„Als Schriftsteller bin ich es gewohnt, allein im Zimmer zu bleiben und durchzuhalten“ Friedrich Ani, Schriftsteller, München _ 24.11.2020

Lieber Friedrich, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf hat sich wenig geändert, aufstehen kurz nach sieben, danach am Schreibtisch, schauen, was passiert. Als Schriftsteller bin ich es gewohnt, allein im Zimmer zu bleiben und durchzuhalten. Natürlich vermisse ich die Gastronomie, die Begegnungen, das Unbeschwerte im Alltag. Und viel zu oft bleibe ich in bestimmten sozialen Medien hängen, erstaunt über die Hingabe unendlich vieler User an Blödsinn und Oberflächlichkeiten. Sind die alle arbeitslos, frage ich mich, haben die alle so viel Zeit und sonst nichts zu tun, als Dinge zu kommentieren mit dem Gestus, sie hätten eine Ahnung von irgendwas? Nachmittags eine Runde um den Block drehen, lesen und die frühe Dunkelheit ertragen. Abends Filme auf streaming-Diensten.

Friedrich Ani, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Achtsamkeit, Mitgefühl, Geduld und Nächstenliebe. Das gilt für alle Zeiten, auch außerhalb jeder Pandemie.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Neubeginn? Aufbruch? Bisher habe ich nicht den Eindruck, dass viele Menschen an einem Neubeginn interessiert sind. Und wie sollte der auch aussehen? Dass plötzlich alle aufeinander Rücksicht nehmen? Die Rolle der Literatur in der Gesellschaft ist nicht mein Fachgebiet, ich bin Schriftsteller, kein Soziologe, ich schreibe für den Einzelnen oder – um einen Buchtitel von Lobo Antunes zu variieren – für jene, die im Dunkeln sitzen und auf mich warten. Warten wir’s ab.

Was liest Du derzeit?

Zurzeit lese ich den neuen Roman des großen Portugiesen António Lobo Antunes, „Für jene, die im Dunkeln sitzt und auf mich wartet“, und den abgefahrenen Kriminalroman des Japaners Fuminori Nakamura, „Die Maske“.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Vielen Dank für das Interview lieber Friedrich, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Friedrich Ani, Schriftsteller

Foto_privat.

24.11.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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