„Trotz allem (gut) zu unterhalten“ Tom Liehr, Schriftsteller _ Berlin 18.5.2023

Lieber Tom Liehr, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe auf und versuche anschließend, einen guten Tag zu haben und den Menschen um mich herum dabei nicht allzu sehr auf den Sack zu gehen. Oder ihnen sogar dabei zu helfen, möglichst auch einen guten Tag zu haben.
Wenn ich eine Schreibphase habe, klotze ich von morgens bis nachts ran und mache sonst fast nichts anderes. Abends trinke ich beim Schreiben manchmal Bier und hole am Kneipentresen Nebenfiguren ab.

Tom Liehr, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Das gleiche wie immer: Augen auf und durch.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich bin in Sorge, dass die Rolle von Kunst und Literatur überschätzt wird, und dass viele bei all dieser (Selbst-)Überschätzerei dann vergessen, gute Kunst und Literatur zu machen. Wir sind in erster Linie Unterhalter. Und das ist dann auch die Aufgabe, die besondere Rolle: Trotz allem (gut) zu unterhalten.

Was liest Du derzeit?

Die letzten Seiten von „The Shards“ von Bret Easton Ellis, danach dann Anselm Nefts “Die bessere Geschichte“, darauf freue ich mich schon sehr

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Freiheit bedeutet nicht, alles tun zu können, was man sich leisten könnte. (Das sagt die männliche Hauptfigur meines kommenden Romans, aber es kann sein, dass das ein unbeabsichtiges Plagiat ist. Ich forsche noch.)

Vielen Dank für das Interview lieber Tom, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Tom Liehr, Schriftsteller

Zur Person_Tom Liehr wurde in Berlin geboren, wo er heute noch mit seiner Familie und zwei Katzen lebt. 1990 wurde er Erst- und Drittplatzierter beim »Playboy-Literaturwettbewerb«, dem späteren »Gratwanderpreis«. Seither hat Tom Liehr unzählige Kurzgeschichten in diversen Publikationen und zwölf Romane bei Aufbau und Rowohlt veröffentlicht, zuletzt »Freitags bei Paolo« (Aufbau, 2022). Sein Bestseller »Leichtmatrosen« wurde für die ARD verfilmt. Er hat den »Putlitzer Preis« erfunden, ist Gründungsmitglied des »42erAutoren e.V.« und des PEN Berlin.

Mehr Informationen: www.tomliehr.de

Foto_privat


8.3.2023_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Vielheit in der Einheit“ Katerina Teresidi, Künstlerin _ Give Peace A Chance _Wien 17.5.2023

GIVE PEACE A CHANCE

White_Moon_Goddess_2022
Mag.art Katerina Teresidi,folgende
Marchfeldgrün_75x48cm_Öl_auf_Leinwand_2020_
white_moon_Goddess_face_Teresidi_2022
Gletscher
Eisberg_95x135_Acryl_auf_Leinwand_2018_Teresidi
Brahmin2_80x100cm_acrylic_on_canvas_2014
Eisschollen_80x100cm_Acryl_auf_Leinwand_2017
Wasserspiegel_40x40cm_Mischtechnik_auf_Leinwand_2018_Teresidi
Gebirgskette
Mag.art Katerina Teresidi,, Künstlerin

Vielheit in der Einheit.

Buddhistische Mandalas, islamische Ornamente, das Mandelbrotprinzip
erinnern an Welten in Welten.
Ich beobachte viele Welten in einer Einzigen.



Welten in jedem Haus, in jedem Selbst –
zahlreiche offene und geschlossene Türen.
Jedes Lebewesen ist eine Tür,
jede Tür führt zum Selben.



Wir alle sind Ausprägungen einer Lebenskraft,
die uns zusammenhält und uns belebt.
Illusion der Trennung ermöglicht Entwicklung,
Bewusstsein und Leid.



Stufenweise Entwicklung, Wachsein
bedeuten Aufmerksamkeit gegenüber sich Selbst und Anderen
gegenüber jedem Gedanken, jedem Wort!
Unbegrenzte Schöpferkraft bedarf Verantwortung.



Selbstliebe ohne Egoismus, Selbstbefreiung.
Spielen erlernen mit Energie, Sensibilität
ermöglichen Liebe gegenüber der Einheit.


Mag.art Katerina Teresidi, Mai 2023

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Mag.art Katerina Teresidi, Künstlerin

Fotos _ Katerina Teresidi Fotos Portrait_Helmut Sagmeister

Walter Pobaschnig _ 4.5.2023

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„Wir müssen Kunst und Literatur vor der Instrumentalisierung für kriegerische Zwecke bewahren“ Gisbert Amm, Dichter _ Joachimsthal/D 17.5.2023

Lieber Gisbert Amm, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Montag bis Donnerstag arbeite ich von neun bis fünf in meinem Brotberuf als Softwareentwickler; seit der Pandemie ausschließlich im Home Office, was mir drei Stunden Pendelei am Tag erspart. Vorher musste ich nach Berlin ins Büro fahren. Insofern bin ich ein Pandemie-Gewinnler.

Abends wird gelesen, und geschrieben oder ich gehe raus in die wunderbare Eiszeitlandschaft der Schorfheide mit ihren Hügeln und Seen. Oder ich fahre dann doch nach Berlin, meist zu Lesungen.

