Interview _ Roland Freisitzer,Schriftsteller, Komponist, Dirigent
Roland Freisitzer,Schriftsteller, Komponist, Dirigent
Fährt ein Österreicher gerne nach Deutschland?
Ich kann da nur für mich sprechen: als Österreicher bin ich jedenfalls immer sehr gerne in Deutschland. Ich fühle mich hier immer recht wohl.
Ist Gastland grundsätzlich die Bezeichnung für Österreich in Deutschland?
Gute Frage. Vielleicht schon?
Ist Österreich als literarisches trojanisches Pferd in Leipzig?
Da österreichische Autor:innen bei deutschen Verlagen wahrscheinlich häufiger (eine Vermutung, die ich nicht beweisen kann) zu finden sind, als deutsche Autor:innen bei österreichischen Verlagen, könnte man das vielleicht so sehen.
Da wir aber von der gegenseitigen Bereicherung leben, besteht, denke ich, keine wirkliche Gefahr.
„Meaoiswiamia“ – ist dies eine (notwendige) Selbstkritik und Zukunftsansage des Literaturbetriebes?
Na ja, der Begriff „meaoiswiamia“ ist einerseits sicherlich eine notwendige Selbstkritik. In Richtung mehr Offenheit und Inklusion. Andererseits führt er sich aber, wenn man anschaut, wie viele österreichische Autor:innen und Verlage da trotz Teilnahme mit Stand in Leipzig nicht im Programm „meaoiswiamia“ inkludiert wurden, eigentlich ad absurdum.
Du bist Schriftsteller und Komponist. Hat Österreich die besseren Musiker:innen oder Schriftsteller:innen?
Ich würde sagen, es steht da ziemlich unentschieden.
Bach oder Bernhard?
Natürlich beide (vor allem, wenn mit Bach Johann Sebastian gemeint ist).
Herzlichen Dank!
Roland Freisitzer,Schriftsteller, Komponist, Dirigent
Zur Person_Roland Freisitzer, 1973 in Wien geboren, wuchs Roland Freisitzer in Moskau, Warschau, Kapstadt und St. Pölten auf, bevor er sich 1989 erneut nach Moskau begab, um Komposition zu studieren. Der Komponist und Dirigent ist Dozent im Bereich der zeitgenössischen Musik an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien sowie stellvertretender Schulleiter an der Friedrich Gulda School of Music in Wien. 2021 erschien sein Debütroman Frey bei Septime Verlag. 2023 erscheint sein zweiter Roman Die Befreiung und mit Emily Maguires Ein Einzelfall auch seine erste Romanübersetzung bei Septime
Liebe Isabella Feimer, ist Österreich als Gastland die vorauseilende Revanche für den deutschen (Sommer) Gast?
Sommer Gast garstig
Die Handtücher schon ausgeworfen
Fischer nein Sprachnetze
rächen sich stets an den Sandkörnern
die nicht abzuwerfen sind
Eines nimmt man immer
Meistens mehr mit
und
Abzuwarten bleibt:
Der nächste Sommer
Was liest ein österreichischer Gast in Deutschland?
Zwischen den Zeilen
Hinter sich her
Über sich hinaus
Haltlos
Mit Anstand
Liebevoll
Widerständig /
Bücher
Wird Leipzig das Literatur-Cordoba für Österreich?
Zu dieser Frage fällt mir
Fernweh
ein
und Nahweh
gäbe es dieses Wort
Ist „Meaoiswiamia“ als majestetischer Plural gemeint mit dem Österreich narzisstisch geschickt Deutschland überlistet?
Mehr wie wir
Ist das andere
Das sich in Sprache sucht in ihr auch findet manchmal gut verlieren kann
Mehr ist wir
Ist anders
Als es war und sein könnte
Ist immer mehr und mehrer
Wir
die wir Sprache überlisten
wollen
Dieses Mehr
…oder als Selbstkritik des Literaturbetriebes?
/
Wer kann besser lesen – Deutschland oder Österreich?
Sind hier Lesende gemeint?
Herzlichen Dank!
