Liebe Oksana, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Meine Tage sind sehr unterschiedlich organisiert, je nachdem wer ich heute bin oder sein möchte. Da ich mehrere Rollen beziehungsweise verwandte Berufe und viele verschiedene innere Zustände habe, kann mein Tagesablauf völlig unterschiedlich sein, und das ist die Freiheit, die ich in meinem Leben wirklich mag.
Oksana Kuzo, Pianistin
An den Tagen, an denen ich arbeite oder unterrichte, ist alles bis zu der letzte Minute verplant, manchmal bis 22-23 Uhr, und ich bin sehr diszipliniert. Wenn ich ein Konzert habe, versuche ich meine Energie bis zum Abend zu behalten und den Kopf frei von allem, außer dem Konzertprogramm, zu lassen. Manchmal, und meistens gibt es diese Gelegenheit im Sommer, mag ich es nichts zu planen, sondern den Tag in einem Andante Tempo laufen zu lassen und eine gewisse Langeweile zu verspüren um später wieder Inspiration zu finden. Diese Möglichkeit, an verschiedenen Tagen ein unterschiedlicher Mensch zu sein, ist für mich notwendig, um voranzukommen.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich denke, es ist wichtig für uns die Welt mit „weit offenen Augen“ betrachten zu können und zu verstehen, dass die subjektive Wahrnehmung der Wahrheit je nach Blickwinkel unterschiedlich sein kann. Auf unserem kleinen Planeten finden wir Bestätigung und Ablehnung vieler Überzeugungen, daher macht uns Toleranz und Verständnis für andere menschlich und kreativ. An uns selbst zu arbeiten und an andere zu denken, ist, meiner Meinung nach, besonders wichtig für uns, und noch: Dankbarkeit (hier kann jeder viele Gründe für sich persönlich finden), sowie ein gewisses Maß an Bescheidenheit und die Entwicklung des kritischen Denkens.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?
Ich würde es gerne glauben, dass wir vor einem Zustand des Wandels und eines Neubeginns stehen oder uns bereits darin befinden, aber, meiner subjektiven Meinung oder Beobachtung nach, ist dies jetzt kein so radikaler Prozess. Ich würde eher sagen, dass wir einen gewissen Restart durchmachen, mit der Möglichkeit verschiedene Dinge anderes zu sehen, sowohl persönliche als auch globale, und ich hoffe, dass dies wirklich einen positiven Einfluss auf uns haben wird.
Für mich hat Kunst die einzigartige Kraft einen Menschen in einen besonderen Zustand zu versetzen und dadurch zu erleben, zu fühlen – mehr, als unser Gehirn erfassen kann. Und hier sehe ich die Aufgabe der Kunst unserer Zeit – unsere Seelen so magisch zu beeinflussen. Natürlich gibt es noch viele andere Aspekte, aber dieser ist eine Ausnahme und für mich der wichtigste.
Was liest Du derzeit?
Ein Roman der ukrainischen Schriftstellerin Irena Karpa und „Spiele der Erwachsenen“ vom Eric Berne.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Life isn’t long enough for love and art. (W. Somerset Maugham)
Oksana Kuzo, Pianistin
Vielen Dank für das Interview liebe Oksana, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Oksana Kuzo, Pianistin
Fotos_ 1-3, 5, 6, 8, 10-11, 13-14 Walter Pobaschnig; 4,12 Lukas-Johannes Aigner; 7 Peter Wagner, 9 Matthias Hauer.
29.8.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Marcela Selinger, Sängerin_ am Romanschauplatz Malina _ Wien
Das Thema der emotionalen Abhängigkeit im Roman, diese unerfüllte, Liebe, ist vielen vertraut. Auch mir (lacht).
Es ist im Roman eine tragische Liebe, die in den Abgrund stürzt, in den Selbstmord/Tod treibt. Das Ende bleibt ja mehrdeutig.
In den 1960/70er Jahren war die Situation der Frau natürlich noch in vielem eine andere, etwa auch was das Mitteilen dieses intimen, abgründigen Zustandes betrifft. Es gibt ja im Roman kein Gespräch mit anderen Frauen oder der Familie über ihre Situation. Und dies ist wohl auch ein Bild der Zeit. Dieses Eingeschlossensein in Verzweiflung und Einsamkeit im Zustand einer unglücklichen Liebe.
In den 1970er Jahren war eine Frau, die nicht Mutter, Hausfrau war, per se noch eine „Außenseiterin“. In dieser Situation innere Verletzbarkeit und Intimität preiszugeben, war ja praktisch unmöglich. Es ist ja auch heute noch irrsinnig komplex und schwierig, vor allem auch als Mensch, der sehr in Kontakt mit diesen Gefühlen steht.
Über die extremen Abgründe und Dunkelheiten im Menschen, Liebe, Leben wird heute nach wie vor nicht offen gesprochen. Aber es ist schon enttabuisierter als vor fünfzig Jahren.
Heutzutage gibt es Rollenveränderungen in der Gesellschaft und es gibt auch Männer, die innere Spannungen und Belastungen nach außen tragen und teilen. Es ist mehr Raum, mehr Platz für diese innere Schwere, Druck und die Verzweiflung über emotionale Abhängigkeiten wie sie im Roman geschildert wird.
Intimität ist facettenreich. Viele Menschen können mit den emotionalen Abgründen nicht umgehen, die diese auch zu bieten hat. Sie haben Angst davor. Das gesellschaftliche Streben ist nach wie vor nach Leichtigkeit und das Nichtgreifbare – Abgründige wird gerne ausgeblendet- vielleicht weil es zu schwer einzuordnen ist oder zu viele Fragen für das eigene Kennenlernen aufwirft.
