Liebe Fiona, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Unterschiedlich. Vormittags Schreiben und Orga, Mails beantworten, dann meistens irgendwann Uni (online) oder halt Vor/ Nachbereitung / lesen, dann vielleicht am Nachmittag Überarbeiten / Sammeln, versuchen mindestens einmal am Tag rauszugehen und irgendwas mit meinen Händen zu machen (lustige Tiere zeichnen oder hässliche Kissen nähen oder so), mit lieben Menschen telefonieren, zu häufig das Handy entsperren, zu spät schlafen.
Fiona Sironic_Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich weiß nicht genau, wer wir alle sind, aber für mich sind soziale Kontakte und Netze wichtig. Sich über das was passiert austauschen können und verstanden und gesehen werden. Vitamin D ist wichtig. Medizinische Versorgung ist wichtig. Auf sich achten können. Und sicherer Wohnraum.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?
Ohne Erzählungen etc. lässt es sich einfach schwerer aushalten.
Was liest Du derzeit?
Ein Apartement auf dem Uranus von Paul B. Preciado und Ich fühl‘s nicht von Liv Strömquist.
Welches Zitat, Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
“So, make kin, not babies! It matters how kin generate kin.” (Donna Haraway, Staying with the Trouble)
Vielen Dank für das Interview liebe Fiona, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Lieber Harald, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Der Tag wird zu einem ruhigen Fluss, der unter dem Wasser etwas Beunruhigendes verbirgt…
Ich frühstücke lange und zuviel, hoffe auf Inspiration, die auch lange schläft, schreibe ein bisschen, jogge im Schnee, koche mit Wein,hoffe auf Begegnungen (bald?), höre mehr Musik, und schaue abends Serien, die mich nicht weiterbringen..
aber irgendwie genieße ich auch die Reduktion aufs Zuhause… sehr!
Harald Kappel, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Geduld, Gemeinsamkeit im Einsamen, Selbstfinden… Geduld
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Literatur und Kunst begleiten uns durch die Zeit des Stillstands und halten unsere Sinne offen… um, sobald sie es dürfen, mit größerer Begeisterung eine neue Freiheit feiern zu können..(wobei ich hoffe, dass die Künstler -mangels Öffentlichkeit und Unterstützung-nicht bis dahin in der oben genannten beunruhigenden Tiefe des Flusses ertrunken und vertrieben wurden…)
Was liest Du derzeit?
Ich lese (durcheinander…):
T.C.Boyle ( Ein Freund der Erde)
Mircea Catarescu.
(Solenoid)
Michael Stavaric
(Magma)
…die Aachener Nachrichten, die Zeit und das eclipsed-Rockmagazin…😉
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ein jeder Geist baut sich ein Haus und hinter seinem Haus eine Welt und hinter seiner Welt einen Himmel. Wisse also, dass die Welt für dich existiert.
(Ralph Waldo Emerson)
Vielen Dank für das Interview lieber Harald, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an KünstlerInnen:
Harald Kappel, Schriftsteller
Foto_Künstlerin „Márti“
7.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
50 Jahre Malina _ Roman _ Ingeborg Bachmann _ im Gespräch- Maxi Blaha, Schauspielerin:
Maxi Blaha, Schauspielerin_Wien_Ungargasse
Ich habe schon in den 1980er Jahren hier in diesem Stadtviertel Wiens viel Zeit verbracht – Ungargasse, Beatrixgasse, Marokkanergasse, Salmgasse, um den Heumarkt herum. Ich kenne diese Ecke aus meiner Gymnasialzeit sehr gut, hatte einen Freundeskreis hier ringsum.
Ingeborg Bachmann begleitet mich schon seit meiner Schüler*innenzeit. Sie hatte für mich immer eine große Strahlkraft. War für mich persönlich und auch in der Vermittlung des Schulunterrichtes eine Art Ikone.
Ich hatte und habe zu Ingeborg Bachmann in ganz unterschiedlichen persönlichen und künstlerischen Lebensphasen eine gute Verbindung, einen guten Draht. Es ist kein vollständiges Verstehen, aber es sind immer wieder neue Zugänge, Entdeckungen und Inspirationen.