Freitags arbeite ich nicht, so dass der Tag theoretisch ganz dem Schreiben vorbehalten ist. Aktuell bin ich aber immer noch mit der Abwicklung des Lyrikhauses beschäftigt, so dass nur wenig Kraft und Zeit für das eigene Schreiben bleibt. Aber das wird sich im Laufe der nächsten Monate ändern. Solange bleibt es beim ungesunden Schlafmangel, weil ich oft unter der Woche doch bis ein oder zwei Uhr nachts mit Schreiben und Lesen beschäftigt bin. Eine typische Eule eben.

Gisbert Amm, Dichter

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

2023 ist das Jahr der künstlichen Intelligenz. Diese wird unser Leben auf ähnliche Weise umkrempeln wie es die Smartphones und die fortschreitende Digitalisierung getan haben und noch immer täglich tun. Wenn man unser heutiges Leben mit dem vor 15 Jahren vergleicht, als das Smartphone noch als Spielzeug von ein paar wirren Displaystreichlern belächelt wurde, kann man erahnen, welche Umwälzungen in den nächsten 15 Jahren auf uns zukommen. Nur dass diesmal auch der Aspekt der künstlerischen Produktion unmittelbar betroffen ist. Ich gehöre allerdings nicht zu jenen, die das prinzipiell ablehnen. KI wird ein neues Werkzeug für den Menschen werden und neue Dinge ermöglichen, die wir uns noch wenig vorstellen können. Ähnlich wie das Anagrammieren sich durch den Computer verändert hat. Ich habe ja noch Pappkärtchen herum geschoben.

Der Mensch wird stark auf die Frage zurückgeworfen, was ihn eigentlich zum Menschen macht. Und dabei spielt die Körperlichkeit eine zentrale Rolle. Wie es Andreas Gryphius formuliert hat: „Was sind wir Menschen doch! Ein Wohnhaus grimmer Schmerzen“. Der körperliche Schmerz, den die Maschine nicht empfinden kann, macht uns zum Menschen. Aber natürlich auch die schönen Gefühle.

Gleichzeitig mit dem enormen technologischen Umbruch feiern archaische Gewalt- und Zerstörungsmuster in Politik und Gesellschaft fröhliche Urständ. Das ergibt eine explosive Kombination, die mir große Sorge bereitet.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Das zentrale Problem in einer Welt der intelligenten Maschinen ist es, die richtigen und wichtigen Fragen zu stellen; die Stellen im Wissen und Denken zu finden, die nicht durch endlose Permutationen des Vorhandenen ausgefüllt werden können. Das, was immer schon der Kern der kreativen Arbeit war: den Horizont aufzuhebeln. Das ist nicht leicht, aber auf der gesellschaftlichen Ebene ist es ungleich schwieriger: Zum einen müssen wir hier einen Weg finden, der Vereinnahmung von Protest durch die Verwertung zu entgehen. Ich warte ja schon auf die erste Werbung für Klimaklebstoff. Zum anderen müssen wir einen Weg finden, die abgestumpften Menschen einschließlich uns selbst wieder zu erreichen, zu sensibilisieren, was zum Beispiel den skandalösen Umgang mit Menschen auf der Flucht angeht. Oder eben die rasante Zerstörung und Vergiftung unserer Natur, auch des eigenen Körpers, etwa durch Feinstaub und Mikroplastik. Mit Betroffenheitsästhetik und moralischem Pathos kommt man in einer Welt der Fakes, Trollfarmen und Shitstorms nicht weit. Das perlt am Gorillaglas ab. Und zum Dritten müssen wir Kunst und Literatur vor der Instrumentalisierung für kriegerische Zwecke bewahren und ihren pazifistischen Kern erhalten. Irgendwo müssen die Utopien überwintern und ich glaube Literatur und Kunst sind der geeignete Nichtort dafür.

Was liest Du derzeit?

„Lob der Melancholie“ von Lázló F. Földényi

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ich habe hier ein Minibuch vom Verlag Volk und Welt aus dem Jahr 1987, in hellblaues Leder gebunden: Max Frisch, Fragebögen 1966-1971. Das beginnt so:

„1. Sind Sie sicher, dass Sie die Erhaltung des Menschengeschlechts, wenn Sie und alle Ihre Bekannten nicht mehr sind, wirklich interessiert?

2. Warum? Stichworte genügen.“

Vielen Dank für das Interview lieber Gisbert, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Zur Person_Gisbert Amm, Dichter, geboren 1965 im Sperrgebiet an der innerdeutschen Grenze. Aufgewachsen im Thüringer Wald. 1989-94 Teilnahme an der friedlichen Revolution und Studium der Theaterwissenschaft in Leipzig. Nach dem Studium 1995 Umzug nach Baden-Württemberg. Verschiedene Tätigkeiten. Seit 1998 Softwareentwickler. 2009 Umzug nach Brandenburg. 2016-22 Betreiber des Lyrikhauses Joachimsthal.

Aktuelle Gedichtbände:

Das Fingerzeighaus, Bübül Verlag Berlin 2022;

Gisbert Amm, Semper. Gedichte. fabrik.transit Wien, Juni 2023

Gisbert Amm, Semper. Gedichte

Illustriert von Marlen Melzow

€ 18,00

12,4 x 18,3 cm Hardcover

120 Seiten, Ill sw.

ISBN 978-3-903267-56-5

Erscheint im Juni 2023

https://www.fabriktransit.net/de/buecher/neuheiten/324-gisbert-amm-semper-2023.html

Foto_Mechthild Rieffel.

