Jetzt die Tunnelwand. Die Angst. Der Rucksack. Judith kauert im Dunklen und Ungewissen. Schritte. Taschenlampen. Hunde…das Warten. Das Gedankenlenken. Die Baumarten. Die Routine. Dort das Wasser. Das Suchen. Und dann das Öffnen. Der Weg ins Freie für Judith…
Doch das kommt erst. Es beginnt in der Stadt. Wien. Die Wege zur Holzwerkstatt. Das Wunder der Welt „…manche Holzarten ließen sich lesen wie Braille. Sie strich über den Tisch, fuhr mit den Fingerspitzen die Maserung entlang bis zu ihrem Ende, eine lange gerade Straße Richtung Rand der Welt…“. Der Rucksack neben ihr im Souterrain…
Und Lin. Das schlafwarme Laken am Morgen. Die Ordnung des Raumes. Das Tippen am Computer von Lin ist zu hören, während Judith noch im Bett ist. Dann der erste Kaffee. Der Rundblick zum Haus. Das stille Leben…
Und dann die Schiffsreise. Urlaub. Die Fähre. Zwischen zwei Städten. Bratislava – Wien. Jetzt beginnt etwas. Im Kopf und der Welt. Hier und dort. Der Rucksack kommt mit und öffnet sich. Die Musik der Überraschung und des Zufalls ergreift Judith und die Welt um sie…
Jana Volkmann, Schriftstellerin und Journalistin, legt mit „Auwald“ einen Roman vor, der vom ersten Satz an mit einer außergewöhnlichen Dynamik und Rhythmik von Sprache und Spannung begeistert. Leserin und Leser folgen neugierig und gebannt den Lebensgedanken, -wegen und -überraschungen von Judith und ihres Lebensumfeldes. Es ist ein Roman als Plädoyer für das Leben in Offenheit und Freiheit. In einer Sprache, die zum Besten gehört was in moderner Literatur zu lesen ist.
„Ein Roman in Sprache, Spannung und Leichtigkeit, die zum Besten gehören was in moderner Literatur zu lesen ist“
Lieber Stephan, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Im Moment gibt es keinen geregelten Tagesablauf, da ich viel unterwegs bin und fast täglich eine neue Aufgabe in neuer Umgebung wartet. In ruhigeren Phasen bemühe ich mich vormittags Sport zu machen, zu meditieren und Organisatorisches zu erledigen; nachmittags zu schreiben und abends frei zu sein für Gemeinschaft, Gespräch, Politik, Kunst, Essen, Trinken, Bäume, Sterne, Tuchent.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Wir tun gut daran, unsere Angst wahrzunehmen, aber uns nicht von ihr leiten zu lassen. Wir tun gut daran, achtsam und solidarisch zu bleiben. Wir tun gut daran, unseren Blick nicht vom großen Ganzen abzuwenden und uns nicht zurückzuziehen auf uns und unsere unmittelbare Umgebung. Corona hat die weltweiten Ausbeutungsverhältnisse nicht aufgehoben, die patriarchalen Strukturen nicht gesprengt, rassistischen Dynamiken keinen Einhalt geboten, den gewaltsamen Umgang mit der Natur und nicht-menschlichen Lebewesen nicht aufgehalten, weder Kriege noch Fluchtbewegungen gestoppt. Im Gegenteil. Leider hat die Pandemie vielerorts Vorwände geliefert die Ungerechtigkeiten zu vergrößern.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Kunst sollte das tun, was sie immer tun sollte. Bereichernde Formen finden, das Leben mit ästhetischen Mitteln spiegeln und kritisieren und vertiefen, uns an die nichtinstrumentellen Dimensionen der Wirklichkeit erinnern, das Unverzweckbare verteidigen, unserer Wahrnehmung und unserem Denken und unserem Empfinden Räume eröffnen, unsentimental an unsere Menschlichkeit rühren …
Was liest Du derzeit?
