Buchmesse Leipzig: „Ich hoffe das Beste und setze lieber keinen Beistrich“ Anna Baar, Schriftstellerin_Preisträgerin des Großen Österreichischen Staatspreis 2022 _ Klagenfurt 29.4.2023

Anna Baar, Schriftstellerin_
Foto_
Rede_Verleihung des Großen Österreichischen Staatspreises 2022

Liebe Anna Baar, wie verhält sich ein Gastgeberland als Gast zum Gastgeber als Gast im Gastland?

Selbst wenn ich die Frage verstünde, gäbe es zum Glück keine richtige Antwort.

Wie lange bleibst Du? – wird Österreich in Leipzig dies zuerst gefragt?

Will Leipzig Österreich loswerden oder länger dabehalten?

Was macht einen österreichischen Gast aus?

Ist das ein Psychotest?

Ist „Meaoiswiamia“ eine Aussage bei einem Scheidungsrichter?

U.U. „Jetz schanzn´s mei´m Oltn a no mea ois wia mia zua, Eicha Ean.“

…oder eine Selbstkritik des Literaturbetriebes?

Eher nicht.

Was nimmt der Gast Österreich aus Deutschland mit? Offiziell und inoffiziell.

Ich hoffe das Beste und setze lieber keinen Beistrich.

Herzlichen Dank!

Zur Person_Anna Baar, geb. 1973 in Zagreb (ehem. Jugoslawien). Kindheit und Jugend in Wien, Klagenfurt und auf der dalmatinischen Insel Brac. Ihr Debütroman »Die Farbe des Granatapfels« und der Erzählungsband »Divân mit Schonbezug« standen je drei Monate, ihr Roman »Nil« zwei Monate auf der ORF-Bestenliste. 2020 wurde sie mit dem Humbert-Fink-Literaturpreis der Stadt Klagenfurt ausgezeichnet. 2022 erhält sie den Großen Österreichischen Staatspreis. Anna Baar lebt in Klagenfurt und Wien.

https://www.wallstein-verlag.de/autoren/anna-baar.html

Verleihung des Großen Österreichischen Staatspreises 2022 an Anna Baar, Schriftstellerin_ Anna Baar (rechts), Staatssekretärin für Kunst und Kultur Andrea Mayer

Aktuelles Buch_Anna Baar, Divân mit Schonbezug
Erzählungen,
Wallstein 2022
.

Anna Baar, Divân mit Schonbezug
Erzählungen,
Wallstein 2022

153 S., geb., Schutzumschlag, 12 x 20 cm
ISBN 978-3-8353-5194-3 (März 2022)

ISBN 978-3-8353-5194-3
€ 20,00 (D) | € 20,60 (A)

https://www.wallstein-verlag.de/autoren/anna-baar.html

Fotos_Walter Pobaschnig _Staatspreisverleihung _ Künstlerhaus Wien 23.1.2023

Interview_Walter Pobaschnig 29.4.2023

https://literaturoutdoors.com

„Guide me!“ Ivana Orsolic, Tänzerin, Choreographin _ Give Peace A Chance _ Wien 29.4.2023

GIVE PEACE A CHANCE

Ivana Orsolic, Tänzerin, Choreographin



Guide me!

Imagine all the places we could go.

Vanish? Yes, we could vanish.

Everyone would wonder.

Pull them in too,

Embark them on our journey!

And don´t forget to

Celebrate.

Ever so loudly!

Abandon the hate, while

Chasing the freedom.

Help the dreamers,

Awake the sleepers.

Navigate them to move, to

Change.

Ever so loudly!


Text&Performance _ Ivana Oršolić, 23.4.2023

Ivana Orsolic, Tänzerin, Choreographin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Ivana Orsolic, Tänzerin, Choreographin

Zur Person_ Ivana Orsolic, born in 1996 in Zagreb, Croatia, Ivana started her professional dance education at early age. After graduating Art Schools Silvija Hercigonja and Franjo Lučić, she spent one year at Academy of Dramatic Arts Zagreb.

