Bachmannpreis _ Rückblickinterview: „der Bachmannpreis hat sehr viel Energie und setzt auch viele Energien frei“ Martin Amanshauser, Schriftsteller _ Bachmannpreisteilnehmer 2000 _ Wien 28.4.2023

Bachmannpreis _ Rückblickinterview

Martin Amanshauser, Schriftsteller_

Martin Amanshauser, Schriftsteller_ Bachmannpreisteilnehmer 2000 _

Lieber Martin Amanshauser, Du hast 2000 am Bachmannpreis in Klagenfurt teilgenommen. Wie kam es zu Deiner Teilnahme und wie gestaltete sich Deine Vorbereitung?

Ich wurde von Robert Schuindel gefragt, ob ich teilnehmen wolle, und schließlich wurde ich eingeladen. Ursprünglich hatte ich vor, einen Text aus meinem im darauffolgenden Herbst bei Deuticke erscheinendem Roman „NIL“ vorzulesen, den Schindel ziemlich gut gefunden hatte. Ich fand aber schließlich, dass die Stelle zu unabgeschlossen sei und wollte plötzlich mit einer „amerikanischen“ Kurzgeschichte an den Start gehen, die ich eigens für den Preis schrieb, mit Begeisterung. Ich meinte zu Schindel, ich fühlte mich wohler mit etwas, das aus einem Guss sei. Schindel war nicht begeistert, ganz im Gegenteil, aber er meinte, dass ich das schon selbst entscheiden müsste. Er warnte mich aber auch, denn er war überzeugt davon, dass ich mit dem Romanausschnitt bessere Chancen haben würde. Ich war jung und eigensinnig und dachte, ok, da setz ich mich durch.

Welche Erwartungen hattest Du?

Zuerst nur wenige, aber je näher der die Veranstaltung kam, desto ehrgeiziger wurde ich. Ich dachte, das Ding muss doch zu gewinnen sein mit dieser coolen Geschichte.

Gab es im Vorfeld der Veranstaltung Kontakte zu den Mitlesenden und der Jury und wie war der Kontakt (Kontaktmöglichkeiten) vor Ort?

Nein, ich kannte ein paar der Mitlesenden, hatte aber keinen spezifischen Kontakt und außer Schindel kannte ich niemanden in der Jury persönlich. Vor Ort war alles sehr familiär und ich lernte einige der Mitlesenden kennen.

Die Jury war nicht wirklich greifbar, die mischten sich nicht so unter die Menschen, was ich auch verstehen kann, jeder will ja von denen etwas. Ich sah nur Schindel, und manchmal diesen einen Rädelsführer der Jury, ein Deutscher, dessen Namen ich vergessen habe. Ich fand seine Präsenz abscheulich. Der war ja noch arroganter als ich!

Welchen Text hast Du in Klagenfurt vorgestellt?

Die Kurzgeschichte „El Examen“, in 1. Person von einer lateinamerikanischen Studentin erzählt, die auf der Uni in Genf eine wichtige Prüfung ablegt und dabei schwindelt, ohne erwischt zu werden. Für mich war es eine klassische Short Story, ich konnte mir nicht vorstellen, dass jemand viel daran kritisieren würde. Ich legte vor allem Wert auf stilistische Genauigkeit. Mir war damals nicht klar, dass es darum bei diesem Wettbewerb gar nicht ging.

Wann hast Du gelesen und wie hast Du Dich unmittelbar auf Deine Lesung vorbereitet?

Ich habe, glaub ich, am ersten der drei Tage gelesen, um 11 Uhr. Die Vorbereitung daheim hatte darin bestanden, dass ich den Text vor Videokameras ein paar Mal las. Direkt vor der Lesung bereitete ich mich so vor, dass ich die Lesung eines meiner direkten Mitlesenden, Georg Klein, im Fernsehen ansah, ein Text, den ich absolut nicht gut fand und von dem ich dachte, den mit seinen elendsvielen unoriginellen Adjektivkaskaden werden die sicher voll verreißen und zerreißen – ich kann nicht verhehlen, dass ich kein Mitleid verspürte mit ihm – und dann mit einem ausgiebigen Frühstück im Moser Verdino. Ich hatte gefürchtet, nervös zu sein, aber ich war dann überhaupt nicht nervös, sondern gut angeregt, als ich auf die Bühne ging.

Wie hast Du Deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?

Unterschiedlichst. Die Lesung war wunderbar. Ich hatte noch nie auf der Bühne ein dermaßen gutes Gefühl bei einer Lesung. Die Stimmung war zauberhaft. Das Publikum lauschte atemlos, es saßen total viele Schüler/innen aus Klagenfurt im Publikum, ich merkte so richtig, wie alle mit dem Text mitgingen. Selten in meinem Leben war ich so zufrieden mit einer Performance.

Die Jurydiskussion überraschte mich hingegen sehr.

Ich musste eine harsche Kritik einstecken, auf die ich nicht gefasst war. Ich fand auch, dass einige von denen nicht gerade intelligente Dinge über meinen Text sagten (ich glaube, vielen Autoren/innen geht es so). Ich war angesichts der negativen Perzeption sehr vor den Kopf gestoßen. Der Unterschied zwischen der zauberhaften Stimmung vorher und der Abkanzelung nachher war sehr hart zu nehmen. Vor allem hatte ich aber das Gefühl, dass sie schnell durch wollten und sich keine Mühe gaben, wirklich über den Text zu sprechen, was auch de facto so war, denn „meine“ Diskussion war wegen irgendeiner TV-internen Sache (Werbung? Vorschauen für andere Sendungen?) um zehn Minuten kürzer als jene bei den meisten Mitlesenden. Also ich hatte kein Glück, und Pech kam auch noch dazu. Ich war echt deprimiert, als mir klar wurde, diesen Preis werde ich jetzt doch nicht gewinnen, nicht den großen und auch keinen anderen.

