„Salonfähig“ Elias Hirschl. Roman. Zsolnay Verlag.

Jetzt ist es zu Ende. Alles liegt jetzt auf dem Tisch. Herz, Milz, Leber, Hoden. Alles was drin ist, drin war. Ärzte öffnen den Körper und legen alles in silbernen Metallschalen ab. Das sieht spannend aus, denkt er sich und sieht sich alles an. Dann steht er auf und geht…

Es war ein Traum.

Und der wird gleich notiert. Denn das sagt Julius und auch die Rhetoriktrainern. Dann wird es so gemacht. So wie es Julius macht.

Wie Julius sein. Reden und beobachten wie. Das ist alles. Täglich. Der Spiegel ist ein gutes Mittel dazu. Und etwas für Julius tun dürfen. Etwa die Blumen gießen. Zelebrieren.

Und es geht weiter und weiter. Bis alles am Tisch liegt. Ausgeweidet. Das Innere und Äußere…bis es endet….

Der Wiener Schriftsteller und Musiker, Elias Hirschl, legt mit „Salonfähig“ einen fulminanten Roman vor, der in mitreißendem Sprach- und Erzählstil moderne Typologien von Identität als inhaltsleeres gesellschaftliches Erfolgsmodell bloßstellt und gleichsam zerfetzt. Wirkung als Authentizität, Skrupellosigkeit als Lebenskonzept, Sinnentleerung und Gefühlsabstumpfung als Erfolgskriterium werden im genialen literarischen Kunstgriff entlarvt.

Exemplarisch wird die Wertfreiheit gesellschaftlicher „Aufsteigerbiographien“ seit den 1980er Jahren beschreiben, die vorwiegend von jungen, erfolgreichen Menschen geprägt war, die sich in Managementpositionen wie in politischen Schlüsselpositionen etablierten. Erfolg als Inhalt und Ziel. Die Kunst des Scheins und die Kunst dies zu leben, lieben, zelebrieren zu wollen, finden im Roman ein einmaliges sprachliches Grab- wie Denkmal.

„Ein geniales literarisches Requiem einer politischen Gesellschaftsepoche“

Walter Pobaschnig 1_22

https://literaturoutdoors.com

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