„Gib mir die Schatten zurück, die sich wie Brücken verlängern“ Marco Grosse, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Bonn 26.6.2022

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Gib mir die Schatten zurück, die sich wie Brücken verlängern

und unter unserem Dahinschreiten streckten, als hätte es nur richtige Wege gegeben, in der Vielzahl der Möglichkeiten.

In ihren entlegenen Rändern befand sich unsere Heimat.

Verdeckt von Übergängen, von Zeit, vom täglichen Geben und Nehmen, spürten wir unsere Schläfen und das Trommeln unserer Füße.

Es müssen Verzweifelte sein, die versuchen, Feuer in ihren Händen zu halten, ohne sich zu verbrennen.



Planspiele mit Petroleum oder Pferdeflüsterer? Präsidenten oder Premiers? Wir schalten die Nachrichten ab. Planeten gaben immer Orientierung, jetzt sind sie verdeckt vom Rauch unnützer Worte. Immer der Sonne nach, sagst du, während unsere Schuhe am heißen Asphalt kleben.

Ein Gedanke ist schon ein Gebet, denke ich, und in diesem Denken erfüllt sich die Aussage, und als ich dir davon erzählen will, sprichst du von deinen Gedanken, die die Spiegelung der meinigen sind, als könntest du Gedanken lesen.

Auf unseren Köpfen rieseln Kondensstreifen. Wir legen uns flach auf den Boden, als könnten wir so ausharren und eins werden mit dem Pulsieren der Erde.

Camouflage, flüsterst du, während unsere Köpfe eine Mulde in das Feld drücken und unsere Zungen den Humus berühren.

Eines Tages werden wir die Leere der Herzen begreifen, mit Träumen zu füllen versuchen, doch was ist jetzt?



Antworten suchen wir, die uns nicht den Mut nehmen, die im Wendekreis des Krebses der Freiheit ein Denkmal setzen.



Carabiner, Colts, Caliber, Crediteintreiber. Calibrieren. Cretino. Cosa credi?

Hüzün. Am nächsten Tag sind wir der Traurigkeit verfallen, scharfe Paprika noch in der Kehle, es gibt keinen Ausweg. In der Wartehalle am Kai schauen wir den Katzen nach, bis die Fähre uns hinausträgt, in die Meerenge am goldenen Horn. Dann zählen wir die Wellen, sehen die Reflektionen des Ganzen, dazwischen den Rücken eines Delphins, der wie ein Seraphim beim Sprung aus den Wogen zu uns blickt, uns vorauseilt, in die Vielfalt der Wirklichkeit, wo die Sonne jetzt unser Verlangen liebkost.

Auf der anderen Seite der Stadt lernten wir mit Wunden zu leben.

Niemand ist Normalnull.

Cinderella stand als Name auf der eisernen Verkleidung, die in sich den Sprengstoff trug: Schau der Wirklichkeit ins Auge, sagten sie, aus Angst, aus Notwendigkeit, aus Gehorsam — sie halten alle Brenngläser in den Händen, haben das Apfelpflücken vergessen und lassen die Früchte auf den Bäumen verrotten.

Erst gestern standen wir abends neben den Anglern auf der Brücke, schauten ihnen zu und glaubten an ihre Zeichensprache, ihre endlose Geduld, während die Muezzinrufe das Dröhnen des Verkehrs durchdrangen. Die Angelleinen, die die Luft durchtrennten, bevor sie hinabsanken, führten geradewegs ins schwarze Wasser, bis ein Fisch anbeißen würde.


Marco Grosse, 1.6.2022

Marco Grosse, Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Marco Grosse, Schriftsteller

Foto_privat.

Walter Pobaschnig _ 1.6.2022.

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„Die Literatur ist die beste (und preiswerteste) Möglichkeit „barrierefrei“ Vieles zu verarbeiten“ Rotraut Schöberl, Schriftstellerin _ Wien 26.6.2022

Liebe Rotraut, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Das einzige Fixe jeden Tag ist am Morgen, gleich nach Aufstehen und Katze füttern, durchs Gärtchen schlendern und alle Sinne auf den neuen Tag einstimmen, diese 10, manchmal wesentlich mehr, Minuten gehören allerdings schon seit Jahren zu meinem Tagesstart. Der restlichen Tagesablauf wird überwiegend von meinem Terminkalender strukturiert.