25.4.2023_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gnadenort und Gerstenmus“ Kristian Kühn, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ München 16.5.2023

GIVE PEACE A CHANCE

G Gnadenort und Gerstenmus. Gieß Salbe drauf! Denn, stürz‘ ich ab,

I In Räuberhände fallend, ess‘ ich Gerste nur!

Ihr beide, helft auch mitzuzieh’n!

Ich zieh ja schon und häng mich an,

V Vom Kot die Nas‘ abwendend, verzehrt und ausgezischt.

E Ein Knecht, der überlaufen will, nicht ziehen hilft;


P Preis und Dank der Göttin hier! Pfui vor des eklen Söldlings Kriegsgepäck!

E Eirene hat am Schlachten keine Lust; steigen wir zu ihrem Herd hinab,

(pochen an die Tür.)

A Aber, hoben wir die Göttin, dann, so freuet euch,

CHOR: Auf, Göttin! Hebe dich kühn von der Erde unten hinweg.

Auf! Schicke nun die Landbesteller wieder heim!

Aber, wo die lange Zeit durch unsre Göttin, Frieden fern von uns,

Alle, die ohne Harm
Alles, was keimt und sprießt,
Also den Feiergesang
Anstimmen, sobald mit dem jungen Lenz die Schwalbe –
Ach, tue du nicht mehr solches uns an!

Auch halte von uns die Verdächtigungen fern,
Anfülle mit Gut, mit Knoblauch, groß,
Auch die Feigenbäume, dich ich selbst gepflanzt, ein Knabe noch,
Auf denn, eingedenk, auch des Veilchenbeets am Brunnen,

E Eben alles dessen


A Aller Orten walte hier bald Friede, wie zur alten Zeit!


CHOR: Hat man uns matt gequält,

H Heil also ruf‘ ich, rufe nichts als: Heil, o Heil!

Ho heia nun! Ho heia rings!!

Heil, o Heil dir, Teuerste, du Frieden!
Heißersehnte, stets für uns
Hochheilige, ja, nimm gnädig unsre Spende an,

A Also aber jetzt nicht mehr gejubelt: könnt ihr doch nicht sicher sein!

N Noch erbarmungslosen Sinnes finden, wie wohl ehedem;

Nein, du sollst jetzt freundlich und –
Nein, daß ich friedlich spinnen mag den Rest der Tage,

Nicht nachgelassen jetzt, nein, nun sieh dir die Gesichter an im Publikum:

CHOR: Granaten, Frühgurken und Äpfel, zugleich als Opfer Gerste

E Ehe wir sie gießen was. Daran erkennst du das Gewerbe.

Kristian Kühn, 3.5.2023

Akrostichon zum Song „Give Peace a Chance“ und zugleich Cento aus „Der Friede“ (Eirene) von Aristophanes  

Kristian Kühn, Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Kristian Kühn, Schriftsteller

Zur Person: Kristian Kühn, Drehbücher, Prosa, Lyrik. Essays. Seit 2010 Mitorganisator des Lyrikpreises München. Seit 2013 Herausgeber des Online-Magazins Signaturen. https://signaturen-magazin.de/ Wohnt in München.

Foto _ Ulrich Schäfer-Newiger

Walter Pobaschnig _ 22.4.2023

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100.Geburtstag Maria Callas „Callas, as an artist, inspires me to think of a body and its abilities as limitless“ Ivana Orsolic, Tänzerin _ Wien 18.5.2023

Ivana Oršolić, Tänzerin, Choreografin _ Wien _
acting Maria Callas, Sängerin (* 2.12.1923 New York ´16.9.1977 Paris) _
 100. Geburtstag Maria Callas
Ivana Oršolić, Tänzerin, Choreografin _ Wien _
acting Maria Callas, Sängerin (* 2.12.1923 New York ´16.9.1977 Paris) _
 100. Geburtstag Maria Callas

Liebe Ivana Oršolić, welche Bezüge gibt es von Dir zu Maria Callas?

Very often I’m inspired by other artists. Opera singers can unite their musical skills with acting and movement abilities. As a dancer, is always interesting to learn and research about different physicality and what it can become in interdisciplinary context.

Du bist Tänzerin. Wie siehst Du den Körperausdruck von Maria Callas?

Just with your posture, for example, you can create a character. How you stand,where you hold your hands, where you look…Personally, I think Maria Callas was very comfortable and confident in playing those different characters while finding qualities in her body to express them.

Was macht für Dich die Aura der „Callas“ aus?

Callas, as an artist, inspires me to think of a body and its abilities as limitless. On the other hand, Maria, as a woman, reminds me to take care, rest, even step back if needed.

Gibt es ein bestimmtes Musikstück, das Du hervorheben möchtest und warum?

There is not one particular piece I would highlight.

Wie siehst Du Maria Callas in ihrem künstlerischen Weg, ihrer Entwicklung?

She was a diva, one of the greatest opera singers of the 20th century and I’msure that the road to being given this title wasn’t easy. Her instrument was her voice – her body, so as she kept changing so did her art.

Maria Callas und die Liebe. Kunst und Leben. Wie sieht da die Wechselwirkung aus?

Well, one doesn’t exist without another. – I would also add death. We can’t escape life and death and all our emotions come from love (or fear).

And art is simply a reflection of it.

