„Es muss ein echter politischer Diskurs stattfinden“ Daniela Dett, Schauspielerin _ Linz 28.1.2022

Liebe Daniela, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich bin in der privilegierten Situation durch die Anstellung am Musiktheater Linz auch einen geregelten beruflichen Alltag zu haben. Ein Tag, wenn es nicht gerade ein Sonntag ist, sieht ungefähr so aus: So  gegen 7:30 stehe ich auf und beginne mit Kneipp-Dusche, Kaffee und ein paar Sonnengrüßen den Tag. Von 10 bis 13:45 probe ich das Stück „Titanic“. Nachmittag ist Freizeit, in der ich aber zumeist an anderen Projekten arbeite. Abends ist entweder von 19 bis 22 Uhr erneut Probe oder ich sitze ab 17:30 in der Maske für eine Vorstellung von „Wie im Himmel“ oder „Priscilla“. Um ca. 22 Uhr wird geduscht und abgeschminkt und dann gehts aufgrund der Ausgangsbeschränkung leider sofort ab nach Hause.

Daniela Dett _ Schauspielerin, Sängerin,
Gesangspädagogin, Sprecherin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Dass wir wieder zueinander finden. Die einzige Chance für eine Gesellschaft ist ein respektvolles Miteinander. Bewusstes aufeinander Zugehen anstatt auszugrenzen, einen Dialog mit anders Denkenden führen und das Verbindende, nicht das Trennende suchen. Wir stecken schließlich alle da mit drin und haben die selben oder zumindest ähnliche Ängste, Zweifel und Fragen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Musik, der Kunst an sich zu? 

Ein kleiner Virus schafft es, eine vermeintlich hochentwickelte Zivilisation lahmzulegen und Gräben durch die Gesellschaft zu treiben. Unser Lebensstil hat uns in vielen Bereichen in eine Sackgasse geführt und wird uns weiter gegen die Wand drücken, wenn wir nicht grundlegend umdenken. Kleine Adaptionen/Anpassungen und halbherziges Handeln zur Gewissensberuhigung reichen nicht mehr aus, es muß ein echter politischer Diskurs über Lösungen für das Gesamtwohl der Bevölkerung und die Erhaltung unseres Lebensraumes stattfinden, nicht dieses verantwortungsscheue, inhaltslose und bloß auf Wahlergebnisse abzielende Geschwafel der handelnden PolitikerInnen. Jeder und jede Einzelne hat die Wahl, das eigene Denken und Tun zu hinterfragen und neue Wege zu gehen.

An erster Stelle stehen klarerweise die offensichtlichen (und immens wichtigen) Themen wie Umweltschutz und Nachhaltigkeit, aber ich denke dass sich daneben auch aus Überlegungen zu viel persönlicheren Aspekten eine bessere neue Normalität konstruieren lässt.

Ich persönlich habe meine Prioritäten neu geordnet, Begriffe wie Freiheit, Solidarität, Eigenverantwortung und Selbsthilfe neu definiert und mein Konsumverhalten überlegter und nachhaltiger gestaltet. Ich bin voller Hoffnung, dass mir und den Mitmenschen der Ernst der Lage bewusst ist und jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten künftig Verantwortung übernehmen wird.

Die Rolle der Kunst ist und bleibt eine Entscheidende. Wir brauchen sie zum Leben. Sie kann uns Menschen eine Stütze und Reibungsfläche zur Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit sein, öffnet Horizonte, ist spannend, vielfältig, macht nachdenklich und schenkt Freude. Sie hilft uns dabei, nicht im Alltagstrott zu ersticken und bietet uns die Freiheit, Grenzen zu überschreiten und Neues zu entdecken. Sie schafft Identität und Verbundenheit. Richard von Weizsäcker hat es auf den Punkt gebracht: „Kultur ist kein Luxus, den wir uns leisten oder nach Belieben streichen können, sondern der geistige Boden, der unsere innere Überlebensfähigkeit sichert.“

Was liest Du derzeit?

Derzeit liegen zwei Bücher auf meinem Nachtkästchen: Zum einen „Die Letzte Nacht der Titanic“ von Walter Lord und zum anderen der großartige Roman „Schöne Ungeheuer“ von Wilfried Steiner (offizieller Erscheinungstermin 14. März)

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Du bist deine eigene Grenze, erhebe dich darüber!

Vielen Dank für das Interview, liebe Daniela! Viel Freude und Erfolg für Deine großartigen vielseitigen Schauspiel-, Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Daniela Dett, Schauspielerin, Sängerin, Gesangspädagogin, Sprecherin

Foto_Klaus Huemer

15.1.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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