Friede entsteht, wenn die beiden Komponenten Licht und Leben, bzw. Geist/Verstand und die allgemeinen Alltagsbedürfnisse einen Weg finden, zusammenzukommen. Leider ist diese Polarität von Licht und Leben auf der ganzen Welt mehr als gestört. Nicht nur in der Ukraine, auch bei uns. Licht ist auf der anderen Seite nicht nur Harmonie, sondern kann auch das Böse bedeuten, irgendeinen geistigen Anspruch, welchen auch immer.
Kristian Kühn, 22.5.2022
Kristian Kühn, Schriftsteller
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Kristian Kühn, Schriftsteller
Zur Person:Kristian Kühn, Drehbücher, Prosa, Lyrik. Essays. Seit 2010 Mitorganisator des Lyrikpreises München. Seit 2013 Herausgeber des Online-Magazins Signaturen. https://signaturen-magazin.de/ Wohnt in München.
Liebe Mieze Medusa, wie verhält sich ein Gastgeberland als Gast zum Gastgeber als Gast im Gastland?
Höflich.
Wie lange bleibst Du? – wird Österreich in Leipzig dies zuerst gefragt?
Nein. Österreich wird in Leipzig nicht als Österreich erkannt. Ein Beispiel: Markus Köhle und ich sind zu Fuß am abreisenden Bundespräsidenten und dem von Leipzig gestellten Polizeikordon vorbeigekommen und redeten mit einem der Polizisten: „Staatsbesuch.“ „Ah, unser Präsident.“ „Nein, der österreichische Präsident.“ „Sag ich ja, unser Präsident.“ Fazit: Wenn es ein Machtgefälle gibt, funktioniert das Mitgemeintsein einfach nicht. Nicht beim nur männlichen Gendern und auch bei Literatur auf deutsch sind wir nur mitgemeint, wenn es eine deutschsprachige Literatur ist und wir sehr laut sagen: Es gibt uns auch.
Warum wird Leipzig Österreich nicht vergessen?
Weil wir interessant sind und Menschen neugierig. Außerdem hat Österreich das Poetry Slam Länderbattle gewonnen und jetzt sind 8 Bäume in unserem Namen in Sachsen gepflanzt worden. Was für ein schöner Preis.
Wer ist uns? Markus Köhle, Elias Hirschl, Precious Nnebedum und ich. Juhui.
Ist „Meaoiswiamia“ eine Aussage bei einem Scheidungsrichter?
Ich habe zum Glück keinerlei Erfahrung mit Scheidungsrichter*innen.
Was nimmt der Gast Österreich aus Deutschland mit? Offiziell und inoffiziell.
Ich hab die Buchmesse genützt um mich bei den Ständen der kleinen Verlage aus Deutschland und der Schweiz umzusehen. Aber klar, bei uns Ösis hab ich auch vorbeigeschaut.
Herzlichen Dank!
Zur Person_ Mieze Medusa, geboren 1975, heißt im bürgerlichen Leben Doris Mitterbacher und lebt in Wien. Sie steht als Rapperin und Spoken Word Performerin seit 2002 auf internationalen Bühnen und hat ihren MC-Namen in die Prosa mitgenommen. Ihr Debütroman „Freischnorcheln“ erschien 2008, seitdem hat sie Prosatexte, aber auch Sammlungen von Poetry Slam Texten und Tonträger des HipHop-Duos „mieze medusa & tenderboy“ publiziert sowie Theaterarbeiten und musikalisch-experimentelle Projekte realisiert. Zuletzt erschienen: „Du bist dran“ (2021), „Was über Frauen geredet wird“ (2022).
Liebe Marlies, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich wache aus Träumen auf, die ich in Stücken erinnere und mit geschlossenen Augen rückwärts versuche wieder aufzufädeln. Ein Kinderfuß im Gesicht unterbricht mich. Ich stopfe kleine hungrige Mäuler und bringe sie weg. Dann kommt ein Zeitfenster für mich, in dem ich an mehreren Projekten zugleich arbeite: Text, Bild, Film. Für einen Moment erkenne ich einen roten Faden, der meine gesamte Arbeit durchzieht. Ich kann ihn greifen, ziehe ihn fester zusammen, es entsteht ein gutes Gefühl von Sinn. Dann entgleitet er mir wieder und ich fahre die Kinder abholen.