In Linz habe ich etwa im Brucknerhaus ein gemeinsames Bachmann Projekt mit Jazz Musikern – Klaus Dickbauer, Georg Breinschmid, Winfried Gruber – gemacht „In meinen schlaflosen Nächten – Auf den Spuren von Ingeborg Bachmann (2010_Brucknerhaus CD Edition)“. Ein sehr schöner Abend. Ein phantastischer Bachmann-Text ist mir da jetzt schnell in Erinnerung, in dem eine junge Frau durch eine Glastür schlägt als sie ihren ehemaligen Freund mit dessen neuer Frau sieht – „…und sie sieht noch die Flügeltür…und denkt zuletzt, während es sie hineinschleudert unter einem Hagel aus Glasscherben, und während ihr noch wärmer wird vom Aufschlagen und dem Blut, das ihr aus dem Mund und aus der Nase schießt: Immer das Gute im Auge behalten.“ („Ihr glücklichen Augen“ in Simultan, 1972, Ingeborg Bachmann).
Brucknerhaus CD Edition
2016 folgte mein szenischer Theaterabend zu Ingeborg Bachmann und Elfriede Jelinek : „Es gibt mich nur im Spiegelbild – Bachmann, Jelinek“. Elfriede Jelinek nimmt ja den Malina Romanstoff in den „Prinzessinnendramen (Die Wand)“ auf. Es gibt ja viele literarische Entsprechungen zu diesem Verschwinden der Frau im Roman „Malina“. Etwa auch bei Marlen Haushofer. Der literarische Weg führt immer wieder zu „Malina“ zurück. (Anm: zum 90. Geburtstag von Ingeborg Bachmann sowie des 70. Geburtstages von Elfriede Jelinek wurde von Maxi Blaha ein Theaterabend mit live Musik im Rahmenprogramm der 40. Tage der deutschsprachigen Literatur 2016 in Klagenfurt uraufgeführt Es gibt mich nur im Spiegelbild – klagenfurter ensemble )
„Es gibt mich nur im Spiegelbild – Bachmann, Jelinek“ Szenischer Theaterabend_Maxi Blaha 2016
Emilie Flöge wohnte auch hier in der Ungargasse und hatte hier ihre letzte Wohnung. In der Zeit des Zweiten Weltkrieges brachte sie ihre wertvolle Modesammlung eigener wie historischer Kollektionen ihres Wiener Modesalons, unter anderem mit 300 Jahre alten Stickereien, hier in ihre Wohnung. Auch Zeichnungen und Skizzen von Gustav Klimt wurden von Emilie Flöge hier in die Ungargasse gebracht. Die Wohnung ist dann abgebrannt und damit gingen wertvolle kunsthistorische Artefakte verloren. Aber auch persönliche Erinnerungsstücke an ihren Lebenspartner Gustav Klimt. (Anm: Theaterabend_Maxi Blaha „Emilie Flöge – Geliebte Muse“ von Penny Black, 2018 Belvedere Museum Wien | Emilie Flöge. Geliebte Muse, der umjubelten Uraufführung folgte eine weltweite sehr erfolgreiche Tournee mit Stationen etwa in den USA und Japan)
Die Ungargasse, die Topographie hier, begegnet auch bei Elfriede Jelineks Roman „Kinder der Toten“ (1995).
Also die Ungargasse und das Feuer, das Erinnerungen verbrennen, das Verschwinden ist interessanterweise ein künstlerisches, biographisches Thema, das hier in der Ungargasse wiederkehrt.
Bachmann wurde ja eine ganz berühmte Wienerin. Obwohl sie das nicht zu Beginn ihres Lebens war. Aber wie viele Wiener*innen war sie dann die typische Wienerin. Als sie Mitte der 1940 Jahre nach Wien kam, hat sie sich ja sehr schnell alles angewöhnt was man als Wienerin können musste.
Der Roman „Malina“ ist so eine Art literarische, feministische, künstlerische, wienerische Ursuppe.
In „Malina“ ist für mich diese Aufspaltung des Menschsein, von Persönlichkeit zentral. Frau und Mann, Künstlerin und private Person.
Künstlerin und Privatperson sein, war für Ingeborg Bachmann ja ein ganz schmaler Grad. Das Erfolgreichsein in der Kunst und das Unerfolgreichsein in der Liebe. Dieses Festhalten an den völlig falschen Männern. Das hat sie ja auch auf eine Art und Weise getötet. In Malina versucht sich Bachmann von diesem allen loszuschreiben. Für Bachmann ist dieser Roman eine Befreiung. Das ist natürlich immer aktuell und zeitlos wie Literatur, wie das Künstler*innen sein.
