„Literarische Qualität und Vielstimmigkeit zu fördern als Beitrag zur Demokratie“ Nikola Huppertz, Schriftstellerin _ Hannover 30.8.2022

Liebe Nikola, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Von Tag zu Tag etwas unterschiedlich, wie eigentlich immer. Diesen August habe ich mir von Veranstaltungen weitgehend freigehalten und verbringe ihn schreibend in meiner Wohnung in Hannover. Das bedeutet, dass ich morgens versuche, meine Konzentration erst einmal auf mein aktuelles Romanprojekt zu lenken. Keine Nachrichten lesen, keine sozialen Medien aufrufen, nach Möglichkeit noch keine E-Mails beantworten, sondern gleich ins literarische Denken kommen. Gerne unterhalte ich mich beim Frühstück mit meinem Freund, der ebenfalls Schriftsteller ist, ich höre Musik oder lese ein bisschen. Dann setze ich mich an den Schreibtisch und schreibe eine oder zwei Szenen.

Erst danach lasse ich mehr Welt in meinen Kopf. Lese Zeitungsartikel, verschaffe mir Einblick in die wichtigsten tagespolitischen Ereignisse, schaue mich – möglichst kurz und mit innerer Distanz – in den Sozialen Medien um. Auch die Dinge, die aus meinem privaten Umfeld auf mich einströmen und mich fordern, finden dann die nötige Aufmerksamkeit: Familienangelegenheiten, die Nachrichten und Anrufe aus dem Freundeskreis. All das will eingeordnet und sortiert werden, insbesondere die vielen Negativmeldungen, mit denen wir in dieser Krisenzeit umgehen müssen, und die hohen emotionalen Ausschläge, mit denen auf sie reagiert wird. Die Ereignisse gründlich zu reflektieren, ist mir sehr viel wichtiger, als jeder einzelnen Meldung hinterher zu hecheln. Daher gehören ausführliche Gespräche zur Tagesordnung, gerne bei Spaziergängen mit meinem Freund, aber natürlich auch das (literarische) Lesen. Und dann gibt ja noch die ganz banalen Dinge, die aber auch erwähnt werden müssen, weil sie nicht unwesentliche Anteile des Tages in Anspruch nehmen: E-Mails und andere Büroarbeiten, Haushalt, Sport.

Nikola Huppertz, Schriftstellerin      

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wir haben mit sehr unterschiedlichen Herausforderungen umzugehen, ökologischen und gesellschaftlichen – und mit einer sie jeweils begleitenden Flut von Nachrichten und Meinungen, mit Zerwürfnissen und Lagerbildungen. Manche Ereignisse erfordern promptes Reagieren, bei anderen stehen wir da und wissen nichts zu tun, weil sie außerhalb unseres gewohnten Handlungsspielraums stattfinden.

Was meiner Meinung nach in jedem Fall vonnöten ist, ist eine Balance von persönlicher Reflexion und sozialer Teilnahme. Weder durch kopflosen Aktionismus noch durch Rückzug in ein hyggeliges Privates lassen sich Krisen bewältigen. Es erfordert eine gründliche Auseinandersetzung, um zu unterscheiden, welche Themen unseren vollen Einsatz verlangen und welche eher Nebenschauplätze sind. Auseinandersetzung heißt für mich, Tatsachen und Argumente gründlich anzuschauen und verschiedene Perspektiven zu berücksichtigen. Komplexe Sachverhalte lassen sich nicht in Sekundenschnelle bewerten.

Mir erscheint es als elementar für ein friedvolles und freiheitliches Zusammenleben, demokratische Prozesse und Kompetenzen zu sichern, sei es durch Bildung und die Schulung kritischen Denkens, sei es durch differenzierte Diskurse.