Marlies Pahlenberg, Künstlerin (Film, Poesie, Malerei)
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Verbindungen eingehen. Den Mut haben sich zu zeigen. Laut lachen. Laut weinen. Das Menschliche, das Imperfekte, das Widersprüchliche ertragen üben. Das Unvorhergesehene tun. Großzügig sein. Sich in die Augen schauen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Ich finde die Kunst lehrt uns das scheinbar Widersprüchliche zu ertragen, sie lehrt uns Toleranz. Mit der Kunst können wir das Unbekannte und Unvorhergesehene, auch das Utopische, erproben und bislang vielleicht noch ungefühlte Gefühle fühlen. Wir können die Frage „Was wäre, wenn…“ in alle möglichen Richtungen zu Ende denken. Wir können das, was wir noch nicht verstehen, die Lücke, ertragen üben und „Ja“ sagen zum Unbekannten, offen sein und Komplexes wirken lassen, ohne es vorher rational verstehen zu müssen. Durch Kunst können wir die Erfahrung machen, dass Mehreres, vielleicht auch Widersprüchliches, zugleich möglich ist und dass das Gefühl der Hilflosigkeit beim Nicht-Verstehen ok ist. Und während wir so die Enge des rationalen Verständnisses erfahren, können wir unseren Gedankenraum dehnen und beobachten wie etwas Neues aufsteigt, eine andere Art Dinge und Zusammenhänge zu verstehen, ein tieferes Verständnis.
Was liest Du derzeit?
Unter Stunden Album 1, von Robert Stripling
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
dazwischen
(wo es noch nicht benannt ist
und alles erstmal
unter den Namen von nebenan
gestopft wird grob und ungefähr
unters gleiche Wort)
da sind Geflüchtete
beige Blutkörperchen
die Wachschutz wegspülen
und an Grenzen Schorf bilden
anschwellen und hinüberheilen
ins Ähnliche
da wo das eine endet
hat das andere längst begonnen
(Aus „Gedanken über Grenzen“, Marlies Pahlenberg)
Vielen Dank für das Interview liebe Marlies, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Marlies Pahlenberg, Künstlerin (Film, Poesie, Malerei)
Kurzbio:
– 1988 geboren in Berlin, lebt und arbeitet in Berlin
– seit 2022 Meisterschülerstudium der Freien Kunst / Bildhauerei an der Kunsthochschule Berlin-Weissensee
– 2014-2022 Studium der Freien Kunst / Bildhauerei an der Kunsthochschule Berlin-Weissensee, Abschluss Diplom
– 2019-2020 DAAD Auslandsjahr am Instituto Superior de Arte (ISA), Havanna, CU
– 2009-2013 Studium der Spanischen Sprache und Literatur an der Universidad Complutense de Madrid, ES, Abschluss Bachelor
Zoe Gudović ist Künstlerin, Feministin, Aktivistin, Kulturmanagerin, Produzentin und Organisatorin
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Zoe Gudović ist Künstlerin, Feministin, Aktivistin, Kulturmanagerin, Produzentin und Organisatorin
Zur Person _ zoe gudović ist eine lesbische Künstlerin, Feministin, Aktivistin, Kulturmanagerin, Produzentin und Organisatorin. Sie wurde in Belgrad, Jugoslawien geboren und lebt seit Oktober 2021 in Wien. Sie ist Redakteurin und Moderatorin der Radiosendung Ženergija. Seit dem 2022 können wir ihre Sendung einmal pro Woche live auf ORANGE 94.0 hören.
Interview _ Barbara Kadletz, Schriftstellerin_Wien
Barbara Kadletz, Schriftstellerin_Wien
Liebe Barbara Kadletz, ist Österreich als Gastland die vorauseilende Revanche für den deutschen (Sommer) Gast?
