Lieber Günter, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Wie immer.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Nicht aufs Atmen vergessen!
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Ich sehe keinen Aufbruch, keinen Neubeginn.
Was liest Du derzeit?
Diese Fragen.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Glaube nie den Buchstaben ein Wort, sie lügen wie gedruckt!
Vielen Dank für das Interview lieber Günter, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Liebe Waltraud, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Kaum anders als sonst auch, da ich – außer, wenn ich zum Dolmetschen verreisen musste – als Übersetzerin und in den letzten Jahren als Schreibende immer in langen Phasen von zuhause aus gearbeitet habe und es seit jeher gewohnt bin, mir meine Tage selbst einzuteilen.
Gewöhnlich stehe ich gegen 6 Uhr auf und mache ein paar Yogaübungen. Dann folgt meine Lieblingsmahlzeit, ein ausgedehntes Frühstück. Für mich die beste Methode, Träume und daraus neu entstehende Gedanken zu verarbeiten, meist verbunden mit einem inspirierten Gespräch mit meinem Mann.
Danach erledige ich, was im Haushalt gerade anfällt. Oft gehe ich hinterher noch ins Freie, das heißt, ich streife ein, zwei Stunden im Wald umher. Wir wohnen im selbst gewählten Abseits auf dem Land, quasi auf der Alm. Ringsum Streuobstwiesen, Weiden und ausgedehnte Wälder. Ein Paradies, in dem ich mich uneingeschränkt bewegen kann, in der jetzigen Zeit ein echtes Privileg.
Mittags wird gekocht, und nach einer Ruhepause folgt am Nachmittag meine kreative Zeit – zum Schreiben und Recherchieren, derzeit ab und zu unterbrochen, wenn ein Nachbarskind vorbeikommt und um Hilfe beim Lernen im Homeoffice bittet.
Musik nimmt auch einen fixen Platz in meinem Tag ein, manchmal nur das Anhören aus purer Freude, oder als Entspannung, wenn ich beim Schreiben gerade nicht vorankomme, ansonsten setze ich mich an die Harfe und spiele eine Weile.
Abends sehe ich mir diverse Nachrichten an, manchmal verfalle ich auch dem Fernseher, sonst genieße ich es, zu lesen. Und falls mich tagsüber etwas belastet hat, wenn ich zum Beispiel meinte, mich über etwas aufregen oder ärgern zu müssen, kurzum, wenn ich auf die eine oder andere Weise die seelische Balance verloren habe, gehe ich nachts noch einmal hinaus, um einen Blick in den Himmel zu werfen, der hier auf dem Berg fast immer sternklar ist. Spätestens bei diesem Anblick relativieren sich viele Dinge von selbst…
Meine Tage verlaufen im Moment eher beschaulich, was mir viel Raum für Muse lässt. Daraus entstehen Schritt für Schritt diverse literarische Projekte.
Waltraud Ferrari, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Besonnenheit , Rücksichtnahme und Verantwortungsbewusstsein. Also weiter denken als nur bis zur eigenen Nasenspitze. Sich eingestehen, wie verwöhnt, ja wehleidig in unserer Gesellschaft oft reagiert wird, weil einem das Leben derzeit mehr abverlangt.
Gerade jetzt erinnere ich mich oft an meine Großeltern, die noch im Kaiserreich geboren wurden. Sie mussten zwei Weltkriege durchstehen, Opa sieben Jahre Sibirien, und wir Kinder kannten sie nur als gütige, großzügige Menschen, die sich bis an ihr Lebensende (beide wurden 89) sogar immer noch Humor bewahrten.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Bedeutung kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
In diesem Zusammenhang bin ich für radikale Ehrlichkeit: Wir können nicht mehr so weitermachen wie bisher, weil das unweigerlich in den totalen Kollaps führen würde, und im Grunde wissen wir das alle schon längst.
Eine einfache Fragestellung dazu lautet: Was ist genug? Vielleicht finden wir auf diesem Weg zu einer entspannten neuen Bescheidenheit, bei der wir nichts vermissen, sondern Entlastung verspüren, die Freiheit des „Weniger ist mehr“ entdecken, wodurch wir das Haben wieder gegen das Sein eintauschen könnten.