Da ich überwiegend für Kinder und Jugendliche schreibe und sehr viele Veranstaltungen in Schulen durchführe, finde ich meinen persönlichen Ansatzpunkt im Gespräch mit jungen Menschen. Und ich glaube, auf andere Weise kann jeder Mensch bei dem, was er beherrscht und alltäglich tut, über den eigenen Tellerrand hinausschauen und sich fragen, in welcher Form er soziale Verantwortung übernehmen könnte.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Literatur und Kunst treten einen Schritt zur Seite. Sie spiegeln gesellschaftliche Prozesse, ohne am Tagesgeschehen festzukleben oder unmittelbare Handlungsimplikationen liefern zu müssen.

Um konkrete Probleme zu lösen, benötigen wir Menschen, die sich per se mit Problemlösungen beschäftigen: Wissenschaftler*innen, Politiker*innen, Personen, die sich sozial und ökologisch engagieren. Die Literatur wird ihrer Rolle nach wie vor am besten gerecht, wenn sie sich auf sich selbst besinnt: auf das Wort mit seiner ganzen Kraft und Schönheit, auf die Übernahme von Perspektiven, die Entwicklung von Ideen und Ausdrucksmöglichkeiten. Sie trägt zur Kritik bei und zur Imagination von alternativen Szenarien. Und sie führt uns immer wieder zu der Frage, was es eigentlich bedeutet, ein Mensch zu sein – auch und gerade in einer krisengeschüttelten Welt.

Was mich mit Sorge erfüllt, ist das Auseinanderklaffen der eigentlichen Rolle von Literatur und den Anforderungen des Buchmarktes. Es wäre auch ein Beitrag zur Sicherung der Demokratie, Literatur nicht allein den Marktgesetzen zu unterwerfen und zunehmend auf leichte Konsumierbarkeit zu setzen, sondern literarische Qualität und Vielstimmigkeit zu fördern.

Was liest Du derzeit?

Virginia Woolf: Die Wellen (eine alte Insel Leipzig-Ausgabe in der Übersetzung von Herberth und Marlys Herlitschka)

Jenny Odell: Nichts tun – Die Kunst, sich der Aufmerksamkeitsökonomie zu entziehen (C.H. Beck, übersetzt von Annabel Zettel)

Marieke Lucas Rijneveld: Kalbskummer/ Phantomstute (Suhrkamp, wunderbar übersetzt von Ruth Löbner)

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ich habe kürzlich wieder einmal in „So lebe ich jetzt“ von Meg Rosoff geschaut (Carlsen, übersetzt von Brigitte Jakobeit). In dem Jugendbuch aus den Nullerjahren geht es um die – anfangs magersüchtige – Daisy, die unfreiwillig aus den USA zu Verwandten nach England reist, wo dann ein (fiktiver) Krieg ausbricht und für Gewalt und Chaos sorgt. Die Familie wird auseinandergerissen, die Jugendlichen müssen für sich selbst sorgen. Daisy übernimmt Verantwortung für die jüngere Piper und schlägt sich mit ihr in den Kriegswirren durch, immer in Gedanken an ihren ungewöhnlichen Cousin Edmond. Gegen Ende des Romans heißt es:

Überall gab es Heckenschützen und kleine Rebellengruppen, chaotische Banden von versteckten Kämpfern, und meistens konnte man die Guten und die Bösen gar nicht auseinander halten und sie selber konnten es auch nicht. Busse flogen in die Luft und manchmal auch ein Bürogebäude oder ein Postamt oder eine Schule, man fand Bomben in Einkaufszentren und Paketen, und aus einem völlig unerklärlichen Grund gab es manchmal eine Feuerpause, bis dann irgendjemand auf eine Landmine trat und alles von vorne losging. Man hätte tausend Leute auf sieben Kontinenten fragen können, worum es eigentlich ging, und hätte nicht zweimal die gleiche Antwort bekommen; niemand wusste es genau (…).

Trotzdem ging das Leben weiter.

Und noch später:

Ich habe keine Ahnung, wie beschädigt Edmond ist, ich weiß nur, dass er Ruhe braucht und geliebt werden muss. Und das kann ich ihm beides geben.

