„Wir machen, was wir am besten für unser Überleben können – Kunst!“ Zoltan Lesi, Schriftsteller_ Wien 9.3.2021

Lieber Zoltan, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich mache gerade ein Theaterstück aus meinem letzten Buch „In Frauenkleidung“. Ich habe ein Stipendium bekommen, bei dem ich mit Dramaturg*innen, Theaterregisseur*innen arbeiten kann in intensiven Werkstätten. Parallel dazu arbeite ich an meinem nächsten Buch mit dem brasilianischen Künstler Ricardo Portilho.

Vor Covid-Zeiten war ich viel zwischen Ungarn und Österreich unterwegs und habe Familie, Freunde und Kulturveranstaltungen besucht. Diese Lücke ist schwer in meinem Tagesablauf zu füllen. Um den unnötigen Stress abzubauen, bin ich regelmäßig im Wienerwald mit dem Rad unterwegs, obwohl ich vor Bäumen große Angst habe. Beim Bergrunterfahren denke ich oft an Ödön von Horváth, der in Père Lachaise gestorben, weil ein großer Ast auf seinen Kopf gefallen ist.

Zoltan Lesi, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Beim Theaterstückschreiben redet man regelmäßig mit den Figuren. Genau diese Frage stellte ich letzte Woche zwei Teenager-Charakteren und ihre Antwort war: Internet für alle! Mit ihrer bitteren Ironie reflektieren sie Fakenews. Es ist kein neues Phänomen, aber eines der wichtigsten Herausforderungen der Informationsgesellschaft.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Es ist die Zeit der Krisen, Gesundheitskrisen, Umweltkrisen, Ökonomiekrisen, Krise der menschlichen Psyche. Und leider auch der Kunst. Aber wir machen, was wir am besten für unser Überleben können – Kunst!

Was liest Du derzeit?

Ödön von Horváth: Jugend ohne Gott

Franz Kafka: Der Prozess

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Kunst ist, wenn man trotzdem lacht.“

Joseph Beuys

Vielen Dank für das Interview lieber Zoltan, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Zoltan Lesi, Schriftsteller

Österreichische Gesellschaft für Literatur: Biografien (ogl.at)

IN FRAUENKLEIDUNG von Zoltán Lesi – faltershop.at

Foto_Gergely Máté Oláh

8.3.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Kreativität und Kunst als wichtigen Bestandteil des Lebens zu etablieren“ Simon Mayer, Performer_Wien 9.3.2021

Lieber Simon, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Aufwachen. Ein bisschen Angst haben was so alles passiert auf dieser Welt gerade. Tief ein- und ausatmen. Ah es wird leichter! Kalt duschen und meditieren. Ah es wird noch leichter mit allem umzugehen ohne dass ich`s umgeh. Orgaarbeiten oder Online Coachings machen oder irgendeinen Onlinekurs leiten. Besprechung mit meiner kaufmännischen Leitung. Planen – absagen/Stress – neu planen – Absage/Erleichterung – neu planen. Natur, spazieren mit Freunden und auftanken. Residency und Vorbereitung fürs nächste Stück. Mit Team und Masken im Studio. Man tut das gut Menschen zu spüren! Davor gemeinsam Tests machen. Am Abend wieder mal versuchen keine Nachrichten zu schauen und trotzdem informiert zu bleiben.