Ja, ich fürchte wir haben jetzt in Leipzig schon alle Liegen mit unseren Büchern reserviert, aber die deutschen Sommergäste können ja immer noch ihre Handtücher drüberlegen, das ist Brutalität.
Was charakterisiert einen österreichischen Gast?
Hm, vielleicht auf die Spritzwein-Bestellung zu bestehen, auch wenn man deswegen für einen kulinarischen Barbaren gehalten wird?
Wird Leipzig das Literatur-Cordoba für Österreich?
Tja, das müsste man wohl den Edi Finger der Literaturbranche fragen, nur wer könnte das sein? Nachdem das Leipziger Stadion aber ohnehin schon nach einem österreichischen Energiegetränk benannt ist liegt der Verdacht einer Literaturbetriebsübernahme cordobaischen Ausmaßes wohl ziemlich nahe…
Aber im Ernst, wenn der Gastlandauftritt dazu führen würde, dass beispielsweise die großartige Arbeit diverser österreichischer Verleger*innen auch abseits des Mainstream in Zukunft breiter wahrgenommen wird, dann wäre das ein echt schöner Erfolg dieser Messe.
Ist „Meaoiswiamia“ als majestetischer Plural gemeint mit dem WIR geschickt Deutschland narzisstisch überlisten oder als Kritik am Literaturbetrieb?
Um beim Fußball zu bleiben, ist „mia san mia“ nicht eigentlich der Slogan des FC Bayern München? So hätten wir dieses unsympathische Ego-Problem auch erfolgreich an die deutschen Nachbarn ausgelagert. Ansonsten gilt natürlich nach wie vor das wunderbare Tocotronic-Zitat: „wer Ich sagt hat noch nichts gesagt.“
…oder eine Aussage bei einem Scheidungsrichter?
Da muss ich passen, ich kenn mich weder mit der Ehe noch mit Rechtswissenschaften aus.
Wer kann besser lesen – Deutschland oder Österreich?
Die Zahlen zur Alphabetisierungsrate beider Länder sind mir gerade nicht geläufig, aber wenn mit der Frage gemeint ist, wer besser VORlesen kann, dann definitiv Deutschland, denken Sie nur an die unfassbar grandiosen Live-Lesungen von Rocko Schamoni, Heinz Strunk oder Sven Regener.
Was Hörbücher betrifft, kann Österreich allerdings mit Sophie Rois zurückschlagen, der besten Hörbuch-Leserin aller Zeiten.
Was nimmt ein österreichischer Gast aus Deutschland immer mit? Offiziell und inoffiziell.
Bestimmt das eine oder andere schöne Wort, wie „bräsig“ oder „derbe“ beispielsweise. Und ich persönlich habe früher immer bei meinen Hamburg-Besuchen „Club Mate“ in ungesunden Mengen nach Wien importiert, da es das zu meinem Unglück hier lange Zeit nicht zu kaufen gab.
Herzlichen Dank!
Zur Person_
Barbara Kadletz, geboren 1981, lebt und arbeitet als Buchhändlerin in Wien. Wenn sie nicht die Bücher anderer verkauft, schreibt sie an ihren eigenen Texten oder spricht über Literatur als Moderatorin, Rezensentin oder in ihrem wöchentlichen Blog »Das Buch zum Wochenende«. Bisher Veröffentlichungen von Theaterstücken und Kurzgeschichten. 2. Platz beim FM4-Literaturwettbewerb Wortlaut 2018, Shortlist für den Buchblog Award 2019 & 2020. Bezirksschreiberin Mariahilf 2021.
Liebe Daniela, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mein Tagesablauf ist sehr individuell abgestimmt auf die künstlerische Arbeit, ich verwirklichen will und die Aufgaben, die zu erledigen sind. Was immer gleich ist: Ich schreibe gleich nach dem Aufstehen 3 A4Seiten mit der Hand auf glattem Papier. Die Technik der „Morgenseiten“ verfolge ich seit 2012 und habe ich aus „Der Weg des Künstlers“. Seit diesem Jahr meditiere ich danach, um mich halbwegs ruhig dem Tag zu öffnen.