Ich habe die Angewohnheit, immer mehrere Bücher parallel zu lesen. Derzeit sind das u.a. „Die Niederschrift von der smaragdenen Felswand“, Christine Wunnickes „Die Dame mit der bemalten Hand“, Gedichte von Sophie Reyer, Wittgensteins „Philosophische Untersuchungen“, der zweite Teil von „A Song of Ice and Fire“, Julia Wolfs „Walter Nowak bleibt liegen“, ein wissenschaftlicher Band über vegane Ernährung und – zum zweiten Mal – Richard Obermayrs Roman „Der gefälschte Himmel“.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Ich würde eine Reihe von wunderschönen Zitaten aufsagen – bedächtig und besänftigend – die tiefsinnigen Köpfen entsprungen sind; wenn ich mich denn nur an irgendwelche der verdammten Dinger erinnern könnte.“
(Dorothy Parker)
Vielen Dank für das Interview lieber Stephan viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Mille grazie meinerseits & die besten Wünsche zurück.
Am Anfang stand die Politik. Die Suche nach Verbündeten. Der byzantinische Kaiser Alexios I rief um Hilfe in das Abendland. Nach Rom. Und Papst Urban II antwortet auf der Synode von Clermont 1095. Anders als erwartet für Alexios. Denn nun bricht ein Sturm los – „Gott will es“. Eine Pilgerreise in Waffen. Die Befreiung des „Heiligen Landes“ wird zum Unternehmen von Macht und Gewalt. Das Ziel ist Jerusalem und den Weg dorthin pflastern Plünderungen, Verfolgungen, Pogrome. Das Schwert regiert jetzt und die Erde blutet da und dort über Jahrhunderte…
Es entstehen neue Staaten, Fürstentümer, Königreiche. Jerusalem, Antiochia, Akkon. Jetzt beginnt das Ringen um Macht und Einfluss. Gnadenlos. Die Völker des Nahen Ostens stellen sich diesen Ansprüchen und es kommt zu erbitterten Auseinandersetzungen in Krieg, Verrat und unermesslichem Leid…
Und dann, Ende des 13.Jahrhunderts, steht die letzte Schlacht bevor. Die Hafenstadt Akkon ist die letzte Bastion der Kreuzritter und eine noch nie gesehene Streitmacht der Völker des Nahen Ostens macht sich auf den Weg vor die scheinbar uneinnehmbaren Mauern, die drohend ins Meer ragen…
Roger Crowley, ein profunder Kenner der mediterranen Geschichte, unterrichtete Englische Literatur in Cambridge, bereiste Städte wie Küstengebiete im Mittelmeerraum oftmals und lebte in Malta und Istanbul. In zahlreichen Buchveröffentlichungen beschrieb und analysierte er die politischen Entwicklungen der Zeit.
Mit dem vorliegenden Werk gelingt Crowley gleichsam eine Zusammenschau und Gesamtanalyse der Entwicklungen der Epoche der Kreuzzüge, die in Kompetenz wie spannender Darstellung beeindruckt.
„Dramatik und Spannung – Geschichte in bester Form erzählt“
Da ist der Ring. Und der Zweikampf. Im Büro. Im Hochhaus. Nach dem gehasteten „Guten Morgen“ in der Lobby fängt es. Denn hier ist in Etage und Etage nichts gut. Kein Morgen und keine Nacht. Hier wird gekämpft, gerungen. Um den Platz an der Sonne. Den Platz bei Kramer. Am Tisch. Oben. Drunter. Drüber. Um seine Nähe. Seine Gunst. Wer fliegt nach Delhi?
Und da ist der Zweikampf im Ring von Ambition und Rücksichtslosigkeit. Frau und Frau. Mann und Frau. Mann und Mann. Jeder gegen jeden. Alle sind Gegner. Jeden Tag. Das vorangetragene Selbstbewusstsein am vermeintlichen Weg nach oben. Push up. Und dem Absturz dann. Ins Bodenlose…
Und da sind die Selbstzweifel bevor es in den Ring geht. In der Tiefgarage. Im Spiegel im Auto. In der qualvollen Entscheidung der Kleiderwahl tagtäglich. In den gezählten Kilos. In den fehlenden Worten in der Liebe….
