Liebe Susanne, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Aufstehen Leben Schlafen
Susanne Brandt, Schauspielerin und Dozentin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Zuhören.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
„Jeder Mensch ist ein Künstler“ das muss vermittelt werden. Kunst macht uns lebendig.
Was liest Du derzeit?
Thomas Sautner „die Alteste“
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Alles was zu Herzen gehen soll muss von Herzen kommen“ Jean Jaques Rousseau
Vielen Dank für das Interview liebe Susanne, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Susanne Brandt, Schauspielerin und Dozentin
Fotos_Susanna Hufsky
Aktuelles Theaterprojekt „Die große Show“ aktionstheater ensemble
„Die große Show“ _ Susanne Brandt, Michaela Bilgeri und Raphael Macho (von links)
Die leere Bühne…
bevor es beginnt, ist es dunkel.
Immer ist es dunkel. Am Anfang und am Ende.
Und zwischendrin?
Da ist es hell, grell, zauberhaft und, und…
Der Sekt am Kopf verschwindet. Da und dort.
Das Geld verbrennt in Zauberhand. Da und dort.
bis das Blut fließt…
Bis die Flasche auf den Kopf knallt. Da und dort.
The show must go on…
Ein Lied. Im Nebel. Viel gibt es nicht zu lachen für die im Dunkel. Da und dort.
Benjamin Vanyek (Mitte)
Aber jetzt die Show. Die grosse Show. Meine Show. Für mich.
Tanze. Bis das Licht ausgeht. Der Zauber zu Ende ist. Die Musik verstummt. Auf meinem Fest….
Bis wir dann die „Patschen beuteln“…zwischendrin…da und dort…
Im Dunkel der grossen Show….
Elias Hirschl
Das Aktionstheater Ensemble setzt mit seiner neuesten Produktion „Die große Show“ ein Feuerwerk an Theaterkunst, das wie eine Geburt der Möglichkeiten von moderner Bühnenperformance in Lebensschrei, Blut und pochendem Herzen ist.
Komödie und Tragödie des modernen Menschen in Schein und Sein in solcher Dynamik und Spannung von Satire und Witz auf die Bühne zu bringen, ist einmalig!
Regie und Inszenierung der großartigen Martin Gruber und Martin Ojster, die sensationell mitreißende Spielkraft, -variation des Ensembles mit Michaela Bilgeri, Susanne Brandt und Raphael Macho sowie Benjamin Vanyek, die wunderbare Emotion und szenische Rhythmik der Musik mit Jean-Philip Viol, Martin Hemmer, Pete Simpson, Kristian Musser und Fridolinsowie Benjamin Vanyek,wie der einmalige Elias Hirschl, der die Faszination moderner Literatur in Sprachexperiment, Reflexion und Wortgewalt atemberaubend fließen lässt, formen einen Theaterabend, welcher vom begeisternden Publikum mit lang anhaltendem Applaus belohnt wird.
Uraufführung von Martin Gruber und aktionstheater ensemble
Konzept, Inszenierung: Martin Gruber | Text: Martin Gruber und Ensemble | Dramaturgie: Martin Ojster | Musik: Kristian Musser | Regieassistenz: Pia Nives Welser | Video: Resa Lut, Maxans
Mit: Michaela Bilgeri, Susanne Brandt und Raphael Macho sowie Elias Hirschl, Benjamin Vanyek Jean-Philip Viol, Martin Hemmer, Pete Simpson, Kristian Musser und Fridolin
Chason: „Die Chancenlosen“ von Jacque Brel, Übersetzung Werner Schneyder
Eine Produktion des aktionstheater ensemble in Kooperation mit Spielboden Dornbirn und Werk X Wien
Lieber Aseo, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich bin momentan in meinem letzten Jahr meines Jazz Klavier Masterstudiums im Royal Conservatoire Den Haag. Ich arbeite daher intensiv an meiner Masterarbeit. Außerdem bin ich freischaffender Musiker und in mehreren Musikgruppen involviert. Das bedeutet auch tägliches üben, Konzerte geben und organisieren und Kontakte knüpfen. Und zwischendurch ausschnaufen und meinen Hobbies nachgehen..