Nun bin ich also hier bei ihm und bei Piper und Isaac und Jonathan, bei den Kühen und Pferden und Schafen und Hunden, beim Garten und bei der vielen harten Arbeit, die dazugehört, um einen Bauernhof zu führen und in einem vom Krieg verdorbenen und entstellten Land zu überleben. Ich kenne mich mit solchen Zuständen aus, nur finden sie jetzt nicht mehr in mir statt. (…)

Ich wünsche allen, die in dieser Zeit beschädigt werden, die Ruhe und Liebe, die sie dringend benötigen. Und zumindest einen Waffenstillstand im Krieg gegen sich selbst.

Vielen Dank für das Interview liebe Nikola, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Nikola Huppertz, Schriftstellerin     

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Foto_Bert Strebe

29.8.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Ehrlichgesagt“ Alexander Rudolfi, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Hannover 29.8.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Gerade habe

Ich es schon fast wieder

Vergessen

Ehrlichgesagt

Panzer und Traktoren

Einige Militärlastwägen die Leichen

Abtransportieren

Coronakrise

Eingedämmt

Aber

Chemische Gifte schwelen in den

Häuserruinen meiner

Aufmerksamkeit und ich gebe dem

Nächsten Weltuntergang eine

Chance Frieden zu schaffen

Ehrlichgesagt


Alexander Rudolfi, 19.8.2022

Alexander Rudolfi, Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Alexander Rudolfi, Schriftsteller

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 19.8.2022.

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„Die Karikatur kann Sachverhalte gut und klar darstellen und unterhalten“ Bernd Ertl, Karikaturist _ Wien 29.8.2022

Lieber Bernd, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Wie immer- ab 8 ins Studio, meistens bis mindestens 18.00 – im Sommer aber gern auch kleine Radtour vorher, damit alles in Gang kommt.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Weiterzuleben – das zu tun, was man am besten kann. Nur so kann man
etwas bewegen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Karikatur, der Kunst an sich zu?

Speziell die Karikatur kann Sachverhalte gut und klar darstellen- was aber zugegeben auch immer schwieriger wird, da man ja oft keinen Durchblick mehr hat, was tatsächlich läuft. Aber Karikatur kann auch unterhalten und gute Laune machen, was mir fast noch relevanter vorkommt.

Bernd Ertl, Karikaturist & Illustrator

Was liest Du derzeit?

Umbert Ecos „Der Friedhof in Prag“ – ein geradezu unheimlich aktuelles Buch

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Muss mich wiederholen: Weiterzuleben – das zu tun, was man am besten
kann. Nur so kann man etwas bewegen. Sich nicht lähmen lassen. Das eigene
Umfeld positiv verändern.

Vielen Dank für das Interview lieber Bernd, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Bernd Ertl, Karikaturist & Illustrator

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Fotos__Bernd Ertl

30.5.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Maria malt“ Kirstin Breitenfellner. Picus Verlag

Da ist das Leben. Das Sehen und das Hören. Die Großmutter. Noch weit das Eigene. Die Sprache. Für Riedi.

Dann an der Hand der Mutter der Weg in die Stadt. Noch weit das Eigene. Sehen und Hören.

Die Kunst. Näher das Eigene. Arnulf.

Und jetzt.

Maria malt. Sieht, hört, spricht. Im Bild wie niemand zuvor…

Eine Reise beginnt…grenzenlos…

Kirstin Breitenfellner, Schriftstellerin, Journalistin,legt mit ihrem Roman „Maria malt“ ein beeindruckendes literarisches roadmovie eines Künstlerinnnenlebens wie einer Epoche und deren Möglichkeiten und Grenzen in Kunst, Menschsein und Gesellschaft vor.

Im Mittelpunkt steht dabei die Lebensgeschichte eine der bedeutendsten österreichischen Künstler:innen der Moderne, Maria Lassnig (*1919 Kappel/Kärnten +2014 Wien).