Meistens stehe ich um 7.30/ 8.00 auf. Die Zeit vor 11 Uhr ist für Teaminterne Telefonate (zB. Mit meiner Bookerin) und zum Üben reserviert.
Danach gehe ich mit dem, was vor mir liegt: Einer Zeichnung, der Auftrittsvorbereitung, Betreuung meiner Soicalmedia-Kanäle, Beantworten von Nachrichten und natürlich – meistens Abends – das Spielen von Auftritten.
Ich bin auch sehr gerne draußen und hole mir Stimmen aus der Umgebung: Sobald ich außer Haus gehe, spreche ich mit allen möglichen Menschen und werde inspiriert und berührt von den Geschichten und Eindrücken. Es ist eine Herausforderung, die Balance zu halten zwischen dran/ fokussiert bleiben und mit dem zu gehen, was sich spontan ergibt. Meine Lieder kommen zu den unterschiedlichsten Zeiten zu mir. Manchmal beim Duschen, manchmal wache ich Mitten in der Nacht auf. Manchmal im Zug. Ich bin allzeit bereit, meine Schürze aufzuhalten und die Sternschnuppen, die auf mich herunterfallen, aufzufangen und herauszubringen. Da kann es auch mal passieren, dass ich mir Nächte um die Ohren schlage.
Studiotage mit meinem Produzenten Hartmut in Bayern sind ganz besonders für mich. Ich mache meine Morgenroutine inklusive einem kleinen Training für meinen Körper und trinke einen Café mit meiner Freundin aus Deutschland, bei der ich für die Studiozeit wohnen darf. Dann treffen Hartmut und ich uns um 10.00 oder spätestens 11.00 und frühstücken zusammen. Wir stimmen uns beim Frühstück emotional auf die Arbeit ein und machen einen groben Plan und besprechen unsere Ideen. Dann wird gesungen, gespielt, geweint und editiert. Es ist ein sehr tiefgreifende Prozess der Menschwerdung. Das ist wirklich eine Gnade.
Mein Alltag ist also bunt und vielfältig. Kein Tag ist wie der Andere. Und ich bin genauso am Durchwursteln wie die Meisten gerade.
Daniela Flickentanz, Liedermacherin, Künstlerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Was für uns alle jetzt besonders wichtig ist, kann ich nicht sagen. Ich möchte nur für mich sprechen: Für mich hat sich herausgestellt, dass es mir wichtig ist, nach einer Ethik der Liebe zu leben und die eigene Liebesfähigkeit zu kultivieren. Die anderen Menschen wirklich zu SEHEN und sich im Gegenzug auch zu ZEIGEN, auch, wenn das manchmal panische Angst machen kann.
Auch, wenn man es vielen Menschen nicht ansieht: Jede:r hat sein Päckchen zu tragen. Ich nenne dieses Päckchen „trotz wegen allem“ und habe auch ein Lied darüber gemacht. Hättest Du gesehen, dass ich eine Narbe am Herz habe, manchmal sehr traurig und sehr verletzlich bin? Oder hätte ich gesehen, dass die wunderschöne Frau vor einigen Wochen noch mit ihrem Körperbild gehadert hat und eine Essstörung überwunden hat? Oder dass die beeindruckende Frau mit psychisch kranken Eltern aufgewachsen ist und schon viel zu früh die Verantwortung der ganzen Familie getragen hat? Nein, das sehen wir nur, wenn wir uns wirklich öffnen, zeigen, zuhören und berührbar werden und bleiben.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
Ja, das denke ich auch. Die Rolle der Kunst ist in meinen Augen genauso vielfältig, wie die Künstler:innen selbst. In meinen Augen wesentlich ist das kritische Begleiten des gesellschaftlichen Geschehens, das Erhalten und Ausbauen von gesellschaftlichen Errungenschaften (zB. Frauenrechte), Mut machen, zur Entspannung beitragen und das Teilen von Lebensfreude. Etwas ungewöhnliches Wagen. Den originären Ausdruck suchen und rausbringen. Eine Inspiration sein!
