„Wien hat mir so viel gegeben“ Station im Atelier_Lucille Wittgenstein, Künstlerin _ Wien 25.8.2022

Lucille Wittgenstein, Künstlerin _ Wien

Liebe Lucille, herzlichen Dank für die Einladung in Dein Atelier hier in Wien/Hernals!

Wie gestaltet sich Deine Atelierarbeit und was inspiriert Dich?

Grundsätzlich habe ich eine ganz bestimmte Vorstellung wie ich selbst und mein Tag sein soll. Ich liebe kleine Rituale, Traditionen, mit denen ich in Leben und Kunst nicht brechen werde. Das beginnt schon beim Aufstehen.

Ich bin eine Frühaufsteherin und bin um 4.45h aus dem Bett. Dann mache ich Frühstück, trinke dazu einen Kaffee oder Tee und gehe die Termine für den Tag durch – welche Lieferungen und Aufgaben sind zu erledigen?

Meine Kunstmaterialien stelle ich oft selbst mit Farbpulvern her. Ich arbeite auch gerne mit Kremserweiß, das eine spezielle Genehmigung erfordert und einfach sensationell in seiner Struktur ist.

Neben meiner Tätigkeit als Malerin bin ich auch als Innenarchitektin tätig. Es gibt viele Menschen in Wien, die da auf meinen Geschmack setzen. Auch Wünsche nach Portraits in der Wohnung gibt es.

Inspirationen gibt es sehr viele und vieles, es sind die Menschen und die so lebhafte Kultur in unserer Stadt.

Wie war Dein Weg zur Kunst?

Mein Weg zur Kunst begann mit vier Jahren bei einem Besuch im Kunsthistorischen Museum in Wien. Da war ich begeistert. Es war ein Familienausflug mit meinen Eltern und meinen zwei Brüdern, ein weiterer Bruder kam dann als „Nachzügler“ zur Familie hinzu, aus Bad Schwanberg in der Steiermark, wo wir nach der Flucht aus Rumänien lebten.

Ich habe im Kunsthistorischen Museum in Wien erstmals die einmaligen Werke von Caravaggio (italienischer Maler, Barock, 1571 – 1610) gesehen. Vor seiner „Rosenkranzmadonna“ (1605 – 1607) dachte ich, so will ich auch malen und habe dann angefangen zu zeichnen – tausende Blätter – und es setzte sich in meiner Kindheit/Jugend fort. Ich beschäftige mich mit Egon Schiele, Gustav Klimt, Leonardo da Vinci, um Zeichenformen, das Gefühl für Proportion zu verstehen und wollte einfach zeichnen, malen, um jeden Preis. Meine Eltern sagten, ich müsse einen Beruf erlernen und ich sagte „das ist mein Beruf“. Da war ich vierzehn Jahre alt.

2005 begann ich dann ein Studium an der Universität für Angewandte Kunst in Wien, die Direktorin der Akademie der bildenden Künste Wien hatte mich empfohlen. Ich lernte da Franz West (*16.Februar 1947 +26.Juli 2012, bildender Künstler) und Brigitte Kowanz (* 13. April 1957 Wien, † 28. Jänner 2022, Installationskünstlerin) kennen, die mich wie der damalige Direktor Peter Noever sehr unterstützen in meinem selbstbewussten Weg.

Da ich eine Kooperation mit den großen Galerien in Wien ablehnte hinsichtlich des 45% Galerieanteil bei jedem Verkauf, war ich sehr schnell eine persona non grata in diesem Bereich des Kunstmarketings. Und dann habe ich mein eigenes Ding durchzuziehen versucht, was nicht leicht war und ist. Mein Atelier hier kostet 1700EUR im Monat.

Wichtig sind Kontakte mit Menschen, die meine Kunst sehr schätzen oder kennenlernen wollen und ich habe da auch viel Interesse und Unterstützung bis heute, wofür ich sehr dankbar bin. Der Künstler Hubert Winter lud mich vor Jahren nach Spanien ein und stellte mir die tollsten Künstler und Galeristen vor. Ich habe da auch heute noch Kontakte nach New York und Los Angeles. Persönlich freue ich mich auch sehr über zwei Skulpturen von Kiki Kogelnik, die ich als Künstlerin sehr schätze.

Was bedeutet Kunst für Dich?

Kunst ist ein Lebensgefühl. Man kann nicht einfach so Kunst „machen“, das hat einen Grund, muss einen Grund haben. Ich denke, Kunst liegt schon in der Wiege und ist dann ein lebenslanger Prozess in Erinnerung, Erfahrung, Reflexion, Ausdruck.

Ich wurde als drittes Mädchen-Wunschkind, nach zwei Söhnen, in Siebenbürgen/Transsylvanien geboren, das war in der Zeit des Kommunismus. Meine Eltern haben mich und meine Geschwister sehr gefördert, sie waren auch sehr kunstbegeistert. Meine Familie floh dann nach Österreich und siedelte sich in Schwanberg/Steiermark an und musste eine neue Existenz aufbauen. Mein Vater war da sehr konsequent und auch eigenwillig, etwa im Hausbau. Er wusste da, was er wollte und das habe ich vielleicht auch in der Kunst von ihm.