Im Lauf der nächsten Tage kam sogar eine Jurorin, die schwächste, die sich öffentlich gar nicht zu Wort gemeldet hatte, bei mir vorbei und sagte, dass ihr mein Text eigentlich total gut gefallen hätte, dass sie aber gar nicht dazugekommen wäre, das in der Diskussion zu sagen. Ich fand das eh nett, es half mir aber nichts. Ich verbrachte einen ganz akzeptablen Tag, machte gute Miene zum bösen Spiel, gab mich optimistisch, aber am Abend im Hotelzimmer musste ich sehr stark weinen.

Wie gestalteten sich für Dich die weiteren Lesungstage und die Preisverleihung?

Eine bekannte deutsche Agentin wollte mich unter Vertrag nehmen und meinte, meine Geschichte wäre ein guter Ausgangspunkt für einen Roman, aber ich fuhr ihr über den Mund und fragte sie, ob sie nicht wisse, was eine Short Story sei. So war ich damals. Das Interesse der Dame erlahmte schlagartig. Nachher tat mir das ein bisschen leid, weil mir jemand erzählte, dass diese Frau keine Augen, sondern stattdessen Dollarzeichen hatte, da wurde mir klar, ich habe mich vielleicht um Geld gebracht, und das gefiel mir dann nicht so. Überhaupt hätte ich in meinem Leben in vielen Situationen einfach einmal den Mund halten sollen, dann müsste ich heute nicht hier über Bachmannreminiszenzen schreiben, sondern würde von der New York Times zu den wichtigsten literarischen Themen der Vereinigten Staaten, Europas, und zur Weltlage interviewt. Aber selbst das jetzt hätte ich nicht sagen sollen, ich fürchte, ich bin einfach noch immer so.

Anyway, ich war noch immer vage optimistisch, es in die Runde der letzten 10 zu schaffen. Ich war sicher, das geht sich schon irgendwie aus mit dieser letztlich soliden Geschichte, egal was die da gelabert hatten in der Jurydiskussion. Da irrte ich mich aber. Ich trank den Rest der Zeit recht viel Alkohol, sah mir Lesungen an, und ich hatte gar keine schlechte Zeit. Am Tag der Preisverleihung kam heraus, ich war nicht in den Top 10. Ich fühlte mich gedemütigt, vor allem dann auch, weil gerade Georg Klein, dessen Text ich so schlecht gefunden hatte, den Preis gewann.

Im folgenden Jahr gab es zum ersten Mal den Publikumspreis, was mich ziemlich ärgerte, denn der wurde aufgrund von Internetbewertungen vergeben und ich hatte in jener Netzfrühzeit eine ganz gute Internetgemeinde, von der ich glaube, dass sie mir zu diesem Preis verholfen hätte, sind immerhin ein paar Tausend Schilling glaube ich, hätte ich gut gebraucht und wäre ein Schmerzensgeld gewesen.

Welche Erinnerung hast an den Lesungsort Klagenfurt und welche Aktivitäten hast Du in der Stadt unternommen?

Ich unternehme grundsätzlich nirgends „Aktivitäten“, weil ich ja auch als Reisejournalist tätig bin und am liebsten in einer Stadt einfach so dahinlebe und das Touristische, was allzu oft zu meinem Job gehört, möglichst beiseitemlasse. Ich erinnere mich aber, dass ich den Bürgermeisterempfang schwänzte und stattdessen, oder zumindest an diesem Tag, auf die eine Kirche dort im Zentrum hinaufgegangen bin – hab vergessen, wie sie heißt, guter Ausblick – in den See bin ich zwei Mal schwimmen gegangen. Ich war und bin immer extrem gerne in Klagenfurt, nach Wien ist es meine österreichische Lieblingsstadt. Für mich ist Klagenfurt extrem angenehm, auch wenn ich diesen Preis nicht gewonnen habe. Später sprach ich einmal mit einer Verlagsfrau, die glaubte, ich hätte ihn gewonnen, ich korrigierte sie nicht, ich lächelte einfach.

Mit welchen Erfahrungen, Emotionen bist Du als Schriftsteller und persönlich von Klagenfurt abgereist und welche Erinnerung und Resümee hast Du in Abstand an den Bachmannpreis?

Die Emotionen waren durchaus schlecht, aber ich glaube, ich erholte mich rasch wieder davon. Das Resümee war, dass ich taktischer hätte vorgehen sollen. Im Abstand hab ich trotzdem gute Erinnerungen. Ich war gerne dort. Ich finde den Bachmannpreis auch noch eine tolle Veranstaltung, sie hat sehr viel Energie und setzt auch viele Energien frei, sie passt gut zur Stadt, und sie ist ein idealer Gegenpunkt zu den politischen Irrwegen, die aus Kärnten alle ein bis zwei Jahrzehnte kommen. Ich glaube, dass der Bachmannpreis manche da sehr ärgert, weil sie für die paar Tage die Stadt völlig an ein internationales Publikum verlieren, und weil sie eigentlich nichts dagegen sagen können. Aber so genau weiß ich das nicht.

Wie hat die Teilnahme am Bachmannpreis Deine weitere Laufbahn als Schriftsteller beeinflusst?

Gar nicht, glaube ich. Hätte ich einen Preis gewonnen, hätte das die Laufbahn sicher mehr beeinflusst. Aber andererseits war es auch eine Erfahrung, die die meisten Autor/innen jener Zeit unbedingt machen wollten. Positiv daran war sicher, dass ich sie hinter mich gebracht habe. Positiv war, dass ich nicht mehr beim Bachmannpreis lesen musste, weil ich ja jetzt schon dort gelesen hatte.

Gibt es noch Kontakt zu Mitlesenden, Jury, Journalisten*innen oder Bezugspersonen in Klagenfurt?

