„Solidarität und Unterstützung für die afghanische Bevölkerung“ Jakob Kraner, Schriftsteller _ Wien 26.8.2021

Lieber Jakob, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Nachmittags bis abends fieberhafte Fertigstellung meines ersten Buches, das im kommenden Frühjahr – fast zehn Jahre nach dem ersten Satz – endlich erscheinen wird. Wenn es warm ist, springe ich danach in die Donau. An manchen Vormittagen darf ich einen Brotjob ausüben und unterrichte Deutsch für Asylwerber:innen. Eine Aufgabe, die ich erst in ihrer coronabedingten Abwesenheit letztes Frühjahr richtig schätzen gelernt habe. Alle wollen ja immer nur von der Kunst leben, aber ich muss sagen, neben dem Schreiben etwas tun zu können, das nichts mit mir selbst zu tun hat, sondern unmittelbar sinnvoll für andere ist, das ist für mich eine Wohltat. Außerdem sehe ich so manchmal das gekräuselte Licht, das ausschließlich vor acht Uhr morgens auf diese Weise durch die alten Fenster an meiner Zimmerwand landet. Das würde ich sonst wohl nicht zu Gesicht bekommen.

Jakob Kraner, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Solidarität und Unterstützung für die afghanische Bevölkerung.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Von Aufbruch und Neubeginn spüre ich weder persönlich noch gesellschaftlich besonders viel. Was die Rolle von Literatur und Kunst betrifft, denke ich, es sollte immer um die Frage gehen, wie man in der eigenen Arbeit einen wirklichen Erkenntnisgewinn erzielen kann. Bloß nicht durchs Wiederholen schon bekannter Parolen einem Anspruch nach gesellschaftlicher Relevanz vordergründig genüge tun. Das ist schlimmstenfalls sogar eine Beruhigungspille. Wenn ich vor fünfzig Leuten, die eh dasselbe denken wie ich, das vortrage, was wir sowieso schon denken, dann klatschen alle und fühlen sich ein bisschen besser. Man hat das Gefühl, man hätte irgendwas getan. Hat man aber nicht.

Was liest Du derzeit?

Guter Freund Marko drückte mir „Austerlitz“ von W.G. Seebald in die Hand. Ich finde den Satzbau wunderbar ausschweifend, nerdig und elegant. Diese Schilderungen des Ausgesetzt-Seins und diese Art zu beobachten, rühren auf fast erschütternde Weise an Dingen, die ich selbst immer schon gern in Worte gefasst hätte.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ich denke da gerade an diesen Guardian-Artikel von Jordan Stephens, Teil des Hip-Hop Duos Rizzle Kicks, über den ich mal gestolpert bin. Als Mann hat mich das ziemlich getroffen und auf eine Spur gebracht, die mir relevant scheint und der ich in meinem nächsten Schreibvorhaben nachgehen will.

„I believe that the false power gifted to me as a man in our society didn’t allow me the space to understand, cry, and work through the pain of my past and duality of my present. This idea that male vulnerability is undesirable – it covers up the pain of so many troubled boys who wanted more hugs from their mum or have missed the company of their dad, or were victims of abuse or loneliness or just generally felt as though they had no time, space, company or even the words to describe how they felt.“

Vielen Dank für das Interview lieber Jakob, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Jakob Kraner, Schriftsteller

https://soundcloud.com/smashedtopieces

http://www.vieiderkraner.com

VIEIDER/KRANER sind Jakob Kraner und Matthias Vieider. Seit 2010 entwickeln sie zusammen  Literaturperformances. Sie arbeiten mit Text, Musik, Film und Körper, Idyllen und Abgründen.

Bisherige Auftritte für: Viertelfestival Niederösterreich, Progress Festival Pürbach, Next Comic Festival Linz, Literaturhaus Wien, Philosophy Unbound Wien/Berlin, Donaufestival Krems, Artwalk Groß-Siegharts, Gehsteigfestival Wien, BuchimBeisl Wien, Vorbrenner Festival Innsbruck u.a.

Foto_privat

25.8.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Theater und Kunst bilden Herz und Hirn“ Angie Mautz, Regisseurin_Klagenfurt 25.8.2021

Liebe Angie, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Momentan befinde ich mich kurz vor einer Premiere https://klagenfurterensemble.at/produktion/persona/ und damit in einer Theaterblase. Ich wache auf, denke ans Stück, fahre zur Probe, spreche über das Stück mit Kollegen und Kolleginnen, probe weiter, fahre heim und denke dabei ans Stück und träume nachts vom Stück. Dazwischen gibt’s viel Kaffee und einen Anruf mit meinem Kind, das bis zur Premiere zu den Omas gezogen ist. Der Rest der Familie, Partner und mein Freundeskreis, müssen verständnisvoll warten bis der Spuk vorbei ist. Aber die kennen das schon...

Angie Mautz, Regisseurin, Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich würde sagen, sich persönlich diese Selbstgerechtigkeit und Ignoranz zu verbieten, die in den letzten Jahren zur Normalität erhoben wurden, wäre ein sehr wichtiger erster Punkt.