Simon Mayer_ Performer, Tänzer, Choreograf und Musiker.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Den Fokus auf die inneren und äußeren Ressourcen zu richten. Hineinzoomen in die Momente und Umstände, die so richtig guttun. Und sich bei scheinbaren Kleinigkeiten – einem warmen Sonnenstrahl auf der Haut, freundlich lächelnde Augen über einer Maske – groß aufzutanken. Sich verbinden mit der kindlichen Neugier, die Dinge immer wieder ohne Vorurteile von neuem entdecken kann. Die Qualität des Differenzierens. Um nicht alles in einen Topf zu werfen. Souveränität zu leben. Auch wenn es grade viele Regelungen gibt ist ganz wichtig die Selbstverantwortung zu trainieren und kreativ zu sein mit den Dingen die trotzdem noch möglich sind. Don t break the rules but bend them. Aber mit Herz und Hirn. Damit die psychische Gesundheit erhalten bleibt um die physische zu gewährleisten. Wenn ich jemanden treffen will, dann kann ich das auch tun. Schnelltest is the door to heaven! Und echt kein Aufwand! Und wenn ich mich durch all diese positiven Ereignisse die ich durch Selbstverantwortung und Selbstliebe als Ressourcen in mein Leben geholt habe und pflege, aufgetankt habe. Wenn ich wieder inneren Raum habe. Dann schau ich wieder ganz genau hin, was gerade alles schief läuft in mir und im außen. Denn neben der Ressourcenpflege ist das Hinschauen auf die tägliche Traumatisierung, die gerade vor sich geht wirklich wichtig. Sich damit beschäftigen und wirklich zu fühlen was zu fühlen ist. Das regelmäßige Hinschauen und Fühlen ist für mich der 2. Schlüssel zum Integrieren und Verarbeiten dessen was gerade vorgeht auf dieser Welt. Denn nur wenn die Scheinwerfer angehen ist die Bühne sichtbar.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Performance, der Musik, der Kunst an sich zu?

Kreativität und Kunst als wichtigen Bestandteil des Lebens zu präsentieren und zu etablieren. Das beginnt bereits jetzt. Kreativ zu sein mit den Möglichkeiten die zu Verfügung stehen. Ändern statt ärgern – ein toller Spruch, den mir die wundervolle Maja Osojnik mal ins Ohr geflüstert hat. Und dafür braucht`s Kreativität. Das schöpferische Potential und die verspielte Naivität, die das Destruktive und dem Pessimismus zum Dialog einlädt und umarmt.

Kunst in all ihren Formen (Performance, Musik, etc.) spielt bereits jetzt eine starke Rolle im vielfältigen Aufzeigen von Missständen und vom Lebensbejahenden. Und das wird auch in Zukunft sehr wichtig sein. Kunst ist ein unglaublich kraftvolles Werkzeug zum Entgiften des gesellschaftlichen Darms. Im Moment leiden viele von uns an einer Verstopfung. Scharfe Regeln, picksüße Unsicherheit, ungewohnt saure Veränderung, gemischt mit persönlichen Unverträglichkeiten und fehlenden Bauchstreicheleinheiten. Das legt sich grade alles an in unseren Schlingen. Da tut s schon mal echt gut sich ein bisschen zu bewegen bei einem online Dancefloor oder ein beruhigend verdauendes Konzert zu hören oder sich dann endlich wieder von einer echten Hand den Bauch streicheln lassen, wenn man im Theater sitzt. Ich denke Kunst als gesellschaftliches Event wird viel Wertschätzung bekommen. Endlich wieder mal gemeinsam sein und Menschen spüren!

Was liest Du derzeit?

Ein Buch über Selbstliebe und Tantra.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Auftanken – Hinschauen – Ändern statt ärgern.

Und…. Dankbarkeit! … als tägliche Praxis zum Erkennen, voll Auskosten und integrieren der nährenden Momente.

Simon Mayer_ Performer, Tänzer, Choreograf und Musiker.

Vielen Dank für das Interview lieber Simon, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Performance-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Simon Mayer_ Performer, Tänzer, Choreograf und Musiker

Kopf Hoch! | Simon Mayer

Alle Fotos__Franzi Kreis.

16.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Hotel Weitblick“ Renate Silberer. Roman. Kremayr&Scheriau Verlag.

Er hatte sein Ziel erreicht. Das Ranking passt als Consulter. Der Erfolg im Beruf ist da. „Einkommenssituation:hervorragend“. Doch jetzt ist der Abschied geplant. „Lebenszufriedenheit: verbesserungswürdig“ . Das Ticket liegt schon bereit. Mexiko. Ein Ab- und Aufbruch für ihn…

Da war diese Begegnung im Kaffeehaus. Und die Gedanken über Träume und Wünsche von Berufs- und Lebenswegen in der Kindheit und Jugend.“ …kein Aufbegehren. Die Pubertät ist vorübergezogen, ohne sich bei mir zu melden…“. Der Blick, Weg nach Innen versperrt, verwehrt. All die Jahre…

Jetzt noch das Seminar im Hotel. Das letzte vor dem Abschied. All die Gedanken im Inneren und die Begegnung mit den Menschen. Wünsche und Ziele dort und da. Und dann der leere Sessel.