Ja, sicher. Ich bin niemand, der Kontakte abbricht, ich kenn noch einige Leute aus dem damaligen Umfeld. Aus der Jury kenn ich niemand, die waren wie von einem anderen Planeten. Eine Ausnahme, ich freu mich immer, wenn ich den Robert Schindel sehe.

Würdest Du noch einmal am Bachmannpreis teilnehmen?

Die Veranstaltung soll für junge Leute sein, die sich auf dieser Bühne ausprobieren wollen. Ich würde mir das nicht mehr antun, außer vielleicht, wenn man mir im Vorfeld durch breit angelegte Jurybestechung einen Sieg garantieren würde.

Was wünscht Du Dir für den Bachmannpreis?

Vier Mal hintereinander haben Facebook-Freunde/innen von mir den Bachmannpreis gewonnen. Das war Weltrekord. Das macht mir so schnell keiner nach, oder? Seit ein paar Jahren war das dann plötzlich ärgerlicherweise nicht mehr der Fall. Ich wünsche mir also wieder eine/n Facebook-Freund/in als Sieger/in, oder am besten eine neue Serie dieser Art.

Dem Preis selbst wünsche ich, dass er noch lange besteht. Er gehört gleichermaßen zu der Klagenfurter Öffentlichkeit und Gegenöffentlichkeit, er zeigt sehr schön, wie wunderbar und grauenhaft unsere Branche ist, er ist ein gutes Sprungbrett für den einen oder die andere.

Ich hätte mir aber bei den Spielregeln immer, schon damals, besonders zwei Änderungen gewünscht:

1) Dass nicht die Juroren/innen, die dann darüber diskutieren, die Teilnehmenden auswählen, denn sie sind ja dann in der Diskussion immer biased und das ist peinlich, auch medial gesehen ist das nicht ideal.

2) Dass die Diskutanten der Jury die Texte vorher einfach nicht kennen, null, überhaupt nicht. Dann würde es die Jury ebenfalls so schwer haben wie diejenigen, um die es eigentlich geht, jene, die Literatur machen. Das wäre aber mit Juroren/innen aus unseren drei Ländern nicht möglich, man müsste Leute finden, die komplett außerhalb des Literaturbetriebs von D, CH, AT leben und keine oder kaum Kontakte haben. Das wäre gerechter.

Was möchtest Du den aktuellen Teilnehmer*innen mitgeben?

Bitte nicht so jung und arrogant sein wie ich. Aber das ist eh keine große Gefahr. Heutzutage sind alle jungen Leute schon durch eine gesellschaftliche Schule gegangen, die ihnen nahelegt, wie wichtig es ist, bescheiden zu sein, die meisten verhalten sich auch danach. Es sind alle, die sich öffentlich äußern, egal zu welchem Thema, so sittsam und bescheiden geworden, und sie klingen zu allem Überfluss authentisch dabei. Sieges- oder Großmachtphantasien haben die wenigsten, und wenn, dann nur allein daheim, oder wenn sie dann am Stammtisch sitzen. Dort brechen dann die Bestien wieder durch, auch bei den Wohlerzogenen.

Welche aktuellen Projekte gibt es derzeit für Dich?

Eine Menge. Ich schreib so die Dinge, die ich schreiben möchte. Das ist nicht immer einfach, weil ich ein sehr unstetes Leben führe, aber ich verspreche, dass man eines Tages wieder einen Roman von mir lesen wird. Ich muss ihn nur vorher hinkriegen. Solche Interviews sind da nicht besonders hilfreich, ehrlich gesagt. Andererseits machen sie aber auch wieder Spaß.

Ich möcht unbedingt bald wieder nach Klagenfurt. Vorletztes Jahr war ich auf der Durchfahrt nach Slowenien mit meinen Kindern kurz am Wörthersee. Wir haben kurz entschlossen verboten geparkt und sind einfach ins Wasser gesprungen.

Vielen Dank für das Interview, lieber Martin Amanshauser, und alles Gute!

Bachmannpreis _ Rückblick _Interview:

Martin Amanshauser, Schriftsteller_ Bachmannpreisteilnehmer 2000 _Wien

Zur Person _ Martin Amanshauser (1968, Salzburg)

Studium von Geschichte bzw. Portugiesisch/Spanisch/Afrikanistik in Wien. Diplomarbeit Al-Garb und Galicien, Die ´Reconquista´ in Portugal (711-1147), Wien 1994. Dissertation: Taifas und Condados, Die mittelalterliche Stadt im Westen der Iberischen Halbinsel, Wien 2001.

http://www.amanshauser.at/

Aktuell_ Martin Amanshauser, Es ist unangenehm im Sonnensystem. Verlag Kremayr & Scheriau

„In Martin Amanshausers Universum ist jeder Tag eine neue Chance. Eine Chance, um zu lachen, zu weinen, zu lieben, zu staunen und manchmal auch grandios zu scheitern. Ob Liebesfreud, Liebesleid, politische Ärgernisse, eigenartige Reisen, nervtötend gleichförmiger Alltag oder Selbstreflexion – alles findet seinen Platz in Amanshausers ureigenem Sonnensystem, in dem manchmal nach klassischen Vorlagen gereimt wird, oftmals alles im Chaos versinkt und immer irgendetwas zwickt und zwackt.

Ich hätte meinen Schmerz am liebsten idiotisch.

Ich würde mit ihm um die Wette schrein.

Den Nachbarn würd ich sagen, ich lern Gotisch.

Und meine Katzen (sag ich) quietschen oft allein.