Für mich als Privatperson denke ich, dass Musik, Gelassenheit, Toleranz und ein Sahnehäubchen {Selbst} Ironie, niemanden schaden und zur Bewältigung von Ausnahmesituationen durchaus förderlich sind.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ein Aufbruch ist an sich ja was Gutes. Geht aber nicht  ohne, dass etwas zurückbleiben wird. Die Frage ist, wie bricht man auf, ohne zu viel Müll zu hinterlassen.

Theater und Kunst bilden Herz und Hirn. Regen die  Phantasie an, lösen Ideen aus. Sie waren immer schon ein gefürchtetes Sprachrohr der kritischen Fragensteller. Darum werden sie  auch heute und immerfort eine große Rolle spielen, wenn es um gesellschaftliche Themen geht.

Was liest Du derzeit?

Laterna Magica, die Biografie von Ingmar Bergman über Ingmar Bergman.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Keinen. Außer vielleicht : Rock’n Roll never dies.

Vielen Dank für das Interview liebe Angie, toi, toi, toi für die Premiere und weiterhin viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theaterprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Angie Mautz, Regisseurin, Schauspielerin

Foto_privat.

23.8.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Wir sollten durch Mauern gehen“ Sophie Resch, Schauspielerin_ Romanjubiläum Malina _ Wien 24.8.2021

Sophie Resch, Schauspielerin _
Romanschauplatz Malina _ Wien

Ich lebe jetzt schon sehr lange in Wien. Wenn ich Orten der Stadt wiederbegegne, fasziniert mich die Reichhaltigkeit von persönlicher Bedeutung, Erinnerung und das vielfältige Leben der Stadt an sich.

Es ist ein Gedankenspiel von mir, wenn ich in der Straßenbahn, Bus oder mit dem Fahrrad einen Ort passiere, dass ich mich bewusst erinnere, was dort schon alles passiert ist. Da fallen einem unterschiedliche Dinge ein, die auch prägnant für Lebensphasen sind.

Die Geschichte, die an einem Ort geschrieben wird, hallt persönlich nach. Es gibt da einen Resonanzraum von persönlicher Geschichte und Geschichte der Stadt. Das schafft Atmosphäre und das ist sehr spannend. Deswegen spiele ich das Erinnerungsspiel immer wieder (lacht).

Ich hatte hier im 3.Bezirk eine Sprachfortbildung für meinen Beruf gemacht und eine ältere Dame war meine Lehrerin. Da waren sehr viel Schönheit, Weisheit und Stil in Mensch und auch Wohnung. Ich verbinde dies mit diesem Bezirk hier (lacht).

Ich habe mir in meinem Beruf viel selbst erarbeitet, mit großer Konsequenz und auch Flexibilität. Ich bin es daher gewohnt neue Orte wie Menschen kennenzulernen und anzunehmen und auch mich einzulassen, ungefiltert und sehr schnell. Aber dies ebenso wieder nach der Projektarbeit zu verlassen. Daran habe ich mich gewöhnt. Ich habe gelernt, Orte auch wieder gehen zu lassen. Natürlich ist da Sentimentalität dabei, aber es ist ok so. Es ist auch der Lebensstil einer Schauspielerin wie ich es lebe.

Bisher habe ich beruflich noch nicht zu Ingeborg Bachmann gearbeitet. Außer jetzt bei diesem Foto-, Interviewtermin (lacht). Ingeborg Bachmann ist mir aber natürlich ein Begriff als starke, selbstbewusste Persönlichkeit, die auch den Feminismus sehr stark geprägt hat. Ich verbinde auch Leidenschaft und Zerrissenheit mit ihr.

Ingeborg Bachmann war sehr authentisch in allen Widersprüchen, die es natürlich auch im Frausein gibt. Widersprüchlichkeit kommt für mich der Wahrheit am nächsten.

Selbstdarstellung und Inszenierung waren auch für Ingeborg Bachmann ein großes Thema. Ich denke, sie hat da Mechanismen und Prozesse früh durchschaut und auch mit diesen gearbeitet. Die Darstellung des künstlerischen Ichs und das Ich  „an sich“ ist ja auch ein Teil des künstlerischen Berufes. Damals wie heute. Etwa m Kontext der sozialen Medien, stellt man sich oft der Frage nach dem Ich – Wer bin ich?? Bin ich die am strahlenden Profilbild oder die still Zuhause Sitzende.

Der Roman stellt diese Frage schonungslos, radikal. Der Hintergrund gesellschaftlicher Selbstdarstellung im Spiegelbild spielte auch damals schon eine Rolle.

Ich persönlich schätze Zwischenmomente sehr. Das Gehen über Stufen, Öffnen einer Tür, bis es zum Ziel des Weges kommt. Da filtert sich für mich viel von innerer Persönlichkeit heraus, in diesen scheinbar unwichtigen Momenten.

Ingeborg Bachmann hat die Zwischenräume des Lebens, der Liebe, der Sprache gesehen und aufgenommen. Das ist fundamental. Gleichsam das Leben in der Kunst zu packen, wenn es still, laut, wahrhaftig neben dir ist.

Jeder Mensch hat Momente der Authentizität. Ich glaube es hat mit dem Mut Da-Zu-Sein zu tun.

Als Schauspielerin muss man an den eigenen emotionalen Blockaden arbeiten und sich davon möglichst befreien, um andere annehmen zu können.