Hier ist nichts zu gewinnen. Aber alles zu verlieren…
Die Gitarrenklänge in der Lobby. Der Tod im Büro…
Es ist dunkel hier. Viel zu dunkel….
Jeden Tag…Push Up
Regisseurin Alice Mortsch und dem Ensemble von Theater privat_Wien gelingt eine intensive spannungsgetragene Umsetzung des zeitkritischen Theaterstoffes, die in Inszenierung wie Darstellung überzeugt. Es gelingt menschliche Ambivalenz wie Sehnsucht in ausdrucksstarken Dialogen und spielerischer Präsenz kraftvoll zu verdichten.
„Ein mitreißender Theaterabend in Regie wie Ensembleleistung – dem nur zu gratulieren ist“
„Push Up“ Roland Schimmelpfennig
Regie: Alice Mortsch
Ensemble: Karin Frank, Angelika Killmann, Michael Klein, Bernhard Kobler, Paul Müller, Masha Olshanska, Christoph Sautter, Kerstin Zimmermann
Theater privat_
Premiere 6.10.2020.
weitere Aufführungen: 7./8./9./10./12. und 13. Oktober 2020 jeweils 19:30 Uhr
Krypta der Canisiuskirche _Eingang Canisiusgasse 12, 1090 Wien
Liebe Pauline, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Im Sommer wurde es ruhiger, das lag zum einen daran, dass ich Projekte mit Risikogruppen geplant hatte, die ausgefallen sind, zum anderen, dass ich im Sommer meistens nur kreativ arbeite. Ich könnte mich etwas regenerieren von der beruflichen Umstellungsanstrengung der letzten Monate. Schrieb, las, ging in die Natur und recherchierte
Bis Mitte Juli allerdings hatte ich seit dem Lockdown Wochen, mit 50-60 Arbeitsstunden. Ich habe viele Mails abarbeiten müssen, Veranstaltungen absagen, umplanen müssen. Videokonferenzen, Telefonate. Ich habe dann schnell erkannt, dass ich meine Schreibwerkstätten und Poetry Slam Workshops, sowie einige literarische Veranstaltungen online anbieten kann und mich in diverse Videokonferenztools und deren Möglichkeiten eingearbeitet.
Gleichzeitig habe ich selektiert, auf welchen Kanälen ich Nachrichten konsumiere. Und auch auf meine Psychohygiene geachtet, meditiert und Yoga gemacht.
Jetzt im Herbst geht es dann wieder los bei mir mit neuen Projekten. Ich plane gerade vieles zweigleisig, je nachdem, was möglich sein wird: online oder offline. Mal sehen, wie es weitergeht.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Akzeptieren, dass und wie die Welt sich verändert. Den Fokus auf die guten Dinge, auf Innovation legen. Mich mit guten Menschen umgeben. Eine gute Balance von Arbeit und Freizeit im neuen Normal zu finden.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Kultur spiegelt wieder, was in der Welt passiert. Dokumentiert wird das üblicherweise durch Literatur und diversen anderen künstlerische Ausdrucksformen. Wie genau, was genau passieren wird, was sich durchsetzen wird, das ist noch im Prozess, denke ich. Ich finde es spannend und bin gespannt, wie wir in 2-5 Jahren auf die aktuelle Zeit zurückblicken werden. Ich halte Kunst in all ihren Formen als ein wichtiges Instrument zur Er- und Aufarbeitung der Ereignisse.
Was liest Du derzeit?