Kirstin Breitenfellner gelingt eine bemerkenswerte literarisch-biographische Annäherung an Lassnig, deren Werk wie Leben sich grundsätzlich schwer fassen lassen. Hier gelingt mit einem selbstbewussten direkten Erzählkonzept ein sehr packendes Panoptikum von Stationen im Blickwechsel von Leben und Kunst, Kunst und Leben, die eintauchen, teilhaben und in Biographie wie österreichischer Kunstgeschichte an sich mitleben lassen.

Ein Roman, der nicht nur Kunstinteressierte begeistern dürfte, weil er Lebenswege, Lebensbrüche und -aufbrüche sprachlich einzigartig zu öffnen und spannend zu erzählen weiß.

„Ein mitreißender Roman über eine ganz außergewöhnliche Künstlerin der Moderne“

Walter Pobaschnig 6_22 

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„Dann ist der Abend gekommen“ Annette Mathilde Winz, Schriftstellerin _ Niederrhein/D 28.8.2022

Liebe Annette, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Schon lange halte ich das morgendliche Aufstehen für eine der größten Leistungen der Menschheit: dieses Trotzdem. Sich dem Ungewissen, der nächsten fraglichen Minute entgegenstellen. So verbringe ich den Morgen oft mit Staunen. Ich, der langsamste Mensch der Welt, setze dann Schritt für Schritt. Gut ist, wenn daraus ein Mitgehen entsteht.

An den Tagen, an denen ich zum Minijob ins Callcenter fahre, folgt eine strenge Choreografie von Tätigkeiten, damit ich um 8.35 Uhr aufs Rad steigen kann. Mit fremden Menschen telefonieren, ihnen für einen Moment Gehör schenken, erfordert hohe Konzentration. Ich versuche, gut zu ihnen zu sein, freundlich, sie ernst zu nehmen.

Manchmal beginnt ein Tag damit, dass ich die falsche Brille aufsetze. Manchmal vermeide ich die Radionachrichten. Manchmal meine Neugierde, mein Wunsch nach den vertrauten Stimmen der Moderator:innen, die Hoffnung auf kleine erleichternde Neuigkeiten, eine Buchbesprechung, eine Theaterkritik, eine Preisvergabe, eine Schriftstellerin, die aus der Haft entlassen wurde. Zwischen mir und den Nachrichten aus den Höllen dieser Welt versuche ich etwas Luft zu lassen, die Kriegsseiten der Tageszeitung überschlage ich – manchmal. Manchmal gelingt es.

Manchmal gehe ich mit einem Korb voll mit Wäsche in den Keller, sortiere sie, belade die Maschine, stelle das Programm ein. Manchmal räume ich den Keller wieder nicht auf. Ich putze das Bad. Oft suche ich nach Worten, nach Sätzen. Manchmal schaue ich im Garten nach Zinnien, Wicken, Kosmeen, deren Samen ich Ende April gelegt hatte, die kräftig geworden sind, sich nun zum Licht recken und deren Blüten ich erwarte – ein Glück. Manchmal backe ich Kuchen für den Besuch morgen. Manchmal antworte ich auf eine Nachricht wieder nicht. Manchmal lege ich das Buch zur Seite. Manchmal telefoniere ich mit einer Mitarbeiterin der Apotheke, vorige Woche hieß es, das Medikament sei zurzeit nicht lieferbar, heute kann sie mich beruhigen, allerdings sei es mit nur noch kurzem Haltbarkeitsdatum, und ich weine vor Erleichterung.

Immer, niemals manchmal, gliedern die Mahlzeiten, drei und eine Tasse schwarzen Tee am späten Nachmittag, den Tag. So gelingt es mir, das Essen nicht zu vergessen, so sichere ich mich. Manchmal planen mein Mann und ich einen Ausflug, er stellt den Proviant zusammen, Brot, Käse, Tee, Kekse. Manchmal verabrede ich mich. Manchmal schaue ich nach den Öffnungszeiten einer Ausstellung, die ich besuchen möchte. Ich schreibe. Ich male. Manchmal finde ich Wörter, die mir etwas öffnen. Das Buch, das ich aus der Hand gelegt hatte, begleitet mich.