In 2020 she graduated from Music and Arts University of the City of Vienna (MUK), receiving a Bachelor of Art in contemporary dance and ballet. During her studies she intensely worked with choreographers such as Esther Balfe, Eldad Ben Sasson, Alberto Franceschini, Chris Haring and Mani Obeya, as well as spending her internship in Scottish Dance Theater and Croatian National Theater Rijeka. As a freelance dancer Ivana works between Austria and Germany and has performed on stages such as MuTh, Theater an der Wien, Volksoper, Werk X, Theater Arche, Theatre Patraix and Staatstheater Augsburg. She is a dancer and artistic assistant for platform Choreoloop, based in Augsburg, Germany

Text&Choreographie&Styling _ Ivana Orsolic,

Fotos_Walter Pobaschnig 4_23

Walter Pobaschnig _ 23.4.2023

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„Die Verwandlung und die Ambiguität der Literatur werden sicherlich dringend gebraucht“ Paul Jennerjahn, Autor _ Köln 29.4.2023

Lieber Paul Jennerjahn, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Um 8 Uhr klingelt der Wecker. Ich stehe auf, frühstücke am liebsten mit der Zeitung, trinke Cappuccino. Danach geht es an den Schreibtisch, Romanschreiben. Am Nachmittag breche ich zur Spätschicht in einer Geflüchtetenunterkunft auf, in der ich arbeite, vielleicht auch erst kurz vor Mitternacht, wenn eine Nachtschicht ansteht.

Paul Jennerjahn, Autor

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Intuitiv gesagt, denn ich bin nicht kompetent in dieser Frage, weil ich Künstler bin: uns in ein emotionales Verhältnis setzen zu den Krisen, unter denen wir leben. Betroffenheit, nicht im Sinne eines sentimentalen Traurigseins, sondern als Erfahrung.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich bin skeptischer geworden, was die unmittelbare Politik der Kunst und der Literatur angeht. Der politische Aufbruch zu einer sozial-ökologischen Transformationsgesellschaft braucht zwingend die Zuspitzung, Eindeutigkeit, Entschiedenheit. Der Literatur nimmt aber Vereindeutigung tendenziell die Luft, die Figuren und die Sprache zum Atmen benötigen. Andererseits: Die Verwandlung und die Ambiguität der Literatur werden sicherlich dringend gebraucht.

Was liest Du derzeit?

Mehrere Bücher gleichzeitig, wie immer. Von Annett Gröschner Walpurgistag. Von Böll Fürsorgliche Belagerung, das stärkere Buch über die Nachwehen seiner Auseinandersetzung mit der Springer-Presse Anfang der 1970er als Katharina Blum. Dann lese ich gerade endlich Girl, Woman, Other von Bernardine Evaristo. Gedichte von Charles Simic, aus der zweisprachigen Anthologie Picknick in der Nacht.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

In ihrem überaus beeindruckenden Buch Death of a Discipline schreibt die Postcolonial-Denkerin Gayatri Chakravorty Spivak über das Mensch-Erde-Verhältnis in Zeiten, die Globalisierung genannt werden, unter anderem das hier: “The globe is on our computers. No one lives there. It allows us to think that we aim to control it.”

Vielen Dank für das Interview lieber Paul, und viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Paul Jennerjahn, Autor

Zur Person_Paul Jennerjahn, geboren 1993, studierte Germanistik und Sozialwissenschaften in Hamburg und arbeitete zunächst als Lehrer. Heute lebt er als Autor in Köln, schreibt regelmäßig Reportagen und Rezensionen für die Stadtrevue und studiert Literarisches Schreiben an der Kunsthochschule für Medien Köln. 2020 erhielt er den Friedrich Engels-Essay-Preis, 2021 den Bad Godesberger Literaturpreis und eine Nominierung zum 29. open mike, 2022 war er Stipendiat am Center for Literature in Münster. Seine Erzählungen, Gedichte und Essays erscheinen in Zeitschriften und Anthologien, u.a. BELLA triste, JENNY, mosaik und KARUSSELL. Gemeinsam mit Julie Sophia Schöttner kuratiert und moderiert Paul Jennerjahn die neue Lesereihe AUSWÄRTSLESUNGEN, die Anfang Mai in Köln Premiere feiern wird. Aktuell arbeitet er an einem Roman und einem Gedichtband.