Das Schöne an Roman Malina ist, dass es eben nicht so entschlüsselbar ist. Es ist wie ein gutes Gemälde, Musik.
Malina ist ein Ganzes. Ich bin ja keine Literaturwissenschaftlerin. In Malina kann ich mich treiben lassen, in den Bildern, in den Gedanken, heute würden wir wohl sagen in den „schrägen Geschichten“. Es gefällt mir.
Mein Vater, meine Großeltern kommen aus dem III.Bezirk Wiens hier, dem Radetzkyplatz. Meine Mutter lebt auch heute hier im Bezirk. Ich habe sehr viel Lebenszeit von Jugend an hier verbracht. Es ist Heimat für mich.
Für mich als Wienerin ist es auch schön in Malina Plätze der Stadt wiederzufinden und auch mit persönlichen Lebenserfahrungen zu verbinden. Der Stadtpark ist mir etwa sehr nahe, wie auch bei Bachmann.
Es ist auch für mich als Künstlerin gleichsam immer wieder ein Dialog mit Wien. Ein Mitgehen des Lebens in Emotionen, im Erleben. Das macht natürlich etwas mit einem, eine Stadt und das Leben, Lebensphasen darin. Dies ist auch im künstlerischen Prozess bedeutsam, wie ja im Roman und Werk bei Bachmann.
Ich hatte immer starke literarische Männer, künstlerische Persönlichkeiten an meiner Seite. Mein jetziger Freund ist ja Galerist, auch da sind natürlich immer ganz große Kunstwerke präsent. Das ist für mich sehr inspirierend, hat aber auch etwas Erdrückendes. Da komme ich mir auch etwas vor wie Bachmann in ihren Beziehungen zu Hans Weigl (Anm: Julius Hans Weigel * 29. Mai 1908 † 12. August 1991, Wien; Schriftsteller, Theaterkritiker) oder Max Frisch (* 15. Mai 1911 † 4. April 1991 Zürich; Schriftsteller und Architekt). Ich werde mir das schon absichtlich aussuchen (lacht). Es treibt einen an. Aber es ist eine Gradwanderung, die mich wohl auch mit Bachmann verbindet.
Die Topographie ist wie ein pawlowscher Reflex für einen Gefühlszustand. Und dieses hat bei Bachmann und mir auch immer mit Liebe, der Reflexion und der Suche nach perfekter Beziehung, dem perfekten Mann, zu tun.
Bachmann ist auch heute ein Vorbild. Sie ist eine radikale Künstlerin in der gesellschaftlichen Befreiung als Frau, Künstlerin. Sie ist eine Ikone.
Ingeborg Bachmann war auch sehr modeaffin. Etwa am Foto mit dem schwarzen Lackmantel in Rom. Sie hat sich bewusst modisch angezogen. Wie auch Emilie Flöge und auch Elfriede Jelinek. Ebenso Bertha von Suttner. Dies wäre ja nicht so erwartbar. Mode war ja in Künstler*innenkreisen verpönt. Es ist aber ein bewusster Akt. Das Geld bewusst ausgeben für das was Frau möchte. Es ist persönliche Freiheit.
Lieber Georg, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mein Tagesablauf ist eigentlich nicht so sehr aus dem Rahmen gekommen…Nach dem Kaffee morgens setze ich mich ans Klavier und mach meine Etuden ect. schreibe an meinem zweiten Kabarett…Und chille auch sehr gern.
Georg Drahosch, Schauspieler
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Die Hoffnung nicht verlieren auch das geht vorbei und die auch gewonnene Zeit nutzen für Familie und Vorbereitungen für die Bühne…
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Es ist immer der Wandel der Zeit. Wir werden uns anpassen und weitermachen, wenn was zu Ende geht, wird auch was Neues entstehen…
Was liest Du derzeit?
Der Spieler von Dostojweski
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ein Tropfen Glück möcht ich haben, oder ein Fass Verstand
Vielen Dank für das Interview lieber Georg, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspiel-, Kabarettprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an KünstlerInnen:
Georg Drahosch, Schauspieler
Foto_Barbara Maria Hutter.