Es soll „leicht“ sein. Dafür müssen wir aber erst erkennen, dass das „schwere“ immer da sein wird. Wenn man an der Bewertung arbeitet, wirkt es vielleicht nicht mehr so bedrohlich.
Die Suche nach dem Glück, wie kann ich glücklich sein, steht heute ganz im Vordergrund. Die Schattenseite davon wird ausgeblendet. Beides ist aber „not-wendig“ ,im wahrsten Sinne des Wortes. Die Balance ist entscheidend.
Die Liebe ist ein Tanz. Wenn wir lieben, sind wir berührbar und somit verletzbar- sowie auch heilbar. Und in extremis ist es ein Tanz zwischen Leben und innerlichem Sterben was zum Tod führen kann wie im Roman oder zu einer Neugeburt.
Der Roman war da bahnbrechend in der schonungslosen Darstellung von Licht und Abgrund der Liebe und des Lebens und ist es heute noch. Ich finde es wichtig, sich persönlich mit den Themen des Romans zu beschäftigen.
Da wir soziale Wesen sind und Beziehungen unser Leben prägen, finde ich, es ist eine Notwendigkeit ,Gefühle und Gedanken bezüglich Liebe und Leben zu reflektieren.
Im Anhören des Romans jetzt dachte ich mir, wow, ich kann das so gut verstehen und deswegen möchte ich mich jetzt für etwas Anderes entscheiden. Literatur kann sehr heilsam sein, weil sie in erster Linie klar darstellt. Das ermöglicht, Themen mit denen man sich identifizieren kann, aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.
Gegen die Abgründe der Liebe kann man sich nicht schützen, da sie letztendlich in uns selbst zu finden sind. Das geht also nicht, auch fünfzig Jahre danach nicht (lacht). Darum geht es auch nicht im Roman. Der Roman zeigt das „Spiel der Liebe“ und die Gefahr des Verletztwerdens durch die Berührbarkeit, und das bleibt immer so.
Die Frage ist ,wie gehen wir mit dem Scheitern in der Liebe um. Wie wachsen wir daran? Wie benutzen wir die „inneren Werkzeuge“, die wir mitkriegen und die wir, schmerzlich, lernen?
Keiner, der sich der Liebe hingibt und dazu aufmacht, ist gewappnet vor den unermesslichen Schmerzen, die das Chaos birgt. Das hat vor fünfzig und fünfhundert Jahren genauso wehgetan wie heute. Heilung ist ein Prozess. Das ist so. Das ist ein Geheimnis des Menschseins.
Die Frage ist, lerne ich negative Erfahrungen in der Liebe konstruktiv zu nutzen oder gebe ich mich der Destruktivität hin. Aber dem Schmerz kann keiner entrinnen.
Ich denke, der erste Schritt ist, in Kontakt mit seinen Gefühlen zu kommen und diese zum Ausdruck zu bringen. Authentisch zu werden und sich nicht von den eigenen „Vor – Stellungen“ von sich selbst oder des anderen blenden zu lassen.
Malina und Ivan sind beide unerreichbar für die Frau im Roman. Malina ist anwesend, unmittelbar erreichbar für sie aber in seinem Charakter wieder so schräg, dass er letztlich unerreichbar ist. Ivan ist der solide im Leben stehende Geschäftsmann, hat Kinder, und ist von der Romanze her, der emotional erreichbarere. Aber aufgrund der Situation der Affäre, ist Ivan wiederum unerreichbar.
Von Ivan her gesehen, ist es eine sehr egoistische Konstellation, weil es ein Ablaufdatum hat, außer er dreht es um, was er ja nicht tut. Die Ich-Erzählerin bleibt die Geliebte, die Wartende, Sehnende, Verzweifelnde. Für mich ist das ein extrem gemeines Spiel, das Ivan da treibt. Es ist nicht fair. Man kennt es ja auch heute, aber ich verstehe so etwas nicht, dieses Scheinbild in einer Affäre. Natürlich entbindet es die Ich-Erzählerin nicht von ihrer Selbstverantwortung, dennoch ist es sehr schwer sich aus einer solchen Situation zu lösen und klar zu sehen, wenn man emotional so sehr verwickelt.
Malina ist wie ein Phantom. Er ist eigentlich gar nicht da und trotzdem ein Anker zur Welt, damit sie sich nicht ganz verliert.
Sie ist, bleibt letztlich einsam und allein mit Malina und Ivan. Die Einsamkeit ist ihr Grundgefühl.
Ob sich Männer seit damals verändert haben? Manche vielleicht (lacht). Ich denke man kann das nicht generalisieren und auch nicht auf Männer beschränken- es gibt ebenso Frauen die Affären haben und oftmals läuft das auch nicht einmal schlecht. Es gibt auch nach wie vor Affären mit dem „Schein-Wahren“ nach außen. In dem Roman geht es ja um mehr als das- es geht um einseitige, unerfüllte Liebe .
Eine geheime Affäre ist sehr stressig. Wenn sich da nicht etwas dreht, dann ist es über die Zeit wohl eher belastend und hat wahrscheinlich ein Ablaufdatum.
Das Thema der Einseitigkeit und Unerreichbarkeit in der Liebe gibt es in allen Facetten. Dazu braucht es keine Affäre.
Liebe und Affäre, da spielen viele gesellschaftspsychologische Mechanismen eine Rolle. Es gibt heute eine größere Offenheit, aber ob die persönliche psychologische Arbeit mehr geworden ist, um daran zu wachsen, würde ich mich nicht trauen zu sagen. Es sind wohl die gleichen inneren Kämpfe wie früher. Und es gibt beides, das „Davonlaufen“ oder das „Sich-Stellen“.