„Draußen gehen“ von Christian Sauer. Ein sehr schönes künstlerisch gestaltetes Buch über Gelassenheit, Kreativität und das Laufen, das Gehen, das Wandern. Außerdem immer wieder Lyrik, wenn sie mir online oder auf Papier begegnet.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Liebe Inken, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Die jetzige Situation gibt natürlich einen neuen Rhythmus vor. Ich bin freischaffend von Zuhause tätig, und bin Mutter von zwei Schulkindern; der Tag erhält seinen Takt durch ihren Zeitplan und dem Erfüllen ihrer Bedürfnisse.
Meine Arbeitszeit waren/sind die fünf Stunden morgendliche Schulzeit, mein Nachmittag dreht sich um die Kinder, deren Hobbys, unsere Tiere und den Haushalt. Ich brauche, um kreativ arbeiten zu können, Ruhe und Zeit am Stück. Wenn ich jederzeit mit Störungen und Unterbrechungen rechnen muss, werde ich unruhig und ungenau, schlampig und hektisch, das funktioniert gerade bei der akribischen Umsetzung von Vorlagen in realistische Malerei nicht.
Diese ungestörte Arbeitszeit gab es für mich nicht mehr, da Schule und Freizeitaktivitäten so stark eingeschränkt waren. Das Gefühl, nicht mehr mit seinen beruflichen Projekten voran zu kommen, gebremst zu sein, hat mich anfangs sehr nervös, unruhig, ja, fast wütend gemacht. Dann habe ich mich den Umständen bewusst angepasst und statt einer Ausbremsung neue, andere Möglichkeiten gesehen.
Nun gibt es viel Familienzeit. Wir stehen morgens auf, frühstücken lang, quatschen viel und albern herum. Dann setzen wir uns in den schulfreien Wochen an das homeschooling, was vor allem zeitlich eine ziemliche Herausforderung ist.
Dann folgen Projekte: gemeinsames Kochen, Fahrradtouren zum Haus von dem ‚schimpfenden Mann’, Spaziergänge mit den Hunden durch den Bach und hoch zum Hexenwald, ein Zwiebel- Erdbeer-Beet anlegen, eine Sprungschanze aus Holzschrott bauen, den Hunden Kunststücke beibringen, Telefonstreiche.
Und zwischendrin komme ich auch zu ungestörter Arbeitszeit, in der ich jetzt kleinere, unaufwändigere Arbeiten mache, die sich gut schaffen lassen.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ganz profan:
Sich nicht zu sehr zu sorgen und dadurch in Stress zu geraten, sondern die Zeit schön zu verbringen..
Das ein oder andere Pflanzen- Projekt starten, viel Erdbeeren in der Sonne essen und sich ins hohe Gras zu legen und mal zu kucken, wie strahlend blau der Himmel im Moment ist.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst zu?
Ich denke, das Erleben dieses Neubeginns basiert auf dem, aus einer ungewöhnlichen Erfahrung Erlernten, und wie dies uns als Personen geprägt hat.
Erlernt wurde Unsicherheit, Furcht vor der Unberechenbarkeit einer Situation, Distanz, Skepsis, Abwehr und Eigenschutz.
Aber auch Positives: eine andere Art Nähe, Hilfsbereitschaft, eine neue Wertschätzung von Familien und Freunden, Freiheit, Einschränkungen als Chance für sinnvolle Umstrukturierung (zum Beispiel: sind die vielen geschäftlichen Flüge nötig, oder zeigt sich nicht gerade, wie simpel die Meetings mit einer Internet Konferenz abgehalten werden können ohne dass irgendjemand sich umweltbelastend vom Fleck bewegen muss)
Und die hoffentlich lehrreiche Einsicht, wie die Natur durch ein paar zu bewältigende Maßnahmen in der Krise, für eine Sekunde Erholung bekam.
Zeitgenössische Kunst war immer eine radikale Auseinandersetzung mit den Vorgängen der Gegenwart, also wird und sollte die Erfahrung mit dieser Krise und ihre Zusammenhänge in Werke mit einfließen.
