„Wir Künstler brauchen konkrete Schritte für den Wiederaufbau“ Andrea Narten, Tänzerin_Wien 6.3.2021

Liebe Andrea, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein gewöhnlicher Tagesablauf hat sich diese Tage sehr verändert. Normalerweise habe ich die letzten Jahre vormittags meine Tanzunterricht-Stunden vorbereitet, unterrichtet, meine Choreografien für die Shows kreiert, mit meinen Kollegen (Tänzer, Musiker) geprobt. Nachmittags unterrichtete ich immer meine Schüler. Ab Anfang Februar habe ich angefangen, vormittags zusätzlichen Teilzeitjob im sozialen Bereich für 2 Monate auszuüben. Wegen der aktuellen Situation hat sich meine Arbeit als Tänzerin und Tanzlehrerin sehr reduziert. Damit auch mein Einkommen. Meine kreative Arbeit startet dadurch jetzt nach dem Mittagsessen, wann ich meine verbleibenden Online-Unterrichte vorbereite, online unterrichte und selbst meine Choreografien zu Hause kreiere und übe.

Letztes Jahr musste ich mehrfach meine Arbeit verändern. Alle Auftritte musste ich leider absagen. Die größte Herausforderung der letzten Monate war für mich, meine Arbeit auf Online Unterricht umzustellen und meine Schüler dazu zu motivieren. Bei meinen Kinderkursen war es wichtig, die Eltern und die Geschwister dazu zu ermutigen, mitzutanzen, damit die Kinder das Fehlen des Tanzens in den Gruppen überwinden und weiter in Bewegung bleiben. Ich integriere in meine Online – Kinder-Tanzstunden Ausdruckspiele, fröhliche Feinmotorik Übungen, Interaktion zwischen Tanz und Musik, kreatives Mitwirken der Kinder im Unterricht. Dies alles wirkt auf die Kinder unterstützend, stärkend und hilft ihnen Spannungen und Unsicherheiten abzubauen.

Andrea Narten, Tänzerin


Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Aktiv zu bleiben! Nachvorne zu schauen! Nicht in negativen Medien – Nachrichten zu versinken! Ich bereite das Material für meine Unterrichte und für meine kommende mögliche Show auf, bilde mich weiter, setzte mich für die Kunst ein. Die Tanzschulen, Tanzstudios und die Theater können nicht ewig geschlossen bleiben. Die Regierung hat sich die letzten Monate sehr wenig mit der Kunst beschäftigt und sie kaum unterstützt. Wir Künstler brauchen konkrete Schritte für den Wiederaufbau unserer künstlerischen Tätigkeiten. Ich bin bereit, die Initiativen dieser Richtung zu unterstützen. Mit vernünftigen Gesundheitsmaßnahmen und Regeln können die künstlerischen Aktivitäten aus meiner Sicht wieder starten. Gerade in diesen Zeiten ist die heilende Kraft der Kunst extrem wichtig.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Tanz, der Kunst an sich zu?

Die letzten Monate haben uns alle sehr herausgefordert, oft aus der inneren Balance gebracht, verunsichert, psychisch belastet, durch emotionale Achterbahnen geführt. Mehr und mehr werden Studien veröffentlicht, wie viele Kinder und Erwachsene aktuell an psychischen Problemen leiden. Bei einem Neubeginn wird es wesentlich sein, sich auf die Aktivitäten zu konzentrieren, die uns energetisch, psychisch, physisch positiv stärken und die uns helfen, negative Gefühle abzubauen. Dabei spielt die Kunst eine große Rolle. Über die 20 Jahre meines Tanzunterrichts habe ich viel Feedback bekommen, wie das Tanzen meine Schüler inspiriert, befreit, gestärkt und über viele Lebenskrisen unterstützend begleitet hat, ihnen Kraft gegeben hat ihren Alltag zu meistern. Der Ausdruck der Emotionen durch Tanz, Gesang, Musik, Schauspiel und anderen künstlerische Aktivitäten hilft intensiv die eigene innere Balance wieder neu zu entdecken. Gerade diese innere Balance ist so wichtig bei einem Neubeginn, um mutig neue berufliche und persönliche Wege einschlagen zu können. Ich drücke uns allen sehr die Daumen!

Was liest du derzeit?

Auf meinem Nachttisch liegen jetzt: Traumfänger von Marlo Morgan – Die Geschichte einer mutigen Frau, die mit den Aborigines wanderte und die Geheimnisse und Weisheiten eines sehr alten Stammes erfuhr. Land unter im Paradies _von Susanne Götze – Reportagen darüber, wie die Menschen in verschiedenen Ländern und Kulturen mit den Folgen des Klimawandels leben. Fulmaya _von Dorota Nvotová – Reiseroman der slowakischen Musikerin, über ihre Trekking-Reisen in Himalaya Gebirge.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Verlasse dich darauf, dass dich das Leben immer wieder zu dir selbst führen wird!“ (aus dem Buch Traumfänger)

Vielen Dank für das Interview liebe Andrea, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Tanzprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

Andrea Narten, Tänzerin

5 Fragen an KünstlerInnen:

Andrea Narten, Tänzerin

Flamenco Wien – Andrea Narten

Foto_1_Blanka Kefer. _ 2/3 Goran Andric _ 4 Evelyn Lynam

7.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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