In der Kunst/Literatur gilt es, neue Entwürfe zu wagen und hoffnungsvolle Auswege zu erdenken. Es braucht viel mehr Mut zum Konstruktiven und Ästhetischen, immer nur Missstände aufzuzeigen oder Dystopien zu entwickeln erachte ich als zu wenig.
Mein eigenes Wirken betrachte ich dann als gelungen, wenn ich im Gegenüber jenen Wesensbereich anspreche, in welchem er seine persönlichen Belastungen zumindest zeitweise transzendieren kann und sich an das erinnert, wo er heil und ganz geblieben ist, wo er Antworten erhält, die jenseits des Begrifflichen liegen und ihm freudige Zuversicht vermitteln.
Was liest du derzeit?
Meist lese ich mehrere Bücher gleichzeitig, derzeit sind es drei:
Marta von Valentina di Cesare .
Text auf dem Buchcover: Marta denkt über das Leben nach, über das Glück und die Liebe, das Versteckspiel der Sonne und darüber, was normal ist.
Es handelt sich um die erste literarische Übersetzung einer Kollegin, Claudia Lederbauer, aus dem Italienischen. Natürlich hat mich das neugierig gemacht und ich freue mich für Claudia, denn die Übersetzung ist wirklich sehr gelungen.
Märchen von den britischen Inseln
Shaman – The mysterious life and impeccable death of Carlos Castaneda von Mike Sager
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Aus dem Buch Eckpfosten von Henri Michaux:
In einer Zeit der Abgehetztheit bewahre du dein >>Andante<<. Sage dir immer wieder: „Mehr, noch viel mehr Andante“, und versuche, gerade so weit zu kommen wie nötig. Sonst handelst du nur überstürzt, und alles wird oberflächlich. Dem entrinnen die Empörten des Augenblicks kaum, die stets in Eile sind, um ja nicht zu spät zu kommen zu einer Empörung. Auch sind ihre Stimmen zu Schrill.
Vielen Dank für das Interview liebe Waltraud, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte – Dein neues Buch „Die Brücke aus Eis“ – wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Derzeit steht der Aufwachmoment in meinem Fokus, was natürlich naheliegend ist als Künstlerin, die auch über den Schlaf forscht. Das bedeutet natürlich auch ausschlafen…. Der Aufwachmoment am Morgen – Dieser Zwischenzustand vom Schlafenden zum Wachen ist etwas sehr Spannendes, eine Transformation. Gerade läuft auch eine Ausstellung in der Fotogalerie Wien im WUK zur Thematik „Borderland“ wo ich auch eine Arbeit zeige.
Ich versuche mir vor allem am Morgen Zeit zu nehmen, döse oftmals noch eine Rund weg und verfolge die Bilder die auftauchen. Nach dem Aufwachen gehe ich in eine Schreib- und Zeichenphase und notiere meine Träume, Gedanken, die dann oftmals in Gedichten oder anderen Texten später weiterverwendet werden.
In Ruhe aufzuwachen ist etwas sehr Luxoriöses, Befreiendes. Wenn ich nicht schreibe, versuche ich mich meinem Körper zuzuwenden, ein paar Übungen zu machen oft auch mal zu meditieren. Erst dann nehme ich Kontakt zur Außenwelt auf, lese meine Emails. Aber da ist man dann oft schon wieder rausgerissen aus den konzentrierten Gedanken. Lange lasse ich mir beim Frühstücken Zeit, höre das Radiokolleg und oftmals tausche ich mich im Laufe des Tages mit FreundInnen über vorgestellte Themen aus.
Ein Teil meiner Arbeit besteht auch im Unterrichten, derzeit online. Es dauert immer noch bis ich mich daran gewöhnt habe, keine direkte Resonanzen zu bekommen ( weil alle zunächst auf stumm geschaltet sind, eine Zeitverzögerung dazukommt und man in fremde Wohnzimmer blicken kann). Und ich merke danach möchte ich nicht mehr vor dem Computer sitzen.