Aseo Friesacher, Musiker
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Es ist momentan besonders wichtig alle Stimmen zu hören, Toleranz und Verständnis gegenüber zu zeigen, anstatt Menschen auszugrenzen.
Ich bin natürlich in der Kunst tätig und hier ist es auch wichtig, diese genügend zu fördern. Es war nicht sehr einfach für Künstler in dieser Corona Krise, speziell in den vergangenen zwei Jahren. Und es muss gesagt sein, Kultur verbindet, vermittelt und ist ein wesentlicher Bestandteil der Gesellschaft.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
Die Kunstszene blüht wieder auf und Musiker haben auf alle Fälle wieder mehr zu tun. Im diesen Sinne ist hier nicht unbedingt ein Neubeginn. Einige Künstler mögen vielleicht einen anderen Weg einschlagen wegen der harten Konkurrenz und der finanziellen und politischen Unstabilität. Aber ich sehe doch auch Chancen für Musiker, wo möglicherweise die Tendenz in Richtung Online Vermarktung und Veranstaltungen steigen wird.
Was liest Du derzeit?
Ich habe letztens das Buch Ikigai von Hector Garcia gelesen und empfehle es sehr weiter. Momentan bin ich dabei Sapiens von Yuval Harari zu lesen, da ich viel Positives darüber gehört habe.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Friedrich Nietzsche sollte einmal gesagt haben: „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.“ Und ich bin da wirklich eins mit ihm!
Vielen Dank für das Interview lieber Aseo, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Aseo Friesacher, Musiker
Foto_privat.
14.11.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Liebe Elisabetha, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich beginne meinen Tag immer mit einem Frühstück und meinem Computer, wo ich gut 1-2 Stunden damit verbringe, meine E-Mails zu bearbeiten und Bewerbungen abzuschicken bzw. nach neuen Jobmöglichkeiten, Projekten etc. zu suchen.
Ich habe vor einem Monat meinen „normalen“ Job aufgegeben, um wieder mehr kreativ arbeiten zu können, und nutze jetzt diese Zeit, um mich sowohl mental als auch körperlich in Hochform zu bringen. Das heißt für mich, jeden Tag Sprech- und Schauspieltechnik, jeden Tag Bewegung (Sport oder Spazierengehen) und eine gesunde, ausgewogene Ernährung, die zumindest 1x Tag aus einer selbstgekochten Mahlzeit besteht. Um auch ohne fixe Anstellung Geld zu verdienen, habe ich letztes Jahr mit einer Freundin eine Serie von Luxus Dinner Events entwickelt, die 1x im Monat stattfinden werden. Unser erstes Event ist für Ende Februar angesetzt, und wir sind bereits ausgebucht. Wenn ich nicht am Organisieren oder Arbeiten bin, dann lese ich oder sehe mir Filme oder Serien an. Das Eintauchen in andere Realitäten war schon immer eine Leidenschaft, die sich durch Ausgangsbeschränkungen und Lockdowns noch intensiviert hat.
Elisabetha Pejcinoska, Schauspielerin und Drehbuchautorin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Zuhören. Ich weiß nicht, ob es an der Einsamkeit oder Egozentrik der Menschen liegt, aber man hört einander nicht mehr zu. Es ist, wie wenn die meisten Menschen „aufeinander“ und nicht miteinander reden. Jeder möchte seine Information loswerden, völlig unberührt vom Gegenüber. Mit Covid hat sich diese Entwicklung noch gesteigert, der Ignoranz hat sich ein reaktionäres Verhalten hinzugesellt, das sich hauptsächlich durch Beschimpfungen und Schuldzuweisungen ausdrückt.
