„Romy Schneider hat für den Schauspielberuf gelebt“ Dagmar Strobl, Model_40.Todesjahr Romy Schneider_Wien 3.4.2022

Dagmar Strobl_Model_Performerin_Make Up Artist _
reenacting Romy Schneider

Liebe Dagmar, welche Bezüge, Zugänge gibt es von Dir zu Romy Schneider?

Der erste Zugang ist für mich, wie hier in Österreich wohl üblich, über die „Sissi“ Filme. Das würde Romy Schneider wohl nicht gern hören wollen (lacht).

Als Romy Schneider starb, war ich sehr jung, aber mir sind die Berichte, Spekulationen von damals bei Gesprächen der Eltern in Erinnerung. Mich hat das Thema damals angezogen. Die Fragen und auch das Geheimnisvolle, Mystische um ihren Tod haben mich fasziniert. Ich verlor das dann später auch wieder aus den Augen, aber die Erinnerung blieb.

Wie siehst Du Werk und Leben von Romy Schneider?

Ihr Werk, ihre schauspielerische Leistung ist in Österreich/Deutschland viel zu wenig anerkannt. Es gibt viele großartige Filme mit ihr. Teilweise auch nicht so gelungene Filme, aber sie als Schauspielerin agiert toll.

Sie ist auch hier ein Star, aber ich denke wenige haben wirklich die guten Filme von ihr gesehen und damit diese hervorragende Schauspielerin.

Im Leben ist wohl von Anfang an viel an purer Katastrophe.

Gibt es einen Film von Romy Schneider, den Du hervorheben möchtest und warum?

Ja, ihren letzten Film „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“ (1982).

Einerseits spricht mich die Thematik sehr an, andererseits weil es unheimlich faszinierend ist wie Romy Schneider, nachdem was ihr alles widerfahren ist, im Film agiert und es überhaupt geschafft hat, dies zu spielen mit einem Jungen, der im Alter ihres verstorbenen Sohnes war. Das fasziniert, berührt mich total.

Gab es Berührungspunkte zu Werk und Leben Romy Schneiders in Deinen bisherigen Kunstprojekten?

Nein.

Wie siehst Du das Spannungsverhältnis von Leben und Schauspielberuf bei Romy Schneider wie an sich?

Ich finde es bewundernswert und auch faszinierend wie es möglich ist, trotz größter Herausforderungen und auch dem Scheitern im privaten Leben im Beruf so erfolgreich zu sein. So auf dem Punkt seine Leistung abrufen zu können, ich weiß nicht, ob das viele können.

Vielleicht nimmt eine Schauspielerin/ein Schauspieler viel von einer Rolle in das private Leben mit, unbewusst und vielleicht auch bewusst. Vielleicht schützt ein Rollenverständnis auch im Privatem. Oder man hofft es. Ich traue mich das nicht zu sagen, da ich keine Schauspielerin bin. Vorstellen kann ich es mir.

Ich glaube, dass es sehr schwierig ist, aus verschiedenen Rollen wieder rauszukommen, einen cut zu machen und zu sagen, jetzt beginnt wieder mein normales Leben. Ich stelle mir das gerade bei manchen sehr fordernden Rollen, in denen es eine hohe fordernde Identifikation gibt, extrem schwierig vor.

Romy Schneider wechselte nach großen Schauspielerfolgen in den 1950er Jahren das Filmgenre wie das Land. Wie siehst Du die Möglichkeiten persönlichen Entwicklungsweges in einem künstlerischen Beruf?

Es gibt sehr viele künstlerische Bereiche, die ganz verschiedene Möglichkeiten bieten, das hängt dann auch von den persönlichen Zielen ab. Und es hängt auch vom Glück ab, auch von der Bekanntschaft mit den „richtigen“ Leuten, das Ganze ist sehr komplex.

Möglichkeiten gibt es im künstlerischen Bereich genug. Man muss diese suchen und finden. Unermüdlich. Das ist nicht einfach. Für Romy Schneider bedeutete es, das Land zu wechseln. Sie musste das tun. Es hätte auch ein anderes Land als Frankreich sein können. Aber Österreich, Deutschland konnte es nicht mehr sein, zu diesem Zeitpunkt.

