„Literatur trägt Verantwortung“ Laura Lichtblau, Schriftstellerin _ Berlin 30.11.2020

Liebe Laura, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich gehöre zu den glücklichen Autorinnen mit Atelier. Meist stehe ich also recht früh auf, fahre mit dem Rad eine halbe Stunde quer durch Berlin und immer weiter Richtung Stadtrand, um mich dort an den Schreibtisch zu setzen und zu schreiben. Wenn ich nicht weiterkomme, gehe ich raus in den Garten und schaue ob sich gerade noch jemand vor der Arbeit drückt und einen Kaffee mit mir trinkt.

Laura Lichtblau _ Foto: Max Zerrahn

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Geduld, Rationalität und sehr viel Zuversicht.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wichtig finde ich es jetzt, nicht nur danach zu gucken, wie es uns hier in Deutschland geht. Was passiert mit den Menschen in den Flüchtlingslagern, z.B. in Moria, wo jetzt Covid-19-Fälle aufgetreten sind und die Menschen dort aufgrund der katastrophalen Bedingungen keine Chance haben, die empfohlenen Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten?

Was können wir als BürgerInnen, als LiteratInnen tun, um auf die Situation dort aufmerksam zu machen? Und wann wird die deutsche Regierung aktiv und nimmt endlich die Geflüchteten hier auf?

Ich glaube schon, dass die Literatur eine Verantwortung trägt. Gerade weil sie die größtmögliche Freiheit bietet, kann sie über die Wirklichkeit hinausweisen und so vielleicht neue Wege oder zumindest Perspektiven aufzeigen.

Was liest Du derzeit?

Zu viel gleichzeitig, es hat sich angestaut oder ich war einfach zu gierig. Euphoria von Lily King, Breasts and Eggs von Mieko Kawakami, Est-ce qu’il se passe quelque chose? von Antoine Hummel,  Aus der Zuckerfabrik von Dorothee Elmiger und Olivia von Dorothy Bussy.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

the poetry of the future will be unabashedly adolescent. (…) the poetry of the future will wear squeaky shoes in the vatican. it will say where we work and who we love and what we eat. sometimes it will be hungover and desperate. it might bite its nails. (…) sometimes the poetry of the future will have to put on a silk kimono and sigh.

                                                        Maggie Nelson, the future of poetry in The Latest Winter

Vielen Dank für das Interview liebe Laura, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Laura Lichtblau, Schriftstellerin

9.9.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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