Die Frage ist, was mit den Kunstschaffenden, den Museen, den Theatern geschieht. Ich arbeite nicht nur als Künstlerin sondern auch als Illustratorin, habe einen kleinen Internet Handel, in dem ich Poster, Kunstdrucke, Karten und Allgemeine Papeterie meiner Illustrationen vertreibe, so dass ich ein zweites Standbein habe, das mich stützt in Zeiten, wo Ausstellungen und Messen, in denen ich meine Kunst/ Malerei zeige, abgesagt wurden.
Was liest Du derzeit?
Ich lese zur Zeit ein bezauberndes Buch von Juli Zeh: „Gebrauchsanweisung für Pferde“…
Ich bin etwa gleich alt wie Juli, und bin, wie sie, schon Reiterin, seit ich laufen kann. Sie schildert ihre Anfänge der Reiterei mit so viel Charme und Witz, ich finde mich darin genau wieder und habe einen großen Spaß an ihren klugen Beobachtungen mit Augenzwinkern..
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Mein Lieblings Zitat, das ich auch schon illustriert habe, ist von Pat Parelli: ‚handsome is, who handsome does‘.
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen und gleich morgen anwenden!
Vielen Dank für das Interview liebe Inken, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Der leere Raum, Das Licht, das Leben. Der tastende Mensch. Nackt und vorsichtig. Still und suchend. Sich suchend. Spürend. Der Einzelne. Die Einzelne. Stumm. Nur Körper. Allein.
Bin ich da? Wo?
Jetzt den Körper fühlen. Im Raum. An und in den Möglichkeiten des Raumes. Den Grenzen des Raumes. Breite und Höhe.
Der Raum füllt sich. Menschen betreten das Licht, den Tag. Sind da.
Mit Maske. Der Abstand im Dasein.
Jetzt.
Bewegungen. Hintereinander nicht Miteinander. Schnell und dicht.
Der Blick zu den anderen. Den Sitzenden. Dem Gegenüber. Da und dort. Still und stumm.
Dann der Weg der Gruppe. Das Zeigen. Aufstehen. Und zurückkehren. Es bleibt beim Blick. Weiter geht es nicht. Darf es nicht.
Aber der Körper bebt, bewegt sich. Emotion. Grazie und Muse am schmalen Grat. Schönheit und Ausdruck. Dahinter das Hämmern des Körpers am Boden. Das Nicht-Weiterkommen. Das Alleinsein. Gegensätze in der Stille. In der Abwesenheit von Nähe.
Dann der Schutzanzug. Wieder Nahekommen im umhüllten, fernen Körper. Eng ist nun das Zusammenstehen. Halten.
Und dann das Umarmen. Ein Lauf, ein Stürzen aufeinander zu. Innig und kräftig. Endlich. Zu Zweit. Für den Moment. Ein Fall in das Du. Für den Moment.
Dann wieder der Blick hinauf, hinaus. Das Gesicht. Die Maske.
Der Blick zueinander.
Dann das Dunkel. Das Licht erlischt. Der Mensch ist da.
40 Menschen. Nackt im Licht und Dunkel der Zeit…
Wir sind da.
Doris Uhlich gelingt mit Habitat pandemic version eine eindringliche wie mitreißende Choreografie der emotionalen Innenwelten in Zeiten der Pandemie. In expressiver Körpersprache und dichter Performanceintensität der 40 TänzerInnen wird dem Innenleben der Zeit beeindruckend Ausdruck und Raum gegeben. Das Alleinsein, das Bedürfnis von Nähe und Miteinander wird in aller Spannung und Ambivalenz, individuell wie kollektiv, wuchtig und direkt in den fließenden Spielraum zwischen Bühne und Sitzreihe gesetzt. Das menschliche Leben in Bedürfnis und Notwendigkeit kommt eindringlich in den Kunstblick und entführt das Publikum in eigene Innenwelten der letzten Monate und der Gegenwart.
