„Dass wir das scheinbar Normale und Alltägliche wieder mehr wertschätzen“ Tobias Sommer, Schriftsteller _ Bad Segeberg 26.1.2022

Lieber Tobias, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Als Autor ist man ja ständig im Homeoffice. Schon vor der Pandemie war das Schreiben eine Tätigkeit, die ich eher alleine für mich in meinem heimischen Büro gemacht habe. Mit der Coronazeit ist auch mein Brotberuf (der nichts wirklich Literarisches fordert) in die eigenen vier Wände gerückt. So vermischen sich diese beiden Tätigkeiten und ich versuche, einen Tagesablauf zu finden, der diese trennt. Und vielleicht ist aus diesem Grund mein Tagesablauf mit Familie, Brotberuf, Haushalt und Schreiben nun etwas strukturierter.  

Tobias Sommer, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Immer wieder hört man den Wunsch nach „Mehr Normalität“. Vielleicht ist das ein kleiner positiver Aspekt in dieser Zeit. Dass wir das scheinbar Normale und Alltägliche wieder mehr wertschätzen.

Bei dem riesigen Überangebot an Möglichkeiten wusste man häufig das Einzelne nicht mehr zu schätzen. Heute ist eine Lesung, ein Kinoabend oder der Museumsbesuch etwas Besonderes, auf das man sich freut, das man bewusst wahrnimmt und genießt. Es wäre schön, wenn wir uns dieses Gefühl bewahren, daran zurückdenken, wenn die Terminkalender und Eventhallen wieder voll sind.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Möglichweise genau die oben beschriebene Wertschätzung.

Ich glaube, besonders die Literatur/Kunst, die erst in 10-20 Jahren entsteht und die sich dann ausgiebig mit dieser Pandemie beschäftigt, wird wirklich interessant, denn sie wird zeigen, ob und was wir aus dieser Zeit gelernt und mitgenommen haben.

Was liest Du derzeit?

Ich lese immer mehrere Bücher gleichzeitig. Es gibt einen Stapel mit Büchern, die ich als Autor lese, weil ich sie für neue Projekte brauche. Und es gibt natürlich einen Stapel (eher Berg) mit Büchern, die ich als Leser lese.

Als Autor lese ich gerade Kafkas „Amerika“ und als Leser „Ruthchen schläft“ von Kerstin Campell. 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Schwierig. Vielleicht ein Zitat von einem meiner Lieblingsautoren, von Hans Erich Nossack:

„Was sich nicht träumen lässt, hat keine Wirklichkeit.“

Vielen Dank für das Interview lieber Tobias, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Tobias Sommer, Schriftsteller

Foto_Juliane Hesse.

3.11.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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