Wohin führt nun der Weg der Gruppe? Wohin der eigene Weg? Es beginnt…

„Dann formuliere ich meine erste Frage, sie lautet: Was ist tschulpi?“

Renate Silberer, vielfach ausgezeichnete österreichische Schriftstellerin, legt mit „Hotel Weitblick“ ihren ersten Roman vor, der in Spannung und Anspruch begeistert. Die Autorin schafft es, moderne Biographie in Ziel und Erfolg in Dialog zu Fragen nach Persönlichkeit und Gesellschaft zu setzen und damit kritische Horizonte zu Berufs- und Lebensrealitäten zu öffnen, die anschaulich wie kritisch thematisiert werden. Die philosophischen Grundfragen Kants „Was ist der Mensch? Was darf ich hoffen? Was soll ich tun?“ nimmt Silberer in packender story auf und lässt Leserin und Leser in Weg und Seele geforderten Menschseins und Grund und Abgrund von vermeintlichen Fundamenten von Zeit und Gesellschaft blicken.

„Ein Roman, der moderne Mythen von Erfolg zerfetzt und sprachlich fulminant die Frage nach Mensch und Gesellschaft stellt“

Walter Pobaschnig 3_21

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„Kunst, die uns alle verbindet, aufzeigt, die heilt, die uns beim Überleben hilft“ Marion Rottenhofer, Schauspielerin_ Wien 9.3.2021

Liebe Marion, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe gerne früh auf, um den unverbrauchten Tag bei einer großen Tasse Earl Gey in aller Ruhe zu begrüßen, und schreibe ein paar Seiten in mein Tagebuch, ein Ritual das mich seit Jahrzehnten begleitet, und wenn es aus Zeitmangel nur ein paar Sätze sein können, darauf kann ich nicht verzichten, ich schreibe mich in den Tag hinein sozusagen.

Marion Rottenhofer, Schauspielerin

Ich bin ziemlich old school, habe eine To-Do-Liste im Buchkalender und erwarte von mir, jeden Tag so gut wie möglich zu nutzen, immer bereit zu sein auf allen Ebenen und mir auch jeden Tag eine kleine Challenge aufzuerlegen.

Derzeit mache ich einen Französischkurs, arbeite an einem Projekt, das so Gott will im Mai Premiere haben wird und habe Vorproben für ein Stück, das im September gespielt werden soll. Es fühlt sich fast schon wieder normal an, auch die obligatorischen Corona-Tests vorher.

Wichtig ist für mich die Familie, eine selbst gekochte  Mahlzeit pro Tag, Zeit für unsere zwei Katzen, eine Meditation und dann geht sich manchmal schon gar kein Spaziergang mehr aus. Natürlich gibt es die Momente, in denen ich ein wenig den Mut verliere, doch je älter ich werde, desto schneller erinnere ich mich wieder daran – das Leben ist ein Geschenk.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Das NICHT WISSEN aushalten lernen. Nicht immer unbedingt recht haben wollen. Aufmerksam sein, genau hinschauen, hinhören, achtsam sein mit sich und den anderen, seine Energie dort investieren, wo sie etwas bewirken kann – und nicht vergessen, am Ende wird alles gut, und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende…Oscar Wilde

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Es scheint tatsächlich ein Aufbruch in eine neue Zeit zu sein, sogar astrologisch, wir sind ja jetzt im Wassermannzeitalter angekommen – rough sea to be expected … umso größer ist die Bedeutung der Kunst, der Konstanten, die uns alle verbindet, die erhebt, provoziert, aufzeigt, bildet, unterhält, die Kunst, die heilt, den Künstler und den, der die Kunst genießt, die Kunst, die uns beim Überleben hilft.

Was liest Du derzeit?