Was lässt Liebe gelingen?

Not giving up. Staying curious and playful!

Wie war Dein Weg zum Tanz?

I believe I was a very expressive child and I always found joy in dancing, singingand acting. When I was five, I saw a magazine with a little girl in a dance studio and I just knew that that’s me.

Wie siehst Du Möglichkeiten für die Kunstform Tanz in Wien?

Honestly, I’m still trying to figure out how it works here. Art in Vienna is very important and highly appreciated but contemporary dance opportunities are too rare and it’s quite hard to fully commit yourself as a dancer.

Was möchtest Du kommenden Tänzerinnen auf Ihrem Weg mitgeben?

Dance is our passion, so we need to be careful when it comes to sacrifice. Take care of your body and your mental health.

Was kannst Du von Maria Callas auf Deinen künstlerischen Weg mitnehmen?

Take the time off when you need it. Reflect, detach and distance yourself from your art.

Was sind Deine kommenden Projektpläne?

My current research for a solo is human senses and I am very excited to make my first dance film on the theme: “Re-thinking our senses.”

Darf ich Dich abschließend zu einem Akrostichon bitten?

My

Art

Reflects,

Illustrates, and

Advocates

Courage.

ART is domination.

Life

Long

Artist

Stays.

Ivana Oršolić, Tänzerin, Choreografin _ Wien _
acting Maria Callas, Sängerin (* 2.12.1923 New York ´16.9.1977 Paris) _
 100. Geburtstag Maria Callas

Vielen Dank, liebe Ivana Oršolić,, für das wunderbare Fotoshooting& Interview und viel Freude und Erfolg für alle Projekte!

100. Geburtstag Maria Callas _ 2023

Ivana Oršolić, Tänzerin, Choreografin _ Wien __acting Maria Callas, Sängerin (* 2.12.1923 New York ´16.9.1977 Paris)

Zur Person _ Ivana Orsolic, born in 1996 in Zagreb, Croatia, Ivana started her professional dance education at early age. After graduating Art Schools Silvija Hercigonja and Franjo Lučić, she spent one year at Academy of Dramatic Arts Zagreb. In 2020 she graduated from Music and Arts University of the City of Vienna (MUK), receiving a Bachelor of Art in contemporary dance and ballet. During her studies she intensely worked with choreographers such as Esther Balfe, Eldad Ben Sasson, Alberto Franceschini, Chris Haring and Mani Obeya, as well as spending her internship in Scottish Dance Theater and Croatian National Theater Rijeka. As a freelance dancer Ivana works between Austria and Germany and has performed on stages such as MuTh, Theater an der Wien, Volksoper, Werk X, Theater Arche, Theatre Patraix and Staatstheater Augsburg. She is a dancer and artistic assistant for platform Choreoloop, based in Augsburg, German Fotos_Walter Pobaschnig 4_23 _ Schloss Schönbrunn/Gloriette

Maria Callas, Sängerin (* 2.12.1923 New York ´16.9.1977 Paris)

Interview&alle Fotos _ Walter Pobaschnig

https:literaturoutdoors.com 5_23

„wir müssen Sprache einen Raum geben“ Vinzenz Fengler, Schriftsteller_ Berlin 16.5.2023

Lieber Vinzenz Fengler, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich fahre jeden Morgen mit dem Fahrrad zur Arbeit, die mit meiner literarischen und künstlerischen nicht so viel zu tun hat. Dennoch würde ich nicht von einem Brotjob sprechen. Ich habe mich vor fast 20 Jahren, während einer Neuorientierungsphase, dafür entschieden eine Arbeit zu finden, die ich mit Herzblut machen kann, und die mir auch genügend Zeit lässt, meinen kreativen Impulsen nachzugehen.

Also fahre ich nun täglich ins Büro und arbeite dort als systemischer Elterncoach und Antigewalttrainer bei einem Träger der Kinder- und Jugendhilfe. Die Elternberatungen mache ich dann im Büro, mit den Kindern und Jugendlichen gehe ich oft raus zum Arbeiten und nenne das Gedankengänge. Wenn man (zusammen) geht fließen die Gedanken einfach besser und es ist nicht so konfrontativ, weil man gemeinsam in eine Richtung schaut. Ich habe im Laufe der Jahre viele Fortbildungen gemacht und gemerkt, dass ich diese Arbeit sehr gut kann, dass sie zu mir passt, dass ich mich selbst als wirksam erlebe und im Ergebnis oft etwas bewirken kann, insbesondere für eine Verbesserung der Lebensqualität dieser Kinder und Jugendlichen. Und so fahre ich dann  – zwar erschöpft oft, aber zufrieden – jeden Tag bis Donnerstag wieder mit dem Fahrrad nachhause.

Von Freitag bis Sonntag stehen dann bei mir den Musen alle Türen und Tore offen. Nicht selten schleichen diese sich aber schon unter der Woche ein, und ein Gedicht kommt über mich, oder die Idee zu einer Fotoserie oder einer Performance. Das läuft dann doch nicht so trennscharf ab. Aber auch das ist gut so. Ich liebe es, überrascht zu werden. Und seit der Corona-Zeit habe ich mich wieder mehr mit der Natur verbunden, fahre am Wochenende raus, nehme auch in der Stadt viel mehr die kleinen Idyllen wahr, die Tiere, die Parallelwelten zu Hektik und Stress. Langsam erinnere ich mich wieder an den kleinen Jungen, der ich war, der in den Wäldern der Lausitz aufgewachsen ist; ich finde immer mehr Zugang zu ihm, es ist wie das Neuentdecken einer fast verschollenen Identität, eine längst überfällige Biographiearbeit, die sich in letzter Zeit oft auch in Gedichten widerspiegelt.

