„Literatur muss nichts und kann alles“ Mario Schlembach, Schriftsteller, 22.4.2020

Lieber Mario, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Gleich nach dem Aufwachen schreibe ich. Wenn ein Begräbnis ansteht, dann grabe ich. Mittags spaziere ich mit dem Hund im Wald und schlafe kurz. Danach schreibe ich wieder oder mache mich auf den Weg zum Friedhof, um bei der Beerdigung dabei zu sein und meinen Dienst zu leisten. Die Pandemie hat keine Auswirkungen auf meine Totengräbertätigkeit, nur das Ritual des Abschieds hat sich etwas verändert. Wie angeordnet trage ich eine Maske, was den positiven Nebeneffekt hat, dass jetzt nicht alle mein Gesicht mit dem Tod assoziieren. Am späteren Nachmittag lese ich dann …

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Jetzt und immer: Empathie.

 

Mario Schlembach_Foto_Vilma Pflaum

 

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur zu?

Literatur muss nichts und kann alles. Und jeder der liest oder schreibt, weiß ohnehin, dass jedes Aufschlagen des Buches ein Aufbruch und Neubeginn ist. Die Kommunikation der Poesie ist ein Band, das uns über alle Grenzen hinweg verbindet. Aufgabe der Literatur ist es, diese zarte Verbindung zu pflegen; auch um durch fremde Augen, neue Aspekte der Welt zu entdecken.

 

Was liest Du derzeit?
Die Biographie von Albert Camus und „Ich liebe, also bin ich.“ Der unbekannte Ezra Pound von Eva Hesse.

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Die Kunst zu lieben, die freie Kunst, die Kunst gut zu sterben, die Kunst zu denken, die unzusammenhängende Kunst, die Kunst zu rauchen, die Kunst zu genießen, die Kunst des Mittelalters, die angewandte Kunst, die Kunst des Urteilens, die Kunst des richtigen Urteilens, die Dichtkunst, die handwerkliche Kunst, die Liebeskunst, die Kunst Großvater zu sein, die Tanzkunst, die Kunst des Sehens, die gesellige Kunst, die Kunst zärtlich zu sein, die japanische Kunst, die Kunst zu spielen, die Kunst des Essens, die Folterkunst.
*
Doch niemals habe ich das, was ich schreibe, in dem gefunden, was ich liebe.“
(Paul Éluard – Hauptstadt der Schmerzen)

 

Vielen Dank für das Interview lieber Mario, viel Freude und Erfolg für Deinen großartigen aktuellen Roman „Nebel“ und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Mario Schlembach, Schriftsteller

Aktueller Roman von Mario Schlembach: „Nebel, Otto Müller Verlag

https://bauernerde.wordpress.com/

Mario Schlembach

 

29.3.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

Foto_Vilma Pflaum

„Die, die in unserer Gesellschaft das Sagen haben, sind keine guten Gärtner“ Verena Dürr, Schriftstellerin_Wien 21.4.2020

Liebe Verena, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Nach dem Aufstehen setze ich mich mit Kaffee und Notebook zum Schreiben in den Innenhof vom Gemeindebau gegenüber. Der ist begrünt und alles blüht – eine kleine Stadtoase. Im Unterschied zu früher telefoniere ich mehr mit Familie, Freund*innen und wegen künstlerischer Projekte – einige Veranstaltungen, die erst abgesagt wurden, finden jetzt doch online statt. Sonst mache ich konsequent (!) mindestens eine halbe Stunde Sport (Yoga/Laufen) am Tag.

Was meinen Tagesablauf in den letzten Wochen aber vor allem bestimmt hat, war meine andere Arbeit in einer Wiener Notschlafstelle. Dort gab es in kurzer Zeit sehr viele Veränderungen, sowohl für uns, das Personal, als auch unsere Klienten. Normalerweise wäre mein Arbeitsvertrag Ende April ausgelaufen, doch wegen der aktuellen Situation sperren die Winternotquartiere nicht wie jedes Jahr im Mai zu, sondern sind vorerst einmal bis August geöffnet. Das ist einerseits gut, weil die Leute ja wegen der strengen Bestimmungen nicht gut auf der Straße oder auf der Donauinsel schlafen können und auch die Hilfsangebote durch den lock-down beschränkt wurden. Andererseits haben viele Klienten Vorerkrankungen und/oder sind schon alt – müssen sich im Notquartier aber Mehrbettzimmer mit anderen teilen. Notquartiere sind, wie ihr Name schon sagt eine Notlösung – leider sind sie dem Sozialstaat zur Gewohnheit geworden. Bessere Konzepte gäbe es – Finnland zum Beispiel hat Obdachlosigkeit quasi abgeschafft (siehe housing first). Aktuell werden wegen der Pandemie in Berlin, London oder L.A. Hotels und Hostels geöffnet, von denen ja die meisten seid Wochen und vermutlich noch eine ganze Weile leer stehen. Hoffentlich zieht Österreich bald nach. Auch und gerade obdachlose Menschen brauchen jetzt mehr denn je einen Rückzugsort für sich alleine, wo sie sich vor Ansteckung schützen können.