Wir waren auch vor dem Zusammenbruch des Regimes Nicolae Ceaușescu (1989, Anm.) öfters in Wien und hatten da auch eine Wohnung. Nach Wien zu kommen in den Wirren dieses Umbruchs war äußerst schwierig und gefahrvoll. Meine Mutter war da sehr stark und mutig gegenüber dem Geheimdienst und den Soldaten als wir Rumänien verließen. Sie hatte Dollars und Kaffee, Whiskey, weiteres dabei und das öffnete die Fluchttüren. Doch dann waren plötzlich Gewehre auf uns gerichtet und meine Mutter sagte zu den jungen Soldaten: „Eine Mutter und ihre Kinder könnt Ihr nicht ermorden!“ Und sie ließen uns gehen. Ich habe diese Stärke und Sicherheit meiner Mutter in dieser Todesgefahr sehr bewundert und es hat mich geprägt.

Als war dann in Schwanberg ankommen, hatten wir guten Kontakt zur Familie Neuwirth, Griseldis und Harald Neuwirth (Pianist) und ihren Töchtern Olga (Komponistin) und Flora (Bildende Künstlerin). Ich habe viel Zeit bei Ihnen verbracht, ich war da auch sehr gerne bei ihren vielen Tieren, Katzen, Hunden und es war ein wunderschönes geheimnisvolles Haus zwischen Pappeln. Das sind sehr schöne Erinnerungen.

Auch Dein Name ist ein sehr klingender in der österreichischen Kultur- und Geistesgeschichte. Bist Du mit den Wittgenstein Familien verwandt?

Nein, das ist ein gewählter Name. Ich bin eine geborene Filip und in meinem Pass steht Lucille Gabrielle Cäcilia Filip Wittgenstein.

Was bedeutet Dir Wien?

Wien hat mir so viel gegeben. Ich kam als ganz junger Mensch nach Wien und die Stadt sagte „das ist richtig wie Du bist und wir lieben Dich so wie Du bist“. Es war Liebe auf den ersten Blick bei der Ankunft am Südbahnhof. Da war das strahlende Belvedere und auch die dunklen Straßen, ich liebte diese Kontraste sofort, es hat mir imponiert und gefällt mir bis heute als Mensch und Künstlerin.

Herzlichen Dank, liebe Lucille, viel Freude und Erfolg weiterhin!

Lucille Wittgenstein, Künstlerin _ Wien

Atelierbesuch_

Station bei Lucille Wittgenstein, Künstlerin _ Wien/Hernals

Alle Kunstwerke/Atelier: Lucille Wittgenstein, Künstlerin

Interview und alle Fotos_ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig 8_22

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„Geben, ohne etwas dafür zu verlangen“ Edgar Bangert, Schauspieler _ Give Peace A Chance _Berlin 24.8.2022

GIVE PEACE A CHANCE

G  Geben, ohne etwas dafür zu verlangen. Das klingt altruistisch, beinah religiös. Aber das ist es mitnichten. Wir müssen nicht einmal den Begriff Spiritualität bemühen. Vielmehr geht es darum, einen Irrweg zu erkennen und durch diese Erkenntnis unser Handeln zu verändern. Was will erkannt werden? Das der Geist der zweckrationalen Unvernunft der Götze der modernen Zeit geworden ist. Ein alles zerstörender Geist. Davor hat bereits die Frankfurter Schule gewarnt.

I Irrwege: Siehe oben!

V Vielschichtigkeit: Hand aufs Herz: Sind wir nicht alle aufgrund der Informationsüberflut überfordert? Was bedeutet es, Unterschiede auszuhalten und auf der anderen Seite rote Linien zu ziehen, wenn Unrecht geschieht? Das müssen wir immer wieder neu verhandeln.

E Ehrlichkeit: Oft ist von Spaltung der Gesellschaft die Rede. Dieser Topos wird meiner Meinung  nach inflationär gebraucht. Wir führen Debatten kaum noch sensibel, dafür aber unangemessen ideologisch. Das ist nicht mehr meine Gesprächskultur. Denn Alarmismus hat noch nie zu etwas geführt. Die Algorhitmenlogik macht eine ehrliche Debatte unmöglich. Ich muss in Kauf nehmen können, dass mich jemand für das, was ich sage, verachtet. In diesen Zeiten eine sehr schwere Prüfung.

P Pazifismus: Nun schildere ich unumwunden meine Aporie und mein Wort  ist nicht in Stein gemeißelt. Ich glaube, dass Pazifismus möglich ist. Sowohl der Fall der Mauer, als auch Ghandis Salzmarsch sind historische Belege dafür. Wer also Pazifisten pauschal Weltfremdheit unterstellt, macht es sich zu bequem. Zur historischen Wahrheit zählt aber auch: Adolf Hitler wurde nicht wegverhandelt. Darum halte ich es für genau so verlogen, jenen, die sich für Waffenlieferungen an die Ukraine ausgesprochen haben (und ich gehöre dazu) das Etikett Bellizismus aufzudrücken. Ich fühlte mich, in politischer Hinsicht, selten so hilflos wie heute.