Dann ist der Abend gekommen. Es ist warm, die Balkontür steht weit offen. Ich höre den Igel auf seinem Rundgang, er schnauft, es raschelt. Ich mache Notizen. Manchmal, oft, immer, niemals – sind nur ungefähre Kategorien. Das Fragliche beginnt mit den Träumen, bald.

Annette Mathilde Winz, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

wer sind: wir alle / für wen könnte ich sprechen / was wünschst du dir / wohin
wendet sich mein Sehnen / was macht dich leicht / was hast du gesehen /
wohin gehen wir / und von wo aus / wer jagt mich / vor mir / hinter mir / seid
ihr bei Trost / wohin fliegt ihr / wohin flieht ihr / liegt ihr gut / wollt ihr es warm
/ ist euch wohlig / bleibt der Preis stabil / was steht da ins Haus / wollen wir die
Tür öffnen / hinausgehen / um den Block gehen / sich regen bringt / Segen /
mal nachsehen / ein paar Nachrichten verdauen / es geht schon / es wird schon
/ wollt ihr auch die anderen Türen öffnen / sich an die anderen Türen erinnern /
hinter den Mauern / ist da etwas Fauliges / kennst du / drehst du dich um /
kommst du mit / sag, kommst du mit / in die Gärten will ich gehen / graben /
dort nachsehen / mich erinnern / wer sind: wir alle / die aus der Erde / die aus
dem Wasser / die aus dem Feuer / die aus der Luft / die das Feuer legen / oder
die sich in Rauch auflösen / wer ist: wir alle / die / diese / zeigst du mit dem
Finger / weißt du’s? / ich weiß es nicht

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ja – aufbrechen. Aufbruch. In seiner ganzen Doppeldeutigkeit. Das erinnert mich daran, dass ich nicht warten sollte, bis Rucksäcke ausverkauft sind. Ich meine die etwas größeren, größer als ein Tagesrucksack, aber noch so, dass ich ihn zu tragen überhaupt bewältigen könnte. Wesentlich ist aber die Packliste.

Kunst, Literatur usw. sind befreiend, strahlend, berührend, politisch. Grund für Verletzung, Grund, um zu töten. Sie einigen und entzweien. Wegen all dem sind sie so gefürchtet.

Was liest Du derzeit?

Sie dreht sich um – von Angelika Overath
Die Blaue Frau – von Antje Rávik Strubel
auch solche Tage waren immer schon da – von Katrin Pitz

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Mir scheint, ich bin nun umgeben von Zitaten. Einmarsch, Angriff, Annexion, Fliegeralarm, Flucht, Vertreibung, Verschleppung, Zerstörung, Massaker, Flak, Artillerie, Verteidigen, Besiegen, Verlieren, Aufgeben, Leichtes und Schweres Geschütz, Recht, Zivilisten, Opfer, Gefangene …

Ich höre auch die Stimmen: gierig, machtbesessen, angstvoll, getrieben, hoffnungslos, verwirrt, gehorsam, ergeben, mutig, kampfbereit, hungrig …

Vor einiger Zeit hörte ich seit langem wieder das Wort Schrapnell. Ich kenne es aus
Kindertagen und war immer fasziniert davon. Es gibt Wörter, die lautmalerisch exakt
ihre Bedeutung vermitteln. Dieses ist eins davon.

All diese Vokabeln sind Zitate von Zitaten, weitergetragen von Generation zu
Generation. Wie eine Sprache, die eine Weile in mir geschlafen, sich wissend im
Hintergrund gehalten hat. Da bin ich, sagt sie. Und ich brauche nichts neu lernen,
alles ist da, alles ist bekannt.

Vielen Dank für das Interview liebe Annette, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Annette Mathilde Winz, Schriftstellerin

Foto_privat

30.6.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Romy Schneider gab alles“ Elisabeth Rössler, Künstlerin _ 40.Todesjahr Romy Schneider _ Wien 28.8.2022

Elisabeth Rössler, Künstlerin_Wien_reenacting Romy Schneider_
40.Todestag Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien *1982 Paris)

Liebe Elisabeth, welche Bezüge, Zugänge gibt es von Dir zu Romy Schneider?