Was liest Du derzeit?
Ich lese zur zeit „Bell Hooks – alles über Liebe“ und „Der Distelfink von Donna Tartt“
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Sehr gerne teile ich mein aktuelles Lieblingszitat mit Euch. Es ist aus Bell Hooks Ethik der Liebe und es ist die Zusammenfassung ihrer Definition der Liebe. Denn erst, wenn wir den Mut haben, „Liebe“ zu definieren, können wir uns ihrem Mangel in unseren Leben stellen und Wunden heilen: „Wenn wir lieben, bringen wir offen und aufrichtig Fürsorge, Zuneigung, Verantwortung, Respekt, Hingabe und Vertrauen zum Ausdruck.“ (Alles über Liebe, Bell Hooks)
Daniela Flickentanz, Liedermacherin, Künstlerin
Vielen Dank für das Interview liebe Daniela, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musik-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Daniela Flickentanz, Liedermacherin, Künstlerin
Zur Person _ Daniela Flickentanz
Von goldenen Löffeln und der Kebapschule
Ich bin mit sehr viel Liebe, selbstgeschriebenen Gedichten meiner Mutter zum Einschlafen und ohne Klavier und Hausbibliothek aufgewachsen. Wir sind oft umgezogen.
Die längste Zeit haben wir im Gemeindebau im 5. Bezirk verbracht, zur Schule gegangen bin ich in ein Gymnasium, das unter Junglehrer*innen liebevoll „die Kebapschule“ genannt wird, weil rund um die Schule außer Beton viele Kebapbuden sind. Was es außer Kebap dort noch gab, war ein toller Chor, eine Schulband und eine Musikwoche im Sommer, in denen ich alles rund um mich aufsaugen konnte und extrem viel durch abschauen lernen durfte.
„Du wurdest bestimmt schon früh gefördert.“ Höre ich manchma Leute sagen. Oder „Naja, Du hast ja bestimmt schon sehr früh das richtige Umfeld gehabt.“ Ja. Wenn Yamaha Früherziehung Gruppenunterricht als Beiwerk der kleinen Schwester, die ich war, schon als Förderung zählt, dann wurde ich gefördert. Meine erste Klavierstunde hatte ich mit 17, bezahlt von meinem gesparten Taschengeld, meine erste Gesangsstunde hatte ich mit 23 Jahren. Gitarre habe ich jeweils eine Woche im Sommer am Gössenberg gelernt und den Rest des Jahres alleine weiter gemacht. Die erste Stunde hatte ich mit 32.
Den Rest habe ich „on the fly“ in Freifächern gelernt. Ich habe mich an jedem Strohhalm, den ich finden konnte, weitergehangelt.
Mein erstes Lied habe ich für meine Mama zum Muttertag geschrieben. Zu meinem ersten großen Liebeskummer mit 18 sollte es richtig losgehen und von dort an hat es begonnen, dass die Lieder auf mich heruntergehagelt sind.
Und zuhause? Nein, da war kein Klavier, kein Bücherschrank. Da war Chaos, Emotion und ich als Wildwuchs mitten drin. Nicht wissend, was dieser laute Ruf in mir ist und dieses „heiß werden“ war, wenn ich Leute mit glitzernden Augen auf einer Bühne sah.
Aber weißt Du, was? Es ist egal, woher man kommt. Das Dranbleiben, das Commited-sein zum eigenen Traum trennt die Spreu vom Weizen und nicht das Umfeld, in das man hineingeboren wird.