Amanshauser schickt seine literarischen Miniaturen, in denen er Großes verhandelt, aus allen Ecken der Welt, bleibt in Herz und Feder aber immer österreichisch – also skeptisch – und auf dem Boden, den Artmann, Jandl &Co. einst bereitet haben. Durchzogen von feinem Witz, einer guten Portion Selbstironie, realistischer Melancholie, immer scharf beobachtend, schreibt er sich durch die Welt und lässt die Lesenden teilhaben am Allgemeingültigen aus seinem Gefühlskosmos. Was dabei entsteht, sind Texte, die auf jedem Planeten verständlich sind. Aber keine Sorge: Martin Amanshausers Lyrik bleibt stets erfrischend erdverbunden. Wenn sie uns nicht gerade einen Schlag auf den Kopf versetzt.

Hardcover mit Schutzumschlag

176 Seiten, Format 13,5 x 21,5

1.Auflage, Kremayr & Scheriau 2019

19,90 € inkl. MwSt.

ISBN: 978-3-218-01163-1

https://www.kremayr-scheriau.at/bucher-e-books/titel/es-ist-unangenehm-im-sonnensystem/

Weitere Bücher:

Im Magen einer kranken Hyäne, Wiener Stadtkrimi, 1997.

Erdnussbutter, Roman, 1998.

in der todesstunde von alfons alfred schmidt, Gedichte, 1999.

Der Sprung ins Dritte Jahrtausend, 2 Stories zur Jahrtausendwende, gemeinsam mit Gerhard Amanshauser, 1999/2000.

NIL, Roman, 2001.

100.000 verkaufte Exemplare, Gedichte, 2002.

Chicken Christl, Roman, 2004.

Alles klappt nie, Roman, 2005.

LOGBUCH WELT, 52 Reisegeschichten, 2007.

Viel Genuss für wenig Geld, Sachbuch, 2009.

Das Rogner Bad Blumau, Reiseführer, 2013.

Falsch Reisen, Alle machen es, 100 Geschichten, Reisebuch, 2014.

Der Fisch in der Streichholzschachtel, Roman, 2015.

Pedro und der Drachen, Kinderbuch 2016.

Typisch Welt, 111 Geschichten zum weiter Reisen, 2016.


Übersetzungen

aus dem Portugiesischen:

Hotel Lusitano (Roman) von Rui Zink, 1998.

Apokalüpse Nau (Roman) von Rui Zink, 1999.

Afghanistan! (Roman) von Rui Zink, 2001.

aus dem Englischen:

What is told (Roman) von Askold Melnyczuk, 2006.

Das Witwenhaus (Roman, gemeinsam mit Andrea Marenzeller) von Askold Melnyczuk, 2008.

Musik:

Amanshauser & Wenzl, Auf der falsche Seite von Ikebukuro, CD, 2006.

Foto_privat.

Walter Pobaschnig 4_23

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„Starre Verlags- und Kunsthäuser werden überrollt werden“ Wolfgang Salomon, Autor _ Wien 28.4.2023

Lieber Wolfgang Salomon, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich habe 365 verschiedene Tagesabläufe anzubieten. Die meisten davon sind unspektakulär. Heute z.B. versuche ich mich nach einer halbjährigen Postproduktion zu freuen, dass mein in Kürze erscheinendes Buch gerade in Druck geht. Ich bin gerade in meinem Gefühlskeller auf der Suche nach der Freude. Mit Händen und Füßen klammere ich mich an die Ränder des unvermeidlichen Danach-Lochs, um nicht darin zu versinken. Wenn das geschafft ist, mit den Druckfahnen eines befreundeten Autors frühstückend in meinem Stamm-Cafe abtauchen, meine Tochter am Nachmittag von der Schule abholen, ihr bei den Hausaufgaben unterstützend zur Hand gehen, am Abend ein feines Menü für meine Familie zubereiten und den Kopf am Herd freikriegen.  

Wolfgang Salomon, Autor

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die eigene rote Linie inmitten des allgegenwärtig manipulativen Medien-Overkills nicht zu verlieren. Mensch bleiben und Akzeptanz leben.  

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Für mich ist jeder neue Tag gesellschaftlicher und persönlicher Aufbruch und gleichzeitig Neubeginn. Vor dem evozierten „Aufbruch und Neubeginn“-Damoklesschwert muss sich einzig die verkommerzialisierte Kunst und Literatur in Acht nehmen. Starre Verlags- und Kunsthäuser werden – ähnlich wie vor ein paar Dekaden die gottähnlichen Plattenfirmen im Zeichen der Digitalisierung – überrollt werden. Ein Gros der Kunst und Literatur wird zukünftig auf Bildschirmen und Displays abrufbar sein. Die Rollenverteilung wird flexibel bleiben und vielleicht ist das auch für Literatur und Kunst gut so.     

Was liest Du derzeit?

Ich lese meist zwei bis drei Bücher gleichzeitig. Für unterwegs habe ich immer leichte Bücher (nicht zu verwechseln mit leichter Literatur) in meiner Tasche und für zu Hause die größeren, schweren Formate. Aktuell lese ich eine Max Ernst-Monographie von Lothar Fischer aus dem Jahr 1964. Zu Hause versinke ich gerade in Andrea Giovenes erstem Band „Die Autobiographie des Giuliano di Sansevero“ und studiere nebenbei Gerhard Roths „Bild-Sprache; Österreichische Malerei nach 1945“  

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Die schlimmsten Gefängnisse sind diejenigen, welche wir in unseren Köpfen errichten. Dort haben wir allerdings auch die größte Macht, diese Mauern wieder einzureißen.

Vielen Dank für das Interview lieber Wolfgang, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literatur-, Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Wolfgang Salomon, Autor

Zur Person_Jahrgang 1967, typischer Wiener, Reisender, Beobachter und Stimmungsvermittler. Schreibt und fotografiert seit zehn Jahren literarische Reisebücher über Wien, Triest und Venedig und versucht sich zur Zeit gerade an seiner ersten venezianischen Krimi-Trilogie.

Foto_Götz Schrage

27.3.2023_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

„Güte“ Susanne Weins, StimmPerformerin _Give Peace A Chance _ Düsseldorf 28.4.2023

GIVE PEACE A CHANCE


Güte

Ist

Vielen

Einerlei


Pflege

Ebenso.