Wie will ich wachsen in Leben und Beziehung? Das ist eine Entscheidung, die zu treffen ist.
Gesundes Wachstum liegt in guter Erde und Pflege. Die Rahmenbedingungen für Wachstum bilden sich aus gesellschaftlichen Gegebenheiten sowie der individuellen Handhabung.
Der dritte Mann als Utopie und Hoffnung im Roman ist für mich der Heiler, der Freund, der sie erkennt, in dem WER sie ist und annimmt in ihrem Schmerz, der totalen Schwere und sagt: „Hey, da ist ein Platz, da kannst du dich ausruhen. Und in diesem Raum ist keiner von den anderen beiden“.
Der dritte Mann ist nur eine Hilfe. Die Entscheidung treffen und den Weg gehen, das muss sie selbst.
Der dritte Mann könnte auch eine Kraft in ihr selbst darstellen einen Raum zu kreieren, der ihr guttut und ihr die Einsamkeit nimmt, hilft, von Abhängigkeiten wegzukommen. Was sie ja versucht aber daran scheitert. Die Utopie bleibt trotzdem, auch im Weg durch die Wand.
Der dritte Mann als Vaterbild im Roman ist die Wurzel ihrer nun erlebten Männergeschichten und wenn sie sich darauf einlässt, kann es auch der heilende Aspekt sein. Wenn sie in diese Ängste reingeht, erkennt sie sich selbst.
Irgendwann ist das Schlachtfeld leer, der Krieg zu Ende und man findet sich wieder, still. Die Stille ist ja auch das Ende des Romans und alles weitere bleibt offen. Das leere Schlachtfeld ist der perfekte Ort, um loszugehen.
Im Roman wird der Krieg, den sie erlebt hat, im Außen wie im Innen, thematisiert und ins Bild gesetzt.
Es ist wichtig seine Grenzen zu erkennen. Zu erkennen, was will ich in der Liebe? Aber es bleibt immer ein Tanz am Abgrund.
Das Verlieren in Vorstellungen, Ideen wie und was man sein sollte, bringt nichts.
Das Thema Liebe und Selbsterkenntnis ist ein lebenslanges.
Wien ist die erste Stadt, in der ich beschloss zu bleiben. Es ist eine sehr gute Mischung aus Stadtatmosphäre und Natur.
Wien ist sehr lebendig, da ist sehr viel Kraft, Energie und auch Ruhe. Das ist außergewöhnlich.
Orte bedeuten mir sehr viel. Da sind viele Erinnerungen und Gefühle und sofort 1000 Bilder im Kopf.
Liebe auf den ersten Blick gibt es, auch wenn mein Verstand sagt, das ist totaler Quatsch (lacht).
Der erste Blick ist oft gar nicht notwendig in der Liebe, die bloße Präsenz kann schon wirken (lacht), wenn man bedenkt auf wie vielen Ebenen unsere Systeme zusammenwirken, die wir mit unserem limitierten gar Bewusstsein nicht erfassen können.
Wenn Menschen sich in ihrer Berührbarkeit zeigten anstatt in ihrer Macht, würde das die Welt zu einem besseren Ort machen. Das ist eine Herausforderung aber ich wünsche mir das.
Scham ist ein großes Thema in der eigenen Verletzbarkeit. Aber die Konfrontation damit lässt einen sich selbst sowie die anderen Menschen annehmen anstatt zu verurteilen.
Wir können nicht der perfekte Mensch werden. Aber wir können uns gegenseitig Kraft und Halt geben.
Wir können Fehler heilen, wenn es einen Teppich an Halt gibt. Wenn es das Wissen gibt, kann ich zurück in die Verbindung.
In allem können wir unser Spiegelbild finden. Es ist die Frage wie wir dies nutzen.
Wir vergessen manchmal unsere Spiegelbilder in Menschen, der Natur, der Welt. Es ist gut, sich darauf zu besinnen. In Schönheit sowie Grenzen.
Unsere Spiegel sind immer da. Aber sie sind wertlos, wenn sie nicht erkannt werden.
Die moderne Kommunikation lässt die Missverständnisse in Beziehungen zunehmen. Vor allem bei geschriebenen Nachrichten. Das ist fürchterlich. Du hörst keine Stimme, siehst keinen Körper. Die Nachricht wird dann oft zum Ausdruck persönlicher Stimmungen. Es ist ganz wichtig, sich zu begegnen.
Direkte, unmittelbare Kommunikation ist gesünder. Das gesunde Schweigen miteinander ist sehr wichtig.
Wir können aus Malina ganz, ganz viel mitnehmen. Der Roman ist eine Mahnung, sich seiner selbst und des Bodens, auf dem man steht, bewusst zu werden und dementsprechend zu handeln.
Der Roman drückt die Sehnsucht aus, berührbar sein zu wollen und berühren zu dürfen und da gilt es weiter zu lernen, auch wenn es wehtut.
Der Roman zeigt auch auf, wie wichtig das „Innehalten“ und das zu suchen was dich stabilisiert, ist. Alles andere lass` außen vor.
Wie wollen wir weiter wachsen mit allen Herausforderungen und aller Schönheit der wahrhaftigen Intimität. Das gibt der Roman für mich zu bedenken.
Das „Ich“ braucht die Beziehung zum „Du“ um sich selbst zu erkennen . Wachstum geschieht dann im „Wir“. In der Interdependez, sozusagen.
Wir sollten daran arbeiten den Kontakt mit uns selber nicht zu verlieren und uns immer fragen wo bin ich jetzt – Im „Ich“, im „Du“ und wo ist das „Wir“?