Ich habe viel in mich investiert und auf viel verzichtet, um diese Investitionen zu tätigen. Vielleicht hätte ich auf weniger verzichten müssen, wenn ich mehr, den anderen, doch endlich den „richtigen“ Background gehabt hätte. Aber Blut, Schweiss und Tränen, das haben alle gleich, die es bis auf die Bühne geschafft haben, mehr als einmal auftreten und die wirklich ihr spüren könnt. Vielleicht hatte ich einen Vorteil dadurch, dass ich mit meiner künstlerischen Entwicklung weitgehend „in Ruhe gelassen“ wurde. Vielleicht war ich manchmal alleine damit. Aber wann sind die Umstände schon perfekt?
Nein, da war kein goldener Löffel in meinem Mund und auch keine Eislaufeltern. Abgeraten haben sie mir, weil sie wussten, dass ich als Künstlerin mit einem Bein im Prekariat stehen werde und dass sie mir nur sehr begrenzt helfen können, wenn ich nicht mehr kann.
Nein, ich hatte lange nicht den „richtigen Background“. Aber welcher Background ist schon der „richtige“?
Der einzige Grund, warum ich heute da bin, wo ich bin, ist, dass ich einmal mehr aufgestanden bin, als ich hingefallen bin.
Generously holding space for the unimaginable In awe of high frequency spirits united in gentle faith Vocation as devotion Earthly grace in good natures
Promising beginning, an Ending serves as an opening, sometimes Alchemy for the heart Cares be soothed in playful stillness Elegant floor killer shaking all woes away
At home together is a place
Confidently leave a light on for love Holy enthusiasm bless Apathetic gremlin holiday turns into bliss Nocturnal creature courage walks at night Chameleon softie forgiver pioneer of love Empathy and kindness in action is our radiopia
Kristin Bjork Kristjansdottir, 22.4.2023
Thank you for inviting me to write this. I got a little playful and meditated for 40 minutes before writing and then I did my best to write fast, more or less the first thing that came to mind. But I made myself the rule that each line would include a title of one of my songs. And then proceeded to make a playlist with these 16 songs which you are welcome to share if you like or just enjoy.
Siri Hustvedt, 1955 in den USA geborene Bestsellerautorin, die in ihren Romanen und Erzählungen Meilensteine moderner Erzählkunst setzt, ist auch eine großartige Essayistin, welche diese Literaturform in Sprachkraft, Spannung wie Tiefgründigkeit und Geheimnis impulsgebend neu definiert.
Es ist Autobiographie, Gesellschaftsgeschichte und -kritik, die in feinster Psychologie punktgenau menschliche Mitte in Eigenartigkeit, Verletzlichkeit wie Einmaligkeit zeigt und damit zum Spiegel, zu Sinn und Impuls wird. Das ist literarisch einmalig wie sprachlich einzigartig schön!
Das neueste Essaywerk von Siri Hustvedt kann als literarisches wie autobiographisches Opus Magnum bezeichnet werden, das den Bogen über Kindheit, Familie, Leben, Liebe, Religion und Literatur spannt und zu einem faszinierenden Seiltanz über die Schönheit und Tragik von Leben und Welt einlädt. Vorsicht – und genießen Sie es!
„Mütter, Väter und Täter“ Siri Hustvedt. Essays. Rowohlt Verlag
Dagmar Strobl, Model, Performerin, Visagistin _ Wien _ acting Maria Callas, Sängerin (* 2.12.1923 New York ´16.9.1977 Paris) _ 2023 _100. Geburtstag Maria CallasDagmar Strobl, Model, Performerin, Visagistin _ Wien _ acting Maria Callas, Sängerin (* 2.12.1923 New York ´16.9.1977 Paris) _ 2023 _100. Geburtstag Maria Callas
Liebe Dagmar Strobl, welche Bezüge gibt es von Dir zu Maria Callas?
Klassische Musik, Oper interessieren und begeistern mich sehr. Dies nimmt bereits in meiner Kindheit aufgrund der Wertschätzung von Musik meiner Eltern und Großeltern seinen inspirierenden Anfang und ich lernte schon in der Schulzeit die Faszination Oper kennen und lieben. Einen speziellen Bezug zu Maria Callas gibt es nicht.
Was macht für Dich die Aura der „Callas“ aus?