Zur Person_Isabella Feimer, 1976 geboren, studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und arbeitet seit 1999 als freie Regisseurin und Schriftstellerin in Wien. Sie schreibt Romane, Kurzprosa, Lyrik und Essays. Sie erhielt zahlreiche Stipendien und Preise. Zu ihren Inspirationsquellen zählen ihre Reisen, die sie gepaart mit Wanderlust und Wissensdrang auf alle fünf Kontinente führten, und die intensive Beschäftigung mit Bildender Kunst, Fotografie und Film.
Liebe Isabella Straub, was macht den österreichischen Gast aus? Er nimmt ein Sackerl auf die Messe mit. Keine Tüte.
Wird Leipzig das Literatur-Cordoba für Österreich? Solang es nicht das Literatur-Corona wird, ist alles gut.
Wer sind unsere elf Besten am Literaturfeld? [Die Antwort wurde mit magischer Tinte geschrieben. Die Schrift erscheint, sobald man das Blatt in die Sonne legt.]
Ist „Meaoiswiamia“ als majestetischer Plural gemeint mit dem Wir geschickt Deutschland narzisstisch überlisten? Ich lese das eher als Krankenschwesterplural und füge noch ein -d hinzu. Meaoiswiamiad. Passt für jede Messe.
Wer kann besser lesen – Deutschland oder Österreich? Wie? Sorry, kann das nicht entziffern …
Herzlichen Dank!
Zur Person_Isabella Straub, geboren in Wien, lebt in Klagenfurt am Wörthersee. Studium der Germanistik und Philosophie, danach Werbetexterin. Der Roman „Südbalkon“ (2013) war auf der Shortlist des Bremer Literaturförderpreises, des Franz-Tumler-Preises und gewann den Debütpreis der Erfurter Herbstlese. Zuletzt erschien von ihr„Das Fest des Windrads“.
Aktueller Roman von Isaballa Straub:
Isabella Straub, Wer hier schlief. Roman; Blumenbar bei Aufbau;
Lieber Tex Rubinowitz, ist Österreich als Gastland die vorauseilende Revanche für den deutschen (Sommer) Gast?
Ich glaube, die Österreicher sind realistisch genug, zu erkennen, dass der deutsche Sommergast als Synonym für unsensible Präsenz, Lautstärke und Arroganz inzwischen eine Chimäre geworden ist, zumal im pseudoauthentischen Tiroler Ambiente ungarische Servicekräfte Gästen aus Sachsen Kaßspatzln erklären und servieren müssen, während die autochthonen Tiroler dem Rascheln des Geldes in der Kasse lauschen
Was zeichnet den österreichischen Gast aus?
Er fällt nicht weiter auf, und sobald er den Mund aufmacht, findet man ihn in Deutschland niedlich, das ist einerseits Vorteil, man kann so nicht verlieren, und andererseits nimmt man ihn nicht ernst, auch wieder ein Vorteil, beweisen zu können, was man kann und mitgebracht hat
Wird Leipzig das Literatur-Cordoba für Österreich?
Cordoba als immerwiederkehrendes Beispiel eines Zufalls ist mittlerweile so weich wie Knäckebrot im Regen geworden, in Deutschland kennt man das gar nicht, die kleinere DDR hat auch mal die westdeutsche Fußballnationalmannschaft besiegt, im ostdeutschen Leipzig wird man sich eher daran erinnern, wenn überhaupt, und Literatursiege, die gibt es nicht, die Zahl der Literaturpreise gegeneinander aufzurechnen, führt zu nichts, denn das würde implizieren, dass Juries unter nationalen Gesichtspunkten entscheiden würden und sich damit diskreditieren und unglaubwürdig machen
Ist „Meaoiswiamia“ als majestetischer Plural gemeint, um Deutschland geschickt narzisstisch zu überlisten, oder als Selbstkritik am Literaturbetrieb?
Ich verstehe den Slogan eher als onomatopoetisches Verwirrspiel a la Ernst Jandl, ja, kann eine List sein, etwas, was nicht so schnell erfassbar ist, eher wahrzunehmen als durchzuwinken, also ein Trick, der noch dazu den Vorteil hat, dass Deutsche ihn putzig finden, weil sie den Satz nicht verstehen, man kann ihnen also alles unterjubeln, es muss nur gut klingen
Henne oder Ei? Wer zuerst? Wer war literarisch zuerst da? Österreich oder Deutschland – Wer ist literarische Henne oder literarisches Ei?
