„Mutig sein passiert nicht nur mit Schild, Pferd und glänzender Rüstung – Es ist ein guter Begriff für diese Zeit.“ Larissa Ha, Künstlerin _ Neusiedl/See – 24.11.2020

Liebe Larissa, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Im Blick zurück: In den Sommerferien von meinem „Brotjob“  (ich arbeite in der Schule kreativ mit Kindern), war ich sehr entspannt was alltägliche Verpflichtungen betrifft. Kleine Fenster für Projekte taten sich auf. Aber auch die Gelassenheit und Ruhe Dinge auch mal zu versäumen, haben einen wichtigen Platz in meinem Leben gefunden.

War ich oftmals ruhelos und hatte Angst etwas zu versäumen, versuche ich nun, den Leerstellen auch eine Bedeutung einzuräumen. Ich pendle seit fast zwanzig Jahren zwischen zwei Orten. Alltag am Land und in der Stadt sieht jeweils anders aus. In Spitzenzeiten, wenn ich zwischen Job, Mutterschaft und Kreative herumhetze, bin ich von 7-17h nonstop auf den Beinen, und das Funktionieren-Müssen kann ziemlich mühsam sein. Gleichzeitig braucht meine sehr wechselhafte und neugierige Natur auch ein sicheres Konzept. In meinem Alltag versuche ich jetzt den richtigen Ausgleich zwischen Ruhe und Tatkraft zu schaffen.

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 Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Nachhaltiges Denken und Handeln sollte schon lange ein wichtiger Bestandteil unserer aller Leben sein. Zusammenhängend Denken, Verantwortung übernehmen für unsere Handlungen. Aufhören zu kategorisieren und ständig Begrifflichkeiten für etwas zu schaffen. Selbstständig denken. Zusammenwachsen statt  zu spalten. Im Kollektiv denken und nicht vergessen das alles immer zusammenhängt.

 

Vor einem Aufbruch, Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Die Kunst in jeglicher Form war schon immer Kanal um die Stimmung einer Gesellschaft auszudrücken, Missstände zu verarbeiten, neue Wege aufzuzeigen, Revolten zu beginnen. Als Künstler wohnt einem ein tiefes Verständnis für das Unausgesprochene inne, welches man in vielen Formen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen kann. Manchmal spürt man Bewegungen und Stimmungen noch bevor sie kollektiv werden.

Manchmal ist es schön, oft unbequem, oft verschlüsselt, aber Kunst ist immer die „kultivierteste“ Form Dinge aufzuzeigen oder aufzubegehren und auch gelegentlich zu provozieren. KünstlerInnen* sind WegbereiterInnen* für neue Ideen und Werte. Wir sind VisionärInnen* und EroberInnen* neuer Zustände. Dafür gehört viel Mut und die Willenskraft an bestehenden Formen zu rütteln.

 

Was liest Du derzeit?

Neben meinem Bett stehen ca 20 Bücher die ich parallel lese. Im Winter grundsätzlich mehr als im Sommer. Ich lese ein Buch über jüdische Tradition und Religion, einen Roman von Margaret Atwood, dazwischen Sachbücher über Hirnforschung und Quantenphysik.

 

 Welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ich mag das Wort „Mut“, es ist inspirierend. Betrachte Ich es als Ganzes mit meinem inneren Auge, spuckt es eine Bandbreite von Zuständen und Eigenschaften aus: Vision, Stärke, Aufrichtung, Aufrichtigkeit, Willenskraft, Optimismus. Mut kommt nach einer Lücke, es ist das Produkt eines Prozesses, welcher mit der Erkenntnis einhergeht, das Scheitern, Fallen und Aufrichten essentiell sind, um das Leben in seiner Vollkommenheit zu erfassen. Mutig sein passiert nicht nur mit Schild, Pferd und glänzender Rüstung, sondern ganz gerne im Stillen. Es ist ein guter Begriff für diese Zeit. Es bringt uns weg von düsteren Ahnungen und Ängsten. Es aktiviert Kräfte und hat nichts endgültiges an sich denn ihm wohnt etwas vorwärtsstrebendes, erschaffendes inne. Den Mut etwas neues auszuprobieren, etwas zu beenden, wieder aufzustehen, das Licht am Ende des Tunnels zu sehen, zu scheitern, für etwas/jemanden zu sprechen….

Vielen Dank für das Interview liebe Larissa, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen vielfältigen Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Larissa Ha, Künstlerin

https://dynamofaktur.jimdofree.com/

Foto_privat.

5.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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