„Für mich ist es immer wichtig, von vorne anzufangen, keine Angst zu haben, Neues auszuprobieren“ Julia Solovieva, Autorin, Regisseurin _ Hamburg 31.8.2026

5 Fragen an Künstler:innen

Julia Solovieva _ Autorin, Regisseurin _ Hamburg

Julia Solovieva _ Autorin, Regisseurin

Liebe Julia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf hängt davon ab, was gerade ansteht. Ich lese, führe Interviews, schreibe und arbeite mit jungen Schauspielerinnen zusammen. Besonders mag ich die frühen Morgenstunden, in denen ich allein bin. Dann gehe ich mit einer Tasse grünem Tee um den Block spazieren und genieße den Rosenduft. Gestern habe ich die Besitzerin eines wunderschönen Rosenbusches angesprochen, die gerade im Garten war. Ich fragte sie, ob ich eine Rose abschneiden dürfte. „Ja”, sagte sie, „machen Sie das, aber am besten im nächsten Juni, dann können sich Rosen richtig gut durch Stecklinge vermehren und Wurzeln schlagen.“ Danach fügte sie hinzu: „Wissen Sie, ich kann meine Rosen nicht mehr riechen! Seit ich Corona hatte, rieche ich gar nichts mehr.“

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Im Gespräch, im Dialog bleiben…

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Tanz/Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Für mich ist es immer wichtig, von vorne anzufangen, keine Angst zu haben, Neues auszuprobieren, nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten zu suchen, sich neuen Herausforderungen zu stellen und grundsätzlich offen für Neues zu bleiben.

Was liest Du derzeit?

Florian Illies: Liebe in Zeiten des Hasses

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ich musste zur Konferenz nach Porto, ich dachte, da werden Ukrainer sein. Ich hatte Angst vor ihnen und freute mich zugleich auf sie. Und als mir klar wurde, dass niemand aus der Ukraine da war, entstand so eine … Leere, eine komische Leere. So eine Art Abgrund. Ich würde mir schon wünschen, dass es eine Möglichkeit zum Dialog gäbe, sei es auch zu einem kleinen, mag er vorerst noch so schwierig sein, so aggressiv sein, aber irgendein Versuch von Gespräch. Weißt du, diese Leere, diese Stille macht mir Angst!

Aus meinem Interview mit einer russischen Therapeutin, 2025

Vielen Dank!

Julia Solovieva _ Autorin, Regisseurin

Zu Person/Werk: Julia Solovieva kommt aus Moskau, lebt in Hamburg, sie ist Autorin und Theaterschaffende

Zuletzt als Autorin:

Essay: Carlsbad, bei der altonale 2019

– Gefühle in Zeiten des Krieges, SWR 2025. https://www.swr.de/swrkultur/doku-und-feature/das-verborgene-ans-licht-holen-gefuehle-in-zeiten-des-krieges-essay-2025-02-16-100.html

Feature:

Die Russen

Ein Feature in vier Teilen, kommt am 20. Und 27. September 2026, NDR

Pascol. Fünf Frauen, zwei Kriege und eine Band https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:a794decf1a023018/

Theaterstück:

Um acht ist es hier schon hell. Ein Dramedy über das totalitäre Moskau. Szenische Lesung, 2025, Schauspielhaus Hamburg. https://schauspielhaus.de/stuecke/um-acht-ist-es-hier-schon-hell

Co-Autorin als Teil des Kollektivs Mädchen von Jupiter:

Verbotene Gefühle in Zeiten des Krieges, Hamburger  Literaturpreis 2025

Co-Regisseurin, in Zusammenarbeit mit Evgeni Mestetschkin:  

Carlsbad, ein multimedialer Parcours über die Träume und Nachtträume, bei der altonale 2019 im Allgemeinkrankenhaus Altona.

 „…und die Juden: von Schmerz, Lust und Weiterleben im Weißen Hotel“. Ein Theaterprojekt mit jüdischen und nicht jüdischen Hamburgerinnen und Hamburger, bei der altonale 2021 im Altonaer Museum Hamburg.

