„Literatur gibt uns einen unermesslichen Raum“ Dincer Gücyeter, Schriftsteller, Verleger _ Nettetal/D 14.8.2022

Lieber Dincer, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Lieber Walter, ich bin erst seit einer Woche wieder hier in Deutschland. Davor die fünf Wochen habe ich mich zurückgezogen und die Zeit mit meiner Familie in Ägäis verbracht. Dort steht auf dem menschenleeren Gebiet das Haus meiner Großeltern, das mir mit seinen Herausforderungen gut tut. Das Wasser ist knapp, der Strom wird immer wieder eingestellt, dann kommen die Öllampe, die Kerzen in Einsatz. Die Natur hat ihre, eine eigene Sprache, Geschichten, wenn man gut zuhört. In der Nacht die Glühwürmchen beobachten, oder ein paar Worte mit dem Hirten tauschen, alte CD´s (meistens Rembetikos) laufen lassen, in der Morgendämmerung einen Spaziergang durch das Dorf machen, das alles hat mir geholfen, nach einer langen Lesereise im Frühjahr wieder meine eigene Stimme zu hören. Jetzt bin ich hier, das neue ELIF-Programm will betreut werden, in kommenden Tagen erscheinen hintereinander zehn Bücher, im September beginnt eine neue Lesereise. Die Kinder haben natürlich auch ihre Wünsche, z.B. heute fahre ich mit meinem Sohn nach Venlo zu C&A, er braucht neue Jeans-Hosen.

Dinçer Güçyeter_Schriftsteller,Verleger _
Peter-Huchel-Preisträger 2022

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich will auf gar keinen Fall romantisches oder sprirituelles Zeug labern. Jeder soll für sich entscheiden, was für ihn wichtig ist. Einen Wunsch hätte ich doch: die Welt wird lauter und lauter, zu schnell wird ein Urteil getroffen, abgestempelt, ausgegrenzt, die Medien machen es sich auch zu einfach, statt einer objektiven Analyse bekommen wir private Meinungen hingeworfen. Es gibt nicht immer eine einzige Perspektive. Dazu kommt, dass wir in diesem Chaos viele schönen Dinge übersehen, die gibt es und sind nicht weit weg. Der Mensch braucht auch eine Inspektion, das darf man nie vergessen. Du kannst nicht alles retten, Verluste gehören zu unserem Alltag.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Es ist nichts Neues, die Menschheit steht seit ihrer Existenz vor diesen Herausforderungen. Ich kann mich nie an eine Zeit erinnern, wo es mal der Welt besser ging. Kriege, Ausbeutungen … Vielleicht nicht so nah, aber es gab sie. Die Machtkämpfe zwischen Lobbies, Managern in der Wirtschaft sind wieder ein anderes Kapitel, ich bin gespannt, wo es hinführt, ich habe immer einen bitteren Geschmack im Mund, wenn ich daran denke. Auf der anderen Seite kommt eine junge Generation, die mir Hoffnung schenkt. Die Rolle der Literatur/Kunst will ich auch nicht belasten. Es sind Orte, die uns einen unermesslichen Raum geben, wichtiger ist, wie sensibel wir diese Räume besetzen wollen. Darin liegt sehr viel Kraft, ich hoffe, wir werden es zu schätzen wissen. 

Was liest Du derzeit?

In Ägäis habe ich mir sehr viele Gedichtbände (meistens Debüts) besorgt. Es ist mir wichtig, was die neue Literatur in dieser Geographie erzählen möchte, und ich muss sagen: sehr viel, ich bin begeistert! Seit meiner Ankunft beschäftige ich mich mit zwei Büchern. Das eine ist “Werden sie uns mit Flix-Bus deportieren?“ von Mely Kiyak, ich bin ein grosser Fan ihrer Kolumnen, liebe ihren direkten/humorvollen/hochsensiblen Dialekt.  Den Gedichtband “Mutantengarten“ von Volha Hapeyeva hatte ich schon im Frühjahr gelesen, muss zugeben, in der Hektik war ich kein guter Leser und deshalb lese ich ihre Gedichte nochmal und kann diesen Band (übersetzt von Matthias Göritz, Martina Jakobson und Uljana Wolf) allen empfehlen. Beim Lesen entdeckt/spürt man ganz neue Kräfte …

#Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

in unseren Wunderkammern bergen wir seltsame Dinge … Nancy Hünger

Dinçer Güçyeter wuchs als Sohn eines Kneipers und einer Angestellten auf. Er machte einen Realschulabschluss an einer Abendschule.Von 1996 bis 2000 absolvierte er eine Ausbildung als Werkzeugmechaniker. Zwischenzeitlich war er als Gastronom tätig. Im Jahr 2012 gründete Güçyeter den ELIF VERLAG. Dieser hat sich Lyrik zum Schwerpunkt gesetzt. Seinen Verlag finanziert Güçyeter bis heute als Gabelstaplerfahrer in Teilzeit. Sein letzter Gedichtband “Mein Prinz, ich bin das Ghetto“ wurde mit dem Peter-Huchel-Preis 2022 ausgezeichnet. 

Vielen Dank für das Interview lieber Dincer, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

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Dinçer Güçyeter, Schriftsteller, Verleger _ Peter-Huchel-Preisträger 2022

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Foto_Yavuz Arslan

13.8.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Geben“ Ganna Gnedkova, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Kyjiw/Wien 14.8.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Geben

Ich muss

Viel geben – alles, was notwendig ist

Es bleibt bald wenig übrig, doch alle wollen Frieden

Packen, ich muss wenig packen – nur das, was notwendig ist

Essen, ich kann wenig essen – nur das, was notwendig ist

Angst haben – ich hätte gerne wenig, aber ich habe viel davon

Canceln darf ich wenig, würde gerne viel

Es bleibt mir bald nichts anderes übrig, doch alle wollen Frieden

Aber

Chancen muss ich natürlich geben

Hunger muss ich natürlich verhindern

Agonie muss ich – natürlich – unnatürlich korrekt ausdrücken   

Nur kämpfen darf ich kaum, genauso wie

Canceln, doch kapitulieren darf ich jederzeit

Es bleibt bald nicht viel übrig von mir, denn alle wollen Frieden


Ganna Gnedkova, 8.8.2022

­Ganna Gnedkova, Schriftstellerin: Kyjiw, Ukraine / Wien, Österreich

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Ganna Gnedkova_Schriftstellerin, Literaturwissenschafterin, Übersetzerin, Journalistin

Foto_Georgii Kravchenko

Walter Pobaschnig _ 8.8.2022.

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„Gerechtigkeit“ Valentin Hauser, Buchautor _ Give Peace A Chance_Griffen/Kärnten 13.8.2022

GIVE PEACE A CHANCE


Gerechtigkeit

Initiativen

Verantwortung

Ehrlichkeit


Politische und

Ebenso

Apolitische

Courage und

Einsicht.


All das ergibt:


Charakter,

Harmonie,

Akzeptanz,

Neugierde,

Charisma und

Ebenbürtigkeit.


Valentin Hauser, 7.8.2022

Valentin Hauser, Buchautor

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Valentin Hauser, Buchautor

www.valentinhauser.at

Foto_Karl Heinz Essl

Walter Pobaschnig _ 7.8.2022.

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„Das Herz wieder zu öffnen!“ Elisabeth Halikiopoulos_Schauspielerin_ Wien 13.8.2022

Liebe Elisabeth, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich komme gerade aus dem Urlaub zurück…also hatte ich bis vor kurzem immer einen sehr gemütlichen Start in den Tag, mit ausgedehntem Kaffeetrinken und langen Gesprächen auf unserer Terrasse mit Blick aufs Meer. Dann schwimmen, in den Tag leben und sich treiben lassen können – ohne Hektik! Meinen Tag/Abend habe ich immer mit köstlichem griechischem Essen ausklingen lassen. Herrlich…

Aber auch zurück in Wien bleibt es diesen Sommer bei mir entspannt. Neben ein paar Vorstellungen bereite ich gerade einige Projekte vor und kann mir daher den Tag selbst einteilen, ohne von Probe zu Probe hetzen zu müssen.