E Eschatologie: Kaum ein Begriff passt besser in unsere Zeit als dieser. Mit welchen Weltbildern haben wir es zu tun? Durchgesetzt haben sich der Neoliberalismus, ein rückständiger Kommunismus und – noch immer – die monotheistischen Religionen. Eschatologische Weltanschauungen ersticken die Bemühungen um Frieden im Keim. Das erleben wir seit mehr als 2000 Jahren.

A Aufruhr: Täglich muss ich mein inneres Beben aushalten. Hinzu gesellen sich die Horrormeldungen der Realpolitik. Innerer Frieden ist ein ständiger Kampf. Diesem Zwiespalt fühle ich mich hilflos ausgeliefert. Wer noch?

C Christentum: Wir leben in einer pseudochristlichen Kultur. Ständig rechnen wir die Verfehlungen unserer Mitmenschen auf. Und wir vergeben unsererm Nächsten nicht. Würde in diesen Tagen Jesus von Nazareth erscheinen, dann stünde die politische Elite unter Schock. Ich übrigens auch. Die Frage, was ich tun kann, um ein besserer Mensch zu werden, martert mich. Und das ist auch gut so.

E Endlichkeit. In meiner Jugend war der Tod ein romantischer Gedanke. Jetzt, wo ein Freund nach dem anderen stirbt, springt mir dessen Realität förmlich ins Gesicht. Wie dieses Leben nutzen? Wie eine bessere Welt hinterlassen? Fragen, die mich ebenfalls martern und die ich mir stelle bis zum Verrücktwerden.

A Aushilfskräfte. Warum wird in dieser Gesellschaft über alles diskutiert, nur nicht über Armut? Warum wird hingenommen, dass Menschen im Rentenalter Pfandflaschen sammeln müssen und andere wiederum für Billiglöhne arbeiten? Darum spreche ich mich sowohl für ein bedingungsloses Grundeinkommen aus, als auch für ein Gesetz gegen Obdachlosigkeit.

C Cancel Culture: Das ist ein gewaltiges Problem. Auf der einen Seite ist es richtig und gut, dass in einer modernen, demokratischen Gesellschaft nicht alles gesagt werden darf. Auf der anderen Seite befürchte ich ein neues Jakobinertum. Wenn allen Ernstes gefordert wird, die Bücher von Dostojewski oder Flaubert zu verbieten, anstatt diese Werke zu editieren, dann sind wir nicht mehr weit entfernt von den Warnungen George Orwells.

H Heimat. Für mich ein Begriff, der zunehmend an Bedeutung gewinnt. Vielleicht, weil ich älter werde. Wir müssen dieses Wort den reaktionären Kräften stehlen und inhaltlich neu füllen. Die Musik von den Pixies, ein Roman von Gerhard Hentschel, ein Film von Tarkowski, mein Fußballverein Arminia Bielefeld, eine Theaterarbeit, ein geschriebenes Gedicht, der Teutoburger Wald, all das ist Heimat für mich.

A Arbeit: Wenn Arbeit nicht glücklich macht, sollte sie verboten werden. Das sollte ebenfalls im Grundgesetz stehen!

N Nacht: Früher lebte ich in der Dunkelheit auf. Jetzt ertrage ich sie nicht mehr.

C Corona: Mehr als nur ein Brandbeschleuniger. Nicht alle mussten die gleichen Opfer bringen. Wo wir wieder beim Thema Armut wären.

E Erlösung: Wie gelingt es, dem unsäglichen Leid um uns herum zu begegnen? Und wie gelingt es, Mitgefühl für uns selbst zu entwickeln? Eine Antwort darauf kann ich nicht geben. Aber diese Fragen zu stellen, ist elementar.


Edgar Bangert, 17.8.2022

Edgar Bangert_Schauspieler, Theaterregisseur, Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Edgar Bangert_Schauspieler, Theaterregisseur, Schriftsteller

http://www.edgarbangert.de/traum.html

Fotos_1,4 Sven Ch.Schramm; 2 Bernd Rietdorff; 3 Kenéz Kíra;

Walter Pobaschnig _ 17.8.2022.

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„Anrufung des großen Bären“ Ingeborg Bachmann. Gedichte. Salzburger Bachmannedition. Piper Suhrkamp Verlag.

Constanze Sophie Passin, Schauspielerin _ reenacting „Malina“ Ingeborg Bachmann _
Wien 2021 _ Foto_folgende_Walter Pobaschnig _ am Romanschauplatz „Malina“ Wien.

1956. Die aus Kärnten gebürtige und nun in Rom lebende Schriftstellerin ist dreißig Jahre alt. Der Literaturpreis der Gruppe 47, das Coverbild des Spiegel, eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Komponisten Hans Werner Henze liegen hinter ihr. Ihr langerwarteter zweiter Gedichtband erscheint. Ihre poetische Sprache, die gleichsam Fragen nach Leben und Zukunft, Himmel und Erde, aus dem Herz der Zeit reißt und ohne Kompromisse in faszinierender Formkraft mit der Welt teilt, begeistert. Preise, neue Aufgaben und Herausforderungen, und eine neue Liebe folgen…der Gedichtband „Anrufung des großen Bären“ ist das Fundament für all das was an Licht, Schatten und Dunkelheit in Literatur, Liebe und Leben folgen wird…

„…Wir wanderten im Wunder und wir streiften

die alten Kleider ab und neue an.