Die Nacktheit als direkteste ästhetische Ausdrucksform schafft eine Intensität für den Blick auf den Menschen in aller Ganzheit, Schönheit und Zerbrechlichkeit. Es hat etwas von Anfang, Geburt, Liebe wie auch Endlichkeit.
Beeindruckend ist die Performance der TänzerInnen in Synchronizität und dem Tempo in Maske und Bewegung. Was hier an tänzerischer Qualität und körperlicher Höchstleistung geboten wird, ist atemberaubend!
Ein genialer Kunstgriff in Idee, Choreografie und sensationeller Ensembleleistung!
Der dichten existentiellen psychologischen Komponente in Habitat (=Lebensraum) korrespondieren zahlreiche mythologisch-religiöse wie gesellschaftshistorische Bezüge.
Das Licht, die Leere, der nackte Mensch (der Spielraum) lassen stark an die jüdische Tradition des Anfangs denken. Das Erschaffen-Werden, das Leben im Paradies und das Geworfensein, das Vertrieben-Sein in das Dasein in Mühe, Leiden und Sterben.
Die Zahl 40 selbst (Anzahl der TänzerInnen) steht in theologisch-mythologischer Analogie für eine Zeit der Veränderung, Orientierung. Die Zeit der Wüstenwanderung. Die Zeit von Aschermittwoch in der christlichen Tradition. Die Säulenzahl antiker Tempel. Die Symbolzahl in Babylonien und Ägypten. Die Frage nach Existenz und Sinn/Transzendenz im Wahrnehmen von Zerbrechlichkeit und Gefährdung des Lebens.
Ebenso leitet sich von der Zahl 40 – quarante (franz.: vierzig) – das Wort Quarantäne ab. Seit dem Spätmittelalter gibt es 40-tätige Zeitspannen der Isolation bei bzw. zur Verhütung von Pestepidemien.
„Eine mitreißende Performance, die kraftvoll und atemberaubend Zeit und Seele an nackter Angst und Sehnsucht packt – genial!“
Doris Uhlich _ Choreografin _ Foto_ Katarina Soskic
Performance
Oliver Arnold, Jonas Becker, Eleonora Ciani, Manuela Deac, Florian Decker, Lukas Froschauer, Verena Giesinger, Doris Haidvogl, Marie Handl, Veronika Harb, Fiona Hauser, Sophia Hörmann, Stefanie Hörmanseder, Sarah Horvath, Christina Hurt, Klaus Lengefeld, Karin Lux, Noa Molato, Ann Muller, Iris Omari Ansong, Lukas Pollhammer, Florian Reither, Thomas Richter, Vera Rosner-Nogel, Alina Schaller, Marie Schmitz, Mim Schneider, Moritz Schöll, Ursula Schönherr, Manaho Shimokawa, Fio Sierwald, Valentino Skarwan, Ulla Stahlstadt, Maritina Theodοrou, Indra Tjoa, Živa Vavpotič, Barbara Vörös, Patrick Wolf, Michael Wolloch, Michael Würmer
DJ
Boris Kopeinig
Lichtdesign
Sergio Pessanha
Dramaturgische Beratung
Sebastian Lorenz, Theresa Rauter
Körpertanks
Proper Space (Juliette Collas, Zarah Brandl)
Konfektionsfertigung, Maßschneiderei
Mick Hennig
Produktion
Sebastian Lorenz
Administration
Margot Wehinger
Presse, Kommunikation
Jonathan Hörnig
Internationale Distribution
Something Great (Berlin)
Eine Koproduktion von Tanzquartier Wien und insert Tanz und Performance GmbH. Mit Unterstützung der Kulturabteilung der Stadt Wien. Projektpartner der Habitat-Serie sind: donaufestival (Krems), ImPulsTanz (Wien) in Kooperation mit Secession Wien, Tanzquartier Wien.