Rotraut Schöberl, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wieder mit Menschen von Angesicht zu Angesicht kommunizieren und die Rituale der Coronazeit abzulegen.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Die Literatur ist die beste (und preiswerteste) Möglichkeit „barrierefrei“ Vieles zu verarbeiten, tröstlich auch von Anderen zu lesen und festzustellen: es gibt doch Viele, die so denken wie ich, haben Ähnliches erlebt – wie gehen sie damit um.

Die andere Seite sind die Möglichkeiten von neuen Denkmustern, die wir durch die Literatur und Kunst kennenlernen können, auf die wir selber nicht gekommen wären. Die Dinge anders zu betrachten ist immer ein guter Anfang, egal, worum es geht, sich neue Wege zu erschließen und Verständnis für Andere, Anderes und Fremdes zu entwickeln.

Was liest Du derzeit?

Elizabeth George, Meisterklasse.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

 »Ich habe für bestimmte Dinge nicht mehr die Geduld. Nicht, weil ich arrogant geworden bin, sondern einfach, weil ich einen Punkt in meinem Leben erreicht habe, wo ich keine Zeit mehr vergeuden möchte mit Dingen, die mir missfallen oder weh tun. Ich habe keine Geduld mehr für Zynismus, übertriebene Kritik und Forderungen jeglicher Art. Ich unternehme keine Anstrengungen mehr, denjenigen zu gefallen, die mich nicht mögen, die zu lieben, die mich ablehnen und jenen zuzulächeln, die mir niemals ein Lachen schenken.

Diese Worte sind von José Micard Teixeira, werden aber oft Meryl Streep zugeschrieben.

Vielen Dank für das Interview liebe Rotraut, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Rotraut Schöberl, Schriftstellerin

Foto_Stefan Knittel

1.6.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Geflimmer auf dem Bildschirm: Schönes Mädchen“ Natascha Huber, Schriftstellerin_ GIve Peace A Chance _ Passau/D 25.6.2022

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G eflimmer auf dem Bildschirm: Schönes Mädchen

I n Folkloretracht. Du erzählst von Stoff & Geschichte, 

V om Land in der Ferne, dessen Flaggen leuchten am

E inheitlich sternlosen Himmel. Wir denken Rauch & hissen



P rofil. Nicht aus dem Rahmen fallen, nicht aus dem Tag, ab heute

E iner nach dem andern. Schritte brechen

A ufeinander zu, so der Kontext, Nachrichten-

                                                                                                       -Ticker-

– Tick-

-Tack-

C lash: Die Realität ist konfrontiert, es gilt

E inhalten, Einatmen. Morgen ist



A uch noch ein Tag….



C hangier das aus, filetier das auf, filter das durch, so die

H erausforderung. Eine Aufforderung des Professors: Wir können

A lles von einem Raum zum nächsten schieben, Semantisierung & Schuld

N ur eine Hülle – Hülse – die zu Boden ↓ fällt

C annst du den Aufprall hören? Hier ist Sprache

E ine letzte taumelnde Fehlübersetzung.


Natascha Huber, 7.6.2022

Natascha Huber, Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Natascha Huber, Schriftstellerin

Foto_Ela Photography Stuttgart.

Walter Pobaschnig _ 7.6.2022.

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„Mischen wir uns ein, reden wir miteinander, kommunizieren wir übers Schreiben“ Luis Stabauer, Schriftsteller _ Wien 25.6.2022

Lieber Luis, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Nach dem Aufstehen in etwa um 7.00 einige Bewegungsübungen und dabei das Ö1 Morgenjournal hören. Danach die Sozialen Medien und Mails durchschauen, eventuell antworten und eigenes schreiben, dann zum Frühstück. Texte überarbeiten und an den letzten Kapiteln für den neuen Roman (Sein Genick brach nicht) schreiben.

