahr 2022. Dass Diplomatie und Fingerspitzengefühl, Pazifismus und

C   levere Verhandlungsführung von Anfang an die Oberhand gewinnen und das Hegemonialstreben verblendeter Unterdrücker gleich im Keim ersticken. Setzen wir dem kriegerischen Wahnsinn ein für alle Mal ein

E   nde und etablieren wir dauerhaften Frieden. In unseren Familien und Häusern, Dörfern und Städten, an unseren Küsten und Grenzen, in Wäldern und Ländern, auf Inseln und Feldern, unter unseren Freunden und Kindern – und nicht zuletzt im Kreis unserer Widersacher und unserer verständnislosen Mitmenschen. Give peace a chance: Jetzt und für immer. Now and forever. Maintenant et pour toujours.

Jens Rosteck_10.3.2022

Jens Rosteck
Schriftsteller, Musikwissenschaftler und Pianist

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Jens Rosteck, Schriftsteller, Musikwissenschaftler und Pianist

Foto__Steffen W.Mueller

Walter Pobaschnig _ 10.3.2022.

https://literaturoutdoors.com

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