Ich bin ein sehr analoger Mensch und habe auch gemerkt wie wichtig es jetzt gerade ist, täglich Spazieren zu gehen oder in Ruhe zu lesen. Das bringt den Körper und Geist in Schwung. Gerade bin ich auch am Land im Waldviertel und genieße hier die Ruhe.
Im ersten Lockdown habe ich einen“ Dilaog mit M“ mit meiner Matratze geschrieben, vertont vom Musiker Cornelius Wildner der nächstes Jahr erstmalig in einer Audioinstallation gezeigt werden soll. Es entstanden auch eine Reihe von performativen Fotografien u.a. mit der Matratze. Ein Beitrag „Spaziergang mit Matratze“ auch gerade auf der KÖR NÖ Seite vom Projekt „Kleine Post“: https://www.publicart.at/de/projekte/kuratiert/2020kleinepost/482/
In der Stadt besuche ich am späten Vormittag dann das Atelier. Ich kann hier aber nicht von einer Regelmäßigkeit sprechen – Oft arbeite ich mit SoundkünstlerInnen und FotografenInnen zusammen und komme an ganz andere Orte, die mich oft überraschen. An den Abenden kann es schon sein, dass ich in Filme und Serien reinkippe. Ich genieße es aber richtig mich in diese Welten zu begeben und kann rundherum alles vergessen.
Anne Glassner, Künstlerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Viel Liebe im Umgang mit sich selbst, mit dem Partner und den Mitmenschen.
Positiv in den Tag starten und sich schöne Rituale wie spazieren gehen oder lesen überlegen. Das hilft enorm meiner Meinung nach. Andere motivieren und nicht immer nur herumjammern und versuchen die guten Seiten dieser Zeit zu sehen – Lachen hilft! Sich mal mit lieben Menschen Online verabreden die man lang nicht gesehen hat. Vielleicht auch etwas Gutes in dem zu sehen, dass man nicht ständig überall hin muss.
Und ich habe festgestellt, in der Wohnung herumzutanzen hat etwas sehr Befreiendes…
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst zu?
Die Kunst ist ein Ventil, dieses steht uns immer zur Verfügung, ist immer da, treibt uns an und öffnet unsere Herzen. Ich hoffe das Ausstellungshäuser, Theater und Konzerte bald wieder aufsperren können.
Und ich glaube es werden auch neue Ausstellungsformen sichtbar oder sind es bereits, wie die Bespielung von Schaufenstern und mehr Projekte im öffentlichem Raum. Diese Krise ist auch eine Chance für neue Wege.
Trotz der vielen Aussstellungsabsagen dieses Jahr war es für mich dennoch ein Produktives. Unter anderem arbeite ich an meinem ersten Buch/Katalog „schlafen“ der nächstes Jahr erscheinen wird und Projekte der letzten sieben Jahre umfassen wird. Einige Dinge für 2021 sind bereits wieder in Planung und ich tue mal so als ob alle stattfinden werden.
Für mich gibt es trotz dem Stillstand keinen Stillstand – wir sind ständig in Bewegung und in Veränderung.
Was liest Du derzeit?