Am Nachmittag und Abend eher aktuelle und künftige Projekte, sowie Termine bearbeiten und eventuell noch eine Runde gehen, Freund’innen treffen, Kulturevents besuchen. Bei eigenen Lesungen oder Moderationen liegt der Tages-Schwerpunkt auf diesen Aktivitäten.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Konzentrieren wir uns auf das Schöne, indem wir die Liebe an die Menschheit kreativ ausdrücken und darstellen. Vergessen wir dabei nicht die Liebe und die Notwendigkeiten für die Natur und die Tiere. Mischen wir uns ein, reden wir miteinander, kommunizieren wir übers Schreiben, lassen wir frühere Erfahrungen und Erkenntnisse einfließen. Stehen wir auf!

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Literatur schreiben und lesen ist unter anderem das Hineinversetzen in andere Charaktere und komplexe Figuren, sehr häufig anhand von Konflikten oder Spannungen.

Die derzeitige Gesellschaft akzeptiert und lebt Konflikte allerdings vorwiegend als geistige Spaltung und Krieg. Es liegt daher umso mehr an der Literatur, sich in andere hineinzuversetzen, das Verstehen anderer Positionen zu stärken, ohne dabei klare Haltungen aufzugeben, mit kritischen und reflektierten Texten soziales Denken zu fördern, sowie Ungerechtigkeiten, Diskriminierungen, Anhängigkeiten und Unterdrückungen zu hinterfragen.

Literatur und Kunst dürfen nicht aufhören, die emanzipatorische Bildungsarbeit über ihre Instrumente selbst zu betreiben und von den Politiker‘innen einzufordern. Wenn die Bereitschaft dafür nicht erreicht werden kann, wird die Beteiligung am gesellschaftlichen Widerstand ebenfalls zum Auftrag an die Kunst.

Was liest Du derzeit?

„Kilometer Null“, Stefan Kutzenberger,

„Fräulein Vilma und ihr Josef“, Josef Stockinger und

„Poemas de amor“, Mario Benedetti

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Wem dient Macht und was passiert, wenn wir sie ablehnen?“

Luis Stabauer_Schriftsteller 

Vielen Dank für das Interview lieber Luis, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Luis Stabauer_Schriftsteller 

http://www.luis-stabauer.at/

Foto_privat.

2.5.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Der Große Leader im Kreml“ Lisa Sommerfeldt, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Bonn 24.6.2022

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Der Große Leader im Kreml

Am Langen TIsch

Verirrt und Einsam in seinem Wahn

Halb tot, halb krank, halb Paranoid

AufgEquollen in Angst und Endlichkeit

Sucht er

Im Chaos einen FunkEn Geschichte

Holt sich Stalins Leiche aus dem Grab




Die Weltbürger vor dem Fernseher

Aus den blutigen Böden

Genährt und geboren 

Herren und Hunde

Unbewaffnet

Üben sich in gewaltfreier Kommunikation 

Denken sich klüger und überlegen 

Finden sich betrogen in der neuen Zeit

Der leeren GasspeiCher, 

Der täglich sich näher explodierenden Grenzen




Die Weltbürger vor dem FernseHer

Per SAtellitenbild top iNformiert

Zählen Leiche um Leiche

Lernen die Worte Haubitze

Atomsprengkopf, bewaffnete Drohne

Nie wollten sie es denken

SiCher und bequem gebettet im kostenlosen Pazifismus

Nie wollten sie es denken

Der Gedanke treibt einen Riss

In die Designer-Sofagarnitur

Nie wollten sie es denken

Gibt es Werte

Die über dem FriEden stehen

Lisa Sommerfeldt, 19.6.2022

Lisa Sommerfeldt,
Schriftstellerin, Dramatikerin, Schauspielerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Lisa Sommerfeldt_ Schriftstellerin, Dramatikerin, Schauspielerin

Texte

Foto_Villa Decius_Pawel Mazur

Walter Pobaschnig _ 10.6.2022

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„dass Aufbrüche und Neuanfänge umso intensiver sind und weiter führen, je mehr sie mit Kunst und durch Kunst geschehen“ Paul Ferstl, Schriftsteller _ Wien 24.6.2022