Elisabeth Halikiopoulos_Schauspielerin, Regisseurin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Das Herz wieder zu öffnen! Aufeinander zugehen, zuhören und in Verbindung gehen. Auf allen Ebenen. Aussteigen aus der Angst und wieder ein Gefühl für das Miteinander entwickeln. Nur so können wir gemeinsam neue Lösungen und Wege finden.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Die eigenen Werte überprüfen und auch die unserer Gesellschaft. Wonach wollen wir uns ausrichten? Was funktioniert und wo haben wir uns verrannt?

Das Theater kann uns dabei wieder an unser „Mensch sein“ erinnern. Ein Raum für Begegnung sein. Ich glaube, wir hungern auch förmlich danach, Emotionen im Theater oder im Konzert wieder kollektiv zu erleben, das Gefühl der Verbundenheit zu spüren.

Robert Schumann sagte: „Licht senden in die Tiefe des menschlichen Herzens – des Künstlers Beruf!“ Kunst kann uns in unserem Innersten berühren und dort etwas zum Klingen bringen, wie kaum etwas anderes. Sie ist wichtige Nahrung für die Seele. Ariane Mnouchkin sagt treffend: „performance is a ceremony, a ritual. You should go out of it more human than when you went in.”

Dieses Potential sollten wir nutzen!

Was liest Du derzeit?

Hauptsächlich Stücke und Drehbücher, mit denen ich gerade beruflich zu tun habe… Ich gestalte eine szenische Lesung beim Festival in Litschau, bereite mich aber auch schon auf einen Dreh und Theaterproben danach vor.

Daher habe ich mir jetzt im Urlaub einen Roman rein zur Unterhaltung gegönnt: „Olivensommer“ von Isabelle Broom, der auf der Insel Zakynthos spielt, die quasi meine zweite Heimat ist.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

“There is a vitality, a life force, an energy, a quickening that is translated through you into action, and because there is only one of you in all of time, this expression is unique. And if you block it, it will never exist through any other medium and it will be lost. The world will not have it. It is not your business to determine how good it is nor how valuable nor how it compares with other expressions. It is your business to keep it yours clearly and directly, to keep the channel open. You do not even have to believe in yourself or your work. You have to keep yourself open and aware to the urges that motivate you. Keep the channel open. … No artist is pleased. There is no satisfaction whatever at any time. There is only a queer divine dissatisfaction, a blessed unrest that keeps us marching and makes us more alive than the others”

― Martha Graham

Elisabeth Halikiopoulos_Schauspielerin, Regisseurin

Vielen Dank für das Interview liebe Elisabeth, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Film-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

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Elisabeth Halikiopoulos_Schauspielerin, Regisseurin

Fotos_Barbara Maria Hutter

8.8.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Der Kaugummi wurde genug gekaut“ Pegah Ahmadi, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Köln 12.8.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Der Kaugummi wurde genug gekaut

Übersetzt von Annika Reich

Als wäre es mittags,

dass ich in einem Krankenhaus namens Sowjet geboren bin.

In großen Ölkanistern

hat mein Vater rasant 

seine Bücher verbrannt,

dann

wurden wir die Generation der Revolution genannt.

Du hast diese Frau nicht einmal gesehen,

deren Stimme die Luft 

wie Krähen spaltete.

Im Film

war die abgetrennte Hand des Mannes

im Ärmel seines Mantels versteckt.

Ein Film über die Zeit des Krieges im Iran.

Der Mann

war einer der besten und ältesten Theaterschauspieler

mit einem Blick aus Jade und Magie.

Ach, es ist sinnlos,

mehr davon zu erzählen.

Du hast diesen Film

auch nicht gesehen.

Schau!

Der Himmel trägt etwas Zerbrochenes

Rauch und Marmor 

haben die Öffnung blockiert.

Die Welt dreht sich weiter,

wir wachsen weiter wie Gras

und enden wie eine Kuh.

Die Vergangenheit hält uns konstant,

dieser Raum aber bewegt sich weiter.

Ich halte mich wie eine Substanz 

und drücke den Knopf im Licht.

Auf meiner linken Schulter

wird mein Haar dunkel.

Das Geräusch des Bohrers endet.

Der Kaugummi wurde genug gekaut.

Pegah Ahmadi, 10.8.2022

Pegah Ahmadi, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Pegah Ahmadi, Schriftstellerin

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 10.8.2022.