Wie kann ich wachsen, ohne mich selbst aus den Augen zu verlieren. Und auch mit dem „Du“ zu wachsen, ohne sich im „Du“ zu verlieren, darin steckenzubleiben.
Wir müssen ins „Du“ und zurück ins „Ich“ ,um letztendlich zu sehen, ob es das „Wir“ überhaupt gibt.
Marcela Selinger, Sängerin_ am Romanschauplatz Malina _ Wien
50 Jahre Malina _ Roman _ Ingeborg Bachmann _ im Gespräch und Fotoporträt:
Liebe Madeleine, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Endlich geht es wieder bergauf, hab ich das Gefühl, nicht nur im Wanderurlaub in Südtirol. Bin gerade – oder müsste eher sagen, war noch bis vorhin gerade – am Textlernen für das Theaterstück „Vomperloch“ von Felix Mitterer, das im September des Jahres im Theater im Lendbräukeller zur Aufführung kommt. Ansonsten bin ich dauerhaft als organisatorische Leitung und Produktionsleitung eingespannt, was sich durch die Lockdowns nur insofern geändert hat, dass ich mehr Veranstaltungen aus jeglichen Kanälen wieder löschen musste, statt werbetechnisch nochmal nachzulegen …
Mit meiner Band GRACENOTES (Irish Folk, Celtic Punk, Shanty, Dessertrock), bei der ich als Sängerin aktiv bin, konnten wir in diesem Jahr aber schon drei Konzerte spielen, was mich sehr freut.
Ansonsten hab ich auch ein neues Theaterstück geschrieben, an verschiedenen Konzepten gefeilt und mir neue Aufgaben gesucht, die mich als Workaholic beschäftigt halten.
Freue mich nun auf 2022 und hoffe, dass die Projekte, bei denen ich letztes und dieses Jahr Regie und Co-Regie machen hätte sollen, dann (endlich) stattfinden können! Und warte mit einem lächelnden Auge jetzt einfach schon mal darauf (vielleicht hilft das)!
Dass wir trotz Entfremdung unsere Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft nicht vergessen! … Zumindest wäre mir das besonders wichtig!
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Was passieren wird, kann wohl niemand genau sagen, aber ich hoffe, dass wir Künstler/innen selbst etwas von dieser Zeit mitnehmen können. Es wäre nun die Chance für einen Neubeginn und eine Veränderung! Es wäre die Chance neue Konzepte zu erfinden, neue Wege einzuschlagen, neues auszuprobieren, aus alten und festgefahrenen Strukturen auszubrechen, wieder kreativer zu werden, nicht nur das erarbeiten zu wollen, das bestimmt gut ankommen wird, sondern etwas zu wagen.
Ich finde es beispielsweise schön, dass sich in dieser Zeit viele Einzelkünstler/innen zusammengetan haben und neue Künstlergruppen entstanden sind, die gemeinsam etwas schaffen wollen! Und ich würde mir wünschen, dass gesehen wird, dass Künstler/innen, seien es nun Autoren/Autorinnen, Schauspieler/innen, Regisseur/innen, Tänzer/innen, Maler/innen etc. einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie andere Menschenberühren, zum Lachen, Weinen und Nachdenken bringen, gesellschaftliche Themen besprechen, oder auch einfach helfen, mal abzuschalten und den Alltag hinter sich zu lassen. Für mich war nämlich besonders schlimm in dieser Zeit, dass man von allen Seiten hörte, dass wir Künstler/innen nicht systemrelevant sind und dass wir keinen wichtigen Beitrag leisten – vor allem die Freischaffenden wurden dabei kritisiert. Als jemand, der vor allem in diesem Bereich arbeitet (Schauspielerin, Regisseurin, Autorin), sehr viel in diese Arbeit steckt und seine Arbeit liebt, etwas bitter.
Was liest Du derzeit?
Gerade habe ich „Nichts weniger als ein WUNDER“ von Markus Zusakangefangen, nachdem ich „Das Geburtstagsfest“ von Judith W. Taschler fertiggelesen habe. Gut ist ja: Ich kann mir auch wieder mal ein bisschen Zeit zum Lesen genehmigen. Bin schließlich eine Leseratte!
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
»Manchmal wundere ich mich, dass es immer noch Organisationen undKonzerne gibt, die meine Adresse nicht haben …«, sage ich kopfschüttelnd zumKänguru, während wir für ein Gewinnspiel […] ein Formular ausfüllen. »Ichhabe nämlich das Gefühl, meine Adresse schon jeder Firma auf der Weltpersönlich auf einen Zettel geschrieben zu haben.«»Ja, ja«, sagt das Känguru, füllt das Feld mit seiner Telefonnummer aus, öffnetdahinter eine Klammer und schreibt hinein: 69 Cent pro Minute.»Was soll das denn?«, frage ich.»Hab mir ´ne neue Nummer besorgt«, sagt das Känguru.
(Kling, Marc-Uwe (2016): Die Känguru-Chroniken. Berlin: Ullstein Buchverlage.
S. 21).
Erinnert mich immer an das Jahr, als ich mit einer Schauspielkollegin im Tourbus durch ganz Deutschland gefahren bin. Da haben wir auf den Fahrten zu unseren Spielorten eine Zeit lang immer die Känguru-TriØlogie gehört.