Als Frau und Mutter gibt es nach wie vor von allen Seiten Kritik was den Berufswiedereinstieg betrifft – zu früh oder zu spät. Es ist ein Kampf nach wie vor.

Rollenvorbilder sind für Mädchen, junge Frauen sehr wichtig. Dies braucht es auf einem herausfordernden Weg.

In meiner Tätigkeit als Logopädin wurde ich auch stark mit dem Thema Tod konfrontiert. Ich bin sehr mit dem Leben verwoben aber der Tod, in Konfrontation und Akzeptanz, ist ein wichtiges Element des Lebens oder Bewusstseins. Der Tod ist ein unglaubliches Thema und schwer zu begreifen.

Menschen trauen sich heute mehr Bedürfnissen, Wünschen nachzugehen und vielfältige, etwa polyamoröse Beziehungen zu leben oder polygam zu sein. Ich kenne Personen, die das ausprobieren und leben für einen Zeitraum. Das ist auch die Freiheit der Generation der 1980/90er Jahre. Die Generation 2000 ist es dann schon wieder konservativer.

Eine Person muss in der Liebe nicht alles erfüllen. Dies ist eine zu schwere Last.

Sich zu sehr an eine Person zu klammern, macht unglücklich. Das ist ja auch im Roman zu sehen.

Es ist wichtig in der Liebe in Entscheidungen nicht starr zu sein und zu bleiben. Ich denke es führt unweigerlich zum Scheitern, wenn man glaubt, ein festes Konstrukt fortzuführen zu wollen.

Zeit ist Geschenk und Chance für Vielfalt. In Leben, Liebe, Kunst, in allem.

Meine Utopie ist jene einer lebenswerten Welt, Natur. Ich habe eine starke Verbindung dazu und man stirbt viele Tode im Zusehen was der Kapitalismus da anrichtet.

Ich glaube, es gibt andere Arten zu leben in Verbindung von Natur und menschengemachter Welt, Mann und Frau als Ausbeutung und Überlegenheit.

Vielleicht müssen wir wie im Roman durch Mauern gehen für ein anderes Leben. Wir sollten es tun.

Sophie Resch, Schauspielerin _
Romanschauplatz Malina _ Wien

50 Jahre Malina _ Roman _ Ingeborg Bachmann _ im Gespräch und szenischem Fotoporträt:

Sophie Resch_Schauspielerin_Wien 

https://www.sophieresch.com/

Station bei Ingeborg Bachmann_Romanschauplatz_Malina.

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien_9_2020.

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„Kunst braucht zwingend das Publikum“ Johannes Häfner, Bildender Künstler_Nürnberg 24.8.2021

Lieber Johannes, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Eigentlich genauso wie vor der „Corona-Zeit“ 7.30 Uhr aufstehen und bis 22 Uhr arbeiten, anschließend Lesen, um 1 Uhr letzter Kaffee + Zigarette.
Was uns allen fehlt sind Besuche von Kulturinstitutionen und Beteiligungen an Ausstellungen und Messen und der kollegiale Austausch. Ein Musiker wird nicht besser, wenn er nur im Übungsraum spielt, er braucht zwingend das Publikum. Und das gilt auch für Literaten und Bildende Künstler.

Johannes Häfner, Bildender Künstler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Eigentlich könnte die Frage mit einem Wort beantwortet werden: Solidarität.
Aber es wird wohl eher in den entgegengesetzte Richtung gehen, so wie schon 1987 Margret Thatcher, ganz der neoliberalen Stoßrichtung folgend, verkündete:
»So etwas wie Gesellschaft gibt es nicht«.
Ich wünsche mir, dass wir, auch auf Grund der Erfahrungen aus den letzten Monaten, wieder erlernen, Menschen mit einer anderen Meinung zu respektieren.

Und so wünsche ich mir, dass wir alle wieder etwas entspannter werden und guten Mutes in die Zukunft blicken.


Was liest Du derzeit?

Ich lese mehrere Bücher immer parallel und natürlich auch diverse Online-Angebote. Gerade lese ich von Philippe Ariès „Geschichte des Todes“, von Bernhard Jussen „Die Franken“, von Jens Berger „Schwarzbuch Corona“ und von E.T.A. Hoffmann „Kreisleriana“.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Eine köstliche Passage aus der Kreisleriana von E.T.A. Hoffmann (1776-1822), wo der gebildete Affe Milo seiner Freundin Pipi nach Nordamerika schreibt: 

Milos Lehrer, der Professor der Ästhetik an ihm gewandt:
Was glauben Sie denn, lieber Monsieur Milo? Sprechen, sprechen, sprechen müssen Sie lernen, alles übrige findet sich von selbst. Geläufig, gewandt, geschickt sprechen, das ist das ganze Geheimnis. Sie werden selbst erstaunen, wie Ihnen im Sprechen die Gedanken kommen, wie Ihnen die Weisheit aufgeht, wie die göttliche Suada Sie in alle Tiefen der Wissenschaft und Kunst hineinführt, daß Sie ordentlich in Irrgängen zu wandeln glauben. Oft werden Sie sich selbst nicht verstehen: dann befinden Sie sich aber gerade in der wahren Begeisterung, die das Sprechen hervorbringt. Einige leichte Lektüre kann Ihnen übrigens wohl nützlich sein, und zur Hilfe merken Sie sich einige angenehme Phrasen, die überall vorteilhaft eingestreut werden und gleichsam zum Refrain dienen können (…).“

