Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Jana Franke, Schriftstellerin
Susanna Klein, Künstlerin _ Wien
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Foto: Jana Franke _ privat
Fotos: Susanna Klein, Künstlerin _ Wien _ performing „Malina“ _ Romanschauplatz Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _ Walter Pobaschnig 5/23.
Jörg Schorn, in Wien lebender Autor, Künstler, legt eine rasante, kompakte, Wort-Bildbiographie Ingeborg Bachmanns vor, die gleichsam ein Stationenweg von Klagenfurt bis nach Rom in Werk und Liebe, Leben, Tod ist, an dem Information wie Impuls geöffnet wird und so Zugänge, auch und gerade in schon vorhandenen oft schweren fixierten Bachmannbildern der Rezeption im Kopf, öffnet und ein Schriftstellerinleben in sehr treffenden, hintergründigen Zeichnungen und Wortwitz auf Grund und Boden von Leben und Zeit zurückholt.
„Die Bachmann“ ist gleichsam ein Kontrapunkt zu umfassenden Biographien, die natürlich auch einen spekulativen Raum betreten müssen und genau hier setzt Schorn eine Zeichnung und dialogisches Wortspiel hin, das sich sehr exakt an Fakten hält und alles Weitere im Augen- und Leseblick offenlässt. Das ist ein spannender Bachmann-Coup, der sehr gut gelingt.
Vielleicht hat der Autor ja tatsächlich als Kind Ingeborg Bachmann in Klagenfurt getroffen und dabei wurde ihm mehr verraten als vielen anderen von Klagenfurt bis Rom…
„Ein biographischer Schnelldurchlauf mit Pfiff und Biss, ein Lese-, Bild- und Gedankengenuss.“
Die Bachmann, Jörg Schorn. Eine illustrierte Biographie. Jacoby _ Stuart Verlagshaus.
Monika Helfer,Schriftstellerin _ hat zahlreiche Romane, Erzählungen und Kinderbücher veröffentlicht. Für ihre Arbeiten wurde sie unter anderem mit dem Österreichischen Würdigungspreis für Literatur, dem Solothurner Literaturpreis und dem Johann-Peter-Hebel-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschienen bei Hanser ihre Romane »Vati« (2021), mit dem sie für den Deutschen Buchpreis nominiert war, »Löwenherz« (2022) und »Die Jungfrau« (2023), »Wie die Welt weiterging« (2024) sowie »Der Bücherfreund« (2025). Monika Helfer-Köhlmeier | Hanser 3.8.2026
Monika Helfer (ganz links) als Nominierte bei derVerleihung des österreichischen Buchpreises 2025 in den Wiener Praterateliers :_ folgende
Im Interview _Barbara Deissenberger, Schriftstellerin _ Wien
Liebe Barbara, welche Erinnerungen gibt es für Dich an Monika Helfer?
Bei einem Sommer-Literaturworkshop im Waldviertel, den ich vor vielen Jahren bei Robert Schindel machte, tauchte in der Mittagspause im Restaurant eine apart in Schwarz gekleidete Frau auf. Sie zog alle Blicke auf sich, wie sie da freudig von Seminarleitern und Dichterkolleginnen begrüßt wurde und strahlte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich „Bevor ich schlafen kann“ von ihr gelesen, wusste aber nicht, wie sie aussah. Ich hatte sie noch nie vorher getroffen.
Was macht für Dich das Besondere ihres Schreibens aus?
Monika Helfer schreibt in einer tendenziell reduzierten Sprache, vor allem in ihrer autofiktionalen Familientrilogie. Gleichzeitig evoziert ihr Stil eine dichte, fein gesponnene Atmosphäre, die mich an die subliminiale Melancholie in Romanen von Marguerite Duras erinnert. Ich kann auch viel mit den Themen und Motiven ihrer Bücher anfangen: Suche nach den eigenen Wurzeln, Außenseitertum, Verflechtung von weitergegebenen Mustern über Generationen hinweg, Heuchelei, Bigotterie und Neid am Land, Überleben in Kriegszeiten.
Möchtest Du bestimmte Bücher hervorheben und warum?