Lieber Paul, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe früh auf, treffe mich mit Freund*innen zum Sport, vormittags schreiben, nachmittags lesen, abends raus – das ist der Sommerrhythmus. In der Wintersaison dreht es sich seit Pandemiezeiten eher um. Und weil ich neben meiner schriftstellerischen Tätigkeit an der Universität arbeite, ist mein Jahresablauf noch immer in Semester geteilt. Derzeit bedeutet das zum Beispiel, viel mit Studierenden zu sprechen und die Tage auch danach zu strukturieren.

Paul Ferstl, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Einsehen, dass es ein freies Ich nur in einem gemeinschaftlichen Wir geben kann, und die Zuversicht aufbringen, die es für ein Gelingen dieser Gemeinschaft braucht.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Literatur ist für mich persönlich die wichtigste Weltbewältigungs- und Weltgestaltungsweise, und ich bin davon überzeugt, dass Aufbrüche und Neuanfänge umso intensiver sind und weiter führen, je mehr sie mit Kunst und durch Kunst geschehen.

Was liest Du derzeit?

Flannery O’Connor, Wise Blood

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Sie sagten, die Schwester sei gekommen, also kletterte Pich aus dem Grab.“ – ist der erste Satz aus „Das Grab von Ivan Lendl“, meinem soeben erschienenen aktuellen Roman.

Vielen Dank für das Interview lieber Paul, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Paul Ferstl, Schriftsteller

Foto_privat.

17.5.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gerade wähnten wir uns noch“ Peter Clar, Schriftsteller _Give Peace A Chance _ Wien 23.6.2022

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Gerade wähnten wir uns noch

In Friedenszeiten, ich meine

Verorteten wir uns

Europäisch eingeschränkt



Politisch provinziell (sage Pakistan, Syrien, Mali)

Eine neue Zeitrechnung, hieß es

Aber war es nicht (war es nie)

Ceterum censo (Stete Wiederholung)

Eine neue Zeitrechnung hieß es



Aber ist es nicht (wird es nie)



Celans Espenbaum (so grün)

Herz wund von Blei

Aichingers Abgezählt etcetera

Noch immer / Nie nicht aktuell

Chancen müsste man halt

Ehrlich gesagt, mir fehlt…


Peter Clar, 19.6.2022

Peter Clar, Schriftsteller und Literaturwissenschaftler

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Peter Clar, Schriftsteller und Literaturwissenschaftler

https://www.peterclar.at/

Foto_privat.

Walter Pobaschnig _ 14.6.2022.

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„Literatur sollte einen Standpunkt beziehen“ Christian Klinger, Schriftsteller _ Wien 23.6.2022

Lieber Christian, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Der Tag beginnt bei mir eigentlich fast immer mit einem Kaffee.

Doch seit dem Einmarsch der russischen Truppen gehe ich nach dem Aufwachen auf die ORF-Website, immer noch von der Hoffnung getragen, das Wort „Frieden“ zu lesen. Und werde jeden Morgen enttäuscht. Ich hoffe, nicht demnächst zu resignieren.

Christian Klinger, Schriftsteller/Jurist

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Genau diese Resignation nicht zuzulassen. Auch, wenn der/die Einzelne vielleicht nicht unmittelbar Einfluss auf den Lauf der Welt nehmen kann, so ist jeder noch so kleine Beitrag besser, als gar nicht zu handeln. Dies gilt aber in allen Belangen und nicht nur für Kriege (Syrien und der Jemen seien hier nur exemplarisch für die Vielzahl bestehender Kriege angeführt). Der Hunger und der Klimawandel müssen weiter bekämpft werden, Demokratisierung in autoritären Regimen angestrebt werden und noch vieles mehr.