Der vollständige Text kann auch online nachgelesen werden unter: https://www.projekt-gutenberg.org/etahoff/kreisler/index.html

Alternativ dazu, weil kürzer, ein Zitat aus dem Märchen Meister Floh von E.T.Hoffmann:
Das Denken, meinte Knarrpanti, sei an und vor sich selbst schon eine gefährliche Operation und würde bei gefährlichen Menschen eben desto gefährlicher.
E.T.A. Hoffmann 1822


Anmerkung „Knarrpanti“ ist der Verballhornung des Polizeidirektors von Kamptz.

Johannes Häfner, Bildender Künstler

Vielen Dank für das Interview lieber Johannes, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Johannes Häfner, Bildender Künstler _Grafiker, Maler, Buchkünstler, Kulturreferent der DATEV eG und Organisator der Buchkunstmesse Druck & Buch im Rahmen des Erlanger Poetenfests.

Alle Fotos_privat.

25.7.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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Lea Catrina „Die Schnelligkeit der Dämmerung“. Roman. Arisverlag

Da ist das beginnende Leben. Die Tochter Olivia, der Bruder, Vater und Mutter. Die Familie. Doch dann zerreißt alles. Der Bruder stirbt als sie vier Jahre alt ist. Der Vater verlässt die Familie. Mutter und Tochter versprechen sich immer da zu sein…und alles sitzt jetzt so tief und schwer in der Seele…

Doch es gibt kein Ausruhen mehr in Olivias Leben. Nicht in Liebe und Beruf. Alles ist zerbrechendes Glas…Scherben…

Und so beschließt sie zu fliehen. Gibt auf was bisher da war. Jetzt ist es eine neue Stadt. Lichter und Begegnungen. Und sie stellt sich neuen Räumen und Möglichkeiten…in Hoffnung, Sehnsucht, Tragik…

Die Schweizer Schriftstellerin, Lea Catrina, legt mit ihrem Debütroman ein mitreißendes literarisches Werk vor, welches in Spannung und Dramatik beeindruckt. Es ist die Hochschaubahn eines Lebens in Verlust, Angst und Sehnsucht, die hier in außergewöhnlicher Erzähldynamik und -komposition zu Wort und Leben kommt, dass es einem gleichsam innerlich erzittern lässt. Die Autorin legt gleichsam die „Axt Kafkas“ an das gefrorene Eis einer Menschenseele in Verlust und erdrückender Schwere. Wie Leserin und Leser hier Seite um Seite mithineingenommen werden in Stationen und Leiden eines Lebens, ist große Schreibkunst.

„Ein literarisches Romandebüt, das kraftvoller, mitreißender wie hintergründiger nicht sein könnte.“ 

https://www.leacatrina.com/

Walter Pobaschnig 8_21

https://literaturoutdoors.com

„Unsere Geschichte zu erzählen“ Klaus Siblewski, Schriftsteller _ München 23.8.2021

Lieber Klaus, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Nicht viel anders als an Tagen vor der Pandemie – bis zum späten Nachmittag. Also früh aufstehen, Frühstück zu bereiten, arbeiten, telefonieren, Mails beantworten, das Internet nach Anregendem durchsuchen, arbeiten … Ab dem späten Nachmittag wird es dann etwas eintönig.

Klaus Siblewski, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Das Vorübergehende der Pandemie sich im Bewusstsein zu halten. – Jeder der jemals einen Roman geschrieben hat, kennt pandemieverdächtige Zeiten – mit dem Unterschied, dass er raus gehen könnte, aber nicht rausgeht, weil der Roman ein Tyrann ist und nach Aufmerksamkeit verlangt, zu welcher Tageszeit auch immer.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und
persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Die, die sie seit langem hat: uns unsere Geschichte zu erzählen.

Was liest Du derzeit?

Jetzt, im Augenblick (in Vorbereitung eines Seminars)? Pierre Bourdieu, Die Regeln der Kunst; Die feinen Unterschiede – Diese beiden Bücher liegen aufgeschlagen unterhalb meiner Computer-Tastatur, und ich lese in diesen Büchern zum wiederholten mal.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

die quelle
ich quill ich quill ich quill
ich quill immer es anders sagen
habe immer schon anders es sagen quollen
und quill es auch jetzt
und quill es auch künftig quollen
(ernst jandl)

Vielen Dank für das Interview lieber Klaus, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Klaus Siblewski, Schriftsteller

Klaus Siblewski (Autor, Herausgeber) – Bücher (penguinrandomhouse.de)

Foto_Uschi Ostereier

8.6.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Man war Anwältin der Lesenden bis zum bitteren oder süßen Ende“ Sommerinterview_Hildegard E.Keller_Schriftstellerin _ Zürich 22.8.2021

Hildegard E. Keller, Schriftstellerin, Verlegerin, langjährige Jurorin beim Bachmannpreis und beim Literaturclub SRF, Professorin
Foto: am Schiff, Ossiacher See_Kärnten

Liebe Hildegard, wie geht es Dir? Wie verbringst Du den Sommer?

