„Dass gesehen wird, dass Künstler*innen einen wichtigen Beitrag leisten“ Madeleine Weiler, Schauspielerin_Innsbruck 9.9.2021

Liebe Madeleine, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Endlich geht es wieder bergauf, hab ich das Gefühl, nicht nur im Wanderurlaub in Südtirol. Bin gerade – oder müsste eher sagen, war noch bis vorhin gerade – am Textlernen für das Theaterstück „Vomperloch“ von Felix Mitterer, das im September des Jahres im Theater im Lendbräukeller zur Aufführung kommt. Ansonsten bin ich dauerhaft als organisatorische Leitung und Produktionsleitung eingespannt, was sich durch die Lockdowns nur insofern geändert hat, dass ich mehr Veranstaltungen aus jeglichen Kanälen wieder löschen musste, statt werbetechnisch nochmal nachzulegen …

Mit meiner Band GRACENOTES (Irish Folk, Celtic Punk, Shanty, Dessertrock), bei der ich als Sängerin aktiv bin, konnten wir in diesem Jahr aber schon drei Konzerte spielen, was mich sehr freut.

Ansonsten hab ich auch ein neues Theaterstück geschrieben, an verschiedenen Konzepten gefeilt und mir neue Aufgaben gesucht, die mich als Workaholic beschäftigt halten.

Freue mich nun auf 2022 und hoffe, dass die Projekte, bei denen ich letztes und dieses Jahr Regie und Co-Regie machen hätte sollen, dann (endlich) stattfinden können! Und warte mit einem lächelnden Auge jetzt einfach schon mal darauf (vielleicht hilft das)!

Madeleine Weiler_Schauspielerin, Regisseurin, Sängerin, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Dass wir trotz Entfremdung unsere Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft nicht vergessen! … Zumindest wäre mir das besonders wichtig!

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Was passieren wird, kann wohl niemand genau sagen, aber ich hoffe, dass wir Künstler/innen selbst etwas von dieser Zeit mitnehmen können. Es wäre nun die Chance für einen Neubeginn und eine Veränderung! Es wäre die Chance neue Konzepte zu erfinden, neue Wege einzuschlagen, neues auszuprobieren, aus alten und festgefahrenen Strukturen auszubrechen, wieder kreativer zu werden, nicht nur das erarbeiten zu wollen, das bestimmt gut ankommen wird, sondern etwas zu wagen.

Ich finde es beispielsweise schön, dass sich in dieser Zeit viele Einzelkünstler/innen zusammengetan haben und neue Künstlergruppen entstanden sind, die gemeinsam etwas schaffen wollen! Und ich würde mir wünschen, dass gesehen wird, dass Künstler/innen, seien es nun Autoren/Autorinnen, Schauspieler/innen, Regisseur/innen, Tänzer/innen, Maler/innen etc. einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie andere Menschenberühren, zum Lachen, Weinen und Nachdenken bringen, gesellschaftliche Themen besprechen, oder auch einfach helfen, mal abzuschalten und den Alltag hinter sich zu lassen. Für mich war nämlich besonders schlimm in dieser Zeit, dass man von allen Seiten hörte, dass wir Künstler/innen nicht systemrelevant sind und dass wir keinen wichtigen Beitrag leisten – vor allem die Freischaffenden wurden dabei kritisiert. Als jemand, der vor allem in diesem Bereich arbeitet (Schauspielerin, Regisseurin, Autorin), sehr viel in diese Arbeit steckt und seine Arbeit liebt, etwas bitter.

Was liest Du derzeit?

Gerade habe ich „Nichts weniger als ein WUNDER“ von Markus Zusakangefangen, nachdem ich „Das Geburtstagsfest“ von Judith W. Taschler fertiggelesen habe. Gut ist ja: Ich kann mir auch wieder mal ein bisschen Zeit zum Lesen genehmigen. Bin schließlich eine Leseratte!  

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

»Manchmal wundere ich mich, dass es immer noch Organisationen undKonzerne gibt, die meine Adresse nicht haben …«, sage ich kopfschüttelnd zumKänguru, während wir für ein Gewinnspiel […] ein Formular ausfüllen. »Ichhabe nämlich das Gefühl, meine Adresse schon jeder Firma auf der Weltpersönlich auf einen Zettel geschrieben zu haben.«»Ja, ja«, sagt das Känguru, füllt das Feld mit seiner Telefonnummer aus, öffnetdahinter eine Klammer und schreibt hinein: 69 Cent pro Minute.»Was soll das denn?«, frage ich.»Hab mir ´ne neue Nummer besorgt«, sagt das Känguru.

(Kling, Marc-Uwe (2016): Die Känguru-Chroniken. Berlin: Ullstein Buchverlage.

S. 21).

Erinnert mich immer an das Jahr, als ich mit einer Schauspielkollegin im Tourbus durch ganz Deutschland gefahren bin. Da haben wir auf den Fahrten zu unseren Spielorten eine Zeit lang immer die Känguru-TriØlogie gehört.

Madeleine Weiler_Schauspielerin, Regisseurin, Sängerin, Schriftstellerin

Vielen Dank für das Interview liebe Madeleine, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspiel-, Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Madeleine Weiler_Schauspielerin, Regisseurin, Sängerin, Schriftstellerin

Fotos_1 Nina Triendl; 2 Sylvia Sivi; 3 Markus Plattner; 4 Jack Lee.

1.8.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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