Lieber Lukas, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Während des sogenannten Lockdowns hatte ich zum ersten Mal seit meiner Schulzeit wieder einen recht geregelten Tagesablauf. Ich bin froh, dass das inzwischen nicht mehr so ist. Dass die Tage nicht mehr ablaufen, eine Schablone ausfüllen, sondern ich wieder all dem nachgehen kann, was ich liebe, was mich außerhalb von Regeln denken und bewegen lässt.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Das ‚jetzt‘ aus dieser Frage zu streichen. Nicht morgen wieder in alte Ideen und Muster zu verfallen, von denen man für einen Moment so deutlich wie noch nie gesehen hat wie kaputt sie sind.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
Jede*r ist immer relevant, vollkommen unabhängig von irgendeinem System. Diese (eigentliche) Selbstverständlichkeit, die als Offenheit bezeichnet wird, kann und muss Kunst bekräftigen.
Was liest Du derzeit?
Christoph Schlingensiefs Animatograph: Zum Raum wird hier die Zeit (Roman Berka)
Welches Zitat, welchen Teximpuls möchtest Du uns mitgeben?
Für mich hat ein Künstler nur eine Aufgabe, nur eine einzige Aufgabe und nichts weiter als diese Aufgabe und das ist, Illusionen zu beseitigen, die man sich über die Dinge macht.‘ (Morton Feldman)
Vielen Dank für das Interview lieber Lukas, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Da sind die Stadt und das Leben auf, vor und von den Bildschirmen. Das tägliche Glück vieler...
Aller?
Und da sind die Bücher. Gejagt und verbrannt von der Feuerwehrtruppe mit der Zahl 451 am Revers. Brände werden gelegt, um das gedruckte Wort zu vernichten. Das ist der Job – ohne Worte, ohne Hinterfragen. Oder doch?
Es gibt eine Norm. Das Verordnete. Dem ist zu folgen.
Wie der Droge. Bis zur Überdosis.
Doch der Schmerz zerreißt Verbot und Norm.
Montag beginnt sich Gedanken zu machen, Bücher zu verstecken.
Und da ist Clarisse. Ein freier Geist. Wort und Stimme. Musik. Schönheit.
Und da der Literaturprofessor. Er weiß über das vergessene Lesen, Verstehen, Denken.
Montag will mehr darüber erfahren…
Und der Feuerwehrmann Montag in der Zerrissenheit zwischen Bildschirm und Buchtitel. Lesen-Wollen in der bunten niederdrückenden Welt…
…im Warten, im Donner des Krieges, mit Worten im Kopf…und nicht allein…
Die Dramatisierung des Romans „Fahrenheit 451“ (1953) des US-amerikanischen Autors Ray Douglas Bradbury (1920 – 2012) ist eine Herausforderung in Textfassung und Inszenierung. Dass dies eine höchst spannende und dramatische wie zeitkritische sein kann, beweist das TAG Theater Wien fulminant in dieser Uraufführung. Die Inszenierung von Susanne Draxler und Mimu Merz greift mutig und selbstbewusst nach dem Herz des Textes und das hervorragende Ensemble mit Jens Claßen, Michaela Kaspar, Raphael Nicholas, Lisa Schrammel und Georg Schubert lässt es in Spannungsaufbau und Dynamik hervorragenden Schauspiels laut und zeitlos pochen. Da sind ein Fragen, Ringen, Zweifeln und Wagen auf der Bühne zu sehen und zu spüren, das Publikum und Welt aufmerksam anzusprechen weiß. Und das im Spielraum eines kongenialen Bühnenbildes, das Effekt und stille Wucht hervorragend setzt wie in Variabilität beeindruckt. Wie das Ensemble darin spielt und umgeht ist Sonderklasse.