6.4.2023_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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Buchmesse Leipzig: „Mitgenommen habe ich 3 dosen paulaner spezi“ Nicolas Mahler, Bildender Künstler_Wien 28.4.2023

Österreich_Gastland Leipziger Buchmesse 2023

Interview _ Nicolas Mahler, Bildender Künstler_Wien 28.4.2023

Nicolas Mahler, Bildender Künstler _ Wien

Lieber Nicolas Mahler, was macht den österreichischen Gast aus?

das beginnt ja schon einengend.

Ist Österreich für Deutschland nicht immer (nur) ein Gastland?

kann ich auch nicht beantworten, ich verreise normalerweise in kleingruppen von 1-3 personen, selten als land.

Ist „Meaoiswiamia“ Ausdruck des österreichischen Minderwertigkeitskomplexes?

weil es kleingeschrieben ist?

…oder auf den Literaturbetrieb selbst bezogen?

vielleicht soll es implizieren, dass nicht alle österreicher zur buchmesse reisen konnten?

Was hat Österreich was Deutschland nicht hat?

weniger einwohner natürlich. Die messe ist größer als die buchwien.

Wie hast Du die Messetage erlebt und was nimmst Du aus Deutschland mit?

Mitgenommen habe ich 3 dosen paulaner spezi für meinen sohn.

Herzlichen Dank!

Zur Person_Selbsbeschreibung _ Nicolas Mahler, geboren 1969 in Wien. Lebt immer noch dort. Autodidakt.

Diverse Ausstellungen (genaue Ausstellungsliste und minutiöser Lebenslauf erhältlich gegen Vorauskasse.)

Illustrationen u.a. für Die Zeit, Insel Verlag, Gallimard.
Witze u.a. für NZZ am Sonntag, Titanic.
Comics u.a. für FAZ, Le Monde, Fluide Glacial, La Repubblica.

Seine Bücher erscheinen in 12 Ländern.

https://www.mahlermuseum.com/titel/sprache/deutsch/

Aktuelles Buch_Nicolas Mahler, Akira Kurosawa und der meditierende Frosch

Nicolas Mahler, Akira Kurosawa und der meditierende Frosch

Reprodukt Verlag/Berlin

€16,00 inkl. MwSt., zzgl. Versand

Versandkostenfrei ab EUR 29,00

Akira Kurosawa und der meditierende Frosch

Foto_privat

Interview_Walter Pobaschnig 28.4.2023

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Buchmesse Leipzig: „Österreich war immer der Gockel, der alle befruchtet.“ Gabriele Kögl, Schriftstellerin_Wien 28.4.2023

Österreich_Gastland Leipziger Buchmesse 2023

Interview _ Gabriele Kögl, Schriftstellerin_Wien

Ist Österreich als Gastland die vorauseilende Revanche für den deutschen (Sommer) Gast?

Nicht nur für den Gast, auch für die vielen deutschen Hackler und Hacklerinnen. Wie wir wissen, stellen die Deutschen den größten Anteil an Gastarbeitern und Gastarbeiterinnen dar. Jetzt hackeln wir einmal ordentlich in Leipzig auf der Buchmesse und sind heuer dort wohl die meisten Gastarbeitenden.

Gabriele Kögl, Schriftstellerin_Wien

Was zeichnet den österreichischen Gast aus?

Das Klischee: Grantig sein, jammern, alles mit daheim vergleichen und draufkommen, dass es dort eh am Besten ist, wo man herkommt. Und im Ausland wäre es nur wirklich schön, wenn es die Ausländer nicht gäbe.