„Was ich liebte“ von Siri Hustvedt und

„Morgen bist du reich“ von Karl Wozek

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Wir sehen die Dinge nicht, wie sie sind. Wir sehen sie so, wie wir sind.“

Anais Nin

Marion Rottenhofer, Schauspielerin

Vielen Dank für das Interview liebe Marion, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Marion Rottenhofer, Schauspielerin

MARION ROTTENHOFER •••

Fotos_1_Konrad Filbert_2,4,5_Michaela Krauss-Boneau_3, 6 Wiener Fotoschule_7_Mark Noormann

25.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Mit zwei bis fünf Homeschooling-Kindern bleibt nicht mehr viel übrig für meine Tätigkeiten“ Britta Badura, Schriftstellerin _Graz 8.3.2021

Liebe Britta, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Da ich den Großteil der Zeit mit zwei bis fünf Homeschooling-Kindern (kommt auf den Wochentag an) verbringen darf, bleibt nicht mehr viel übrig für meine Tätigkeiten. Wir stehen wie immer um 6 Uhr auf, doch normalerweise war ich ab halb 8 bis zum Nachmittag alleine zuhause und konnte schreiben, Workshops vorbereiten, Texte lektorieren und anderen Arbeiten nachgehen. Das muss nun komprimierter und unkonzentrierter geschehen, dafür habe ich meine Bruchrechnenkenntnisse aufgefrischt und vier Kilo dank meiner Backkünste zugelegt.

Britta Badura, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Den Humor nicht verlieren und die Verbundenheit auf anderen Kanälen als der direkten Begegnung aufrechterhalten. Mir persönlich hilft tägliches Schreiben (Morgenseiten im Sinne von Julia Cameron) und die Abhaltung von Onlineworkshops. Wichtig wäre es auch, die Kraft in neue Initiativen statt ins Jammern zu stecken.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Eine der wesentlichen Funktionen von Literatur ist die des Trostes und die Vermittlung einer Gemeinschaft bzw. Zugehörigkeit zur Menschheit. Auch die Gefühle und Gedanken in Texten geben Kraft, Zuversicht und Hoffnung. Es gibt in der Literatur viele Beispiele von Personen, die zwar alles verlieren, doch sich wieder neu erfinden – all das wird uns in Zukunft behilflich sein. Auch die Möglichkeit der Alltagsflucht ist keine unwesentliche.

Was liest Du derzeit?

Vor kurzem habe ich „Das achte Leben (für Brilka)“ von Nino Haratischwili verschlungen. Da ich jedoch gerade ein Sachbuch abschließe, lese ich fast nur Fachbücher zurzeit, doch freue mich auf den nächsten Roman!

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Schau der Furcht in die Augen und sie wird zwinkern.“
Aus Russland

Vielen Dank für das Interview liebe Britta, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Britta Badura, Schriftstellerin

Schreibkiste – Britta Badura

Fotos_1: Anna-Lisa Kiesel, Foto 2 mit Love Schriftzug: Lily Cheng

9.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Das gegenwärtige Neo-Biedermeier ist vor allem für Frauen fatal“ Evelyn Steinthaler, Schriftstellerin_ Wien 8.3.2021

Liebe Evelyn, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Der Tag beginnt mit Yoga, dann wird vor allem geschrieben – im Frühling 2021 erscheint die Biografie der kärntnerslowenischen Kulturwissenschaftlerin und Zeitzeugin Katja Sturm-Schnabl bei bahoe books. Damit bin ich sehr beschäftigt, nur wenige Tage vor Abgabe des Manuskripts. Spaziergänge und diverse Onlinekonferenzen gehören ebenfalls zu meinem derzeitigen Alltag. Da ich im vergangenen Semester das erste Mal an der Uni Wien als Lektorin beschäftigt war, bin ich zwischenzeitlich auch mit dem Lesen von Essays meiner wunderbaren Studierenden beschäftigt. Gleichzeitig bereite ich auch das nächste Semester vor, der Lehrauftrag an der Judaistik setzt sich fort, darüber freue ich mich sehr.

Zwischendurch drängt sich auch der Roman auf, den ich seit Jahren mit mir herumtrage und der in Teilen auch schon geschrieben ist. Nach der Biografie soll er endlich den Platz bekommen, der ihm zusteht. Vor wenigen Wochen wäre Gert Jonke 75. geworden. In den 90ern war er mein Lehrer. Ich muss grad oft an ihn denken, auch weil wir so viel über die Schreibmöglichkeiten zu Kärnten gesprochen haben, ist ja nicht nur die Biografie Katja Sturm-Schnabls ein Buch über Kärnten, auch im Roman spielt das Land meiner Herkunft keine kleine Rolle.