Vielleicht liegt das aber auch daran, dass wir verlernt haben, uns selbst zuzuhören. Wir orientieren uns zu sehr an Social Media und den Medien, die uns vorgeben, wie wir aussehen, denken und sein sollen. Wir werden tagtäglich von Bildern und Beispielen umgeben, dass alles für jeden möglich sein kann, wenn man nur fest an sich glaubt. Jeder, wenn er will, kann Ruhm und Reichtum erlangen. Dem ist aber nicht so. Die Realität ist völlig anders, und erzeugt in den Menschen einen unglaublichen Druck und daraus resultierenden Frust, weil man diese Erwartungshaltung, die ja gar nicht aus einem selbst heraus kommt, nicht erfüllen kann. Vielleicht, wenn wir wieder lernen, uns mit unseren menschlichen Schwächen und Grenzen anzunehmen, dann werden wir auch andere Dialoge führen und zuhören können.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Ich empfinde es nicht als Aufbruch oder Neubeginn, zumindest nicht kollektiv gesehen. Man dachte nach dem ersten Lockdown, die Menschen würden sich besinnen, in sich kehren, auf die wesentlichen Dinge im Leben konzentrieren, und die Welt würde besser werden. Das mag für eine kurzen Augenblick so den Anschein gehabt haben, aber wie man nach wiederholten Lockdowns sieht, ist jetzt eher das Gegenteil der Fall. Von Besinnung und Rückzug ist nichts mehr zu spüren, der Mensch ist ein Gesellschaftstier und sehnt sich nach Brot und Spielen.
Theater und Kunst hatten immer schon die Magie des unmittelbaren Erlebnisses und somit der Auseinandersetzung im Hier und Jetzt.
Was liest Du derzeit?
Ich lese derzeit von Christopher Vogler „The Writer’s Journey“. Es ist so etwas wie eine Bibel für Drehbuchautoren in Hollywood. Und nachdem ich selbst auch Drehbücher entwickle, ist dieses Buch schon lange auf meiner Liste. Christopher Vogler, der als Story Editor für die größten Hollywood Studios gearbeitet und unzählige Drehbücher geprüft hat, ist zu der Kenntnis gekommen, dass alle erfolgreichen Drehbücher eines gemeinsam haben: Ein archetypisches Grundmuster der „Heldenreise“. Dabei bezieht er sich auf die Mythosstudien von Joseph Campbell (The Hero with a Thousand Faces) und C.G. Jungs Tiefenpsychologie über Archetypen. In diesem Werk beschreibt Vogler die verschiedenen Stadien der „Heldenreise“ und erklärt sie anhand von Beispielen in der Filmgeschichte. Obwohl es als Handbuch für Drehbuchautoren und Schriftsteller gedacht ist, ist es für mich nicht nur ein Buch über das Schreiben, sondern ein Buch über das Leben.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Eines meiner Lieblingszitate stammt von Akira Kurasowa: „Künstler sein bedeutet niemals den Blick abzuwenden“.
Elisabetha Pejcinoska, Schauspielerin und Drehbuchautorin
Vielen Dank für das Interview liebe Elisabetha, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen vielseitigen Projekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Elisabetha Pejcinoska, Schauspielerin und Drehbuchautorin
Fotos_Phil Jelenska
6.1.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Lieber Jacob, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Da ich jetzt wieder viel zu tun habe und meine Arbeit immer auch mit Reisen und Nicht-Zuhause-Sein zu tun hat, gibt es bei mir DEN Tagesablauf nicht. Das einzige was zu jedem Tagesbeginn gleich ist:
Café machen, „Europa heute“ hören, meine latenten Hüftschmerzen mit Dehnübungen im Zaum halten. Dann wird meistens geprobt. Nachts arbeite ich dann oft noch an meinen eigenen Projekten für die ich sonst keine Zeit finde. Allgemein enden die Tage also spät.
Jacob Suske, Musiker/Regisseur
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Abgesehen davon, dass die großen Konzerne und die obszön Reichen endlich einmal vernünftig Steuern zahlen müssten und die Weltpolitik das mit dem Klima hätte regeln sollen?
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, dem Theater, der Kunst an sich zu?