Vielen Dank für das Interview liebe Madeleine, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspiel-, Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Lieber Michael, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
tatsaechlich doch relativ aehnlich wie schon seit laengerem: ich stehe ziemlich frueh auf, schreibe ein wenig, kuemmere mich bald um meinen dann aufwachenden sohn, gucke ein buch mit ihm an – wir essen/trinken –, daraufhin wecke ich seine mama, mache mich schnell fertig fuer die arbeit & radle los – dort der uebliche, amuesante alltagswahnsinn: ein kindergarten; wobei ich hier das staendige maskentragen durchaus als zunehmend kraeftezehrend/anstrengend empfinde. auf dem nachhauseweg kaufe ich eventuell ein, ich verbringe zeit mit meiner familie & nutze am abend die noch verbleibende, um in ruhe zu malen, zu schreiben etc. soziale kontakte zu anderen normalisieren sich gerade ein wenig dahingehend, dass man sich an den ist-zustand anpasst & zugleich eine orientierung gen wieder mehr umgang spuerbar wird.
Michael Johann Bauer_Schriftsteller, Maler und Projektkünstler
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
dasselbe, was m.e. & prinzipiell immer wichtig sein sollte: sich auf das einem wesentliche besinnen, kritisch bleiben, in jeglicher hinsicht, vor allem sich selbst & seinen gewohnheiten gegenueber, allerdings ebenso kompromisse eingehen & nachgeben koennen; sich mit anderen respektive auch andersdenkenden menschen in einem staendigen, wertschaetzenden austausch befinden – pluralitaet der sichtweisen, lebensformen etc. – ohne zu diffamieren, zu verurteilen, zu hetzen: fuer ein harmonisches miteinander, das auf unterstuetzung basiert & nicht auf profilneurose & egozentrismus. wir reiben uns gegenseitig auf, wenn ein einzelnes eventuell gar falsch verstandenes wort wichtiger wird als z.b. die gesundheit – sozial, psychisch, physisch, geistig – unserer mitmenschen.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
die rolle der literatur/ kunst duerfte identisch sein mit der rolle, die sie wohl spielt, seitdem sie existiert: impulse aufnehmen, verstaerken, persiflieren, karikieren, moegliche ausreiszer skizzieren, zum denken anregen, unterhalten, manchmal in sich sowohl wunschdenken, das dadurch realitaeten praegen kann, als auch exponierte merkmale konzentrieren, verborgenes aufdecken, bedeutungen verschieben, das leben – da-sein – lebendig & interessant halten, abstoszen, anziehen, polarisieren, ventil sein, damit es nicht zur revolution im kleinen & groszen kommt, der zuendende funke sein, zur revolution im kleinen & groszen, dem gleichfoermigen ecken & kanten verleihen, die einem wehtun oder zum verweilen einladen etc. etc. ad infinitum!
Was liest Du derzeit?
momentan in diesen buechern abwechselnd: paulus boehmer „kaddish I-X, ilse kilic „das wort als schoene kunst betrachtet“, bruno schulz „die zimtlaeden“ , endres/schimmel „das mysterium der zahl“ & peter weiss „der schatten des koerpers des kutschers“.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
bruno schulz (am ende der „zimtlaeden“: „die mythisierung der wirklichkeit“): „das wesen der wirklichkeit ist der sinn. was keinen sinn hat, ist fuer uns nicht wirklich. jedes stueck wirklichkeit lebt dadurch, dass es an einem universalen sinn teilhat.“
Vielen Dank für das Interview lieber Michael, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literatur-, Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Michael Johann Bauer_Schriftsteller, Maler und Projektkünstler
Erfahrung ist ganz wesentliche Mitte menschlicher Identität. Erfahrung ist dabei immer in einer Wechselwirkung mit persönlicher Sinndynamik wie gesellschaftlicher Konzeption. Darin bildet sich der Mensch geistig, sozial und kulturell.
Diese Grundkomponente menschlichen Lebens erfährt in der Kulturgeschichte der Menschheit spezifische Ausformungen. Eine davon ist etwa die christliche Mystik, die auf eine kontinuierliche wie wechselvolle Geschichte verweisen kann. Dabei gibt es unterschiedliche theologische wie gesellschaftliche Spannungsfelder, die hierbei eine Rolle spielen. Die mystische Intention sucht sich darin zu behaupten.
Volker Leppin, mehrfach ausgezeichneterProfessor für Historische Theologie an der Yale-university legt mit „Ruhen in Gott“ einen spannenden Abriss der christlichen Mystik in Geschichte und theologischer Ausrichtung vor. Besondere Bedeutung kommt dabei auch den individuellen Konzepten und Persönlichkeiten wie Mechthild von Magdeburg, Johannes Tauler oder Martin Luther zu.
Der Autor vermag in konzentrierter wie gut lesbarer Weise die Schwerpunkte der unterschiedlichen mystischen Ausrichtungen und Konzepte im Laufe der Geschichte darzustellen und zu erläutern. Hervorzuheben ist auch ein umfangreicher Bildteil, welcher einen wunderbaren Einblick in die Kunstgeschichte und deren Bearbeitung des Themas gibt. Es ist in Summe eine gelungene Zusammenschau mystischen Denkens, welche auch Impulse zu weiterführender Reflexion gibt.
„Ein spannender Überblick über die Geschichte des mystischen Denkens im Christentum“
Hristina Susak _ Komponistin, Performerin – am Romanschauplatz Malina_Wien
Orte sind für meine Arbeit als Komponistin sehr wichtig. Sie sind Inspiration. Ich kann nur an besonderen örtlichen Bezugspunkten komponieren.
Ich kann Zuhause nicht komponieren. Es muss etwa ein Cafè sein oder in der Natur. Natürlich auch im Arbeitsbereich der Universität. Ich komponiere dort besonders gerne, wenn ich alleine bin.