Jeder Mensch muss seine Möglichkeiten selbst suchen, sehen, entscheiden und diesen Weg gehen. Das macht das Leben aus. Das künstlerische wie das private.

Gibt es etwas typisch Wienerisches bei Romy Schneider?

Sehe ich nicht. Ich sehe Romy Schneider auch nicht als Wienerin. Sie ist ja nicht in Wien aufgewachsen und auch zur Familie ihres Vaters gab es ja relativ wenig Bezug.

Was bedeutet Dir Wien und welche Erfahrungen hast Du hier im Kunstbereich gemacht?

Wien ist meine Heimatstadt und ich mag es hier zu leben. Ich mag die Stadt, mag die Leute, die Natur und Kultur, die einem in dieser Stadt umgibt. Ich mag auch andere Städte, aber ich will immer wieder nach Wien zurückkommen und nicht woanders leben.

Vor der Pandemie dachte man, dass Wien Kunst und Kultur schlechthin ist. Aber dann zeigte sich, dass häufig darauf vergessen wird. Ich habe das Gefühl, dass da oft andere Bereiche vorgezogen werden und Kunst dann zurückgestellt wird.

Wie siehst Du die Möglichkeiten als Künstlerin in Wien/Österreich?

Es ist nicht leicht und es gilt Möglichkeiten zu finden. Und wenn es klappt, steht man gut da. Das ist hart, aber die Realität.

Generell glaube ich, dass die Möglichkeiten in Österreich gut sind.

Was wünscht Du Dir für den Kunstberuf?

Dass wieder mehr Augenmerk auf den Kunstberuf gelegt wird.

Die Aufmerksamkeit darf dabei nicht nur den „großen“ Kunsthäusern gelten, sondern auch den „kleinen“, die ja immer kämpfen und sich um alles selbst kümmern müssen.

Viele Künstler*innen sind jetzt aufgrund der Pandemie an Ihre Grenzen des Möglichen gestoßen. Da ist jetzt eine Wand zwischen ihnen und der Bühne. Sie wollen dabei nicht reich werden, nur spielen. Machen, was ihre Freude, Sinn ist. Auf diese Künstler*innen sollte mehr politisch Acht in Unterstützung und Ermöglichung gegeben werden, denn sie halten den Beruf der Künstlerin/des Künstlers in Ehren. Es sind für mich die wahren Künstler*innen.

Was sind Deine kommenden künstlerischen Projektpläne?

Ich möchte mich jetzt auch mehr neben Model- und Performanceprojekten auf die Maskenbildung konzentrieren. Ich habe da einige Ideen und gehe jetzt in die Planungsphase, freue mich darauf.

Was würdest Du Romy Schneider sagen, fragen wollen?

Wie sie es geschafft hat trotz aller persönlichen Belastungen und den langen Nächten der Gedanken, Fragen, auch des versuchten Vergessens, Verdrängens, wieder am Morgen am Set am Punkt abrufbar zu sein. Es ist faszinierend, wie sie das schaffte. Nicht jeder steht da wohl wieder auf. Romy Schneider war aber immer da und sie war bis zum Schluss immer da für ihren Beruf. Ich würde ihr das sagen und sie danach fragen wollen, wie sie das geschafft hat.

Was kann eine Künstlerin von Romy Schneiders Werk und Leben mitnehmen?

Eben diese vorhin erwähnte Disziplin, dieses Da-Zu-Sein trotz allem. Und natürlich diese absolute Leidenschaft für den Beruf. Im Enddefekt hat Romy Schneider für den Schauspielberuf gelebt.

Leidenschaft und Disziplin, dies wäre es für mich.

Darf ich Dich abschließend zu einem Romy Schneider Achrostikon bitten?

R ealität

O ptimismus

M ama

Y oga

Dagmar Strobl_Model_Performerin_Make Up Artist _
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40.Todesjahr _ Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris) _ im Gespräch und szenischem Fotoporträt:

Dagmar Strobl_Model_Performerin_Make Up Artist

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien 18.2.2022

Hotel König von Ungarn_Wien

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https://literaturoutdoors.com

Walter Pobaschnig 4_22

Ein Gedanke zu „„Romy Schneider hat für den Schauspielberuf gelebt“ Dagmar Strobl, Model_40.Todesjahr Romy Schneider_Wien 3.4.2022

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