Mit der „Bagage“ habe ich Monika Helfer für mich wiederentdeckt. Diesen Roman schlug ich als Lektüre in einem Literaturzirkel der Volkshochschule, den ich leitete, vor. So habe ich mich näher mit dem Text beschäftigt. Die erzählende Ich-Figur gibt sich gleich anfangs als Enkelkind der Familie, über die sie schreibt, zu erkennen. Ihre Spurensuche ist auch Teil des Texts, etwa wenn sie Auskunft über den Ursprung ihrer Informationen gibt. Dabei spielen Fiktion und Autobiografisches zusammen. Monika Helfer hat in einem Interview eine schöne Definition ihrer Autofiktion gegeben: „Für mich dauert die Wahrheit in meinem Roman maximal zehn Zeilen lang, dann galoppiert die Phantasie in die Geschichte, hält inne bei dem Unglück mit Paula, jedes Mal, ob ich will oder nicht, die Fiktion rettet mich und macht mich mutig.“ (Literaturblatt Schweiz). Der Roman verwebt auch Vergangenheit und Gegenwart kunstvoll miteinander. Wenn etwa ein Leben in der Erzählgegenwart endet und unmittelbar darauf in der Vergangenheit weiter erzählt wird. Das ist tröstlich.
Wie hast Du Monika Helfer bei Lesungen, als Kollegin erlebt?
Sie war eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die – aber das nur meiner persönlichen Wahrnehmung nach – zu lange öffentlich eher als Michael Köhlmeiers Frau gesehen wurde. Es ist gut, dass ihre autofiktionale Roman-Trilogie „Die Bagage“, „Vati“ und „Löwenherz“ schließlich breit rezensiert und sie so einem größerem Lesepublikum bekannt wurde.
Monika Helfer-Köhlmeier und ihr Mann Michael Köhlmeier, Schriftsteller
Darf ich abschließend um ein Zitat/eine Textstelle aus Monika Helfers Werk bitten?
„Ich ließ die Gedanken schweifen, ich glaube, damals hatte ich zum ersten Mal das Gefühl glücklichen Alleinseins, nach dem ich mich bis heute sehne und das sich nicht machen lässt, es kommt oder kommt nicht. Und macht am glücklichsten, wenn es unverhofft kommt.“ aus dem Roman „Löwenherz“
Herzlichen Dank für das Interview!
Barbara Deissenberger, Schriftstellerin _ Wien _ Foto: performing „Undine geht“ _ Wien/Lobau _ Walter Pobaschnig
„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.
Elfriede Schüsseleder, Schauspielerin, Autorin
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann.
Fotos: Elfriede Schüsseleder, Schauspielerin, Autorin _ Wien_ performing Undine geht/Donau Wien _ _ „Undine geht“ Ingeborg Bachmann (1961) _ Wien _ Walter Pobaschnig 7/26.
„Ich bin Medea! Soll sie zu Mama gesagt haben, als Mama sie im Irrenhaus besuchte, und: Hier stinkt es! und: Sie hat mich gestoßen! Als es um einen ominösen Sturz ging, bei dem sie sich eine Oberschenkelhalsfraktur zugezogen hatte…“
Die überlieferten Worte der Großmutter
„Ein Phantom. Oder ein Phantasma. Die Fremde. Grandmama russe…“
Und jetzt beginnt die Spurensuche nach einem Leben in allen Dunkelheiten der Zeit, der Kriege, der Vernichtung, der Verstoßung und der letzten Tage…
„In den Schoel hinabsteigen…diesen Wartsaal der Finsternis, Raum der Fragen, des Verlangens, des Forderns, Ort der Ödnis, der Verwüstung, des Staubs…“
Der in der Schweiz geborene und in Bern und Berlin lebende Schriftsteller Christoph Geiser ist eine der herausragendsten Stimmenmoderner deutschsprachiger Literatur.
