„Literatur muss nichts und kann alles“ Mario Schlembach, Schriftsteller, 22.4.2020

Lieber Mario, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Gleich nach dem Aufwachen schreibe ich. Wenn ein Begräbnis ansteht, dann grabe ich. Mittags spaziere ich mit dem Hund im Wald und schlafe kurz. Danach schreibe ich wieder oder mache mich auf den Weg zum Friedhof, um bei der Beerdigung dabei zu sein und meinen Dienst zu leisten. Die Pandemie hat keine Auswirkungen auf meine Totengräbertätigkeit, nur das Ritual des Abschieds hat sich etwas verändert. Wie angeordnet trage ich eine Maske, was den positiven Nebeneffekt hat, dass jetzt nicht alle mein Gesicht mit dem Tod assoziieren. Am späteren Nachmittag lese ich dann …

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Jetzt und immer: Empathie.

 

Mario Schlembach_Foto_Vilma Pflaum

 

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur zu?

Literatur muss nichts und kann alles. Und jeder der liest oder schreibt, weiß ohnehin, dass jedes Aufschlagen des Buches ein Aufbruch und Neubeginn ist. Die Kommunikation der Poesie ist ein Band, das uns über alle Grenzen hinweg verbindet. Aufgabe der Literatur ist es, diese zarte Verbindung zu pflegen; auch um durch fremde Augen, neue Aspekte der Welt zu entdecken.

 

Was liest Du derzeit?
Die Biographie von Albert Camus und „Ich liebe, also bin ich.“ Der unbekannte Ezra Pound von Eva Hesse.

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Die Kunst zu lieben, die freie Kunst, die Kunst gut zu sterben, die Kunst zu denken, die unzusammenhängende Kunst, die Kunst zu rauchen, die Kunst zu genießen, die Kunst des Mittelalters, die angewandte Kunst, die Kunst des Urteilens, die Kunst des richtigen Urteilens, die Dichtkunst, die handwerkliche Kunst, die Liebeskunst, die Kunst Großvater zu sein, die Tanzkunst, die Kunst des Sehens, die gesellige Kunst, die Kunst zärtlich zu sein, die japanische Kunst, die Kunst zu spielen, die Kunst des Essens, die Folterkunst.
*
Doch niemals habe ich das, was ich schreibe, in dem gefunden, was ich liebe.“
(Paul Éluard – Hauptstadt der Schmerzen)

 

Vielen Dank für das Interview lieber Mario, viel Freude und Erfolg für Deinen großartigen aktuellen Roman „Nebel“ und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Mario Schlembach, Schriftsteller

Aktueller Roman von Mario Schlembach: „Nebel, Otto Müller Verlag

https://bauernerde.wordpress.com/

Mario Schlembach

 

29.3.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

Foto_Vilma Pflaum

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