„Ich wünsche mir ein stärkeres Miteinander und weniger Wut“ Britta Avalon Kagels_ Schriftstellerin _ Berlin 23.11.2020

Liebe Britta, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich arbeite hauptberuflich als Sozialarbeiterin in einer Schule. Daher ist mein Tagesablauf sehr strukturiert. Zur Schule gehen, unterrichten, betreuen, mit den Jugendlichen arbeiten. Am Wochenende schreibe ich, alles ist genau getaktet. Mein Alltag hat sich nur wenig geändert. 

Britta Avalon Kagels_Schriftstellerin _ Berlin.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Rücksicht, Verantwortung, Empathie, Zusammenhalt, Respekt. Jeder von uns geht mit dieser Krise anders um, jedem geht es anders, jeder hat andere Sorgen oder Ängste. Das sollte man respektieren. Menschen fürchten den Tod, die Arbeitslosigkeit oder die Zukunft. Ich beobachte immer mehr den aggressiven Diskurs, höre Verschwörungstheorien, die gerade erblühen. Das macht mir etwas Sorgen. Die Menschen sind emotional sehr aufgeladen, das sorgt für Gewitter. Ich wünsche mir ein stärkeres Miteinander und weniger Wut.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich denke dass unsere Vulnerabilität und Sterblichkeit als Menschheit gerade immer sichtbarer wird. Nicht zuletzt durch Corona. Wir sind nun dazu angehalten, verantwortungsvoller zu handeln. Für die Umwelt und die Mitmenschen.
Literatur kann eine Gegenwart konservieren. Viel mehr noch, es gelingt ihr, ein Geschehen wie dieses aus verschiedensten Perspektiven zu bearbeiten und emotional zu färben. Als es im März losging, schrieb ich über den Tod, jedoch humorvoll. Das war meine Art den Tod mit seiner zugeschriebenen Grausamkeit zu entkräften. Wie Kästner schon sagte, Humor ist der Regenschirm der Weisen. Ich wollte es versuchen. Kunst ist für mich ein ständiger Versuch Eindrücke, Ängste, andere Emotionen und Prozesse zu verwandeln. Dort, wo viele Gefühle sind, kann man kreativ werden. Die Kunst bietet die Möglichkeit absoluter Freiheit in den Begrenzungen.

Was liest Du derzeit?

Im Herbst lese ich immer Gedichte. Gerade wieder die von Mascha Kaléko. Ansonsten habe ich gerade mit der Schachnovelle von Stefan Zweig begonnen.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Aus:  Der kleine Prinz

Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

Vielen Dank für das Interview liebe Britta, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schreibprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Britta Avalon Kagels, Schriftstellerin

Foto_privat.

2.11.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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