Ich fühle eine starke Seelenverwandtschaft mit Romy Schneider. Ich fühle ihre Stärke und Durchlässigkeit.

Gibt es einen Film von Romy Schneider, den Du hervorheben möchtest und
warum?

Eigentlich nicht – ich bin von ihrem Können immer fasziniert…Romy Schneider spielte in ihren Filmrollen sehr intensiv und ausdrucksstark, auch körperlich, und ging bis an die Grenzen des persönlich Möglichen. Etwa in den Filmen „Nachtblende“, „Trio infernale“ oder „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“.

Wie siehst Du als Künstlerin die Darstellerin Romy Schneider in Ihrem Kunstgenre

Romy Schneider gab alles, zeigte alles, überschritt Grenzen und war 100 % authentisch. Sie versuchte nicht etwas zu konstruieren, sondern offenbarte ihr Inneres, so dass es für andere sichtbar, nachvollziehbar, fühlbar war. Das gilt für alle Kunstformen.

Müssen Mensch und Kunst sich immer ganz nah, intensiv berühren, um das Publikum erreichen und auch berühren zu können?

Ja – ohne dem bleibt es beliebig, oberflächlich, belehrend, egomanisch.

Gibt es Momente in der Kunst, in der sich gleichsam die Kontrolle im Kunstprozess verlieren kann? Und wenn ja, was holt einen dann zurück?

Ja, wenn man nicht gelernt hat, zu sich zurückzukehren, sondern in der Emotion bleibt und sich von ihr dominieren lässt.

Die Meditation ist da eine gute Lehrmeisterin, wo man Gefühle kommen lässt, sie als innerer Beobachter akzeptiert und dann wieder gehen lässt.

Würdest Du einen Film von Romy Schneider gerne spielen und wenn ja, warum?

Die späteren Filme aus ihrer französischen Zeit würde ich gerne alle spielen. Aufgrund ihrer Wahrhaftigkeit.

Es gibt von Romy Schneider sehr viele Fotoserien. Gibt es eine Serie, die Du hervorheben möchtest?

Die Serie Helga Kneidl.

Wie siehst Du Romy Schneider vor der Fotokamera? Ist sie da Schauspielerin oder Privatperson oder beides?

Meiner Meinung nach kann man das nicht trennen. Weil sie im „Sein“ war, was
immer sie gemacht hat. Auch unser Projekt ist ein szenisches Foto/Interviewprojekt.

Wie hast Du Dich im Vorfeld darauf vorbereitet und was ist Dir dabei wichtig?

Ich habe mich nicht darauf vorbereitet. Weil jeder Plan mir die Möglichkeit genommen hätte, im Moment das aufzunehmen, was gerade da ist: die Umgebung, das Wetter, die Stimmung rundherum, die Farben, meine Befindlichkeit, das Geben und Nehmen mit dem Fotografen. Mir war wichtig, Romy nicht nachzuahmen, sondern den Moment zu genießen.

Wie siehst Du das Spannungsverhältnis von Öffentlichkeit und Schauspielberuf bei Romy Schneider wie an sich (Kunstberuf)?

Die Öffentlichkeit ist immer gierig. Weil es Menschen gibt, die anstatt des Abenteuers des eigenen Lebens und des damit verbundenen Kontrollverlustes sich lieber um das Leben und Wirken anderer kümmern und dieses sofort be – oder verurteilen. Speziell im Schauspielberuf gibt es da einen hohen Grad an Identifikation. Wenn es einem als Künstler/Künstlerin gelingt, die Projektionen bei den anderen zu lassen und ganz bei sich zu bleiben, kann das niemals verletzen oder verunsichern.