Prima, danke. Es ist der dritte kreative Sommer am Stück. Vor ein paar Tagen ist mein zweiter Dokumentarfilm fertig geworden ist. Eine meiner Darstellerinnen, fast 103 Jahre alt, erzählte mir, dass sie Covid überlebt habe, weil sie im Bauch der Mutter die Spanische Grippe durchgestanden habe.

Was sind Deine derzeitigen literarischen Projektschwerpunkte?

Mit meinem Team (Lektor, Layouter und ich) arbeite ich an der Biografie von Alfonsina Storni (Link: https://www.editionmaulhelden.com/). Gerade eben sind die letzten zwei Bände der Werkausgabe, die ich übersetzt und auch gestaltet habe, erschienen. Seit Jahren bin ich mit ihr unterwegs, am Anfang stand mein Radiofeature aus dem Jahr 2010.

https://www.srf.ch/play/radio/passage/audio/auf-alles-gefasst-sein-eine-reise-zur-argentinisch-schweizerischen-kuenstlerin-alfonsina-storni?id=106575d0-08d8-44b5-9eaf-68bc66c86318

Die aus dem Tessin stammende Argentinierin ist eine Entdeckung, die ich jedem als Herz lege. Jetzt kann man sie auf Deutsch lesen und ihre eigene Stimme hören – nicht nur das weltberühmte Lied über ihren Freitod.

Gibt es ein Zitat von Alfonsina Storni, das Du uns in diesen Sommertagen mitgeben möchtest?

Ich schätze Porträtkunst, sei es in der Literatur, Malerei oder im Film. Deshalb möchte ich aus Gabriela Mistrals Porträt von Alfonsina Storni (1926) zitieren: «Storni erschafft das Fest ihrer Freundschaft ganz mit Intelligenz. Sie ist heiter, aber ohne diese Fröhlichkeit grellbunter Teppiche, die aufdringlichen Menschen eigen ist. Ihre Heiterkeit ist elegant und immer passend. Sie ist hellwach und achtet auf ihr Gegenüber, mit einer Geistesgegenwart und Intelligenz, die Zuneigung ausdrücken.»

Man hatte Mistral gesagt, die Storni sei hässlich, aber als sie dann zum ersten Mal wirklich vor ihr stand, war sie perplex, weil das Gegenteil der Fall war. Nach dem Besuch schrieb sie ein wunderbares Porträt. Es ist im Band CARDO nachzulesen.

https://www.editionmaulhelden.com/books-more/no-7-cardo#c244

Du warst langjährige Jurorin des Klagenfurter Bachmannpreises. Wann und wie kam es dazu, dass Du Jurorin des Bachmannpreises wurdest und wie lange warst Du in der Jury?

Das war im Dezember 2008. Ich lebte in den USA, war Professorin in Bloomington IN, und war nach Semesterende gerade wieder in Zürich gelandet. Als ich die Koffer abgestellt hatte, klingelte das Telefon. So erhielt ich die Einladung in die Jury. Schon bald kamen die ersten Bewerbungen per Post.

Preisverleihung_Klagenfurt_Tage der deutschsprachigen Literatur _ 2019 _3sat-Preis geht an Yannic Han Biao Federer. Hildegard E.Keller ist Einladende des Schriftstellers und Laudatorin;

Foto: Elisabeth Keller, Yannic Han Biao Federer und Petra Gruber 3sat (von links)

Im Hintergrund_Christian Ankowitsch_langjähriger Moderator_Bachmannpreis
Preisverleihung _ Bachmannpreis _ Klagenfurt _ 2017
Preisverleihung _ Bachmannpreis_Klagenfurt 2015

Wie gestaltete sich der Kontakt mit den teilnehmenden Schriftsteller*innen? Gab es da Austausch?

Ja, und oft auch Auseinandersetzung mit dem Text, Arbeit am Layout, am Auftritt, Outfit und so weiter. Wenn möglich, gab es persönliche Treffen vor den TDDL, sonst auf Skype, was in der Prä-Covid und Prä-Zoom-Ära noch ungewöhnlich war, aber für mich als transatlantische Pendlerin natürlich unverzichtbar.

Bachmannpreis_Klagenfurt _ Lesetisch _2016
Klagenfurt _ Bachmannpreis Jury 2019 _ Klagenfurt_von links – Klaus Kastberger, Nora Gomringer, Hubert Winkels (Vorsitzender), Stefan Gmünder, Insa Wilke (Vorsitzende 2021), Hildegard Elisabeth Keller und Michael Wiederstein

An welche besonderen Momente erinnerst Du Dich in den Bachmannpreisjahren? Was ist Deine schönste Erinnerung?

Die Bedeutung des Herrn Justiziars hat mich immer besonders fasziniert, schon vor Jahren als Fernsehzuschauerin. Er hatte damals immer etwas von einem Sonderbeauftragten in einem Hochamt. In meinen elf Jahren vor Ort hat sich der Abstimmungsmodus massiv verändert, der Justiziar überwachte das Ganze. In meinen ersten Jahren war man noch Anwältin derer, die man eingeladen hatte, bis zum bitteren oder süßen Ende. Später durfte, konnte, musste man das nicht mehr. Zum Schönen gehörten die Begegnungen und Wiedersehen vor dem ORF-Studio, die täglichen Eskapaden auf dem Rad oder am Sonntagnachmittag, wenn alles vorbei war, auf dem Motorboot der Seerettung. So viel PS hat keine Jurydiskussion. Das ist auch gut so. Über Bücher und die Menschen, die sie hervorbringen, darf nicht hinweggebrettert werden.