Wir alle sollten uns überlegen, wie viel Konsum es braucht, und ob wir mit ein wenig Verzicht nicht schon eine Änderung bewirken können.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Eine Änderung zum Guten wird oft von wenigen eingeleitet, Erfolg ist diesem Bestreben aber nur beschieden, wenn es eine breite Unterstützung dafür gibt. Kunst, und dabei auch die Literatur, muss nicht unbedingt politisch sein, aber sie sollte einen Standpunkt beziehen. Kunst und Literatur stehen für Vielfalt und sollten eine Gleichströmigkeit hinterfragen und uns aus einer Gleichgültigkeit aufrütteln.

Was liest Du derzeit?

„Blauwal der Erinnerung“ von Tanja Maljartschuk und für Recherchezwecke „Bianchi. Una storia italiana“ von Daniele Marchesini

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Lernen Sie Geschichte“, das ist jetzt kein literarisches Zitat, aber ich denke, diese Kreisky zugeschriebene Aufforderung hat nach wie vor Gültigkeit. Geschichte eignet sich nicht als Vademekum, um Fehler aus der Vergangenheit nicht nochmals zu begehen, aber gewisse Parameter wiederholen sich oft und sollten uns als Warnung dienen, die Wirkungen genau dieser Wiederholung abzuschwächen.

Vielen Dank für das Interview lieber Christian, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

Ich danke!

5 Fragen an Künstler*innen:

Christian Klinger, Schriftsteller/Jurist 

Christian Klinger

Foto_Paul Feuersänger/Picus Verlag

23.5.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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Bachmannpreis 2022_“Buntheit, Offenheit, Vielfalt sind unsere Leitgedanken“ Klaus Wachschütz, ORF Kärnten, techn. Leiter Bachmannpreis _ Klagenfurt 22.6.2022

Klaus Wachschütz, ORF Kärnten, techn. Leiter Bachmannpreis

Bachmannpreis 22 _Interview_ Klaus Wachschütz, ORF Kärnten, techn. Leiter Bachmannpreis

Sehr geehrter Herr Wachschütz, welche technischen Neuerungen gibt es heuer beim Bachmannpreis?

Es gibt heuer zwei Bühnen, die Jury befindet sich im Studio und im ORF Garten ist die Lesebühne der Autoren:innen, beide mit Publikumszugang. Buntheit, Offenheit, Vielfalt sind dabei die Leitgedanken. Wir wollen mit diesen Spielstätten auch mehr Literaturerlebnis bieten.

ORF Studio _ Klagenfurt _ Jurydiskussionen
Lesebühne _ ORF Garten vor dem Studio _ Klagenfurt

Im ORF Studio haben wir ein sehr klares, strukturiertes Setting, in dem die Diskussionen der Jury über Literatur stattfinden.

Bei der Lesebühne im Freien ist es bewusst im Setting etwas „heimeliger“. Es soll auch ein Wohlfühlfaktor für die Autoren:innen sein. Für mich sind beim Bachmannpreis die Autoren:innen das Wichtigste. Es soll keine Vorführung von Autoren:innen sein.

Wie wird das neue Setting angenommen?

Es war gestern spannend im ersten Get-Together, in dem es um das Lesesetting ging, da sagte eine einzige Autorin, sie hätte gerne im Studio gelesen. Eine weitere Autorin sagte, „ich hätte Angst hier zu lesen“.

Die Jury sitzt heuer etwas enger. Wir sind auf über 180` im Radius der Juryplätze gegangen, damit die Sicht untereinander auch besser ist.

Die Jury beurteilt und setzt dabei auch Akzente in der Dynamik der Diskussion. Das Setting soll hier unterstützend sein.

Für das Publikum gibt es im Studioraum zwei Möglichkeiten der Sitzplatzwahl, jeweils mit Blick zur Jury wie zu den Lesungsscreens.

Wir versuchen so unser bewährtes Studio mit den gegebenen Möglichkeiten in eine neue Zeit zu führen.

Wie gestalten sich die technischen Vorbereitungen für ein solches Großereignis?

Die Vorbereitung eines solchen Live Ereignisses ist grundsätzlich ein dynamischer, dialogischer Prozess, der nicht stillsteht.