Ach,

Curiös

Erstarre ich im


Anblick 


Chaotischer

Herzen verlorener Menschenwürde,

Angesichts

Nicht genutzter

Chancen.

E……………ine Menschheit: Sorgt für die Lebenswürde allen Lebens


Susanne Weins, 27.4.2023

Susanne Weins, StimmPerformerin, Performancekünstlerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Susanne Weins, StimmPerformerin, Performancekünstlerin

http://www.susanneweins.com/Susanne_Weins/HOME.html

Foto _ privat

Walter Pobaschnig _ 27.4.2023

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Buchmesse Leipzig: „“meaoiswiamia“ führt sich betreffend nicht inkludierter österreichischer Autor:innen vor Ort eigentlich ad absurdum“ Roland Freisitzer, Schriftsteller, Komponist _ Wien 28.4.2023

Österreich_Gastland Leipziger Buchmesse 2023

Interview _ Roland Freisitzer, Schriftsteller, Komponist, Dirigent

Roland Freisitzer, Schriftsteller, Komponist, Dirigent

Fährt ein Österreicher gerne nach Deutschland?

Ich kann da nur für mich sprechen: als Österreicher bin ich jedenfalls immer sehr gerne in Deutschland. Ich fühle mich hier immer recht wohl.

Ist Gastland grundsätzlich die Bezeichnung für Österreich in Deutschland?

Gute Frage. Vielleicht schon?

Ist Österreich als literarisches trojanisches Pferd in Leipzig?

Da österreichische Autor:innen bei deutschen Verlagen wahrscheinlich häufiger (eine Vermutung, die ich nicht beweisen kann) zu finden sind, als deutsche Autor:innen bei österreichischen Verlagen, könnte man das vielleicht so sehen.

Da wir aber von der gegenseitigen Bereicherung leben, besteht, denke ich, keine wirkliche Gefahr.

„Meaoiswiamia“ – ist dies eine (notwendige) Selbstkritik und Zukunftsansage des Literaturbetriebes?

Na ja, der Begriff „meaoiswiamia“ ist einerseits sicherlich eine notwendige Selbstkritik. In Richtung mehr Offenheit und Inklusion. Andererseits führt er sich aber, wenn man anschaut, wie viele österreichische Autor:innen und Verlage da trotz Teilnahme mit Stand in Leipzig nicht im Programm „meaoiswiamia“ inkludiert wurden, eigentlich ad absurdum.

Du bist Schriftsteller und Komponist. Hat Österreich die besseren Musiker:innen oder Schriftsteller:innen?

Ich würde sagen, es steht da ziemlich unentschieden.

Bach oder Bernhard?

Natürlich beide (vor allem, wenn mit Bach Johann Sebastian gemeint ist).

Herzlichen Dank!

Roland Freisitzer, Schriftsteller, Komponist, Dirigent

Zur Person_Roland Freisitzer, 1973 in Wien geboren, wuchs Roland Freisitzer in Moskau, Warschau, Kapstadt und St. Pölten auf, bevor er sich 1989 erneut nach Moskau begab, um Komposition zu studieren. Der Komponist und Dirigent ist Dozent im Bereich der zeitgenössischen Musik an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien sowie stellvertretender Schulleiter an der Friedrich Gulda School of Music in Wien.
2021 erschien sein Debütroman Frey bei Septime Verlag. 2023 erscheint sein zweiter Roman Die Befreiung und mit Emily Maguires Ein Einzelfall auch seine erste Romanübersetzung bei Septime

https://www.rolandfreisitzer.com/

Buchneuerscheinung_

Roland Freisitzer, Frey, Roman

Gebunden, 264 Seiten

ISBN: 978-3-99120-005-5

Preis:
22,90 € (D)
23,60 € (A)

Auch als E-Book
ET: 9. August 2021

http://www.septime-verlag.at/Buecher/buch_Frey.html

Foto_Bojidara Kouzmanova-Vladar

Interview_Walter Pobaschnig _ 27.4.2023

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Buchmesse Leipzig: „Wir / die wir Sprache überlisten  / wollen  / Dieses Mehr“ Isabella Feimer, Schriftstellerin _ Wien 27.4.2023

Österreich_Gastland Leipziger Buchmesse 2023

Interview _ Isabella Feimer, Schriftstellerin, Regisseurin

Isabella Feimer, Schriftstellerin, Regisseurin

Liebe Isabella Feimer, ist Österreich als Gastland die vorauseilende Revanche für den deutschen (Sommer) Gast?

Sommer Gast garstig 

Die Handtücher schon ausgeworfen 

Fischer nein Sprachnetze 

rächen sich stets an den Sandkörnern 

die nicht abzuwerfen sind 

Eines nimmt man immer 

Meistens mehr mit

und 

Abzuwarten bleibt: 

Der nächste Sommer 

Was liest ein österreichischer Gast in Deutschland?

Zwischen den Zeilen 

Hinter sich her 

Über sich hinaus 

Haltlos 

Mit Anstand 

Liebevoll 

Widerständig  / 

Bücher 

Wird Leipzig das Literatur-Cordoba für Österreich?

Zu dieser Frage fällt mir 

Fernweh 

ein 

und Nahweh 

gäbe es dieses Wort

Ist „Meaoiswiamia“ als majestetischer Plural gemeint mit dem Österreich narzisstisch geschickt Deutschland überlistet?

Mehr wie wir 

Ist das andere 

Das sich in Sprache sucht in ihr auch findet manchmal gut verlieren kann 

Mehr ist wir 

Ist anders 

Als es war und sein könnte 

Ist immer mehr und mehrer 

Wir 

die wir Sprache überlisten 

wollen 

Dieses Mehr

…oder als Selbstkritik des Literaturbetriebes?