Romy Schneider wechselte nach großen Schauspielerfolgen in den 1950er das Filmgenre wie das Land. Wie siehst Du die Möglichkeiten persönlichen
Entwicklungsweges im Kunstberuf?


Ich unterscheide nicht zwischen persönlicher Entwicklung und Entwicklung im Beruf. Es gilt Herausforderungen anzunehmen, tapfer weiter zu gehen, zu irren, Ängste zu überwinden und zu wachsen. Im geglückten Fall ist beides möglich.



Wie war Dein Weg zur Kunst und welche Erfahrungen hast Du in Wien gemacht?

Ich habe mich von meinen Vorstellungen befreit, wie mein Leben als Künstlerin sein soll. Das hat mir den Weg zu allem Möglichen geöffnet, wie z.B. zur Performance im Rahmen meines letzten Aumannplatz-Projektes.


Was wünscht Du Dir für den Kunstberuf?

Noch mehr einlassen und vertrauen.


Was sind Deine kommenden Projekte?

Malen, malen, malen.

Was möchtest Du Kunststudenten*innen mitgeben?

Lass Dir Zeit zu wachsen.


Wie siehst Du die Umstände des Todes von Romy Schneider?

Sie hat sich mit Alkohol und Tabletten selbst zerstört. Schon lange davor. Es ist nicht wichtig zu wissen, was in dem Moment wirklich passiert ist.


Was würdest Du Romy Schneider sagen, fragen wollen?

Ich möchte Dir nahe sein. Du kannst mir vertrauen.

Was kann eine Künstlerin von Romy Schneiders Werk und Leben mitnehmen?
Innere Größe

Romy Schneider hat auch viele Interviews gegeben. Gibt es ein Interview, das Dich besonders anspricht und möchtest Du vielleicht ein Zitat hervorheben?

Das Interview mit Alice Schwarzer. „Man soll nie etwas bereuen.“

Darf ich Dich abschließend zu einem Romy Achrostikon bitten?

Rosmarin

Offenes Herz

Meer

Y I grec – die Weite und Schönheit Griechenlands

Elisabeth Rössler, Künstlerin_Wien_reenacting Romy Schneider_
40.Todestag Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien *1982 Paris)

Liebe Elisabeth, herzlichen Dank für das wunderbare Fotoshooting&Interview, viel Freude und Erfolg für alle Projekte und schöne Sommertage!

40.Todesjahr _ Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris) _ im Gespräch und szenischem reenacting Fotoporträt:

Elisabeth Rössler, Künstlerin_Wien

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Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien_7/2022

Fotos Illustrierte_Elisabeth Rössler

Walter Pobaschnig 8_22

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„Gehen wir raus“ Nikola Huppertz, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Hannover 28.8.2022

GIVE PEACE A CHANCE


Gehen wir raus

In die Räume die uns

Verbinden

Erde unter den Sohlen | die

Phantome lassen wir im Kasten

Erkunden das Gelände

Achtung! es wird zu

Chemischen Reaktionen kommen

Entstanden aus Begegnung | aus

Austausch | aus

Charakterlicher Zusammenkunft | aus

Hören und Zuhören

Anfassen und Berühren

Nachfragen und Verstehen

Cf. Mitgefühl | aus

Echtem und Erstaunlichem


Nikola Huppertz, 19.8.2022

Nikola Huppertz, Schriftstellerin      

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Nikola Huppertz, Schriftstellerin   

Willkommen

Foto_Bert Strebe

Walter Pobaschnig _ 19.8.2022.

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„Kunst beruht auf Freiheit“ Severin Krön, Bildender Künstler _ Paternion/Ktn. 27.8.2022

Lieber Severin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Meditation in der Früh und/oder Gartenarbeit

Malerei

Marketing Arbeit

Klavierspielen

Evtl Baden und Spazieren.

Severin Krön, Bildender Künstler, Kurator

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Sich mit Mutter Erde über neue Formen der Wahrnehmung verbinden. Das Bewusstsein seiner spirituellen Aufgabe und seiner spirituellen Power pflegen und wachsen lassen.