In seinem Werk stellt er sich konsequent und sprachlich virtuos Existenz und Zeit und kommt dem Menschen in seinem Mikro- und Makrokontext von Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, Chancen und Verhängnissen literarisch so nahe, dass es erschüttert wie fasziniert. Dem umfangreichen Recherchieren, im vorliegenden Roman der Lebensweg der in Russland geborenen und in Basel verstorbenen Großmutter zwischen Schoa und persönlicher, familiärer Tragik, folgt eine sprachliche Ausdrucksform, die Leben und Wort gleichsam auf dem Drahtseil von Augenblick und Fall der Existenz balancieren lässt und bis zur letzten Seite fesselt. Der Autor versteht es einzigartig, Leserin und Leser mit den Protagonisten :innen mitgehen zu lassen und filmgleich im Geschehen von Biographie, Geschichte und Phantasie erschütternd da zu sein.
„Christoph Geisers Bücher sind ein geniales Gesamtkunstwerk, das Leben, Zeit und Phantasie in ein faszinierendes Karussell von Sprache setzt und dann virtuos zurück- und fortfliegen lässt.“
„Die Spur der Hasen“ Eine Grablegung. Christoph Geiser. Roman. Secession Verlag Berlin.
Die Spur der Hasen (Band 13)
Der Abschluss der dreizehnbändigen Werkausgabe.
HRSG. VON MORITZ WAGNER UND JULIAN REIDY MIT EINEM NACHWORT VON CASPAR BATTEGAY MIT LESEBÄNDCHEN
Liebe Julia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mein Tagesablauf hängt davon ab, was gerade ansteht. Ich lese, führe Interviews, schreibe und arbeite mit jungen Schauspielerinnen zusammen. Besonders mag ich die frühen Morgenstunden, in denen ich allein bin. Dann gehe ich mit einer Tasse grünem Tee um den Block spazieren und genieße den Rosenduft. Gestern habe ich die Besitzerin eines wunderschönen Rosenbusches angesprochen, die gerade im Garten war. Ich fragte sie, ob ich eine Rose abschneiden dürfte. „Ja”, sagte sie, „machen Sie das, aber am besten im nächsten Juni, dann können sich Rosen richtig gut durch Stecklinge vermehren und Wurzeln schlagen.“ Danach fügte sie hinzu: „Wissen Sie, ich kann meine Rosen nicht mehr riechen! Seit ich Corona hatte, rieche ich gar nichts mehr.“
Was ist jetzt für unsalle besonders wichtig?
Im Gespräch, im Dialog bleiben…
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Tanz/Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Für mich ist es immer wichtig, von vorne anzufangen, keine Angst zu haben,Neues auszuprobieren, nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten zu suchen, sich neuen Herausforderungen zu stellen und grundsätzlich offen für Neues zu bleiben.
Was liest Du derzeit?
Florian Illies: Liebe in Zeiten des Hasses
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Ich musste zur Konferenz nach Porto, ich dachte, da werden Ukrainer sein. Ich hatte Angst vor ihnen und freute mich zugleich auf sie. Und als mir klar wurde, dass niemand aus der Ukraine da war, entstand so eine … Leere, eine komische Leere. So eine Art Abgrund. Ich würde mir schon wünschen, dass es eine Möglichkeit zum Dialog gäbe, sei es auch zu einem kleinen, mag er vorerst noch so schwierig sein, so aggressiv sein, aber irgendein Versuch von Gespräch. Weißt du, diese Leere, diese Stille macht mir Angst!„
Aus meinem Interview mit einer russischen Therapeutin, 2025
Vielen Dank!
Julia Solovieva _ Autorin, Regisseurin
Zu Person/Werk: Julia Solovieva kommt aus Moskau, lebt in Hamburg, sie ist Autorin und Theaterschaffende
Co-Autorin als Teil des Kollektivs Mädchen von Jupiter:
Verbotene Gefühle in Zeiten des Krieges, Hamburger Literaturpreis 2025
Co-Regisseurin, in Zusammenarbeit mit Evgeni Mestetschkin:
Carlsbad, ein multimedialer Parcours über die Träume und Nachtträume, bei der altonale 2019 im Allgemeinkrankenhaus Altona.
„…und die Juden: von Schmerz, Lust und Weiterleben im Weißen Hotel“. Ein Theaterprojekt mit jüdischen und nicht jüdischen Hamburgerinnen und Hamburger, bei der altonale 2021 im Altonaer Museum Hamburg.
Die Zofen von Jean Genet mit Schülerinnen und Schülern der iact schauspielschule für film und theater in Hamburg, 2023.