7.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Liebe Andrea, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mein gewöhnlicher Tagesablauf hat sich diese Tage sehr verändert. Normalerweise habe ich die letzten Jahre vormittags meine Tanzunterricht-Stunden vorbereitet, unterrichtet, meine Choreografien für die Shows kreiert, mit meinen Kollegen (Tänzer, Musiker) geprobt. Nachmittags unterrichtete ich immer meine Schüler. Ab Anfang Februar habe ich angefangen, vormittags zusätzlichen Teilzeitjob im sozialen Bereich für 2 Monate auszuüben. Wegen der aktuellen Situation hat sich meine Arbeit als Tänzerin und Tanzlehrerin sehr reduziert. Damit auch mein Einkommen. Meine kreative Arbeit startet dadurch jetzt nach dem Mittagsessen, wann ich meine verbleibenden Online-Unterrichte vorbereite, online unterrichte und selbst meine Choreografien zu Hause kreiere und übe.
Letztes Jahr musste ich mehrfach meine Arbeit verändern. Alle Auftritte musste ich leider absagen. Die größte Herausforderung der letzten Monate war für mich, meine Arbeit auf Online Unterricht umzustellen und meine Schüler dazu zu motivieren. Bei meinen Kinderkursen war es wichtig, die Eltern und die Geschwister dazu zu ermutigen, mitzutanzen, damit die Kinder das Fehlen des Tanzens in den Gruppen überwinden und weiter in Bewegung bleiben. Ich integriere in meine Online – Kinder-Tanzstunden Ausdruckspiele, fröhliche Feinmotorik Übungen, Interaktion zwischen Tanz und Musik, kreatives Mitwirken der Kinder im Unterricht. Dies alles wirkt auf die Kinder unterstützend, stärkend und hilft ihnen Spannungen und Unsicherheiten abzubauen.
Andrea Narten, Tänzerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Aktiv zu bleiben! Nachvorne zu schauen! Nicht in negativen Medien – Nachrichten zu versinken! Ich bereite das Material für meine Unterrichte und für meine kommende mögliche Show auf, bilde mich weiter, setzte mich für die Kunst ein. Die Tanzschulen, Tanzstudios und die Theater können nicht ewig geschlossen bleiben. Die Regierung hat sich die letzten Monate sehr wenig mit der Kunst beschäftigt und sie kaum unterstützt. Wir Künstler brauchen konkrete Schritte für den Wiederaufbau unserer künstlerischen Tätigkeiten. Ich bin bereit, die Initiativen dieser Richtung zu unterstützen. Mit vernünftigen Gesundheitsmaßnahmen und Regeln können die künstlerischen Aktivitäten aus meiner Sicht wieder starten. Gerade in diesen Zeiten ist die heilende Kraft der Kunst extrem wichtig.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Tanz, der Kunst an sich zu?
Die letzten Monate haben uns alle sehr herausgefordert, oft aus der inneren Balance gebracht, verunsichert, psychisch belastet, durch emotionale Achterbahnen geführt. Mehr und mehr werden Studien veröffentlicht, wie viele Kinder und Erwachsene aktuell an psychischen Problemen leiden. Bei einem Neubeginn wird es wesentlich sein, sich auf die Aktivitäten zu konzentrieren, die uns energetisch, psychisch, physisch positiv stärken und die uns helfen, negative Gefühle abzubauen. Dabei spielt die Kunst eine große Rolle. Über die 20 Jahre meines Tanzunterrichts habe ich viel Feedback bekommen, wie das Tanzen meine Schüler inspiriert, befreit, gestärkt und über viele Lebenskrisen unterstützend begleitet hat, ihnen Kraft gegeben hat ihren Alltag zu meistern. Der Ausdruck der Emotionen durch Tanz, Gesang, Musik, Schauspiel und anderen künstlerische Aktivitäten hilft intensiv die eigene innere Balance wieder neu zu entdecken. Gerade diese innere Balance ist so wichtig bei einem Neubeginn, um mutig neue berufliche und persönliche Wege einschlagen zu können. Ich drücke uns allen sehr die Daumen!
Was liest du derzeit?
