„An uns selbst zu arbeiten und an andere zu denken“ Oksana Kuzo, Pianistin_ Linz 10.9.2021

Liebe Oksana, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Meine Tage sind sehr unterschiedlich organisiert, je nachdem wer ich heute bin oder sein möchte. Da ich  mehrere Rollen beziehungsweise verwandte Berufe und viele verschiedene innere Zustände habe, kann mein Tagesablauf völlig unterschiedlich sein, und das ist die Freiheit, die ich in meinem Leben wirklich mag.

Oksana Kuzo, Pianistin

An den Tagen, an denen ich arbeite oder unterrichte, ist alles bis zu der letzte Minute verplant, manchmal bis 22-23 Uhr, und ich bin sehr diszipliniert. Wenn ich ein Konzert habe, versuche ich meine Energie bis zum Abend zu behalten und den Kopf frei von allem, außer dem Konzertprogramm, zu lassen. Manchmal, und meistens gibt es diese Gelegenheit im Sommer, mag ich es nichts zu planen, sondern den Tag in einem Andante Tempo laufen zu lassen und eine gewisse Langeweile zu verspüren um später wieder Inspiration zu finden. Diese Möglichkeit, an verschiedenen Tagen ein unterschiedlicher Mensch zu sein, ist für mich notwendig, um voranzukommen.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich denke, es ist wichtig für uns die Welt mit „weit offenen Augen“ betrachten zu können und zu verstehen, dass die subjektive Wahrnehmung der Wahrheit je nach Blickwinkel unterschiedlich sein kann. Auf unserem kleinen Planeten finden wir Bestätigung und Ablehnung vieler Überzeugungen, daher macht uns Toleranz und Verständnis für andere menschlich und kreativ. An uns selbst zu arbeiten und an andere zu denken, ist, meiner Meinung nach, besonders wichtig für uns, und noch: Dankbarkeit (hier kann jeder viele Gründe für sich persönlich finden), sowie ein gewisses Maß an Bescheidenheit und die Entwicklung des kritischen Denkens.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Ich würde es gerne glauben, dass wir vor einem Zustand des Wandels und eines Neubeginns stehen oder uns bereits darin befinden, aber, meiner subjektiven Meinung oder Beobachtung nach, ist dies jetzt kein so radikaler Prozess. Ich würde eher sagen, dass wir einen gewissen Restart durchmachen, mit der Möglichkeit verschiedene Dinge anderes zu sehen, sowohl persönliche als auch globale, und ich hoffe, dass dies wirklich einen positiven Einfluss auf uns haben wird.

Für mich hat Kunst die einzigartige Kraft einen Menschen in einen besonderen Zustand zu versetzen und dadurch zu erleben, zu fühlen – mehr, als unser Gehirn erfassen kann. Und hier sehe ich die Aufgabe der Kunst unserer Zeit – unsere Seelen so magisch zu beeinflussen. Natürlich gibt es noch viele andere Aspekte, aber dieser ist eine Ausnahme und für mich der wichtigste.

Was liest Du derzeit?

Ein Roman der ukrainischen Schriftstellerin Irena Karpa und „Spiele der Erwachsenen“ vom Eric Berne.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Life isn’t long enough for love and art. (W. Somerset Maugham)

Oksana Kuzo, Pianistin

Vielen Dank für das Interview liebe Oksana, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Oksana Kuzo, Pianistin

Fotos_ 1-3, 5, 6, 8, 10-11, 13-14 Walter Pobaschnig; 4,12 Lukas-Johannes Aigner; 7 Peter Wagner, 9 Matthias Hauer.

29.8.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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