Wenn die Inspiration da ist, kann es ein ganzer Tag sein, an dem ich an einer Komposition arbeite. Manchmal auch die ganze Nacht. Ich vergesse hin und wieder auch zu essen dabei (lacht).
Eine Gesamtkomposition kann drei Tage oder ein Monat dauern. Das hängt von der musikalischen Besetzung ab, der Stückdauer und der persönlichen Inspiration.
Ich habe mein erstes Musikstück mit acht Jahren geschrieben. Ich hatte da noch keine Ahnung was komponieren heißt. Ich bin einfach am Klavier gesessen und habe geschrieben (lacht). Das setzte sich fort und mit siebzehn Jahren habe ich dann die Aufnahmeprüfung an der Universität in Wien gemacht. Seitdem studiere ich Komposition hier.
In meiner Arbeit gibt es verschiedene Schwerpunkte. Ich komponiere entweder ganz instrumental oder für Medien – Film, Werbung – oder auch für das Theater. Und ich mache auch konzeptuelle Performances. Bei meinen Performances arbeite ich auch mit Live-Elektronik.
Eine tolle Erfahrung war für mich auch die musikalische Gestaltung und Mitwirkung beim Theaterstück „Watschenmann“ von Karin Peschka am Wiener Volkstheater (2019). Die Regisseurin Berenice Hebenstreit hat mich dazu eingeladen.
Es gibt verschiedene künstlerische Interessen. Ich male, vor allem als ich jünger war, und tanze sehr gerne. Besuche auch eine Ballettklasse. Ich interessiere mich auch sehr für Film und Videoproduktionen.
Ich lebe jetzt sieben Jahre in Wien. Es ist für mich der ideale Ort für Kunst und Leben und ich erfahre als junge Frau und Künstlerin viel Unterstützung und Förderung, gerade auch in diesen sehr herausfordernden Zeiten.
Im Roman „Malina“ finde ich besonders die Traumsequenzen interessant und die psychologischen Überlegungen dazu. Ich lese persönlich auch viel über Psychologie und interessiere mich für die Psychoanalyse Sigmunds Freuds sehr. Wie aber auch für Physik und da für die Relativitätstheorie von Albert Einstein.
Ich denke, dass das Strukturmodell der Psychoanalyse mit ICH, ES und ÜBER-ICH auch eine Interpretationsmöglichkeit des Romans darstellt. Besonders auch da der Protagonist Malina ja als Spiegelbild der Frau gesehen werden kann.
In meiner Arbeit will ich meine Persönlichkeit und meine Weltsicht, meine Ideen abstrakt ausdrücken. Emotionale Erfahrung ist dabei ganz wichtig.
In meinem Stück „Anima“ geht es etwa um die Unterschiede wie Ähnlichkeiten von Lachen und Weichen. Was sind Übergänge und Grenzen. Im Stück „Infants“ geht es um Gefühle von Kindern, die in abstrakter Form musikalisch fühlbar gemacht werden.
Träume spielen nicht direkt in meinen Kompositionen eine Rolle. Aber es kommt vor, dass ich träume und dann nach dem Aufwachen dies als Inspiration für ein Stück aufnehme. Ich schreibe meine Träume nicht auf.
Auch in der Liebe braucht es Zeit für sich. Die persönliche Entwicklung ist sehr wichtig.
Ein Beziehungsende ist immer schwierig. Damals zur Zeit des Romans wie heute.
Kunst ist ein Geschenk für uns alle und verschönert das Leben.
Kunst kann nicht die Welt verändern aber Kunst kann viele positive Impulse geben.
Ich arbeitete jetzt weiter an meinen Projekten. Was kommt, kommt. In dieser Coronazeit ist ja wenig vorhersehbar.
Die Atmosphäre hier am Romanschauplatz ist sehr inspirierend. Ich denke, ich werde da unbewusst viel mitnehmen für meine Arbeit.
Hristina Susak _ Komponistin, Performerin – am Romanschauplatz Malina_Wien
50 Jahre Malina _ Roman _ Ingeborg Bachmann _ im Gespräch und szenischem Fotoporträt:
Hristina Susak _ Komponistin, Performerin_Wien
Station bei Ingeborg Bachmann_Romanschauplatz_Malina.
Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien_6_2020.
Lieber Kevin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Nach dem Aufstehen erstmal kurz frisch machen und dann mit dem Hund eine Runde spazieren. Danach bin ich bereit für Frühstück, Nachrichten und Lesen. Ich bin freiberuflich, das heißt auch, dass sich meine Projekte immer wieder verändern, deswegen sind meine Wochen oft verschieden und voller spontaner Änderungen. Im September nehme ich mir ganz frei von allen Projekten und konzentriere mich auf das Schreiben, will aber auch viel Lesen und ich freue mich auf Spätersommerspaziergänge mit meinem Hund.
Kevin Junk, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Es wird eine Weile dauern, bis wir uns vom konstanten Stress durch die Pandemie erholt haben werden. Deswegen ist es wichtig, glaube ich, dass wir selbstverzeihlich und behutsam mit uns und anderen umgehen. Das sage ich mir immer wieder im Austausch mit Menschen, die mir nah sind. War einfach viel los und es wird noch eine Weile viel los sein.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Literatur, aber auch Kunst im weiteren Sinne, kann uns ins Stauen versetzen, uns an die Hand nehmen und neue Wege durch neues Terrain aufzeigen. Sie kann zugleich scheinbar Bekanntes neu anordnen und damit neue Zusammenhänge im Gewebe aufzeigen. Das Spannungsfeld zwischen nahbar und weit weg verhandelt für mich die Empathie, die man beim Lesen aufbringen muss. Genau darin liegt für mich die Kraft von Literatur: Die Auseinandersetzung mit Fragestellungen, die mich beschäftigen und zugleich nicht direkt greifbar mit mir zu tun haben. So sehe ich auch die Relevanz von queerer Literatur für ein breiteres Publikum. Mir erschließt sich nicht, warum queere Themen immer wieder in die Nische gedrängt werden.