Aufbruch ? Ich kann leider keinen Aufbruch sehen. Habe ich etwas verpasst ? Ich empfinde leider eher eine Stagnation… im besten Falle. Nein, eigentlich ist es doch ein Rückschritt. Im Grunde sind ja alle Hoffnungen auf einen Aufbruch, die man sich im Windschatten der drohenden Katastrophe gemacht hatte verflogen. Der Staat wird nicht sozialer, die Reichen zahlen nicht mehr Steuern, die Emissionswerte sind wieder so hoch wie ehedem, wir arbeiten – wenn nicht gerade wieder Lockdown ist- wieder allzu häufig an der Belastungsgrenze, die extreme Rechte findet wieder zu ihren Themen, die Klimakonferenz bringt wieder nur Lippenbekenntnisse. Die Lockdowns kommen und gehen. Die Wissenschaft wird in offen angezweifelt, die Neuverschuldung muss in naher Zukunft wieder abgebaut werden. Nach beinahe 2 Jahren müssen wir immer noch mehr oder weniger zurückgezogen leben, weil die Zeit nicht genutzt wurde um kreative Lösungen für das Gesundheitssystem zu finden. Welcher Aufbruch also ?
Was das Theater angeht, bin ich gerade auch wenig optimstisch.
Das Theater ist leider aus gutem Grund sehr mit sich selbst beschäftigt.
Man schraubt also bei laufendem Betrieb am Motor herum,
und das ruckelt dann natürlich.
Wir produzieren- so meine Befürchtung- zu oft am Publikum vorbei in den Feuilleton oder in einen sehr abstrakten Diskurs hinein. Das ist in meinen Augen ein Teil eines systemischen Problems.
Überspitzt gesagt kann man sich entscheiden: mach ich Theater um dem Publikum etwas mitzugeben, oder mach ich Theater um betriebsintern Karriere zu machen. Diejenigen denen beides gelingt sind rar und beneidenswerte Ausnahmen. Im Allgemeinen schaffen wir es einfach zu selten den Kern eines Anliegens freizulegen. Die Anliegen sind ja vorhanden. Die Themen sind da.
Nur gilt es im Theater das Publikum nicht auszuschließen und sich dumm fühlen zu lassen. Das ist mir zu einfach. Natürlich muss man fordern und zuweilen auch überfordern, aber man muss sich klar darüber sein, was verstanden werden soll und wo es ins Assoziative, ins Überbordende oder Atmosphärische gehen kann.
Und ich persönlich wäre sehr dafür Theater dort zu stärken, wo es einmalig und nicht austauschbar ist. In der Nichtreproduzierbarkeit des Moments, in der Zumutung, in der Verneinung von Zuverlässigkeit und Berechenbarkeit und natürlich in seiner Freiheit.
Ich habe allerdings den Verdacht, dass das Publikum nach zwei Jahren Netflix nur noch wenig Nerv für die Anstrengungen und Zumutungen des mir vorschwebenden idealen Theaterabends hat…
keine einfache Gemengenlage mit keinen einfachen Antworten also.
Die Musikbranche hat jetzt natürlich auch einen riesigen Nachholbedarf.
All die verschobenen Veröffentlichungen und Konzerte.
Da ist´s gerade noch schwieriger sich Gehör zu verschaffen als ohnenhin schon.
Doch haben viele MusikerInnen die Zeit des Stillstands genutzt um sich weiterzuentwickeln. Alleine in meinem erweiterten Umfeld ist in den letzten beiden Jahren unglaublich viel Musik auf einem bewundernswerten Niveau entstanden. Auch wenn jetzt vieles ungehört in der Ecke liegen bleibt, bin ich davon überzeugt dass es einen kräftigen Kreativitätsschub in der Musik gibt.
Notgedrungener Maßen beruht vieles davon auf Solokonzepten, aber diese Tendenz weg von der Band oder dem Ensemble, hin zu Soloprojekten können wir ja schon lange beobachten.