Wir sogen Kraft aus jedem neuen Boden

und hielten nie mehr unseren Atem an…“

Von einem Land, einem Fluss und den Seen _ Ingeborg Bachmann

Constanze Sophie Passin, Schauspielerin _ reenacting „Malina“ Ingeborg Bachmann _
Wien 2021 _ Fotos_Walter Pobaschnig _ am Romanschauplatz „Malina“ Wien.

Der sechste Band der großartigen und literaturwissenschaftlich wegweisenden Ingeborg Bachmann Werkausgabe, Salzburger Edition, schließt an die vorangehenden in fundierter wie umfassender Präsentation in Aufarbeitung des umfangreichen Nachlassmaterials in Wort und Bild, hervorragendem Kommentar wie der Verbindung dieser literaturwissenschaftlichen Parameter in fließender wie spannender Lesbarkeit an. Neugierde, Interesse und Überraschung begleiten dabei gleichermaßen mitreißend Seite um Seite. Literaturwissenschaft als sensationelle Werkgeschichte im zeitgeschichtlichen wie biographischen Kontext. Eine ganz außerordentliche Leistung eines außerordentlichen Gesamtprojektes!

„Wie spannend mitreißend Literaturgeschichte sein kann, zeigt die Salzburger Ingeborg Bachmann Edition mit jedem neuen Meisterstück!“

Fotos_Constanze Sophie Passin, Schauspielerin _ reenacting „Malina“ Ingeborg Bachmann.

Alle Fotos_Walter Pobaschnig_2021 _ Romanschauplatz _ Malina _ Wien_

Walter Pobaschnig  8_22

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„Wichtig ist gerne zu leben und unbedingt das eigene Leben zu wollen“ Ingolf Max Libuschewski, Künstler _ Osnabrück-Niedersachsen 24.8.2022

Lieber Ingolf, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Thai Chi, etwas Thai Boxen, Skizzen entwerfen. Projektarbeit Internationaler Kultur Kunstkilometer strukturieren, Telefonate, Terminplanungen koordinieren.

Vegetarisch Kochen, Leinwände bearbeiten.

Ingolf Max Libuschewski, Künstler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Neue kreative Ideen und Lösungen miteinander finden und kreieren. Ungewöhnlich denken und handeln. Sich der eigenen Vergänglichkeit bewußt sein, Lebensqualität  im Alltag  entdecken. Sich auch im Miteinander bewegen.

Impulse und Inspirationen fühlen können und in Handlungsabläufe verwandeln.

Wichtig ist gerne zu leben und unbedingt das eigene Leben zu wollen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Eine Besinnung auf das Wesentliche erscheint notwendig. Über unterschiedliche Gesellschaftsformen hinaus Konsensfähigkeit anstreben und vertiefen, Gemeinsamkeiten entwickeln und stärken. Eine Kulturrevolution wird stattfinden. Das gestalterische und bildhafte Denken von Kulturschaffenden und Künstlern-Künstlerinnen ist mehr denn je erforderlich, um Krisen zu regulieren.

Was liest Du derzeit?

Power from within-Anthony Martin von Sager    Die Biographie eines Menschen,  vom Rollstuhl zum Weltmeister.  Durch die Kraft des Willens.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

The sky is not the limit !

Vielen Dank für das Interview lieber Ingolf, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Ingolf Max Libuschewski, Künstler

http://libuart.de/

Foto_privat

23.7.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Was machen Sie denn da?“ Station im Atelier _ Lola Lindenbaum, Künstlerin – Kunstraumtabaktrafik Wien 23.8.2022

Lola Lindenbaum, Künstlerin _ Atelier _ Kunstraum Tabaktrafik _ Wien_1020
Lola Lindenbaum (alle weiteren) _ IM KONKRETEN FREIEN FALL _
160×120 Öl, Acryl, Ölkreide auf Leinwand_6/2022

IM KONKRETEN FREIEN FALL

VOM YUPPIE

ZUM PUPPIE

TRÖSTET DANDY

MIT HEISSEM

BAKER MILLER

EIS

„Room with a view“
160×120, Öl, Acryl, Ölkreide, Asche, Spray auf Leinwand_2022

Liebe Lola, herzlichen Dank für die Einladung in Dein beeindruckendes neues Atelier „Kunstraum Tabaktrafik“ im Herzen Wiens!

Wann hast Du Dein Atelier bezogen und welche Pläne hast Du jetzt hier?

Ich habe den Raum zu Beginn des Sommers übernommen, also taufrisch. Aufgrund sommerbedingter Reisetätigkeit habe ich das Atelier bisweilen nur rudimentär genutzt, aber im September findet die offizielle Eröffnung mit einem Salongespräch mit Prof. Robert Pfaller statt. Dann wird es im Herbst „open evenings“ geben, bei denen man die aktuelle Ausstellung bildender Arbeiten besichtigen kann. Die Ankündigung erfolgt unter http://www.kunstraumtabaktrafik.com .