Was liest Du derzeit?
Derzeit lese ich einen Band aus der Reihe 33 1/3 in der Musikjournalist*innen und Autor*innen einen längeren Essay zu einem Album schreiben, das sie fasziniert oder geprägt hat. Der Essay bespricht „Selected Ambient Works Vol II“ von Aphex Twin, eine Ambient-Platte aus den 90ern, die ich sehr wertschätze. Ich lese gerne über Musik, gerade über elektronische Musik, dann interessiert mich jedes auch noch so unwichtige Detail. Außerdem recherchiere ich für eine Roman-Figur, die Musik produziert und sich für Ambient interessiert.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
My idea of a writer: someone interested in everything. – Susan Sontag
Kevin Junk, Schriftsteller
Vielen Dank für das Interview lieber Kevin, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an KünstlerInnen:
Kevin Junk, Schriftsteller
Kevin Junk – über mich:
Ich bin Kevin, Schriftsteller und Kreativstratege aus Berlin.
Als freier Autor schreibe ich über Kultur, Gegenwart und Gesellschaft.
Im März 2021 erschien mein Debütroman „Fromme Wölfe“ im Querverlag. Daneben habe ich Prosa, Gedichte und Essays in Anthologien und Magazinen veröffentlicht.
Lieber Pedro, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
– Mein Tagesablauf – Eigentlich immer wie immer – Aufstehen, Kaffeetrinken, am Computer die News in den Zeitungen durchstöbern. Unwichtige E-Mails in den Papierkorb versenken. Gleichzeitig eine Banane essen – Zwischendurch ein Blick aus dem Fenster – Wie ist das Wetter? – So beginnt für mich der Tag.
Daraufhin folgt ein wichtiges Ritual: – Der 5-Minuten Text – Quasi Schreib-Fingerübungen.
Ich greife zu meinem Notizblock und notieren mir das erste Wort, das mir einfällt. Von diesem Wort aus spinne ich weiter. Ein Assoziations-Text.
Ich lasse mich vom den Wörtern überraschen. Heute notiere ich mir das Wort »Glas«. Und schreibe weiter: »Glas kommt oft als Gefäß daher. Dann natürlich als Fensterglas, Panzerglas, Sicherheitsglas, Milchglas. Spiegel sind auch Gläser. Als Knabe spielte ich mit gläsernen Marmeln – und verspielte so viele. Schneewittchen lag in einem Glassarg. Die Piraten tragen Glasaugen …«
Gegen ein Uhr mittags koche ich mir eine Suppe. Dann legte ich mich eine halbe Stunde aufs Kanapee.
Heute Nachmittag übe ich meine eigenen Gedichte zu lesen. Für eine Lyrik-Lesung im Kloster St. Urban, im Abtsaal des ehemaligen Zisterzienserkloster. Ich lese aus meinen 2 neuen Lyrik-Büchern »Das Gewicht des Schattens im Sonnenschein« – Gedichte und Polaroids – Streifzüge durch Berlin. Und aus »Parallelwelten – Wasteland Factory oder Der Garten der Lüste – Lyrik und Mauerspuren«. Beim Lesen schaue ich auf die Uhr. Ich möchte weder zu lange noch zu kurz lesen. Mir mangelt es noch an Zeitgefühl. Diese Lesung wurde wegen Corona zweimal verschoben, nun endlich findet sie statt.
Gegen Abend kritzelte ich mit einem Kugelschreiber oder einem Bleistift Zeichnungen auf Briefumschläge. Manchmal schließe ich beim Zeichnen die Augen. So entstehen meine Blind-Zeichnungen. Auch kommen Brief-Couverts meiner Scheu vor dem so genannten weißen Blatt entgegen. Die Stempel, Briefmarken und Schrift des Absenders und Adressaten, so wie das vielleicht zaghafte durchschimmern des Briefinhalts beflügeln meine Fantasie. Beschriebene Briefumschläge, so genannte gelaufene Briefe, sind für mich ein ideales Medium. Und so mutieren meine Zeichnungen zu Palimpsesten zu Hypertexten der anderen Art.
Gegen Abend ziehe ich mir Schuhe an und wandere ca. 1 Stunde durchs Dorf.
In den Zeiten von Corona ist es entscheidend die Relation zu wahren. Vor kurzem erst das Inferno des 1. & 2. Weltkrieges. Die Spanische Grippe nach dem Ersten Weltkrieg. Der Tsunami von 2004 im indischen Ozean. Die Schwarze Pest im Mittelalter. In China kostete Maos kommunistische Revolution 40-80 Millionen Menschen das Leben. Ich war in den 1970er Jahren in Saigon zur Zeit des Vietnamkrieges. Das hat mich für immer geprägt. Seither habe ich eine andere Sicht auf die Menschen. Ich plädiere in Zeiten von Corona für mehr – Pragmatismus, Demut und Gelassenheit.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Musik, der Kunst an sich zu?
– Ich glaube nicht an Schlagwörter wie Aufbruch & Neubeginn. – Nichts wird sich ändern.
– Die Spaßgesellschaft nimmt ja nach wie vor überhand – auch im öffentlichen, staatlichen Fernsehen.
– Die Seuche von Egoismus und Materialismus dominieren nach wie vor den Alltag.
Literatur, Musik, Kunst fristen immer noch ein Elfenbeinturm-Dasein.