Evelyn Steinthaler_Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Mit sich und der Welt Geduld zu haben ist derzeit wohl von großer Bedeutung wie auch sich Neues zu überlegen, denn so wie vor-Covid können wir nicht weitermachen.

Nicht weniger wichtig ist dem gegenwärtigen Neo-Biedermeier nicht auf den Leim zu gehen, das vor allem für Frauen fatal ist, die ja in alte Muster massiv zurückgedrängt werden.

Darüber hinaus ist es wichtig, wie immer, sich nicht von den rechten Rattenfängern betören zu lassen ist.

Anflüge von Gleichgültigkeit müssen verdrängt werden.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wesentlich ist auf jeden Fall eine Absage an die neoliberale Vereinzelung und Selbstbezogenheit der vergangenen Jahrzehnte. Wenn wir nicht endlich in der notwendigen Verantwortlichkeit erkennen, sind wir verloren. Dabei sehe ich Kunst und Literatur in der Notwendigkeit unbedingter Äußerungen.

Was liest Du derzeit?

„Was Nina wusste“ von David Grossmann

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Die gestundete Zeit                              Ingeborg Bachmann

Es kommen härtere Tage.
Die auf Widerruf gestundete Zeit
wird sichtbar am Horizont.
Bald mußt du den Schuh schnüren
und die Hunde zurückjagen in die Marschhöfe.
Denn die Eingeweide der Fische
sind kalt geworden im Wind.
Ärmlich brennt das Licht der Lupinen.
Dein Blick spurt im Nebel:
die auf Widerruf gestundete Zeit
wird sichtbar am Horizont.

Drüben versinkt dir die Geliebte im Sand,
er steigt um ihr wehendes Haar,
er fällt ihr ins Wort,
er befiehlt ihr zu schweigen,
er findet sie sterblich
und willig dem Abschied
nach jeder Umarmung.

Sieh dich nicht um.
Schnür deinen Schuh.
Jag die Hunde zurück.
Wirf die Fische ins Meer.
Lösch die Lupinen!

Es kommen härtere Tage.

Vielen Dank für das Interview liebe Evelyn, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Buchprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Evelyn Steinthaler, Schriftstellerin

Home | evelynsteinthaler

Foto_privat

11.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Vienna is an open minded city full of art“ Desi Bonato, artist _ Wien _Hotel Regina_8.3.2021

Desi Bonato_dancer, artist _ Hotel Regina_Wien 11_20

„Artistic events are places where real exchange and meetings happen“ Desi Bonato, dancer, Vienna_7.12.2020 | Literatur outdoors – Worte sind Wege

„Die grauenvolle Entdeckung des Jakob Levy Moreno“ – Mitreißende Uraufführung das.bernhard.ensemble _ Off Theater Wien 14.10.2020 | Literatur outdoors – Worte sind Wege

„Es gibt derzeit sehr viel Aggression, die nicht notwendig ist“ Nala Helga Oppenauer, Schauspielerin_Wien 7.3.2021

Liebe Nala Helga, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe so ca. um 9 Uhr- eher noch später auf und frühstücke sehr ausgiebig. Danach betreibe ich ein bisschen Sport.

Momentan lerne ich für ein neues Theaterstück, dass am 7. April, im Theater Center Forum Premiere haben wird. Das Stück heißt „Komödie für Geister“ von Noel Coward. Ich habe sehr viel Text.

Am Nachmittag mache ich dann einen eineinhalbstündigen Spaziergang am Wasser. Ich wohne nur 5 Minuten Gehweg von der ehemaligen Copa Cagrana entfernt und den Donaupark kann, ich von meinem Fenster aus sehen. Er ist sogar fast direkt vor meiner Haustüre. Danach muss ich weiterlernen. Am Abend beschäftige ich mich dann mit privaten Dingen. Zum Beispiel chatten mit lieben Freunden etc.

