Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Linda Treiber, Schriftstellerin _ Wien
Kerstin Ablasser, Schauspielerin, Model _ Wien
Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann
Fotos: Linda Treiber_ privat.
Fotos: Kerstin Ablasser, Schauspielerin, Model _ performing „Undine geht“ _ Donau/Wien _ Walter Pobaschnig, 6/24.
Liebe Heidi, wie sieht jetzt dein Tagesablauf aus?
Meinen Tagesablauf kann ich weitgehend selbst einteilen. Grundsätzlich bin ich eher der Morgenmensch, also eine Lerche. Diese sind in den frühen Morgenstunden am produktivsten. Die ideale Zeit zum Schreiben ist immer dann, wenn sie dazu genutzt wird. Die Zeiten gestalten sich mitunter recht unterschiedlich. Ich entwickle den besten Schreibflow, wenn ich in aufgeräumter Stimmung bin, innerlich und äußerlich.
Der Morgen ist in seiner Pracht unschuldig und noch nicht mit dem Blütenstaub der unerledigten Besorgungen überlagert.
Es kommt aber vor, dass Gedankenfragmente mitten in der Nacht ausbrechen und diese müssen unmittelbar festgehalten werden, weil sie sich in den frühen Stunden bereits verflüchtigt haben könnten.
Nach jahrzehntelanger Berufstätigkeit ist es belebend, sich die Tage nach freiem Ermessen gestalten zu können.
Heidi Niederhauser, Schriftstellerin
Was ist für uns alle besonders wichtig?
Ich mag mich dahingehend äußern, dass für mich die Authentizität in allem, was ich tue, wichtig ist. Das ist es, was die Lesenden sofort spüren und schätzen. Sei es im Umgang mit den sozialen Medien oder bei den Lesungen.
Wichtig ist, was uns gut tut und uns bestärkt, das Leben mit einer offenen und positiven Art und Weise umzusetzen. Den Fokus auf das Aufbauende richten und nicht dauernd das Weltgeschehen lamentieren. Zu viel Weltenschmerz frisst die Kreativität. Meine Meinung.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Wir stehen, ungeachtet der aktuellen Weltlage, immer in der einen oder anderen Form vor einem Aufbruch und Neubeginn. Im Moment dürfen wir das Mischen der Karten einer neuen Weltordnung miterleben. Ob wir wollen oder nicht.
Ob in Krisenzeiten oder in existentiellen Daseinsformen jeglicher Couleur, bringt die Kunst in Leidenszeiten oft die größten Würfe hervor.
Ich muss jedoch nicht stets vor dem persönlichen Weltuntergang stehen, um ergreifende Literatur zu erschaffen oder aufzunehmen. Literatur und Kunst sind unabdingbar und existenziell. Kunstschaffende werden oft als nicht relevant eingestuft, was äußerst fatale Folgen zeigen kann. Wie der Mensch nicht vom Brot allein lebt, ist ein genährter Geist ein kontemplatives Lebenselixier. Es haben nicht alle den gleichen Zugang dazu und dies ist völlig legitim. Doch Literatur und Kunst sind als solches nicht in Frage zu stellen, mit gekürzten Budgets und Sendezeiten, die kein Mensch mehr erduldet. Vielmehr dienen sie als Grundlage einer philosophischen Gesellschaft und zeigen in verschiedenen Formen eine Werthaltung auf. Kunstschaffende werden gerne klein gehalten, was sich jahrelang im Wort “Kleinkunst” manifestiert hat.
Autoren kämpfen um ihre Daseinsberechtigung. Ein schneller und übersättigter Markt ruft nach immer schnelleren und günstigeren Produktionen. Nicht selten auf Kosten der Qualität.
Geben wir der Kunst und Literatur die Rolle, die sie verdient: eine Lebensnotwendige. Mag das Fressen auch vor der Moral kommen, so ist es für die Schreibenden von zentraler Bedeutung, sich ihren Platz in der Literatur zu wahren.
Was liest du derzeit?
Wer selbst schreibend ist, wenigstens in meinem Fall, hat nicht mehr große freie Kapazität, um nebenbei noch viel zu lesen. Ich gehöre zudem zu einer sehr langsamen Sorte.
“Lázár” von Nelio Biedermann habe ich kürzlich mit größten Genuss gelesen und “25 letzte Sommer” von Stephan Schäfer.