Artjom Retten!? Ein deutsch-ukrainisch-russisches Theaterprojekt. Premiere 2025-2026, Lichthof Theater Hamburg.
Aktuelle Produktion _ Gastspiel in Wien:
Artjom retten!?Ein dokumentarisches Theaterprojekt von Julia Solovieva und Evgeni Mestetschkin Gastspiel in Wien: 11. und 12. September 2026 im DAS Margareten
Dana Anofrenkova und Paul Smollich in „Artjom retten?“, folgende
Artjom retten? Mich retten? Die Menschlichkeit retten? Im September 2022, mitten in Moskau, rezitiert der russische Dichter Artjom Kamardin Gedichte gegen den Krieg in der Ukraine. Unmittelbar danach wird er brutal festgenommen und später zu sieben Jahren Haft verurteilt. Vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine nimmt „Artjom retten!?“ die Geschichte Kamardins zum Ausgangspunkt für eine persönliche und politische Auseinandersetzung: Was bedeutet Menschlichkeit in Zeiten des Krieges? Und wo liegen die Grenzen unseres Verständnisses für andere?
Auf der Bühne begegnen sich die Ukrainerin Dana und der Deutsche Paul. Sie sprechen über Krieg, Verantwortung, Angst, Loyalität und die Schwierigkeit, widersprüchliche Positionen auszuhalten. Bin ich bereit, meinen Freund zu verstehen, der nicht an die Front ziehen möchte? Und bin ich dann auch bereit, den russischen Dichter Artjom zu verstehen, der vor seiner Verhaftung für das Militär gearbeitet hat?
Das Stück fragt nicht nach einfachen Antworten. Es untersucht die Grauzonen zwischen Empathie und Abgrenzung, zwischen persönlicher Haltung und gesellschaftlicher Funktion: Wo bleibe ich Mensch – mit meinen Gefühlen, Widersprüchen und möglichen Fehlern? Und wo werde ich zu einer Funktion? Dabei wird auch das Publikum Teil der Auseinandersetzung. Fragen, Emotionen, Reflexionen und persönliche Erfahrungen dürfen in den Theaterabend einfließen. Dokumentarisches Theater zwischen persönlicher Perspektive und politischer Realität.
Julia Solovieva und Evgeni Mestetschkin sind ein in Hamburg tätiges Autoren-, Regie- und Theaterduo, das sich in seinen dokumentarischen und dramatischen Projekten intensiv mit gesellschaftlichen und politischen Themen auseinandersetzt. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen reale Geschichten und Schicksale, die sie mit persönlichen Perspektiven und aktuellen politischen Fragestellungen verbinden.
„Artjom retten!?“ beleuchtet das Schicksal politischer Gefangener und die Frage nach individueller Verantwortung in Zeiten politischer Repression und Krieg. Die Produktion wurde 2025 in Hamburg entwickelt und unter anderem an den Hamburger Kammerspielen gezeigt. Nun kommt das dokumentarische Theaterprojekt nach Wien ins
„Artjom retten!?“DAS Margareten – Raum für lebendiges Theater. Mit: Dana Anofrenkova und Paul Smollich Regie & Autorenschaft: Julia Solovieva und Evgeni Mestetschkin Ton: Sandra Berkefeld
Termine: Freitag, 11. September 2026, 20:00 Uhr Samstag, 12. September 2026, 19:30 Uhr DAS Margareten – Raum für lebendiges Theater Margaretenstraße 166. 1050 Wien
Co-Autorin als Teil des Kollektivs Mädchen von Jupiter:
Verbotene Gefühle in Zeiten des Krieges, Hamburger Literaturpreis 2025
Co-Regisseurin, in Zusammenarbeit mit Evgeni Mestetschkin:
Carlsbad, ein multimedialer Parcours über die Träume und Nachtträume, bei der altonale 2019 im Allgemeinkrankenhaus Altona.
„…und die Juden: von Schmerz, Lust und Weiterleben im Weißen Hotel“. Ein Theaterprojekt mit jüdischen und nicht jüdischen Hamburgerinnen und Hamburger, bei der altonale 2021 im Altonaer Museum Hamburg.