Ansonsten beschäftigen mich noch die Arbeitskämpfe im Sozialbereich. Während Pflege- und Sozialkräfte von allen Seiten Lob und Anerkennung hören, wurde ihre zentrale Forderung nach einer 35-Stunden-Woche vor Kurzem bei den KV-Verhandlungen abgelehnt. Eine verpasste Chance – nicht nur einmalige Prämien, Dankesreden und Blumen zu streuen, sondern diejenigen, die gerade unsere Gesellschaft am laufen halten, einfach besser zu bezahlen und ihre Arbeit damit dauerhafte aufzuwerten.

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Irgendwo habe ich gelesen, dass wir derzeit verstärkt mit verschiedenen Formen des Verlusts konfrontiert sind und noch sein werden – Verlust von geliebten Menschen, Verlust von körperlicher Nähe und Intimität, Arbeitsverlust, Vertrauensverlust in die eigenen Werte und die der Gesellschaft, Verlust der persönlichen Freiheit – das ist traurig und deswegen wird es jetzt und in Zukunft sehr wichtig, zu trauern und manchmal das trauern auch erst einmal zu erlernen.

 

Jetzt wird es ein Neubeginn sein, vor dem wir gesellschaftlich wie persönlich stehen werden. Was ist dabei wesentlich und welche Rolle kommt der Literatur dabei zu?

Ich wünsche mir einen Neubeginn, mache mir aber ein bisschen Sorgen, dass doch wieder nur alles so weiter geht, wie bisher; dass die Entscheidungstragenden im Notfallmodus stecken bleiben und sich nie Zeit nehmen werden, um visionär zu denken. Dass die Einflussreichen in unserer Gesellschaft gar keine Veränderung wollen, weil es ihnen vorher ja eh sehr gut gegangen ist. Oder auch, dass sich die Mehrheit der Menschen nicht vorstellen kann, was sich alles zum Besseren verändern ließe – ich denke, da kann die Literatur ihre Rolle spielen.

 

20170707_120527mjuzt

 

Was liest Du derzeit?

Ein antikes Büchlein in Frakturschrift – weswegen ich für das Lesen mehr Zeit und Konzentration aufwenden muss, als normalerweise – was ich angenehm entschleunigend finde. Es geht um die Geschichte der Gartenkunst. Ein Garten ist ja quasi der Versuch des Menschen sich in ein harmonisches Verhältnis zur Natur zu versetzen – diejenigen, die in unserer Gesellschaft derzeit das Sagen haben sind keine so guten Gärtner.

 

Welches Zitat, welche Textstelle aus Deinen Literaturprojekten möchtest Du uns mitgeben?

Nach ein paar Tagen sieht die Welt schon anders aus. Der Nebel verzieht sich und Geheimnisse werden gelüftet. Kein Weichzeichner (Marke: „American Spirit“) mehr auf der Wahrnehmung. Gefühle bekommen Kontur. Das Rauchen ist ein gut trainierter, reflexhafter Ausweichschritt weg von den eigenen Empfindungen. Damit aufzuhören, ist wie eine Brille mit unpassendem Dipotrie-Wert abzunehmen, die einem allerdings ganz gut zu Gesicht steht. Im Spiegel erkenne ich mich plötzlich selbst nicht mehr; Doch der Entfremdungseffekt vergeht bald und ich stehe mir klarer vor Augen denn je. Auch der Husten wird sich legen, der nach ein- bis vier Wochen einsetzt. Unangenehmes Hals-Kratzen, unschöner Auswurf, doch auch Erleichterung darüber, dass die Flimmerhärchen – Siedler im Epithel der Atemwege – den Streik beendet und ihre systemerhaltende Arbeit wieder aufgenommen haben. Eines morgens wütend erwachen – gereizt vom Duft des Lavendelsträußchens am Fensterbrett – mein Geruchssinn ist scheinbar ein Frühaufsteher und ich spüre zum ersten Mal, wie das ist – sich vollkommen innezuwohnen.

 

(aus dem Manuskript: „IDA – die Kunst, sich von der Rauchsucht zu befreien“)

 

Vielen Dank für das Interview liebe Verena, viel Freude und Erfolg für Deine vielfältigen Literatur- und Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Verena Dürr, Schriftstellerin

http://www.venerasinn.com/

 

 

29.3.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

Foto_Walter Pobaschnig: Lesung Verena Dürr_Bachmannpreis 2017

 

 

„Auf den Spuren Klagenfurts. Ein kultur- und gesellschaftsgeschichtlicher Streifzug“ Werner Drobesch. Hermagoras Verlag.