Pedro Meier _ „Olymp Illuminiert – Zeus Tagebuch«, 2016. Neon, Licht Installation, Performance.
Was liest Du derzeit?
– Georges Perec – »Träume von Räumen« – »Das Leben – Gebrauchsanweisung«.
– Richard Brautigan »Der Tokio Montana Express«.
– Täglich lese ich Gedichte auf der Internet-Plattform – liyrikline.org.
– Auch auf YouTube bin ich auch oft, da gibt es viele Videos zu Literatur & Kunst etc. – zum Beispiel: #kanalfuerpoesie
Pedro Meier – Rauchperformance_Apokalypse now 2017
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
»Man kann nichts von nichts sagen. Daher kann es keine Grenze für die Zahl der Bücher geben.« – E. M. Cioran aus »Vom Nachteil, geboren zu sein«.
»Leben und Kunst sind ein und dasselbe.« – Ludwig Hohl
»Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.« – Friedrich Nietzsche
»Die Hoffnung ist der Regenbogen über den herabstürzenden jähen Bach des Lebens.« – Friedrich Nietzsche
Pedro Meier_Künstler, Schriftsteller, Lyriker, Autor, Multimedia Artist. _ work in progress 1999
Vielen Dank für das Interview lieber Pedro viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Pedro Meier_Künstler_Schriftsteller, Lyriker, Autor, Multimedia Artist
Lieber Julian, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Im Kaffeehaus frühstücken, Text lernen, viel lesen, die Abende mit Freunden verbringen. Aber bald fangen ja die Proben und Vorstellungen wieder an, dann fühlt man sich wieder wie ein Schauspieler.
Julian Valerio Rehrl _ Schauspieler
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Zusammenhalt. Wir müssen uns gemeinsam den aktuellen Problemen stellen und zusammenstehen. Solidarität beweisen und nicht die Augen verschließen. Die Situation ist für alle eine Herausforderung und je eher wir das verstehen und versuchen das Beste daraus zu machen, desto schneller werden wir sie auch überwinden.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Die Kunst ist die Nahrung der Seele, man braucht sie nicht um zu überleben, aber ohne sie verkümmert der Geist. Die gesamte Kunstwelt sollte nach ihrer Auferstehung, ein Feuerwerk der Fantasie und des Rausches abbrennen, das wir so lange vermisst haben. Das Theater ist ein Spiegel der Gesellschaft und der Menschen in ihr. Ich freue mich wieder auf die persönliche Auseinandersetzung mit dem Publikum, auf das gemeinsame Erleben und auf die Freude des Spielens.
Was liest Du derzeit?
„Zärtlich ist die Nacht“ – F. Scott Fitzgerald und „Was ihr wollt“ – William Shakespeare.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Wenn es Musik ist, was die Liebe nährt, spielt weiter, immer weiter, bis zum Exzess, bis mein Verlangen nachlässt, meine Sehnsucht stirbt.“ – Was ihr wollt. Shakespeare.
Vielen Dank für das Interview lieber Julian, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Liebe Phoebe, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Aufstehen, frühstücken, komponieren, üben, Mittagessen, Kinder vom Kindergarten abholen, Zeit mit Kindern verbringen, laufen gehen, essen für Kinder machen, Kinder ins Bett bringen, komponieren, essen, schlafen. So ungefähr. Klar, mit meinem Mann, die Geschichte mit den Kindern bleibt flexibel; sprich einmal ich, einmal er…, Teamarbeit.
Jetzt und vor 50 Jahren und in 50 Jahren: Uns gegenseitig respektieren. Lernen emotionales und rationales Denken zu beherrschen, soweit es geht. Endlich mal kapieren, dass Gier nur Gift ist; dass Kreativität das einzige Schöne ist, was die Menschheit besitzt. Und das man / frau nicht Künstler oder Künstlerin sein muss um kreativ zu sein. Und wenn wir das kapieren, dass wir dies für ein Gemeinwohl verwenden lernen, um klug mit dem Konzept von Existenz an sich umzugehen. Das wäre mir wichtig.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
Ich glaube, die Rolle der Kunst bliebt die Gleiche: Menschen durch Kunst ihrer Abstraktion in neue Gedanken verleiten, die eine persönliche Entwicklung hervorrufen. Ich persönlich wünsche mir, dass Kunst sich in eine mehr emotionale Richtung bewegt. Ich vermisse es öfters, wenn Künstlerinnen und Künstler nur mit dem Kopf arbeiten. Natürlich, auch sehr spannend. Aber ich will fühlen. Ich sehe die Gesellschaft treibt dazu, nur das Intellektuelle auf ein Podest zu stellen. Wir sehen es in der Art wie (akademische) Bildung danach gerichtet ist. Ich liebe es, wie Kunst eben eine der wichtigsten Quellen des „Emotion-Austausches“ ist, und freue mich, wenn diese Rolle stärker im Vordergrund steht. Meinungen hat es schon immer tausende gegeben. Aber wir haben uns immer durch Gefühle gefunden. Ich glaube die Rolle der Kunst ist, uns wieder durch diese Ebene zu verbinden.
Was liest Du derzeit?
Bilderbücher. Sehe ich also. Ich schaue mir die Gemälde von Giorgio de Chirico und Egon Schiele an. Taschen hat eine größere Ausgabe über Künstlerinnen und Künstler, die ich gerne kaufe, um die Werke zu analysieren.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
“The goal which my freedom aims at is conquering existence across the always inadequate density of being.” – The Ethics of Ambiguity, Simone de Beauvoir
Vielen Dank für das Interview liebe Phoebe, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musik-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!