Die Zofen von Jean Genet mit Schülerinnen und Schülern der iact schauspielschule für film und theater in Hamburg, 2023.
Artjom Retten!? Ein deutsch-ukrainisch-russisches Theaterprojekt. Premiere 2025-2026, Lichthof Theater Hamburg.
Aktuelle Produktion _ Gastspiel in Wien:
Artjom retten!?Ein dokumentarisches Theaterprojekt von Julia Solovieva und Evgeni Mestetschkin Gastspiel in Wien: 11. und 12. September 2026 im DAS Margareten
Artjom retten? Mich retten? Die Menschlichkeit retten? Im September 2022, mitten in Moskau, rezitiert der russische Dichter Artjom Kamardin Gedichte gegen den Krieg in der Ukraine. Unmittelbar danach wird er brutal festgenommen und später zu sieben Jahren Haft verurteilt. Vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine nimmt „Artjom retten!?“ die Geschichte Kamardins zum Ausgangspunkt für eine persönliche und politische Auseinandersetzung: Was bedeutet Menschlichkeit in Zeiten des Krieges? Und wo liegen die Grenzen unseres Verständnisses für andere?
Auf der Bühne begegnen sich die Ukrainerin Dana und der Deutsche Paul. Sie sprechen über Krieg, Verantwortung, Angst, Loyalität und die Schwierigkeit, widersprüchliche Positionen auszuhalten. Bin ich bereit, meinen Freund zu verstehen, der nicht an die Front ziehen möchte? Und bin ich dann auch bereit, den russischen Dichter Artjom zu verstehen, der vor seiner Verhaftung für das Militär gearbeitet hat?
Julia Solovieva und Evgeni Mestetschkin sind ein in Hamburg tätiges Autoren-, Regie- und Theaterduo, das sich in seinen dokumentarischen und dramatischen Projekten intensiv mit gesellschaftlichen und politischen Themen auseinandersetzt. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen reale Geschichten und Schicksale, die sie mit persönlichen Perspektiven und aktuellen politischen Fragestellungen verbinden.
„Artjom retten!?“ beleuchtet das Schicksal politischer Gefangener und die Frage nach individueller Verantwortung in Zeiten politischer Repression und Krieg. Die Produktion wurde 2025 in Hamburg entwickelt und unter anderem an den Hamburger Kammerspielen gezeigt. Nun kommt das dokumentarische Theaterprojekt nach Wien ins
„Artjom retten!?“DAS Margareten – Raum für lebendiges Theater. Mit: Dana Anofrenkova und Paul Smollich Regie & Autorenschaft: Julia Solovieva und Evgeni Mestetschkin Ton: Sandra Berkefeld
Termine: Freitag, 11. September 2026, 20:00 Uhr Samstag, 12. September 2026, 19:30 Uhr DAS Margareten – Raum für lebendiges Theater Margaretenstraße 166. 1050 Wien
Petra Ganglbauer, eine der variantenreichsten und immer wieder neu überraschenden literarischen wie künstlerischen Stimmen moderner Literatur, legt einen Gedichtband vor, dessen Poesie in wunderbarer bibliophiler Editionsform sich gleichsam als kritisch klarer, benennender wie anklagender, wie auch sanft meditativer Sprach- und Gedankenspaziergang zu Herz und Seele von erschüttertem Mensch, wankender Welt und Sinn für Leserin und Leser öffnet und einlädt mit- und weiterzugehen im Wahrnehmen von Zerstörung und Veränderung (Natur) und dies in Reflexion von Existenz und Sein aufzunehmen – gegen Gleichgültigkeit und Gedankenlosigkeit.
Die Autorin versteht es einmalig in Wort und Aussage Welterfahrung poetisch zu verdichten und dabei aber auch immer Räume zu öffnen, offenzuhalten, in denen Mut und Veränderung der Angst und dem Abgrund der Zeit entgegenzutreten hat. Wie auch die Kraft der Erde selbst, die wie der Mensch Leben und Zukunft will.
„Ein poetisches Manifest, das grandios die Sprache den Dunkelheiten der Zeit entgegensetzt.“
„Im Augenschein der Dinge“ Petra Ganglbauer. Lyrikzyklus. Edition Melos.
„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.