Klagenfurt Rathaus

Ich erinnere mich, dass Du in Klagenfurt auch gerne mit dem Fahrrad zum See und der Stadt unterwegs warst. Was schätzt Du besonders an Klagenfurt?

Eben, genau das: Literaturszene aus dem deutschsprachigen Europa, Blogger, Verleger:innen, Autor:innen, Groupies, Literatouristen, Presse und andere Medien, alle an einem Fleck, auf einem Floß. Das ist einmalig. Unvergesslich sind auch die Empfänge im Garten von Loretto und der Wahnsinns-Eisladen.

Klagenfurt _ Schloss Loretto _ Bürgermeister Empfang _ Bachmannpreis
Bildmitte_ Hildegard E.Keller und Hubert Winkels, Juror und langjähriger Juryvorsitzender des Bachmannpreises
Schloss Loretto _ Klagenfurt _ Abendstimmung

Wie hast Du in den letzten beiden Jahren den digitalen Bachmannpreis miterlebt?

Ich war dabei und habe mir fast alle Lesungen und Diskussionen angeschaut und gestaunt, wie findig die Crews alle mit allen verkabelt hatten und dass es funktioniert hat. Vermisst habe ich das fantastische Kürbiskernöl-Eis. Souverän hat sich die neue Jury-Vorsitzende in ihrer Rolle bewegt. Was die Autor:innen betrifft: Die Texte von Julia Weber und Lukas Maisel hätten es verdient, ernst genommen zu werden.  

Wörthersee

In den nächsten Jahren kommt es zu den runden Gedenkjahren Ingeborg Bachmanns. Welche Bedeutung hat Ingeborg Bachmann für Dich? Welche Bezüge, Inspirationen gibt es für Dich von ihr?

»Ich muss jetzt. Im Goethe-Haus liest die Bachmann.« Das sagt Hannah Arendt, die Hauptfigur meines Romans Was wir scheinen, zu ihrem Mann, setzt sich ins Taxi und lernt mitten in Manhattan eine Dichterin kennen, mit der sie sehr viel mehr gemein hat, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Für mich ein fantastisches Feld der Inspiration, die in der Realität beider Frauen fußt.

Du lebst in Zürich und bist als Kulturunternehmerin aktiv. Ingeborg Bachmann lebte ja auch kurzzeitig dort. Hast Du Dir etwas einfallen lassen für ihr Gedächtnis in Zürich, in der Schweiz?

Literaturoutdoors, Deine Plattform, wäre auch ein Titel für das, was wir anbieten: thematische Stadttouren. Tatsächlich haben wir eine Zürichtour zu Ingeborg Bachmann entwickelt, unter dem Titel Max und Ingeborg, aber unser Publikumshit ist das Kriminelle Zürich. Vielleicht hat Ingeborg Bachmann einen Gastauftritt im Oktober, bei der Buchtaufe von Was wir scheinen im Dolder Grand. Heribert Prantls Leseempfehlung im SZ-Newsletter sagt auch etwas über diese Matinée: Die Banalität des Bösen und die Eier mit Speck. Dazu gibt es Champagner und Arendt-Überraschungen.

https://shop.e-guma.ch/the-dolder-grand/de/events/matinee-mit-hildegard-keller-im-dolder-grand-3989913

„Ingeborg, wie ich sie in Rom sah“ Fotografien von Heinz Bachmann, Bruder der Klagenfurter Schriftstellerin_Ausstellung Musilmuseum Klagenfurt 2016

Herzlichen Dank für das Gespräch, Gesundheit, viel Freude und Erfolg weiterhin! Schöne Sommertage!

Hildegard E. Keller, Schriftstellerin, Verlegerin, langjährige Jurorin beim Bachmannpreis und beim Literaturclub SRF, Professorin

Fotos_Hildegard E.Keller_Impressionen_Sommer und Jury_Bachmannpreis Klagenfurt, Impressionen Klagenfurt _ 1,2,11,13 Hildegard E.Keller; 3-10 Walter Pobaschnig

Fotografin des Porträts

Ayse Yavas

Infos zu Hildegard E. Keller:

„Was wir scheinen“ Hildegard E. Keller . Roman _ Neuerscheinung 2021

https://www.luebbe.de/eichborn/was-wir-scheinen-roman-hildegard-keller/id_8885976

Hildegard E. Keller: Was wir scheinen. Köln (Eichborn) 2021.