Dort gefiel mir das Cover so gut und es stand monatelang in meinem Bücherkoffer. Jetzt habe ich es fast in einem Zug gelesen, da ich keine 25 Sommer mehr haben werde. Daraus erwächst die Erkenntnis, dass unsere Zeit endlich ist und wir diese nicht mit Schund und Hetze füllen dürfen.
Raus in die Natur und ab und zu ein gutes Buch. Mein Tipp gegen viele Unpässlichkeiten jeglicher Art.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest du uns mitgeben?
Die Freiheit offenbart sich in Welten, die ich schreibend erschaffe.
Dieses Zitat hier ist für Sie. Text und Gedanken fern von jeglicher KI.
In meinem Debütkrimi „Dahlienknollen, Lüdi ermittelt“ finden sich einige poetische Sätze. Mein Herz gehört den Lyrikern, was mich allerdings nicht davon abhält, eine Krimi-Trilogie zu schreiben.
Vielen Dank für das Interview, liebe Heidi,viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Heidi Niederhauser, Schriftstellerin
Zur Person/über mich: Heidi Niederhauser lebt seit Jahrzehnten im Berner Oberland. Aufgewachsen ist sie im Emmental, welches Schriftsteller wie Jeremias Gotthelf, Simon Gfeller und Friedrich Dürrenmatt hervorbrachte.
Die Inspiration zum aktuellen Krimi lieferte einen Ausflug ins Emmental, das die Autorin jahrelang gemieden hatte. Als ehemalige Direktionsassistentin und verschiedenen administrativen Tätigkeiten im Planungswesen wurde sie vor ihrer Pensionierung mit der Frage konfrontiert, was noch zu ihrer Berufung werden könnte. Sie musste das Rad nicht neu erfinden, einzig ein Krimi fehlte ihr dazu. Diesen darf sie nun im Rahmen des Reihentitels „Die Blumenmorde“ als erster Teil der „Dahlienknollen“ präsentieren.
Dahlienknollen. Ein veritabler Lesegenuss, auch wenn du kein Blumenfreak bist.
„Lüdi, frisch getrennter, vom Dienst suspendierter Ermittler aus dem Schweizer Emmental, sehnt sich nach der nächsten großen Herausforderung in seinem Leben. Als die Tochter des Gärtners eines Tages leblos im Dahlienfeld gefunden wird, wittert Lüdi seine Chance, frischen Wind in seine berufliche Laufbahn zu bringen. In Eigenregie versucht er, den Mord zu lösen, doch da stellt sich ihm bereits die nächste Hürde in den Weg: Das internationale Unternehmen Energie Van Windparken plant eine große Windkraftanlage in der Region und bringt dadurch das Dorf gegen sich auf. Während sich aus der Bevölkerung verhaltener Widerstand regt, ereignen sich mehrere Todesfälle und Ermittler Lüdi gerät in den Strudel düsterer Ereignisse.
Mit feinem Humor und einer Prise Sarkasmus erzählt die Autorin von den absurden Geschehnissen, die in der Dorfgemeinschaft zwischen Lästereien und Schweigen stattfinden.
Die Dahlien blühen in voller Pracht, bis sich alles wieder wendet. „Dahlienknollen“ bildet den Auftakt der „Blumenmorde“-Trilogie und fesselt Lesende mit Spannung und Witz. Für Fans von Cosy Crime die perfekte Lektüre!“ (Pressetext _ Neptun Verlag)
Da ist die Bühne, das Scheinwerferlicht, der Erfolg, Träume, die wahr geworden sind. Der Tanz und die Bewegungen des Lebens – alles findet sich zu Harmonie und Euphorie. Es ist der Moment, der verweilen sollte…Doch dieser tut es nicht. Alles kommt anders. Jäh reißt eine Diagnose auf dem Höhepunkt des künstlerischen Weges die Tänzerin und Choreografin Elvira aus allen Horizonten, Perspektiven – ALS.
ALS steht für Amyotrophe Lateralsklerose. Sie bezeichnet eine unheilbare, degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems, die zu fortschreitender Muskelatrophie (Muskelschwund) und Muskelschwäche (Paresen) führt.