Bleibt nur zu hoffen, daß die Stimmen der vielen vielen MusikerInnen auf dieser Welt denen in der Pandemie keinerlei Unterstützung zukam nicht verstummen werden.
Was liest Du derzeit?
Es liegen bei mir immer viel zu viele Bücher offen neben dem Bett.
Heute habe ich „Nina & Tom“ vom Schweizer Schriftsteller Tom Kummer, von dem ich gerade eine Uraufführung vertont habe („Von schlechten Eltern“ in der Regie von Tilmann Köhler an den Bühnen Bern) gelesen. Er schreibt immer sehr nah und schonungslos an seiner von hohen Amplituden geprägten schillernden Biographie und rührt mich damit ungemein.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ich bekam einmal eine Postkarte die mit den Worten „bleib erschütterbar“ endete. Daran muss ich in letzter Zeit oft denken. Bei der derzeitigen Großwetterlage laufen wir nämlich Gefahr abzustumpfen und die Bedeutung des Wortes Empathie zu verlernen. Das Gegenteil sollte aber der Fall sein. Und nein, ich beziehe mich hier nicht auf Impfverweigerer. Es gibt Menschen die unserer Empathie noch nötiger haben.
Jacob Suske, Musiker/Regisseur
Vielen Dank für das Interview lieber Jacob, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musik-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Jacob Suske, Musiker/Regisseur
Fotos_Amandine Monsterlet
2.12.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Lieber Alexander, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich spiele derzeit im Theater der Jugend das Stück „Anne auf Green Gables“. Dafür verwende ich gerade die meiste Zeit meines Tages. Wenn ich nicht gerade arbeite, lese ich gerne, mache Yoga oder treffe mich wahnsinnig gerne mit guten Freunden!
Alexander Findewirth _ Schauspieler
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Zusammenhalt, Toleranz, und ein friedliches Miteinander ist in diesen Zeiten extrem wichtig! Sich gegenseitig zuhören und eine offene Kommunikation sowie Akzeptanz ist meiner Meinung nach der Schlüssel, zu einem friedlichen Zusammenleben!
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst an sich zu?
Die Besinnung auf sich selbst! Theater hat die Kraft eine breite Masse anzusprechen! Impulse zu geben, alle Menschen zum selbst Denken und Fühlen aufzurufen! Theater ist pure Menschlichkeit in einer Welt voller Computer und Zahlen!
Was liest Du derzeit?
the law of attraction von Esther und Jerry Hicks
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Der Schlüssel ist die Intuition.
Vielen Dank für das Interview lieber Alexander, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Alexander Findewirth _ Schauspieler
Foto_Jan Frankl
29.12.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Herzlich willkommen, liebe Hristina Susak, Komponistin, hier im Cafè Prückel, Wien!
Hristina Susak, Komponistin_Wien
Das Wiener Kaffeehaus und die Musik – welche Zusammenhänge gibt es da?
Schon in der Barockzeit gab es Kaffeehäuser, in denen man gemeinsam musiziert hat. Das ist eine sehr schöne Tradition bis heute. Ich persönlich habe dies aber noch nicht gemacht.
Wäre das für Dich interessant?
Früher vielleicht, da habe ich mehr Klavier und Geige gespielt, jetzt liegt meine Konzentration auf der Komposition.
Ist das Cafè für Dich künstlerischer Treffpunkt?
Es macht mir Freude, wenn ich mit meinen Kolleg*innen, Freund*innen ins Cafè gehen kann.
Leider war dies in letzter Zeit aufgrund der Lockdowns schwierig. Früher sind wir immer nach Klassenabenden, Klassenkonzerten ins Cafè, Restaurant gegangen. Da spricht man über Leben und Kunst. Oft mehr als im Unterricht.
Ist das Cafè auch eine künstlerische Inspiration für Dich?
Ja, in den Gesprächen gibt es immer viele Bezugspunkte, Perspektiven – klug, überraschend, inspirativ.
Diese Interviewreihe nimmt den 1980er Song „Vienna Calling“ des Wiener Musikers Falco im Titel auf. Welche Bezüge gibt es von Dir zur Pop-, Rockmusik?