Ich glaube, dass es keine genuin österreichische Literaturattitüde oder Erzählhaltung gibt, außer, dass man sich in Österreich vielleicht mutiger und schneller Dinge traut, zu schreiben, zu machen, zu zeigen, auch Scheitern zu riskieren und zuzulassen, um daraus wieder neue Energien zu generieren, aber das sind vermutlich Klischees, aber dass der eine oder die andere vor der einen oder dem anderen war, bezweifle ich, nationale Attitüden haben ja immer etwas Folkloristisches, das soll in den Herkunftsländern bleiben, das macht ja ihren Reiz aus, und nur dadurch funktionieren sie woanders, traurig genug, dass in Österreich jeder und jede inzwischen zur Verabschiedung „Tschüß“ sagt, was vor 30 Jahren noch undenkbar war, während in Kiel niemand etwas „leiwand“ findet
Herzlichen Dank!
Zur Person_ Tex Rubinowitz, geboren 1961 in Hannover, lebt seit 1984 als Witzezeichner, Maler, Musiker und Schriftsteller in Wien. 2014 erhielt er den Bachmann-Preis.
Interview _ Katharina J.Ferner, Poetin und Performerin _ Salzburg
Katharina J.Ferner, Poetin und Performerin
Liebe Katharina J.Ferner, was zeichnet den österreichischen Gast aus?
Ich denke, die Vielfalt ist schon sehr groß und das Programm breit gefächert. Das ist nicht unbedingt eine österreichische Spezialität, aber der Bezug zur Vielsprachigkeit speziell durch die Einbindung der Dialekte ist ja schon im Leitthema präsent. Ich würde also behaupten, es gibt keine Angst vor Unverständnis, sondern eher Hinweis sich auch mit der Varietät in den nicht-genormten Literatursprachen zu beschäftigen.
Wird Leipzig das Literatur-Cordoba für Österreich?
Bitte nicht Cordoba.
Ist „Meaoiswiamia“ als majestätischer Plural gemeint mit dem Österreich literarisch geschickt narzisstisch überlistet?
Vielleicht als ästhetischer Plural?
…oder ist es eine Selbstkritik am Literaturbetrieb?
Selbstkritik kann ich am Programm nicht ablesen. Es ist eine kritische Antwort am angestaubten „mia san mia“, wie Katja Gasser, das ja u.a. darlegte. Aber wohl auch humorvoll auszulegen.
Wer kann besser lesen – Deutschland oder Österreich?
Das ist eine Frage für die Statistiken.
Herzlichen Dank!
Katharina J.Ferner, Poetin und Performerin _ Salzburg
Aktuelle Bücher_
Krötentage, Gedichte, Limbus, 2022, ISBN 978-3-99039-219-5EUR 15,–
Der Anbeginn, Roman, 2020, Limbus, ISBN 978-3-99039-184-6EUR 22,-
Zur Person_Katharina J. Ferner lebt als Poetin und Performerin in Salzburg. Redaktionsmitglied der Literaturzeitschriften Mosaik. Mitarbeit bei Morgenschtean, sowie &Radieschen. 2016-2019 Mitbetreuung der Lesereihe ADIDO (Anno Dialekt Donnerstag) in Wien. 2019 Lyrikstipendium am Schriftstellerhaus Stuttgart. Seit 2020 arbeitet sie gemeinsam mit anderen Autor*innen mit der Lungauer Kulturvereinigung über das Format „Junge Literatur im Lungau“ zusammen. Sie tourte im Team von HÖRHIN –Eine Initiative zur Förderung von Lese- und Sprachkompetenz an Volksschulen durch Österreich. Mit dem Fotografen Mark Daniel Prohaska entstand das Projekt „Homeage“, in dem KJF literarische Straßennamen Salzburgs mit Texten zeitgenössischer Autor*innen beliest. Seit Jänner 2021 erscheint unter dem Titel „Ferner dichtet“ wöchentlich Poesie in der Salzburger Krone. Teilnahme am Bachmann-Wettlesen 2021. Gemeinsam mit Kalinka Kalaschnikow veranstaltet sie die Lesereihe „…das nackte Wort“.
Interview _ Cornelia Travnicek, Schriftstellerin_ Wien
Cornelia Travnicek, Schriftstellerin_ Wien
Liebe Cornelia Travnicek, ist Österreich als Gastland die vorauseilende Revanche für den deutschen (Sommer) Gast?
