„Literatur kann uns an die Hand nehmen“ Kevin Junk, Schriftsteller _ Berlin 7.9.2021

Lieber Kevin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Nach dem Aufstehen erstmal kurz frisch machen und dann mit dem Hund eine Runde spazieren. Danach bin ich bereit für Frühstück, Nachrichten und Lesen. Ich bin freiberuflich, das heißt auch, dass sich meine Projekte immer wieder verändern, deswegen sind meine Wochen oft verschieden und voller spontaner Änderungen. Im September nehme ich mir ganz frei von allen Projekten und konzentriere mich auf das Schreiben, will aber auch viel Lesen und ich freue mich auf Spätersommerspaziergänge mit meinem Hund.

Kevin Junk, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Es wird eine Weile dauern, bis wir uns vom konstanten Stress durch die Pandemie erholt haben werden. Deswegen ist es wichtig, glaube ich, dass wir selbstverzeihlich und behutsam mit uns und anderen umgehen. Das sage ich mir immer wieder im Austausch mit Menschen, die mir nah sind. War einfach viel los und es wird noch eine Weile viel los sein.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Literatur, aber auch Kunst im weiteren Sinne, kann uns ins Stauen versetzen, uns an die Hand nehmen und neue Wege durch neues Terrain aufzeigen. Sie kann zugleich scheinbar Bekanntes neu anordnen und damit neue Zusammenhänge im Gewebe aufzeigen. Das Spannungsfeld zwischen nahbar und weit weg verhandelt für mich die Empathie, die man beim Lesen aufbringen muss. Genau darin liegt für mich die Kraft von Literatur: Die Auseinandersetzung mit Fragestellungen, die mich beschäftigen und zugleich nicht direkt greifbar mit mir zu tun haben. So sehe ich auch die Relevanz von queerer Literatur für ein breiteres Publikum. Mir erschließt sich nicht, warum queere Themen immer wieder in die Nische gedrängt werden.

Was liest Du derzeit?

Derzeit lese ich einen Band aus der Reihe 33 1/3 in der Musikjournalist*innen und Autor*innen einen längeren Essay zu einem Album schreiben, das sie fasziniert oder geprägt hat. Der Essay bespricht „Selected Ambient Works Vol II“ von Aphex Twin, eine Ambient-Platte aus den 90ern, die ich sehr wertschätze. Ich lese gerne über Musik, gerade über elektronische Musik, dann interessiert mich jedes auch noch so unwichtige Detail. Außerdem recherchiere ich für eine Roman-Figur, die Musik produziert und sich für Ambient interessiert.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

My idea of a writer: someone interested in everything. – Susan Sontag

Kevin Junk, Schriftsteller

Vielen Dank für das Interview lieber Kevin, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Kevin Junk, Schriftsteller

Kevin Junk – über mich:

Ich bin Kevin, Schriftsteller und Kreativstratege aus Berlin. 

Als freier Autor schreibe ich über Kultur, Gegenwart und Gesellschaft.

Im März 2021 erschien mein Debütroman „Fromme Wölfe“ im Querverlag. Daneben habe ich Prosa, Gedichte und Essays in Anthologien und Magazinen veröffentlicht.

https://kevinjunk.de/

Fotos_Jan Vesely

25.8.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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