„The lonley city“ von Olivia Laing
„Matratze/Matrize: Möblierung von Subjekt und Gesellschaft, Konzepte in Kunst und Architektur“ von Irene Nierhaus/Kathrin Heinz
„Einmal noch schlafen dann ist morgen“ von Rubey Manuel
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Die Welt ist voller Rätsel, für diese Rätsel aber ist der Mensch die Lösung (Joseph Beuys)
Vielen Dank für das Interview liebe Anne viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Lieber Dominik, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich habe ein Jahr als Stipendiat in der Villa Rosenthal in Jena gewohnt. Dieser Aufenthalt war seltsam schön, weil zweigeteilt. Die ersten sechs Monate verbrachte ich gefühlt jeden Abend woanders: in der Stadt wie auch in der Villa gab es zahlreiche Veranstaltungen (oder ich hatte selber welche); im Nachhinein geradezu ein Exzess an Antivirtualität. Etwa Mitte März ist Jena dann heruntergefahren worden, ich fand mich als alleiniger Bewohner der Villa wieder, einer Art Luxus-Isolation mit 5000qm Garten. Ich wurde zu einem wunderlichen Hausgespenst, fern im Laptop diskutierten die Virologen die Katastrophe, während ich auf dem Balkon rauchte und eine Fuchsfamilie beobachtete. Ein bisschen „Shining“, ein bisschen Robinsonade, nur fand ich keinen Volleyball, den ich hätte „Wilson“ nennen können.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Kommt natürlich auf die Lebensumstände des Einzelnen an. Geduld fällt mir ein… Erregungsdebatten sollte man meiden, wir könnten uns jetzt mal wieder auf monumentalere Dinge einlassen – Beispielsweise alle Filme von Rainer Werner Fassbinder gucken, Thomas Manns oder Dostojewskis sämtliche Werke lesen, sowas (Ich versuche es gerade mit David Foster Wallace). – Nicht mehr in Tagen, sondern in Monaten denken? Nachtwanderungen machen, Winterschlaftiere studieren, Schachspielen, Rauchen, ein Musikinstrument lernen… Die Liebe zur Distanz leben, solange es noch möglich ist (- mir fällt gerade auf, dass sich da bei mir nicht allzu viel geändert hat J) Ach so, vielleicht das Wichtigste: Wir sollten alle freundlich bleiben!
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Ich fürchte, es wird sich erst mal nicht viel verändern. Alle warten darauf, dass es wieder „normal“ weitergehen kann. Wir halten an dem Gedanken fest, die Situation durch eine Art global-solidarische Einübung in den „momentanen“ Zusammenbruch zu „meistern“. Doch werden diese Katastrophen sich weltweit akzelerieren und – sind ja erst durch unseren gesellschaftlichen Geschwindigkeits- und Wachstumszwang ausgelöst worden. Genau in diesen Fortbestand des Absurden streben jedoch alle voller Sehnsucht zurück. Wir glauben, wir managen hier gerade eine Unbill, die wir als „Zwischenzeit“ empfinden. Wir tun dies mit mehr oder weniger seltsamen Quadraturen des Kreises, mit tragikomischer Hilflosigkeit. Dabei stecken wir im Paradox unserer Wachstumsfalle. Man könnte meinen, aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit sei irgendwie eine kollektive Verdrängung erwachsen. Eigentlich müssten wir aussteigen. Wir müssten ein Gespür dafür entwickeln, dass es „hektisch“ ist, was wir tun, gefährlich. Wir müssten an dem Ausstieg daraus Spaß haben. Wir müssten das Kreative am Absprung erkennen. Und genau hierfür können Literatur und Kunst die Vermittlerinnen sein. Dass wir eine Stellvertreterscham für Maßlosigkeit und Profitgier entwickeln, Habitate respektieren, ihnen nicht in die Quere kommen, den Regenwäldern und den Fledermäusen. Die Lächerlichkeit und Idiotie von Leuten auf dem Ausbeutertrip muss etwas Selbstverständliches bekommen. So wie wir heute den Kopf schütteln über die Massenkontaminierungen in den siebziger Jahren, z.B. durch Haarspray und vollgerauchte Autos.
Was liest Du derzeit?
David Foster Wallace, „Der Spass an der Sache“. Ich bin fast schon gerührt von der Reichhaltigkeit und Intelligenz dieser Lektüre. Ich freue mich an jeder einzelnen Seite.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ein paar Zeilen aus meiner Erzählung „Künstliche Tölpel“, die Anfang 2019 in dem Kölner Verlag „parasitenpresse“ erschienen ist:
„Er liebte es sehr, alles zu unterlassen. Es gibt doch sogar Lebewesen, dachte Laszlo, die dafür bewundert werden, alles zu unterlassen, etwa Schildkröten oder Yogis, Trinker und Schnecken. Bei ihm aber kämen irgendwann dann stets die Leute, die ihn immerzu zu irgendwas animieren wollten, etwas zu unternehmen, ihn etwas machen lassen wollten, die es nicht ertrugen, wie er sich nicht rührte.“
Vielen Dank für das Interview lieber Dominik, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Lieber Lutz, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Eher ruhig, lange schlafen, kurz soziale Medien abarbeiten, möglichst wenig Massenmedien-Nachrichten lesen, Telefonate mit Veranstaltern führen, ob und wie Auftritte möglich sind. Musik machen, an neuen Stücken arbeiten. Mit Freunden telefonieren, wie sie so drauf sind.
