„Dass die Menschen besser lernen, im Dialog zu sein“ Sandra von Siebenthal, Schriftstellerin _ Romanshorn, CH 31.1.2022

Liebe Sandra, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe zwischen 5 und halb 6 auf, schreibe mir bei einer Tasse Ingwertee ein paar Seiten von der Seele, danach gehe ich auf die Yogamatte. Ich habe früher als Yogalehrerin gearbeitet, heute mache ich nur noch für mich Yoga – jeden Morgen die gleichen Übungen, was mir einen guten Blick auf meine Tagesform gibt. Die Auseinandersetzung mit mir selber ist mir wichtig, da ich denke, dass sie bei einem bewussteren Umgang mit den Herausforderungen des Tages hilft. Danach gibt es Kaffee, dazu lese ich oder schreibe das eine oder andere, gehe meine Mails durch. Später der zweite Kaffee, Hundespaziergang, einkaufen, wenn nötig, und zurück an den Schreibtisch bis am Mittag. Nach dem Hundespaziergang folgt ein kleiner Imbiss, danach wieder lesen und schreiben, oft auch Recherche für Projekte. Das Abendessen ist mir die liebste Mahlzeit, weswegen ich mir bei der Zubereitung auch gerne Zeit nehme und oft neue Rezepte ausprobiere. Häufig finden die auch mit lieben Gästen statt, wonach der Abend dann mit Gesprächen verläuft. Alleine gehe ich nach dem Nachtessen gerne nochmals an den Schreibtisch zurück.

Ich mag diesen geregelten Tagesablauf, der ganz meinem Naturell entspricht. Dadurch, dass ich in meinem Leben fast nie mit von außen gegebenen Strukturen gearbeitet habe, fand ich in einer selbstgewählten Tagesstruktur auch einen gewissen Halt, der für einen so freischwebenden Geist wie mich hilfreich ist.

Sandra von Siebenthal,Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Was für andere Menschen persönlich wichtig ist, kann ich nicht beurteilen, jeder geht mit Situationen anders um. Für uns als Gesellschaft würde ich mir wünschen, dass die Menschen besser lernen, im Dialog zu sein, aufeinander zu achten, anderen Meinungen und dahinterstehenden Ängsten und Sorgen offen gegenüberzutreten. In einer Demokratie bleibt es nicht aus, dass es nicht immer der eigenen Meinung entsprechend geht – das bedingt auch, dass man die Mehrheitsmeinung mitträgt.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Die Rolle von Kunst und Literatur ist schwer konkret zu definieren. Ich denke, die beiden waren immer Spiegel der Gesellschaft, waren aber auch gut, Freude, Trost und Weltenfluchten zu bieten. Es gibt viele Berichte von Menschen, die in schwierigen, gar lebensbedrohlichen Situationen waren, und da in der Literatur Halt fanden. Ich möchte die Kunst nicht in die Pflicht nehmen, dies zu erfüllen, ich finde es aber wichtig, dass im Hinblick auf die Kunst im Auge zu halten, so dass ihr die Wichtigkeit, die sie hat in unserer Gesellschaft, ich möchte fast sagen, in unserem Menschsein, zugestanden wird. Es wäre schön, wenn Fragen wie „Wozu Kunst?“ nicht mehr gestellt würden.

Was liest Du derzeit?

Ich lebe meistens mehrere Bücher parallel, manche aus reiner Neigung, andere für Projekte oder für Rezensionen (die Einteilung sagt aber nichts über die Freude am Lesen aus). Im Moment lese ich Norbert Gstreins „Der zweite Jakob“, „Thomas Mann, der Amerikaner“ und Thomas Manns „Felix Krull“. Daneben immer auch Gedichte.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Du musst das Leben nicht verstehen, dann wird es werden wie ein Fest.“

Sandra von Siebenthal,Schriftstellerin

Vielen Dank für das Interview liebe Sandra, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Sandra von Siebenthal, Schriftstellerin

https://sandravonsiebenthal.com/ich/

Fotos_privat.

18.10.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

Ein Gedanke zu „„Dass die Menschen besser lernen, im Dialog zu sein“ Sandra von Siebenthal, Schriftstellerin _ Romanshorn, CH 31.1.2022

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