 

Klagenfurt, eine Stadt mit so vielen Schätzen von Kultur, Natur, Geschichte und Sprache. Ein Reichtum, der einlädt, entdeckt zu werden. Immer wieder und zu allen Jahreszeiten, aber natürlich auch besonders im Sommer. Besonders auch im Sommer 2020, der anders als so viele davor sein wird…

In der Zeit einer weltweiten Pandemie und restriktiver Maßnahmen und Einschränkungen des öffentlichen Lebens wird der unmittelbare Lebensraum zum Mittelpunkt in Wohnung und Umgebung. Die Freiheit von Schritten und Wegen ist nicht mehr selbstverständlich. Eine Wertschätzung wie eine Langsamkeit ist dabei gefordert. Eine Vademecum zu Geschichte und Kultur ist dabei ein willkommener Begleiter. Und genau dies ist das vorliegende Buch zu Kultur und Geschichte Klagenfurts im besten Sinne.

Werner Drobesch, Historiker, Univ.Prof. an der Alpen-Adria Universität Klagenfurt, gibt einen gut lesbaren, spannenden Überblick über die Landeshauptstadt Kärntens mit vertiefenden wie überraschenden Zugängen zu Vertrautem wie Neuem. Die reiche Bebilderung begleitet den Text wunderbar und lässt bewusst Orte der Stadt aufsuchen und dort verweilen.

Das Buch selbst ist in drei Teile gegliedert: Es beginnt mit einem Geschichtsüberblick von der Frühzeit bis in die Gegenwart. Diesem folgt eine Vorstellung wesentlicher Plätze und Straßen. Kurzporträts wesentlicher Persönlichkeiten Klagenfurts, etwa Ingeborg Bachmann oder Gert Jonke, runden das Buch sehr stimmig ab.

 

„Eine großartige Einladung Klagenfurt zu entdecken und sich (erneut) in diese Stadt zu verlieben“

 

Walter Pobaschnig 4_20

https://literaturoutdoors.com

„Viele brauchen jetzt Hilfe. Auch jene der Literatur.“ Tom Kummer, Schriftsteller, Bern 20.4.2020

Lieber Tom, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Aufstehen, wie immer und für einen Moment glaubt man, alles sei normal. Aber bald wird klar dass es da draußen auf der Autobahn viel weniger Verkehr gibt. Und Menschen sitzen im Park, wo sonst niemand ist. Und dann denke ich sofort daran, wie ich meinen 16-jährigen Sohn beschäftigen könnte. Ich denke öfters daran, wen man gerne treffen möchte – und es nicht kann. Und Einkauf mache ich auch nur noch einmal pro Woche. Aber ich verbringe viel mehr Zeit mit meinem Sohn. Ist doch auch schön.

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Bloß nicht glauben, der Spuk sei schon vorbei. Kürzlich gab ich am Schweizer Radio ein Interview wegen meinem neuen Buch VON SCHLECHTEN ELTERN. Die Sicherheitsmaßnahmen waren dort besonders streng. Den Tonmeister hat mich nur aus der Ferne begrüßt. Im Studioraum gab es aber eine Kiste mit Masken – sonst gibt es die nirgends zu kaufen. Aber hier beim Schweizer Radio lagern Hunderte. Das fand ich schon ein bisschen seltsam. Also habe ich mich eingedeckt. Ich finde, wir müssen uns besser mit Masken schützen, Eitelkeit hilft jetzt keinem, eine sogenannte Normalität wird es lange nicht mehr geben.

 

Es wird jetzt ein Neubeginn sein, von dem wir gesellschaftlich und persönlich stehen werden. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt der Literatur dabei zu?

Ich lasse mich nicht verrückt machen. Natürlich ist es schade, dass viele Lesungen ausgefallen sind. Auch der finanzielle Schaden ist enorm. Ich bin es aber schon seit der Jugend gewohnt, immer mal wieder mit drohenden existenziellen Abgründen umzugehen. Wer den beruflichen Weg in der Literatur oder mit der Kunst wählt, den können solche Zustände nicht wirklich betrüben. Wir Künstler sollten doch wie geschaffen sein für Krisenzustände. Es sind die anderen Menschen, die ohne finanzielle Sicherheit und Stabilität nicht leben können, wir nannten sie früher die „Normalos“, die haben viel mehr zu verlieren. Ich denke aber auch an junge Familien, die so eine Krise hart trifft. Da können Menschen depressiv werden. An sie muss ich denken. Diese Leute brauchen unsere Hilfe. Vielleicht auch die Hilfe durch die Literatur.