(Anm: Die Produktion, für die ich sehr viel gelernt hatte, weil viel Text, wurde aufgrund des verlängertem Lockdown abgesagt. Aber sie wird auf 2023 verschoben… ein Lichtblick. Ich spiele dann erst wieder im Dezember in der Weihnachtsgeschichte mit…auch ein Lichtblick…)

Nala Helga Oppenauer_Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich finde, dass es sehr wichtig ist, in unserer Mitte zu bleiben, halt so gut wie es für jeden einzelnen möglich ist. Vor allem auch positiv und ruhig bleiben. Es gibt ja derzeit sehr viel Aggression auch im außen, die nicht notwendig ist und meiner Meinung nach auch nicht viel bringt. Natürlich ist die Situation nicht einfach momentan, aber wir sitzen ja alle im gleichen Boot. Auf der ganzen Welt besteht ja die gleiche Situation.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, dem Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Vor allem auf jeden Fall von dieser schwierigen Situation auch gelernt zu haben. Es wird sich ja wahrscheinlich auch Positives ergeben. Also ich hoffe, dass  die Menschheit daraus gelernt hat. Beispielsweise die Massentierhaltung, könnte abgeschafft werden. Die Umwelt wird auf jeden Fall profitiert haben und hoffentlich sich auch weiter entwickeln.

Was die Kunst betrifft, also beispielsweise, die Frage,welche Rolle kommt dabei dem Schauspiel zu, bin ich sehr optimistisch. Weil Kunst wird gerade wieder in der Zukunft eine sehr wichtige Rolle spielen, wenn sie nach der Pandemie, nicht noch mehr geschätzt werden wird. Die  Menschen sind jetzt schon so richtig hungrig nach Theater und Musik.

Natürlich weiß ich nicht, wie groß der erlittene finanzielle Verlust der zB kleineren Theater Schaden angerichtet hat. Das wird sich erst am Ende der Pandemie zeigen. Aber auch da bin ich sehr optimistisch, dass der Staat die Kunst unterstützen wird. Besonders auch die kleinen Theater.

Was liest Du derzeit?

Ach momentan komme ich nicht zum Lesen, weil ich so mit Textlernen beschäftigt bin und daher keine Zeit und keinen Kopf dafür habe. Aber das nächste Buch das ich lesen werde, ist schon sicher. Es hat mein Schauspielcoach,Karl Wozek, während des Coronalockdows  geschrieben. Er ist Schauspieler, Autor und Regisseur.

Das Buch heißt : Morgen bist Du Reich

Bin sehr gespannt darauf. Also in der Art und Weise gespannt, weil es mich verwundert hat, dass Karl über dieses Thema ein Buch schreibt.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Auch wenn Du die Sanduhr stark schüttelst, wird jedes Korn erst dann fallen, wenn es an der Zeit ist.

Erzwinge nicht. Alles wird zur richtigen Zeit geschehen.“

Vielen Dank für das Interview liebe Nala Helga, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theaterprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Nala Helga Oppenauer, Schauspielerin

Standardseite – www.helgaoppenauer.at

Foto__privat

9.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Ich sehe nirgendwo einen Ersatz für die ernsthafte Literatur“ Daniel Wisser, Schriftsteller_Wien 7.3.2021

Lieber Daniel, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Das Reisen und das Gehen sind weggefallen. Es kommt mir vor, als sei die Welt zweidimensional geworden. Das macht beim Lesen und Schreiben eigentlich nichts aus; möchte man meinen. In Wirklichkeit aber macht es etwas aus: Die Konzentration ist durch die gesellschaftliche Entwicklung in der Pandemie schwer beeinträchtigt. Ich arbeite also täglich daran, mich zu konzentrieren.

Daniel Wisser_Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Es ist wichtig, dass man sich mit unangenehmen und anstrengenden Dingen beschäftigt. Das kostet Überwindung. Aber beim Laufen ist es genauso. Wenn ich meine Laufrunde beginne, denke ich nach 200 Metern: Es geht gar nicht! Dann aber laufe ich doch die 21 km ohne große Krise. So ist es auch beim Lesen, Denken, Romanschreiben. Wir müssen uns besonders mit einem sehr unangenehmen Gedanken beschäftigen: Dass die Zeit der Pandemie kein Ausnahmezustand ist, sondern einfach unsere Gegenwart, unsere Realität. Darin liegen auch die politischen Versäumnisse in unserem Land: Die Politik muss Menschen helfen und sich nicht als Wahrsager oder Schuldzuweiser betätigen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Das Wort Neubeginn ist eine Tautologie. Das klingt schon so, als wolle man viel von dem zerschlagen, was unsere Welt bisher ausgemacht hat. Und tatsächlich ist es so. Im ersten Jahr der Pandemie haben wir erlebt, wie der Kapitalismus sich die Mechanismen der Lockdowns und Beschränkungen zunutze gemacht hat. Der Literatur kommt jetzt (wie zu jeder Zeit) die Aufgabe zu, ehrlich und präzise über das zu berichten, was geschieht. Das ist heutzutage schon sehr viel und ich sehe nirgendwo einen Ersatz für die ernsthafte Literatur.