Das sind für mich zwei verschiedene Sachen, Klassik und Popmusik, und die kann ich nicht so leicht verbinden.
Ich komponiere grundsätzlich in verschiedenen musikalischen Richtungen.
Auf meine klassische Musik gibt es jetzt keinen direkten Einfluss von Musikrichtungen.
Ich komponiere auch Popmusik, manchmal.
Ist die Musikepoche der 1980er Jahre für Dich interessant?
Es interessiert mich, ich kenne aber nicht so viel davon.
Meine Mutter kennt alles aus den 1980er Jahren (lacht). Ich habe da viel von ihr gelernt.
Eine meiner Lieblingssängerinnen aus den 1980er Jahrenist Kate Bush.
Was ich musikalisch an den 1980er Jahren besonders mag, ist, dass es da keinen bestimmten Stil gab. Alle Musiker*innen hatten ihren eigenen Stil.
In den 1980er Jahren war in der Pop-Musik alles Avantgarde.
Was fasziniert Dich an Kate Bush?
Diese musikalische Originalität.
Diese Stimme ist ganz ungewöhnlich. So etwas habe ich noch nie gehört.
Mein Lieblingslied von ihr ist „Wuthering Heights“. Sie war da von dem Roman inspiriert, den ich auch mag und mehrmals gelesen habe.
Kate Bush ist auch sehr vielseitig. Sie komponiert auch, tanzt. Sie interessiert sich glaube ich auch für Mathematik.
Gibt es weitere Musik der 1980er Jahre, die Du gerne hörst?
Kate Bush ist eigentlich die einzige, die ich so in meiner Freizeit höre.
Queen, Duran Duran, Björk sind mir auch vertraut.
Was sind Deine aktuellen Projekte?
Im Jänner des Jahres steht der Abschluss meines Diplomes für Medienkomposition und angewandte Musik bevor.
Danach habe ich verschiedene Aufführungen. In Wien und Salzburg wird mein neues Stück für gemischtes Ensemble vom Phace-Ensemble aufgeführt. Das war ein Wettbewerb zu dem jeweils eine Studentin/ein Student von jeder Universität Österreichs ausgewählt wurde. Ich wurde da für meine uni in Wien ausgewählt.
Dann bin ich auch zu einem Orchesterprojekt in Valencia eingeladen. Wir werden da mit der berühmten Komponistin Elena Mendoza zusammenarbeiten.
Alles Gute für den Studienabschluss und die wunderbaren Projektausblicke!
Dankeschön. Wir haben auch ein Klassenkonzert im Wiener Musikverein im Jänner.
Wie entspannst Du Dich zwischendurch von den vielen Aufgaben, Vorhaben?
Die Musik macht mir große Freude, das ist auch Entspannung für mich.
Du hast auch einen wunderbaren Sinn für Mode. Was bedeutet Dir Mode?
Das ist für mich sehr wichtig, weil es ein Teil des Ausdrucks der Persönlichkeit ist.
Ich lerne da auch viel von meiner jüngeren Schwester. Sie hat einen sehr guten Sinn, Geschmack für Mode.
Was bedeutet Dir Wien?
Ich bin mit siebzehn Jahren nach Wien gekommen und verbinde große Emotionen mit dieser Stadt (lacht).
Hier waren die ersten Aufführungen meiner Stücke und ich bin hier aufgewachsen.
Als ich nach Wien gekommen bin, war ich noch ein Kind. Hier bin ich erwachsen geworden.
Wien ist ein großer Teil meines Lebens.
Wenn Du auf Deine Jahre in Wien künstlerisch zurückblickst, wie war der Entwicklungsprozess da für Dich?
Ich habe mich hier in Wien als Künstlerin, Komponistin, Person weiterentwickelt.
Der Dank gilt meinen Professor*innen und den Möglichkeiten Wiens in seinem großartigen Veranstaltungsspektrum und den besten Präsentationsmöglichkeiten für Konzertaufführungen und auch meine Performances.