 

IMG_20190628_144244kiu - Kopie

 

Was liest Du derzeit?

Frauen, die töten von Ann Jones (edition suhrkamp)

 

Welches Zitat, welchen Impuls aus Deinem aktuellen Roman möchtest Du uns mitgeben?

„Irgendwann sucht Vincents Hand mein Gesicht. Sanft berührt sie meine Augenbrauen, so sanft, als sei meinem zwölfjährigen Sohn längst klar geworden, dass ich ihn mehr brauche als er mich.“

 

 

Vielen Dank für das Interview lieber Tom und viel Erfolg für Deinen aktuellen großartigen Roman „Von schlechten Eltern“ und persönlich alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Tom Kummer, Schriftsteller

Aktueller Roman: Tom Kummer „Von schlechten Eltern“  Klett_Cotta Verlag, 2020

https://www.tomkummer.ch/

 

 

9.4.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

Foto_Walter Pobaschnig _ Klagenfurt, Bachmannpreistage 2019.

 

https://literaturoutdoors.com

 

„Mutiger denken. Unangenehmer sein. Dabei höflich bleiben.“ Marie-Luise Stockinger, Schauspielerin_Burgtheater Wien _ 19.4.2020

 

Liebe Marie-Luise Stockinger, wie sieht jetzt Ihr Tagesablauf aus?

Was koche ich heute? Was koche ich morgen? – Ich sollte mal wieder staubsaugen.

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

ZIB schauen.

 

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst an sich zu?

Wie geht gerechte Verteilung? Was ist mit Moria? Was ist mit Lesbos? Was vermissen wir an unserer „Normalität“ wirklich?

Wie entkommt man dieser Globalisierungsklimahöllenmaschine, die wir uns gebaut haben?

Theater oder Kunst muss auf diese Fragestellungen pochen.

 

img_0993aa

 

Was lesen Sie derzeit?

Zeitung. Und Postkarten.

 

Welchen Impuls aus Theaterprojekten möchten Sie uns mitgeben?

Mutiger denken. Unangenehmer sein. Dabei höflich bleiben.

No Chance for Racism, Sexism.

 

Vielen Dank für das Interview liebe Marie-Luise Stockinger, viel Freude und Erfolg für alle Schauspielprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Marie-Luise Stockinger, Schauspielerin, Burgtheater Wien

https://www.burgtheater.at/ensemble/marie-luise-stockinger

 

Foto_Walter Pobaschnig  _Marie-Luise Stockinger in „Edda“_Burgtheater Wien

„Der Mensch vergisst schnell und gerne“ Verena Wagner, Sängerin_Klagenfurt 18.4.2020

Liebe Verena, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Obwohl ich als Künstlerin eine gewisse Strukturlosigkeit gewöhnt bin – bzw. es gewöhnt bin, mir den Tagesablauf selbst zu gestalten, stellt es mich aktuell vor eine ziemliche Herausforderung. Ich versuche den Tag so gut es geht mit Sport, Musik, Kochen und Natur zu füllen. Meine Buchhaltung von 2019 wartet außerdem auch noch auf mich. 😉 So versuch ich mir ein bisschen einen Plan für die nächsten Wochen zu machen. Aber ganz ehrlich: ich versuche auch, mich irgendwie runterzuholen von dem Stress, dass man jetzt möglichst viele sinnvolle und produktive Dinge tun sollte. Ich mach mir da immer, grundsätzlich, viel Stress. Gestern hatte ich am Abend allerdings plötzlich ein eigenartiges Gefühl von Freiheit – oder zumindest eine Ahnung davon, wie ich mich damals als Kind gefühlt haben muss. Das Gefühl von dieser Freiheit, etwas zu tun – einfach um es zu tun, ohne Zweck und Sinn. Jetzt wo in meinem konkreten Fall alle Veranstaltungen abgesagt wurden – vorerst bis Ende Juni – fällt zumindest eine Sache weg: Der Stress, dass man vielleicht irgendetwas besser oder anders hätte machen können. Vor allem als Selbstständiger ist man hier ja ständig latent unter Druck. Aber aktuell sitzen wir alle im selben Boot. Das hat auch was Befreiendes muss ich sagen.

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Sich selbst und anderen die Erlaubnis zu geben, zu fühlen, und zu tun, wonach einem gerade ist. Einfach mal sein. Wütend, ängstlich, produktiv, faul, ruhig, laut. Man muss nicht jeden Tag meditieren, man muss sich nicht JETZT sofort mit sich selbst auseinander setzen. Oder mit dem Partner. Oder mit der „effizienten Monetarisierung“ irgendeiner Online-Marketing-Idee.
Man muss nicht positiv sein. Man muss nicht negativ sein.
Eine große Lektion der Toleranz – vor allem sich selbst gegenüber.