Welche Bezüge von Deinen Kunstprojekten nimmst Du jetzt in die Bewältigung der aktuellen Situation mit und welche Rolle kommt in Aufbruch/Neubeginn der Kunst zu?

Die Kunst kann die Brücke sein zwischen einer geträumten neuen Form des Lebens und einer neuen Wirklichkeit. Anders als Technik beruht sie auf Intuition, Empathie, Ethik, Gefühle. Sie ist mehr im Bereich des Weiblichen und deswegen ein ganz wichtiger Ausgleich zu den technischen Lösungen. Sie beruht auf Freiheit und kommuniziert oft mit der spirituellen Dimension, so ist sie unentbehrlich.

Was liest Du derzeit?

Marko Pogacnik, Liebeslieder an die Erde

Welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Das Universum reagiert nicht auf das, was Du willst, sondern auf das, was Du bist.

Vielen Dank für das Interview lieber Severin, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Severin Krön, Bildender Künstler

Foto_privat.

17.7.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gott“ Herbert Hindringer, Autor_ Give Peace A Chance _ Hamburg 27.8.2022

GIVE PEACE A CHANCE


Gott

in

vakuumierter

Einsamkeit

Putin

ende

an

Caesars

Ende

Amen

Comebacks

heiliggesprochener

Anführer

nach

Christus

ebd.

Herbert Hindringer, 18.8.2022

Herbert Hindringer, Autor

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Herbert Hindringer, Autor

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 18.8.2022.

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„Romy hautnah!“ Begegnungen. Anne&Dirk Schiff. Euleverlag.

„Dieses Buch ist eine Herzensangelegenheit, die wir mithilfe von wundervollen Menschen verwirklichen konnten und wir hoffen, dass alle Leser unsere Freude teilen werden.“

So schreibt Autorin und Herausgeberin Anne Schiff, im Vorwort des 2013 erschienenen Interview- und Bildbandes zur österreichischen Schauspielerin Romy Schneider, deren Todestag sich heuer zum 40.Mal jährt.

Kurzgefasst, wäre jetzt einfach auf dieses Vorwort mit – „ja, es bereitet große Freude und ist wunderbar gemacht! Die Liebe zum Thema ist ganz nah und anschaulich zu spüren!“ – zu antworten. Ja, eine äußerst gelungene Herzensangelegenheit!

Eine Herzensangelegenheit ist auch das Schauspiel für Romy Schneider (+1938 Wien +1982 Paris), das für sie, die Tochter eines Schauspielehepaares, in jungen Jahren und schlagartigem Erfolg beginnt und sich in vielen Stationen und Herausforderungen beeindruckend fortsetzt. Mit viel Herzblut folgt sie ihrem Weg und begeistert in ausdrucksstarkem authentischen Spielstil.

Eine Herzensangelegenheit ist die Bewunderung und Faszination für Romy Schneider für viele Fans weltweit bis heute und dies drückt sich etwa auch in Romy Schneider Ausstellungen wie auch Museen und Büchern gegenwärtig aus.

Anne und Dirk Schiff legen mit „Romy hautnah!“ einen Interviewband vor, der ZeitzeugInnen – KollegInnen, Freunde, WegbegleiterInnen von der Schule bis zu den großen Filmerfolgen –  zu Wort kommen lässt und damit viele Perspektiven zu Leben und Werk Romy Schneiders öffnet und spannend wie abwechslungsreich zu lesen ist – eine wirkliche Freude!

Beeindruckend ist auch die Fotoauswahl, die Romy Schneider im Portrait, am Filmset wie im Gespräch mit Alain Delon, Schauspieler, und dem Regisseur Luchino Visconti zeigen – einmalige Aufnahmen!

Ich darf mit einem herzlichen Dank für dieses Buchgeschenk schließen und viel Vergnügen bei der Lektüre wünschen!

„Romy hautnah!“ Begegnungen. Anne&Dirk Schiff. Euleverlag.

Walter Pobaschnig 8_22

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