Manchmal muss man sich als Gast aber auch richtig bemühen, das Klischee zu erfüllen, um die Gastgeber oder das Gastland in der Erwartung nicht zu enttäuschen. Das wird in Leipzig nicht anders sein. Wir werden ihnen schon zeigen, wo der Bartl den Most holt mit unserem Österreichisch.

Wird Leipzig das Literatur-Cordoba für Österreich?

Ich habe es ja schon miterlebt, als Österreich in Frankfurt Gastland war. Damals gab es Leipzig in dieser Form noch gar nicht. Seither sind wir zweimal Weltmeister geworden (LNP)und haben zweimal in Frankfurt gesiegt (DBP). Insofern können wir diesem Medienspektakel gelassen entgegenschauen. Wir haben nichts zu verlieren.  

Ist „Meaoiswiamia“ als majestetischer Plural gemeint, um Deutschland geschickt narzisstisch zu überlisten, oder als Selbstkritik am Literaturbetrieb?

Ich hoffe, irgendjemand in Deutschland versteht es. Wenn wir schon in unserer Geheimsprache dort auftreten, hätte ich gesagt: Meaoiswiamiasanmia. Vielleicht besteht die Überlistung darin, die unüberwindliche Tiefe zwischen der deutschen und der österreichischen Sprache zu manifestieren. Also doch ganz narzisstisch: Miasanmia (und nur die Eingeweihten kriegen es mit, also nur mia söba).

Henne oder Ei? Wer zuerst? Wer war literarisch zuerst da? Österreich oder Deutschland – Wer ist literarische Henne oder literarisches Ei?

Ich glaube, Österreich war immer der Gockel, der alle befruchtet.

Herzlichen Dank!

Zur Person_Gabriele Kögl wurde in Graz geboren und wuchs in der Weststeiermark auf. Sie absolvierte ein Lehramtsstudium in Graz sowie ein Studium an der Filmakademie Wien. Sie verfasste Drehbücher für Kurz- und Dokumentarfilme, seit 1990 schreibt sie literarische Texte: Romane, Theaterstücke und Hörspiele. Gabriele Kögl erhielt zahlreiche Preise, zuletzt wurde sie 2019 für ihr Hörspiel »Höllenkinder« mit dem Prix Europa für das beste europäische Hörspiel des Jahres ausgezeichnet. Im Picus Verlag erschien 2020 ihr Roman »Gipskind«. members.aon.at/gkoegl

http://www.gabrielekoegl.at/

https://www.picus.at/autoren/gabriele-koegl/

Aktueller Roman_

Gabriele Kögl, Gipskind, Picus Verlag

Einband gebunden, 336 Seiten

Format 13,5 x 21,0

ISBN 978-3-7117-2098-6

Ersch.Datum August 2020

€26,00kaufen

E-Book €19,99E-Book kaufen

Gipskind

Foto_privat

28.4.2023_Interview_Walter Pobaschnig.

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Buchmesse Leipzig:“Ist der heimische Literaturbetrieb fähig zur Selbstkritik?“ Wolfgang Salomon, Schriftsteller_Wien 28.4.2023

Österreich_Gastland Leipziger Buchmesse 2023

Interview _ Wolfgang Salomon, Schriftsteller_Wien

Wolfgang SalomonAutor

Lieber Wolfgang Salomon, wie verhält sich ein Gastgeberland als Gast zum Gastgeber als Gast im Gastland?

Fair? Vielleicht ist das ja eine kleine Chance, österreichischen Verlagen zukünftig auch in Deutschland genügend Spielraum zu geben.

Wie lange bleibst Du? – wird Österreich in Leipzig dies zuerst gefragt?

Bei musikalischen Veranstaltungen habe ich Leipzig nicht als Gastgeberstadt, sondern als herzliche Stadt mit noch herzlicheren Menschen kennengelernt. Ich wurde nur gefragt, ob die Anreise lang und beschwerlich war.

Was macht einen österreichischen Gast aus?

Demütig in den spröden Charme dieser faszinierenden Stadt einzutauchen.