„Lüül“ Lutz Graf Ulbrich, Musiker
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Jede(r) muss hinterfragen, wie er/sie sich informiert und ob die Informationen, die er bekommt, wirklich seriös belegt sind. Ich habe für mich festgestellt, dass die öffentlich-rechtlichen und üblichen Medien das nicht mehr gewährleisten. Offen sein für andere Meinungen, austauschen und kritisch bleiben. Herz öffnen und auf sein Herz hören.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt gesellschaftlich und persönlich stehen. Welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
Ich merke, dass wir mit unseren Live-Stream Konzerten und auch jetzt mit den Live Konzerten viel Positives bewirken. Die Menschen sind weltweit höchst dankbar für jede Art der Unterhaltung und da sind wir als Musiker natürlich gefragt. Wenn auch die momentanen Bedingungen das nur begrenzt zulassen, ist es ganz wunderbar zu erleben, wie sehr alle das genießen und das erfüllt mich mit großer Freude.
Lutz Graf Ulbrich (Gitarre) und Nico_PopularUno Magazin
Was liest Du derzeit?
Der Weg des Spielmanns – ein Buch, das ich beim Rudolstadt Festival gekauft habe, da ich selbst mal eine CD „Spielmann“ produziert habe. Danach lese ich „Based on a true Story – not a Memoir“ von Norm Mcdonald – kanadischer Stand up Comedian.
Welches Zitat, welche Textstelle möchtest Du uns mitgeben?
Da fällt mir jetzt keine spezielle ein.
Aber ein Zitat des Dalai Lama:“Falls du glaubst, dass du zu klein bist, um etwas zu bewirken, dann versuche mal zu schlafen, wenn eine Mücke im Raum ist.“
Lutz Graf-Ulbrich „Lüül“ Musiker
Vielen Dank für das Interview lieber Lutz, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Lieber Friedrich, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mein Tagesablauf hat sich wenig geändert, aufstehen kurz nach sieben, danach am Schreibtisch, schauen, was passiert. Als Schriftsteller bin ich es gewohnt, allein im Zimmer zu bleiben und durchzuhalten. Natürlich vermisse ich die Gastronomie, die Begegnungen, das Unbeschwerte im Alltag. Und viel zu oft bleibe ich in bestimmten sozialen Medien hängen, erstaunt über die Hingabe unendlich vieler User an Blödsinn und Oberflächlichkeiten. Sind die alle arbeitslos, frage ich mich, haben die alle so viel Zeit und sonst nichts zu tun, als Dinge zu kommentieren mit dem Gestus, sie hätten eine Ahnung von irgendwas? Nachmittags eine Runde um den Block drehen, lesen und die frühe Dunkelheit ertragen. Abends Filme auf streaming-Diensten.
Friedrich Ani, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Achtsamkeit, Mitgefühl, Geduld und Nächstenliebe. Das gilt für alle Zeiten, auch außerhalb jeder Pandemie.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Neubeginn? Aufbruch? Bisher habe ich nicht den Eindruck, dass viele Menschen an einem Neubeginn interessiert sind. Und wie sollte der auch aussehen? Dass plötzlich alle aufeinander Rücksicht nehmen? Die Rolle der Literatur in der Gesellschaft ist nicht mein Fachgebiet, ich bin Schriftsteller, kein Soziologe, ich schreibe für den Einzelnen oder – um einen Buchtitel von Lobo Antunes zu variieren – für jene, die im Dunkeln sitzen und auf mich warten. Warten wir’s ab.
Was liest Du derzeit?
