„Kunst braucht zwingend das Publikum“ Johannes Häfner, Bildender Künstler_Nürnberg 24.8.2021

Lieber Johannes, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Eigentlich genauso wie vor der „Corona-Zeit“ 7.30 Uhr aufstehen und bis 22 Uhr arbeiten, anschließend Lesen, um 1 Uhr letzter Kaffee + Zigarette.
Was uns allen fehlt sind Besuche von Kulturinstitutionen und Beteiligungen an Ausstellungen und Messen und der kollegiale Austausch. Ein Musiker wird nicht besser, wenn er nur im Übungsraum spielt, er braucht zwingend das Publikum. Und das gilt auch für Literaten und Bildende Künstler.

Johannes Häfner, Bildender Künstler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Eigentlich könnte die Frage mit einem Wort beantwortet werden: Solidarität.
Aber es wird wohl eher in den entgegengesetzte Richtung gehen, so wie schon 1987 Margret Thatcher, ganz der neoliberalen Stoßrichtung folgend, verkündete:
»So etwas wie Gesellschaft gibt es nicht«.
Ich wünsche mir, dass wir, auch auf Grund der Erfahrungen aus den letzten Monaten, wieder erlernen, Menschen mit einer anderen Meinung zu respektieren.

Und so wünsche ich mir, dass wir alle wieder etwas entspannter werden und guten Mutes in die Zukunft blicken.


Was liest Du derzeit?

Ich lese mehrere Bücher immer parallel und natürlich auch diverse Online-Angebote. Gerade lese ich von Philippe Ariès „Geschichte des Todes“, von Bernhard Jussen „Die Franken“, von Jens Berger „Schwarzbuch Corona“ und von E.T.A. Hoffmann „Kreisleriana“.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Eine köstliche Passage aus der Kreisleriana von E.T.A. Hoffmann (1776-1822), wo der gebildete Affe Milo seiner Freundin Pipi nach Nordamerika schreibt: 

Milos Lehrer, der Professor der Ästhetik an ihm gewandt:
Was glauben Sie denn, lieber Monsieur Milo? Sprechen, sprechen, sprechen müssen Sie lernen, alles übrige findet sich von selbst. Geläufig, gewandt, geschickt sprechen, das ist das ganze Geheimnis. Sie werden selbst erstaunen, wie Ihnen im Sprechen die Gedanken kommen, wie Ihnen die Weisheit aufgeht, wie die göttliche Suada Sie in alle Tiefen der Wissenschaft und Kunst hineinführt, daß Sie ordentlich in Irrgängen zu wandeln glauben. Oft werden Sie sich selbst nicht verstehen: dann befinden Sie sich aber gerade in der wahren Begeisterung, die das Sprechen hervorbringt. Einige leichte Lektüre kann Ihnen übrigens wohl nützlich sein, und zur Hilfe merken Sie sich einige angenehme Phrasen, die überall vorteilhaft eingestreut werden und gleichsam zum Refrain dienen können (…).“

Der vollständige Text kann auch online nachgelesen werden unter: https://www.projekt-gutenberg.org/etahoff/kreisler/index.html

Alternativ dazu, weil kürzer, ein Zitat aus dem Märchen Meister Floh von E.T.Hoffmann:
Das Denken, meinte Knarrpanti, sei an und vor sich selbst schon eine gefährliche Operation und würde bei gefährlichen Menschen eben desto gefährlicher.
E.T.A. Hoffmann 1822


Anmerkung „Knarrpanti“ ist der Verballhornung des Polizeidirektors von Kamptz.

Johannes Häfner, Bildender Künstler

Vielen Dank für das Interview lieber Johannes, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Johannes Häfner, Bildender Künstler _Grafiker, Maler, Buchkünstler, Kulturreferent der DATEV eG und Organisator der Buchkunstmesse Druck & Buch im Rahmen des Erlanger Poetenfests.

Alle Fotos_privat.

25.7.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com




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