Ist „Meaoiswiamia“ eine Aussage bei einem Scheidungsrichter?

Ich kann sowenig mit dieser hölzernen Aussage anfangen, wie ein Scheidungsrichter es könnte.

…oder eine Selbstkritik des Literaturbetriebes?

Ist der heimische Literaturbetrieb fähig zur Selbstkritik?

Was nimmt der Gast Österreich aus Deutschland mit? Offiziell und inoffiziell.

Kulturelle Ohnmacht ist offiziell und inoffiziell grenzüberschreitend.

Herzlichen Dank!

Zur Person_Jahrgang 1967, typischer Wiener, Reisender, Beobachter und Stimmungsvermittler. Schreibt und fotografiert seit zehn Jahren literarische Reisebücher über Wien, Triest und Venedig und versucht sich zur Zeit gerade an seiner ersten venezianischen Krimi-Trilogie.

Foto_Götz Schrage

Kommende Neuerscheinung _

Wolfgang Salomon, Genießen in Venedig.

Styria Verlag 2023 (Erscheinungsdatum 8. Mai 2023)

Musilhaus Klagenfurt

Weitere Bücher von Wolfgang Salomon_

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28.4.2023_Interview_Walter Pobaschnig.

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Buchmesse Leipzig: „Auch ein Großevent kann immer nur einen Ausschnitt zeigen.“ Kirstin Breitenfellner, Schriftstellerin_Wien 28.4.2023

Österreich_Gastland Leipziger Buchmesse 2023

Interview _ Kirstin Breitenfellner, Schriftstellerin_Wien

Kirstin Breitenfellner, Schriftstellerin

Liebe Kirstin Breitenfellner, wie verhält sich ein Gastgeberland als Gast zum Gastgeber als Gast im Gastland?

Da ich in Wien geboren bin, aber in Deutschland in die Schule gegangen bin, da ich Doppelstaatsbürgerin bin und Verwandte in beiden Ländern habe, dem Gastgeber Deutschland und dem Gastland Österreich, da ich sozusagen zweisprachig aufgewachsen bin, kenne ich die verzweifelten Versuche, zwischen diesen beiden Ländern Abgrenzungen zu finden, in dem, was sie eigentlich eint, zur Genüge. Und hoffe, damit auf eine komplizierte Frage noch komplizierter geantwortet zu haben!

Wie lange bleibst Du? – wird Österreich in Leipzig dies zuerst gefragt?

Ich bleibe bis Sonntag und hoffe, darüber keine Rechenschaft abgegeben zu müssen. Außer einer Lesung werde ich versuchen, inkognito heimzuschleichen und eine Antwort auf Frage 1 zu finden 😉

Warum wird Leipzig Österreich nicht so schnell vergessen?

Weil es hoffentlich die österreichische Jahrhundertmalerin Maria Lassnig entdeckt, die hier mit einer Ausstellung mit Zeichnungen, einer Auswahl von Texten aus ihren Notizbüchern („Am Fenster klebt noch eine Feder“, Wieser Verlag) und meinem Roman „Maria malt“ (Picus Verlag) vertreten ist.

‚Über die Präzision der Gefühle / On the Precision of Feelings‘. Ausstellung Maria Lassnig

Ist „Meaoiswiamia“ eine Aussage bei einem Scheidungsrichter?

Es ist eine Aussage, die versucht, über den eigenen Tellerrand zu schauen. Allerdings in einem höchsteigenen und nicht allgemein verständlichem Idiom. Hoffentlich versteht sie der Gastgeber auch! Der könnte damit eine Holschuld einlösen (gibt es so was???) …

Was nimmt der Gast Österreich aus Deutschland mit? Offiziell und inoffiziell.

Offiziell wird der Gast hoffentlich einen Erfolg nach Hause fahren, inoffiziell wird er vermutlich die notwendige professionelle Evaluation durchführen. Aber: Bei so etwas kann man es nie allen Recht machen und wohl kaum vermeiden, durch Platzierungen und Auslassungen andere Literaturschaffende gekränkt zu haben. Auch ein Großevent kann immer nur einen Ausschnitt zeigen.