Vinzenz Fengler, Schriftsteller, bildender Künstler & Performer

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Auch als „abgefallener Katholik“ (O-Ton: meine Mutti) würde ich sagen: Demut. Und zwar in dem Sinne, sich selbst immer wieder gewahr zu werden, was man hat und in Anspruch nehmen kann, und welchen Dingen man, auf Grund seiner Herkunft, dem Ort, an dem man geboren wurde und aufgewachsen ist, und den damit einhergehenden Privilegien, nicht ausgesetzt ist. Und aus dieser Selbstreflexion sollte, aus meiner Sicht, ein Solidaritätsbestreben entstehen, also der Reflex, sich für Schwächere einzusetzen mit all den Möglichkeiten, die man hat. In meiner Arbeit zum Beispiel begegnet mir (nicht erst seit Corona) ein eklatanter Anstieg von häuslicher Gewalt und auch psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Erklärungsversuche dafür gibt es zahlreiche. Bei den Kindern und Jugendlichen spüre ich aber einen enormen Leistungsdruck und krass existentielle Zukunftsängste. Ich finde, wir müssen es schaffen, ihnen wieder diese Unbeschwertheit zurückzugeben, die z.B. ich als Kind noch hatte. (Auch wenn wir damals den Horror eines Atomkriegs auch schon vor Augen hatten)

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Auch wenn ich glaube, dass gute Gedichte über einen kommen wie etwas, gegen das man sich nicht wehren kann (und sollte), und nicht in kleinteiliger Heimarbeit am Schreibtisch zusammengebastelt werden, sollten wir uns – insbesondere als Lyriker:innen – immer mal wieder vergewissern, ob wir uns nicht zu weit aus gesellschaftlichen Gegebenheiten und -Zusammenhängen herausgelöst haben und – möglicherweise – in einer nach außen getragenen Innenschau nur noch um uns selbst kreisen. Und damit meine ich nicht, dass wir eine explizit politische Lyrik brauchen, aber das Außen sollte uns noch berühren (im Sinne von Mitgefühl) und ab und zu (wenigstens) in den Gedichten verhandelt werden, indem sie z.B. auf Leid und gesellschaftliche Schieflagen hinweisen, und so Resonanzen erzeugen, möglicherweise auch Handeln und Engagement auslösen. Ich bin ein zutiefst Gläubiger, was die Heilkraft der Sprache anbelangt. Aber wir müssen dieser Sprache einen Raum geben, insbesondere auch wenig oder nicht gehörten Stimmen.

Was liest Du derzeit?

Gerade wiedermal den (inzwischen fast zerfledderten) Gedichtband „Asketische Zeichen“ des rumänischen Dichters Virgil Mazilescu. Ich hab diesen ins Deutsche übersetzten Band Ende der 80er-Jahre in Rumänien gekauft und konnte danach lange nichts mit diesen Gedichten anfangen. Später hab ich schlagartig einen Zugang gefunden und liebe diese – dem Suprematismus von Malewitsch zugeneigten – Gedichte seitdem, staune immer wieder, ziehe meinen Hut, nein, reiß mir die Mütze vom Kopf vor Ehrfurcht. (Pathosverdacht! : egal)

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Zuerst müssen wir uns beruhigen, atmen und über uns selbst hinwegkommen.“ (Chimamanda Ngozi Adichie)

Und speziell auf die Literatur bezogen möchte ich auf den Aufsatz „Der Tod des Autors“ von Roland Barthes verweisen. (vgl. meine Überlegungen weiter oben)

Vinzenz Fengler, Schriftsteller, bildender Künstler & Performer

Vielen Dank für das Interview lieber Vinzenz, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Vinzenz Fengler, Schriftsteller, bildender Künstler & Performer

Zur Person_Vinzenz Fengler wurde 1969 in Hoyerswerda geboren und lebt seit 2001 in Berlin. Seit Anfang der 90er Jahre beschäftigt er sich mit Photographie und Performance Art, später kommen noch Kunstinterventionen im öffentlichen Raum dazu.  Er schreibt Lyrik, Prosa und Stücke. Zahlreiche Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien. Vinzenz Fengler ist Zweitplatzierter (zusammen mit Monika Littau) des Polly Preises für Politische Lyrik 2016. Im Juli 2020 erschien „Stimme.Stimme“, ein gemeinsam mit Isabella Lehmann geschriebenes Theaterstück bei Edition Maya, im April 2023 sein Lyrikband „Materialermüdung tragender Teile“ im ELIF Verlag.

www.vinzenz-fengler.de

Fotos_privat

Walter Pobaschnig _ 10.4.2023

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„panik/paradies“ Carl-Christian Elze. Gedichte. Illustrationen Nele Brönner. Verlagshaus Berlin 2023

„panik/paradies“ Carl-Christian Elze. Gedichte. Illustrationen Nele Brönner. Verlagshaus Berlin 2023

„…das kind

kann nicht mehr den schlüssel berühren, ihn im schloss

umdrehen, es ruft wie ein ertrinkender, zappelt

und schreit…“

caput I

Carl-Christian Elze, mehrfach ausgezeichneter Schriftsteller, legt mit seinem Gedichtband „panik/paradies“ eine sprachlich faszinierende wie abgründig dystopische Achter- und Geisterbahn von Leben und Zeit vor, die in Kraft, Geheimnis und Erschütterung von Beginn an mitreißt. In formaler Variation und Virtuosität legt der Autor, der mit seinem Debütroman „Freudenberg“ 2022 auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stand, das Herz der Zeit in Angst, Verzweiflung und Einsamkeit offen und lässt Leserin und Leser in einem faszinierenden Spiegelkabinett der Sprache wandeln, tasten innehalten.