Und jetzt beginnt eine ganz neue Herausforderung angesichts dieser unerbittlich fortschreitenden Erkrankung. Es braucht Hilfe. Schon bald eine Hilfe in allen täglichen Lebenssituationen, denn die vollständige Lähmung hat den Körper Elviras erfasst. Mara, eine slowakische Pflegerin, ist nun der Angelpunkt zwischen Sonnenauf- und Untergang und der Hoffnung auf einen neuen Tag…
Zdenka Becker legt einen Roman am Puls der Zeit vor, der existentielle wie gesellschaftliche Realitäten in einen mitreißenden Dialog zwischen zwei Protagonistinnen packt, die in ihren ganz unterschiedlichen Lebens- und Leidenssituationen, die ganz großen Fragen nach Sinn, Perspektive und Mut stellen. Dabei werden Krankheits- und Pflegesituation zu einer literarischen Bühne, in welcher Momente der Krise wie des Glücks genial szenisch lebendig und verdichtet werden. Es ist eine ganz besondere Sprach- und Erzählkunst der Autorin, den Menschen in aller Einsamkeit, Klage, Schmerz und Schrei ergreifend wie mitreißend vor das Angesicht der Welt treten zu lassen und schonungslos zu benennen was keine Worte mehr zu haben schien. Dabei steht und knüpft die in Wien lebende Autorin an ganz große Traditionen deutschsprachiger Literatur an.
Tanzen im Kopf. Zdenka Becker. Roman. Amalthea Verlag
„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse in Macht und Zerstörung. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.
Lieber Christoph, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich träume oft intensiv und versuche beim Aufwachen, mir auf das Geträumte einen Reim zu machen. Das Frühstück ist für mich wichtig, weil es mich für den Tag festigt. Dann entweder ein Tag voller Termine außer Haus, meistens mit spannenden Leuten, mit denen ich mich austausche oder die ich für Projekte gewinnen möchte, oder an anderen Tagen mehrere Stunden zum Verfassen von Texten, u.a. für die von mir initiierte kulturelle Zukunftsplattform ReGenerativa, vgl. https://www.regenerativa.eu (dort schlüpfte ich übrigens auch in die Rolle einer fiktiven Superintelligenz, NAT7G…). Und fast jeden Abend ein reges Kulturprogramm, oft 3-4 Veranstaltungen im Laufe des Abends. Das brauche ich, um möglichst viel Neues zu sehen und zu hören und geistig frisch zu bleiben!
Christoph Thun-Hohenstein _ Autor, Kulturmanager, Kurator.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Über den eigenen Tellerrand zu schauen! Wir leben in einer Welt, in der wir von sozialen Medien und anderen Dynamiken zunehmend in Echokammern gedrängt werden. Diese Fragmentierung untergräbt insbesondere die breite Mitte der Gesellschaft, die wir gerade jetzt, am Beginn eines neuen Zeitalters der Regeneration dringend brauchen. Das Wichtigste ist, dass möglichst viele Menschen guten Willens begreifen, dass eine positive Zukunft nicht von allein kommt, sondern wir sie engagiert gemeinsam gestalten müssen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Wissenschaft, der Kunst an sich zu?
Das Wesen des Menschen ist bekanntlich die Zukunft. Wir alle sind in unseren verschiedenen Rollen, ob wir wollen oder nicht, Zukunftsdesigner:innen – sei es als Konsument:innen, wählende Bürger:innen, Berufstätige, online aktive User:innen oder generell in unserem Familien- und Freundeskreis. Wir sind gut beraten, uns in allen diesen Rollen für eine Zukunft mit der Natur – und nicht gegen die Natur – einzusetzen, also für nicht-fossile, ökosozial verantwortungsvolle Lebensweisen; dafür braucht es auch neue, regenerative Geschäftsmodelle in der Wirtschaft. Die Wissenschaft hat gerade in unserer Unkultur von Fake News die Aufgabe, die objektive Wahrheit in überprüfbarer Weise zu beschreiben; Forschung ist aber auch für technologischen Fortschritt unverzichtbar. Auf die Imagination und Vision der Kunst sind wir angewiesen, um auch mental aus der Sackgasse fossiler Industrialisierung herauszukommen und uns ein blühendes neues Zeitalter der Regeneration vorstellen zu können. In meinem neuen Buch ZUKUNFTSMUTIG habe ich eine „regenerative Zukunftsleiter“ mit zehn wesentlichen Qualitäten, die wir für die Zukunft benötigen, entwickelt.
Was liest Du derzeit?
