„Wir können alle was tun“ Julia Miesenböck, Literaturübersetzerin _ Prag 8.1.2022

Liebe Julia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Wenn ich keine außerordentlichen Termine oder Reisen habe, ist mein Tagesablauf sehr routiniert, und ich mag diese Routinen: Arbeiten, tagsüber von etwa 9 bis 18 Uhr, zu Hause oder im Büro. Seitdem es keinen Lockdown mehr gibt, finde ich das Arbeiten zu Hause wieder angenehmer, da es möglich ist, auch abends noch außer Haus zu sein, im Kino, Theater, Café oder auf Lesungen.

Julia Miesenböck, Literaturübersetzerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Bei der Frage fällt mir ein Zitat ein, vom polnisch-französischen Filmemacher Kieślowski: Be careful, there’s people around you. Umsichtigkeit ist wichtig, in vielen Bereichen, das hat die Pandemie gezeigt.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Die Pandemie hat einige Probleme unserer globalisierten, den Planeten zerstörenden Lebensweise aufgezeigt. Ich denke, wir kommen nicht darum hin, uns mit diesen Problemen zu beschäftigen, im Großen und im Kleinen. Wir können alle was tun.

Und mir persönlich hat die Pandemie verdeutlicht, wie wichtig Kunst und Literatur ist, in zweierlei Hinsicht: Sie hat gefehlt, als Museen, Theater und Kinos geschlossen waren – und sie war gleichzeitig eine Möglichkeit, andere Themen aufzugreifen, als das doch sehr beunruhigende Virus. Literatur und Kunst werden bestimmt Fragen aufgreifen, die in den letzten anderthalb Jahren aufgekommen sind und uns so bald nicht loslassen werden.

Was liest Du derzeit?

Sally Rooney, Beautiful world, where are you – einen Roman über viele Zwischen-Räume und -Zustände und Jana Šrámková, Zázemí – eine Kurzprosasammlung mit feinfühligen Erinnerungen an die Großmutter der Erzählerin und Peter Handke, Die Obstdiebin.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Neben dem obigen von Kieślowski habe ich in den letzten Tagen oft an die ersten Zeilen eines Gedichts von Alda Merini gedacht (von der leider noch kein Buch in deutscher Übersetzung vorliegt): Auch der heutige Tag ist Teil meiner Lebensgeschichte / aber ich erkenne darin nicht den Tag / den ich mir wünschte, als ich noch klein war.

Julia Miesenböck, Literaturübersetzerin

Vielen Dank für das Interview liebe Julia, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Julia Miesenböck, Literaturübersetzerin

https://juliamie.net/aktuelles/intro/

Fotos_privat.

14.11.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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