Wer kann besser lesen – Deutschland oder Österreich?

Sind hier Lesende gemeint?

Herzlichen Dank!

Zur Person_Isabella Feimer, 1976 geboren, studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und arbeitet seit 1999 als freie Regisseurin und Schriftstellerin in Wien. Sie schreibt Romane, Kurzprosa, Lyrik und Essays. Sie erhielt zahlreiche Stipendien und Preise. Zu ihren Inspirationsquellen zählen ihre Reisen, die sie gepaart mit Wanderlust und Wissensdrang auf alle fünf Kontinente führten, und die intensive Beschäftigung mit Bildender Kunst, Fotografie und Film.

https://www.kremayr-scheriau.at/autoren/isabella-feimer/ 27.4.2023

https://isabellafeimer.wixsite.com/news/literatur

Aktuelle Buchneuerscheinung _ Isabella Feimer:

Langeweile, Isabella Feimer. Essays.

1.Auflage, Kremayr & Scheriau, Februar 2022

112 Seiten, Format 12,5 x 19,0

ISBN: 978-3-218-01317-8

Buch: 18,00 €

E-Book: 9,99 €

Langeweile

Foto_privat

Interview_Walter Pobaschnig _ 27.4.2023

https://literaturoutdoors.com/

Buchmessse Leipzig: „Der österreichische Gast nimmt ein Sackerl auf die Messe mit. Keine Tüte.“ Isabella Straub, Schriftstellerin_ Klagenfurt 27.4.2023

Österreich_Gastland Leipziger Buchmesse 2023

Interview _ Isabella Straub, Schriftstellerin_ Klagenfurt  

Isabella Straub, Schriftstellerin_ Klagenfurt  

Liebe Isabella Straub, was macht den österreichischen Gast aus?
Er nimmt ein Sackerl auf die Messe mit. Keine Tüte.

Wird Leipzig das Literatur-Cordoba für Österreich?
Solang es nicht das Literatur-Corona wird, ist alles gut.

Wer sind unsere elf Besten am Literaturfeld?
[Die Antwort wurde mit magischer Tinte geschrieben. Die Schrift erscheint, sobald man das Blatt in die Sonne legt.]

Ist „Meaoiswiamia“ als majestetischer Plural gemeint mit dem Wir geschickt Deutschland narzisstisch überlisten?
Ich lese das eher als Krankenschwesterplural und füge noch ein
-d hinzu. Meaoiswiamiad. Passt für jede Messe.

Wer kann besser lesen – Deutschland oder Österreich?  
Wie? Sorry, kann das nicht entziffern …

Herzlichen Dank!

Zur Person_Isabella Straub, geboren in Wien, lebt in Klagenfurt am Wörthersee. Studium der Germanistik und Philosophie, danach Werbetexterin. Der Roman „Südbalkon“ (2013) war auf der Shortlist des Bremer Literaturförderpreises, des Franz-Tumler-Preises und gewann den Debütpreis der Erfurter Herbstlese. Zuletzt erschien von ihr„Das Fest des Windrads“.

Aktueller Roman von Isaballa Straub:


Isabella Straub, Wer hier schlief. Roman; Blumenbar bei Aufbau;

Berlin, März 2017, 262 Seiten _ 14,99 €

Weitere Bücher:

Romane

https://www.aufbau-verlage.de/autor-in/isabella-straub

Literatur outdoors: 5 Fragen Interview _ Give Peace A Chance

„Sicher ist bisher nur eines: Es wird nicht so werden wie vorher.“ Isabella Straub, Schriftstellerin _ 5 Fragen_24.3.2020.

„Ikarus will hoch hinaus, Stichwort Sonne“ Isabella Straub, Schriftstellerin_Give Peace A Chance_ Klagenfurt 19.3.2022

Foto_Arnold Pöschl

Interview_Walter Pobaschnig _ 27.4.2023

https://literaturoutdoors.com

Leipziger Buchmesse: „dass es keine genuin österreichische Literaturattitüde oder Erzählhaltung gibt“ Tex Rubinowitz, Schriftsteller, Bildender Künstler _ Wien 27.4.2023

Österreich_Gastland Leipziger Buchmesse 2023

Interview _ Tex Rubinowitz_Schriftsteller, Bildender Künstler _ Bachmannpreisträger 2014 _ Wien

Lieber Tex Rubinowitz, ist Österreich als Gastland die vorauseilende Revanche für den deutschen (Sommer) Gast?

Ich glaube, die Österreicher sind realistisch genug, zu erkennen, dass der deutsche Sommergast als Synonym für unsensible Präsenz, Lautstärke und Arroganz inzwischen eine Chimäre geworden ist, zumal im pseudoauthentischen Tiroler Ambiente ungarische Servicekräfte Gästen aus Sachsen Kaßspatzln erklären und servieren müssen, während die autochthonen Tiroler dem Rascheln des Geldes in der Kasse lauschen

Was zeichnet den österreichischen Gast aus?

Er fällt nicht weiter auf, und sobald er den Mund aufmacht, findet man ihn in Deutschland niedlich, das ist einerseits Vorteil, man kann so nicht verlieren, und andererseits nimmt man ihn nicht ernst, auch wieder ein Vorteil, beweisen zu können, was man kann und mitgebracht hat

Wird Leipzig das Literatur-Cordoba für Österreich?

Cordoba als immerwiederkehrendes Beispiel eines Zufalls ist mittlerweile so weich wie Knäckebrot im Regen geworden, in Deutschland kennt man das gar nicht, die kleinere DDR hat auch mal die westdeutsche Fußballnationalmannschaft besiegt, im ostdeutschen Leipzig wird man sich eher daran erinnern, wenn überhaupt, und Literatursiege, die gibt es nicht, die Zahl der Literaturpreise gegeneinander aufzurechnen, führt zu nichts, denn das würde implizieren, dass Juries unter nationalen Gesichtspunkten entscheiden würden und sich damit diskreditieren und unglaubwürdig machen

Ist „Meaoiswiamia“ als majestetischer Plural gemeint, um Deutschland geschickt narzisstisch zu überlisten, oder als Selbstkritik am Literaturbetrieb?