Es sind große Traditionen moderner Lyrik, von Trakl bis Ginsberg, die der Autor hier gleichsam aufnimmt und im 21.Jahrhundert neu akzentuiert. Mensch, Welt und Sprache werden in größter Bild- wie Erzählkraft erschütternd analysiert und artikuliert.

Ein Gedichtband, welcher die moderne Lyrik in Komposition, Sprach- wie Erzählkraft erschütternd wie beeindruckend strahlen lässt!

„panik/paradies“ Carl-Christian Elze. Gedichte. Illustrationen Nele Brönner. Verlagshaus Berlin 2023

ISBN: 978-3-910320-01-7
Reihe edition Belletristik

PREIS 22,90 €

panik/paradies

Zur Person_Carl-Christian Elze studierte Medizin, Biologie und Germanistik, außerdem von 2004 – 2009 am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. 2022 erschien sein Roman »Freudenberg« bei Voland & Quist / Edition Azur. Im Verlagshaus Berlin erschienen zuletzt »langsames ermatten im labyrinth« (2019) und »diese kleinen, in der luft hängenden, bergpredigenden gebilde« (2016). Für seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit einem Stipendium im Deutschen Studienzentrum in Venedig (2016), dem Rainer-Malkowski-Stipendium (2014) und dem Joachim-Ringelnatz-Nachwuchspreis (2014). Elze ist Mitbegründer der Leipziger Lesereihe »niemerlang«, Monatsjuror bei »lyrix«, dem Bundeswettbewerb für junge Lyrik, und Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland.

https://verlagshaus-berlin.de/programm/panik_paradies/

Carl-Christian Elze, Schriftsteller

https://carl-christian-elze.de/

Foto_Sascha Kokot

Walter Pobaschnig 5/23

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„Parvaz ra be Khater bespar“ Sada Sultani, Dichterin und Liedermacherin _ Give Peace A Chance _ Berlin 15.5.2023

GIVE PEACE A CHANCE

*“Parvaz ra be Khater bespar“  

**Gisboride ist mein Name

Ich sei frech und unberechenbar, eine

Verlassene… Was bedeutet das Wort eigentlich?!

Es fehlen meiner Deutschlehrerin die Worte…  


Parvaz ra be Khater bespar“

Eine Dichterin, die mein Leben gerettet hat

Auch viele andere Frauen

Claudia*** zum Beispiel

Ein erlesener Kreis von Freund*innen


Abendrot-Spaziergang von Häslach nach Walddorf 


Couragierte Frauen 

Haben nichts zu verlieren 

Angst habe ich aber trotzdem 

Nicht vor dem Tod, sondern davor, nicht genug gelesen zu werden

Claudia umarmt mich und die erleuchteten Häuserreihen am Hang von Bad Urach

Erinnern mich an Kabul vor dem Krieg

*“Vergiss nicht zu fliegen“ 

Sada Sultani, 2.5.23  

Forugh Farrochzād, geboren am 29. Dezember 1934, in Teheran, Iran, war eine iranische Dichterin und Filmregisseurin.

**Gisboride bedeutet „schamlos“. Gemeint ist eine Frau, deren Haare beispielsweise von ihrem Ehemann abgeschnitten wurden, weil er sie der Untreue verdächtigte.

*** Dr. Claudia Koltzenburg, eine gute Freundin von mir und meine Deutschlehrerin

Sada Sultani, Dichterin und Liedermacherin,
Aktivistin, gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin,

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Sada Sultani, Dichterin und Liedermacherin,
Aktivistin, gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin

Zur Person_Sada Sultani, *1989 in Masar-e-Sharif/Afghanistan und aufgewachsen in Iran, Dichterin und Liedermacherin, Aktivistin, gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin, Lyrikerin freier postmoderner Lyrik, mit erotischen und politischen Themen, kontroverser und rücksichtsloser Sprache. Autorin von drei Gedichtbänden in persischer und deutscher Sprache. Darstellerin in zwei Dokumentarfilmen, Verfasserin Liedtexten für Ghawgha Taban und Sahar Ariyan, Teilnahme an Poesiefestivals in Afghanistan, Schweden und Deutschland. Lebt seit 2015 in Berlin.

Aktuell Bucherscheinung_Sada Sultani

Sada Sultani. Gedichte / Poems _ zweisprachig _ Softcover mit Klappen, lieferbar, 200 Seiten. Klak Verlag.

Sada Sultani. Gedichte / Poems _ zweisprachig _ Softcover mit Klappen, lieferbar, 200 Seiten. Klak Verlag.