Auf meinem Nachttisch liegen jetzt: Traumfänger von Marlo Morgan – Die Geschichte einer mutigen Frau, die mit den Aborigines wanderte und die Geheimnisse und Weisheiten eines sehr alten Stammes erfuhr. Land unter im Paradies _von Susanne Götze – Reportagen darüber, wie die Menschen in verschiedenen Ländern und Kulturen mit den Folgen des Klimawandels leben. Fulmaya _von Dorota Nvotová – Reiseroman der slowakischen Musikerin, über ihre Trekking-Reisen in Himalaya Gebirge.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Verlasse dich darauf, dass dich das Leben immer wieder zu dir selbst führen wird!“ (aus dem Buch Traumfänger)
Vielen Dank für das Interview liebe Andrea, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Tanzprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Liebe Andrea, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich stehe früh auf und setze mich zum Schreiben hin. Derzeit bin ich am Beenden meines nächsten Thrillers, der im Herbst bei Emons erscheint. Außerdem bereite ich Präsentationen in italienischer Sprache vor, da „Grado nella nebbia“ im Februar bei Emons libri & audiolibri in Rom erscheint. Es ist der dritte Band der Grado-Reihe um die Commissaria Maddalena Degrassi. Im März kommt der sechste Band der Reihe „Grado in Flammen“ auf den Markt. Zu Mittag esse ich gemeinsam mit meinem Mann und danach wandern wir durch den Wald oder zum See. Den Nachmittag verbringe ich in meiner Praxis und wieder am Schreibtisch. Der Abend ist dem Lesen und vielen Serien vorbehalten.
Andrea Nagele, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ausreichend zu schlafen, sich viel zu bewegen und sich gesund gut zu ernähren. Alles zu machen, was die Lebensqualität fördert. Wichtig ist außerdem, im Kontakt mit Familie und Freunden zu bleiben.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Literatur ist ein reflektierendes Medium. In der einen oder anderen Weise wird jede Schreibende sich mit der schwierigen Zeit des letzten Jahres auseinandersetzen. Einerlei, ob CoVid in dem Text vorkommt, oder nicht.
Was liest Du derzeit?
James Rhodes Der Klang der Wut
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen.“ Theodor W. Adorno
Vielen Dank für das Interview liebe Andrea, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Das Miteinander wieder viel mehr zu suchen, Behutsamkeit und Geduld in uns zu finden und das eigene Ego ein wenig zu zähmen.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, dem Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Musik, Theater und Kunst – jene Rezeptionen, die das Leben leicht, bunt und festlich machen. Wir müssen wieder unermüdlich verführen, berühren und der Realität strengstens den Zutritt verwehren! Nehmen wir uns nicht zu wichtig, dann werden wir es wieder!
Was liest Du derzeit?
Das Lachen und der Tod / Pieter Webeling
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Wir waren schon alle satt, jetzt nährt Hunger wieder die Phantasie.
Vielen Dank für das Interview lieber Alexander viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musik-, Schauspiel-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Lieber Moritz, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich sitze ziemlich lange am Laptop. Morgens nutze ich die beste Zeit des Tages zum Schreiben. Danach – ich bin auch Lehrer – viel Online-Unterricht, Video-Konferenzen und so. Mittags fahr ich manchmal zum Restaurant, um sie zu unterstützen und Abwechslung in meinen Speiseplan zu bringen. Und irgendwann muss ich RAUS: aufs Rad oder durch den Schnee laufen! Aber schön zum baden-württembergischen Zapfenstreich wieder daheim sein…
Moritz Heger, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Dass wir nicht selbstgerecht und nicht verbittert werden. Freundlich sein auch unter der Maske. Die reale Diversität möglichst wertfrei aushalten – wir erleben Corona unterschiedlich, wir SIND unterschiedlich. Das waren wir natürlich schon zuvor, aber die Krise mit ihrem Druck treibt es zutage.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Literatur macht Stimmen hörbar, gerade auch Unerhörtes. Sie schafft Wegräume und Wegträume. Literatur erzeugt Bilder im (kollektiven) Kopf. Sie macht mündig. Das ist existenziell wichtig in einer Zukunft, die auch aus Traumaverarbeitung und gesellschaftlicher Deutung des Erlebten und Erlittenen bestehen wird.
Was liest Du derzeit?
