„Dass nur Männer Affären haben, ist ein Klischee“ Miriam Fontaine_ Schauspielerin _ Romanjubiläum Malina_Wien 21.8.2021

Miriam Fontaine_Schauspielerin _
Romanschauplatz Malina _ Wien

Orte sind Stationen des persönlichen Lebens. Die Bedeutung ist dabei sehr individuell.

Wenn ein Ort eine Geschichte erzählt, wenn zu spüren ist, dass hier Menschen einander begegneten, dann ist dieser Ort interessant.

Dieser Romanschauplatz hier hat etwas sehr Geheimnisvolles, Verborgenes. Es gibt sehr viele Details im Blick. Viel Geschichte, jene der Stadt wie jene ihrer Menschen ist zu spüren. Es strahlt aber auch viel Ruhe aus, viel Harmonie.

Wahrscheinlich hat ein Ort mehr Geheimnisse als ein Mensch.

Vor 50 Jahren war es sehr besonders, wenn eine Frau einen künstlerischen Weg gehen konnte. Die gesellschaftlichen Strukturen waren damals ganz andere. Heute gibt es da mehr Freiheiten. Die Kunstszene ist auch eine sehr große heute, es gibt einen Riesenpool mit sehr viel Kreativität, Innovation und Möglichkeiten. Das ist wohl einer der Hauptunterschiede.

Künstlerinnen können heute mehr dem persönlichen Weg, in allen Herausforderungen, folgen.

Der Wunsch Schauspielerin zu werden und das Verlangen sich selbst künstlerisch auszudrücken war bei mir immer schon da. Sehr unterstützend war da meine Mutter, die immer sehr wohlwollend und fördernd war. Wäre diese Unterstützung nicht dagewesen, wäre es wesentlich schwieriger für mich gewesen. Ich wäre aber trotzdem diesen Weg gegangen.

Im Beruf der Schauspielerin muss man sehr stark sein, sehr dahinter sein. Man muss auch viel aufgeben, um dabei zu sein, dabei zu bleiben. Es braucht viel und man muss es wirklich wollen mit jeder Faser (lacht).

Man muss sich im Schauspielberuf voll und ganz dahinterklemmen. Entsprechend fallen andere Bereiche weg oder kommen kürzer. Der Verzicht ist etwa im privaten Kontext, wenn beispielsweise eine Familienfeier aufgrund von Terminen nicht möglich ist.

Es gilt im Schauspielberuf eine Entscheidung dafür zu treffen, mit allen Folgen für andere Lebensbereiche. Es ist kein Beruf mit halber Kraft.

Mein Großonkel war auch Schauspieler. Das hatte aber keinen direkten Einfluss auf meinen persönlichen Weg als Künstlerin.

In der Kunst braucht es Leidenschaft, Passion, Herzblut. Dazu den Willen und Disziplin.

Zwischen Frau und Mann wird es in der Liebe immer Unterschiede und Herausforderungen geben. Das ist im Roman wie im Leben so und wird es wohl bleiben (lacht).

Eine Kombination aus Malina und Ivan wäre vielleicht ideal. Das Intellektuelle und das Fliegende, Leichte. Wenn eine Seite überwiegt, ist es ein Zuviel.

In Affären geht es um das momentane Glück, das vorübergehende Fieber. Das findet nach wie vor so statt. Das ist bei Frau und Mann so.

Dass nur Männer Affären haben, ist ein Klischee. Ich kann mir vorstellen, dass es ziemlich ausgewogen ist bei Mann und Frau.

Frauen sind besser im Geheimnis hüten, im Verborgenen ein Doppelleben zu führen. Männer sind da eher etwas naiv, glaube ich. Nach dem Motto „meine Frau würde das nie machen“.

Man folgt in der Liebe seinem Herzen, seiner Lust, seinen Impulsen. Es ist dies kein Ausweg aus irgendwas sondern ein Weg. Es muss genau so sein.

Das Ende einer Liebe ist keine Frage von Schuld. Liebe ist immer eine Verantwortung des/der Einzelnen.

Sich in der Liebe zu öffnen ist ein Prozess.

Es sind eher Frauen als Männer, die ein Ultimatum in der Liebe stellen. Frauen suchen eher das Gespräch und die Bearbeitung von Themen.

Männer denken sich in Beziehungskrisen tendenziell „es wird schon wieder“ und scheuen die Auseinandersetzung.

Eine Liebe ist für mich immer ganz oder gar nicht. Ganz ist natürlich herausfordernd und vielleicht auch einmal unangenehm, aber erfüllend.

Psychologische Arbeit an sich kann nur gut sein. Auch wenn es dann Hürden und Herausforderungen gibt.

Die Sehnsucht nach eigener Familie kann eine Beziehung belasten, wenn der Wunsch nicht direkt kommuniziert und geklärt ist.

Es gibt heute viele Beziehungsmodelle, traditionell, konservativ bis polyamorös, offen. Da ist vieles im Wandel aber teilweise auch im Rückschritt. 

Das „Verschwinden“ wie im Roman ist immer ein Ausweg aus einer Beziehungskonstellation. Das ist auch 50 Jahre danach so. Natürlich gibt es auch Wege in der Krise wie etwa eine Paartherapie.

Ich trage ein schönes, romantisches Bild von Partnerschaft in mir.  Auf Augenhöhe zu sein, sich miteinander entwickeln. Eine gute Gemeinschaft in Liebe und Leidenschaft. Neugierig und interessiert bleibennicht die Wand als Ende, wie im Roman.

Ingeborg Bachmann war eine Vorreiterin im Aufzeigen des Frauseins, von weiblichen Bedürfnissen.

Liebe Miriam, ich darf ich Dich abschließend zu einem thematischen Wordrap zum Roman bitten –

Wordrap – Malina:

Aufmerksamkeit oder Leidenschaft? Leidenschaft.

Intellektualität oder Phantasie? Phantasie

Reisender oder häuslicher Typ? Reisender

Schachspieler oder Nicht-Schachspieler? Nicht-Schachspieler.

9 oder 6? 9

Miriam Fontaine_Schauspielerin _
Romanschauplatz Malina _ Wien

50 Jahre Malina _ Roman _ Ingeborg Bachmann _ im Gespräch und Fotoporträt:

Miriam Fontaine_Schauspielerin_Wien _

http://www.miriamfontaine.com/miriam_fontaine/welcome.html

Station bei Ingeborg Bachmann_Romanschauplatz Malina_Wien.

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien_6_2020.

https://literaturoutdoors.com

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