„Wir tun gut daran, unsere Angst wahrzunehmen, aber uns nicht von ihr leiten zu lassen“ Stephan Roiss_Schriftsteller _ Graz 7.10.2020

Lieber Stephan, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Im Moment gibt es keinen geregelten Tagesablauf, da ich viel unterwegs bin und fast täglich eine neue Aufgabe in neuer Umgebung wartet. In ruhigeren Phasen bemühe ich mich vormittags Sport zu machen, zu meditieren und Organisatorisches zu erledigen; nachmittags zu schreiben und abends frei zu sein für Gemeinschaft, Gespräch, Politik, Kunst, Essen, Trinken, Bäume, Sterne, Tuchent.

IMG_1281njunju

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wir tun gut daran, unsere Angst wahrzunehmen, aber uns nicht von ihr leiten zu lassen. Wir tun gut daran, achtsam und solidarisch zu bleiben. Wir tun gut daran, unseren Blick nicht vom großen Ganzen abzuwenden und uns nicht zurückzuziehen auf uns und unsere unmittelbare Umgebung. Corona hat die weltweiten Ausbeutungsverhältnisse nicht aufgehoben, die patriarchalen Strukturen nicht gesprengt, rassistischen Dynamiken keinen Einhalt geboten, den gewaltsamen Umgang mit der Natur und nicht-menschlichen Lebewesen nicht aufgehalten, weder Kriege noch Fluchtbewegungen gestoppt. Im Gegenteil. Leider hat die Pandemie vielerorts Vorwände geliefert die Ungerechtigkeiten zu vergrößern.

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Kunst sollte das tun, was sie immer tun sollte. Bereichernde Formen finden, das Leben mit ästhetischen Mitteln spiegeln und kritisieren und vertiefen, uns an die nichtinstrumentellen Dimensionen der Wirklichkeit erinnern, das Unverzweckbare verteidigen, unserer Wahrnehmung und unserem Denken und unserem Empfinden Räume eröffnen, unsentimental an unsere Menschlichkeit rühren …

 

Was liest Du derzeit?

Ich habe die Angewohnheit, immer mehrere Bücher parallel zu lesen. Derzeit sind das u.a. „Die Niederschrift von der smaragdenen Felswand“, Christine Wunnickes „Die Dame mit der bemalten Hand“, Gedichte von Sophie Reyer, Wittgensteins „Philosophische Untersuchungen“, der zweite Teil von „A Song of Ice and Fire“, Julia Wolfs „Walter Nowak bleibt liegen“, ein wissenschaftlicher Band über vegane Ernährung und – zum zweiten Mal – Richard Obermayrs Roman „Der gefälschte Himmel“.

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Ich würde eine Reihe von wunderschönen Zitaten aufsagen – bedächtig und besänftigend – die tiefsinnigen Köpfen entsprungen sind; wenn ich mich denn nur an irgendwelche der verdammten Dinger erinnern könnte.“

(Dorothy Parker)

Vielen Dank für das Interview lieber Stephan viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

Mille grazie meinerseits & die besten Wünsche zurück.

5 Fragen an KünstlerInnen:

Stephan Roiss, Schriftsteller

http://stephanroiss.at/

Foto_Station bei Bachmann_9_20_ Walter Pobaschnig.

2.9.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

 

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s