„Der Bachmannpreis ist spannend, überraschend und verstörend“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Daniel Zahno, Schriftsteller _ Basel 14.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Daniel Zahno, Schriftsteller _ Basel  

Bachmannpreisnominierter 2002

Lieber Daniel, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine ersten Erinnerungen?

Die Jury logiert im Fünfsternehaus, die Autor*Innen in einem gewöhnlichen Hotel. Der wunderbare Wörthersee ladet zum Bade. Und es ist so heiß, dass man ständig in den See springen möchte.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Er ist spannend, überraschend und verstörend.

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Ich hatte vorab einen Sprechcoach engagiert. Dann hat man mich daran aufgehängt, wie ich gelesen habe. Das war eine Lehre. Lies so, wie du es für richtig hältst, verbieg dich nicht. Eine Kritikerin hatte endlos was am Hummerpreis in der Geschichte auszusetzen – penetrant und peinlich. Es war eh ein Riesengeklüngel in der Jury, nach dem Motto: unterstützt du meinen Favoriten, unterstütz ich deinen. Ich glaube, Ingeborg Bachmann hätte sich im Grab umgedreht, wenn sie das erlebt hätte.

Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?

Mehr oder weniger gar nicht. Sicher wäre es schön gewesen, einen Preis zu gewinnen, etwa den Publikumspreis, den ich nur ganz knapp verpasst habe. Natürlich ist der Bachmannpreis ein Türöffner. Aber es gibt auch Preisträger*Innen, die – zu Unrecht – völlig in der Versenkung verschwunden sind.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Qualität in der Jury, Qualität bei den Texten. Weniger Geklüngel, mehr Empathie und Sozialkompetenz.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Ich würde mir für die nächsten fünfzig Jahre wünschen, dass die Autor*Innen im Fünfsterne-Hotel untergebracht werden. Ich denke, das würde die falsche literaturbetriebliche Stratifikation korrigieren, wäre gerecht und ganz im Sinne von Ingeborg Bachmann.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Daniel Zahno, Schriftsteller

Zur Person: Daniel Zahno, 1963 geboren, lebt in Basel und New York. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Clemens-Brentano-Preis und den Förderpreis der deutschen Wirtschaft. 2010 war er Writer-in-Residence am Deutschen Haus der New York University. Mama Mafia ist sein erster Roman. Daniel Zahno – Schöffling Verlag (14.6.26)

Website des Autors: Über mich | Daniel Zahno – Autor | Das Leben in Bildern

Bachmannpreis _ Empfang der Stadt Klagenfurt/Schloss Loretto/Wörthersee

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann auf Ihrer Terrasse in Rom, Bocca de Leone, um 1970

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Abendstimmung Wörthersee _ Blick vom Schloss Loretto

Foto: Daniel Zahno _ Heidi Ziegler/Schöffling Verlag

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze

Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt_ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 13.6.26

https://literaturoutdoors.com

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