Ihre Stimme ist einzigartig. Ebenso ihre Präsenz auf der Bühne. Diese Wirkung, Ausstrahlung ist schwer zu erklären. Das haben nur sehr wenige. Das ist da oder nicht.
Gibt es ein bestimmtes Musikstück, das Du hervorheben möchtest und warum?
Musik ist ein Gesamtkunstwerk, das immer neu fasziniert, immer neu entdecken lässt. Als Musikliebhaberin ist es eine Entdeckungsreise in vielen Stationen. Callas ist eine ganz wunderbare davon. Ein Musikstück von ihr möchte ich nicht vorheben.
Wie siehst Du Maria Callas in ihrem künstlerischen Weg, ihrer Entwicklung?
Ich bewundere ihren Ehrgeiz, ihren Fleiß, ihre Akribie wie sie mit ihrem Talent auch ihre Bühnenpräsenz wie auch die Anforderungen abseits der Bühne bewältigte und entwickelte und in Authentizität begeisterte und auch durchsetzte. Callas war ganz Callas. Immer. Und sie wusste, was sie wollte.
Maria Callas und die Liebe. Kunst und Leben. Wie sieht da die Wechselwirkung aus?
Das Scheitern von Leben, Liebe ist ein Teil unseres Menschseins und nimmt Künstler:innen natürlich nicht aus. Der Vorhang fällt, aber er hebt sich auch wieder. Ich denke Callas war dies, wie wohl uns allen, schmerzlich bewusst.
Ich sehe Callas nicht als romantisch verklärte Künstlerin, die an der Ambivalenz von Bühne und Leben scheitert. Bühne, Leben, Liebe waren hart. Es gab Scheinwerfer und Schatten. Callas wusste das, lebte das.
Was lässt Liebe gelingen?
Gelingt Liebe? Muss Liebe gelingen? (lacht). Liebe ist kein Kuchen, der gelingt. Liebe ist nicht so banal.
Liebe ist Bühne, Leidenschaft, Feuer, Drama, Stille. Liebe ist. Da muss nichts gelingen.
Was macht für Dich die Mitte von Musik, Kunst aus?
Kunst muss berühren. Sich selbst und andere. Das ist es.
Wie bereitest Du Dich auf ein thematisches Fotoshooting vor? Was ist Dir dabei wichtig?
Das Thema muss mich berühren, im besten Fall begeistern. Damit beginnt es. Im Shooting selbst bin ich sehr akribisch, da müssen Details – Mode, Style, Acessoires – passen.
Was kannst Du von Maria Callas auf Deinen künstlerischen Weg mitnehmen?
Ein Ziel zu haben und dann – Disziplin, Ehrgeiz, Akribie, Ausdauer.
Was sind Deine kommenden Projektpläne?
Ich bewege mich zwischen Projekten von Fotoshootings als Model, Performerin und der Tätigkeit als Visagistin. Das stimme ich mit privaten Plänen ab. Ich arbeite derzeit auch an einem Kalender mit Porträts.
Der Frühling inspiriert mich auch sehr und ich arbeite gerne mit Natur in meinen Projekten. Ebenso interessiert mich ein Styling mit Recycling Materialien.
Darf ich Dich abschließend zu einem Akrostichon bitten?
M ama
A rbeit
R eaktion
I rrtum
A ntipathie
C harisma
A lles
L iebe
L eidenschaft
A narchie
S ympathie
Dagmar Strobl, Model, Performerin, Visagistin _ Wien _ acting Maria Callas, Sängerin (* 2.12.1923 New York ´16.9.1977 Paris) _ 2023 _100. Geburtstag Maria Callas
Vielen Dank, liebe Dagmar, für das wunderbare gemeinsame Projekt in Bild&Wort und viel Freude und Erfolg weiterhin!
100. Geburtstag Maria Callas _ 2023
Dagmar Strobl, Model, Performerin, Visagistin_ Wien __acting Maria Callas, Sängerin (* 2.12.1923 New York ´16.9.1977 Paris)