 

92577954_2579694452289196_6429803132896673792_n

 

 

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik und der Kunst zu?

Die große Frage wird sein, ob sich gewisse Dinge wirklich nachhaltig verändern werden. Ich bezweifle das ein wenig. Der Mensch vergisst schnell und gerne, und wir haben es gern gemütlich und gewohnt. Was die Musik und die Kultur betrifft tut sich gerade etwas auf, ein wenig, eine Sichtbarmachung der heimischen Künstlerszene. Einige Radiosender haben bereits Schwerpunkte mit österreichischen Künstlern gesendet und ich denke, da könnte noch einiges folgen, was ich wirklich toll finde. Das heißt – eine tolle Chance wäre es, das Leben regionaler zu gestalten und zu stärken. Heimischen Künstlern mehr Aufmerksamkeit und Achtung zu schenken – ohne dass man dabei gleich wieder in die Angst reinkippt, dass das Ganze dann vielleicht wieder zu „national“ wird.
Es wäre schön, wenn sich fernab dieser Ängste ein Gefühl von Stolz und Anerkennung für die österreichische Kulturszene entwickelt.

 

Was liest Du derzeit?

Haha. Ich lese das, meiner Meinung nach, lustigste Buch der Welt.
Ein ganz einfacher und älterer Roman, der total zerknittert neben den „klugen“ Büchern in meinem Bücherregal steht und den ich – im Gegensatz zu den gscheiten Büchern – schon tausendmal gelesen habe, immer wieder von Neuem, weil ich den Humor der Autorin liebe.
„Zwölf Männer hat das Jahr“ von Martina Paura

 

Welches Zitat, welchen Text aus Deinen aktuellen Musikprojekten möchtest Du uns mitgeben?

Ich habe am 13.März – genau zu Beginn der Krise, die erste Single aus meinem kommenden Album veröffentlicht – mit dem Titel „Nirgendwohin“.
Das war schon ein etwas krasser Zufall. Oder auch nicht.
😉
Im Refrain heißt es: „Olle stehn irgendwo, mit beiden Beinen fest im Leben, nur i fliag im Nirgendwo, meine Fiaß de schweben“
Ganz besonders möcht i euch aber die erste Zeile des Songs mitgeben – passend zum Thema „Produktivität“:
„Jetzt steh‘ doch auf, olle wortn schon, sie drängan sich schon gonz noch vurn –
owa i bleib liegen!“
In diesem Sinne: Man muss auch amal a bisl liegen bleiben.

bleibt gesund

 

Vielen Dank für das Interview liebe Verena, viel Freude und Erfolg für Dein neues  großartiges Musikalbum und die Single „Nirgendwohin“ wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Verena Wagner, Sängerin

Weitere Informationen:

https://www.verenawagner.com/

 

 

8.4.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

Foto_Kidizin Sane

 

https://literaturoutdoors.com

„Mir missfällt diese unübersehbare Lust an der Autoritätsausübung“ Gertraud Klemm, Schriftstellerin_Wien, 17.4.2020

 

Liebe Getraud, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

So wie sonst auch, nur alles mit Kindern und Homeschooling. Also Kinderbetreuung und Haushalt unterbrochen von Fütterungszeiten. Ein bisschen wie in den 1950er Jahren. Die intellektuell fordernden Tätigkeiten wie Lesen und Schreiben gehen frühmorgens und spätnachts. Ich habe noch immer nicht hingenommen, dass ich nicht zum Arbeiten kommen werde, solange die Kinder im Haus sind.

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich weiß es nicht. Es wurde schon so viel dazu gesagt. So sehr ich der Regierung dankbar bin, dass durch ihr Handeln die Infektionszahlen niedrig geblieben sind, so sehr missfällt mir diese unübersehbare Lust an der Autoritätsausübung. Auch dieses ständige Eigenlob der Bevölkerung nervt. Die Berichterstattung trieft nur so vor Durchhalteparolen und tröstlicher Schönwetterstimmung. Wichtig wäre, bei aller Vorsicht die demokratischen Fühler nicht auch noch einzufahren. Wir sollten uns nicht von dieser Ausnahmepolitik einlullen lassen.

 

92121494_212214390216779_9077537839658303488_n

 

 

Es wird jetzt ein Neubeginn sein, von dem wir gesellschaftlich und persönlich stehen werden. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt der Literatur dabei zu?