Was liest Du derzeit?

Die Kurzgeschichten und Tagebücher von Katherine Mansfield, die Traumdeutung von Sigmund Freud, Die unaufhörliche Wanderung von Karl-Markus Gauß, alte Zeitungen aus den Jahren 1991 und 1992 und die Songtexte der Beatles.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„In den Gesellschaften, die sich auf mündliche Überlieferung stützen, tendiert das Erinnerungsvermögen der Gemeinschaft unwillkürlich dazu, Veränderungen zu verschleiern oder wieder in sich zurückzunehmen. Die relative Formbarkeit des materiellen Lebens geht einher mit einer unausgesprochenen Starrheit des Bildes der Vergangenheit. Die Dinge sind immer so gewesen: Die Welt ist, wie sie ist. Nur in Zeiten heftigen Sozialen Wandels taucht das im allgemeinen mythische Bild von einer anderen und besseren Vergangenheit auf – ein Muster an Vollkommenheit, gegenüber dem die Gegenwart wie ein Verfall, eine Entartung erscheint.“

Ginzburg, Carlo: Der Käse und die Würmer, S. 111

Daniel Wisser, Schriftsteller (links) und Walter Pobaschnig _Foto_Romana Fürlinger

Vielen Dank für das Interview lieber Daniel, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Daniel Wisser, Schriftsteller

Daniel Wisser – Schriftsteller

Fotos_Walter Pobaschnig/Romana Fürlinger _ Konzerthaus Wien 1_2020

1.3.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Die nicht sterben“ Dana Grigorcea. Roman.Penguin Verlag.

Jetzt gilt es zu erzählen. Was sich zugetragen hat. Im Dorf B. an den Karpaten. Es begann mit den Sommerferien in der Villa. Jedes Jahr. Vor 1989 konnten hier Feriensitze gemietet werden. Ein Leben fand zu einem anderen Leben. Einen Sommer lang. Ist es nicht immer so? Was dauert denn?

Diese Sommer waren Sommer der Spaziergänge, des Malens, des Lesens, der Abenteuer…und der Begegnungen, auch der unheimlichen in einer unheimlichen Welt von Mensch und Gesellschaft…von Tod und Leben. Und Tod und wieder Leben. Und wieder Tod…

Da ist Musik im Haus. Und das ist das Grab im Hügel. Und da ist die Nacht und ihr Leben. So war es damals. Und dann kam ich zurück. Und stelle mich dieser Welt aus Leben und Tod und Tod und Leben und…

„Ich will ihnen also von dieser Erfahrung erzählen, redlich und ohne Umstände: Schritt für Schritt auf das zu, wovor mir graut…“

Die in Zürich lebende und 2015 mit dem 3sat Preis in Klagenfurt ausgezeichnete Schriftstellerin, Dana Grigorcea, legt mit ihrem Roman „Die nicht sterben“ eine mitreißende spannungsgeladene Erzählform im Dialog mit historisch-gesellschaftlicher Reflexion vor, die in Stil und Inhalt innovativ begeistert! Die Autorin geht einen neuen mutigen Weg, zieht alle Register moderner Textvariation und setzt selbstbewusst eine mitreißende Form literarischen Schreibens in Ausdruck und Anspruch. Spielerisch und hintergründig werden Leserin und Leser mit auf eine Reise von Geschichte und Mythos genommen und bewegen sich im fein gesponnen hintergründigen wie wirkmächtigen Raum von Erinnerung und Gegenwart. Lesespannung in Überraschung und Neugierde wie die Frage nach Mensch und Gesellschaft in Geschichte und Gegenwart sind dabei Seite um Seite bis zum furiosen Finale mit am Weg.

„Dana Grigorcea nimmt alles Risiko und setzt einen furiosen literarischen Wurf in Anspruch und Spannung. Ein Ereignis.“

Walter Pobaschnig 2_21

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