„Ein Theaterabend, der Mensch und Welt viel zu sagen hat – in Bewusstsein, Denken, Spiel und Zärtlichkeit.“
Wir leben auf dem Lande- mein Mann Manfred Schmid und die wundervollen rumänischen Pflegerinnen Titiana und Daniela sowie unsere Hündchen Suri und Pepita und unser Dauergasthund Prinz Ebi!! Mein Tagesablauf ist hier eigentlich immer gleich- ich male jeden Tag , ich lese sehr viel und tippe jeweils die neuen Seiten für die Biografie meines Mannes in den Computer und mache wunderbare Spaziergänge mit den Hunden und genieße den Garten… Während dem Corona Lockdown konnte ich es gar nicht fassen, dass hier alles wie immer ist und wir in dieser wunderbaren Idylle leben- aber nichts mehr “ wie immer ist”- dass im Bewusstsein schlagartig alles anders war- einfach unfassbar- man ist gefangen in dieser wunderschönen Natur- weiß dass es einen unsichtbaren Feind gibt- soviele Menschen sterben- ein Ausnahmezustand herrscht, der noch nie da war- nicht einmal im Krieg- und der uns alle und überall betrifft- und nach außen hatte sich für uns hier auf dem Lande eigentlich nichts geändert- das war einfach “ spooky”… Ein Film den ich drehen sollte wurde verschoben- mittlerweile konnte ich ihn drehen- Sprecherjobs wurden wieder möglich -Reisen nach Wien- und jetzt der idyllische Alltag wie immer….aber ALLES hat sich verändert- im Bewusstsein-
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Rücksichtnahme – Gemeinschaftsgefühl- verstärktes MITEINANDER- wo uns „Trennendes „ auferlegt wurde-Verbundenheit- innere Empathie und die Welt- das Leben mit neuen Augen sehen-Sorgsamkeit-Achtsamkeit-Dankbarkeit und 💗 LIEBE
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Ich denke dass sich für alle Menschen jetzt und auch für uns Künstler extrem viel verändert hat!! Nichts ist mehr wie vorher ( außer der ländlichen Idylle)- es hat sich ein neues Bewusstsein herauskristallisiert und das ist auch eine große Chance zum Umdenken und verändern! Auch für das Wertbewusstsein- was zählt wirklich – was brauchen wir nicht?! Und wie sehr wir Kunst brauchen wird uns dankbar klar!!! Nahrung für die Seele-für die Sinne- für den Geist…und wie sehr wir unsere Mitmenschen brauchen- das Miteinander erleben- das Gegenüber- den Austausch- die Isolation hat uns das mehr als deutlich gemacht- und uns gleichzeitig zur BESINNUNG gebracht! Wir werden- müssen -neue Wege gehen und finden!! Das ist eine spannende Herausforderung und eine immense Chance- auch auf allen künstlerischen Gebieten- und das ist bei all dem Schweren und Erschwertem eine echte große Chance- wir müssen und sollten Sie nützen- und es ist ein Grund zur FREUDE!!
Was liest Du derzeit?
Ich habe gerade „ Der zerbrochenene Spiegel von Merce Rodoreda gelesen- ( Auf der Placa del Diamant und Der Garten über dem Meer- habe ich bereits verschlungen) eine so außergewöhnlich tolle Autorin von der ich jede Zeile lesen will, die sie geschrieben hat!!! Jetzt lese ich Marlon Brando – The naked actor von George Englund – jedem aus unserer Zunft sehr zu empfehlen und die Biografie von Woody Allen!! Dann warten auf mich Der Apfelbaum von Christian Berkeley und Die Brüder Saphir von Topsy Küppers !! Und viele viele Köstlichkeiten in meiner literarischen Vorratskammer!! Im Zusammenhang mit Woody Allen habe ich mir die Biografie von Diane Keaton „ Damals-heute“ bestellt… bin lesesüchtig!!!
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ich möchte 3 Zitate von Martin Buber nennen:
ALLES WIRKLICHE LEBEN IST BEGEGNUNG
AM DU WERDEN WIR ERST ZUM ICH
DAS ZWISCHEN MUSS TÄGLICH NEU AUFGEBAUT WERDEN
💝
Vielen Dank für das Interview liebe Inge, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspiel- und Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!