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„Film und Theater machen Standpunkte und Visionen spürbar“ Lisa Olah, casting director _ Wien 12.8.2022

Liebe Lisa, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein gestreifter Kater weckt mich sehr früh, in dem er sich neben meinen Kopf stellt und mir ins Ohr atmet. Recht irritierende Angelegenheit. Früh aufzustehen habe ich wirklich spät in meinem Leben gelernt. Es hat Vorteile, denn meine Arbeit umfasst auch Lesen, Recherche, Weiterbildung- das sind Dinge, die ich am liebsten morgens ungestört mache. Wenn ich dann zu Mittag ins Training losziehe, hab‘ ich schon fast einen Arbeitstag hinter mir.

Dieser Mittagsbreak mit Sport und Kochen ist wichtig für mich – Stillsitzen vor dem Computer fällt mir echt schwer. Ich liebe die Arbeit mit den Händen und fühle mich am Wohlsten, wenn ich körperlich etwas zu tun habe…meine Arbeit beinhaltet zum Glück viel Rumgerenne, auf Knien Rumgerutsche und Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen, die mich fordern..

Castingtagen im Studio blicke ich also meistens mit etwas Unruhe entgegen: komplizierte Dispos, unterschiedliche AnspielpartnerInnen, Szenen, die man noch nie gespielt gesehen/gehört hat. Werden die Kombis funktionieren? Hat jede(r) seinen Text von mir bekommen?

Sobald ich allerdings dann im Studio zwischen den Menschen stehe (oder knie, haha), mit denen ich gerne arbeite, kommt die Freude. Ein Tag vergeht so schnell wie 10 Minuten und ich falle nachts k.o. ins Bett, selbst der Kater, der dann wahrscheinlich meinen Zeh essen will, kann daran nicht viel ändern. Außer in Flugzeugen schlafe ich überall wie ein Stein.

Lisa Olah, casting director _Filmfestival Cannes 2022

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Jetzt und immer besonders wichtig ist das Wissen um ein bestimmtes Paradox:

Wenn ich mir selbst nicht vertraue, gibt’s vielleicht einen Grund. Klingt hart, aber lässt sich ändern! Also los.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Wesentlich- gerade jetzt – sind ein Bildungssystem und die Fähigkeit von Eltern, mutige und verantwortungsvolle Menschen zu erziehen, mit einer gehörigen Portion angebrachtem Realismus, Neugierde und Humor ausgestattet. Zumindest wäre das mein Wunsch für einen Neubeginn oder den Ort, wo er zuerst stattfinden sollte.

Schauspiel und Kunst an sich kann sehr differenziert Perspektiven schildern ohne sie zu erklären. Besonders Autorenfilm (und auch Theater natürlich) macht Standpunkte und Visionen, persönliche Wahrheiten spürbar. Je mehr Perspektiven, die man auf so subtile Weise erfährt, desto toleranter und selbstbestimmter wählt man sein eigenes Schicksal, desto genauer werden Prognosen. Man lernt etwas – es gibt ein Wort dafür, aber es ist sehr missverständlich und sein Einsatz in den Medien inflationär und ungenau. Ich verwende es nicht mehr so gern.

Was liest Du derzeit?

Thinking Styles von Robert J. Sternberg

Mardi von Herman Melville

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

It’s a feeling. You don’t have to act on it.

Vielen Dank für das Interview liebe Lisa, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Lisa Olah, casting director

Lisa Olah Casting

Foto_Jan Gassmann.

3.8.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Geblendet von Worten ziehen sie hin“ Helmut Steiner, Schriftsteller  _ Give Peace A Chance _ Thürnthal/NÖ 11.8.2022

GIVE PEACE A CHANCE


G         Geblendet von Worten ziehen sie hin

I           in den Zwietracht der Macht, der Gier und des Geldes,

V         verführt zum Kampf als Nahrung des Krieges,

E          erhobenen Hauptes mit blitzendem Stahl.

P         Patriotismus im Dreck verblasst, zerfetzt von Granaten,

E          Ehre ersoffen im eigenen Blut und Gott zerfallen zu Staub im

A         apokalyptischen Ritt der Vernichtung, im

C         Chaos des Untergangs.

E          Es gibt keine Sieger im Rasen der Waffen.