BITTERNIS von Joanna Bator und LA BELLA VITA PNR von Sibylle Berg, letzteres wie fast alles von dieser Autorin ein wildes Buch, aber voller mutiger Imagination.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„DESTRUCTION FOLLOWS HATE, BUT FUTURE FOLLOWS LOVE.” (aus dem Buch ZUKUNFTSMUTIG)
Vielen Dank für das Interview, lieber Christoph,viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Buch-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen/Autoren:innen: Christoph Thun-Hohenstein _ Autor, Kulturmanager, Kurator.
Zur Person/über mich: DDr. Christoph Thun-Hohenstein, geboren 1960 in Kärnten, ist Kulturmanager, Kurator, Autor sowie Künstlerischer Leiter der von ihm 2025 initiierten Zukunftsplattform ReGenerativa. Er studierte Rechtswissenschaften sowie Politikwissenschaft und Kunstgeschichte an der Universität Wien. Von 1999 bis 2007 war er Direktor des Austrian Cultural Forum New York und von 2011 bis 2021 Generaldirektor des MAK – Museum für angewandte Kunst in Wien. Danach leitete er bis 2025 die Sektion für Internationale Kulturangelegenheiten im österreichischen Außenministerium. Er ist auch Initiator der Klima Biennale Wien.
Aktuelles Buch von Christoph Thun-Hohenstein:
„Noch nie zuvor war die persönliche Zukunft so sehr in die der Menschheit und die des Planeten eingebettet. Diesem Gedanken widmet sich der Autor – ebenso intellektuell wie leicht verständlich. Mit großer Leidenschaft und persönlicher Begeisterung entwirft er ein taugliches Konzept für eine denkmögliche positive Zukunft im Zeitalter von Klimakatastrophen, künstlicher Intelligenz und Demokratieverlust.
Ein philosophisches Buch, das Antworten anbietet auf die Frage, wie eine solche Zukunft aussehen könnte.
Ein Buch, das Mut weckt. Mut dafür, an der Verwirklichung einer lebenswerten Zukunft zu arbeiten und nicht nur davon zu träumen.
Thun-Hohenstein sieht sich selbst als schreibenden Zukunftsdesigner. Mit seinem leidenschaftlichen Plädoyer legt er kein konventionelles Sachbuch vor. Er versucht dessen Grenzen zu überschreiten und lehnt sich damit weit hinaus in die Zukunft.“ (Pressetext Verlag)
Zukunftsmutig, Christoph Thun-Hohenstein. Kremayr&Scheriau Verlag, 2026
Lieber Clemens, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mein Tagesablauf besteht im Moment vor allem aus Kommunikation mit den Bands, organisatorischen Dingen, die noch geklärt werden müssen, und natürlich immer wieder nachschauen, wie viele Tickets schon verkauft wurden. Dazwischen versuche ich, den Überblick zu behalten – was bei einem Festival manchmal ein bisschen wie Jonglieren mit brennenden Gitarrenverstärkern ist. Aber genau das macht auch Spaß.
Clemens Straganz, Musiker (links), Festivalleiter des ECHOES OF EREBOS Festivals, 17. &. 18. 4. 2026Wien _ am Foto mit Alexander Distl, Co-Festivalleiter
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich glaube, besonders wichtig ist gerade Zusammenhalt und gegenseitiger Respekt. Dass man sich wieder bewusst Zeit nimmt für echte Begegnungen – bei Konzerten, Festivals oder einfach im Alltag. Musik bringt Menschen zusammen, egal woher sie kommen, und genau das brauchen wir gerade.
GRANDMAS ASHES (FRA)
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
Musik und Kunst schaffen Räume, in denen Menschen zusammenkommen, nachdenken oder einfach für einen Moment abschalten können. Gerade Live-Musik hat diese besondere Energie – man steht gemeinsam vor der Bühne und merkt: Wir erleben gerade alle dasselbe. Diese Momente können verbinden und auch Mut machen, nach vorne zu schauen.
MOTHERS CAKE (A/Innsbruck)
Was liest Du derzeit?
Im Moment lese ich immer wieder Interviews und Artikel über Musik, Bands und Festivals – also eher Dinge, die mich auch für meine Arbeit inspirieren. Und zwischendurch natürlich alles, was irgendwie mit Musikgeschichte oder Subkulturen zu tun hat.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Where words fail, music speaks.“ – Musik kann manchmal Dinge ausdrücken, für die wir keine Worte finden. Und genau deshalb ist sie so wichtig.