Herzlichen Dank!

Zur Person_Kirstin Breitenfellner wurde am 26.9.1966 in Wien geboren.

Aufgewachsen in Kufstein/Tirol und seit 1972 in Bensheim an der Bergstraße, Deutschland.

Studium der Germanistik, Philosophie und Russisch an den Universitäten Heidelberg und Wien.

Lebt und arbeitet seit 1989 in Wien als Autorin von Romanen, Gedichten, Kinderbüchern und Sachbüchern sowie als Literaturkritikerin, Redakteurin
und Yogalehrerin.

https://www.kirstinbreitenfellner.at/

Aktueller Roman_

Kirstin Breitenfellner, Maria malt. Roman. Picus Verlag. 2022

Einband gebunden

Umfang 464 Seiten

Format 13,5 x 21,0

ISBN 978-3-7117-2130-3

Ersch.Datum August 2022

€28,00kaufen

E-Book €20,99E-Book kaufen

Besprechung _ Literatur outdoors

„Ein mitreißender Roman über eine ganz außergewöhnliche Künstlerin der Moderne“

„Maria malt“ Kirstin Breitenfellner. Picus Verlag

Foto_Mats Bergen.

Walter Pobaschnig _ 28.4.2022.

https://literaturoutdoors.com

Buchmessse Leipzig: „das Programm geht eher weniger Risiko ein“ Christian Klinger, Schriftsteller _ Wien 28.4.2023

Österreich_Gastland Leipziger Buchmesse 2023

Interview _ Christian Klinger, Schriftsteller_Wien

Christian Klinger, Schriftsteller

Was macht den österreichischen Gast aus?

Zynisch betrachtet, könnte man meinen, der österreichische Gast meint, überall den Ton angeben zu müssen. In der Literatur ist das ein ambitioniertes Ziel, das man durchaus verfolgen sollte, nur so entwickelt sich Literatur fort.

Ist Österreich für Deutschland nicht immer (nur) ein Gastland?

Sprachlich (Austriazismen, die manche Verlage so gar nicht mögen) kann es auch oft Ausland sein. Dies ist jedoch mit einem Augenzwinkern zu verstehen. Leider ist es für österr. Autor:innen nicht immer einfach, in Deutschland Fuß zu fassen, für die meisten bleibt es ein „Gastland“.

Wird Leipzig das Literatur-Cordoba für Österreich?

Allein über die Frage muss ich schon lachen. Man darf ja nicht vergessen, dass dieses nationale Narrativ, das nicht nur meine Generation geprägt hat, ziemlich genau der Bösartigkeit entspricht, die man dem Wiener im Allgemeinen nachsagt: Auch, wenn es mir nicht nutzt, Hauptsache, es schadet einem Anderen. Österreich war ja aus dem Bewerb draußen, konnte sich aber damit rühmen, auch die Deutschen rausgeboxt zu haben. Ich denke, ein Literatur-Cordoba kann und soll es nicht geben, da die Literatur-Szene eher danach trachtet, Synergien zu finden und man sich gegenseitig fördern will.

Ist „Meaoiswiamia“ Ausdruck des österreichischen Minderwertigkeitskomplexes?

Oder der österr. Selbstüberschätzung. Allerdings, das muss man sagen, das Programm geht eher weniger Risiko ein. Man setzt primär auf eingeführte Personen. Ein Eklat oder Provokation wird so vermieden.

…oder auf den Literaturbetrieb selbst bezogen?

Ich muss ganz ehrlich gestehen, ich habe weder den Begriff noch das Konzept dahinter richtig verstanden, mich aber auch nicht eingehend damit befasst. Vielleicht versteckt sich das Konzept hinter dieser Begrifflichkeit, mit der die Menschen jenseits der bayrischen Grenzen nichts anfangen werden. Man kann aber auch sagen: Ja, es gibt eben sehr viel mehr, als das, was sich hier präsentiert, die Protagonist:innen sind nur die Speerspitze eines breiten Literaturbetriebs, der sehr viel mehr umfasst.