Ich verstehe den Slogan eher als onomatopoetisches Verwirrspiel a la Ernst Jandl, ja, kann eine List sein, etwas, was nicht so schnell erfassbar ist, eher wahrzunehmen als durchzuwinken, also ein Trick, der noch dazu den Vorteil hat, dass Deutsche ihn putzig finden, weil sie den Satz nicht verstehen, man kann ihnen also alles unterjubeln, es muss nur gut klingen

Henne oder Ei? Wer zuerst? Wer war literarisch zuerst da? Österreich oder Deutschland – Wer ist literarische Henne oder literarisches Ei?

Ich glaube, dass es keine genuin österreichische Literaturattitüde oder Erzählhaltung gibt, außer, dass man sich in Österreich vielleicht mutiger und schneller Dinge traut, zu schreiben, zu machen, zu zeigen, auch Scheitern zu riskieren und zuzulassen, um daraus wieder neue Energien zu generieren, aber das sind vermutlich Klischees, aber dass der eine oder die andere vor der einen oder dem anderen war, bezweifle ich, nationale Attitüden haben ja immer etwas Folkloristisches, das soll in den Herkunftsländern bleiben, das macht ja ihren Reiz aus, und nur dadurch funktionieren sie woanders, traurig genug, dass in Österreich jeder und jede inzwischen zur Verabschiedung „Tschüß“ sagt, was vor 30 Jahren noch undenkbar war, während in Kiel niemand etwas „leiwand“ findet

Herzlichen Dank!

Zur Person_ Tex Rubinowitz, geboren 1961 in Hannover, lebt seit 1984 als Witzezeichner, Maler, Musiker und Schriftsteller in Wien. 2014 erhielt er den Bachmann-Preis.

Aktueller Roman_

„Lass mich nicht allein mit ihr“ Tex Rubinowitz;

Rowohlt Verlag; Erscheinungstermin: 17.02.2017

288 Seiten                          

ISBN: 978-3-498-09355-6

Weitere Bücher von Tex Rubinowitz:

https://www.rowohlt.de/autor/tex-rubinowitz-1855

Fotos_Walter Pobaschnig

Interview_Walter Pobaschnig _ 27.4.2023

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Leipziger Buchmesse: „die Vielfalt ist sehr groß und das Programm breit gefächert.“ Katharina J.Ferner, Poetin und Performerin _Salzburg 27.4.2023

Österreich_Gastland Leipziger Buchmesse 2023

Interview _ Katharina J.Ferner, Poetin und Performerin _ Salzburg

Katharina J.Ferner, Poetin und Performerin

Liebe Katharina J.Ferner, was zeichnet den österreichischen Gast aus?

Ich denke, die Vielfalt ist schon sehr groß und das Programm breit gefächert. Das ist nicht unbedingt eine österreichische Spezialität, aber der Bezug zur Vielsprachigkeit speziell durch die Einbindung der Dialekte ist ja schon im Leitthema präsent. Ich würde also behaupten, es gibt keine Angst vor Unverständnis, sondern eher Hinweis sich auch mit der Varietät in den nicht-genormten Literatursprachen zu beschäftigen.

Wird Leipzig das Literatur-Cordoba für Österreich?

Bitte nicht Cordoba.

Ist „Meaoiswiamia“ als majestätischer Plural gemeint mit dem Österreich literarisch geschickt narzisstisch überlistet?

Vielleicht als ästhetischer Plural?

…oder ist es eine Selbstkritik am Literaturbetrieb?

Selbstkritik kann ich am Programm nicht ablesen. Es ist eine kritische Antwort am angestaubten „mia san mia“, wie Katja Gasser, das ja u.a. darlegte. Aber wohl auch humorvoll auszulegen.

Wer kann besser lesen – Deutschland oder Österreich?

Das ist eine Frage für die Statistiken.

Herzlichen Dank!

Katharina J.Ferner, Poetin und Performerin _ Salzburg

Aktuelle Bücher_

Krötentage, Gedichte, Limbus, 2022, ISBN 978-3-99039-219-5 EUR 15,–

https://www.limbusverlag.at/index.php/kroetentage

Der Anbeginn, Roman, 2020, Limbus, ISBN 978-3-99039-184-6 EUR 22,-

Zur Person_Katharina J. Ferner lebt als Poetin und Performerin in Salzburg. Redaktionsmitglied der Literaturzeitschriften Mosaik. Mitarbeit bei Morgenschtean, sowie &Radieschen. 2016-2019 Mitbetreuung der Lesereihe ADIDO (Anno Dialekt Donnerstag) in Wien.  2019 Lyrikstipendium am Schriftstellerhaus Stuttgart. Seit 2020 arbeitet sie gemeinsam mit anderen Autor*innen mit der Lungauer Kulturvereinigung über das Format „Junge Literatur im Lungau“ zusammen. Sie tourte im Team von HÖRHIN –Eine Initiative zur Förderung von Lese- und Sprachkompetenz an Volksschulen durch Österreich. Mit dem Fotografen Mark Daniel Prohaska entstand das Projekt „Homeage“, in dem KJF literarische Straßennamen Salzburgs mit Texten zeitgenössischer Autor*innen beliest. Seit Jänner 2021 erscheint unter dem Titel „Ferner dichtet“ wöchentlich Poesie in der Salzburger Krone. Teilnahme am Bachmann-Wettlesen 2021. Gemeinsam mit Kalinka Kalaschnikow veranstaltet sie die Lesereihe „…das nackte Wort“.

https://www.kj-ferner.at/

Fotos_Walter Pobaschnig 6_21 Projekt „Undine geht“

Walter Pobaschnig _ 27.4.2023

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Leipziger Buchmesse: „dass man nicht von einem Ländermatch sprechen kann“ Cornelia Travnicek, Schriftstellerin_ Wien 27.4.2023

Österreich_Gastland Leipziger Buchmesse 2023

Interview _ Cornelia Travnicek, Schriftstellerin_ Wien

Cornelia Travnicek, Schriftstellerin_ Wien

Liebe Cornelia Travnicek, ist Österreich als Gastland die vorauseilende Revanche für den deutschen (Sommer) Gast?

