

* 26.1.1927 Großweikersdorf/NÖ +5.9.2026 Wien
Zur Person: Erni Mangold – Wien Geschichte Wiki 5.9.2026
Im Interview _ Andrea Beatrix Schramek _ Schauspielerin, Fotografin, Autorin, Historikerin _ Wien
Liebe Andrea Schramek, welche Erinnerungen gibt es für Dich an Erni Mangold?
Ich habe meine Diplomarbeit in Zeitgeschichte über „Das Filmstudio des Theaters in der Josefstadt“ (1946-1953) geschrieben. Erni Mangold hat in einem der, in der Nachkriegszeit von Rudolf Steinböck produzierten, Filme mitgespielt. Ich bat sie um ein Interview.

Da ich auch Regieassistentin in Volkstheater gewesen war, traf ich sie dort in ihrer Künstlergarderobe. Sie würdigte mich während des gesamten Gesprächs keines Blickes. Sie sah in den Spiegel, sie betrachtete also sich selbst, fast bewundernd und zärtlich, während sie sich an ihre Jugend erinnerte. Sie erzählte mir, dass sie im Film „Das andere Leben“ nicht „Heil Hitler“, sondern „Heil Tla“ sagte, dass sie damals viel im Kreis um Helmut Qualtinger gewesen war und ihren Namen von Goldmann auf Mangold änderte. Weiters sagte sie, dass sie nach Frankreich hätte gehen sollen. Sie wäre etwas für den Französischen Film gewesen. Das schien sie zu bedauern.
Unser Gespräch in dieser Garderobe vor dem Spiegel war sehr skurril, aber ich fand das wunderbar. Ich muss noch immer schmunzeln, wenn ich daran denke.

Was macht für Dich das Besondere ihres Schauspiels aus?
Sie war sehr eigenwillig, immer auffällig, stolz und unnahbar – und doch voll Humor und Ironie. Auch in ihren Rollen. Das hat mir immer gefallen.

Möchtest Du bestimmte Rollen hervorheben und warum?
Jetzt natürlich noch berührender ist ihre Rolle in „Der letzte Tanz“ von Houchang Allahyari. Aber ich kann mich an keine Rolle erinnern, in der ich sie nicht wunderbar gefunden hätte.
Wie hast Du Erni Mangold als Kollegin/e erlebt?
Ich bin leider nie mit ihr auf der Bühne gestanden.
Was nimmt die Theater/Filmbühne von ihr in die Zukunft mit?
Ach, machen wir uns nichts vor: Das Theater lebt im Augenblick und ist eine flüchtige Kunst – die Menschen darin sind unverwechselbar und einzigartig, wie jeder Mensch. Aber vergänglich. Manche heben sich natürlich mit ihren Ecken und Kanten von anderen ab, wie Erni Mangold und in den vielen Filmen, in denen sie mitgewirkt hat, werden wir uns noch ein Weilchen an sie erinnern. Die Menschen, deren Wege sie gekreuzt hat, aber, die nehmen bestimmt etwas in ihrem Herzen und für ihren Beruf mit. Ich fand es toll, sich nichts gefallen zu lassen, was nicht passt und dennoch so eine Selbstironie zu haben. Vielleicht gab es durch sie in Österreich ein bisschen mehr Rollen für ältere, starke Frauen… Das könnte man beibehalten.
Sie war ein sehr politischer Mensch und es hat mir gefallen, dass sie den Mund aufgemacht hat, selbst, wenn es unbequem war, zu jenen gehörte, die bereits 1946, rund um Rudolf Steinböck, Dinge angesprochen haben, die man gerne unter den Teppich kehren wollte. Eine andere Meinung zu haben und kritisch zu sein. Das ist vielleicht eine Verpflichtung einer Künstlerin, die sich vielleicht „verwässert“, sobald man abhängig ist… – egal, ob von der „Liebe“ des Publikums, oder von Institutionen, Engagements, oder Förderungen… Erni Mangold war das wahrscheinlich „Wurst“. Das könnte man sich auch für die Zukunft des Theaters mitnehmen. Aber das ist natürlich für eine Einzelperson leichter als für ein ganzes Haus.
Auch, wenn ich nicht sagen kann, dass wir uns kannten, aber ich werde sie vermissen.
Herzlichen Dank für das Interview!

Zur Person/Website: Andrea Schramek – Film Theater Lesung Kabarett Regie Wort 5.9.26
Foto: Erni Mangold _ Österreichisches Filminstitut
Fotos: Andrea Schramek _ Walter Pobaschnig
Walter Pobaschnig, 5.9.2026

















