Deutschland hatte noch eine Rechnung in einer Après–Ski-Bar offen.
Was liest ein österreichischer Gast in Deutschland?
Die Verspätungsanzeige der Deutschen Bahn.
Wird Leipzig das Literatur-Cordoba für Österreich?
Es spielen so viele österreichische Autor:innen in deutschen Verlagen, ich denke nicht, dass man da noch von einem Ländermatch sprechen kann.
Ist „Meaoiswiamia“ als majestetischer Plural narzisstisch gemeint, um den Minderwertigkeitskomplex zu überwinden, oder als Selbstkritik am Literaturbetrieb?
Wir sind mehr als die behauptete Summe unserer (kleinen) Teile. Und wenn schon nichts anderes, ist das Motto zumindest ein fixer Conversation Starter.
Was kann Österreich aus Deutschland und Deutschland aus Österreich gestohlen bleiben?
Die Kaiserhymne?
Wer macht die schöneren Bücher – Deutschland oder Österreich?
Zur Person_Cornelia Travnicek, geboren 1987, lebt in Niederösterreich. Studierte an der Universität Wien Sinologie und Informatik und arbeitet Teilzeit als Researcher und Projektmanagerin in einem Zentrum für Virtual Reality und Visualisierung. Übersetzt Kurzprosa und Lyrik aus dem Chinesischen. Für ihre literarischen Arbeiten wurde sie vielfach ausgezeichnet, u. a. erhielt sie 2012 den Publikumspreis bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt für einen Auszug aus ihrem Roman „Junge Hunde“. Ihr dritter Roman „Feenstaub“ war auf der Shortlist des Österreichischen Buchpreises 2020. Neben einigen eigenständigen Publikationen veröffentlichte sie auch diverse Texte in Zeitungen, Zeitschriften und Magazinen (wie Die Zeit, Der Standard, Volltext, LICHTUNGEN, Manuskripte).
Der Roman „Chucks“ wurde 2015 als österreichische Produktion verfilmt (DOR Film, Ertl-Hiebler).
Texte von Cornelia Travnicek wurden in diese Sprachen übersetzt:
Axel Karner, Schriftsteller_Wien/Zlan _ Humbert Fink Preisträger 2022
Axel Karner, Schriftsteller_Wien/Zlan _ Humbert Fink Preisträger 2022
AXEL KARNER Probstheida
1 lüg was gern hätt
brings ums eck
mutter war jüdin
in leipzig der vater daheim im reich
ein luder und dreck
homs gsogt drahs ham dei mame da vota heim ins reich
in leipzig mit luther und dr eck
2 postille sagt buchnarb geordnet griff willkommen
fräulein meyer hieß zu gebot tobt überall
ich les mein wort
gar schwall redheafiawos
Axel Karner
Zur Person_Axel Karner: Geboren 1955 in Zlan. Arbeitete als Lehrer für evangelische Religion, darstellendes Spiel und soziales Lernen in Wien. In der Bibliothek der Provinz erschienen: „Kreuz“. Gedichte. Mit Scherenschnitten von Joseph Kühn (2003); „Schottntreiba“. Gedichte. Mit Illustrationen von Ingeborg Kofler (2004); „Vom ersten Durchblick des Gewebes am zehnten November und danach“. Kriminalgeschichten (2007). Im Wieser Verlag: Die Stacheln des Rosenkranzes. Lissabonner Gedichte (2007); Chanson Grillée. Gedichte. Illustriert von Anne Seifert (2010); Der rosarote Balkon (2012); Der weiße Zorn (2015); Die Zunge getrocknet / Jezik posušen. Fünf Gedichte in vier Sprachen und eine Nulllinie. Mit Zeichnungen von Wilhelm Dabringer. Slowenisch von Ivana Kampuš (2019).
Interview _ Franzobel, Schriftsteller _ Bachmannpreisträger 1995_ Wien
Franzobel, Schriftsteller _ Bachmannpreisträger 1995_ Wien
Ist Österreich als Gastland die Revanche für den deutschen Gast?