Deutschland hatte noch eine Rechnung in einer AprèsSki-Bar offen.

Was liest ein österreichischer Gast in Deutschland?

Die Verspätungsanzeige der Deutschen Bahn.

Wird Leipzig das Literatur-Cordoba für Österreich?

Es spielen so viele österreichische Autor:innen in deutschen Verlagen, ich denke nicht, dass man da noch von einem Ländermatch sprechen kann.

Ist „Meaoiswiamia“ als majestetischer Plural narzisstisch gemeint, um den Minderwertigkeitskomplex zu überwinden, oder als Selbstkritik am Literaturbetrieb?

Wir sind mehr als die behauptete Summe unserer (kleinen) Teile. Und wenn schon nichts anderes, ist das Motto zumindest ein fixer Conversation Starter.

Was kann Österreich aus Deutschland und Deutschland aus Österreich gestohlen bleiben?

Die Kaiserhymne?  

Wer macht die schöneren Bücher  – Deutschland oder Österreich?

Immer der, der fragt.

Herzlichen Dank!

Cornelia Travnicek, Schriftstellerin_ Wien

Aktueller Roman _

Cornelia Travnicek, Feenstaub.

Roman, Picus Verlag 2020

ISBN: 978-3-7117-2090-0
280 Seiten, gebunden

Shortlist zum Österreichischen Buchpreis 2020!

Feenstaub

Zur Person_Cornelia Travnicek, geboren 1987, lebt in Niederösterreich. Studierte an der Universität Wien Sinologie und Informatik und arbeitet Teilzeit als Researcher und Projektmanagerin in einem Zentrum für Virtual Reality und Visualisierung. Übersetzt Kurzprosa und Lyrik aus dem Chinesischen. Für ihre literarischen Arbeiten wurde sie vielfach ausgezeichnet, u. a. erhielt sie 2012 den Publikumspreis bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt für einen Auszug aus ihrem Roman „Junge Hunde“. Ihr dritter Roman „Feenstaub“ war auf der Shortlist des Österreichischen Buchpreises 2020. Neben einigen eigenständigen Publikationen veröffentlichte sie auch diverse Texte in Zeitungen, Zeitschriften und Magazinen (wie Die Zeit, Der Standard, Volltext, LICHTUNGEN, Manuskripte).

Der Roman „Chucks“ wurde 2015 als österreichische Produktion verfilmt (DOR Film, Ertl-Hiebler).

Texte von Cornelia Travnicek wurden in diese Sprachen übersetzt:

Englisch, Italienisch, Spanisch, Estnisch, Arabisch, Japanisch, Ukrainisch, Russisch, Chinesisch (ua.)

Literaturvereinigungen:

Literaturkreis Podium

Österreichischer Schriftstellerverband

Österreichischer P.E.N.-Club

Cornelia Travnicek wird von der Literarischen Agentur Simon (Berlin) vertreten.

Lesungsanfragen richten Sie derzeit bitte an den Picus Verlag: presse(at)picus.

https://www.corneliatravnicek.com/

Fotos_Walter Pobaschnig

Interview_Walter Pobaschnig _ 27.4.2023

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Leipziger Buchmesse: „in leipzig / mit luther und dr eck“ Axel Karner, Gedicht_Wien/Zlan 28.4.2023

Österreich_Gastland Leipziger Buchmesse 2023

Axel Karner, Schriftsteller_Wien/Zlan _ Humbert Fink Preisträger 2022

Axel Karner, Schriftsteller_Wien/Zlan _ Humbert Fink Preisträger 2022

AXEL KARNER
Probstheida

1
lüg was gern hätt

brings
ums eck

mutter
war jüdin

in leipzig
der vater
daheim im reich

ein luder und dreck

homs gsogt
drahs ham
dei mame
da vota

heim ins reich

in leipzig
mit luther und dr eck


2
postille sagt
buchnarb
geordnet griff willkommen

fräulein meyer
hieß zu gebot
tobt überall

ich les mein wort

gar schwall
redheafiawos

Axel Karner

Zur Person_Axel Karner: Geboren 1955 in Zlan. Arbeitete als Lehrer für evangelische Religion, darstellendes Spiel und soziales Lernen in Wien. In der Bibliothek der Provinz erschienen: „Kreuz“. Gedichte. Mit Scherenschnitten von Joseph Kühn (2003); „Schottntreiba“. Gedichte. Mit Illustrationen von Ingeborg Kofler (2004); „Vom ersten Durchblick des Gewebes am zehnten November und danach“. Kriminalgeschichten (2007). Im Wieser Verlag: Die Stacheln des Rosenkranzes. Lissabonner Gedichte  (2007); Chanson Grillée. Gedichte. Illustriert von Anne Seifert (2010); Der rosarote Balkon (2012); Der weiße Zorn (2015); Die Zunge getrocknet / Jezik posušen. Fünf Gedichte in vier Sprachen und eine Nulllinie. Mit Zeichnungen von Wilhelm Dabringer. Slowenisch von Ivana Kampuš (2019).

in adern dünn brach licht

Neuerscheinung: Axel Karner, „In adern dünn brach licht“ Gedichte. Wieser Verlag, Klagenfurt/Celovec 2020

Foto_Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig _ 27.4.2023

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