ISBN 978-3-948156-60-2

15,00€

https://www.klakverlag.de/produkt/sada-sultani-gedichte-poems/#tab-author

Foto _ privat

Walter Pobaschnig _ 2.5.2023

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„Die Literatur zeigt uns Facetten des Lebens auf“ Renate Maria Riehemann, Lyrikerin _ Osterode am Harz/D 15.5.2023

Liebe Renate Maria Riehemann, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf ist glücklicherweise von der Natur um mich herum geprägt. Beim frühen Frühstück genieße ich den Blick in die grünende Natur, später spaziere ich mit meinem Hund an einem Fluss entlang, wobei ich neben optischen und akustischen Eindrücken auch zwanglos Ideen für alles Mögliche einfange. Meistens setze ich mich danach mit einem frischen Kaffee bis zum frühen Nachmittag an den Schreibtisch. Danach ist Zeit für Freizeit, zweiten Hundegang, Familie, Freunde, Haus- und Gartenarbeit …

Renate Maria Riehemann,
Lyrikerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Aus meiner Sicht ganz klar die Reduktion auf das Wesentliche, sowohl im Materiellen wie auch im Umgang miteinander. Nähe und Vertrautheit mit anderen Menschen, der Austausch mit ihnen. Wünschenswert, aber nicht immer möglich, scheint mir auch der Blick hinter die Kulissen des aktuellen Geschehens um uns herum zu sein, damit unnötige und schädigende Abhängigkeiten, auch persönliche, abgebaut werden, und wir die reale Welt stärker wahrnehmen können – die begreifbaren Dinge, die Menschen um uns und die sich verändernde Natur, in der wir leben. Ich glaube, dass es sich lohnt, sein Leben und seine Umwelt bewusst zu gestalten. Wir müssen uns durch unser Tun und unseren Umgang mit unseren Mitmenschen verantwortlich zeigen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Viele Menschen häufen viele Sachen an und manche Menschen besitzen kaum Dinge, die sie ihr eigen nennen können. Ich glaube, dass wir darüber nachdenken müssen, welchen Nutzen uns manche Privilegien und Dinge bringen und ob wir sie überhaupt benötigen. Und jeder für sich wird überlegen müssen, was ein erfülltes Leben ausmacht, ob es die Dinge sind, die er angehäuft hat.

Die Literatur zeigt uns Facetten des Lebens auf, die uns ohne Literatur vielleicht verborgen blieben, die uns aber ermutigen können, starre Positionen aufzubrechen. Literatur kann aufrütteln und ganz individuell tiefliegende Gefühle und Gedanken anstoßen, den Menschen öffnen, ohne dass er sich offenbaren muss. Darüber hinaus kann Literatur die Menschen ins Gespräch und in den Gedankenaustausch bringen und auch so Veränderungen und Entwicklungen in Gang setzen. Die Seele des Menschen will genährt werden. Kunst und Literatur sind ein wertvolles Kostangebot.

Was liest Du derzeit?

Auf meinem Lesetisch liegen neben anderen Büchern immer mehrere Gedichtbände parat, die ich je nach Stimmung genieße. Aufgeschlagen liegen derzeit der Gedichtband von Frank Sauer “Skizzen im Gegenlicht“ und die autobiografische Erzählung von Tyson Yunkaporta  „Sandtalk“, das Wissen der Aborigines und die Krisen der modernen Welt.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Passend scheinen mir hier und für mich persönlich die folgenden Verse von Rainer Maria Rilke zu sein:

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,

die sich über die Dinge ziehn.

Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,

aber versuchen will ich ihn.

Vielen Dank für das Interview liebe Renate, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Renate Maria Riehemann, Lyrikerin

Zur Person_Renate Maria Riehemann lebt in Osterode am Harz. Die Pädagogin, Dichterin und Erzählerin hat mehrere Einzelveröffentlichungen vorzuweisen. Zuletzt: Die Zeit in den Leinenlumpen. Erzählungen, Geest-Verlag Vechta 2022; Von Weitem Kraniche. Haiku. Rotkiefer-Verlag Berlin 2022. R. M. Riehemann ist in Sachen Lyrik nicht nur im Harz aktiv. Sie ist Initiatorin des Literaturpreises Harz und Herausgeberin der dazugehörigen Anthologien. Zudem ist sie Vorsitzende des Vereins Lyrik lebt e. V. mit Sitz in Osterode am Harz, Mitglied u.a. in der europäischen Autorenvereinigung Die Kogge, der Gruppe 48 und der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik Leipzig.

 www.renate-maria-riehemann.de

Foto_privat

4.4.2023_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com/

„Am Fenster klebt noch eine Feder“ Maria Lassnig. Herausgegeben von Peter Handke, Barbara Maier und Lojze Wieser. Wieser Verlag 2023

„Ich lebe in einem Wald, in den ich nicht

Hineingehe, er ist zu dicht und dunkel, weil der

Mensch ihn so gesetzt hat…

Man muss mit dem Gras leben, parallel dazu

Wachsen, gemäht werden oder nur Wurzel sein.

Dazwischen die kleinen Wunder…“

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Die klingenden Namen zweier der bedeutendsten Künstler der Moderne am Umschlag des Buches lassen es sehr ehrfürchtig wie neugierig öffnen: Maria Lassnig und Peter Handke.