Zurzeit lese ich den neuen Roman des großen Portugiesen António Lobo Antunes, „Für jene, die im Dunkeln sitzt und auf mich wartet“, und den abgefahrenen Kriminalroman des Japaners Fuminori Nakamura, „Die Maske“.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
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Vielen Dank für das Interview lieber Friedrich, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an KünstlerInnen:
Friedrich Ani, Schriftsteller
Foto_privat.
24.11.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Liebe Hannelore, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich steh um fünf Uhr morgens auf. Eine Stunde Frühstücken, danach an meinem Romanprojekt arbeiten. ….Hausarbeit, lesen, schreiben, Körperliche Betätigung, wechseln am Tag mehrmals.
Hannelore Commenda, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich kann nicht für uns alle reden. Meine Situation ist anders als die der meisten. Ich lebe schon eine Weile allein. Mein Tagesrhythmus ist während der Pandemie nicht wesentlich anders als sonst. In den Wintermonaten befinde ich mich in Schreibquarantäne, meine sozialen Kontakte beschränken sich auf Facebook.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Ich kann das Zeitgeschehen nicht ändern und wenn auch das Geschichtenschreiben nicht systemrelevant ist, so hoffe ich doch, dass ich es noch lange tun kann.
Was liest Du derzeit?
Fachbücher über Psychologie; Märchen; Biografien; Weltgeschichte; Fachartikel über politische; soziologische und umweltrelevante Themen; den Roman von Xaver Bayer – Geschichten mit Marianne.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Von Andre Heller – Die wahren Abenteuer sind in deinem Kopf, und sind sie nicht in deinem Kopf, dann sind sie nirgendwo.
Hannelore Commenda, Schriftstellerin
Vielen Dank für das Interview liebe Hannelore, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Liebe Larissa, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Im Blick zurück: In den Sommerferien von meinem „Brotjob“ (ich arbeite in der Schule kreativ mit Kindern), war ich sehr entspannt was alltägliche Verpflichtungen betrifft. Kleine Fenster für Projekte taten sich auf. Aber auch die Gelassenheit und Ruhe Dinge auch mal zu versäumen, haben einen wichtigen Platz in meinem Leben gefunden.
War ich oftmals ruhelos und hatte Angst etwas zu versäumen, versuche ich nun, den Leerstellen auch eine Bedeutung einzuräumen. Ich pendle seit fast zwanzig Jahren zwischen zwei Orten. Alltag am Land und in der Stadt sieht jeweils anders aus. In Spitzenzeiten, wenn ich zwischen Job, Mutterschaft und Kreative herumhetze, bin ich von 7-17h nonstop auf den Beinen, und das Funktionieren-Müssen kann ziemlich mühsam sein. Gleichzeitig braucht meine sehr wechselhafte und neugierige Natur auch ein sicheres Konzept. In meinem Alltag versuche ich jetzt den richtigen Ausgleich zwischen Ruhe und Tatkraft zu schaffen.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Nachhaltiges Denken und Handeln sollte schon lange ein wichtiger Bestandteil unserer aller Leben sein. Zusammenhängend Denken, Verantwortung übernehmen für unsere Handlungen. Aufhören zu kategorisieren und ständig Begrifflichkeiten für etwas zu schaffen. Selbstständig denken. Zusammenwachsen statt zu spalten. Im Kollektiv denken und nicht vergessen das alles immer zusammenhängt.
Vor einem Aufbruch, Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Die Kunst in jeglicher Form war schon immer Kanal um die Stimmung einer Gesellschaft auszudrücken, Missstände zu verarbeiten, neue Wege aufzuzeigen, Revolten zu beginnen. Als Künstler wohnt einem ein tiefes Verständnis für das Unausgesprochene inne, welches man in vielen Formen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen kann. Manchmal spürt man Bewegungen und Stimmungen noch bevor sie kollektiv werden.
Manchmal ist es schön, oft unbequem, oft verschlüsselt, aber Kunst ist immer die „kultivierteste“ Form Dinge aufzuzeigen oder aufzubegehren und auch gelegentlich zu provozieren. KünstlerInnen* sind WegbereiterInnen* für neue Ideen und Werte. Wir sind VisionärInnen* und EroberInnen* neuer Zustände. Dafür gehört viel Mut und die Willenskraft an bestehenden Formen zu rütteln.