Fix geplant sind ein Herbst-, Winter-, Frühlings- und Sommersalon sowie auch in weiterer Folge Gemeinschaftsausstellungen.

Import-Export Handel mit Zähren aller Art,
250×120 Öl, Acryl, Spray auf textilisiertem Holzrahmen 2022
Es stand: Ein Vogel wollte Hochzeit machen…Sie sprachen: A murds Lackl, a trum kund,
80×120, Öl, Acryl, Ölkreide, Spray, Collageelemente auf textilisiertem Holzrahmen 12/2021

Hast Du den Lebens- und Kunstraum um Dein Atelier schon etwas kennenlernt?

Da ich seit einigen Monaten in der Nähe wohne, ja. Der 2.Bezirk ist so spannend zu entdecken, er liegt einerseits sehr zentral, andererseits fühle ich mich wie in einer eigenen Stadt in der Stadt – das ist großartig. An vielen Ecken, wie eben dem Czerninviertel, finde ich ein geheimnisvolles, unentdecktes Wien vor. Die Atmosphäre beispielsweise links von der Praterstrasse, also im Rotensternviertel oder Kameliterviertel, empfinde ich ganz anders als rechts v.d.Praterstrasse, im Czerninviertel- und genau diese Unterschiede machen die Gegend so spannend und bereichernd. Sie sehen schon, ich liebe das Grätzel.

Abhängen mit Schuh,
120×180 Öl, Acryl, Ölkreide auf textilisiertem Holzrahmen 4/2022

Abhängen mit Schuh

Nichts vor mit Lichterkette

Macht skeptisch am Teppich

Flugmodus gut gegen Klugscheisser

Fliegenpilz schön fürs Auge

Heugeigen besser als Ruf

Maggi-Halter aus der Mode

Himmel meerblau

Miami Vice geht immer

Wie waren/sind Reaktionen des Lebensumfeldes hier?

Da die Tabaktrafik lange leer stand, erweckt die neue Nutzung großes Interesse, vor allem auch weil ich zu völlig unregelmäßigen Zeiten vor Ort bin. Ich habe dann meist die Eingangstüre offen stehen und die am Gehsteig vorbeiziehenden Leute bleiben stehen und fragen Dinge wie: “Was machen sie denn da?“ oder konkreter “Ich habe eine Freundin, die ist Künstlerin, hat die die Möglichkeit hier auszustellen?“….

Es ist eine Mischung aus skeptischer Neugier und Interesse. Ich beantworte oft mehr Fragen, als mir beim Arbeiten eigentlich lieb ist.

Was schätzt Du jetzt schon besonders hier in der Leopoldsstadt, dem zweiten Wiener Gemeindebezirk?

Ich sage immer:“ Der 2.Bezirk drängt sich einem nicht auf“.

Ich habe, seit ich in Wien lebe, schon in vielen unterschiedlichen Bezirken gelebt und gearbeitet, aber das Gefühl in einer eigenen Welt zu sein, erlebe ich hier- im  Mikrokosmos Leopoldstadt- am intensivsten.

Welche Schwerpunkte hast Du derzeit in Deinen Kunstprojekten?

Ich arbeite ja schon seit längerem mit textilen Strukturen, aktuell fokussiere ich mich diesbezüglich auf Großformate, was technisch besondere Anforderungen mit sich bringt. Das heißt das Bespannen  der großen Holzrahmen ist ein vorbereitender, aber prägnanter Arbeitsschritt für mich- das Bild ist schon im Entstehen, ich stehe praktisch selten vor der berühmt berüchtigtem weißen Leinwand.

Achtung! Lichtung!
160×120, Öl, Acryl, Ölkreide, Spray auf Leinwand_2022
Jenes Alter,
160×120, Öl, Acryl, Ölkreide auf Leinwand_2022

Jenes Alter,
als er das Bouquet des erträumten Lebens aufsog,
liegt weit zurück

und doch kann er an guten Tagen noch erahnen, wie es gerochen haben könnte.

Dufte! Er lächelt milde

Wir haben als Thema für das Fotoshooting in Deinem Atelier die Zeit der 1970er Jahre gewählt. Welche Zugänge gibt es für Dich zu dieser Epoche?

Nun, dass die Tendenz besteht, dass man retrospektiv Epochen oder Lebensgefühle glorifiziert oder Aspekte in der Nachsicht ausspart, ist ein bekanntes Phänomen. Jedoch glaube ich, dass sich viele Menschen in den 1970ern der Glamourösität dieses Zeitgefühls bereits bewusst waren, nicht erst retrospektiv betrachtet.

Was unterscheidet die 70er von den Jahrzehnten davor/danach?

Rein von der Formensprache und Ästhetik symbolisieren die 70er Fülle, Lebensfreude, Glamour und Leichtigkeit.

HIER SOIR,
200×100 Öl, Acryl, Spray auf Leinwand_6/2022
new years eve 8
120×160 Öl,Ölkreide,Acryl a.Leinwand 31.12.2021

Was zeichnete die Mode und die Gegenstände/Accessoires der Lebenswelt damals aus?