Vielen Dank für das Interview, lieberClemens, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
FOR EONS (A/Wien) _ Mitte Clemens Straganz
5 Fragen an Künstler*innen:Clemens Straganz _ Musiker, Festivalleiter des ECHOES OF EREBOS Festivals, 17. &. 18. 4. 2026Wien
Zur Person/über mich:CLEMENS STRAGANZ (geb. 1991 / Lienz), Geschäftsführer Kerberos-Records OG, abgeschlossenes IGP&Diplom Studium am Vienna Music Institute, Bassist bei Minus Green und For EONS
Aktuelles Musikfestival:
Ein Projekt von KERBEROS RECORDS17. &. 18. 4. 2026
Am 17. und 18. April 2026 geht das Echoes of Erebos Festival in die 3. Runde. Erstmals in den altehrwürdigen Hallen der Arena Wien werden an zwei Festivaltagen zwölf nationale und internationale Bands die Bühne zum Beben bringen.
Der Freitag steht ganz im Zeichen der österreichischen Rockszenen. Es stehen ausschließlich einheimische Künstlerinnen und Künstler auf der Bühne.
Fr., 17.4.2026
Einlass: 16.30 Uhr / Beginn: 17.00 Uhr
JOHNNY AND THE ROTTEN (A / Linz)
THE JUPITER EFFECT (A / Wien)
SAVANAH (A / Graz)
LAUSCH (A / Wien)
MOTHERS CAKE (A / Innsbruck)
Am Samstag wird‘s international mit Bands aus Österreich, Deutschland, Schweden, Schottland und Frankreich.
Beim Echoes of Erebos Festival 2026 gibt es nicht nur ordentlich was auf die Ohren:
An beiden Festivaltagen wird auch die RAW STUFF GIG-Poster Ausstellung zu sehen sein. Freut euch auf handgemachte Konzertposter, fette Prints und jede Menge Underground-Ästhetik – zwei Tage lang, mitten im Festivalgeschehen.
ist ein Labelkollektiv aus Wien, das seine Schwerpunkte vor allem im Bereich des Alternative, Stoner und Psychedelic Rock setzt und Bands hilft, ihre Musik zu produzieren, zu promoten und zu vertreiben.
Neben den Labelaktivitäten vermieten sie sei Herbst 2022 mehrere Proberäume in der Markgraf-Rüdiger-Straße (1150 Wien) und veranstalten auch Festivals: Seit 2022 das Festival „Strom im Berg“ in Graz und ab 2023 das „Echoes of Erebos Festival“ in Wien.
DAS TEAM:
ALEXANDER DISTL (geb. 1992 /Wien)
Geschäftsführer Kerberos-Records OG,
abgeschlossenes IGP&Diplom Studium am Vienna Music Institute,
Schlagzeuger bei: Spitting Ibex und KAYOMI
CLEMENS STRAGANZ (geb. 1991 / Lienz)
Geschäftsführer Kerberos-Records OG,
abgeschlossenes IGP&Diplom Studium am Vienna Music Institute,
Bassist bei Minus Green und For EONS
Fotos: 1 Lukas Andre Grossl; 2 Elisa Grosman; 3 Benjamin Thomes; 4 Col; 5 Kerberos.
GRANDMAS ASHES (FRA) _ ECHOES OF EREBOS Festivals, 17. &. 18. 4. 2026Arena Wien
GIVE PEACE A CHANCE
G – Große Riffs, die selbst den Beton zum Vibrieren bringen.
I – Intensive Live-Momente – und wahrscheinlich ein bisschen wenig Schlaf.
V – Vibes von fuzzigen Gitarren und schweren Grooves.
E – Energie, die zwei Tage lang durch die Menge rollt.
P – Psychedelische Sounds, bei denen man kurz vergisst, welcher Tag eigentlich ist.
E – Echtes Underground-Feeling – laut, ehrlich und ohne Filter.
A – Alle kommen zusammen: Fans, Bands und Menschen, die gute Musik hören wollen.
C – Community aus Bands, Freund:innen und Leuten, die plötzlich zusammen vor der Bühne headbangen.
E – Endlose Jam-Vibes bis tief in die Nacht (oder bis das Bier leer ist).
A – Arena als perfekter Ort für schwere Sounds und gute Chaos-Energie.
C – Chaos, Crowds und ganz viel Leidenschaft.
H – Harte Riffs
A – Atmosphäre zwischen Wüste, Rauch und Rock.
N – Neue Bands und bekannte Namen teilen sich die Bühne.
C – Crowd-Energie, die jede Band noch ein bisschen lauter spielen lässt.