Gibt es Projektkooperationen mit anderen Kunstbereichen?
Ja, ich habe im Jänner 2021 eine Performance zu Heinrich Heine „Und wüßten’s die Blumen, die kleinen“ gemacht.
Was bedeutet Dir Literatur?
Für mich sind Wörter, die Sprache die abstraktesten Ausdrucksmittel.
Poesie ist für mich die Spitze der Literatur.
Schreibst Du auch selbst Gedichte, Texte?
Nein (lacht).
Welche Literatur schätzt Du?
Eigentlich die Klassiker. Goethe, Heine, Rilke.
Was trinkst, isst Du gerne im Cafè?
Kaffee, Cappuccino oder Melange, dazu auch einen Kuchen, Apfelstrudel.
Wie verbringst Du Zeit im Cafè?
Manchmal arbeite ich, manchmal nehme ich meinen Laptop mit, manchmal treffe ich mich mit Freunden, ganz verschieden. Auch die Tageszeiten sind unterschiedlich.
Darf ich Dich zum Abschluss noch zu einem Achrostikon zu Vienna Calling bitten?
Vergessen
Ich
Egal
Nicht
Neben
Ausdruck
Chemie
Andere
Langsam
Literatur
Indem
Nacht
Gemeinsam
Hristina Susak, Komponistin_Wien
Herzlichen Dank, liebe Hristina, für Dein Kommen und Deine Zeit in großartigem Porträt/Performancewie die wunderbare Vorbereitung und Auswahl der Modevariationen wie Dein Interview!
Liebe Hristina, viel Freude und Erfolg für alle Musik-, Kunstprojekte 2022!
Liebe Julia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Wenn ich keine außerordentlichen Termine oder Reisen habe, ist mein Tagesablauf sehr routiniert, und ich mag diese Routinen: Arbeiten, tagsüber von etwa 9 bis 18 Uhr, zu Hause oder im Büro. Seitdem es keinen Lockdown mehr gibt, finde ich das Arbeiten zu Hause wieder angenehmer, da es möglich ist, auch abends noch außer Haus zu sein, im Kino, Theater, Café oder auf Lesungen.
Julia Miesenböck, Literaturübersetzerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Bei der Frage fällt mir ein Zitat ein, vom polnisch-französischen Filmemacher Kieślowski: Be careful, there’s people around you. Umsichtigkeit ist wichtig, in vielen Bereichen, das hat die Pandemie gezeigt.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Die Pandemie hat einige Probleme unserer globalisierten, den Planeten zerstörenden Lebensweise aufgezeigt. Ich denke, wir kommen nicht darum hin, uns mit diesen Problemen zu beschäftigen, im Großen und im Kleinen. Wir können alle was tun.
Und mir persönlich hat die Pandemie verdeutlicht, wie wichtig Kunst und Literatur ist, in zweierlei Hinsicht: Sie hat gefehlt, als Museen, Theater und Kinos geschlossen waren – und sie war gleichzeitig eine Möglichkeit, andere Themen aufzugreifen, als das doch sehr beunruhigende Virus. Literatur und Kunst werden bestimmt Fragen aufgreifen, die in den letzten anderthalb Jahren aufgekommen sind und uns so bald nicht loslassen werden.
Was liest Du derzeit?
Sally Rooney, Beautiful world, where are you – einen Roman über viele Zwischen-Räume und -Zustände und Jana Šrámková, Zázemí – eine Kurzprosasammlung mit feinfühligen Erinnerungen an die Großmutter der Erzählerin und Peter Handke, Die Obstdiebin.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Neben dem obigen von Kieślowski habe ich in den letzten Tagen oft an die ersten Zeilen eines Gedichts von Alda Merini gedacht (von der leider noch kein Buch in deutscher Übersetzung vorliegt): Auch der heutige Tag ist Teil meiner Lebensgeschichte / aber ich erkenne darin nicht den Tag / den ich mir wünschte, als ich noch klein war.