Was liest Du derzeit?
Neben meinem Bett stehen ca 20 Bücher die ich parallel lese. Im Winter grundsätzlich mehr als im Sommer. Ich lese ein Buch über jüdische Tradition und Religion, einen Roman von Margaret Atwood, dazwischen Sachbücher über Hirnforschung und Quantenphysik.
Welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ich mag das Wort „Mut“, es ist inspirierend. Betrachte Ich es als Ganzes mit meinem inneren Auge, spuckt es eine Bandbreite von Zuständen und Eigenschaften aus: Vision, Stärke, Aufrichtung, Aufrichtigkeit, Willenskraft, Optimismus. Mut kommt nach einer Lücke, es ist das Produkt eines Prozesses, welcher mit der Erkenntnis einhergeht, das Scheitern, Fallen und Aufrichten essentiell sind, um das Leben in seiner Vollkommenheit zu erfassen. Mutig sein passiert nicht nur mit Schild, Pferd und glänzender Rüstung, sondern ganz gerne im Stillen. Es ist ein guter Begriff für diese Zeit. Es bringt uns weg von düsteren Ahnungen und Ängsten. Es aktiviert Kräfte und hat nichts endgültiges an sich denn ihm wohnt etwas vorwärtsstrebendes, erschaffendes inne. Den Mut etwas neues auszuprobieren, etwas zu beenden, wieder aufzustehen, das Licht am Ende des Tunnels zu sehen, zu scheitern, für etwas/jemanden zu sprechen….
Vielen Dank für das Interview liebe Larissa, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen vielfältigen Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Liebe Helena Maria Christina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Meistens stehe ich um 6 Uhr auf und mache mir Kakao oder Kaffee und nimm mir ein paar Minuten Zeit um dankbar zu sein und mit positiven Gedanken in den Tag zu starten. Checke dank Mails und lese die Nachrichten in den oö Nachrichten u, der Presse. Anschließend bereite ich Frühstück für meinen 10 jährigen Sohn Loris vor und bringe ihn in die Schule.
Vormittags habe ich meine kreativste Phase und Inspirationen und nutze die Zeit wenn Loris in der Schule ist, um zu zeichnen , malen und die nächsten Projekte vorzubereiten. Am besten gelingt das mit Musik und in der Natur.
Nebenbei erledige ich Einkäufe und den Haushalt und hole Loris um 12 Uhr mittags wieder von der Schule ab. Nach dem Mittagessen erledigen wir die Hausaufgaben. Nachmittags verbringen wir sehr gerne Zeit im Garten mit unseren Tieren, machen ein Lagerfeuer oder Ausflüge mit Freunden. Abends sehen wir meistens einen Film gemeinsam, mein Sohn liest zum Glück auch gerne Bücher. Sobald er schläft, gehe ich ins Atelier und arbeite, jedoch nicht zu lange da ich am nächsten Tag wieder fit sein muss und den Laden schupfe. Bin sehr dankbar Mama und Künstlerin zu sein und mit viel Disziplin und Verzicht ist das auch beides möglich.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Für uns alle wichtig sind nun denke ich Werte, Zusammenhalt und positive Visionen. Da ja wesentliche Veränderungen notwendig sind und verstärkt Gesundheit, Soziales, Umweltbewusstsein im Fokus stehen nach dem Lockdown, sehe ich im Grunde eine Chance, dass sich viele festgefahrene alte Strukturen sowohl für jeden einzelnen als auch für alle gemeinsam verändern. In meiner Arbeit sind Visionen das Wichtigste. Wie stellen wir uns ein Zusammenleben vor – Arbeit, Schule, Ernährung, Wertschätzung für Tiere und Natur?
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein, und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Als Künstlerin sehe ich es auch als meine Aufgabe meine Stimme zu nutzen, um aufzustehen und mich einzusetzen für Menschen, vor allem Kinder und auch Tiere, die keine Stimme haben. Hier können wir nur alle an einem Strang ziehen, das Volk mit der Politik und umgekehrt.