Was hat Österreich was Deutschland nicht hat?

Einen Dialekt, der sich leider für die Verschriftlichung nur bedingt eignet. Ein „Haste“ versteht man wahrscheinlich auch im Südburgenland oder in Favoriten, während für ein „Ham S‘“ hinter der Grenze bald Schluss ist. Daher ist eben auch das Motto unseres Beitrags für Leipzig durchaus ambitioniert, Verständnis für einen unverständlichen Dialekt zu schaffen.

Herzlichen Dank!

Zur Person_Christian Klinger, geboren 1966 in Wien, Studium der Rechtswissenschaften.

Seit 2017 Zweitwohnsitz in Triest.

Er veröffentlichte zahlreiche Krimis und Beiträge in Anthologien, erhielt den Luitpolt-Stern-Förderungspreis und war auf der Auswahlliste des Agatha-Christie-Krimipreises (2011). Im Picus Verlag erschien 2020 sein Roman »Die Liebenden von der Piazza Oberdan«. 

Christian Klinger

Aktueller Roman_

Christian Klinger, Ein Giro in Triest, Picus Verlag. 2022

Buch: Hardcover, 296 Seiten

ISBN:  978-3-7117-2116-7

Foto_Paul Feuersänger/Picus Verlag

Ein Giro in Triest

28.4.2023_Interview_Walter Pobaschnig.

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Buchmessse Leipzig: „eine Aufforderung zu mehr Mit- und Ineinander“ Sophia Lunra Schnack, Schriftstellerin_Wien 28.4.2023

Österreich_Gastland Leipziger Buchmesse 2023

Interview _ Sophia Lunra Schnack, Schriftstellerin_Wien

Sophia Lunra Schnack, Schriftstellerin

Ist Österreich als Gastland die vorauseilende Revanche für den deutschen (Sommer) Gast?

Wir nehmen unsere Invasion zumindest sehr ernst: Ich war ab Wien gefühlt nur mit BesucherInnen der Leipziger Buchmesse im Zug. Und das um 06:56, später war kein einziger Platz mehr frei.

Was zeichnet den österreichischen Gast aus?

Eine traumatische Belastungsstörung, wenn die Anreise mit der Deutschen Bahn erfolgt ist. Und die latente Angst, was auf der Rückreise auf einen zukommt.

Wird Leipzig das Literatur-Cordoba für Österreich?

Nach Schweiß riecht es schon einmal.

Ist „Meaoiswiamia“ als majestetischer Plural gemeint, um Deutschland geschickt narzisstisch zu überlisten, oder als Selbstkritik am Literaturbetrieb?

Selbstkritik weiß ich nicht. Aber ich höre darin schon eine Aufforderung, die sich an beide Seiten richtet, zu mehr Mit- und Ineinander.  

Henne oder Ei? Wer zuerst? Wer war literarisch zuerst da? Österreich oder Deutschland – Wer ist literarische Henne oder literarisches Ei?

Es gab und gibt in beiden Ländern Hennen und Eier.

Herzlichen Dank!

Sophia Lunra Schnack, Schriftstellerin

Zur Person_Sophia Lunra Schnack (*1990) lebt und schreibt überwiegend in Wien. Sie verfasst Lyrik und (lyrische) Prosa, die bisher u.a. in den Manuskripten, in der Poesiegalerie, in Das Gedicht oder in den Signaturen publiziert wurden. 

Ihre Texte rücken Materialität, Musikalität und Sensualität der Sprache ins Zentrum. 

Die Autorin schreibt sowohl auf Deutsch als auch auf Französisch. Immer wieder sucht sie eine klanglich-atmosphärische Annäherung zwischen den beiden Sprachen.

2022 erhält sie den rotahorn-Förderpreis.

Im August 2023 erscheint im Otto Müller Verlag ihr Debütroman „feuchtes holz“.