A         Am Ende des Schlachtens blutet das Sein, es gebiert die Pein,

das Elend, den Hunger, die Not und den Tod.

C         Chrysanthemen welken im Nebel über

        Hügeln aus Leibern in gekalkten Gruben,

        auf verscharrtem Gebein,

N         namenlos, wenn

C         Chiones weiße Kristalle bitten zum Tanz im

E          eisigen Nordwind.


Helmut Steiner, 3.8.2022

Helmut Steiner, Schriftsteller  

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Helmut Steiner, Schriftsteller  

Helmut Steiner, 1956 in Krems an der Donau in Niederösterreich geboren, wuchs in einer Arbeitersiedlung am Stadtrand von Krems auf. Er studierte in Wien und verbrachte danach mehrere Jahre in Deutschland. Er lebt und arbeitet in Thürnthal (NÖ). In jungen Jahren als Musiker und Komponist aktiv, hat er über das Schreiben einen neuen Zugang zu kreativem Schaffen gefunden und bedient mit Lyrik, Kurzgeschichten und Romanen ein breites Spektrum der Literatur.

Auswahl Veröffentlichungen:

Ein Schneckenmärchen, 2021 Verlag BoD – Books on Demand, Norderstedt _ ISBN 978-3-7534-1649-6

Klagelieder, 2021 Herausgeber literatur thürnthal, Verlag BoD, Norderstedt, ISBN 978-3-7557-1199-5

Novemberwind, Lyrik, 2014 Verlag Berger Horn/Wien ISBN 978.3-85028-671-8

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 3.8.2022.

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„Dass wir aufhören uns anzugiften“ Maxi Obexer, Schriftstellerin _ Berlin 11.8.2022

Liebe Maxi, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Joyce kommt zu mir ans Bett und stubst mir den neuen Tag mit zärtlich an die Seite. Ich trinke Kaffee, lese ein paar Gedanken, geh raus, an meiner Seite der Hund, dem ich beim Schnüffeln zusehe, frage mich, was er dabei alles wahrnimmt und einordnet. Ich bilde mir meine Gedanken und lass sie kommen. Geh zurück an den Schreibtisch.

Maxi Obexer, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Dass wir aufhören uns anzugiften.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Neu wahrzunehmen

Was liest Du derzeit?

Vivian Gornick: The situation and the story

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Don’t walk behind me; I may not lead. Don’t walk in front of me; I may not follow. Just walk beside me and be my friend.“ (Unknown)

Vielen Dank für das Interview liebe Maxi, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Maxi Obexer, Schriftstellerin

https://m-obexer.de/

29.7.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Granaten, Überbleibsel altmodischer Weltkriege …“ Francisca Ricinski, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Bad Neuenahr-Ahrweiler/D 10.8.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Granaten, Überbleibsel altmodischer Weltkriege …

Im Ohr, statt Störche im Flug, noch mehr Kanonen aus dem Bauch des Geparden, die

verjagen, zuschießen, sich für das Schmelzende, das Abstürzende feiern.

Erde. Ein Stück unserer Erde. Schon lange mit gemischtem Blut übersättigt, Stahldrähte strecken sich von Gehirn zu Gehirn,

Panzermotoren singen in der Brust aller Krieger.

Erde, das sind wir. Nicht nur ein Name, ein winzig galaktischer Punkt, Pingpong Ball in zwei angefeindeten Händen.  

Abgründe von unermässlicher Tiefe tun sich, wenn wir es zulassen, vor uns und in uns auf.

Chaos. Choräle und Celloballaden übertönen zwar den countdown, bald aber wird niemand mehr sie hören.

Erschütternder Blick. Jede Straße ist Teil eines Friedhofs. So ließe sich die Sintflut umschreiben.

Als gäbe es einen Übergott, der seinen Anhängern eine Unmenge an Kampfsucht einhauchte, oder eher einen grimmigen

Clown, der scheint, den Zweig in dem Schnabel der Taube nicht richtig zu mögen.

Homo homini lupus, das waren wir mal, doch nun sind wir wüster als Wölfe,

anstatt mit der Ausweglosigkeit der eigenen Falle zu hadern.