Für den Bachmannpreis 2022 gab es bereits im September 2021 umfangreiche Reflexionssettings mit unterschiedlichen Teams. Was sind Stärken, Schwächen, was kann dem Publikum zugemutet werden, was nicht? Diese Fragen sind auch während der Vorbereitung jetzt präsent und es gibt bereits Überlegungen für das nächste Jahr.

Was lesen Sie derzeit?

Ich lese derzeit den Roman „Matou“ von Michael Köhlmaier. Es geht darin um einen Kater, der durch die Jahrhunderte reist. Ich bin auch seit letztem Jahr Besitzer eines jungen schwarzen Katers. Da passt das Buch wunderbar dazu.

Das ist sicherlich auch ein sehr guter Entspannungsfaktor in diesen fordernden Tagen. Herzlichen Dank für das Interview und gutes Gelingen für alles!

Lesebühne _ ORF Garten vor dem Studio _ Klagenfurt

Walter Pobaschnig 22.6.2022

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„dass diese Spezies immer schon nimmersatt, amoralisch, bigott, martialisch, kurz: ein Desaster war“ Nikola Anne Mehlhorn, Schriftstellerin _Kronprinzenkroog/Nordsee D 22.6.2022

Liebe Nikola Anne, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Allerorts sind Endmoränen der Coronakrise zu finden, überlagert von der Ukrainekatastrophe: Verschobene Termine schichten sich zu Clustern, Erschöpfung ringsum, irritierte Kinder und Jugendliche.

Insofern besteht mein Tagesablauf aktuell aus Abarbeiten, Reden, Aufarbeiten, Erklären – und Freuen, dass die absurden Pandemierestriktionen zumindest derzeit inexistent sind. Jeden Tag starte ich aber mit einer (zumindest kurzen) Schreibflucht, die mich erlöst von der realen Welt, indem sie mir das Abtauchen in eine andere, bessere ermöglicht.

Nikola Anne Mehlhorn_Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

  1. Blick zurück auf die Karriere des schlechten Menschengeschlechts:) der zeigt, dass diese Spezies immer schon schlecht war: pestilenzisch, nimmersatt, amoralisch, bigott, martialisch, kurz: ein Desaster.
  2. Die eigene Resilienz stärken, indem man sich seines Wertesystems versichert und konsequent danach lebt. Das Gleiche wünsche ich Europa, um stärker und überzeugter in diesen irren Zeiten agieren zu können.
  3. Helfen, wo es geht. Aktive Unterstützung hilft auch den Helfenden. Passivität vergiftet.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Während der Coronakrise hat mich speziell die Marginalisierung der Kultur geschockt. Insbesondere: Wie willfährig die Künstler:innen diese akzeptiert haben. Bis auf Geldforderungen oder andere Klagen materieller Art kamen kaum Reaktionen aus der Kulturszene, geschweige denn Renitenz. Dabei sollten Literatur, Kunst, Musik gerade in Krisenzeiten Kompasse sein, Seelennahrung! „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ (5 Mos 8,3, Mt 4,4) schien urplötzlich vergessen, Hofnarretei, die im Ernstfall systemirrelevant ist – diese jähe Entwertung hat mich zutiefst verunsichert. Insofern ist jetzt ein Konturenziehen und Bemessen für Politik und Kulturschaffende dringend notwendig. Als Lehre aus dem Pandemiedesaster nehme ich, dass Künstler:innen mental und materiell unabhängig von der Gunst der Gesellschaft sein sollten! Förderlich in diesem Kontext wäre das Bedingungslose Grundeinkommen, für das ich schon schmerzhaft lange plädiere.

Was liest Du derzeit?

Ulrich Schnabel: Zuversicht. Außerdem meine Novelle EinmachEngel, die aktuell vertont wird (Uraufführung 2023). Und immer wieder tröstlich: Candide oder der Optimismus (Voltaire).

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Von meiner geliebten, längst verstorbenen, aber durch dieses Zitat verewigten Großmama: „Man muss sich ZWINGEN, das Positive zu sehen!“

Vielen Dank für das Interview liebe Nikola Anne, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Nikola Anne Mehlhorn_Schriftstellerin

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Foto_G2 Baraniak

14.6.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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