Ab März 2023 leitet sie einen Lyrikblog für „Das Gedicht“ (Hg. Anton Leitner).

Derzeit arbeitet Schnack an ihren zweisprachigen  Gedichtbänden „getrocknete mohnblumen – coquelicots séchés“ sowie „wimpern piniengrün – cils verts de pins“.  

Jeden zweiten Freitag veröffentlicht sie außerdem ein Gedicht in ihrem Blog „Lyrik am Freitag“ auf Facebook und Instagram.

https://www.sophialunraschnack.com/

Foto_Walter Pobaschnig 3/23

Walter Pobaschnig _ 28.4.2023

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Buchmessse Leipzig: „Das hier ist eine Milchmesse und wir sind die Kühe.“ Gertraud Klemm, Schriftstellerin _ Wien 28.4.2023

Österreich_Gastland Leipziger Buchmesse 2023

Interview _ Gertraud Klemm, Schriftstellerin_Wien

Gertraud Klemm, Schriftstellerin_Wien

Liebe Gertraud Klemm, ist Österreich als Gastland die vorauseilende Revanche für den deutschen (Sommer) Gast?

Es geht doch nur darum, dass das Geld in Zirkulation bleibt. Mit Rache hat das nichts zu tun.

Was charakterisiert den österreichischen Gast?

Ich denke, unser kleines Minderwertigkeitsgefühl, das immer auch etwas großkotzig daherkommt. In der Literatur und überall sonst auch. Sonst wollen wir das deutsche Geld, egal aus welcher Tasche.

Wird Leipzig das Literatur-Cordoba für Österreich?

Ein trauriger Befund. Ich finde Literatur aus Österreich viel zu gut, um das depperte Fußball zu bemühen. Die Wahrheit ist eine kapitalistische. Ich bin gerade beim Frühstück im Hotel gesessen, daneben haben irgendwelche Verlagsmenschen über ein Skript gelästert. Das hier ist eine Milchmesse und wir sind die Kühe. Kühe sollten auf Weiden und in Ställen sein.

Ist „Meaoiswiamia“ als majestetischer Plural gemeint mit dem WIR geschickt Deutschland narzisstisch überlisten?

Ich mag nichts zu dem Wort sagen.

Wer kann besser lesen – Deutschland oder Österreich?

Besser heißt mehr. Deutschland natürlich! Wie viele deutsche Autoren und Autorinnen kennst Du, die auf den österreichischen Markt schielen, und wie ist es umgekehrt?

Herzlichen Dank!

Zur Person_Gertraud Klemm, 1971 in Wien geboren, studierte Biologie und arbeitete als hygienische Gutachterin bei der Stadt Wien. Seit 2006 ist sie freie Autorin. Ihr Roman „Aberland“ stand 2015 auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Für ihre Texte erhielt sie zahlreiche Preise, u.a.: Publikumspreis beim Bachmannpreis 2014, Outstanding Artist Award für Literatur 2020, Ernst Toller Preis 2021, Anton Wildgans Preis 2022. Zuletzt erschien ihr Roman „Hippocampus“ bei Kremayr & Scheriau.

https://www.kremayr-scheriau.at/autoren/gertraud-klemm/

Aktueller Roman _ Gertraud Klemm, Einzeller

Gertraud Klemm, Einzeller

Hardcover mit Schutzumschlag

312 Seiten, Format 12,0 x 20,0

1 Auflage, Kremayr & Scheriau 2023

24,00 € inkl. MwSt.

ISBN: 978-3-218-01382-6

https://www.kremayr-scheriau.at/bucher-e-books/titel/einzeller/

Gertraud Klemm, Hippocampus.


Gertraud Klemm, Hippocampus.

Kremayr & Scheriau

384 Seiten, Format 12,0 x 20,0

3 Auflage, Kremayr & Scheriau 2021

22,90 € inkl. MwSt.

ISBN: 978-3-218-01177-8

Hippocampus

Foto_Dirk Skiba

Walter Pobaschnig 28.4.2023

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