50 Jahre Bachmannpreis _
Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Gerald Szyszkowitz, Schriftsteller, Dramaturg _ Maria Enzersdorf/NÖ
Bachmannpreisnominierter 1982
Lieber Gerald, Du hast 1982 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind Deine Erinnerungen?
Bachmannpreisnominierter 1982
Lieber Walter Pobaschnig, Du fragst nach Erinnerungen … Das ist alles lange her … Aber ich versuch`s …
Ich arbeitete damals im ORF, als mein erster Roman DER THAYA bei Zsolnay erschien, und der Generalintendant des ORF, damals Gerd Bacher, hatte nicht nur eine sehr positive Kritik darüber in der FAZ gelesen, sondern er mochte den Roman auch wirklich …
Als ich dann meinen Text in Klagenfurt vorgelesen hatte, tobte aber sofort der Kritiker Reich-Ranicki los, … Das sei hier offenbar eine abgesprochene Sauerei, dass ein ORF-Mitarbeiter hier in Klagenfurt bei diesem ORF-Wettbewerb den BACHMANNPREIS bekommen soll… Ich hatte davor noch kein Wort ´von dieser Intige´ gehört … Und ich bin auch immer noch der Meinung, das hatte sich dieser ….Reich-Ranicki eingebildet … Der Gerd Bacher hätte so einen Blödsinn nie gemacht … Also sagte ich sofort, das sei wohl eine Fehlinformation, darauf brüllte Reich-Ranicki erst recht endlos weiter, bis er wütend auf den Gang hinaus rannte … Ich ging hinterher und wollte weiter mit ihm reden, er schrie aber nur weiter herum, es war einfach schrecklich … Ja, so ist es, aber diese Reich-Ranicki-Schreierei war für mich wirklich das einzig Besondere an diesem frühen Bachmannpreis … Im Jahr 1982, denk ich … Das ist jetzt also mehr als vierzig Jahre her …
Aber weil du fragst, was ich den heurigen Teilnehmern und vor allem dem Vorsitzenden Klaus Kastberger, den ich gut kenne, wünsche … Intelligente und begabte Texte … Und keinesfalls so eine deppate, völlig unberechtigte und auch ungerechte Schreierei wie die vom Reich-Ranicki damals … Herzlichst, Gerald
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Zu Person/Werk: Gerald Szyszkowitz – Portrait – Sommerspiele Schloss Hunyadi

Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.


Foto: Gerald Szyszkowitz _ privat
Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze
Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt/Ossiacher See_ Walter Pobaschnig
Walter Pobaschnig, 14.6.2026