Noch steigt das Wurzelwasser zu den Zweigen. Selbst wenn die Wiedererlangung des Friedens eine

Chimäre ist,

Erde, gefährdeter Lebensbaum, rüttel und schüttel dich, lass Vögel und Raupen über gärende Kriegssprüche und -Aufrufe herfallen.


Francisca Ricinski, 2.8.2022

Francisca Ricinski, Schriftstellerin und Journalistin   

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Francisca Ricinski, Schriftstellerin und Journalistin   

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Walter Pobaschnig _ 2.8.2022.

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„Kunst ist für mich ein unbedingtes Lebenselixier“ Valentin Hauser, Autor _ Griffen/Kärnten 10.8.2022

Lieber Valentin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Derzeit – also Anfang August 2022 – bestimmt das 290 Seiten umfassende und von mir geschriebene Manuskript für das Buch „Vergessene Wahrheiten“ den Tagesablauf. Gerade lese ich den vom Grafiker „gesetzten“ Text nochmals und achte dabei besonders auf die Positionierung der 130 Schwarzweißfotografien. Die Arbeiten werden aber bald abgeschlossen sein und der Auftrag für den Buchdruck bald erfolgen; geplantes Erscheinungsdatum ist der 23. September 2022.

Valentin Hauser, Autor

Zwischendurch bin ich mit der Erstellung eines Besuchsprogrammes für meinen Freund Peter Handke befasst, der – so wie alle Jahre – ganz privat und abseits von Medien im August einige Tage bei uns verbringt. Wir werden mit Sicherheit wieder die von ihm so geliebte Kärntner Almluft (Saualpe) genießen.

Valentin Hauser mit Nobelpreisträger und Freund Peter Handke, welcher in Griffen geboren und aufgewachsen ist

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?                                                        

Krisen hinterlassen oft Spuren und verändern unser Leben. Gerade jetzt in Zeiten von „Pandemie“ und „Putin“ (Krieg in der Ukraine) sind aus meiner Sicht gute Freunde, Partner und ein intaktes Familienleben besonders wichtig. Wertemäßig würde ich mir wünschen, dass uns (Nächsten-)Liebe, Solidarität, Toleranz, Verantwortung, Bescheidenheit und Kompromissbereitschaft begleiten.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich glaube, das wird sich noch zeigen. Wünschenswert aus meiner Sicht wäre es jedenfalls, dass es noch verstärkter zu einer Rückbesinnung kommt und sich die Menschen wieder mit dem befassen, was wirklich wichtig ist im Leben. Dazu gehören auch – in der modernen Zeit mitunter bereits stark vernachlässigten „altmodischen“ Dingen – beispielsweise das Lesen und die Beschäftigung mit Kunst und Kultur. Ich persönlich bevorzuge definitiv Bücher in Papierform und Kunst ist für mich ein unbedingtes Lebenselixier.

Was liest Du derzeit?

Bis vor einigen Tagen waren es in etwa 30 Bücher zu den Themen „Die NS-Zeit – Zweiter Weltkrieg in Kärnten – Die Aussiedlung Kärntner Slowenen*innen – Die Saualmpartisanen*innen“; all diese Bücher und Dokumenten aus zahlreichen Archiven bzw. Recherchen haben mich lange begleitet und stellten Sekundärliteratur für mein bereits erwähntes neues Buch „Vergessene Wahrheiten“ dar. Momentan steht das letztmalige Korrekturlesen desselben am Programm und danach freue ich mich – nicht ohne ein kleines Lächeln auf den Lippen habend – auf eine kleine Lesepause.

Erfahrungsgemäß wird diese jedoch nicht lange anhalten, denn es warten bereits eine Reihe neuer Bücher darauf, von mir verschlungen zu werden!

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Es gäbe wahrlich sehr viele, die mir hier einfallen würden. Aber bezogen auf mein neues Buch „Vergessene Wahrheiten“ drängt sich mir wahrlich ein Zitat von Ingeborg Bachmann auf: „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“

Valentin Hauser, Autor

Vielen Dank für das Interview lieber Valentin, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Buchprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Valentin Hauser, Autor

https://www.valentinhauser.at/griffen.htm

Fotos_1 Karl Heinz Essl; 2 privat; 3 Kalian.

5.8.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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