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Marie T. Martin: „Rückruf“, Yevgeniy Breyger: „Gestohlene Luft“, Philip Roth: „Der menschliche Makel“, Lauren Groff: „Florida“ , Sasha Filipenko: „Rote Kreuze“, Anne Freytag: „Das Gegenteil von Hasen“, Markus Gabriel: „Fiktionen“, Terry Eagleton: „Opfer – Selbsthingabe und Befreiung“
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
To be really wortkarg, one must know every Wort. (Samuel Beckett)
Vielen Dank für das Interview lieber Moritz, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an KünstlerInnen:
Moritz Heger, Schriftsteller
Aktueller Roman „Aus der Mitte des Sees“ Diogenes Verlag 2_2021
Foto_maurice-haas-diogenes-verlag
11.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Liebe Pegah, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Wie immer konzentriere ich mich auf das Lesen sowie das Schreiben und ich führe einige Schreibprojekte durch, Korrespondiere mit meinen Freunden und denke darüber, was in diesen Briefe ausgetauscht wird.
Pegah Ahmadi, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich denke in der gegenwärtigen Situation, in der der Außenraum beinahe aus unserem Leben entfernt ist und wir mit verschiedenen Bedrängnissen in allen Dimensionen konfrontiert sind, ist es wichtig eine Art Akzeptanz, Toleranz, Empathie und Versöhnung mit dem Inneren üben zu können. Diese kann vielleicht zu einer besseren Harmonie mit uns selbst und anderen führen.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Die Literatur strömt weiterhin. Sie hört nicht auf Fragen zu stellen und bezeugt ihre eigene Betroffenheit, durch das, was sie produziert. Vielleicht besteht die Rolle der Literatur darin, ohne ihre Kraft und Strahlung zu mindern, ihr eigenes Ungenügen zu offenbaren. Und das schließt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft mit ein. Auf jeden Fall ist es die Literatur, die uns ermutigt weiterzumachen, um in Konfrontation mit dem Desaster etwas Stärkeres zu erschaffen, auch wenn dieses Stärkere unsere Schrecken reflektiert.
Was liest Du derzeit?
Ich lese immer mehrere Bücher parallel. In jedem Buch kann ein Funke den Geist in eine andere Richtung lenken. Zur Zeit lese ich allerdings ‘’ Wir sagen uns Dunkles’’ von Helmut Böttiger, zwei Gedichtsammlungen von Günter Eich und Ernst Meister und parallel einige Artikel über ihre Poetologie.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
‘’Ich kann mir kein seligeres Wissen denken, als dieses Eine: dass man ein Beginner werden muss. Einer, der das erste Wort schreibt hinter einen jahrhundertelangen Gedankenstrich.’’ – Rilke, Die Prosa
Vielen Dank für das Interview liebe Pegah, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Gerne.
5 Fragen an KünstlerInnen:
Pegah Ahmadi, Schriftstellerin
Foto_privat.
7.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Liebe Alexandra, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mein Tagesablauf hat sich nur unwesentlich verändert. Ich schreibe, zwischendurch gibt es eine Mahlzeit und wenn ich vom Sitzen gelangweilt bin, ziehe ich die Joggingklamotten über und drehe eine Runde um den Block. Durch Corona habe ich unseren Garten zu schätzen gelernt. Ein Stück Freiheit, in der wir für einen Augenblick vergessen können.
Alexandra Huß, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Menschlich bleiben und zusammenhalten. Hinhören und hinsehen. Die Straßen sind nicht mehr so bunt wie vor der Pandemie, der Puls der Städte schlägt langsamer und das Blau des Himmels hat einen grauen Anstrich bekommen. Doch auch das wird ein Ende haben und dann werden wir zurückschauen und getrost durchatmen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Kunst und Literatur ist Leben. Lesen ist Leben. Gerade deshalb ist es in Zeiten, in denen es an Orientierung fehlt, so notwendig. An diesem roten Faden, der die Gesellschaft erst zu einer macht, muss angeknüpft werden. Einige von uns wird es nach Corona nicht mehr geben, dafür hat die Politik gesorgt, und die, die übrigbleiben, stehen mit gesenktem Kopf vor einer Mammutaufgabe, die Überleben heißt.
Was liest Du derzeit?
Ich habe das aufgeschlagene Buch Paris, links der Seine hier liegen und widme mich anschließend dem Roman Der Wal und das Ende der Welt. Unter Wasser Nacht meiner Kollegin Kristina Hauff kommt mit auf Recherchereise.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Wenn die Angst vom Himmel fällt und sich wie eine Decke über die Menschheit legt, ist es an uns, sie abzustreifen.
Alexandra Huß, Schriftstellerin
Vielen Dank für das Interview liebe Alexandra, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!