„trendige, politisch korrekte und zugleich volksnahe Küche mit Gourmet-Topping“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Dorothea Dieckmann, Schriftstellerin _ Freiburg/Breisgau/D 14.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _   Dorothea Dieckmann, Schriftstellerin _ Freiburg im Breisgau/D

Bachmannpreisnominierte 2004

Liebe Dorothea, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Essensgeruch. Ein Pulk von Konkurrenten zieht im Backstagebereich das Los, wer wann drankommt. Aber wer hat das beste Rezept in der Tasche? (Spoiler: Es war der, der als einziger einen Anzug trug, sich als ehemaliger Panzerkommandant vorstellte und deutschnationales Würzfleisch anbot. Die Frau mit den zwei Hunden und dem Tattoo, die später sozialdemokratische Bestseller schrieb, ging mit ihrem Tomatensalat leer aus).

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Das gut ausgeleuchtete, aber schlecht belüftete Kochstudio und der bemerkenswerte Pluralismus des Geschmacks: trendige, politisch korrekte und zugleich volksnahe Küche mit Gourmet-Topping.

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Negativ: Die bereitgelegten Messer waren stumpf, die Töpfe zu klein, und leider war die zugestandene Garzeit so kurz, dass die Jury schwer zu kauen hatte; die Vorsitzende biss sich sogar einen Zahn aus. Positiv: Man siezte einander. An die Preisverleihung kann ich mich nicht erinnern, denn ich teilte Hotelzimmer und Hotel-TV mit meinem Begleiter.

Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?

Gar nicht, da kein Geld für meinen Geschmack heraussprang.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Streichen Sie das „weitere“! Er braucht den Namen Ilse-Aichinger-Preis (mit dem entsprechenden Novembertermin) und den Verzicht auf das Fernsehküchen-Format.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Eine gute Verdauung.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Zur Person: DD, geboren in Freiburg/Breisgau, ist seit 1992 freie Schriftstellerin.

Website: https://www.dorothea-dieckmann.de

Veröffentlichungen (Auswahl):

  • Wie Engel erscheinen. Rotbuch, Hamburg 1994, Neuauflage osbert+spenza, Immenstaad 2025
  • Die schwere und die leichte Liebe. Novelle, Berlin Verlag 1996
  • Belice im Männerland. Eine wahre Geschichte. Berlin Verlag 1997
  • Damen & Herren. Roman, Klett-Cotta 2002
  • Sprachversagen. Essay, Droschl 2002

Das Land mit seinen Kindern. Ein Nachtbrief. Arco Verlag, Wien 2021

Guantánamo. Roman, Klett-Cotta 2004

Harzreise. Eine Erzählung, Weissbooks 2008

Termini. Roman, Klett-Cotta 2009

Sommer in Dresden. Ein Gedicht. Verlag Ulrich Keicher, Warmbronn 2017.

Kirschenzeit. Erzählung, Faber & Faber, Leipzig 2019

großes Publikumsinteresse _ ORF Studio

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann auf Ihrer Terrasse in Rom, Bocca de Leone, um 1970

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Foto: Dorothea Dieckmann_ privat

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze

Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt_ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 13.6.2026

https://literaturoutdoors.com

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