Kunst ist ein wesentlicher Bestandteil des Systems und wird es jetzt noch mehr wie man sehen konnte. Musik ,Bilder, kreative Kurse usw. sind sehr heilsam und in uns allen verankert, da wir alle ein kreatives Potenzial in uns tragen, wie auch immer sich das ausdrückt.
Was liest Du derzeit?
Ich lese sehr gerne! Im Moment faszinieren mich das alte Wissen indigener Völker, alternative Heilmethoden und Techniken in allen Bereichen.
Welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Einstein kennt jeder.
Der alte Mann mit den langen, grauen Haaren. Steht vor der Kreidetafel und streckt dir frech die Zunge raus. Entdecker der Relativitätstheorie und naturwissenschaftliches Universalgenie.
Wie kein anderer verkörpert Einstein noch lange nach seinem Tod den Begriff genialer Forschung und steht für Wissenschaft, Technologie und Fortschritt.
Neben seinen bahnbrechenden Erkenntnissen, die die moderne Physik geprägt und unsere Weltanschauung massiv verändert haben, zeichnet sich Einstein aber besonders durch seine Weitsicht und sein moralisches Feingefühl aus. Aus diesem Grund habe ich dieses Zitat welches mich zu tiefst berührt ausgewählt.
„Es gibt keine großen Entdeckungen und Fortschritte, solange es noch ein unglückliches Kind auf Erden gibt.“
Vielen Dank für das Interview liebe Helena Maria Christina, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an KünstlerInnen:
Helena Maria Christina Sternstaub „Elle Fee“_Künstlerin
Liebe Britta, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich arbeite hauptberuflich als Sozialarbeiterin in einer Schule. Daher ist mein Tagesablauf sehr strukturiert. Zur Schule gehen, unterrichten, betreuen, mit den Jugendlichen arbeiten. Am Wochenende schreibe ich, alles ist genau getaktet. Mein Alltag hat sich nur wenig geändert.
Britta Avalon Kagels_Schriftstellerin _ Berlin.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Rücksicht, Verantwortung, Empathie, Zusammenhalt, Respekt. Jeder von uns geht mit dieser Krise anders um, jedem geht es anders, jeder hat andere Sorgen oder Ängste. Das sollte man respektieren. Menschen fürchten den Tod, die Arbeitslosigkeit oder die Zukunft. Ich beobachte immer mehr den aggressiven Diskurs, höre Verschwörungstheorien, die gerade erblühen. Das macht mir etwas Sorgen. Die Menschen sind emotional sehr aufgeladen, das sorgt für Gewitter. Ich wünsche mir ein stärkeres Miteinander und weniger Wut.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Ich denke dass unsere Vulnerabilität und Sterblichkeit als Menschheit gerade immer sichtbarer wird. Nicht zuletzt durch Corona. Wir sind nun dazu angehalten, verantwortungsvoller zu handeln. Für die Umwelt und die Mitmenschen. Literatur kann eine Gegenwart konservieren. Viel mehr noch, es gelingt ihr, ein Geschehen wie dieses aus verschiedensten Perspektiven zu bearbeiten und emotional zu färben. Als es im März losging, schrieb ich über den Tod, jedoch humorvoll. Das war meine Art den Tod mit seiner zugeschriebenen Grausamkeit zu entkräften. Wie Kästner schon sagte, Humor ist der Regenschirm der Weisen. Ich wollte es versuchen. Kunst ist für mich ein ständiger Versuch Eindrücke, Ängste, andere Emotionen und Prozesse zu verwandeln. Dort, wo viele Gefühle sind, kann man kreativ werden. Die Kunst bietet die Möglichkeit absoluter Freiheit in den Begrenzungen.
Was liest Du derzeit?
Im Herbst lese ich immer Gedichte. Gerade wieder die von Mascha Kaléko. Ansonsten habe ich gerade mit der Schachnovelle von Stefan Zweig begonnen.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Aus: Der kleine Prinz
Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
Vielen Dank für das Interview liebe Britta, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schreibprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an KünstlerInnen:
Britta Avalon Kagels, Schriftstellerin
Foto_privat.
2.11.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.