Werkausgabe von Alfonsina Storni

CHICAS. Kleines für die Frau. Herausgegeben, übersetzt und mit einem Nachwort von Hildegard E. Keller. Mit Geleitwort von Georg Kohler. 264 Seiten.  29,80 CHF, 28,— € (D), 28,80 € (A)  ISBN: 978-3-907248-03-4

CUCA. Geschichten. Herausgegeben, übersetzt und mit einem Nachwort von Hildegard E. Keller. Mit Geleitwort von Elke Heidenreich. 264 Seiten. 29,80 CHF, 28,— € (D), 28,80 € (A) ISBN: 978-3-907248-04-1

CARDO. Interviews & Briefe. Herausgegeben, übersetzt und mit einem Nachwort von Hildegard

E. Keller. Mit Geleitwort von Denise Tonella. 304 Seiten. 31,80 CHF, 29,— € (D), 29,80 € (A) ISBN: 978‐3‐907248‐07‐2.

CIMBELINA. Theaterstücke. Herausgegeben, übersetzt und mit einem Nachwort von Hildegard E.

Keller. Mit Geleitwort von Daniele Finzi Pasca. 272 Seiten. 29,80 CHF, 28,— € (D), 28,80 € (A) ISBN: 978‐3‐907248‐08‐9.

http://www.editionmaulhelden.com

Filmproduktion_Hildegard Keller:

https://bloomlightproductions.ch/de/

Tätigkeit als Professorin

https://www.zurichstories.org/

Walter Pobaschnig _Wien 22.8.2021

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„Jeden Tag können wir eine neue Geschichte schreiben“ Lisa Schmid, Schauspielerin _ Wien 22.8.2021

Liebe Lisa, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Sehr unterschiedlich. Zurzeit spiele ich Sommertheater und nehme im Studio mein 1. Wiener Liedermacher Album „Hafen“ auf. Kein Tag ist gleich – und das schätze ich sehr an der künstlerischen Arbeit. Meistens nutze ich schlaflose Nächte, um an Liedern zu schreiben oder neue Kabarettideen zu entwickeln.

Lisa Schmid_Schauspielerin, Kabarettistin, Sängerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich glaube das muss jeder für sich selbst entscheiden. Vielleicht das Weitermachen. „Nicht-Aufgeben“.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich denke, jeder neue Tag ist ein leeres Blatt Papier. Jeden Tag können wir eine neue Geschichte schreiben und den Verlauf der Dinge beeinflussen. Somit ist jeder Tag ein neuerlicher Aufbruch, jeder Tag ein Neubeginn. Für mich ist wesentlich, mich selbst nicht zu verlieren.

Die Kunst begleitet uns alle, gibt uns Denkanstöße, holt uns heraus aus dem Alltag, inspiriert uns – das hat die Kunst schon immer getan: Vor Krisen, während dieser und sie wird dies auch danach weiter tun.

Was liest Du derzeit?

Georg Danzer – Die gnädige Frau und das rote Reptil.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Die Kunst ist ein Schritt vom sichtbaren Bekannten zum verborgenen Unbekannten.“

Khalil Gibran

Lisa Schmid_Schauspielerin, Kabarettistin, Sängerin

Vielen Dank für das Interview liebe Lisa, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspiel-, Kabarett-, Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Lisa Schmid, Sängerin, Kabarettistin, Schauspielerin

https://www.lisaschmid.at/

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Alle Fotos_Walter Pobaschnig _ Cafe Hawelka_ Wien 8_21

19.8.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Dass nur Männer Affären haben, ist ein Klischee“ Miriam Fontaine_ Schauspielerin _ Romanjubiläum Malina_Wien 21.8.2021

Miriam Fontaine_Schauspielerin _
Romanschauplatz Malina _ Wien

Orte sind Stationen des persönlichen Lebens. Die Bedeutung ist dabei sehr individuell.

Wenn ein Ort eine Geschichte erzählt, wenn zu spüren ist, dass hier Menschen einander begegneten, dann ist dieser Ort interessant.

Dieser Romanschauplatz hier hat etwas sehr Geheimnisvolles, Verborgenes. Es gibt sehr viele Details im Blick. Viel Geschichte, jene der Stadt wie jene ihrer Menschen ist zu spüren. Es strahlt aber auch viel Ruhe aus, viel Harmonie.

Wahrscheinlich hat ein Ort mehr Geheimnisse als ein Mensch.

Vor 50 Jahren war es sehr besonders, wenn eine Frau einen künstlerischen Weg gehen konnte. Die gesellschaftlichen Strukturen waren damals ganz andere. Heute gibt es da mehr Freiheiten. Die Kunstszene ist auch eine sehr große heute, es gibt einen Riesenpool mit sehr viel Kreativität, Innovation und Möglichkeiten. Das ist wohl einer der Hauptunterschiede.

Künstlerinnen können heute mehr dem persönlichen Weg, in allen Herausforderungen, folgen.

Der Wunsch Schauspielerin zu werden und das Verlangen sich selbst künstlerisch auszudrücken war bei mir immer schon da. Sehr unterstützend war da meine Mutter, die immer sehr wohlwollend und fördernd war. Wäre diese Unterstützung nicht dagewesen, wäre es wesentlich schwieriger für mich gewesen. Ich wäre aber trotzdem diesen Weg gegangen.

Im Beruf der Schauspielerin muss man sehr stark sein, sehr dahinter sein. Man muss auch viel aufgeben, um dabei zu sein, dabei zu bleiben. Es braucht viel und man muss es wirklich wollen mit jeder Faser (lacht).