Die Zofen von Jean Genet mit Schülerinnen und Schülern der iact schauspielschule für film und theater in Hamburg, 2023.

Artjom Retten!? Ein deutsch-ukrainisch-russisches Theaterprojekt. Premiere 2025-2026, Lichthof Theater Hamburg.

Aktuelle Produktion _ Gastspiel in Wien:

Artjom retten!? Ein dokumentarisches Theaterprojekt von Julia Solovieva
und Evgeni Mestetschkin

Gastspiel in Wien: 11. und 12. September 2026 im DAS Margareten

Dana Anofrenkova und Paul Smolich in „Artjom retten?“, folgende

Artjom retten? Mich retten? Die Menschlichkeit retten?
Im September 2022, mitten in Moskau, rezitiert der russische Dichter Artjom Kamardin
Gedichte gegen den Krieg in der Ukraine. Unmittelbar danach wird er brutal festgenommen und später zu sieben Jahren Haft verurteilt.
Vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine nimmt „Artjom retten!?“ die Geschichte Kamardins zum Ausgangspunkt für eine persönliche und politische
Auseinandersetzung: Was bedeutet Menschlichkeit in Zeiten des Krieges? Und wo liegen die Grenzen unseres Verständnisses für andere?

Auf der Bühne begegnen sich die Ukrainerin Dana und der Deutsche Paul. Sie sprechen über Krieg, Verantwortung, Angst, Loyalität und die Schwierigkeit, widersprüchliche Positionen auszuhalten. Bin ich bereit, meinen Freund zu verstehen, der nicht an die Front ziehen möchte? Und bin ich dann auch bereit, den russischen Dichter Artjom zu verstehen, der vor seiner Verhaftung für das Militär gearbeitet hat?

Das Stück fragt nicht nach einfachen Antworten. Es untersucht die Grauzonen zwischen Empathie und Abgrenzung, zwischen persönlicher Haltung und gesellschaftlicher Funktion: Wo bleibe ich Mensch – mit meinen Gefühlen, Widersprüchen und möglichen
Fehlern? Und wo werde ich zu einer Funktion?
Dabei wird auch das Publikum Teil der Auseinandersetzung. Fragen, Emotionen, Reflexionen und persönliche Erfahrungen dürfen in den Theaterabend einfließen.
Dokumentarisches Theater zwischen persönlicher Perspektive und politischer Realität.


Julia Solovieva und Evgeni Mestetschkin sind ein in Hamburg tätiges Autoren-,
Regie- und Theaterduo, das sich in seinen dokumentarischen und dramatischen Projekten
intensiv mit gesellschaftlichen und politischen Themen auseinandersetzt. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen reale Geschichten und Schicksale, die sie mit persönlichen Perspektiven und aktuellen politischen Fragestellungen verbinden.

„Artjom retten!?“ beleuchtet das Schicksal politischer Gefangener und die Frage nach
individueller Verantwortung in Zeiten politischer Repression und Krieg. Die Produktion wurde
2025 in Hamburg entwickelt und unter anderem an den Hamburger
Kammerspielen gezeigt. Nun kommt das dokumentarische Theaterprojekt nach Wien ins

„Artjom retten!?“ DAS Margareten – Raum für lebendiges Theater.
Mit: Dana Anofrenkova und Paul Smolich
Regie & Autorenschaft: Julia Solovieva und Evgeni Mestetschkin
Ton: Sandra Berkefeld

Termine:
Freitag, 11. September 2026, 20:00 Uhr
Samstag, 12. September 2026, 19:30 Uhr
DAS Margareten – Raum für lebendiges Theater
Margaretenstraße 166. 1050 Wien

DAS Margareten – Raum für lebendiges Theater | Theater | Margaretenstraße 166, Vienna, Austria

Presseinformation: Bianca Anne Braunesberger _ DAS Margareten – Raum für lebendiges Theater

Fotos: Julia Solovieva/Produktion.

Walter Pobaschnig 30.8.2026

https://literaturoutdoors.com

Hinterlasse einen Kommentar