Die gefeierte österreichische Künstlerin, deren Bilder wie multimediale Werke und Performances in spielerischer wie direkter Position und Expressivität wie formaler Einzigartigkeit begeistern und deren persönlicher künstlerischer Weg kompromisslos wie zielstrebig und von später weltweiter Anerkennung gekrönt war und ist und anderseits der Nobelpreisträger von 2019, der mit jedem Text seit Jahrzehnten neu fasziniert, was Möglichkeiten von Sprache und Leben betrifft und den diese eröffnen, erweitern, erschüttern.

Und nun begibt sich Peter Handke gemeinsam mit der Kuratorin Barbara Maier und dem Verleger Lojse Wieser, ebenso geniale Kunst-Persönlichkeiten in Wahrnehmung, Förderung, Vermittlung, Präsentation wie künstlerischer Verbindung, in das Atelier Maria Lassnig und öffnet ihre Textbücher…

Es sind Texte, der 2014 in Wien verstorbenen genialen Bildenden Künstlerin Maria Lassnig, die wie ihre Werke Bildender Kunst in ihrer formalen wie inhaltlichen existentiellen Aufmerksamkeit, Abstraktion und Expressivität beeindrucken, erschüttern, begeistern. Jeder Text ist ein Erlebnis, gleichsam ein Galeriegang, der sofort Bilder in Kopf, Seele erzeugt und mitschwingen, mitreiben, mitfliegen und mitlanden lässt wie „eine Feder am Fenster“ – dem eigenen klaren, trüben, zerbrochenen, imaginären oder vergangenen Aus- und Einblicken in Welt, Selbst, Sinn…

Die Texte sind beeindruckend variantenreich und umspannen Momentaufnahmen von Alltagswahrnehmungen, Lebens- Kunstreflexionen, die kompromisslos, direkt wie tiefsinnig treffen wie Pfeile. Mitten ins Herz des Lebens und der Kunst. Ein sensationelles Ereignis und Hebens eines weiteren faszinierenden Schatzes der wunderbaren Maria Lassnig.

„Ist die Literatur die Zwillingsschwester der Malerei?“

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Lojze Wieser und Barbara Maier spannen den Bogen. Peter Handke setzt den Pfeil. Und der wunderbare Textköcher von Maria Lassnig wird zum literarisch-künstlerischen Ereignis, das eine der Sensationen des Jahres ist!

Walter Pobaschnig 5_23

Zum Buch_

Maria Lassnig (1919–2014) pflegte Freundschaften mit zeitgenössischen Dichterinnen und Dichtern. Sie war eine Vielleserin vor allem von österreichischen Autorinnen und Autoren. Den beiden ebenso wie sie in Kärnten geborenen Ingeborg Bachmann und Peter Handke fühlte sie sich besonders nahe. Den Verwandtschaftsgrad der beiden künstlerischen Gattungen beschrieb Lassnig gerne mit der Feder als Schwester des Pinsels: der Gegenstand kann der gleiche sein, nur die künstlerischen Ausdrucksmittel unterscheiden sich. Maria Lassnig konzentrierte sich ganz und gar auf die bildende Kunst, daneben besaß sie literarische Fähigkeiten, die in den Texten zu ihren Filmen, in Briefen und in Notizen Ausdruck fanden. In diesem Band wird Kenntnis gegeben von dem, was Lassnig auf literarischem Gebiet geschaffen hat. Der Leser, die Leserin möge eine Ahnung von der lichten Weite der Autorin Maria Lassnig bekommen.

„Maria Lassnig war nicht nur eine Mal-Persönlichkeit, sondern auch eine Schreib-Persönlichkeit.“ Peter Handke

Zur Person_Maria Lassnig: Bildende Künstlerin, geboren 1919 in Kappel am Krappfeld/Kärnten; gestorben 2014 in Wien. 1940 fährt Maria Lassnig mit dem Fahrrad von Kärnten nach Wien, wo sie an der Akademie der bildenden Künste Malerei studiert. Ab den späten 1940er-Jahren Arbeiten zum Körperbewusstsein, die ihr Lebenswerk prägen werden. Mit Arnulf Rainer reist Lassnig 1951 nach Paris und bringt die informelle Kunst nach Österreich. Während ihres Aufenthalts in Paris (1960–1968) greift Lassnig Einflüsse der Pop-Art auf, in New York (1968–1980) experimentiert sie auch mit Film. Ab 1980 Professorin an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien: Sie unterrichtet Malerei und gründet ein Trickfilmstudio. Die Ferienzeiten verbringt sie bevorzugt in ihrem Kärntner Landatelier in Feistritz im Metnitztal. Lassnig vertritt Österreich 1980 auf der Biennale von Venedig, zeigt ihre Werke auf der documenta, in Amsterdam, Paris, London und New York. 2013 Goldener Löwe der Biennale von Venedig für das Lebenswerk.

Peter Handke: geb. 1942 in Griffen/Grebinj, Österreich, Schriftsteller

Barbara Maier: geb. 1961 in Gemmersdorf, Österreich, Kuratorin

Lojze Wieser: geb. 1954 in Klagenfurt/Celovec, Österreich, Verleger

Wieser Verlag (wieser-verlag.com)

„Am Fenster klebt noch eine Feder“ Maria Lassnig.

Herausgegeben von Peter Handke, Barbara Maier und Lojze Wieser, Wieser Verlag 2023

Gebunden, 120 Seiten

EUR 24

ISBN: 978-3-99029-580-9

Wieser Verlag (wieser-verlag.com)

Walter Pobaschnig 5/23

https://literaturoutdoors.com