Der Neubeginn wird sehr bald sehr alt aussehen. Erinnern wir uns an den Jubel beim Regierungsprogramm, all die grünen Klimaträume? Klingt jetzt nach Science Fiction. Was wird wohl danach wichtig sein, außer knallhartes Wirtschaftswachstum? Wo wird wohl gespart werden, bei Steuerflucht und den Konzernen? Wer wird sich da noch um Luxusprobleme wie Umwelt und Frauenpolitik scheren? Das fällt sicher unter „wir haben andere Probleme“. Klimapolitik, Investitionen, eine gerechte Gesellschaft – das kostet. Das wirds im neoliberalen Zeitalter nach einer Mega-Krise nicht spielen. Leider. Da wird der politische Hebel der Literatur ansetzen müssen. Der andere wird sich in den Eskapismus flüchten.

 

Was liest Du derzeit?

„Unter der Drachenwand“ von Arno Geiger und „Die Zehnjahrespause“ Von Meg Wolitzer.

Kriegszeiten und Heimchenprobleme – das passt doch gut.

 

Welches Zitat, welchen Impuls aus Deinem aktuellen Roman möchtest Du uns mitgeben?

„Frauen funktionieren, Männer funktionären.“

Ich weiß schon, das ist ungerecht, wenn wir bedenken wie viel diese Regierung arbeitet. Aber immer, wenn die Slimfitfraktion im Gleichschritt zu den Pulten schreitet, denk ich mir: schon wieder nur Männer. Sie entscheiden, wir alle gehorchen, und die Frauen sind beschäftigt mit dem funktionieren, alles wie immer. Und ganz heimlich denke ich mir: jetzt wäre doch ein guter Punkt für einen Frauenstreik.

 

Vielen Dank für das Interview liebe Getraud und viel Erfolg für Deinen aktuellen großartigen Roman und persönlich alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Gertraud Klemm, Schriftstellerin,

Aktueller Roman _ „Hippocampus“ Kremayr&Scheriau Verlag, 2019

Weitere Informationen:

http://www.gertraudklemm.at/

 

7.4.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

Foto_Dirk Skiba

 

https://literaturoutdoors.com

„Wir alle wissen – the show must go on“ Olivia Pflegerl, Schauspielerin_Wien 16.4.2020

 

Liebe Olivia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Nachdem es mir derzeit gesundheitlich nicht gut geht, schlafe ich immer aus und gönne meinem Körper die Ruhe, die er braucht. Einen typischen Alltag hatte ich als Künstlerin nie wirklich und auch jetzt in Zeiten von Corona sieht jeder Tag ein bisschen anders aus.  Mal lese ich viele Stunden oder spiele für mich Klavier, telefoniere mit Freunden, wenn es sonnig ist, setze ich mich in den Hof wo keine Menschseele ist, höre Musik und lasse meinen Gedanken freien Lauf.  Ich habe angefangen viel mehr zu kochen, bestelle aber trotzdem hin und wieder mal essen. Derzeit schaue ich täglich einen Film oder Serien, verbringe Zeit mit meinem Freund und versuche es zu genießen einfach mal nur für mich zu sein und im wahrsten Sinne des Wortes zu entschleunigen.    

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Es ist schwer für die Allgemeinheit zu sprechen, denn für jeden ist etwas anderes wichtig. Jeder ist anders betroffen von der Pandemie. Aber wenn ich eine Sache auswählen müsste, dann würde ich sagen: Nächstenliebe.  

 

img_20190829_090523-1b[1]

 

Welche Bezüge bzw Impulse nimmst Du von Deinen Schauspielprojekten jetzt für einen gelingenden Lebensalltag in Zeiten der Pandemie mit?  

Wir befinden uns alle in einer Extremsituation. Und genau in schweren Zeiten, wird einem oft erst bewusst, was in einem steckt oder wozu man fähig ist, im Guten wie im Schlechten. Alle Künstler wissen, dass man selbst, wenn das Leben hart auf hart kommt – the show most go on. 

Aus meinen bisherigen Projekten nehme ich mit, dass der Mensch in Extremsituationen zu Höchstleistungen fähig ist oder Dinge wahrnimmt, die er vielleicht sonst ignoriert hätte. Diese Situationen, sei es ein Todesfall in der Familie, Sorge um die eigene Gesundheit, Existenzängste oder in allem, welche nun die Pandemie vereint, öffnen die Augen. Und dabei ist keiner ausgenommen.  Der Lebensalltag gelingt, wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht, dankbar ist für das was man hat und sein Bestes gibt.  

 

IMG_1948a

 

Was liest bzw siehst Du derzeit?

Ich lese derzeit das Buch von Thomas Brezina  “auch das geht vorbei”, es hilft mir sehr dabei positiv zu bleiben und trotz allem den Fokus nicht zu verlieren für die Dinge, die mir wichtig sind.
Unter anderem habe ich auch Hörspiele für mich entdeckt. Sie erinnern mich sehr an meine Kindheit. Das letzte Hörspiel hörte ich mit 13 Jahren und zwar “ Harry Potter” und ich dachte mir, ich könnte mal wieder Dinge ausprobieren, die ich früher geliebt habe. Ich habe mir das Hörspiel Ghostbox von Ivar Leon Menger angehört und muss sagen, dass ich begeistert bin.Thriller bzw Psychothriller mit einer guten Story haben mich immer schon in den Bann gezogen.