E – Ein Festival, nach dem man Montag erstmal ausschlafen muss.
Clemens Straganz, 16.3.2026
Clemens Straganz, Musiker (links), Festivalleiter des ECHOES OF EREBOS Festivals, 17. &. 18. 4. 2026Wien _ am Foto mit Alexander Distl, Co-Festivalleiter
Clemens Straganz _ Musiker, Festivalleiter des ECHOES OF EREBOS Festivals, 17. &. 18. 4. 2026Wien
Zur Person/über mich:CLEMENS STRAGANZ (geb. 1991 / Lienz), Geschäftsführer Kerberos-Records OG, abgeschlossenes IGP&Diplom Studium am Vienna Music Institute, Bassist bei Minus Green und For EONS
Aktuelles Musikfestival:
Ein Projekt von KERBEROS RECORDS17. &. 18. 4. 2026
Am 17. und 18. April 2026 geht das Echoes of Erebos Festival in die 3. Runde. Erstmals in den altehrwürdigen Hallen der Arena Wien werden an zwei Festivaltagen zwölf nationale und internationale Bands die Bühne zum Beben bringen.
Der Freitag steht ganz im Zeichen der österreichischen Rockszenen. Es stehen ausschließlich einheimische Künstlerinnen und Künstler auf der Bühne.
Fr., 17.4.2026
Einlass: 16.30 Uhr / Beginn: 17.00 Uhr
JOHNNY AND THE ROTTEN (A / Linz)
THE JUPITER EFFECT (A / Wien)
SAVANAH (A / Graz)
LAUSCH (A / Wien)
MOTHERS CAKE (A / Innsbruck)
Am Samstag wird‘s international mit Bands aus Österreich, Deutschland, Schweden, Schottland und Frankreich.
Beim Echoes of Erebos Festival 2026 gibt es nicht nur ordentlich was auf die Ohren:
An beiden Festivaltagen wird auch die RAW STUFF GIG-Poster Ausstellung zu sehen sein. Freut euch auf handgemachte Konzertposter, fette Prints und jede Menge Underground-Ästhetik – zwei Tage lang, mitten im Festivalgeschehen.
ist ein Labelkollektiv aus Wien, das seine Schwerpunkte vor allem im Bereich des Alternative, Stoner und Psychedelic Rock setzt und Bands hilft, ihre Musik zu produzieren, zu promoten und zu vertreiben.
Neben den Labelaktivitäten vermieten sie sei Herbst 2022 mehrere Proberäume in der Markgraf-Rüdiger-Straße (1150 Wien) und veranstalten auch Festivals: Seit 2022 das Festival „Strom im Berg“ in Graz und ab 2023 das „Echoes of Erebos Festival“ in Wien.
DAS TEAM:
ALEXANDER DISTL (geb. 1992 /Wien)
Geschäftsführer Kerberos-Records OG,
abgeschlossenes IGP&Diplom Studium am Vienna Music Institute,
Schlagzeuger bei: Spitting Ibex und KAYOMI
CLEMENS STRAGANZ (geb. 1991 / Lienz)
Geschäftsführer Kerberos-Records OG,
abgeschlossenes IGP&Diplom Studium am Vienna Music Institute,
Im Interview _ Pola Polanski, Künstlerin, Schriftstellerin
Ingeborg Bachmann _„Bildserie „Das Rumoren der Toten“_ Pola Polanski, Künstlerin, Schriftstellerin, folgende
Liebe Pola, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Ich habe Texte von ihr mit Anfang 30 gelesen. Das Todesarten-Projekt, Malina und Gedichte.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Ihr Schreiben ist fragmentarisch und ganz besonders freut es mich, wie sie in die Gruppe 47 in der Nachkriegszeit als eine der ersten Autorinnen aufgenommen wurde.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Ja, Malina. Viele finden ihre Gedichte großartig, aber ich komme von der Prosaecke und von daher ist mein Liebling „Malina“.
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Sie ist/war eine Vorreiterin. Sie hat einiges vorweggenommen.
Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?
Ich glaube, diese Beziehung zu Max Frisch hat sie kaputt gemacht. So ein übler Patriarch, der ihre Arbeit in seinen eigenen Texten ausschlachtete. Die Beiden hatten Krieg.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Alle guten Autor:innen, die Prosa oder Lyrik schreiben, sind verletzlich. Für sie ist das Schreiben ein Kanal. Nur sehr wenige Menschen haben diesen Kanal, der Kunst kreieren kann.
Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?
Sie war eine Vorreiterin für weibliches Schreiben. Sie macht den späteren Schriftstellerinnen Mut, an Grenzen zu gehen.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Wollen wir einen Kaffee trinken gehen?
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Im Moment ist mein Buch „Ich bin Nelly Sachs“ vor der Veröffentlichung. Vielleicht gelingt es noch zur Buchmesse in Leipzig. Als nächstes Schreibprojekt steht „Ich bin Inge Müller“ an. Über Ingeborg Bachmann schwebt immer noch ein riesiger Hype, so dass Literaturwissenschaftler meinen, über sie könne man keine Texte mehr schreiben.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
»Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache, wir bräuchten die Waffen nicht.«
Dieses Zitat nehme ich gerne mit. Siehe der gerade ausgebrochene Iran-Krieg und natürlich der Ukraine-Krieg. Weibliches Schreiben sollte pazifistisch sein, was ich in vielen meiner Kunst- und Literaturprojekten praktiziere.
Zum Projekt: Pola Polanski _ Das Rumoren der Toten
Das Zunehmen von rechtslastigen Politiker:innen auf der Welt, so auch in Deutschland, hat mich dazu bewogen, an die Geschehnisse und das Grauen im zweiten Weltkriegs zuerinnern. Noch heute rumoren die vielen Toten durch die Zeit. Meine Arbeiten stellen ein Mahnmal dar und appellieren an die künstlerische Freiheit.
Erstens male ich Portraits von Künstlerinnen und Schrifstellerinnen, die im Nationalsozialismus gelebt haben, in schwarz-weiß Überlebensgröße (160 x 200 cm groß) Kohle auf Papier. Hier ist das Medium die Message. Kohle deshalb, weil es an die Asche, den Staub, den Ruß der verbrannten Leichen erinnern soll).
Zweitens male ich kleinere Portraits von den Frauen, die vom Nationalsozialismus tangiert worden sind, im Format DIN A 3 in der Technik Tusche auf Papier.
Dritten versuche ich mir in kleinen Zeichnungen (A5) das Unfassbare, das dieser Krieg angerichtet hat, klarzumachen in der Technik Fineliner in schwarz auf Papier.
So hat die Lyrikern Nelly Sachs zum Beispiel viele ihrer letzten Lebensjahre in Psychiatrien wegen Paranoia vor den Nazis verbracht. Auch das Beispiel der Lyrikerin Gertrud Kolmar ermahnt daran, was im Nationalsozialismus passiert ist. Sie wurde in Auschwitz vergast. Das nationalsozialistische Dritte Reich bedeutete auch Gewalt gegen Frauen, Kinder und Künstler:innen.
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Zum Projekt: Pola Polanski _ Das Rumoren der Toten
Das Zunehmen von rechtslastigen Politiker:innen auf der Welt, so auch in Deutschland, hat mich dazu bewogen, an die Geschehnisse und das Grauen im zweiten Weltkriegs zuerinnern. Noch heute rumoren die vielen Toten durch die Zeit. Meine Arbeiten stellen ein Mahnmal dar und appellieren an die künstlerische Freiheit.
Erstens male ich Portraits von Künstlerinnen und Schrifstellerinnen, die im Nationalsozialismus gelebt haben, in schwarz-weiß Überlebensgröße (160 x 200 cm groß) Kohle auf Papier. Hier ist das Medium die Message. Kohle deshalb, weil es an die Asche, den Staub, den Ruß der verbrannten Leichen erinnern soll).
Zweitens male ich kleinere Portraits von den Frauen, die vom Nationalsozialismus tangiert worden sind, im Format DIN A 3 in der Technik Tusche auf Papier.
Dritten versuche ich mir in kleinen Zeichnungen (A5) das Unfassbare, das dieser Krieg angerichtet hat, klarzumachen in der Technik Fineliner in schwarz auf Papier.
So hat die Lyrikern Nelly Sachs zum Beispiel viele ihrer letzten Lebensjahre in Psychiatrien wegen Paranoia vor den Nazis verbracht. Auch das Beispiel der Lyrikerin Gertrud Kolmar ermahnt daran, was im Nationalsozialismus passiert ist. Sie wurde in Auschwitz vergast. Das nationalsozialistische Dritte Reich bedeutete auch Gewalt gegen Frauen, Kinder und Künstler:innen.