Andreas Pavlic, Schriftsteller
Aktueller Roman von Andreas Pavlic:
Margit, Amela, Gerda und Carla haben vor 30 Jahren voll jugendlicher Tatkraft in Funkberg gegen den Bau eines Kraftwerkes demonstriert. Nun trommelt Gerda die alte Truppe wieder zusammen. Das Funkberger Kloster soll heimlich an Immobilienhaie verhökert und in ein Kongresszentrum umgewandelt werden. Gemeinsam mit der Studentin Bezé und Angelika, der letzten im Kloster lebenden Nonne, wollen sie das bedrohte Kulturgut der Stadt retten. Bei ihren Nachforschungen legen die Frauen eine unglaubliche Geschichte frei, die sie bis zu den Beginen ins 14. Jahrhundert führt. Und damit zu einer der ersten Frauenbewegungen, die weit mehr war als eine religiöse Gemeinschaft.
Andreas Pavlic zeigt in seinem neuen Roman humorvoll und eindrücklich, dass es für zivilen Widerstand immer einen Weg gibt. (Pressetext/Verlag)
Selige Unruhe, Andreas Pavlic. Roman. Edition Atelier.
Hans Werner Henze und Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Hans Werner Henze und Ingeborg Bachmann
„Mir ist völlig klar, dass die Freundschaft mit Dir die wichtigste menschliche Beziehung ist, die ich habe, und das soll auch so bleiben. Ich habe immer an Dich geglaubt, und an Dich werde ich immer glauben bis ans Ende meines Lebens. Und wo und wann sich unsere Wege auch immer kreuzen werden, es wird ein Fest sein.“ Ingeborg Bachmann an Hans Werner Henze (1956)Briefe einer Freundschaft von Ingeborg Bachmann und Hans Werner Henze | PIPER
Hans Werner Henze zählt zu den bedeutendsten Komponisten moderner Musik. Auf der Tagung der Gruppe 47 (Schriftsteller:innenkreis) lernt er 1952 Ingeborg Bachmann kennen. Daraus entsteht eine lebenslange intensive Zusammenarbeit und Freundschaft.
Ingeborg Bachmann prägte die moderne deutschsprachige Literatur in größtem Maße. Ihr bahnbrechendes Werk in Lyrik, Prosa, Hörspiel, Essays ist wegweisend und impulsgebend weit über die Literatur hinaus. Die Bedeutung und die Referenz zur Musik ist wesentlicher Teil davon.
Im Interview: Dr.Heinz Bachmann (Bruder von Ingeborg Bachmann) _ Oxford/GB
Lieber Herr Dr.Bachmann, welche Gedanken bewegen Dich zum 100.Geburtstag von Hans Werner Henze?
Das Wichtige war für Ingeborg, dass diese Freundschaft bis zu ihrem Lebnesende gehalten hat.
Welche Bedeutung hatte die Freundschaft und Zusammenarbeit mit H.W.Henze für Deine Schwester Ingeborg Bachmann?
Die beiden waren ja geistige Zwillinge, daher die wichtigen geimeinsamen Opernprojekte, aber auch sonst‚ Henzes freundschaftlicher Druck: „Arbeite!“ . Die musikalische „Umrahmung“ des Hörspiels „Die Zikaden“. Natürlich auch viel Komik und Trauriges wird im Briefwechsel sichtbar.
Welche Bedeutung hatte Musik für Ingeborg Bachmann und für Dich, Eure Familie insgesamt?
Musik war für unsere Familie in meiner frühesten Kindheit sehr wichtig. Unsere Mutter wollte in ihrer Jugend Opernsängerin werden, was ihr Vater untersagte. Unser Vater spielte Geige. Es wurde also musiziert bis durch die Kreigsereignisse das Klavier, das einen wunderbaren Klang hat, in Klagenfurt blieb und ich bis zu meinem 10. Lebensjahr im Gailtal das Klavier nicht zu sehen bekam. Die Geige wurde schlecht gelagert und ist nicht reparabel. Ich selbst bin daher nie in den Genuss des Musizierens gekommen.
Hast Du H.W.Henze persönlich getroffen, wenn ja, wo, in welchem Zusammenhang?