Der deutsche Gast hat nur einen Nachteil, er kommt in Masse, aber eigentlich ist er der angenehmste. Russen verwüsten Hotelzimmer, Italiener und Chinesen sind laut, Araber geldverdorben, Amerikaner enervierend. Für den vorauseilenden Gehorsam der österreichischen Gastronomen, die Pfannkuchenstreifen, Lendchen, Rührei und Aprikosen auf Speisekarten setzen, kann er ja nichts.
Was macht einen österreichischen Gast aus?
Der ist misstrauisch, vergleicht alles mit daheim und neigt zur Rudelbildung. Der Österreicher ist immer etwas schlampig und nur selten elegant. Er kann nicht gehen, weil seine Füße dafür gemacht sind, auf Bergwiesen Kuhfladen auszuweichen. Meist ist er schüchtern, betrinkt sich, um die Fremde auszuhalten, und wird dann ausfällig. Der Österreicher im Ausland bindet jedem ungefragt auf die Nase, dass er kein Deutscher ist, und identifiziert sich mit Mozart, Lipizzaner und Schwarzenegger. Ein Widerling.
Wird Leipzig das Literatur-Cordoba für Österreich?
Literarisch ist Österreich wie Indonesien, das Literaturland Austria ist ein Archipel, der aus lauter Inselbegabungen besteht. Hunderte Monolithen mit einem völlig eigenen Stil, damit sind wir dem politisch korrekten Einheitsbrei der Germanen natürlich turmhoch überlegen.
In Österreich gibt es eine Tradition, die sich vom Wiener Volksstück, den Kabarettisten der Zwischenkriegszeit und dem Austropop nährt, die ihresgleichen im deutschen Sprachraum sucht. Wir haben kein Bürgertum, sondern sind allesamt Abkömmlinge von illegitimen Pfarrerseitensprüngen, degenerierten Adeligen, Bauern, Proletariern oder Gesinde, das macht uns so stark.
Ist „Meaoiswiamia“ als majestetischer Plural gemeint mit dem Wir geschickt Deutschland narzisstisch überlisten?
Sagen wir so, der Schmäh der Österreicher ist für Deutsche unbegreiflich und in andere Sprachen nicht zu übersetzen.
Ein Beispiel gefällig?
Vor kurzem hat mir ein Freund erzählt, dass er das Bressehuhn von Bocuse nachkochen wollte. Das kommt in einen großen Topf voller Meeressalz. Zufällig sieht er in der Auslage eines Feinkostladens drei Kilo von diesem Salz. Also geht er hinein und fragt, ob sie etwas mehr haben. Daraufhin der Verkäufer: „Was is mit ihnen, wollns a Meer eröffnen?“
…oder ist „Meaoiswiamia“ auf den Literaturbetrieb bezogen?
Ich weiß nicht, was sich die Verantwortlichen dabei gedacht haben, hoffe aber, der Titel ist bei ein paar Flaschen Wein entstanden und man hatte eine Mordsgaudi. Vielleicht hat ja irgendwann zu nächtlicher Stunde jemand gefragt, ob es jemand gibt, der mehr verträgt? Meaoiswiamia? Oder man wollte auch ein Meer eröffnen?
Wer kann besser lesen – Deutschland oder Österreich?
Machen wir uns nichts vor, jedes Volksschulkind in Hannover spricht ein besseres Deutsch als die meisten österreichischen Literaten, dafür ist bei uns jeder Hackler lustiger als der deutsche Durchschnittskabarettist.
Lesen ist wieder etwas anderes, das ist wie die Genialität oder das Bewusstsein, da wissen Hirnforscher auch nicht, wie sie das fassen sollen. Oder war Vorlesen gemeint? Da sind die Österreicher schlechter, aber amüsanter. Aber das sind natürlich lauter Klischees.
Herzlichen Dank!
Franzobel, Schriftsteller _ Bachmannpreisträger 1995_ Wien
Zur Person_Franzobel, geboren 1967 in Vöcklabruck, erhielt u. a. den Ingeborg-Bachmann-Preis (1995), den Arthur-Schnitzler-Preis (2002) und den Nicolas-Born-Preis (2017). Bei Zsolnay erschienen zuletzt der Krimi Rechtswalzer (2019) sowie die in zahlreiche Sprachen übersetzten historischen Romane „Das Floß der Medusa“ (2017), „Die Eroberung Amerikas“ (2021) und Einsteins Hirn (2023).