Filme habe ich letzter Zeit sehr viele gesehen und Klassiker wie Pretty Woman oder Titanic stehen noch auf meiner Liste. Manche Filme kann man sicher immer wieder anschauen.

Welches Zitat, welche Textstelle aus Deinen Projekten möchtest Du uns mitgeben?

Ein tiefer Fall führt oft zu hohem Glück- William Shakespeare.

 

Vielen Dank für das Interview liebe Olivia, viel Freude und Erfolg für alle weiteren Schauspielprojekte und vor allem gute Besserung wie persönlich alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Olivia Pflegerl, Schauspielerin 

 

7.4.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

Foto_Walter Pobaschnig.

 

https://literaturoutdoors.com

„Ich bin Dynamit. Das Leben des Friedrich Nietzsche“ Sue Prideaux. Klett-Cotta Verlag.

 

„Ich bin Dynamit. Das Leben des Friedrich Nietzsche“ Sue Prideaux. Klett-Cotta Verlag.

1844. Europa ist in Bewegung. Revolution liegt in der Luft. Die Gesellschaft wie sie bisher war beginnt zu bröckeln. Säulen wanken und fallen schließlich. Denker und Dichter tragen wesentlich dazu bei. Die Freiheit einer neuen Zeit. Eine Dämmerung von Gesellschaft und Werten…

Am 15.Oktober kommt in einem protestantischen Pfarrhaus in Sachsen Friedrich Nietzsche zur Welt. Sein Vater stirbt als er fünf Jahre alt ist. Auch sein Bruder findet einen frühen Tod. Friedrich besucht die renommierte Schule in Schulpforta. Die klassische Bildung prägt ihn und motiviert ihn zu beruflichen Zielen und dem Interesse an Literatur, Philosophie und vor allem auch Musik, besonders jener Richard Wagners. Nach Schulabschluss beginnt er die Studien der klassischen Philologie und der evangelischen Theologie in Bonn. Früh ereilt dem begabten Wissenschaftler der Ruf an die Universität Basel als klassischer Philologe.

Mit Genialität und Kraft kritisiert er in philosophischen Abhandlungen die Konzeptionen in Sinn und Denken eines Richard Wagners wie Arthur Schopenhauers. Schrift um Schrift folgt. Doch auch seine Gesundheit verschlechtert sich mehr und mehr. In weiteren aphoristischen Schriften zertrümmert er die Wertkonzeptionen der Zeit und stellt die Fundamente der Gesellschaft in Frage. Er sprengt diese gleichsam „Ich bin Dynamit“. Ein Leben in letzter Konsequenz in allem…

Die renommierte Schriftstellerin und Kunsthistorikerin Sue Prideaux stellt in ihrer Biographie einen der bedeutendsten Philosophen der Moderne in Leben und Denken umfasst vor. Beeindruckend ist die Fülle detaillierter Information über Leben, Liebe, Denken und existentielle Tragik wie der flüssige Erzählstil, der sehr anschaulich den Menschen und die Zeit öffnet.

Ein umfangreicher Anhang mit Namens- und Ortsregister wie Bibliographie und Diskographie runden diese spannende Biographie mit einem weiterführenden Informationsteil sehr gut ab.

 

Walter Pobaschnig 4_20

https://literaturoutdoors.com

 

„Pay the artist now“ Ina Loitzl, Künstlerin_Wien 15.4.2020

Liebe Ina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Eigentlich wie immer – bis auf die Tatsache, dass ich noch länger in die Nacht hinein arbeite und daher eine Stunde später aufstehen. Dann jongliere ich die viele Zeit zu Hause zwischen Familie, Atelier, Arbeit am Computer, digital Freunde treffen, Geburtstage via Internet feiern und Masken nähen für eine guten Zweck, das ist das Neue.

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ruhig und positiv bleiben, neue Projekte überlegen, nachzudenken, was ist jetzt wirklich wichtig – welche Themen, Arbeiten machen jetzt Sinn? Es tut auch gut, dass ich hier stärker filtere. Immer auch nicht nur die eigene persönliche Lage, sondern auch die meiner Umgebung im Auge behalten – sowohl bildungsmäßig, als auch arbeitstechnisch wird sich leider eine große Kluft auftun. Und auch – wie schwierig es auch sein mag– die Entschleunigung als Geschenk zu sehen.

 

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst zu?