Man muss sich im Schauspielberuf voll und ganz dahinterklemmen. Entsprechend fallen andere Bereiche weg oder kommen kürzer. Der Verzicht ist etwa im privaten Kontext, wenn beispielsweise eine Familienfeier aufgrund von Terminen nicht möglich ist.

Es gilt im Schauspielberuf eine Entscheidung dafür zu treffen, mit allen Folgen für andere Lebensbereiche. Es ist kein Beruf mit halber Kraft.

Mein Großonkel war auch Schauspieler. Das hatte aber keinen direkten Einfluss auf meinen persönlichen Weg als Künstlerin.

In der Kunst braucht es Leidenschaft, Passion, Herzblut. Dazu den Willen und Disziplin.

Zwischen Frau und Mann wird es in der Liebe immer Unterschiede und Herausforderungen geben. Das ist im Roman wie im Leben so und wird es wohl bleiben (lacht).

Eine Kombination aus Malina und Ivan wäre vielleicht ideal. Das Intellektuelle und das Fliegende, Leichte. Wenn eine Seite überwiegt, ist es ein Zuviel.

In Affären geht es um das momentane Glück, das vorübergehende Fieber. Das findet nach wie vor so statt. Das ist bei Frau und Mann so.

Dass nur Männer Affären haben, ist ein Klischee. Ich kann mir vorstellen, dass es ziemlich ausgewogen ist bei Mann und Frau.

Frauen sind besser im Geheimnis hüten, im Verborgenen ein Doppelleben zu führen. Männer sind da eher etwas naiv, glaube ich. Nach dem Motto „meine Frau würde das nie machen“.

Man folgt in der Liebe seinem Herzen, seiner Lust, seinen Impulsen. Es ist dies kein Ausweg aus irgendwas sondern ein Weg. Es muss genau so sein.

Das Ende einer Liebe ist keine Frage von Schuld. Liebe ist immer eine Verantwortung des/der Einzelnen.

Sich in der Liebe zu öffnen ist ein Prozess.

Es sind eher Frauen als Männer, die ein Ultimatum in der Liebe stellen. Frauen suchen eher das Gespräch und die Bearbeitung von Themen.

Männer denken sich in Beziehungskrisen tendenziell „es wird schon wieder“ und scheuen die Auseinandersetzung.

Eine Liebe ist für mich immer ganz oder gar nicht. Ganz ist natürlich herausfordernd und vielleicht auch einmal unangenehm, aber erfüllend.

Psychologische Arbeit an sich kann nur gut sein. Auch wenn es dann Hürden und Herausforderungen gibt.

Die Sehnsucht nach eigener Familie kann eine Beziehung belasten, wenn der Wunsch nicht direkt kommuniziert und geklärt ist.

Es gibt heute viele Beziehungsmodelle, traditionell, konservativ bis polyamorös, offen. Da ist vieles im Wandel aber teilweise auch im Rückschritt. 

Das „Verschwinden“ wie im Roman ist immer ein Ausweg aus einer Beziehungskonstellation. Das ist auch 50 Jahre danach so. Natürlich gibt es auch Wege in der Krise wie etwa eine Paartherapie.

Ich trage ein schönes, romantisches Bild von Partnerschaft in mir.  Auf Augenhöhe zu sein, sich miteinander entwickeln. Eine gute Gemeinschaft in Liebe und Leidenschaft. Neugierig und interessiert bleibennicht die Wand als Ende, wie im Roman.

Ingeborg Bachmann war eine Vorreiterin im Aufzeigen des Frauseins, von weiblichen Bedürfnissen.

Liebe Miriam, ich darf ich Dich abschließend zu einem thematischen Wordrap zum Roman bitten –

Wordrap – Malina:

Aufmerksamkeit oder Leidenschaft? Leidenschaft.

Intellektualität oder Phantasie? Phantasie

Reisender oder häuslicher Typ? Reisender

Schachspieler oder Nicht-Schachspieler? Nicht-Schachspieler.

9 oder 6? 9

Miriam Fontaine_Schauspielerin _
Romanschauplatz Malina _ Wien

50 Jahre Malina _ Roman _ Ingeborg Bachmann _ im Gespräch und Fotoporträt:

Miriam Fontaine_Schauspielerin_Wien _

http://www.miriamfontaine.com/miriam_fontaine/welcome.html

Station bei Ingeborg Bachmann_Romanschauplatz Malina_Wien.

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien_6_2020.

https://literaturoutdoors.com

„Künstler sollten gelernt haben zusammenzustehen“ Lena Fankhauser, Bratschistin _ Wien 21.8.2021

Liebe Lena, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Immerhin: endlich passiert wieder etwas; Konzerte finden wieder statt nach Monaten der Stille.

Lena Fankhauser, Bratschistin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Künstler sollten gelernt haben zusammenzustehen.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Kultur wird sich — noch deutlicher — als wesentlich für das Wohlergehen unserer Gesellschaft herausstellen.

Was liest Du derzeit?

Das Buch welches ich zur Zeit lese ist “The Rest is Noise” von Alex Ross.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

“C’est le ton qui fait la Musique.”

Lena Fankhauser, Bratschistin

Vielen Dank für das Interview liebe Lena, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Lena Fankhauser, Bratschistin

Lena Fankhauser | About (lena-fankhauser.com)

Alle Fotos_Julia Wesely

26.7.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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