Leider habe ich Henze erst als Ingeborg gerade gestorben war, kennengelernt. Es waren die schrecklichen Umstände des Unfalls und auch das Thema wo Ingeborg begraben werden sollte, die verhinderten, dass noch ein weiterer Kontakt oder gar Freunschaft hätten entstehen können.
Was möchtest Du bitte noch zu Leben/Werk von H.W.Henze sagen?
Im Rückblick danke ich ihm für seine Freunschaft und Unterstützung, die meine Schwester durch ihn hatte. Diese Unterstützung war natürlich gegenseitig! Er hat so viele Opern komponiert, die ich kaum kenne. Ich kann mich daher nur auf „Der Prinz von Homburg“ und „Der Junge Lord“ beziehen. Der Junge Lord gefällt mir besser! H.W.Henze hat, wenn ich das aus Gesprächen mit Ingeborg richtig verstanden habe, versucht aus der Zwangsjacke der 12-Tonkomposition herauszukommen und zu einer neuen Harmonie (?) zu kommen. Das war ein fast messianisches Bestreben! Das wird auch im neuen Film über Hernze von Nina di Majo angedeutet.
Wie kam es zur Ausgabe des Briefwechsels von Hans Werner Henze und Ingeborg Bachmann?
Wir hatten ein Gespräch mit dem Piper Verlag, was man als nächstes von Ingeborg veröffentlichen könnte. Isolde und ich plädierten für diesen Briefwechsel. Wir kannten zwar H. W. Henzes Briefe, die wir als schön, komisch, bewegend und interessant empfanden, aber nicht Ingeborgs Briefe, die ja im Besitz Henzes sein mussten. Der Verlag sezte sich mit Henze in Verbindung, der sehr positiv reagierte und spontan die Briefe zur Verfügung stellte. Diese Ausgabe veränderte den Blick der Forschung auf entscheidende Weise. Man hatte angenommen, dass das Elternhaus und Klagenfurt eine untergeordnete Rolle gespielt hätten. Viele der Ingeborg- Briefe wurden in Klagenfurt geschrieben und viele Briefe Henzes gingen nach Klagenfurt. Das Buch wurde ein erstaunlicher Erfolg.
Herzlichen Dank für das Interview!
Dr.Heinz Bachmann, Geophysiker _ Bruder von Ingeborg Bachmann
Zur Person:Heinz Bachmann, geboren 10. Juni 1939, Kindheit und Jugend verbrachte er in Klagenfurt und Obervellach bei Hermagor. Er besuchte die Mittelschule in Klagenfurt, maturierte 1957, studierte Geologie in Graz und spezialisierte sich beruflich auf Geophysik und arbeitete weltweit in der Öl- und Gasaufschließung vorwiegend in Afrika, dem Mittleren Osten und Europa. Heirat mit Sheila in London 1971. Nach dem Tod seiner Schwester Ingeborg 1973 war er zusammen mit seiner Schwester Isolde für ihren Nachlass verantwortlich. Viele Jahre verbrachte er mit seiner Familie in Spanien. Nach dem Ende der beruflichen Laufbahn 2006 widmete er sich intensiver dem Werk seiner Schwester Ingeborg mit Buchvorstellungen und Vorträgen in Deutschland, Österreich, und vereinzelt auch in den USA, London und Paris. Seit 1995 ist er mit Unterbrechungen in der Nähe von Oxford wohnhaft. Heinz Bachmann Bücher & Biografie | PIPER 29.8.26
Heinz Bachmann, der 13 Jahre jüngere Bruder, war seiner Schwester Ingeborg ihr Leben lang verbunden. Er kannte sie wie sonst niemand, auch als sie längst zur berühmten Dichterin geworden war. Sie liebte ihren Bruder und wollte ihm die Welt zeigen, nachdem sie früh aus Klagenfurt fortgegangen war. Nun legt Heinz Bachmann einen sehr persönlichen Band vor, in dem er aus dem gemeinsamen Leben erzählt, von Wien und Paris bis nach Zürich und Rom. Ingeborgs tragischer Unfalltod und die Trauer, die die ganze Familie erfasste, kommen ebenso zur Sprache wie ihre Dichterfreunde und ihr Schreiben.