Die Mode war natürlich von den Auswirkungen der sexuellen Revolution ab 1968 geprägt- kurz, bunt, lebensfroh. Die bevorzugte geometrische Form war rund, das zeigt sich in Tapetenmustern, Möbeln, Schriftzügen und Karosserieelementen. Das Interieur konnte nicht bunt genug sein, wobei man sich hier meist in Bereich des warmen Farbsegments bewegte- orange, braun, beige, ocker. Die Einrichtung von Colombo-Häusern war der Inbegriff des damaligen Ästhetikbegriffs.

Was schätzt Du besonders an den 70er und fließt dies auch in Deine Kunstprojekte ein?

Meine Arbeiten sind füllig und bunt, alles ist erlaubt. Die Manifestierung von Lebensgefühlen ist ein wesentlicher Motivator für meine Arbeiten, dazu gehören auch Gefühlswelten die ich anachronistisch verorte. Und als Kind der 1970er ist diese Welt zumindest auch unbewusst immer prägend für die eigene Arbeit.

Living room,
120×80 Öl, Acryl, Ölkreide auf textilisiertem Holzrahmen 2022
Vertreten,
160×120 Öl,Ölkreide, Acryl a.Leinwand, 2022,

Vertreten

Das gesellschaftliche Ich tanzt mit dem eigentlichen tritt auf den Anspruch des Standpunkts mit Füßen vertreten werden darf.

 Gibt es einen Film der Zeit, den Du hervorheben möchtest?

Ich habe unlängst „Der Eissturm“ wiedergesehen, ein Film des taiwanesischen Regisseurs Ang Lee, der zwar 1997 herausgekommen ist, jedoch im Jahr 1973 spielt und sich-dramatisch- mit den Eigenheiten der amerikanischen  Gesellschaft in den 70ern auseinandersetzt. Hier geht es – eingebettet in  vordergründige Glamourösität –  um  die innerpsychologischen Tücken und gesellschaftlichen Dramen der Zeit des Vietnamkriegs und der Watergate-Affäre.

rosalie verschenkte 3 punkte
80×120 Öl, Acryl, Ölkreide,.Spray a.textilisiertem Holzrahmen, 12/2012

Rosalie verschenkte drei Punkte.

Diese werden nun in der warmen, emsigen Stube geraucht.

Tüchtig, sehr tüchtig.

Du hast in Modestil und Accessoires eine perfekte Zeitreise in die 70er erschaffen! Welche Schwerpunkte hast Du dabei ausgewählt?

Psychodelische oder florale Muster in feinem Strick – und ein weißer Filzhut. Große Ohrringe, Ringe und Ketten in Bronze oder Gold.

Was können wir aus den 70er in Leben und Kunst in das Heute mitnehmen?

Es schleicht sich heute wieder eine vermehrte Prüderie ein, da kann die Offenheit als Maxime der 70er sicher als Impulsgeber dienen.

 Was wünscht Du Dir für den Kunst- und Lebensraum in „Deinem“ Bezirk hier?

Die Unverwechselbarkeit und das Anachronistische möge länger erhalten bleiben, als in anderen Innenstadtbezirken – die mögliche Zeitreise möge lange währen.

Herzlichen Dank, liebe Lola, viel Freude und Erfolg weiterhin!

Lola Lindenbaum, Künstlerin _ Atelier _ Kunstraum Tabaktrafik _ Wien_1020

Atelierbesuch_

Station bei Lola Lindenbaum, Kunstraumtabaktrafik, 1020 Wien

http://www.kunstraumtabaktrafik.com

Lola Lindenbaum, Künstlerin, Wien

https://www.lolalindenbaum.com/de/

Alle Bilder/Texte: Lola Lindenbaum

Kostüm/Accesoires: Lola Lindenbaum

Interview und alle Fotos_ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig 8_22

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„Give Peace A Chance tippst du in dein Social Media Profil“ Veronika Bauer, Schriftstellerin – Give Peace A Chance – Fels am Wagram/NÖ 23.8.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Szene 1: Junge Frau im Yogatop mit Katze auf der Couch, ihr Handy in der Hand

Give peace a chance tippst du in dein Social Media Profil

I    im warmen Wohnzimmer auf dem Sofa –

 verdammter Krieg, Je suis Charlie, Stand up for Ukraine.

E   Eine Meinung braucht schließlich jeder –  me too.

Szene 2: Präsident in seiner 4. Amtszeit, allein am langen Tisch des prunkvollen Saals der Weltpolitik sitzend

P   Patria und Parolen triefend vor Pathos

E   Ehre, immer geht es um die Ehre. Ehre um jeden Preis.

Atomwaffen zur Not, wo Panzer nichts mehr ausrichten. Der

C Choleriker am Hebel verbirgt mühsam das altersschwache Zittern seiner Hand.

Es hat sich nichts geändert seit dem Mittelalter.

A Aber die Welt dreht sich noch. Dreht sich weiter. Weiter.

Szene 3: Eine Gruppe Menschen hat sich in einem Keller verbarrikadiert, Alte und Kinder und eine verstörte Katze, in der Ferne dumpfes Kanonengrollen

Chaos draußen. Stille hier unten.