Die Kunst hat einen wichtigen Teil – erstens wird allen auffallen, die vor leeren Wänden sitzen oder keine guten Dokus finden, keine Bücher, keine Musik hören – wie wichtig die Kunst im Alltag ideel ist. Oder sie freuen sich an deren Präsenz.
Kooperationen zu bilden, zu sehen, dass man gut aufgestellt ist, wenn Finanzielles nicht das Notwendige ist um Ideen zu verwirklichen – kreativ auch hier zu werden – aber vielleicht geht es auch darum noch mehr seismographisch zu agieren – was kommt als Nächstes? Die Kunst ist für mich immer Kommunikationselement und auch ein Spiegel unserer Gesellschaft.
Mich beschäftigt die Frage – wie reagiert die Nachbarschaft, das Gegenüber – wie nahe wird meine Familie, meine Freundschaften und welche wieder – wer zeigt an, wer diffamiert auf Facebook – wer lamentiert, wer wird aktiv? Wo wird die Wirtschaft geschwächt, wo George Orwell fast Realität? Wir stehen uns nach der Pandemie anders als Menschen gegenüber. Wir haben uns neu kennen gelernt.

Persönlich bin ich weniger in der alltäglichen Atelierlaune – in meinem eigenen Cosmos – das finde ich erst gegen Ende der Ausgangssperre wieder animierend. Ich sehe es als meine Aufgabe, sozial zu handeln. Daher bin ich auch künstlerischer Teil der Maskennähaktion zugunsten der KAZ – StrassenzeitungsverkäuferInnen. Diese sind da besonders betroffen. Hier kann ich Upcycling (ich habe ja eine textile Sammlung aus alten Textilarchiven und neu Gekauftem, Übrigen Teilen von vorherigen Projekten) , mit meinem Namen, meiner Technik des CUTOUTS – Prints und das individuelle Nähen zu tragbaren Originalen ideal verbinden.

Auch das gemeinsame Kunstprojekt „den blick öffnen“ mit Tanja Prušnik hat einen online – Shop zugunsten „die möwe“ – da es Kindern in prekären Familiensituationen daheim auf engem Raum besonders schlecht geht. „Die möwe“ leistet gerade jetzt permanente Hilfe. Und ich möchte auch immer den Berufsstand Künstler*in unterstützen – ich finde es wichtig – autonom zu bleiben – und nicht auf ein Leben durch Förderungen angewiesen zu sein. Daher bekomme ich für meine Tätigkeit auch etwas. Pay the artist now ist mir auch ein wichtiges Statement.

 

INA_LOITZL_PORTRAIT

 

Was liest Du derzeit?

Ich lerne audiomäßig Italienisch und rudimentär Slowenisch und denke an meine italienischen FreundInnen und KollegInnen. Ich höre gerade von Thomas Mann „Der Zauberberg“ – wie passend zu all den Lungenkranken und ihren Tagesablauf in der schweizer Quarantäne am Sanatorium am Berghof als Hörspiel – und von Ingeborg Bachmann abwechselnd Malina – da ich so viel mit meinen Händen und im Atelier arbeite bleibt mir – geprintet nur die tägliche Tageszeitung in der Früh und den Rest abends analog. 😉
Welchen Impuls aus Deinen aktuellen Kunstprojekten möchtest Du uns mitgeben?

Meine für den 16. April angekündigte Einzelausstellung –  „IKARUS BORDER LESS „ Galerie District 4 Art, Wien  – kann doch mit Anmeldung stattfinden!

Anmeldung:

http://www.district4art.eu/
Sie zeigt neben der klassischen Thematik u. a. den amerikanischen Comichelden, der in all den Arbeiten nur eines tut – trotz seiner Kraft stürzt er immer nur ab.
Die Metamorphose des Absturzes kommt gerade jetzt in unsere Welt so dramatisch ins Spiel und betrifft uns alle – jeden, jede unabhängig von Region, Bildung, Status, Religion, finanziell geglaubter Sicherheit. Und auch dieses „Fliehen oder Fliegen“ zu anderen Ufern wird leider nicht so schnell wieder möglich sein – sprich – Reisen, sowohl beruflich als auch privat, unsere Welt ist auf einmal sehr klein geworden in real, größer vielleicht digital 😉
Eine Pandemie ist unglaublich – und lässt einen von vorne anfangen – ob positiv oder negativ.

 

 

 

Vielen Dank für das Interview liebe Ina, viel Erfolg Deine großartigen und so vielfältigen Kunstprojekte wie persönlich alles Gute in diesen Tagen!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Ina Loitzl, freischaffende Künstlerin_Wien/Kärnten

http://inaloitzl.net/joomla2/

 

6.4.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

Foto_Ina Loitzl

 

https://literaturoutdoors.com