„Pay the artist now“ Ina Loitzl, Künstlerin_Wien 15.4.2020

Liebe Ina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Eigentlich wie immer – bis auf die Tatsache, dass ich noch länger in die Nacht hinein arbeite und daher eine Stunde später aufstehen. Dann jongliere ich die viele Zeit zu Hause zwischen Familie, Atelier, Arbeit am Computer, digital Freunde treffen, Geburtstage via Internet feiern und Masken nähen für eine guten Zweck, das ist das Neue.

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ruhig und positiv bleiben, neue Projekte überlegen, nachzudenken, was ist jetzt wirklich wichtig – welche Themen, Arbeiten machen jetzt Sinn? Es tut auch gut, dass ich hier stärker filtere. Immer auch nicht nur die eigene persönliche Lage, sondern auch die meiner Umgebung im Auge behalten – sowohl bildungsmäßig, als auch arbeitstechnisch wird sich leider eine große Kluft auftun. Und auch – wie schwierig es auch sein mag– die Entschleunigung als Geschenk zu sehen.

 

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst zu?

Die Kunst hat einen wichtigen Teil – erstens wird allen auffallen, die vor leeren Wänden sitzen oder keine guten Dokus finden, keine Bücher, keine Musik hören – wie wichtig die Kunst im Alltag ideel ist. Oder sie freuen sich an deren Präsenz.
Kooperationen zu bilden, zu sehen, dass man gut aufgestellt ist, wenn Finanzielles nicht das Notwendige ist um Ideen zu verwirklichen – kreativ auch hier zu werden – aber vielleicht geht es auch darum noch mehr seismographisch zu agieren – was kommt als Nächstes? Die Kunst ist für mich immer Kommunikationselement und auch ein Spiegel unserer Gesellschaft.
Mich beschäftigt die Frage – wie reagiert die Nachbarschaft, das Gegenüber – wie nahe wird meine Familie, meine Freundschaften und welche wieder – wer zeigt an, wer diffamiert auf Facebook – wer lamentiert, wer wird aktiv? Wo wird die Wirtschaft geschwächt, wo George Orwell fast Realität? Wir stehen uns nach der Pandemie anders als Menschen gegenüber. Wir haben uns neu kennen gelernt.

Persönlich bin ich weniger in der alltäglichen Atelierlaune – in meinem eigenen Cosmos – das finde ich erst gegen Ende der Ausgangssperre wieder animierend. Ich sehe es als meine Aufgabe, sozial zu handeln. Daher bin ich auch künstlerischer Teil der Maskennähaktion zugunsten der KAZ – StrassenzeitungsverkäuferInnen. Diese sind da besonders betroffen. Hier kann ich Upcycling (ich habe ja eine textile Sammlung aus alten Textilarchiven und neu Gekauftem, Übrigen Teilen von vorherigen Projekten) , mit meinem Namen, meiner Technik des CUTOUTS – Prints und das individuelle Nähen zu tragbaren Originalen ideal verbinden.

Auch das gemeinsame Kunstprojekt „den blick öffnen“ mit Tanja Prušnik hat einen online – Shop zugunsten „die möwe“ – da es Kindern in prekären Familiensituationen daheim auf engem Raum besonders schlecht geht. „Die möwe“ leistet gerade jetzt permanente Hilfe. Und ich möchte auch immer den Berufsstand Künstler*in unterstützen – ich finde es wichtig – autonom zu bleiben – und nicht auf ein Leben durch Förderungen angewiesen zu sein. Daher bekomme ich für meine Tätigkeit auch etwas. Pay the artist now ist mir auch ein wichtiges Statement.

 

INA_LOITZL_PORTRAIT

 

Was liest Du derzeit?

Ich lerne audiomäßig Italienisch und rudimentär Slowenisch und denke an meine italienischen FreundInnen und KollegInnen. Ich höre gerade von Thomas Mann „Der Zauberberg“ – wie passend zu all den Lungenkranken und ihren Tagesablauf in der schweizer Quarantäne am Sanatorium am Berghof als Hörspiel – und von Ingeborg Bachmann abwechselnd Malina – da ich so viel mit meinen Händen und im Atelier arbeite bleibt mir – geprintet nur die tägliche Tageszeitung in der Früh und den Rest abends analog. 😉
Welchen Impuls aus Deinen aktuellen Kunstprojekten möchtest Du uns mitgeben?

Meine für den 16. April angekündigte Einzelausstellung –  „IKARUS BORDER LESS „ Galerie District 4 Art, Wien  – kann doch mit Anmeldung stattfinden!

Anmeldung:

http://www.district4art.eu/
Sie zeigt neben der klassischen Thematik u. a. den amerikanischen Comichelden, der in all den Arbeiten nur eines tut – trotz seiner Kraft stürzt er immer nur ab.
Die Metamorphose des Absturzes kommt gerade jetzt in unsere Welt so dramatisch ins Spiel und betrifft uns alle – jeden, jede unabhängig von Region, Bildung, Status, Religion, finanziell geglaubter Sicherheit. Und auch dieses „Fliehen oder Fliegen“ zu anderen Ufern wird leider nicht so schnell wieder möglich sein – sprich – Reisen, sowohl beruflich als auch privat, unsere Welt ist auf einmal sehr klein geworden in real, größer vielleicht digital 😉
Eine Pandemie ist unglaublich – und lässt einen von vorne anfangen – ob positiv oder negativ.

 

 

 

Vielen Dank für das Interview liebe Ina, viel Erfolg Deine großartigen und so vielfältigen Kunstprojekte wie persönlich alles Gute in diesen Tagen!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Ina Loitzl, freischaffende Künstlerin_Wien/Kärnten

http://inaloitzl.net/joomla2/

 

6.4.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

Foto_Ina Loitzl

 

https://literaturoutdoors.com

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