Julia Miesenböck, Literaturübersetzerin
Vielen Dank für das Interview liebe Julia, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Liebe Bernadette, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mal so, mal so…je nach Proben…gerade meistens aufstehen, Hühner rauslassen, Katze füttern, Tee trinken, lesen, nachdenken, irgendwas erledigen, ab 15 Uhr proben.
Zuhören, versuchen zu verstehen, auf mein Inneres hören, damit ich weiter mit mir leben kann, Natur aufsuchen, Humor nicht verlieren, tanzen, spielen, klug sein und weich sein
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Was dem Theater immer zukommt: gute Fragen stellen und keine Antworten wissen, Berührt-Sein suchen, Nebensächlichkeiten entdecken, eigenartige Wege gehen, Buntheit lieben, jenseits der abgegangenen Wege laufen, irritieren, Freude generieren
Vielen Dank für das Interview liebe Bernadette, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Lieber Achim, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
In den letzten Monaten sah mein Tagesablauf so aus, dass ich mich nach dem Frühstück an den Rechner setzte und als Jurymitglied Bewerbungen für Arbeitsstipendien in nichtdeutscher Literatur las. Das hinderte mich zwar daran, an eigenen Texten und Übersetzungen zu arbeiten, erlaubte mir aber auch einen spannenden Einblick in andere zeitgenössische literarische Sicht- und Herangehensweisen.
Ansonsten hat die Pandemie an meinen Abläufen relativ wenig geändert. Ich arbeite lieber im Gehen als im Sitzen, sprich: eigene Textüberlegungen und die Suche nach übersetzerischen Ansätzen finden meist bei längeren Spaziergängen und Wanderungen statt. Die Arbeit am Schreibtisch ist dem untergeordnet. Während der vergangenen anderthalb Jahre bedeutete das auch, beinahe täglich mit den dystopischen Alltagsbildern der Coronazeit konfrontiert zu sein.
Achim Wagner _ Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Was für uns alle besonders wichtig ist, lässt sich natürlich nur schwer beantworten, da das von subjektiven Empfindungen und Erfahrungen abhängt und sich sicherlich individuell ganz verschieden ausnimmt. Soziale Kompetenzen zurückzuerlangen fällt mir spontan an. Das Ungewisse nicht zu verdrängen, als solches zu akzeptieren und sich dabei auf das oder die jeweiligen Arbeitsvorhaben konzentrieren zu können (was mir in den vergangenen Monaten bisweilen ziemlich schwer fiel).
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Aufbruch und Neubeginn sind ja nicht die schlechtesten Impulsgeber, sowohl gesellschaftlich als auch privat. Neugierig zu sein (oder zu bleiben) und anstehende Veränderungen mitgestalten zu wollen, dürften dabei wesentliche Punkte darstellen. Den Prozess der Veränderung reflexiv zu begleiten, könnte eine zentrale Aufgabe der Gegenwartsliteratur bzw. der Gegenwartskunst werden; Sichtweisen zu hinterfragen, auch sich selbst immer wieder in Frage zu stellen, aus dem Ungewissen Material für Experimente zu gewinnen, um im besten Fall neue Denkweisen zu entwickeln, Erkenntnisse zu generieren.
Was liest Du derzeit?
Derzeit lese ich „Nadeschda Mandelstam – Erinnerungen an das Jahrhundert der Wölfe“ (aus dem Russischen übersetzt von Ursula Keller, Die Andere Bibliothek, Berlin, 2021).
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Als Textimpuls ein kurzes Gedicht des türkischen Dichters Nâzım Hikmet in meiner Übersetzung:
(24. September 1945)
Das schönste Meer:
ist das noch nicht befahrene.
Das schönste Kind:
ist noch nicht herangewachsen.
Unsere schönsten Tage:
sind die, die wir noch nicht erlebt haben.
Und das schönste Wort, das ich dir sagen will:
ist das Wort, das ich noch nicht gesagt habe …
Vielen Dank für das Interview lieber Achim, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!