Habseligkeiten in Plastiktüten. Stumm hocken sie da. Leere Gesichter.

Aus Angst wird Apathie, während dort oben die Stadt zerreißt. Ringsum wird gestorben. Und

nichts entgegenzusetzen.

Leise erklingt der 4. Satz von Beethovens 9. Sinfonie

Chor: Freude schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium … alle Menschen werden Brüder …

Schwestern!, tippt die junge Frau auf dem Sofa in ihr Handy.

E Es gibt keine einfache Formel, um den Frieden herbeizuschreiben. Wir müssen ihn leben (auch auf Instagram, aber nicht nur). Jeder von uns. Täglich. Immer wieder. Auch dann, wenn keiner zuschaut. Auch dann, wenn es schwerfällt. Vor allem dann.


Veronika Bauer, 17.8.2022

Veronika Bauer, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Veronika Bauer, Schriftstellerin

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 17.8.2022.

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„Innere Dialoge an den Rändern 2016-2021. Peter Handke. Jung und Jung Verlag

„Von Zeit zu Zeit – zu allen heiligen und unheiligen Zeiten – aufs Ganze gehen!…“,

schreibt Peter Handke zu Beginn dieses weiteren einzigartigen Bandes seiner Aufzeichnungen, die gleichsam eine ganz neue Form des Erzählens setzen. Es ist ein Aufbrechen traditioneller Formen der Literatur hin zu einer Art dialogischem Fragment im Sinne eines Selbst- wie Zeit- und Sinndialoges. Handke nimmt dabei Traditionen sokratischen Dialoges auf und lässt diese gleichsam über Jahrhunderte folgender Geistesgeschichte in der Gegenwart ankommen und hier „aufs Ganze“ im Sinne von Leben und Erkenntnis zu gehen. Aufs existentielle Ganze von Sprache, Sinn und Zukunft.

Die Gedanken, Themen sind dabei ein ruhiger wie reißender Fluss und umfassen dabei Existenzfragen, Gedanken zu literarischen Projekten, persönliche Erinnerungen wie umfassende Referenzen zu Sprache und Sinn in der Geistesgeschichte der Menschheit. Und dies in einzigartiger Reflexion, Empathie und Selbstironie.

Es ist eine Reise, zu der Peter Handke in all seinen Büchern einlädt. Eine Reise der Sprache in das Herz des Lebens und der Welt. Mit und aus der unendlichen Zärtlichkeit und des Mutes von Wörtern zu aller Zeit. Und des so großen, immer wieder neu zu erfahrenen, erlernenden Horizontes von Sprache im Anblick des Menschen, der Welt im Spiegelbild.

„Und der dort auf der anderen Straßenseite, wer ist das?“ „Ja, wer?“

„Innere Dialoge an den Rändern 2016-2021. Peter Handke. Jung und Jung Verlag

Walter Pobaschnig 7_22

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„Man verleugnet seine hochgesteckten Ideale mit jedem kleinen Egoismus“ Salih Jamal, Schriftsteller _ Düsseldorf 23.8.2022

Lieber Salih wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Schriftstellerzeugs. (ganzes Programm)

Salih Jamal, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Es ist schwer, das alles zu ertragen und mit anzusehen, wie wir uns in Kriegen und Massakern gegenseitig abschlachten, unterdrücken, foltern und versklaven, vergewaltigen und die Natur in Asche legen. Täglich sehen wir Betrug, Bestechung, Korruption, Gift, Diebstahl und Rebellion. Terror und Kannibalismus. Es ist grausam, das alles zu begreifen, und man verleugnet seine hochgesteckten Ideale mit jedem kleinen Egoismus. Wie kann man sich nicht wünschen, dass all das aufhört?

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich glaube es war Max Frisch, der mal gesagt hat, dass alle Antworten in den Museen der Welt in Öl hängen, und die Fragen auf einer Postkarte Platz gefunden hätten. Wir sollten uns fragen was wirklich wichtig ist, denn die Antworten haben wir ja schon in uns drin. Wir sollten so gut es geht danach handeln. Und wer die Antwort in sich noch sucht, der lese ein Buch oder soll sich Kunst anschauen. Die Axt und das gefrorene Meer ist ein bisschen drüber. Ich finde ein Buch sollte ein Keil sein, der den Nebel in uns spaltet.

Was liest Du derzeit?

Ich lese parallel. Aktuell über das Drehbuchschreiben. Masterpiece von Elisabeth George (klug), Arbeit und Struktur von Herrndorf (muss man auch ab können), Alle Galgenlieder von Christian Morgenstern (wieso können die Rehlein ihre Zehlein falten???), Falscher Garten von Ute Cohen (brilliant), König Alkohol von Jack London (zeitlos) Henry, June und ich von Nin (weil es wahr ist)

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Du sprichst mit Gott?“ Ich war überrascht.

„Ja, wieso nicht?“

„Also, so richtig. So wie wir zwei jetzt gerade?“

„Ja.“

„Und? Was antwortet er?“

„Er sagt nicht viel. Meist höre ich wie er tief und langsam ausatmet und seufzt.“

„Das ist kein Gespräch.“

„Doch. Er meint: Es ist ok. Es ist ok.“

Vielen Dank für das Interview lieber Salih, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Salih Jamal, Schriftsteller

https://salihjamal.com/

Foto_privat

18.7.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„All das Gute und Wertvolle von Menschen annehmen“ Josef Golderer, Schriftsteller _ Köln 22.8.2022

Lieber Josef, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

An Werktagen recht diszipliniert. Aufstehen zwischen 6.00h und 7.00h. Arbeiten im homeoffice für meinen Brotjob.  Daneben und danach, mitunter davor abarbeiten, was sonst so ansteht. Eine Lektion Italienisch lernen, Gitarre üben, Schreiben. Lesen, Kommunikation mit lieben und wichtigen Menschen auf allen Kanälen.

Josef Golderer, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Durchhalten. Nicht die Nerven verlieren. Besonnen bleiben. All das Gute und Wertvolle von Menschen anzunehmen,  was immer möglich ist, mitunter auf phantasievolle Art und Weise in diesen fürwahr „kontaktgestörten“ Zeiten.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Im Durcheinander unserer Krisenzeiten, die anscheinend kein Ende nimmt (von der Finanz- über die Flüchtlings- über die Erstarkung-der-Rechten –  über die Klimakrise bis gegenwärtig zur Pandemiekrise) schauen, was wichtig ist. Was wirklich wichtig ist. Unser Verhalten erneut in Frage zu stellen. Was kann ich beitragen, damit die Küche in der Welt am Kochen bleibt aber kein Feuer fängt. Wieviel Luxus, Urlaub, Fernreisen, Konsum, Arbeit, Termine, brauche ich, die mir gut tut? Die die Welt noch verkraften kann? Ab wo geht es in den Bereich der hedonistischen Zerstreuungen hinein, die ablenkt von dem, wo ich nicht hinschauen mag.
Was sollen wir tun, was dürfen wir hoffen, um zwei der berühmten Kant´schen Fragen hier anzuführen. Kunst und Literatur sind immens wichtig, um tiefgehende Denk- und Anschauungsfelder zu öffnen, Phantasie und Imagination am Leben zu erhalten.


Was liest Du derzeit?

Verschiedenens. Frühstückszeit ist Philosophenzeit. Derzeit Spinozas tractatus theologico-politicus.  Abends derzeit noch Michael Maar: Die Schlange im Wolfspelz.
Zwischendurch in Susan Sontag: Standpunkt beziehen. Fünf Essays.
Lyrisches querbeet immer wieder von Sappho bis zur Moderne.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Es gibt eine Menge kluger und wichtiger und wohl auch der Zeit angemessener Zitate aus schönen Texten. Ich möchte hier allerdings gern einen Spruch aus der Serie Star Trek: Picard hinterlassen (ich bin übrigens kein „Trekkie“), gesprochen von der weiblichen Figur Raffi:

„Immer ein Ding der Unmöglichkeit nach dem anderen!“

Vielen Dank für das Interview lieber Josef, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Josef Golderer, Schriftsteller

Foto_privat.

28.11.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com



„Flammenzeichen. Stalingrad, der Kampf der Weißen Rose und eine zerrissene Liebe“ Hauke Friederichs. dtv Verlag

Widerstand, Mut und Gemeinschaft zeichnet die jungen deutschen Studenten aus, die sich zur Widerstandsbewegung der „Weißen Rose“ gegen Krieg und Nationalsozialismus im II.Weltkrieg zusammenschließen und denen sich auch Sophie Scholl, die Schwester des Mitbegründers Hans Scholl, anschloss.

Das Morden des Krieges veranlasst die „Weiße Rose“ in Briefen und Flugblättern ab 1942 zur Beendigung desselben und zum Sturz des Regimes aufzurufen. Und dabei riskieren sie alles…

Doch es ist auch in allem Schrecken eine Zeit des Lebens und damit eine unwiederbringliche Zeit der Liebe, die in diesen Dunkelheiten um das Licht der Hoffnung und eine gemeinsame Zukunft ringt…in allen „Flammenzechen“…

Der renommierte Journalist und Autor, Hauke Friederichs, legt mit „Flammenzeichen“ einen besonderen Beitrag zur Geschichte der „Weißen Rose“ vor und stellt dabei die freundschaftlichen Beziehungen der Gruppe wie die Liebesbeziehung von Sophie Scholl zu Fritz Hartnagel in den Mittelpunkt.

Der Autor öffnet die so dramatische Geschichte der jungen Studenten:innen im Kontext der kriegerischen wie gesellschaftlichen Entwicklungen der Zeit und beschreibt Kriegs- wie Gesellschaftsgeschehen umfassend.

„Ein Buch als erschütternde Zeitreise wie ganz wichtiges Dokument für Mut und Widerstand im schonungslosen Einsatz für Demokratie und Freiheit“

Flammenzeichen. Stalingrad, der Kampf der Weißen Rose und eine zerrissene Liebe“ Hauke Friederichs. dtv Verlag

Walter Pobaschnig 8_22

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